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Montag, 27. Februar 2012

Feige "Kinderärzte im Netz"

Die Redakteure von Stiftung-Warentest haben sich über das Thema Impfen getraut und nun wird landauf landab in den Medien berichtet, dass die Windpocken-Impfung dabei gar nicht gut abgeschnitten hat. "Stiftung Warentest rät von Windpocken-impfung ab", stand beispielsweise in der Bild-Zeitung zu lesen.

Die Stiftung Warentest kritisiert an der Windpocken-Impfung unter anderem deren angeblich schlechte Wirksamkeit und die unsichere Dauer des Impfschutzes. Die Diskussion darüber reicht zurück bis zur Mitte der 90er Jahre, als in den USA die Massenimpfung gegen Windpocken eingeführt wurde. Damals herrschte die Meinung, dass eine Einzelimpfung für lebenslange Immunität sorgen würde. Die Strategen der US-Impfkampagne mussten ihren Irrtum spätestens dann eingestehen, als Windpocken an High-Schools ausbrachen, wo 100 Prozent der Schüler geimpft waren.
Die Wirksamkeit der Einmalimpfung wurde schließlich mit bestenfalls 70 Prozent bewertet. (Als Hauptargument für die Einführung der Impfung wurde übrigens damals kein gesundheitlicher Grund genannt sondern ein wirtschaftlicher: die Impfung könne mithelfen ein paar Pflegetage einzusparen.)

Seit einigen Jahren wird nun generell die zweimalige Impfung gegen Windpocken empfohlen. Und das gilt auch für Deutschland, das unter dem damaligen - bekannt Pharma-freudigen - STIKO Vorsitzenden HJ Schmitt als erstes Land der EU im Jahr 2004 den USA mit der Impfempfehlung hinterher gewieselt ist. Ob es, so wie bei der Einmalimpfung nun auch wieder einige Jahre braucht, bis die Wirkung nachlässt, oder ob die Zweimal-Impfung tatsächlich die lebenslange Immunität bringt, kann man derzeit noch nicht abschließend beurteilen. Die Impfexperten haben jedenfalls schon ein Argument auf Lager, falls die Wirksamkeit der Impfung wieder schwinden sollte: "Auch kein Problem, dann impfen wir halt dreimal!"

Höheres Gürtelrose-Risiko

Neben deren fraglicher Wirksamkeit gibt es aber noch andere bedeutsame Gründe, kritisch gegenüber der Windpocken-Impfung zu sein. Zum einen ist das die ungeklärte Frage, wie es nun mit den Gürtelrose-Erkrankungen weiter geht. Die Stiftung hatte gewarnt, dass die Impfkampagne zu einem Gürtelrose-Welle führen könnte.
Das ruft nun als Verteidiger der Impfpläne die Vereinigung der Kinder- und Jugendärzte im Netz auf den Plan. Sie sieht das nicht so - und wendet sich folgendermaßen gegen die Einschätzung der Konsumentenschützer:
Das Gürtelrosen-Risiko, das die Stiftung Warentest anspricht, ist hypothetisch, das heißt bisher noch nicht bewiesen. In den USA, wo bereits seit 1995 flächendeckend gegen Windpocken geimpft wird, hat sich die Zahl der Gürtelrosenerkrankungen bisher nicht erhöht.

In der Klarheit, wie das hier behauptet wird, beruht diese Darstellung entweder auf mangelnder Recherche oder es handelt sich um eine bewusste Fehlinformation. Es gibt - im Gegensatz zu dieser Meldung der "Kinderärzte im Netz" - sehr wohl eine Reihe seriöser Daten, die einen negativen Einfluss der Windpocken-Massenimpfung nahe legen. Anstatt ihre Beruhigungsfloskel abzulassen, hätten die Kinderärzte etwa in der internationalen Medizin-Datenbank "pubmed" nachschlagen können und wären dort auf folgende Studie von Wissenschaftlern der Harvard Medical School in Boston gestoßen. In dieser, Ende 2011 publizierten Arbeit kommt - anhand einer Analyse von 560.000 elektronischen Krankenakten - folgendes Ergebnis raus:
Between 1996 and 2008, the age- and sex-adjusted annual incidence of postherpetic neuralgia (PHN) rose from 0.18 to 0.47 cases per 1000 patients, and the proportion of herpes zoster patients progressing to PHN rose from 5.4% to 17.6%

Seit der breitflächigen Einführung der Windpocken-Impfung haben sich die gefürchteten chronischen Schmerzen nach Gürtelrose (postherpetische Neuralgie) also mehr als verdoppelt, der Anteil der Gürtelrose-Patienten, welche diese Spätfolgen erleiden mussten, verdreifachte sich.
Biologisch plausibel ist der Zusammenhang jedenfalls. Dass Wildviren, die von Windpocken-kranken Kindern ausgestreut werden, bei Erwachsenen einen Immunboost auslösen, der die eigenen "schlafenden" Viren in Schach hält, ist sein langem bekannt. Auf diesem Prinzip basiert auch die Gürtelrose-Impfung, die es seit einigen Jahren zu kaufen gibt. Sie enthält hochdosierte lebende Windpocken-Viren und imitiert den Kontakt mit einem Windpocken kranken Kind.
Dieser Immunboost ist in den USA auf Grund der Massenimpfung mittlerweile schon selten geworden. In Deutschland ist die Situation regional unterschiedlich. Während im Osten mehr als 50 Prozent der Kinder entsprechend der STIKO-Empfehlung geimpft sind, haben sich in Bayern bislang nur 15 Prozent der Eltern für die Windpocken-Impfung entschieden. Mit jedem Jahr steigt der Anteil jedoch ein wenig an. Und während die Haus- und Kinderärzte bei Einführung der Impfempfehlung im Jahr 2004 noch zu zwei Drittel skeptisch waren, hat heute nur noch jeder dritte Arzt Vorbehalte gegen die Windpocken-Impfung. - Und so werden wohl auch in Deutschland die Windpocken-Wellen bald seltener werden.

Wenn wir uns für eine großteils harmlose Kinderkrankheit das massenhafte Auftreten einer extrem unangenehmen, schwer und teuer zu behandelnden Erwachsenen-Krankheit eingehandelt haben, die ihre Opfer nicht selten in den Suizid treibt, so wäre das kein cleverer Deal gewesen, den uns die Impfexperten hier eingebrockt haben. 
Für die Impfstoff-Hersteller hingegen würde sich der Irrtum auszahlen. Denn wenn Gürtelrose zur Massenkrankheit des Erwachsenen-Alters werden sollte, steht über den Verkauf der hochpreisigen Gürtelrose Impfung ein weiterer ordentlicher Geldregen ins Haus.


"Deutlich erhöhtes Risiko schwererer Erkrankung" - durch Stiftung Warentest??

Was die Seriosität des "Kinderärzte im Netz" Artikels betrifft, ist allerdings noch nicht die Talsohle erreicht. Der endgültige Tiefpunkt folgt beim Versuch, der Stiftung Warentest die Verantwortung dafür unterzujubeln, dass die Windpocken weiter zirkulieren:
Zum jetzigen Zeitpunkt, wo die natürliche Infektion in Deutschland zurückgedrängt ist, Individuen zu empfehlen, nicht zu impfen, ist kein guter Rat. Das Risiko ist, dass bei zurückgedrängter Zirkulation der Windpocken-Viren die Erstinfektion in höhere Jahrgänge, die Pubertät und darüber hinaus verschoben wird mit deutlich erhöhtem Risiko schwererer Erkrankung.

Dieses Argument muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, um dessen Hinterfotzigkeit in allen Nuancen auszukosten. Als wären die Krankheitswellen mit einem Schlag abgeebbt, seit die Impfung in Deutschland empfohlen ist - und die Radaubrüder von der Stiftung sorgen nun für ein Comeback.  Selbstverständlich zirkulieren bei Impfraten zwischen 15 und 70 Prozent die Viren aber nach wie vor. Erst wenn hier Durchimpfungsraten von über 90 Prozent - so wie bei Masern, Mumps und Röteln -  erreicht sind, könnten die Windpocken über längere Zeit zurückgedrängt werden.
Aber es stimmt schon, das Alter, in dem die Kinder in Deutschland mittlerweile erkranken, hat sich bereits erhöht und - wie die Kinderärzte auch richtig schreiben - geht es tendenziell in Richtung eines deutlich höhere Risikos von Komplikationen.
Wohin hier der Weg führt, haben ebenfalls die USA vorgeführt. Während in der Vorimpfära die Kinder im Schnitt mit fünf Jahren an Windpocken erkrankten, lag das Alter bei der letzten Untersuchung zu diesem Thema bereits bei rund elf Jahren. Es handelt sich um einen klaren Effekt der Massenimpfung.
Die Verantwortung dafür, liebe Kinderärzte im Netz, müsst also schon Ihr und die anderen Befürworter der Massenimpfung übernehmen.
Das auf die Stiftung Warentest abzuschieben ist schäbig und feig.

Samstag, 26. November 2011

Komplikationen bei Windpocken: eine These

Immer wieder ist von heftigen Windpocken die Rede, welche den Kindern wochenlang zu schaffen machen, die Kinder mit unglaublich vielen Pusteln am ganzen Körper entstellen und schwer abheilen. Möglicherweise haben diese Reaktionen eine Ursache, die bisher unbeachtet blieb.

Auffallend ist nämlich, dass viele dieser Kinder davor eine 6-fach oder sonstige Impfung mit den üblichen Adjuvantien erhalten haben. Diese Wirkverstärker sind in etwa zwei Drittel der Impfungen enthalten (z.B. FSME, Pneumokokken, Meningokokkem). Die geläufigsten Adjuvantien sind Aluminiumhydroxid und Aluminiumphosphat.
Bei Kindern, welche davor keine derartigen Impfungen erhalten haben, verlaufen die Windpocken normalerweise mild. Ich halte es deshalb für wahrscheinlich, dass das Risiko auf Komplikationen und ernsthafte Verläufe bei Windpocken ansteigt, wenn die Kinder davor adjuvierte Impfstoffe erhalten haben.

Falsche Reaktion des Immunsystems
Es ist bekannt, dass die üblichen Wirkverstärker die Immunantwort in Richtung einer Th2-Antwort manipulieren. - Windpocken-Viren werden vom Immunsystem, so wie zahlreiche andere Infekte, normalerweise jedoch mit einer Th1-Antwort bekämpft. Nach vorangegangener 6-fach Impfung ist aber nicht mehr gewiss, dass das Immunsystem den Viren mit der - im Lauf der Evolution eingespielten - besten Methode begegnet, sondern mit einer weniger gut geeigneten. Daraus folgt, dass sich die Viren über einen längeren Zeitraum vermehren können und größere Schäden anrichten.

Bei dieser Erklärung handelt es sich um eine These, die ich für recht wahrscheinlich halte und die durch zahlreiche Indizien gestützt wird. Dass Aluminium-haltige Adjuvantien die Immunantwort in Richtung einer Th2-Antwort manipulieren, kann in den meisten Immunologie-Lehrbüchern nachgelesen werden. Dass die Th2-Polung des Immunsystems nicht sofort nach der Impfung aufhört, sondern noch Wochen und Monate andauern kann, zeigen zahlreiche Studien z.B. (Aaby P., Boelen A. etc.)

Prof. Peter Aaby, der seit drei Jahrzehnten das Bandim Health Project in Guinea Bissau leitet, hat es in seinem Umfeld seit einigen Jahren zur Regel gemacht, dass alle Kinder zu ihrem Schutz - als letzte Impfung im Babyalter - eine Impfung erhalten sollten, welche das Immunsystem wieder Richtung Th1 Antwort zurück polt.
Diese Maßnahme hat einen sehr ernsthaften Hintergrund: Aaby und seine Mitarbeiter haben in zahlreichen Studien heraus gefunden, dass Kinder nach Tetanus-Diphtherie-Keuchhusten-Impfungen ein deutlich erhöhtes Krankheits- und Sterberisiko haben. Die geimpften Kinder erkranken danach wesentlich häufiger und ernsthafter an Tropenkrankheiten wie Malaria, oder an Infekten, die zu Lungenentzündungen oder Durchfall führen. Viele Jahre intensiver Forschung waren notwendig, bis Aaby entdeckte, welcher Mechanismus diese dramatischen Folgen erklären könnte. Als wahrscheinlichste Antwort kam er eben auf die Veränderung der Immunreaktion und die daraufhin geschwächte Abwehrkraft.

"Gute" Impfungen, welche die Abwehrkräfte stärken, gibt es jedoch auch. Dazu zählt z.B. die alte Tuberkulose-Impfung (BCG), die in Europa allerdings nicht mehr verwendet wird. Vor allem aber die Masern, bzw. die MMR Impfung. Diese Impfung ist imstande, neben ihrem Schutz vor Masern, Mumps und Röteln - auch die negativen Auswirkungen der vorangegangenen Impfungen auf das Immunsystem halbwegs zu neutralisieren.
Peter Aaby hat dazu nun einige Studien initiiert und erste Ergebnisse zeigen, dass negative Effekte deutlich verringert werden können.
Natürlich würde sich Prof. Aaby wünschen, dass das Impfkonzept der WHO, aber auch die immer größer werdenden Privat-Initiativen wie jene der Bill & Melinda Gates Stiftung, einmal grundsätzlich evaluieren würden, ob ihre Kampagnen beim Nutzen für die Gesundheit der Kinder überhaupt noch positiv bilanzieren, oder ob sie nicht eigentlich inzwischen mehr Schaden anrichten.
Bei diesen Organisationen besteht jedoch bislang keinerlei Bereitschaft, ihre Tätigkeit kritisch zu prüfen und schlechte Impfungen aus dem Programm zu eliminieren.

Wer prüft die langfristigen Impffolgen?
Empirisch überprüft wurde die These, dass Windpocken in zeitlicher Abfolge nach 6-fach Impfung komplikationsreicher verlaufen, meines Wissens bisher noch nicht. Dies liegt daran, dass diese Art von Forschung keinen kommerziellen Zwecken dient und sich von den Impfstoff-Herstellern nicht zu Geld machen ließe.
Im Gegenteil: wenn sich diese These bestätigt, würde das Unruhe auslösen und Geld kosten. Sechsfach- und sonstige adjuvierte Impfungen sowie die derzeit verwendeten Wirkverstärker würden in Verruf kommen. Die Hersteller wären gezwungen, viel Geld und Energie in die Forschung nach verträglicheren Adjuvantien zu investieren. Und das erscheint der Industrie wohl nicht gerade als eine lohnende Aussicht.

Wer darauf hofft, dass unsere Gesundheitsbehörden oder sonstige unabhängige Stellen einspringen, kann ebenso gut auf Godot warten. Von unabhängiger Seite wird leider nur sehr selten Geld in Impfstoff-Forschung und Impfstoff-Sicherheit investiert, da sich die Behörden eher als Bewahrer des "Impfgedankens" sehen. Die Abwicklung der Token-Studie zur Abklärung des Sterberisikos nach Sechsfachimpfung durch das Robert Koch Institut ist dafür ein gutes Beispiel.

Meist wird tunlichst alles unterlassen, was den Glorienschein des Impfens anpatzen könnte. Das ist - im Sinne der Impfstoffsicherheit - sehr ärgerlich und auch verantwortungslos, so ist es aber leider.

Montag, 6. Dezember 2010

Soll ich mein Kind gegen Windpocken impfen? Teil 2

Im ersten Teil meines Artikels habe ich mich mit der Bedeutung der Windpocken für die Entwicklung des kindlichen Immunsystems, dem schwächeren Nestschutz der Babys geimpfter Mütter, die zunehmende Gefahr von Windpocken-Infektionen in der Schwangerschaft, sowie dem unsicheren Langzeit-Schutz der Windpocken-Impfung befasst. Hier widme ich mich nun einem Phänomen, an das bei Einführung der Impfung überhaupt niemand gedacht hat: Dass Erwachsene nämlich vom Kontakt mit Viren-schleudernden Kindern profitieren - und ohne diesen Kontakt leichter an der gefährlichen Gürtelrose erkranken.

Windpocken-kranke Kinder wirken auf Erwachsene wie eine Auffrischungs-Impfung. (Foto: Ehgartner)

Argument 4: Die Windpocken-Impfung erhöht das Risiko für ernsthafte Gürtelrose-Erkrankungen

Windpocken werden vom Varizella-Zoster-Virus aus der Familie der Herpesviren verursacht. Wenn die Windpocken überstanden sind, verbleiben die Viren ein ganzes Leben lang in unserem Organismus. Sie verkriechen sich über die Nervenbahnen und „schlafen“ in den Nervenknoten des Rückenmarks sowie der Hirnnerven. (Das haben sie übrigens mit den Herpes-Simplex-Viren, einem anderen Vertreter dieser Familie gemein. Wenn diese Herpesviren aus ihrem Dämmerzustand in den Nervenknoten aufwachen und aktiv werden, merken wir das beispielsweise an Fieberbläschen auf den Lippen.)
Windpockenviren haben normalerweise einen recht ausdauernden Schlaf und werden bei den meisten Menschen zeitlebens nie wieder aktiv. Falls aber doch, ist das Ergebnis wesentlich ernster als bei den lästigen, aber ansonsten nicht weiter gefährlichen Fieberbläschen: die Betroffenen erkranken dann nämlich an Gürtelrose (Herpes Zoster). Symptome sind Brennen und teils starke Schmerzen in jenem Hautareal, das durch den betroffenen Nervenstrang versorgt wird. Schließlich bilden sich Bläschen, die mit einer infektiösen Flüssigkeit gefüllt sind. Nun sind Gürtelrosepatienten ansteckend und der kranke Opa könnte beispielsweise das Enkelkind infizieren. Allerdings nicht mit Gürtelrose selbst, sondern mit Windpocken. Gürtelrose selbst ist nicht übertragbar.

In dieser Eigenheit der Windpocken-Viren liegt übrigens auch die Ursache, warum es hier - im Gegensatz etwa zu den Masern-Viren - vollständig unmöglich ist, diese Viren jemals auszurotten. Denn auch bei Geimpften setzen sich die dabei verwendeten Lebendviren in den Nerven fest.
Ob die abgeschwächten Viren aus der Impfung später auch eine schwächere Form der Gürtelrose auslösen, ist eine Frage, die derzeit noch schwer zu beantworten ist. Dazu gibt es bislang noch keine Studien, weil diese Effekte sehr langfristig wirken, die Kinder sehr früh geimpft werden und die Gürtelrose vorwiegend im höheren Lebensalter auftritt.

Dass jedenfalls auch Geimpfte an Gürtelrose erkranken können, weiß man jedoch bereits. Ein Team der Columbia University beobachtete Personen, die zu den ersten Windpocken-Impflingen in den USA zählten, über einen Zeitraum von zehn bis 26 Jahren auf das Auftreten von Gürtelrose. Tatsächlich erwies sich das Krankheitsrisiko bisher als gleich groß als in der Normal-Bevölkerung, die noch die normalen Windpocken durchgemacht haben.

Gürtelrose (Foto: Wikipedia Commons/Fisle) tritt oft im Bereich der Körpermitte, eben entlang des Gürtels, auf, kann aber auch viele andere Regionen befallen. Wenn Gesichtsnerven betroffen sind, kann es bei dieser schwer zu behandelnden Krankheit zu Lähmungen der Muskulatur oder Schädigungen der Sehkraft kommen. Lebensbedrohlich wird Gürtelrose, wenn das gesamte Nervensystem vom Wiederausbruch der Viren erfasst wird. Diese Sonderform tritt jedoch nur bei stark immungeschwächten Menschen auf. Relativ häufig sind demgegenüber Nervenschäden – sogenannte Post-Zoster-Neuralgien – die nach überstandener und ausgeheilter Gürtelrose bestehen bleiben. Die damit verbundenen Schmerzen können lebenslang andauern und so schwer sein, dass sie die Lebensqualität der Betroffenen ruinieren und manche von ihnen sogar in den Selbstmord treiben.

Bei Windpocken tritt nun das interessante Phänomen auf, dass der Kontakt mit kranken Kindern die „schlafenden“ Viren der Erwachsenen in Schach hält und diese damit vor Gürtelrose schützt. Eine englische Untersuchung konnte diesen Zusammenhang konkret messen. Die Wissenschaftler sammelten aus ärztlichen Praxen in London 244 Fälle von Gürtelrose und suchten dann für jeden gefundenen Patienten zwei Kontrollpersonen ohne Gürtelrose, dafür aber gleich alt und mit selbem Geschlecht. In der Folge wurden nun alle Studienteilnehmer genau darüber befragt, wie viel Umgang sie während der letzten zehn Jahre mit Kindern und speziell mit windpockenkranken Kindern hatten. In der Auswertung zeigte sich, dass gelegentlicher Kontakt mit frischen Viren das Gürtelroserisiko der Erwachsenen auf ein Fünftel reduzierte. Die Autoren warnen deshalb im Schlussabsatz ihrer Arbeit auch vor den Folgen, die eine Vermeidung der Windpocken für die Erwachsenen haben könnte: „Wenn die Krankheit bei Kindern durch die Einführung einer Windpockenimpfung reduziert wird, so könnte das zu einem Ansteigen der Gürtelrosefälle bei den Erwachsenen führen.“

Wie stark dieser Anstieg ausfallen könnte, zeigt die Studie eines Teams des "Überwachungszentrums für übertragbare Krankheiten" in London. Zunächst untersuchten sie, ob es beim Gürtelrose-Risiko einen Unterschied macht, wenn Erwachsene gleichen Alters im Haushalt zusammen mit Kindern leben. Dabei zeigte sich, dass der über die Kinder vermittelte Kontakt mit Windpocken-Viren die Häufigkeit von Gürtelrose um signifikante 25 Prozent reduziert. Diesen Wert nahmen die Briten nun als Basis für eine mathematische Modellrechnung. Und das Resultat sollte eigentlich alle Alarmglocken schallen lassen. Die Londoner Wissenschaftler schreiben nämlich:
Die Massen-Impfung gegen Windpocken wird eine größere Epidemie von Herpes zoster (Gürtelrose) verursachen. Mehr als 50 Prozent jener Menschen, die zum Zeitpunkt der Einführung der Impfung zehn bis 44 Jahre alt waren, werden von der Krankheit betroffen sein. 

Die Hälfte der Bevölkerung Gürtelrose-krank? Das wäre ein wirkliches Alptraum-Szenario. Doch die Beobachtungen in den USA zeigen bereits, dass die britische Berechnung durchaus zutreffen könnte.
In den USA werden die Kinder bereits seit Mitte der 90er Jahre gegen Windpocken geimpft. Und weil dort die Regel „no vaccination – no school“ („ohne Impfung kein Schulbesuch“) gilt, liegt die Impfrate der Kinder bei über 80 Prozent.
Wissenschaftler der Universität Harvard in Boston untersuchten nun den Verlauf der beiden Krankheiten in der jüngsten Vergangenheit. Dabei zeigte sich eine beunruhigende Entwicklung, die sich in den kommenden Jahren noch verschärfen könnte. Während die Windpocken im Zeitraum von 1998 bis 2003 nämlich von 16,5 jährlichen Fällen pro 1.000 Personen auf 3,5 Fälle zurückgingen, verdoppelte sich die Häufigkeit der Gürtelrose nahezu und stieg innerhalb dieser fünf Jahre von 2,8 Fällen auf 5,3 Fälle an. Damit gibt es jetzt in den USA schon deutlich mehr Fälle von Gürtelrose als von Windpocken. Am stärksten betroffen sind Menschen über 65 Jahren. Die höchste Steigerungsrate zeigte sich jedoch überraschenderweise bei jüngeren Erwachsenen in der Altersgruppe von 25 bis 44 Jahren. Hier stieg das Risiko, an Gürtelrose zu erkranken, um satte 161 Prozent an.

Wir dramatisch sich diese Zunahme auswirkt, belegt eine aktuelle Studie eines Teams der University of Michigan in Ann Arbor. Sie zeigte, dass es ab der allgemeinen Einführung der Windpocken-Impfung fünf Jahre dauerte, bis sich der erste Aufwärtstrend bei Gürtelrose bemerkbar machte. Seither aber geht es rasant aufwärts. Parallel dazu stiegen die Kosten für die Therapie der Gürtelrose. Im Jahr 2004 lagen sie bereits um 700 Mio. US Dollar über dem bisherigen Aufwand.
Dies ist umso bemerkenswerter, als die Einführung der Windpocken-Impfung ursprünglich gar nicht so sehr mit den mit Windpocken verbundenen Gesundheits-Gefahren begründet wurde, sondern vor allem mit der Ersparnis für die Volkswirtschaft. Wenn die Kinder nicht mehr erkranken, müssen die Eltern weniger Pflegetage nehmen und allein dieser Effekt mache die Impfung schon rentabel, hieß es in den ökonomischen Berechnungen.
Leider wurde dabei auf die Kosten vergessen, welche nun der Anstieg bei Gürtelrose verursacht. Und so klingt das Resumee der Studienautoren aus Michigan denn auch diesbezüglich recht ernüchternd:
"Die Windpocken-Impfung hat dazu geführt, dass die Kosten für die Behandlung der Windpocken von 1993 bis 2004 signifikant gesunken sind. Diese Ersparnis war jedoch geringer als der gleichzeitige Anstieg der Behandlungskosten für Gürtelrose."

Die Impfstoff-Hersteller reagierten rasch und brachten kürzlich auch eine Gürtelrose-Impfung auf den Mark. Sie imitiert den Kontakt mit Windpocken-kranken Kindern und enthält – wegen des schwächeren Immunsystems älterer Menschen – die Windpockenviren in 14-fach höherer Dosis als in der Kinderimpfung. Dieser pharmazeutische Schutz vor Gürtelrose kostet rund 200 Euro und ist seit 2006 in Europa zugelassen. Wegen der enormen Kosten, welche die Gürtelrose für die Gesundheitssysteme verursacht, gibt es nun bereits Studien, welche den ökonomischen Nutzen einer staatlich bezahlten Herpes Zoster Impfung für alle Personen ab einem Alter von 65 Jahren bestätigen. Speziell natürlich in jenen Ländern, wo zuvor mit der allgemeinen Varizellen-Impfung die Windpocken bei den Kindern bekämpft worden ist.
Insgesamt ist das Phänomen Windpocken somit ein gutes Beispiel, wie aus einer einst harmlosen Kinderkrankheit – wenn sie von der Pharmaindustrie und ihren Helfershelfern ordentlich unter die Fittiche genommen wird – ein höchst profitables Gesundheitsproblem für die gesamte Gesellschaft erzeugt werden kann.

Fazit: Die Einführung der Windpocken-Impfung hat in den USA zu einem vermehrten Auftreten von Gürtelrose geführt, einer Krankheit die schwer behandelbar ist und starke Schmerzen verursachen kann. Die Kosten für die Behandlung der Gürtelrose haben derart zugenommen, dass damit alle Einsparungen bei der Behandlung der Windpocken wieder zunichte gemacht sind.

Lesen Sie hier weiter mit Teil 3. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, würden 
wir uns über einen kleinen Beitrag zu unserer Arbeit sehr freuen. 

Mittwoch, 30. Juni 2010

Doppelt so viele Fieberkrämpfe bei Vierfachimpfung

Eine nun veröffentlichte Studie zeigt, dass die Kombi-Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken das Risiko eines Fieberkrampfes verdoppelt. Damit ergibt sich die Chance, eine der unsinnigsten Entscheidungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) noch einmal zu überdenken.

Als eine der letzten Taten des im Jahr 2007 zur Impfindustrie übergewechselten berüchtigten Langzeit-Vorsitzenden der STIKO, HJ Schmitt, bleibt die Aufnahme der Windpocken-Impfung in den allgemeinen Impfplan in Erinnerung. Deutschland preschte mit dieser Empfehlung völlig überraschend und im Alleingang in Europa vor. Zumal die Erfahrungen, die in den USA zum Nutzen dieser Impfung vorlagen, alles andere als positiv waren.
Einer der Anlässe für die Empfehlung der STIKO war die gleichzeitige Markt-Einführung eines Vierfach-Impfstoffes gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (Varizellen). Dieser MMRV-Impfstoff "Priorix Tetra" des Konzerns GlaxoSmithKline  erlebte in Deutschland – wohl in Absprache mit den extrem Pharma-nahen Experten der STIKO – seine Europa-Premiere.
Nach wie vor wird Priorix Tetra außerhalb von Deutschland nur in wenigen Ländern Europas angeboten. Zum einen wegen Sorgen über eine geringere Wirksamkeit der Vierer-Kombo gegenüber der bisher üblichen Dreier-Kombo, Masern-Mumps-Röteln (MMR). Zum anderen wegen genereller Bedenken zur Sinnhaftigkeit einer Windpocken-Impfung.


Windpocken verlaufen meist komplikationslos und sind binnen weniger Tage ausgeheilt (Foto: B.E.)

Ich habe in meinem Buch "Lob der Krankheit - Warum es gesund ist, ab und zu krank zu sein", ausführlich über die Bedeutung von Krankheiten für die Reifung des Immunsystems geschrieben. Der Windpocken kommt hier als eine der letzten verbliebenen "Kinderkrankheiten" eine besondere Bedeutung im Sinne eines "Trainingscamps für ein starkes Immunsystem" zu. Die Komplikationsrate der Krankheit ist so gering, dass die meisten Kinderärzte dieser zusätzlichen Impfung skeptisch gegenüber stehen.

Seit diese Impfung mit der sinnvollen MMR-Impfung verknüpft wurde, ergaben sich damit zahlreiche fatale Konsequenzen, die nur noch schwer rückgängig zu machen sind:
Die Zirkulation der Viren geht zurück, ohne dass es eine reale Chance gibt, diese Viren auszurotten. Daraus folgt, dass Windpocken-Epidemien nach wie vor auftreten, allerdings nicht mehr jährlich, so wie bisher, sondern deutlich seltener. Damit infizieren sich die Kinder auch seltener und das durchschnittliche Erkrankungsalter steigt. In den USA, wo seit 1995 geimpft wird, hat sich das durchschnittliche Erkrankungsalter seither mehr als verdoppelt und liegt nun bereits bei elf Jahren.
Wenn das Alter weiter steigt, werden zunehmend Fälle von Windpocken bei schwangeren Frauen auftreten, was für die ungeborenen Babys ähnlich katastrophale Folgen haben kann wie bei Röteln. Wenn Jugendliche oder Erwachsene an Windpocken erkranken, so ist generell die Komplikationsrate wesentlich höher als bei Kindern, die im üblichen Alter (zwischen zwei und sechs Jahren) die Krankheit durchmachen und meist binnen weniger Tage wieder vollständig gesund sind.

Eine weiteres Folgeproblem der Impfung ist, dass geimpfte Mütter ihren Babys weniger schützende Antikörper weiter geben und diese daraufhin ein höheres Risiko haben, in den ersten Lebensmonaten zu erkranken. Bisher kamen solche frühen Erkrankungsfälle nur sehr selten vor. Man weiß jedoch vom selben Effket bei Masern, dass hier ein deutlich höheres Komplikationsrisiko besteht.

Bei Windpocken ist eine Ausrottung der Viren unmöglich, weil die Viren hier - im Gegensatz zu Masern - ein ganzes Leben lang im Körper bleiben: Sowohl nach einer Windpocken-Erkrankung als auch nach einer Windpocken-Impfung,  bei der Lebenviren verwendet werden, verschanzen sich diese Viren an den Enden von Nervenfasern und "schlafen" dort. Diese Viren können im späteren Leben – etwa in Zeiten von erhöhtem Stress oder Abwehrschwäche – noch einmal "aufwachen". Dann verursachen sie jedoch nicht mehr die Symptome der Windpocken, sondern manifestieren sich als so genannte Gürtelrose (Herpes zoster).
Nun weiß man, dass das Risiko einer Gürtelrose steigt, wenn Erwachsene wenig Kontakt mit Windpocken-kranken Kindern haben. Die Wildviren halten scheinbar die schlafenden Viren im Körper der Erwachsenen unter Kontrolle. Wenn nun keine Kinder mehr mit Windpocken erkranken, folgen vermehrte Ausbrüche von Gürtelrose bei den Erwachsenen mit dramatischen Folgen: Gürtelrose kann - je nach Nervenbeteiligung gefürchtete Schmerzen verursachen, die auch nach dem Abheilen der Krankheit bestehen bleiben und die Betroffenen quälen. Es gibt keine wirksame Therapie. Die Folgekosten wären enorm. In den USA haben sich die Fälle von Gürtelrose seit der Einführung der Windpocken-Impfung mehr als verdoppelt.
Die Impfstoff-Hersteller reagierten darauf mit der Einführung einer Gürtelrose-Impfung, bei der es sich im Prinzip um eine etwas höher dosierte Kinderimpfung handelt. Die Impfung versucht also den Kontakt mit Windpocken-kranken Kindern zu imitieren und hat - zumindest für die Hersteller - den Vorteil, dass damit mit der Krankheit doppelt verdient werden kann: bei den Kindern und bei den Älteren.

Insgesamt bringt die Einführung einer Windpocken-Impfung für die Gesamtbevölkerung zahlreiche Nachteile und ein enormes Gesundheits-Risiko mit sich. Und es bedarf einer wirklich genauen Befassung mit dieser Thematik, weil damit Fakten gesetzt werden, die nicht mehr - oder nur unter enormen Opfern - rückgängig gemacht werden können. Deswegen wäre es hoch an der Zeit, die Entscheidung der STIKO noch einmal zu überprüfen, oder die mittlerweile etwas weniger Pharma-lastige Experten-Kommission selbst mit der Evaluierung ihrer damaligen Entscheidung zu beauftragen.

Früher oder später könnte sich nämlich der Zwang ergeben, die Vierer-Kombo zu verwenden, wenn die Hersteller damit aufhören, die Einzelkomponenten anzubieten. So wie es ja auch bei den anderen Kinder-Impfstoffen extrem schwierig ist, die Tetanus-, Diphtherie- oder Keuchhusten Impfung einzeln in den Apotheken zu bekommen. Hier ist es die Sechsfach-Impfung Infanrix-Hexa, die eine Monopolstellung genießt und alle anderen Baby-Impfungen weitgehend verdrängt hat.
Wenn nun bei den Lebendimpfungen gegen die vier Kinderkrankheiten - früher oder später - nur noch eine Vierfach-Impfung am Markt erhältlich ist, so haben die Eltern ebenfalls nicht mehr die Möglichkeit zu wählen. Um ihren Kindern einen Schutz vor Masern, Mumps oder Röteln zu sichern, wären sie gezwungen, auch die Windpocken-Impfung mit zu nehmen.

Nun ist im Fachjournal Pediatrics eine Studie erschienen, die ein weiteres Argument dafür liefert, die Vierer-Kombi-Impfung nicht zu verwenden: Bereits im Jahr 2008 hatte eine Studie gezeigt, dass die MMRV-Impfung das Risiko auf nachfolgende schwere Fieberkrämpfe bei den Kindern verdoppelt. Nun hat sich dieser Verdacht in einer neuerlichen Untersuchung im Rahmen der groß angelegten "Vaccine Safety Datalink"-Studie bestätigt. Beim Vergleich von 83.107 Impflingen, die eine Vierer MMRV-Impfung erhielten, mit 376.354 Impflingen, welche die herkömmliche MMR-Impfung plus eine Einzelimpfung gegen Windpocken (Varizellen) erhielten, ergab sich neuerlich ein doppelt so hohes Krampfrisiko. Die MMRV-Impfung verursacht demnach einen zusätzlichen Fieberkrampf pro 2.300 Impfungen.
Fieberkrämpfe sind für alle Eltern, die so etwas mitmachen mussten, ein schockierendes Erlebnis. Ich habe selbst bei meinem Sohn so etwas mit gemacht und ich wünsche das niemandem. Auch wenn die objektive Gefahr, dass die Kinder sterben oder dauerhaften Schaden erleiden, gering ist, so ist allein der Anblick der bewusstlosen von Krämpfen geschüttelten Lieblinge, die zu ersticken scheinen, schrecklich.

Wenn nun das Fieberkrampf Risiko, ein Grund ist, die gesamte Politik bezüglich der Massen-Impfung gegen Windpocken noch einmal zu überdenken, so hat das zumindest etwas Gutes.