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Dienstag, 9. August 2022

Warum ich den Film "Unter die Haut" gemacht habe

Mein neuer Dokumentarfilm "UNTER DIE HAUT - Was macht Aluminium in Impfungen?" wird derzeit viel nachgefragt. Auslöser sind einige Besprechungen (z.B. hier und hier), die großes Interesse ausgelöst haben. Immer wieder werde ich gefragt, was meine Motivation war, diesen Film zu machen. Hier meine Antwort.

Die Idee zu "Unter die Haut" entstand bereits kurz nach der Ausstrahlung von „Akte Aluminium“ bei ARTE im Jahr 2013, als viel über den Film diskutiert wurde. - Allerdings ging es in den Medien fast ausschließlich über die Rolle der toxischen Alu-Verbindungen in Deos.

Deshalb beschloss ich, den mindestens ebenso problematischen Zusatz von Aluminiumverbindungen in Impfungen zum Thema eines eigenen Films zu machen. Denn schließlich bekommen z.B. die Babys heute dreimal so viele Impfungen, wie das noch in den 1980er Jahren der Fall war. Wenn alles geimpft wird, was z.B. im österreichischen Impfplan empfohlen ist, kommen die Kinder bis zum 18. Geburtstag auf 50 Spritzen – und da sind die Covid-Impfungen noch gar nicht mitgezählt. (In Deutschland und in der Schweiz sind es etwas weniger, weil z.B. die Influenza-Impfung nicht so früh empfohlen wird.)

Ich habe bereits 2016 mit dem Film begonnen. Es gab jedoch einige Rückschläge - ich wurde beispielsweise 5 mal von verschiedenen Jurys der Filmförderung abgelehnt - und das bedeutete jedes Mal monatelange Wartezeiten. 

Schließlich habe ich mich entschieden, den Film mit einigen Freunden selbst zu finanzieren und auf die „normalen“ Wege, den Film ins Fernsehen oder ins Kino zu bringen, zu verzichten. 

Denn das Thema des Films birgt enorme Brisanz, weisen doch zahlreiche Indizien darauf hin, dass die toxischen Wirkverstärker bei vielen geimpften Kindern und Erwachsenen das Immunsystem nachhaltig schädigen und zu bleibenden Krankheiten führen können. 

Fast alle modernen Krankheiten - wie Allergien, Autoimmunerkrankungen, Entwicklungsstörungen oder immun-bedingte Tumoren - haben mit einem hyper-aggressiven Immunsystem zu tun. 

Doch genau das ist die Aufgabe der Alu-Verbindungen in Impfstoffen: Sie sollen das Immunsystem aggressiv machen und zu einer Immunreaktion herausfordern. Ohne diesen Schockeffekt durch die toxischen Metall-Ionen wirken die meisten Tot-Impfstoffe (z.B. Tetanus, FSME, Keuchhusten, Pneumokokken,...) nicht. 

Die Impfstoff-Hersteller sind in einem Dilemma, weil es hunderte Millionen kosten würde, neuartige - weniger problematische - Wirkverstärker zu testen. Deshalb tun sie einfach nichts - solange die Behörden keinen Druck ausüben. 

Und die Arzneimittel-Behörden - die zu einem guten Teil von den Impfstoff-Herstellern finanziert werden - sehen bisher keine Notwendigkeit dazu.


Schlechte Impfungen aus dem Verkehr ziehen

Mein Film ist der Versuch, einen bestehenden Missstand, der die Gesundheit von Millionen junger (und auch älterer) Menschen bedroht, an die Öffentlichkeit zu bringen. Es braucht endlich eine offene tabulose Diskussion, weil es nicht sein kann, dass wir - einfach aus Fahrlässigkeit und weil es immer so war - toxische Inhaltsstoffe, die nie auf ihre Sicherheit getestet worden sind, auf ewig weiter verwenden. 

Es ist höchste Zeit, eine ignorante Gesundheitspolitik und die Behörden auf ihre Verantwortung hinzuweisen. Wir brauchen objektive Studien, durchgeführt von unabhängigen Fachleuten - und nicht von den "üblichen" Impfexperten, die ihre ganze Karriere auf der Bewerbung von Impfungen aufgebaut haben. Alle Impfungen müssen einer strengen Überprüfung auf Nutzen und Schaden unterzogen - und nötigenfalls aus dem Verkehr gezogen werden. 

Zahlreiche Indizien weisen darauf hin, dass die Überstimulierung des Immunsystems schwere Krankheiten auslösen kann, welche die Lebensqualität der Betroffenen enorm einschränken. Wenn wir das nicht endlich aufklären, nehmen wir in kauf, dass bald die Hälfte der Bevölkerung chronisch krank ist. Durch eine unvoreingenommene wissenschaftliche Diskussion und die längst überfällige Aufklärung der Wirkungsweise von Impfungen wäre es möglich, dass häufige Krankheiten wie Asthma, Schilddrüsen-Fehlfunktionen, entzündliche Darmerkrankungen, Diabetes Typ 1, kindliche Tumoren und vieles mehr - massiv reduziert werden oder sogar aussterben. 

Dazu beizutragen, diese Umstände aufzuklären, war für mich die Haupt-Motivation, diesen Film zu machen. Damit wir nach einer Impfung genauso gesund sind, wie davor. 

PS: Nähere Informationen zum Film finden sich auf unterdiehaut.online. Dort kann man den Film auch als DVD oder Download kaufen. Wer Interesse hat, den Film im Rahmen einer Vorstellung zu zeigen, nimmt bitte mit mir Kontakt auf. Wenn es zeitlich passt, komme ich gerne zu den Vorführungen, um mit dem Publikum offene Fragen zum Film - oder generell zu Impfungen (gerne auch zu Covid) zu besprechen. 


Mittwoch, 14. März 2018

Fieber macht Sinn

Wer fiebert braucht Bettruhe, fühlt sich abgeschlagen, erschöpft und „richtig krank“. Dennoch ist das Fieber selbst keine Krankheit. Ganz im Gegenteil. Fieber wird vom Organismus im Rahmen des Heilungsprozesses eingesetzt, um dem eigenen Immunsystem die besten Arbeitsbedingungen zu schaffen. Dessen ungeachtet lebt eine ganze Industrie davon, Fieber zu senken. Mit teils gravierenden Folgen für die Gesundheit.



„Mütter nehmen sich nicht frei“, heißt es in der TV-Werbung für Wick – DayMed. Und statt sich mit Schüttelfrost und Gliederschmerzen ins Bett zu legen, sieht man die spontan genesene Mama, wie sie fröhlich mit ihrer Tochter einen Schneemann baut. Aspirin Complex wirbt mit 94% zufriedenen Kunden, Grippostad C mit gleich vier Wirkstoffen. Und überall wird suggeriert, dass die Medikamente das Fieber anstandslos beseitigen – und damit die Heilung beschleunigt wird. Tatsächlich stehen zahlreiche Medikamente zu Verfügung, mit denen sich die erhöhte Körpertemperatur rasch wieder auf ein normales Niveau bringen lässt. So wirft man schnell ein Thomapyrin oder Fibrex ein oder gibt dem Kleinkind ein Nurofen-Zäpfchen. Die Frage ist bloß, ob das auch tatsächlich eine gute Idee ist.

Auch bei gesunden Menschen schwankt die Körpertemperatur teils beträchtlich – meist im Bereich zwischen 35,8 und 37,2 Grad. Allein die Stelle, wo gemessen wird, kann einen Unterschied von rund einem Grad ausmachen. Am niedrigsten sind die Werte unter der Achsel, etwas höher bei oraler und deutlich höher bei rektaler Messung. Auch der Zeitpunkt spielt eine Rolle. Am frühen Morgen kann die Temperatur um ein Grad unter den Messwerten des Abends liegen, ohne dass eine Krankheit vorliegt. Gutes Essen treibt die Körperwärme ebenso in die Höhe wie bei Frauen der Eisprung. Doch ohne Vorliegen einer Krankheit ist spätestens bei 38 Grad (rektal gemessen) Schluss – und erst darüber spricht man von Fieber.


Das Immunsystem verschafft sich bessere Arbeitbedingungen

Fieber ist nicht selbst die Krankheit, sondern ein Symptom, eine Reaktion auf interne Abläufe im Organismus: Den konkreten Anlass geben Aktivitäten des Immunsystems, die auf äußere Einflüsse – etwa eine Infektion mit Viren oder Bakterien, oder interne Signale auf Krankheitsherde reagieren.

Im Zuge der Heilungsreaktion wird unter anderem die Bildung von Prostaglandinen angekurbelt. Prostaglandine sind hormonelle Wirkstoffe und erfüllen im Organismus zahlreiche lebensnotwendige Aufgaben – unter anderem fungieren sie auch als Botenstoffe. Sie vermitteln dem im Zwischenhirn angesiedelten Hypothalamus, der als „Thermostat unseres Körpers“ fungiert, dass eine Erhöhung der Temperatur notwendig ist. Dadurch werden die Arbeitsbedingungen des Immunsystems in wesentlichen Bereichen verbessert. Fieber steigert die Tätigkeit des Abwehrsystems, indem es die Ausschüttung verschiedener Botenstoffe und Hormone forciert, die am Immungeschehen beteiligt sind. Dieser Prozess ist hochkomplex, im Detail noch nicht gänzlich erforscht. Dass Fieber auch Bakterien und Viren abtötet ist jedoch falsch.

Die Wirkung des Fiebers auf Mikroorganismen ist eine indirekte und basiert auf der Aktivierung des Immunsystems. Der Hitze selbst halten die meisten Keime dagegen problemlos stand.

Dass gerade eine Heilung im Gange ist, bemerken die Betroffenen nicht. Im Gegenteil: Fiebern ist anstrengend, denn das Aufheizen des Organismus verbraucht eine Menge Energie. Die Herzfrequenz steigt, die Durchblutung in der Haut erhöht sich und der Organismus gerät kräftig ins Schwitzen. Ein schweres Krankheitsgefühl setzt ein. Nebenher verstärken die dabei involvierten Nerven das Schwäche- und Schmerzempfinden. Das stärkt natürlich den Wunsch, dass die Krise mit medikamentöser Hilfe rasch wieder vorbei geht.

Doch diese heftige Reaktion macht schon Sinn. Dabei handelt es sich um eine im Lauf der Evolution eingeführte Rückkoppelung, welche dazu führt, dass kranke Lebewesen mit akuter Entzündung sich zurückziehen und ruhen, damit dem Heilungsverlauf nicht unnötig Energie entzogen wird.


Fiebersenker stören interne Kommunikation

Interessant ist nun die Wirkungsweise der Fiebersenker. Fiebersenker und Schmerzmittel aus der Klasse der nicht-steroidalen Entzündungshemmer wie Acetylsalicylsäure (Aspirin), Ibuprofen oder Diclofenac greifen in diesen wichtigen Reparaturmechanismus ein. Die Medikamente stören für einige Stunden die Herstellung aller Prostaglandine, nicht nur jener die für die als negativ empfundenen Symptome zuständig sind. Dadurch ergibt sich das Risiko zahlreicher Nebenwirkungen, speziell bei Überdosierung oder chronischem Missbrauch.

Interessante Resultate brachte auch eine im Oktober 2017 veröffentlichte Studie, die in der Notfall-Ambulanz der Kinderklinik Philadelphia durchgeführt wurde. Eingeschlossen waren etwas mehr als 22.000 Patienten mit nicht ernsthaftem Fieber. Etwas mehr als die Hälfte der Kinder erhielt – bei ansonsten weitgehend gleichem Krankheitsbild – fiebersenkende Mittel, entweder Paracetamol (38%), Ibuprofen (19%) oder beides. Die andere Hälfte erhielt keine Fiebersenker.

Unterschiede im Behandlungsablauf wie Röntgenaufnahmen und ähnliches wurden in der Auswertung berücksichtigt. Auch auf Alter, Antibiotika, etc. wurde kontrolliert, so dass in den Resultaten möglichst der pure Effekt der Fiebersenkung übrigblieb. Und der war enorm:

Kinder, deren Fieber gesenkt wurde, hatten einen signifikant längeren Aufenthalt in der Klinik. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie mehr als zwei Stunden bleiben mussten, lag beim Doppelten der unbehandelten Kinder. Den mit Abstand längsten Aufenthalt hatten jene Kinder, die beide Medikamente bekamen.

Fiebersenker sind jene Medikamente, die in Kinderkliniken am raschesten gegeben werden. Im Schnitt dauert es 54 Minuten von der Aufnahme bis zur Verabreichung des ersten Fiebersenkers. Wenn die Kinder unter Schmerzen leiden, aber keine erhöhte Temperatur haben, müssen sie hingegen deutlich länger – nämlich durchschnittlich 83 Minuten – warten, bis sie ein Medikament bekommen. „Dass Fieber so deutlich rascher behandelt wird als Schmerz hat mit den vorherrschenden Meinungen der Ärzte zu tun, dass es sich bei Fieber um das deutlich ernsthaftere Symptom handelt“, erklären die Studienautoren und fügen hinzu: „Medizinisch ist dieses Vorgehen unbegründet.“

Wenn schon Fiebersenker, so die aktuellen medizinischen Leitlinien zum Fieber-Management, so sollten diese oral gegeben werden. Bei der rektalen Gabe kommt es häufiger zur Überdosierung. Verschiedene Wirkstoffe sollten nicht kombiniert werden. Gänzlich verworfen wird die Praxis mancher Ärzte, den Eltern nach einem Impftermin Fiebersenker vorsorglich mitzugeben. Diese sind, wie zahlreiche Studien belegen, auch ungeeignet, um Fieberkrämpfen vorzubeugen.

Siegeszug von Paracetamol

In den 1960er Jahren berichtete der australische Mediziner Ralph D.K. Reye über Kinder, die nach der Gabe von Aspirin eine akute Schädigung von Gehirn und Leber erlitten haben.

Diese Problematik ging als „Reye Syndrom“ in die Medizinliteratur ein. Die Zusammenhänge wurden nie wirklich im Detail aufgeklärt und auch über die Häufigkeit des Auftretens dieses Syndroms herrscht Unklarheit. In Deutschland gab es während der letzten Jahrzehnte nur eine Handvoll gesicherter Fälle. Dennoch führten diese Warnungen dazu, dass bei Kindern massiv von der Gabe von Aspirin abgeraten wurde. Speziell im angloamerikanischen Raum wird bis heute vorwiegend Paracetamol verwendet.

Anders als Aspirin oder Ibuprofen wirkt Paracetamol nicht über die Hemmung der Prostaglandine, sondern über direkte Zugänge zu Gehirn und Rückenmark. Wie das jedoch im Detail abläuft, ist bis heute nicht bekannt. Länder mit dem höchsten Verbrauch von Paracetamol wie Australien, die USA oder Großbritannien führen auch die internationalen Rankings bei der Häufigkeit von Asthma, Neurodermitis und Heuschnupfen an. Daraus entstand die Frage, ob möglicherweise Paracetamol hier beteiligt sein könnte.

Allergien und Asthma

Zahlreiche Studien zeigten, dass Kinder, die im ersten Lebensjahr Fiebersenker erhalten, später ein deutlich höheres Allergie-Risiko haben. Die Frage, ob der Einsatz der Fiebersenker ein unmittelbarer Auslöser von Asthma sein könnte, wird kontrovers diskutiert. Während große epidemiologische Arbeiten einen Zusammenhang nahelegen, warnen andere Wissenschaftler vor möglichen Fehlschlüssen. Joanne E. Sordillo, Medizineren in der Harvard Medical School in Boston, präsentierte dazu kürzlich eine Arbeit, in der 1490 Mütter mit ihren Kindern sowohl während der Schwangerschaft als auch während des ersten Lebensjahres auf die Verwendung von Fiebersenkern kontrolliert wurden. Wie weit verbreitet die Anwendung ist, zeigen die Resultate: Nur 30% der Frauen gaben an, dass sie während der Schwangerschaft niemals Paracetamol eingenommen haben. Während des ersten Lebensjahres des Kindes waren es sogar nur 4,5%.

Kinder die besonders häufig Fiebersenker bekamen, hatten ein um ein Drittel höheres Asthmarisiko. „Möglicherweise kommt das Asthma aber auch von den Infekten und nicht von den Medikamenten“, erklärt Studienautorin Sordillo. Gegen diese These spricht allerdings, dass die Kinder von Frauen, die während der ersten Phase der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen haben, später ebenfalls ein um ein Drittel höheres Asthmarisiko hatten – unabhängig von jeglichen Infekten beim Kind.


Wer fiebert wird schneller gesund

Dass Fieber selbst lebensgefährlich wird – und speziell ab 41 Grad unmittelbar zum Tod führt, ist ein hartnäckig verbreitetes Märchen. Fieber ist selbst limitierend. Wenn es zu hoch steigt, setzt eine Gegenregulation ein.

Richtig ist hingegen: Wer fiebert wird schneller und nachhaltiger gesund. Die Gesamtüberlebenschance einer Infektion ist bei Fieber deutlich erhöht. Schwerkranke Menschen, die nicht fiebern, haben demnach nicht nur einen verlangsamten Heilungsprozess, sondern auch eine deutlich schlechtere Prognose.

Dieser Effekt wird von manchen Krebstherapeuten eingesetzt, indem Fieber mit Hilfe der Injektion bakterieller Toxine aktiv erzeugt wird. Hohes Fieber kann das Immunsystem zu einer besseren Krebsabwehr stimulieren. Doch obwohl diese Tatsache unstrittig ist, wird der Ansatz in der Onkologie nach wie vor zu wenig erforscht. Zu stark scheint die Abneigung Fieber therapeutisch einzusetzen. Dabei wäre das nichts anderes als ein Nachahmen erfolgreicher Heilungstaktiken der Natur.

Bei diesem Artikel handelt es sich um die leicht gekürzte Version eines Berichts der in der März -Ausgabe der Zeitschrift "Naturarzt" erschienen ist. 

Montag, 14. November 2016

Impfen: "Besser erst nach dem ersten Lebensjahr"

Der Bürger- und Patientenverband "Gesundheit aktiv" lud in Hamburg zu einem gemeinsamen Vortrag von drei Münchner Kinderärzten zum Pro und Contra der gängigsten Impfungen im Kindesalter. "Impfungen sind hinsichtlich ihrer Sicherheit die am schlechtesten untersuchten Arzneimittel", lautete eine der für viele Zuseher überraschenden Warnungen der Impfexperten.


Steffen Rabe, Martin Hirte und Georg Soldner: "Dogmen haben beim Impfen keinen Platz"

Wogegen soll ich mein Kind impfen? Und wann? Das sind Fragen, mit denen alle frischgebackenen Eltern konfrontiert sind. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (StIKo), schon nach acht Lebenswochen mit einer Sechsfachimpfung zu beginnen, die dann dreimal wiederholt werden muss. Darin enthalten sind Wirkstoffe gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten (Pertussis), Kinderlähmung (Polio), Haemophilus influenza B (HiB), Hepatitis B. Meist wird dazu noch die Impfung gegen Pneumokokken gleichzeitig verabreicht. „Mit allem kann man bis nach dem ersten Lebensjahr warten, um dem empfindlichen Immunsystem des Kindes die Gelegenheit zu geben, sich zu stabilisieren“, sagt Georg Soldner. Frühes Impfen, das haben Studien gezeigt, fördert Allergien, das als Wirkungsverstärker zugesetzte Aluminium ist toxisch für das Immun- und Nervensystem. Nach dem ersten Lebensjahr ist das Immunsystem des Kindes nicht mehr so störbar. Impfungen werden dann besser vertragen, ohne dass die Immunantwort leidet.


Deutlich mehr Asthma bei nach Plan geimpften Kindern

Es gebe nirgendwo eine vergleichende Studie, die zeigen würde, dass Kinder gesünder groß werden, wenn sie sehr früh gegen sieben Krankheiten immunisiert werden, betonte Soldner. Wohl aber gebe es Hinweise, die nachdenklich machen: So erkrankten beispielsweise in einer norddeutschen Kinderarztpraxis von dreijährigen Kindern, die nach StIKo geimpft wurden, 8,5 Prozent an Asthma. Wurden die Kinder vorwiegend nach dem 1. Lebensjahr geimpft, waren es nur noch 2 Prozent, von den bis dahin Ungeimpften waren es nur 0,5 Prozent. Auch in Entwicklungsländern verbesserten die typischen Impfstoffe für das 1. Lebensjahr das Gesamtüberleben nicht. Demgegenüber hat die Masernimpfung in Ländern mit Armut und Unterernährung sehr deutlich zur Senkung der Kindersterblichkeit beigetragen. Aber auch diese Impfung wirkt zuverlässiger, wenn sie erst mit 18 Monaten verabreicht wird.


Die Risiken von Impfstoffen werden nicht erforscht

Alle drei Kinderärzte empfehlen, dass die Eltern selbst entscheiden sollten, wann und wogegen sie impfen. Viele Impfstoffe gibt es auch als Einzel-Impfung, so dass ein gezieltes Vorgehen möglich ist. „Dogmen haben beim Impfen keinen Platz“, sagte Dr. Martin Hirte. „Es gibt nicht nur ja oder nein, jedes Elternpaar muss selbst überlegen und entscheiden.“ Dies umso mehr, als sich die Empfehlungen ausschließlich auf Studien der Impfstoff-Hersteller stützen. „Es gibt keine unabhängige Impfstoff-Forschung – Impfungen sind hinsichtlich ihrer Sicherheit die am schlechtesten untersuchten Arzneimittel, die Risiken werden noch nicht einmal halbherzig erforscht. Es wird auch nicht gegen Placebo getestet, sondern immer nur ein neuer Impfstoff gegen einen alten, das würde man bei keinem Medikament durchgehen lassen.“ Welche Seren angeboten und welche Studien aufgelegt werden, entscheiden allein die Pharma-Konzerne.

Dies erscheint umso bedenklicher, als kaum ein anderes europäisches Land so früh so viele Impfungen empfiehlt wie die StIKo. „In den 19 Ländern Westeuropas gleicht keine Impfstrategie der anderen“, sagte Dr. Steffen Rabe. „90 Prozent der europäischen Kinder sind nicht nach den StIKo-Empfehlungen geimpft, es gibt beim Impfen – anders als bei vielen anderen medizinischen Verfahren – keinen internationalen Standard.“

Dieser Text ist eine leicht bearbeitete Presseaussendung des Veranstalters. Ich bin den drei Münchner Ärzten freundschaftlich verbunden und teile viele Ihrer Ansichten. Was auf der Veranstaltung in Hamburg gesagt wurde, weicht zwar vom medizinischen Mainstream ab, ist aber fachlich deutlich besser fundiert als der Großteil der Aussendungen von STIKO oder Paul Ehrlich Institut, die in vielen Bereichen bloß die Sichtweise der Impfstoff-Hersteller weiter geben. 
Bert Ehgartner

Info zur Veranstaltung: Mehr als 450 Eltern und Interessierte kamen am 11. November 2016 in Hamburg im Gebäude der Patriotischen Gesellschaft zusammen, um sich von drei erfahrenen Kinderärzten über Pro und Contra des Impfens informieren zu lassen. Dr. Martin Hirte, Dr. Steffen Rabe und Georg Soldner (alle aus München) plädieren seit vielen Jahren für eine individuelle, auf die Situation der Familie abgestimmte Impfentscheidung. Die Veranstaltung wurde organisiert von dem Bürger- und Patientenverband GESUNDHEIT AKTIV e. V., Berlin, in Kooperation mit der Victor Thylmann Gesellschaft, Hamburg.  (Fotos: Markus Köller, Die Lounge)



Dienstag, 21. Juni 2016

Antibiotika – Das unerträgliche Mantra von der Resistenz

Noch immer setzen Ärzte Antibiotika ein, um „auf der sicheren Seite“ zu sein. Infektionsexperten und Behörden warnen vor der Gefahr von Resistenzen. Doch viel gefährlicher als diese Nebenwirkung der Überverschreibung von Antibiotika ist ihre Hauptwirkung: Der Kahlschlag, den sie im menschlichen Mikrobiom – der Gemeinschaft unserer bakteriellen Mitbewohner – anrichten.




In nahezu jeder Ansprache bei Infektionskongressen, in jedem Artikel zum „rationalen Einsatz der Antibiotika-Therapie“ wird vor der Gefahr gewarnt, dass Bakterien gegen die Medikamente resistent werden können. Die Wundermittel könnten bald nicht mehr wirken und die alten Seuchen wieder aufblühen, weil durch Überverschreibung viele Krankheitserreger nicht mehr auf Antibiotika ansprechen. „Ohne ein rasches und koordiniertes Handeln aller Beteiligten steuert die Welt auf eine post-antibiotische Ära zu, in der normale Infektionen und kleine Verletzungen wieder tödlich enden können“, warnte kürzlich etwa der stellvertretende WHO-Direktor Keiji Fukuda.

Resistenzen – die Warnung ist so alt wie die Antibiotika selbst. Schon deren Erfinder Alexander Fleming hatte gewarnt, dass Bakterien gegen Penicillin resistent werden könnten. Er drohte, dass eine zu geringe Dosierung oder ein zu kurzer Einnahmezeitraum unabsehbare Folgen auf die Wirkung seines Wundermittels haben könnten.

Antibiotika-Resistenzen entstehen nach denselben Prinzipien wie bei einem Herbizid, das gegen Unkraut schrittweise seine Wirkung verliert. Bei der ersten Anwendung sterben von 100 Unkrautpflanzen 95. Die fünf überlebenden allerdings vererben Teile ihrer Fähigkeit, dem Gift zu widerstehen. In der nächsten Generation stirbt nur noch die Hälfte der Pflanzen. Und nach einigen weiteren Saisonen verträgt das Unkraut das Gift bereits fast besser als die Nutzpflanzen.


Massenmord an Bakterien

Genauso läuft es bei Antibiotika. Amoxicillin, ein Verwandter des Penicillins, ist eines der am meisten verschriebenen Antibiotika speziell bei Kindern. Schluckt ein Kind den meist rosa gefärbten süßen Saft, wird der Wirkstoff über den Darm ins Blut abgegeben und verteilt sich auf den ganzen Organismus, in alle Organe, den Mund, den Hals, die Haut, die Ohren, bei Mädchen in die Vagina. Überall, wo die Antibiotika auf Bakterien treffen, werden diese attackiert und getötet. Amoxicillin ist ein sogenanntes Breitbandantibiotikum und als solches ein sehr effektiver Bakterien-Massenmörder.

Doch bei jeder Bakterienart gibt es Exemplare, die über bestimmte Mutationen oder Genvarianten verfügen, die sie den Angriff überleben lassen. Resistenzen werden bei der Teilung dieser Bakterien weitergegeben. Nach all dem Sterben ist für die resistenten Mikroben nun auch Platz genug, sich zu teilen und sich massenhaft zu verbreiten. Das können nützliche Bakterien sein, welche wieder ihre Positionen einnehmen, es können seltene Bakterien sein, die normalerweise ein Nischendasein führen und sich nun – mit unbekannten Folgen für die Behandelten – ausdehnen, und es können hoch problematische Bakterien sein, die Krankheiten auslösen, viel schlimmer und ernsthafter als der banale Infekt, für den das Kind den Saft vielleicht bekommen hat.

Abgesehen vom „theoretischen Risiko“ der Resistenzen sehen sehr viele Ärzte keinerlei Gefährdungspotenzial, wenn sie Antibiotika verordnen. Und die ständige Wiederholung des Resistenz-Mantras scheint das Drohpotenzial selbst dieser Warnung abzunutzen. Am Ende zählt vor allem der Wunsch, den Patienten entgegenzukommen.
Die ewige Mahnung von der Antibiotika-Resistenz wird formelhaft beschworen, der wirklich gravierende Systemfehler ist in Wahrheit aber ganz wo anderes zu suchen.

Natürlich müssen es die Ärzte in den Kliniken ausbaden, wenn sie die komplizierten Fälle bekommen. Bei ihnen sammeln sich jene Erkrankten, die routinemäßig ein paar Kuren zu viel erhalten haben, jene, die – vielleicht sogar im Krankenhaus selbst – geschwächt von allen möglichen sonstigen Therapien und Eingriffen das Pech hatten, Krankenhauskeime aufzuschnappen und jetzt mit ihrem komplizierten, unkurierbaren Infekt den Antibiotika-Fachleuten an der Universitätsklinik das Leben schwer machen, die sich nun mit multiresistentem Staphylokokkus aureus, Clostridium difficile und wie die Biester sonst noch alle heißen, herumschlagen müssen.
Das viel größere Problem liegt aber nicht darin, dass nach fünfzehn Antibiotika-Therapien die sechzehnte vielleicht nicht mehr funktioniert. Sondern in den Katastrophen, welche die fünfzehn Verschreibungen davor schon angerichtet haben. Jede einzelne.

Das Problem liegt in der konkreten Wirkung der Antibiotika – nicht in der Nebenwirkung: in den verheerenden Folgen der inflationär und sorglos verordneten Chemotherapien auf unsere mikrobielle Besiedlung und dem Kahlschlag, der durch Antibiotika im Mikrobiom der Behandelten verursacht wird und der ein ganzes System entgleisen lassen kann.


„Alle Krankheiten beginnen im Darm“

Hippokrates, der Vater der modernen Medizin, hatte schon vor 2500 Jahren geschrieben, dass „alle Krankheiten im Darm beginnen“. Von den 100 Billionen Mikroben, die sich darin herumtreiben, hatte er noch keine Ahnung, doch dass er mit seiner Ansicht recht haben könnte, wird immer deutlicher. Die Entdeckung des Mikrobioms wirkte in den letzten Jahren wie ein Katalysator, der eine neue Sichtweise ermöglichte.

Viele Menschen engagieren sich für Naturschutz und den Erhalt der Artenvielfalt. Es hat lange gedauert, doch nun geht immer mehr Leuten auf, dass auch wir selbst schwer bedrohte Biotope mit uns tragen. Inzwischen führen Forscher sogar schon Selbstversuche durch und experimentieren mit verschiedenen Ernährungsformen, um die Auswirkungen auf die Bakterien zu beobachten.

Jeff Leach, ein Wissenschaftler, den ich kürzlich kennengelernt habe, lebt viele Monate des Jahres beim Volk der Hadza in den Steppen Tansanias, um zu untersuchen, wie sich das Mikrobiom des Menschen bei einem Lebensstil wie in der Steinzeit verändert. Er selbst ist sein Versuchsobjekt: Leach lebt wie die Hadza, geht mit auf die Jagd, isst dieselben Beutetiere, Honig und Beeren – und als Dessert fette Maden. Er hat sogar wieder mit dem Rauchen angefangen, weil es zur Tradition der Hadza gehört, abends zusammenzusitzen und bestimmte Gräser zu paffen.

Jeff Leach untersucht die Auswirkungen eines Steinzeit-Lebensstils auf sein Mikrobiom


Andere Forscher nahmen sich selbst und andere Freiwillige als Versuchskaninchen, um die Einflüsse verschiedener Antibiotika auf die Darmflora im Detail zu studieren. Dabei zeigte sich, dass das Antibiotikum Clindamycin speziell auf die Gruppe der Bacteroides verheerende Auswirkungen hat und ihren Artenreichtum drastisch reduziert. Bacteroides gehören zur wichtigsten und zahlenmäßig häufigsten Spezies im Dickdarm. Selbst zwei Jahre nach einer Antibiotika-Kur hatte sich ihr Bestand nicht wieder erholt.

Das vorwiegend für Harnweginfekte und Entzündungen der Nasennebenhöhlen eingesetzte Antibiotikum Ciprofloxacin schafft es in drei Tagen, die Artenvielfalt im Darm drastisch zu reduzieren. Die britische Wissenschaftsautorin Alanna Collen berichtet in ihrem interessanten Buch „Die stille Macht der Mikroben“ sogar von einer Studie mit Babys, bei denen nach mehreren Antibiotika-Kuren überhaupt keine Bakterien-DNA mehr ausfindig gemacht werden konnte. Das heißt, das Mikrobiom, das viele von der Bedeutung her mittlerweile als eigenes Organ des Menschen betrachten, wurde bei diesen kleinen Kindern bereits vollständig zerstört.


Kleinkinder mit Diabetes


All diese Forschungsfragen betreffen drängende Probleme unserer Zeit: etwa die enorme Zunahme bei Autoimmunerkrankungen wie Diabetes Typ 1, bei dem das Immunsystem die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse zerstört. Die Diabetes-1-Häufigkeit verdoppelt sich in Industrieländern alle 20 Jahre. Die am stärksten betroffene Altersgruppe sind Kleinkinder unter fünf Jahren. Der Alltag dieser Familien ist fortan mit Mathematik ausgefüllt: Die Kinder müssen sich ständig stechen, Blutzucker messen, Nudeln oder Saucen abwiegen, Speisen in Broteinheiten umrechnen und daraus den Insulinbedarf berechnen.

Für ihre Eltern gibt es keine Nacht mehr, in der sie durchschlafen können. Sie müssen spätnachts aufstehen, Blutzucker messen, um Überzucker zu vermeiden – oder den noch schlimmeren Unterzucker. Erwischen Diabeteskranke irrtümlich zu viel Insulin, droht der „Hypo“, ein dramatischer Zuckerabfall, der zu Bewusstlosigkeit und Koma, dem sogenannten „hypoglykämischen Schock“, führen kann. Zahlreiche Studien zeigen, dass „Hypos“ das Risiko einer Demenz im späteren Leben dramatisch ansteigen lassen, weil das Gehirn hoch sensibel auf Phasen der Unterzuckerung reagiert.

Ursache von Typ-1-Diabetes ist ein entfesseltes Immunsystem, das auf den eigenen Körper losgeht. Doch warum dreht das Immunsystem durch? Kann es sein, dass ihm die hilfreichen Bakterien abhanden gekommen sind? Dass zu wenige regulierende T-Zellen gebildet werden oder dass sonst eine Beziehung gekappt wurde, die wir noch gar nicht kennen? Die Mikroben haben zusammen rund 20 Millionen Gene, mit denen sie in den Organismus eingreifen. Hundert Mal mehr Gene als wir in unserem humanen Genom zur Verfügung haben. Hier ist noch viel Arbeit zu leisten, um auch nur die wichtigsten Zusammenhänge zu verstehen.

Jeff Leach beim Volk der Hadza (Foto + Infotipp: humanfoodproject.com)


Anlass für den Selbstversuch von Jeff Leach war die Krankheit seiner Tochter, die seit ihrem dritten Lebensjahr an dieser autoaggressiven Form von Diabetes leidet. Leach ist Anthropologe mit Studienabschluss an der London School of Hygiene. Durch die Krankheit seiner Tochter hat sich seine Einstellung zum Beruf verändert, und er machte die faszinierende Mikrobenwelt in uns zu seinem Forschungsschwerpunkt. „Irgendetwas mit unserem westlichen Lebensstil ist völlig aus dem Ruder gelaufen: mit unserer Medizin, unserer Nahrung, unseren Immunfunktionen“, sagte Leach bei einem unserer Skype-Gespräche, die er von der Savanne aus über Satellit mit mir führte. „Mit meiner Arbeit hier – indem ich wie ein Steinzeitmensch lebe – hoffe ich ein paar Antworten zu finden, die ich mit nach Hause nehmen kann.“ Nach Hause zu seiner Tochter, die mittlerweile in Kanada studiert. „Ich habe viel darüber nachgedacht, was wir bei ihr falsch gemacht haben. Sie war als Baby oft krank, bekam ständig Antibiotika. Ich frage mich mit dem Wissen, das ich heute habe, was wir damals wohl mit ihrem Mikrobiom angestellt haben.“


Unser Bauchhirn

Zunehmend rückt die MGB-Achse ins Zentrum der wissenschaftlichen Forschung. MGB steht für „microbiota, gut, brain“ also die Verbindung vom Mikrobiom zum Darm, dem größten und wichtigsten Organ des Immunsystems, hin zum Nervensystem und dem Gehirn. Die Mikroben regulieren die Darmfunktion und die Gesundheit. Die Beweislage wird immer massiver, dass sie das Immun- und das Nervensystem ebenso beeinflussen – und dass sich der Informationsfluss in jede Richtung bewegt. Dies passiert, ohne dass es uns auffällt, wenn wir bei guter Gesundheit sind. Was aber passiert bei den zahlreichen Erkrankungen, bei denen – zumindest zeitweilig – entzündliche Prozesse im Gehirn auftreten können? Viel spricht dafür, dass auch hier die MGB-Achse eine entscheidende Rolle spielt.

In verschiedenen Ländern werden mittlerweile Krankheiten untersucht, die auf den ersten Blick nicht verwandt scheinen, hier aber möglicherweise ihre gemeinsame Wurzel haben. Dazu zählen unter anderem Autismus, ADHS, Multiple Sklerose und diverse psychische Störungen.

Ein Zusammenhang zwischen Darm und Gehirn erscheint auf den ersten Blick absurd. Doch sogar umgangssprachlich wird von „Entscheidungen aus dem Bauch heraus“ oder vom „Bauchgefühl“ gesprochen. Außer im Gehirn und im Rückenmark gibt es nirgendwo im Organismus eine derartige Anhäufung von Nervenzellen. Das „Bauchhirn“ umfasst rund 500 Millionen davon und entspricht damit etwa dem gesammelten Grips eines Hundes. Evolutionär ist das Bauchhirn wesentlich älter als das Gehirn, diesem aber neurochemisch, also von seinen Zelltypen, Wirkstoffen und Rezeptoren her, sehr ähnlich. Der Darm bedient sich des Gehirns im Kopf und kommuniziert mit ihm. Diese Kommunikation verläuft in beide Richtungen: Darmbakterien haben Einiges mitzureden.

Etwa bei der Produktion des Neurotransmitters Serotonin, das eine große Rolle bei verschiedenen kognitiven Prozessen wie dem Lernen spielt, aber auch für gute Stimmung oder einen ruhigen Schlaf zuständig ist. 80 Prozent der Serotoninproduktion im Körper erfolgt im Darm unter Aufsicht und Mithilfe von Bakterien. Nebenher erzeugen die Mikroben auch noch unterschiedliche andere Chemikalien, die für die Funktionen des Nervensystems notwendig sind, wie wasserunlösliche Lipide in Molekülgröße, sogenannte Ganglioside. Sie werden für die äußere Membran von Nervenzellen gebraucht.

Gut vorstellbar, dass Antibiotika in dieses sensible Gefüge eingreifen könnten, etwa indem sie die Produktion von Serotonin oder Gangliosiden behindern. „Bei Erwachsenen hat das vielleicht keine großen Folgen“, erklärt der US-amerikanische Mikrobiomforscher Martin Blaser, „aber bei einem Baby, dessen Gehirn sich gerade massiv entwickelt, wäre das durchaus vorstellbar. Zumal viele Studien zeigen, dass autistische Kinder oft abnorme Serotoninwerte haben.“


Rheuma-kranke Kinder

Eine andere Autoimmunkrankheit, die stark im Zunehmen begriffen ist, ist juveniles Rheuma, das bereits im Kindes- oder Jugendalter ausbricht. Hier werden Infektionen als Auslöser diskutiert. Sie sollen zur Bildung von Antikörpern führen, die in der Folge versehentlich auch körpereigenes Gewebe als „fremd“ markieren und damit Autoimmunreaktionen des Immunsystems provozieren. Eine aktuelle Arbeit der Universität von Pennsylvania in Philadelphia bringt nun einen anderen möglichen Auslöser ins Spiel: Kinder, welche diese Krankheit entwickelten, haben in ihren ersten Jahren mehr als doppelt so häufig Antibiotika bekommen wie die gesunden Kinder der Vergleichsgruppe. Infekte waren zwar ebenfalls mit der Krankheit assoziiert, allerdings nur, wenn sie mit Antibiotika behandelt worden waren. Nicht mit Antibiotika behandelte Infekte machten hingegen keinen Unterschied. Für einen kausalen Zusammenhang mit Antibiotika spricht, dass es eine Dosis-Wirkung-Beziehung gab: Kinder die mehr als fünfmal Antiobiotika erhalten hatten, erkrankten dreimal häufiger an juvenilem Rheuma als Kinder mit nur einer Dosis.


Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Bei entzündlichen Darmerkrankungen attackiert das Immunsystem den eigenen Darm. Die Ursachen dafür sind unbekannt. Möglicherweise spielt eine mikrobielle Fehlbesiedelung eine Rolle, die durch Antibiotika ausgelöst wurden. Gleichzeitig werden diese gegen Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa aber auch in der Therapie eingesetzt, zusammen mit verschiedenen neuartigen Medikamenten, die auf die Besänftigung des Immunsystems abzielen.

Eine der größten Untersuchungen zum Thema stammt aus Dänemark. Dort hat sich – bei gleich bleibender Diagnostik – die Häufigkeit von Colitis ulcerose bei Kindern unter 15 Jahren während der letzten drei Jahrzehnte mehr als verdoppelt. Regelrecht explodiert sind die Fälle von Morbus Crohn: Heute gibt es 15-mal mehr Fälle als noch bis Mitte der 1980er Jahre. Anlass genug also, nach möglichen Auslösern zu suchen.
Zwischen 1995 und 2003 wurden in Dänemark rund 577.000 Kinder geboren. In der Studie wurden alle Arzneimittelverschreibungen dieser Kinder erfasst und über einen Zeitraum von sechs Jahren das Auftreten entzündlicher Darmerkrankungen registriert. Bei einer derart großen Stichprobe lassen sich auch selten auftretende Zusammenhänge untersuchen.
Insgesamt erkrankten in den sechs Jahren 117 Kinder. Im Schnitt waren sie bei der Diagnose gerade einmal dreieinhalb Jahre alt. Und hier zeigte sich abermals eine massive Korrelation mit Antibiotika, speziell bei Morbus Crohn. Das Erkrankungsrisiko von Kindern, die vor der Diagnose Antibiotika bekommen hatten, war dreifach erhöht. Und auch hier ein deutlicher Zusammenhang mit der Dosis: Jede Antibiotika-Verschreibung erhöhte das Risiko um 18 Prozent. Kinder, die siebenmal oder öfter Antibiotika bekommen hatten, hatten ein siebenfach höheres Risiko als Kinder, die ohne diese Mittel ausgekommen waren.


Warnung an die Ärzte

Diese Befunde und Zahlen ergeben ein Gesamtbild, das höchste Aufmerksamkeit verdient. „Doch wann haben Sie zuletzt von Ihrem Arzt gehört, dass Antibiotika einen Risikofaktor darstellen, dass Ihr Kind später an Morbus Crohn oder Asthma erkrankt?“, fragt Martin Blaser. Die Antwort lautet meist: nie.
Erst kürzlich war Blaser jedoch auf einer Konferenz mit Fachleuten, wo derartige Fragen diskutiert wurden. „Da stand plötzlich ein Arzt auf, den ich nicht kannte, und forderte angesichts all der Informationen eine Black-Box-Warnung für alle Antibiotika.“

Eine „Black-Box-Warnung“ ist die stärkste und auffälligste Form einer Warnung, die von den Behörden für rezeptpflichtige Arzneimittel verfügt werden kann. Den Namen hat sie von dem auffälligen schwarzen Rahmen, der die Warnung umschließt. Entsprechende Mitteilungen betreffen beispielsweise ein erhöhtes Blutungsrisiko bei bestimmten Blutverdünnungsmitteln oder auch die Warnung, dass manche Mittel nicht genommen werden dürfen, wenn eine Krebserkrankung vorliegt, weil sie das Tumorwachstum beschleunigen. Übertragen auf Deutschland wäre die Entsprechung ein „Rote-Hand-Brief“, in dem Pharmaindustrie und Arzneimittelbehörden eine wichtige Mitteilung machen. Das auffällige Symbol der roten Hand auf der Vorderseite des Briefes hält selbst dauergestresste Ärztinnen und Ärzte davon ab, den Brief achtlos wegzuwerfen. „Solche Methoden scheinen notwendig, um die Botschaft endlich unters Volk zu bringen“, sagt Blaser – und meint mit „Volk“ in erster Linie seine eigene – gegen Antibiotika-Erkenntnisse resistente – Kollegenschaft.


Dieser Artikel ist ein Ausschnitt aus meinem Buch "Die Hygienefalle - Schluss mit dem Krieg gegen Viren und Bakterien", das kürzlich im Verlag Ennsthaler erschienen ist.

Freitag, 16. Oktober 2015

Die Hygienefalle - Schluss mit dem Krieg gegen Viren und Bakterien

Wer wissen möchte, was genau mit der "Hygienefalle" und dem "Krieg gegen Viren und Bakterien" gemeint ist: Hier ist das Vorwort zu meinem neuen Buch. 


http://www.amazon.de/Die-Hygiene-Falle-Gesundheit-verspielen/dp/3850689468/ref=as_sl_pc_ss_ssw?&linkCode=wss&tag=ehgarinfo-21
Auf die Idee zu diesem Buch kam ich im Frühling 2014 während eines Gesprächs, das ich mit Erika von Mutius führte, der deutschen Allergieforscherin und Mitbegründerin der so genannten Hygiene-Hypothese. Wir sprachen über die Entdeckung des menschlichen Mikrobioms, jener unglaublich vielfältigen Gemeinschaft an Mikroben, die auf und in uns gedeiht und mit uns lebt.
Jeder Mensch ist ein riesiger Zoo und beherbergt eine Artenvielfalt, die an jene der Regenwälder des Amazonas erinnert. Wir wissen heute, dass wir in unserem eigenen Körper in der Minderzahl sind – und zwar gewaltig. Auf jede einzelne Zelle unseres Körpers kommen zehn Zellen von Mitbewohnern. Auf jedes einzelne Gen unseres Erbgutes kommen hundertfünfzig nicht menschliche Gene. Und sie alle spielen mit im Konzert unseres Lebens.
Wir setzen gerade die ersten Schritte in diesen neuen Kosmos, machen die ersten Entdeckungen und staunen wie bedeutsam der Einfluss der Mikroben für alles ist, was uns als Menschen ausmacht.
Im Laufe der Evolution haben sich unzählige Symbiosen zum gegenseitigen Vorteil entwickelt: Manche der Bakterien erzeugen lebenswichtige Vitamine, andere schließen die Nahrung auf und machen Spurenelemente verfügbar. Sie mischen kräftig mit bei der Steuerung unseres Essverhaltens und beeinflussen sogar unserer Laune, indem sie im Darm Glückshormone erzeugen. Wenn es unseren Bakterien gut geht, geht es auch uns gut.


Die drei Säulen der Gesundheit

Die Gemeinschaft dieser Mikroben steht zudem in enger Verbindung mit unserem Schutzengel, dem Immunsystem, mit dem es sich im Verlauf der Evolution des Lebens parallel entwickelt hat. Die beiden kennen sich aus Urzeiten als es noch keine Menschen, ja noch nicht einmal Säugetiere gab. Und beide zusammen, das Immunsystem und das Mikrobiom, beeinflussen unser Gehirn, unser Nervensystem – also das, was unser Ich und unsere Persönlichkeit ausmacht.
Auf diesen drei Säulen – Nervensystem, Immunsystem und Mikrobiom – beruht die Stabilität unserer Gesundheit. Sie sind alte Freunde und kommunizieren unentwegt – während wir essen, arbeiten oder lieben.  Speziell wenn wir lieben: Vom ersten Kuss, den Verliebte einander schenken, tauschen sie auch ihre Mikroben aus, passt sich ihr Immunsystem aneinander an, tauchen sie ein in den Geruch ihrer Körper, der auch wieder von Bakterien erzeugt wird. Mikroben schaffen Beziehungen.
„Bisher“, sagte Erika von Mutius in unserem Gespräch, „haben wir in der Medizin immer nach Risikofaktoren gesucht. Doch durch die Mikrobiomforschung sehen wir jetzt, dass es bei Gesundheit nicht um Risikovermeidung, sondern viel mehr um Gleichgewichte und Symbiosen geht.“
In diesem locker ausgesprochenen Gedanken, das wurde mir in dem Moment schlagartig klar, liegt ein Potenzial, das die Medizin und unser Verständnis von Gesundheit von Grund auf verändern kann. Sollte es möglich sein, dass wir lernen unseren Selbstheilungskräften zu vertrauen statt zu intervenieren? Dass wir unser Mikrobiom hegen und pflegen, statt es wahllos umzupflügen und zurechtzustutzen? Dass wir banale Infekte zulassen, ohne das Immunsystem mit allen möglichen Interventionen in seiner Arbeit zu behindern? Dass wir Symbiosen hüten und auf Gleichgewichte achten?

Sollte diese revolutionäre Umkehr möglich sein, so wäre das wie ein Tauwetter nach einer langen Phase des Krieges. Während des letzten Jahrhunderts haben wir vor allem gekämpft: gegen Infekte, gegen Krankheiten, gegen „feindliche Bakterien und Viren“.
Doch wohin hat uns dieser Kampf geführt? Viele Menschen müssen das gerade leidvoll erfahren:  
In den USA sind in der Generation der unter 18-jährigen die gesunden Kinder und Jugendlichen bereits in der Minderzahl. Und die Welle chronischer Krankheiten schwappt immer mehr auch nach Europa über. Alle zehn Jahre verdoppelt sich die Anzahl der Kinder, die an Diabetes leiden. Asthma ist bereits zur Volkskrankheit geworden. Jede dritte Familie hat mindestens ein Mitglied mit Allergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Die Kurven bei Multipler Sklerose, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und Autismus – alles Störungen, die noch vor wenigen Jahrzehnten exotisch waren – zeigen steil nach oben. 
Und immer deutlicher zeigt sich, dass es nicht die Überalterung der Bevölkerung ist, welche die Budgets der Sozialstaaten an den Rand des Kollapses bringt, sondern die Last der chronischen, unheilbaren Krankheiten. Trotz aller Hygiene, trotz aller Arztbesuche, Früherkennungs- und Vorsorgeprogramme.


Gefangen in der Hygienefalle

Die Prinzipien der Hygiene umzusetzen, war eine der segensreichsten Leistungen unserer Zivilisation. Die Zeit der Seuchen war damit vorüber. Doch offenbar haben wir die Sache gewaltig übertrieben. Wir haben eine an sich hervorragende Idee derart auf die Spitze getrieben, dass sich der einstige positive Effekt in sein Gegenteil verkehrt hat.
 Moderne Hygienebestimmungen gefährden die Gesundheit, statt sie zu bewahren. Dank immer schärferer bürokratischer Vorschriften ist Hygiene heute in vielen Bereichen zu Sterilität pervertiert. Obst und Gemüse wird in Folien gepresst, Trinkwasser chloriert, Rohmilch gilt als gemeingefährlich, kein Stückchen Erde klebt an Radieschen oder den strahlend orangen Karotten im Supermarkt. Überall blitzt es vor Sauberkeit – man könnte vom Boden essen.
Stück für Stück hat sich bei uns ein Lebensstil durchgesetzt, der die biologischen Bedürfnisse unseres Körpers missachtet und der menschlichen Natur zuwiderläuft. Wir versuchen die Mikroben, die uns umgeben, zu beseitigen und auszurotten. Dabei übersehen wir, dass wir selbst aus Mikroben bestehen.
Das gilt auch für viele Interventionen der „modernen Medizin“. Statt Abläufe im Körper zu unterstützen, stören sie Symbiosen und gefährden das Gleichgewicht unserer drei Gesundheitssäulen.
Das beginnt bei der Geburt, die schon bei jeder dritten Schwangeren per Kaiserschnitt erfolgt – statt mit den guten Bakterien der Mutter werden diese Babys zuerst mit Keimen besiedelt, die sie wahllos im Kreißsaal auflesen
Weiter geht es beim Kinderarzt: Von Anfang an sind Babys und Kleinkinder während der sensibelsten Phase ihrer Entwicklung einer ganzen Lawine von Eingriffen ausgesetzt: Antibiotika-Kuren, die „zur Sicherheit“ verabreicht werden, die aber nicht nur krank machende Bakterien bekämpfen, sondern auch zu einem Kahlschlag im gerade entstehenden Mikrobiom führen. Fiebersenker und Entzündungshemmer, die die natürlichen Regulative des kindlichen Organismus aushebeln. Eine Unzahl von Impfungen, die das Immunsystem künstlich aggressiv machen – und all das während der sensibelsten Phase der kindlichen Entwicklung.


Strategien der Angstmacher

Prävention, wie wir sie heute verstehen, hat oft mehr mit Präventivschlag zu tun als mit achtsamer Vorsorge. Überall sind wir noch konfrontiert mit Denkmustern, die ihren Ursprung tief im finsteren 20. Jahrhundert haben: im allzu simplen, schwarz-weißen Weltbild der Mikrobenjäger, die im Endsieg gegen feindliche Keime die Voraussetzung für Gesundheit sahen.
Natürlich lässt sich ein simples Weltbild viel einfacher vermitteln als komplexe Zusammenhänge. Und es lässt sich auch viel besser vermarkten: Es müssen nur Ängste geschürt und dann einfache Lösungen angeboten werden. Für jedes Risiko gibt es einen Test, eine Therapie, eine Pille. Wir sind – inmitten der längsten Friedenszeiten, die wir jemals in Mitteleuropa erlebt haben – zu einer überängstlichen Gesellschaft geworden. Der Medizinmarkt gehört zu den mächtigsten Wirtschaftszweigen. Angefeuert von den Strategen der Pharmaindustrie, welche Gesundheitspolitik und Behörden hilflos vor sich her treiben.
Unsere Gesellschaft hat der Industrie die medizinische Wissenschaft überlassen und auf unabhängige öffentliche Kontrolle fast vollständig verzichtet. Heute sehen wir das Resultat dieser Politik: eine Bevölkerung, die auf die Bedürfnisse der Wirtschaft hin optimiert ist und von der Wiege bis zur Bahre Therapien braucht – vom Kaiserschnitt bis zur finalen Chemotherapie.

Ob es gelingt, dass wir uns aus diesem Geflecht an Interessen und fest gefahrenen Einstellungen befreien, ist eine spannende Frage.
Derzeit sieht es nicht so aus.

Aber machen Sie sich selbst ein Bild.


"Die Hygienefalle", das neue Buch von Bert Ehgartner ist ab 9. November 2015 im Buchhandel erhältlich. Besorgen Sie sich bitte das Buch in Ihrer Lieblingsbuchhandlung. Alternativ zu Amazon & Co. können Sie das Buch auch direkt beim Verlag Ennsthaler bestellen.  

Samstag, 8. Dezember 2012

Liste der mit Aluminium assoziierten Krankheiten

Die Tabelle ist gekürzt und stammt aus der Arbeit „Aluminium and Medicine“ von Christopher Exley. Der britische Aluminium-Experte führt darin jene Krankheiten an, die in der wissenschaftlichen Literatur mit dem Einfluss von Aluminium in Verbindung gebracht wurden. Im Ranking von 1 bis 10 wertet Exley die Wahrscheinlichkeit, dass sich die (Mit-)Beteiligung von Aluminium an der Entstehung der Krankheit in Zukunft erweisen wird. Eine Bewertung mit 1 bedeutet demnach, dass eine Beteiligung unwahrscheinlich – eine Bewertung mit 10 dass diese bereits erwiesen ist.


(die Tabelle stammt aus dem Buch "Molecular and Supramolecular Bioinorganic Chemistry", Herausgeber: ALR Merce et al., Nova Science Publishers, 2008)

Sonntag, 15. Mai 2011

Studie: Je mehr Impfungen, desto höher die Kindersterblichkeit

In keinem Land werden die Babys häufiger geimpft als in den USA. Der erste Termin (Hepatitis B) folgt unmittelbar nach der Geburt, 25 weitere Impfdosen kommen im Lauf des ersten Lebensjahres dazu, um den Kindern den maximalen Schutz zu bieten. Zwei US-Impfexperten prüften, ob diese Rechnung auch tatsächlich auf geht und fanden einen beunruhigenden Zusammenhang: In Industrieländern wo mehr geimpft wird, ist die Kindersterblichkeit nicht geringer, sondern höher. 

Die Anfang Mai im Journal "Human and Experimental Toxicology" publizierte Arbeit stammt von Neil Z. Miller und Gary S. Goldman. Beide sind selbstständig tätige Impfexperten, die sich seit Jahren - meist kritisch - mit der aktuellen Impfpraxis in den USA befassen. Goldman ist der Gründer der Plattform Medical Veritas. In mehreren Arbeiten, die zum Teil hochrangig publiziert wurden und für enorme Aufmerksamkeit sorgten, berichtete er über einen dramatischen Anstieg der Gürtelrose - in Folge der in den USA bereits seit den 90er Jahren üblichen Massenimpfung gegen Windpocken. (Näheres dazu in diesem Beitrag)

In der aktuellen Arbeit suchten die beiden nach einer Methode, die Anzahl der Impfungen mit einem objektiven Maßstab für das Überleben der Kinder in Verbindung zu setzen. Als Quellen verwendeten sie die internationalen Statistiken der CIA zur Kindersterblichkeit im ersten Lebensjahr, sowie eine Übersicht zu den nationalen Impfplänen.
In die Analyse aufgenommen wurden - ausgehend von den USA - alle Länder mit einer niedrigeren Kindersterblichkeit. Im World Factbook zur Kindersterblichkeit während des ersten Lebensjahres lagen die USA auf Rang 34, folglich galt es für 34 Länder die nationalen Impfpläne zu sammeln. Die europäischen Impfpläne entnahmen Miller und Goldman dem von der EU geförderten EUVAC-Netzwerk.

Bei der Auswertung ergab sich ein signifikanter linearer Zusammenhang zwischen der Anzahl der Impfungen und der Kindersterblichkeit. Der Zusammenhang war allerdings nicht - wie von den Gesundheitsbehörden postuliert - indirekt proportional: Dass ein Mehr an Impfungen schützt und nützt und zur niedrigeren Sterblichkeit der Babys während des riskanten ersten Lebensjahres beiträgt. Im Gegenteil, das Ergebnis lautete: Je mehr Impfungen, desto höher die Sterblichkeit.

Miller und Goldman leiten daraus die Frage ab, ob bestimmte Todesfälle mit einem Übermaß an Impfungen zu tun haben könnten. Und sie schreiben:

A closer inspection of correlations between vaccine doses, biochemical or synergistic toxicity, and Infant-Mortality-Rates, is essential. All nations—rich and poor, advanced and developing—have an obligation to determine whether their immunization schedules are achieving their desired goals.

Doch der Reihe nach. Sehen wir uns zunächst an, wie Miller und Goldman zu ihren Schlüssen kommen. Als Grundeinheit für die Menge an Impfungen, denen die Babys in den verschiedenen Ländern ausgesetzt werden, definierten die Autoren eine "Impfdosis" folgendermaßen:
A vaccine dose is an exact amount of medicine or drug to be administered. The number of doses a child receives should not be confused with the number of ‘vaccines’ or ‘injections’ given. For example, DTaP is given as a single injection but contains three separate vaccines (for diphtheria, tetanus, and pertussis) totaling three vaccine doses.

Eine Dreifach-Impfung gegen Diphtherie, Tetanus und Pertussis/Keuchhusten (DTaP) wurde demnach als drei Impf-Dosen gezählt. Die in Deutschland oder Österreich übliche Sechsfachimpfung für Babys als sechs Impf-Dosen.
In den USA umfasst der Impfplan für die Babys im ersten Lebensjahr dreimal die DTP-Impfung, dreimal Polio, dreimal Hib, dreimal Hepatitis B, dreimal Pneumokokken, dreimal Rotavirus und zweimal Influenza-Impfung. Das sind insgesamt 26 Dosen. In Kanada ist der Impfplan nur unwesentlich dünner besiedelt: Anstelle der Rotavirus-Impfung wird die Meningokokken-Impfung verabreicht, die Influenza Impfung ist nur einmal und nicht zweimal empfohlen.
In der Kindersterblichkeit liegen die USA auf Rang 34 mit 6,22 Todesfällen pro 1000 lebendgeborenen Kindern während des ersten Lebensjahres. Nahezu ebenso schlecht – auf Rang 31 – liegt Italien mit 5,51 Todesfällen, ein Land mit reich gefülltem Impfplan, der über die herrschende Impfpflicht nach dem Vorbild der USA auch noch besonders resolut umgesetzt wird. Kanada hält bei 5,04 Todesfällen und Rang 28.
Deutschland (3,99 Todesfälle) und Österreich (4,42 Todesfälle) rangieren im Vergleich der Industrieländer im Mittelfeld.
Die Rangliste der Länder mit der niedrigsten Sterblichkeit wird von Singapur (2,31 Todesfälle), Schweden (2,75) und Japan (2,79) angeführt.
Singapur kommt laut nationalem Impfplan auf 17 Impf-Dosen, Schweden und Japan mit 12 Dosen nicht einmal auf die Hälfte der in den USA oder Kanada verabreichten Impfungen.

In der Szene der Pro-Impf Blogger hat die Arbeit von Miller und Goldstein für helle Empörung gesorgt. Catherina fühlte sich auf Just the Vax an die alte These erinnert, dass der Storch die Babys bringt und zerriss die Methodik der Arbeit in der Luft. Recht ähnlich die Kritik von David Gorski auf seinem blog Sciene Based Medicine.
Mir selbst stieß beim Lesen der Studie auch einiges auf. Ich kontaktierte Neil Miller per mail und machte ihn darauf aufmerksam, dass der deutsche Impfplan in der Studie falsch übernommen wurde, weil die Hepatitis B-Impfung (die in der Sechsfachimpfung enthalten ist) fehlt. Miller schrieb zurück, dass ihm der Fehler leid tue und er das für die Print-Ausgabe des Journals korrigieren werde. Er habe die Auswertung von seinem Statistiker noch einmal nachrechnen lassen - an der zentralen Aussage der Arbeit ergäbe sich dadurch aber keine Änderung.

Weiters missfiel mit die von den Autoren gewählte Einheit der "Impfdosis". Denn eine Sechsfachimpfung ist sicherlich schonender für die Babys als die Verabreichung derselben "Impfdosis" in Form einer Dreifach- und drei Einzelimpfungen, wie das in den USA üblich ist.  Mit diesen vier Impfungen werden auch viermal die Aluminium-haltigen Wirkverstärker, Konservierungsmittel, Stabilisatoren und sonstige Zusatzstoffe verabreicht. Nirgends wird den Babys demnach so eine hohe Dosis der bekannt problematischen Aluminium-Verbindungen verabreicht wie in den USA oder Kanada. Hätten die Autoren die Einheit anders gewählt, wäre der von ihnen gefundene Zusammenhang möglicherweise noch deutlicher gewesen.

Eine weitere Schwäche der Arbeit ist die Nicht-Berücksichtigung der Impfrate. Es macht ja einen gewaltigen Unterschied, ob eine behördliche Impfempfehlung, von der Bevölkerung angenommen oder ignoriert wird.
Ein Beispiel hierfür ist die teure Pneumokokken-Impfung, die in Österreich behördlich empfohlen, von den Kassen - im Gegensatz zu Deutschland - aber nicht bezahlt wird. Zwar gibt es immer wieder verbilligte Impfaktionen, dennoch sind nicht einmal 20 Prozent der österreichischen Babys gegen Pneumokokken geimpft. Die Impfrate in Deutschland liegt hingegen über 80 Prozent.
Auf derartige Unterschiede nimmt die aktuelle Studie keine Rücksicht. Der Aufwand, in 34 Ländern diese Daten auszukundschaften, hätte ihre Möglichkeiten überstiegen, entgegnete mir Miller auf meinen diesbezüglichen Vorhalt.

Sicherlich gibt es - außer den Impfraten - noch eine Unzahl weiterer Einflüsse auf das Überleben der Babys im ersten Lebensjahr. Dazu zählen soziale Maßnahmen, etwa eine ausreichende materielle Absicherung der Mütter, ebenso wie Fragen der medizinischen Infrastruktur, die in den Ländern unterschiedlich entwickelt sind.
Dennoch halte ich es für unverschämt, wenn nun allein der Forschungs-Ansatz, den Miller und Goldman gewählt haben, bereits als eine Art Sakrileg gilt, oder als unzulässige Korrelation zweier nicht zusammenhängender Einflüsse abgewertet wird.
Impfungen und Kindersterblichkeit haben wahrlich mehr miteinander zu tun als die Anzahl der Störche mit den Geburten. Allein schon deshalb, weil ja die Impfungen in allen Ratgebern als deklarierte Maßnahme zur Senkung der Kindersterblichkeit beworben werden. Von einem offiziellen Ansiedlungsprogramm für Störche zur Förderung der Geburtenzahl in der Region habe ich hingegen noch nie etwas gehört.

Es muss erlaubt sein, auch im Bereich des Impfwesens "ungehörige" Fragen zu stellen und althergebrachte Wahrheiten auf ihre tatsächliche Relevanz zu prüfen.
Wenn sich nun in der vorliegenden Arbeit heraus stellt, dass die Häufigkeit der Impfungen nicht positiv sondern negativ mit dem Überleben der Kinder korreliert, so halte ich das noch keinesfalls für eine gültige Schlussfolgerung. Zumal die Studie so viele Schwächen und Fragezeichen beinhaltet.

Miller und Goldman können aber durchaus das Verdienst beanspruchen, dass es nun nicht mehr so einfach möglich ist, unwidersprochen und ohne jegliche Beweispflicht festzustellen, dass Impfungen selbstverständlich die Kindersterblichkeit senken. Und dass jene Länder, die ihre Kinder am meisten impfen, die Kindersterblichkeit am meisten senken.

Für diese Aussage gibt es keinen Beleg.

Insofern haben Miller und Goldman einen recht einfachen Weg gefunden, Dogmen des Impfwesens in Frage  zu stellen, ohne Millionen an Forschungsgeldern auftreiben zu müssen, die für impfkritische Forschungsfragen im Normalfall ohnehin nie gewährt werden.

Wenn man dieses Konzept weiter verfolgt und zudem auch die internationalen Impfpläne ordentlich aufarbeitet, so sind durchaus noch einige weitere Fragen möglich, die über die Korrelation zwischen Impfungen und der Inzidenz bestimmter Krankheiten geprüft werden könnten. Wenn das wissenschaftlich korrekt und mit nachvollziehbarer Methodik durchgeführt wird, so fiele es auch schwer das von medizinischer Seite abzutun, zumal der Zusammenhang von Dosis und Wirkung ja eine der zentralen Lehrsätze naturwissenschaftlichen Denkens darstellt.

Insofern könnte man folgende weitere - als selbstverständlich angesehene - Wahrheiten des Impfwesens einem Elchtest unterziehen:
  • Die Anzahl der Impfungen hat nichts mit der Häufigkeit von ADHS zu tun.
  • Je mehr Impfungen desto weniger Allergien
  • Je mehr Impfungen desto niedriger ist das Asthma-Risiko
  • Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autoimmun-Krankheiten
  • Die in den Impfungen enthaltene Menge an Aluminium hat überhaupt nichts mit der länderspezifischen Inzidenz von Autismus zu tun.

Ich halte die Möglichkeit, dass diese Dogmen ebenfalls kippen, für durchaus gegeben.

Dienstag, 22. März 2011

KiGGS Umfrage: Kaum Asthma bei ungeimpften Kindern

Geimpfte Kleinkinder haben tendenziell mehr Infekte als ungeimpfte Kinder und leiden häufiger an Allergien. Dies ergab eine wissenschaftliche Umfrage des Robert Koch Institutes unter mehr als 13.000 repräsentativ ausgewählten Familien in Deutschland. Bei ungeimpften Kindern im Alter unter zehn Jahren wurde kein einziger Fall von Asthma identifiziert. Laut Studienautoren ist jedoch alles in Ordnung.

Der groß angelegte Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) verfolgte die Absicht den Zusammenhang zwischen Impfstatus und Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen zu untersuchen und ist kürzlich im Deutschen Ärzteblatt erschienen. Die Arbeit basiert auf einer repräsentativen Befragung der Eltern von mehr als 17.000 Kindern und Jugendlichen im Alter von eins bis 17 Jahren. Insgesamt lagen für 13.453 Teilnehmer auswertbare Angaben zu deren Impfstatus vor. Und abermals hatte ich – so wie bei der TOKEN-Studie – den Eindruck, dass hier entweder gewaltig gepfuscht wurde, oder eine offene Aufarbeitung möglicher Zusammenhänge gar nicht erwünscht war.

Den seltsamen Problemen der TOKEN-Studie habe ich mich bereits in einem anderen Beitrag gewidmet. Die teure und extrem aufwändige Studie war vom Robert Koch Institut organisiert worden, um ein für alle Mal zu klären, ob von bestimmten Impfungen, die während der ersten beiden Lebensjahre allgemein verabreicht werden, ein höheres Sterberisiko ausgeht.
Insgesamt sind während des Untersuchungszeitraumes von 2005 bis 2008 in Deutschland 667 Babys im Alter von 1 bis 24 Monaten "unerwartet" und "unerklärbar" gestorben.
Nun wäre es für das Studienziel nötig gewesen, zu erfahren, wann diese Kinder geimpft worden sind und um welche Impfungen es sich dabei gehandelt hat. Diese Verknüpfung war aber - vorgeblich aus Gründen des Datenschutzes - nicht möglich.
Also mussten über den Umweg der lokalen Gesundheitsämter die betroffenen Eltern ausfindig gemacht und um ihre Mithilfe gebeten werden. Zwei Drittel der Eltern weigerten sich aus nachvollziehbaren Gründen, die mühsamen und extrem langen Fragebögen auszufüllen und damit ihren Schmerz über den Verlust ihrer Kinder wieder aufzurühren. Nun wird man vielleicht meinen, ein Drittel von 667 sei ja auch noch ganz schön viel, um daraus Schlüsse zu ziehen. Das stimmt zwar, allerdings beklagten die Autoren einen Umstand, der zuvor scheinbar nicht bedacht worden war: Angeblich haben sich nämlich gerade jene Eltern vermehrt zur Teilnahme bereit erklärt, deren Kinder kurz nach Impfungen verstorben waren.
Aus den Daten ergab sich beispielsweise, dass das Sterberisiko im Zeitraum von drei Tagen nach der Impfung mehr als doppelt so hoch war, wie an "normalen Tagen". Das Risiko 14 Tage nach einer Impfung zu sterben war sogar um das mehr als Dreifache höher als in den restlichen Wochen des Halbjahres nach der Impfung. Und dies erscheint auch dann noch ungewöhnlich, wenn man berücksichtigt, dass das Sterberisiko mit jedem Monat leicht abnimmt.
Dieser beobachtete Effekt - so die Autoren der TOKEN-Studie - sei aber nicht real, sondern eben ein Resultat des beschriebenen Erfassungsfehlers. Und so mussten die Rohdaten gewichtet und statistisch angepasst werden, um diesen methodischen Fehler auszugleichen. Offizielles Ergebnis der TOKEN-Studie war schließlich, dass zwischen Impfungen und Todesfällen keinerlei Zusammenhang besteht.


Im Boot mit den Impfstoff-Herstellern

Neben der erwähnten methodischen Panne trug es auch nicht gerade zum Vertrauen in diese Resultate bei, dass sich das Robert Koch Institut die TOKEN-Studie zum Großteil von den Herstellern der Baby-Impfstoffe bezahlen ließ. Sie steuerten einen Betrag von rund 2,5 Mio. Euro bei. Die Pharmafirmen hatten zwar offiziell keinen Einfluss auf die Interpretation der Daten, mussten laut Vertrag aber "unverzüglich über relevante Erkenntnisse oder Bewertungen unterrichtet werden". Weiters wurde ihnen das Recht zugestanden, dass sie vor der Veröffentlichung der Resultate "Gelegenheit zur wissenschaftlichen Stellungnahme zu den zur Publikation vorgesehenen Texten erhalten".
In diesem Abstimmungs-Prozedere lag wohl auch der tiefere Grund, dass die TOKEN-Studie nicht wie ursprünglich vorgesehen, im ersten Halbjahr 2009, sondern erst jetzt - mit zweijähriger Verspätung - veröffentlicht worden ist.

Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) wurde ebenfalls vom Robert Koch Institut durchgeführt. Sowohl Untersuchungszeitraum als auch die Autorenteams der beiden Studien überlappten sich. Die Beteiligung war mit 66,6 Prozent etwa doppelt so hoch wie bei der TOKEN-Studie. Die Anzahl der komplett ungeimpften Kinder war mit 94 Kindern bzw. 0,7 Prozent der Gesamtgruppe jedoch sehr niedrig. Signifikante Unterschiede zeigen sich lediglich bei der Vermeidung impfpräventabler Erkrankungen wie Masern, Mumps, Röteln oder Keuchhusten. Abgesehen davon ergab sich bei weiteren wesentlichen Fragen das Problem, dass die Kontrollgruppe der ungeimpften Kinder viel zu klein für halbwegs verlässliche Aussagen war. Die Autoren leiteten daraus die Schlussfolgerung ab, dass
…Unterschiede im Auftreten allergischer Erkrankungen und der Häufigkeit von Infekten zwischen ungeimpften und geimpften Kindern nicht zu beobachten sind.

In Vorab-Meldungen zu dieser Studie hatte es noch geheißen, dass Impfungen sogar einen schützenden Effekt hätten. 2009 hieß es im Allergo Journal, dem Organ der Deutschen Gesellschaft für Allergie- und Immunitätsforschung:
Die KiGGS-Daten weisen auf einen leicht protektiven Zusammenhang zwischen Impfungen im ersten Lebensjahr und dem Risiko für spätere atopische Erkrankungen hin. Befürchtungen, Impfungen könnten das Allergierisiko erhöhen, werden durch die Daten jedenfalls nicht gestützt.


Mehr Infekte, höheres Asthmarisiko

Wenn man sich nun die Details der veröffentlichten Arbeit ansieht, kann man sich über beide Aussagen nur wundern. Zwar haben Keuchhusten-, Masern-, Mumps-, und Röteln-geimpfte Kinder deutlich weniger Keuchhusten, Masern, Mumps und Röteln. Diesen Effekt hatte aber auch vor der Studie kaum jemand bezweifelt.
Überraschend war jedoch, dass – von diesen klassischen impfpräventablen Krankheiten abgesehen – das Pendel tendenziell in die Gegenrichtung zeigte. Ungeimpfte Kinder in der Gruppe der Ein- bis Fünfjährigen hatten im Jahresmittel 3,3 Infekte, bei den Geimpften waren es im Schnitt 4,2. In derselben Altersgruppe lag der Anteil der Kinder mit mindestens einer atopischen Erkrankung bei 12,6 Prozent, in der Gruppe der Geimpften bei 15 Prozent. Weil bei niedrigen Fallzahlen die statistische Schwankungsbreite hoch ist, erreichte keines dieser Ergebnisse die Grenze zur Siginifikanz.

Erstaunlich sind die Unterschiede bei Asthma. In der Altersgruppe unter zehn Jahren findet sich in der ungeimpften Gruppe kein einziger Asthma Fall. Bei den 11 bis 17-jährigen sind es gerade mal zwei. Der Asthma-Anteil der ungeimpften Kinder lag somit bei 2,1 Prozent. In der Gruppe mit mindestens einer Impfung hatten 617 Kinder oder 4,6 Prozent die Diagnose Asthma. Das Risiko wäre für Geimpfte demnach also mehr als doppelt so hoch.

Davon ist jedoch in der Auswertung keine Rede. Derartige Effekte erklärten sich aus der geringen Fallzahl, meinen die Studienautoren. Sie schreiben lakonisch:
Für Asthma bronchiale sind bei ungeimpften Kindern im Alter von 1 bis 10 Jahren keine Arztdiagnosen berichtet worden. Aufgrund der geringen Erkrankungswahrscheinlichkeit und den besonderen Schwierigkeiten einer Diagnosestellung in diesem Alter sowie der geringen Fallzahl Ungeimpfter wären auch kaum Asthmakranke zu erwarten.

Am erstaunlichsten in der gesamten Auswertung finde ich die strikte Beschränkung auf vollständig ungeimpfte Kinder. Wenn ein Kind beispielsweise im Alter von sechs Jahren eine einmalige Masernimpfung erhält und sonst gar nie gepiekst wurde, so zählt es nach dieser Auswertung schon zur Gruppe der "Geimpften", die – nach dem gültigen Impfkalender der letzten Jahre – in den ersten 24 Lebensmonaten auf 13 Impfungen kommen, die von der Ständigen Impfkommission des Robert Koch Institutes empfohlen - und von den Kassen bezahlt werden. Darunter ist die Sechsfachimpfung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Polio, Hib und Hepatitis B, Pneumokokken- und Meningokokkenimpfung, sowie die Lebendviren-Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken.
Einige Studien haben gezeigt, dass das Risiko vermehrter Allergien von jenen Kinderimpfungen ausgehen, die problematische Hilfsstoffe enthalten. Besonders verdächtig sind hier Aluminiumhydroxid und andere Aluminiumsalze, die als Wirkverstärker z.B. in allen Diphtherie-Tetanus-Keuchhusten(DTP)-Impfungen enthalten sind. Impfstoffe, die abgeschwächte Lebendviren enthalten wie jene gegen Masern, Mumps und Röteln, sind hingegen frei von derartigen problematischen Hilfsstoffen (Adjuvantien). Hier gibt es auch kaum Hinweise auf negative Auswirkungen auf das Immunsystem.
Wenn also in der KiGGS-Auswertung nicht "vollständig ungeimpfte" gegen "mindestens einmal geimpfte" Kinder verglichen worden wären, sondern beispielsweise DTP-geimpfte gegen DTP-ungeimpfte, so hätten sich mit Sicherheit größere Fallzahlen in der Kontrollgruppe ergeben und damit eine höhere statistische Aussagekraft.


Selbstzensur der Wissenschaft

Dabei können erstaunliche Resultate heraus kommen, wie etwa eine britische Arbeit von Tricia McKeever und Kollegen aus dem Jahr 2004 zeigte. Die Wissenschaftler der Universität Nottingham fanden ein 14-fach erhöhtes Asthma-Risiko nach DTP Impfung. Mit dem hahnebüchenen Argument, dass ungeimpfte Kinder seltener zum Arzt gehen und deshalb auch weniger "Chancen" haben, vom Arzt eine Asthma-Diagnose verpasst zu bekommen, erklärten McKeever und Kollegen jedoch originellerweise ihre eigenen Ergebnisse für ungültig. Mit dieser Feststellung wurde ohne nähere Erklärungen ein Schlussstrich unter die Studie gezogen. Wo es bei der Mehrzahl der wissenschaftlichen Arbeiten am Ende nämlich heißt, dass "weitere Forschung nötig ist", um verbliebene Fragen zu klären, fehlte diese Standardphrase wissenschaftlicher Literatur in der McKeever-Arbeit vollständig.

Sehr ähnlich wie die KiGGS-Ergebnisse klingen die Daten einer Neuseeländischen Arbeit von Trudi Kemp und Kollegen, wo in der - ebenfalls recht kleinen – Gruppe der DTP-ungeimpften Kinder gar kein Fall von Asthma registriert wurde.
Eine Studie der US-Gesundheitsbehörde CDC unter Leitung von Frank DeStefano kam in einer Studie auf ein signifikant erhöhtes Asthma-Risiko nach Einführung der - ebenfalls Aluminium-verstärkten – Hepatitis B-Impfung. Der Effekt zeigte sich deshalb recht deutlich, weil zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Studie noch ein größerer Teil der US-Kinder nicht Hepatitis-B geimpft war und es damit eine gute Vergleichsgruppe gab. Auswirkungen hatte diese Beobachtung jedoch keine, Frank DeStefano tippte, so wie auch Tricia McKeever auf einen "Erfassungsfehler" in den eigenen Daten.

Wie sehr es in der Auswertung der KiGGS-Daten auch wichtig gewesen wäre, den Zeitpunkt der Impfungen mit ein zu beziehen, zeigte die Arbeit eines kanadischen Forscherteams unter Leitung von Anita Kozyrskyj aus dem Jahr 2008. Die Gruppe fand in einer großen Jahrgangs-Kohorte von Kindern ein deutlich vermindertes Asthma-Risiko wenn die DTP-Impfungen später verabreicht wurden. Eine Verschiebung der ersten DTP-Dosis um nur zwei Monate nach hinten reduzierte das spätere Asthmarisiko der Kinder immerhin auf die Hälfte. Wurden alle drei Teilimpfungen der Grund-Immunisierung nach hinten verschoben, so sank das Asthma-Risiko gar um signifikante 61 Prozent.

All diese alarmierenden Signale hätten mit den Daten aus der KiGGS-Umfrage nachgeprüft werden können. Doch das wurde unterlassen. Und so wissen wir weiterhin nicht, wie es um den Zusammenhang zwischen Allergien und Impfungen steht und ob die beschriebenen Effekte auch in Deutschland vorkommen.

Doch es ist ja noch nicht zu spät. Die Daten von KiGGS liegen vor. Man müsste sie bloß dem Robert Koch Institut weg nehmen und sie von unabhängigen Wissenschaftlern auswerten lassen.
Denn niemand ist schlechter geeignet für eine objektive Prüfung, als jemand, der sich mit einer kritischen Beurteilung selbst schaden würde. Und das wäre zweifellos der Fall, wenn sich herausstellen sollte, dass einige der Impfungen, die von Experten des Robert Koch Institutes empfohlen wurden, Kinder krank machen könnten
Befangenheit nennt man das in der Rechtssprechung.
In der Medizin werden solche Befangenheiten schlichtweg ignoriert. Und niemand findet etwas dabei, wenn sich Impfexperten selbst überprüfen - und dabei ständig rauskommt, dass eh alles in Ordnung ist.