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Mittwoch, 17. Juli 2019

Deutschlands Regierung gibt grünes Licht für Masern-Impfpflicht

Heute hat das deutsche Bundeskabinett den Gesetzesentwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn zur Einführung einer Impfpflicht gegen Masern bestätigt. 
Zur Aufnahme in eine Kita oder die Volksschule soll ab Herbst der Nachweis der zweimaligen Masernimpfung Pflicht sein. Für bereits aufgenommene Kinder muss der Nachweis bis spätestens Sommer 2020 vorgelegt werden, sonst drohen Strafen bis zu 2.500 Euro. 
Die schwarz-rote Regierung hat damit ein Gesetz auf den Weg gebracht, vor dem zahlreiche Fachexperten – die meisten davon Impfbefürworter – eindringlich warnen. Den Ausschlag für die Initiative gaben populistische Kampagnen in zahlreichen Medien und Umfragen in der Bevölkerung, welche sich klar für die Zwangsimpfung ausgesprochen haben. 


Fehlende Einzelimpfstoffe ergeben gleich auch eine Impfpflicht gegen Mumps und Röteln

Um die Masern ausrotten zu können wird von der WHO ein Grenzwert von 95% genannt. Damit ist der Anteil der Menschen gemeint, die gegen Masern immun sein sollten.
Deutschland liegt diesbezüglich darunter, heißt es. Zwar konnten bei den Schuleingangs-Untersuchungen zuletzt 97,1% der Kinder die Bestätigung für die erste Masern-Impfung vorweisen. Allerdings haben im Bundes-Durchschnitt nur 93% der Kinder die 2. MMR. Und deshalb braucht es – laut Jens Spahn & Co. – die Impfpflicht.

93% ist weniger als 95%, das stimmt.
Aber heißt das nun, dass 7% der Kinder nicht immun sind?

Rechnen wir das kurz mal nach:

  • 97,1% der Kinder haben die erste MMR. Das heißt 2,9% der Kinder sind vollkommen ungeschützt.
  • 93% der Kinder haben die zweite MMR. Diese Gruppe hat einen offiziell angegebenen Schutz von 99% - das heißt hier sind 0,9% ungeschützt.
  • Die Differenz der nur einmal geimpften Kinder beträgt 4,1 Prozent. Diese Gruppe ist zu 95% geschützt. Hier sind also weitere 0,2% ungeschützt.
  • Zählen wir das zusammen, so ergibt sich, dass derzeit 96% der Kinder nach den offiziellen Kriterien einen ausreichenden Maserntiter haben und nur 4% ungeschützt sind. 


Deutschland erfüllt bei den Kindern also längst die Kriterien der WHO.

Wie es bei den Erwachsenen aussieht - speziell bei den Masern-geimpften Erwachsenen, die langsam ihre Titer einbüßen - wäre die wohl wesentlich wichtigere Frage, wenn man die Chancen der Ausrottung der Masern realistisch einschätzen möchte.
Doch die Beantwortung dieser Frage würde eine komplexe Analyse der Gesamt-Situation erfordern. Und das ist nicht im Sinn einer Gesundheitspolitik, die nichts mehr fürchtet als eine objektive wissenschaftliche Prüfung und eine kritische Selbstreflexion der getroffenen Entscheidungen im Impfwesen.


Die Schwächen des Masern-Impfprogramms

Bei der Einführung von Impfungen gibt es meist keine objektivierbaren Zielvorgaben, die mit der Maßnahme erreicht werden sollen. Und wenn sich im Nachhinein zeigt, dass das Programm Schwächen hat, so werden diese überall gesucht, bloß nicht bei den eigenen behördlichen Maßnahmen. Dies gilt für Impfprogramme allgemein - und auch für an sich erfolgreiche und sinnvolle Impfungen wie z.B. jene gegen Masern.

Wer trägt also die Schuld daran, dass die von der WHO mehrfach angekündigte Ausrottung der Masern heute irrealer scheint denn je?

Sind es tatsächlich die paar Impfgegner, die nicht erreicht werden können? Und liegt die einzige Chance tatsächlich in der Impfpflicht wie Ärztekammer-Funktionäre, Gesundheitspolitiker und viele Medien suggerieren?
Oder hat möglicherweise das Impfprogramm selbst Schwächen und es wird bloß ein Sündenbock gesucht, um davon abzulenken?
Für diese Variante spricht tatsächlich einiges.

So wurde bei der Einführung des Masern-Impfprogramms nicht bedacht, dass damit neue Risikogruppen entstehen können. Dass geimpfte Mütter ihren Babys einen geringeren Nestschutz mitgeben und diese deshalb ein höheres Risiko haben, im ersten Lebensjahr zu erkranken. Es wurde auch übersehen, dass es für die Aufrechterhaltung einer lebenslangen Immunität wichtig ist, dass Erwachsene immer mal wieder einem masernkranken Kind begegnen, welches rundum massenhaft Viren ausstreut und mit jedem Hustenstoß seiner ganzen Umgebung eine Auffrischungsimpfung verpasst. Der Wegfall dieser "natürlichen Durchseuchung" mündete in einem überraschenden Abfall der Wirksamkeit der Impfstoffe. Die epidemiologische Aufarbeitung der letzten Masern-Ausbrüche zeigt, dass der Anteil Erwachsener bereits bei knapp 50 Prozent liegt. Und die meisten waren einst geimpft worden.

Dieses Problem wird künftig immer deutlicher hervortreten. Insofern wird das Ziel einer erfolgreichen weltweiten Ausrottung der Viren mit jedem Jahr unwahrscheinlicher. Speziell wenn in den europäischen "Hotspots der Impfverweigerung" – in Ländern wie der Ukraine und in Teilen Rumäniens beinahe schon Zustände herrschen wie in der Vorimpf-Ära. An den Umtrieben von Impfgegnern, wie in unseren Medien dargestellt, liegt das aber sicherlich nicht. In beiden Ländern gibt es enorme Versorgungsprobleme. Die Ausbrüche in Rumänien betreffen vor allem die Volksgruppe der Roma. Diese haben in ihren ghettoartigen Siedlungen – auch abseits der Impfungen – kaum Zugang zu Gesundheitsleistungen.
In der krisengebeutelten Ukraine hat die Bevölkerung längst das Vertrauen in ihr Gesundheitssystem verloren. Korruption und Versorgungsmängel sind Alltag. Die Menschen fürchten sich vor abgelaufenen Impfstoffen zweifelhafter Qualität. Überall grassieren Gerüchte von schweren Schäden. Wohlhabendere Ukrainer lassen ihre Kinder mit importierten Impfstoffen impfen oder reisen dafür eigens in den Westen. Ohne internationale Hilfe werden diese strukturellen Probleme nicht zu lösen sein.


Verbesserte Impfungen - statt Zwang

Das in Deutschland geplante Gesetz bezieht sich exklusiv auf die Impfung gegen Masern. Am Markt ist jedoch bloß die Dreierimpfung MMR - gegen Masern, Mumps und Röteln, oder die Viererimpfung, die auch noch die Windpocken-Komponente enthält, erhältlich. Das ist ein weiterer schwerer Mangel des Impfprogramms: Es gibt kaum Alternativen - etwa Einzelimpfstoffe oder Impfstoffe, die man schlucken oder Inhalieren kann.
Und zwar nicht deswegen, weil es diese Impfstoffe nicht gibt. Prinzipiell stünden Einzelimpfstoffe ebenso zur Verfügung wie Impfstoffe, die man inhalieren kann. Sie müssten jedoch mit einigem Aufwand importiert werden, oder sind gar nicht behördlich zugelassen. Mit innovativen Impfstoffen wäre es längst möglich gewesen, die Impfquote weiter zu erhöhen. Impfkritische Personen oder Menschen mit Nadelphobie (immerhin rund 10 Prozent der Bevölkerung) wären damit sicherlich leichter erreichbar.

Eine Impfpflicht allein ist dazu jedenfalls kaum in der Lage. Sie schürt vielmehr die allgemeine Skepsis gegen Impfungen. In Frankreich, wo die Regierung Macron Pflichtimpfungen gegen elf Krankheiten gesetzlich verankert hat, bezeichnen sich in Umfragen rund 40 Prozent der Bevölkerung als impfkritisch. Kein Land der EU hat einen ähnlich hohen Anteil.
Und auch der Erfolg der Zwangsimpfungen ist zweifelhaft. Im Jahr 2018 verzeichnete Frankreich 2913 Masernfälle, fünfmal mehr als Deutschland (532 Fälle).

Weitere Informationen zur Impfpflicht findet Ihr auf der Webseite der "Ärzte für Individuelle Impfentscheidung". Der Verein hat kürzlich in Berlin eine Petition mit 143.000 Unterschriften gegen die Impfpflicht an das Gesundheitsministerium übergeben. 

Montag, 3. September 2018

Neues Buch: Gute Impfung - Schlechte Impfung

Während der letzten Monate habe ich an einem Buch zum Thema Impfen gearbeitet.
Das Manuskript ist nun fertig - und in der Druckerei. Journalisten, die sich für Rezensionsexemplare interessieren, können diese beim Verlag Ennsthaler bestellen.
Und so sieht das Buch aus:

Bert Ehgartners neues Buch kommt Anfang Oktober in den Buchhandel

Die Impfthematik interessiert mich seit langem und es ist sowas wie mein berufliches Spezialgebiet geworden. Ich hatte immer mal wieder Teilaspekte in meinen Filmen und Büchern und habe über die Jahre (u.a. hier im Blog) auch zahlreiche Artikel dazu geschrieben.
Doch ein monothematisches Buch zum Impfen gab es von mir noch nie. Nun ist es soweit: Ende September erscheint auf rund 400 Seiten „Gute Impfung - Schlechte Impfung“ im Verlag Ennsthaler.

Weil Impfungen immer auch "Kinder ihrer Zeit" sind, war es für die traditionsreichen älteren Impfungen notwendig, tief in die historischen Archive zu steigen. Ich habe dazu viele Wochen recherchiert und es war extrem spannend, die Hintergründe und die ersten Erfahrungen mit solchen legendären Impfstoffen wie jener gegen Kinderlähmung oder Tetanus aus der zeitgenössischen Sicht der damaligen wissenschaftlichen Debatte neu zu beleuchten.

Ich habe versucht, alle gebräuchlichen Impfungen - sowie auch das behördliche und wissenschaftliche Rundum - einer ebenso sorgfältigen wie kritischen Analyse zu unterziehen - so als wäre „das Impfen“ ein ganz normaler Teil der Wissenschaft – was es meiner Meinung nach auch sein sollte.
Das Impfwesen ist keine „Heilige Kuh“. Ich finde es gefährlich, wenn in der öffentlichen Diskussion immer so ein großer Respektabstand gehalten wird, um nur ja die „Impffreudigkeit der Bevölkerung“ nicht zu gefährden. Das fördert Trägheit bei den Behörden und Arroganz bei den Herstellern. Wohin das Gefühl, man werde nicht mehr kontrolliert, führen kann, haben wir zuletzt am Beispiel der deutschen Autoindustrie und dem Abgas-Skandal gesehen.

Persönlich stehe ich dem Impfen neutral gegenüber. Ich bin weder Impfgegner noch unkritischer Befürworter. Doch ich finde, dass bei Impfungen besonders hohe Ansprüche an deren Sicherheit zu stellen sind: Eben weil sie einen präventiven Eingriff an zumeist gesunden Menschen darstellen. Und deshalb sollten sie mit größtmöglicher Sorgfalt geprüft werden: damit die Geimpften nach dem Arzttermin genauso gesund sind wie davor.

Sie werden im Buch sehen, dass dies bei manchen Impfungen nicht der Fall ist und weder Wirksamkeit noch Sicherheit den Ansprüchen eines modernen Verbraucherschutzes genügen.
Bei anderen Impfungen - wie beispielsweise der Masernimpfung – gibt es hingegen zusätzliche positive Aspekte, die in der Öffentlichkeit kaum bekannt sind. Anstatt die Eltern mit Angstmache zum Arzt zu treiben, wäre es wohl für viele Eltern interessant, mehr von diesen positiven Eigenschaften zu erfahren.

Freut Euch also auf ein kritisches Buch, das zahlreiche Überraschungen birgt.

Rezensionswünsche bitte an Frau Mag. Ingrid Führer (e-mail). Bei Interesse an Veranstaltungen / Vorträgen / Diskussionsrunden zum Thema ist die Ansprechpartnerin Frau Geraldine Schirl-Ennsthaler (e-mail).

Freitag, 3. März 2017

Falscher Masernalarm: Ungeimpfte Kinder haben dennoch Hausarrest

Es war eine aufregende Woche für das Umfeld der Waldorfschule Pötzleinsdorf in Wien. Der Schulbetrieb wurde wegen des Verdachts auf Masern geschlossen. Betroffen sind 280 Schüler, 80 Kindergarten-Kinder und 60 Mitarbeiter. Nun stellte sich heraus, dass es gar keine Masernfälle gab. Lediglich bei einem Kind war der Test positiv: Aber auf Röteln. 

Heute stand die Waldorfschule im 18. Wiener Bezirk leer (Fotos: Waldorfschule Pötzleinsdorf)

"Dennoch dürfen Montag nur jene Schüler den Unterricht besuchen, die entweder Masern-Mumps-Röteln geimpft sind, oder einen Nachweis haben, dass sie gegen Röteln geschützt sind", erklärte mir Michael Ambros, Sprecher des Gesundheitsdienstes der Stadt Wien.
Ich fragte ihn, ob das nicht etwas überzogen sei, bei einer Erkrankung wie Röteln, die für Kinder allgemein als recht harmlos gilt. "Nein! Denn auch Röteln ist eine hochansteckende virale Krankheit und ebenso meldepflichtig wie Masern, insofern gilt der Maßnahmen-Katalog des Infektionsschutzgesetzes."
Dies, so Ambros, sei zumindest der Stand von Freitag nachmittag. "Betroffene können sich auch am Wochenende über die Hotline der Stadt Wien 01-4000-87120 über den aktuellen Stand informieren."


Ferndiagnose vom Kinderarzt

Begonnen hat die Affäre am Montag dieser Woche, erzählte mir die Niederösterreicherin Martha Schachner (Namen geändert), deren sechsjährige Tochter Alma die Wiener Waldorfschule besucht. "Sie hatte leichtes Fieber, geschwollene Lymphknoten und eine Bindehautentzündung. Am Dienstag trat ein kräftiger Ausschlag auf, das Fieber blieb bei 38 Grad."
Frau Schachner rief ihren Kinderarzt an und schilderte die Symptome. Der hatte keine Zeit für einen Hausbesuch, ersuchte jedoch um ein Foto. "Ziemlich sicher Masern", lautete die Ferndiagnose. Dienstag nachmittag hatte der Hausarzt Zeit für einen Hausbesuch und teilte die Ansicht des Kinderarztes. Und weil bei Masern bereits der Verdacht meldepflichtig ist, informierte er die Behörden. Und während am Mittwoch die Beschwerden von Alma bereits wieder am Abklingen waren, begannen nun die Mühlen der Behörden zu mahlen.
Die Schulleitung der Rudolf Steiner Schule wurde kontaktiert. Auch zwei andere Kinder seien mit ähnlichen Symptomen krank gemeldet, erfuhr der Amtsarzt. Weil die Schule keine Dokumentation über den Impfstatus der Schüler vorlegen konnte, wurde seitens des Stadtschulrates daraufhin die Schule geschlossen.


Wer nicht gegen Röteln geschützt ist, muss zu Hause bleiben


23 Tage Hausarrest

Martha Schachner und ihr Mann bekamen vom Amtsarzt die Mitteilung, dass über die Familie ein Absonderungsbescheid nach Infektionsschutzgesetz verhängt wurde. "Das bedeutet, erklärte uns der Arzt, dass wir 23 Tage lang - bis zum Ende der Inkubationszeit - das Haus nicht verlassen dürfen", erfuhr die geschockte Mutter. "Das gleiche galt für Simon, unseren neunjährigen Sohn."
Da Martha Schachner und ihr Ehemann beide die Masern einst als Kinder durchgemacht hatten, organisierten sie einen Bluttest. Dabei wurde ein ausreichender Antikörper-Titer festgestellt.

"An der ganzen Schule war der Teufel los", erzählt Schachner. "Alle Eltern waren aufgeregt und jeder diskutierte, wie man rasch zu einem Nachweis der Antikörper-Titer kommt. Viele ließen ihre ungeimpften Kinder impfen, andere weigerten sich."
Sie selbst, schildert Schachner, haben sich dagegen entschieden, die Kinder einem Titertest zu unterziehen, weil man dafür Blut abnehmen muss. "Das wollen wir ihnen nicht zumuten." Auch impfen wollen sie die Kinder erst später - vor der Pubertät. "Weil Kinderkrankheiten gut für das Immunsystem der Kinder sind und einen besseren Schutz hinterlassen als eine Impfung."

Am Freitag rief der Amtsarzt an und teilte Frau Schachner mit, dass bei einem Mitschüler eindeutig Röteln festgestellt worden ist und es sich deshalb auch bei ihrem Kind höchstwahrscheinlich nicht um Masern, sondern um Röteln handeln würde. "Den Absonderungsbescheid können Sie jetzt vergessen, das gilt nicht mehr", erklärte ihr der Amtsarzt.
Frau Schachner war verblüfft. "Plötzlich war niemand mehr an einer genaueren Untersuchung von Alma interessiert."
Und in der Schule stöhnten die Eltern auf, weil sie den falschen Antikörper-Test hatten machen lassen. Nochmal zum Arzt, nochmal stechen - und dann auf Röteln testen lassen.

Was sie nun am Montag mit den Kindern machen soll, weiß Frau Schachner nicht. Alma ist mittlerweile – nach zwei Tagen Fieber und einem weiteren Tag leichter Beschwerden – wieder völlig gesund. Doch darf sie deshalb schon in die Schule?
Simon - wie es derzeit aussieht - nicht, denn er könnte sich bei der Schwester mit Röteln angesteckt haben. "Ich muss also Pflegeurlaub nehmen, um zwei gesunde Kinder zu betreuen."
Zu allem Überfluss wurde das Schulverbot auch noch um eine Woche - auf 4 Wochen - verlängert. Weil Röteln eine längere Inkubationszeit haben…

PS: Meine Ansicht zu Masern und Impfpflicht habe ich in diesem Artikel beschrieben.