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Montag, 20. April 2020

Corona-Krise: Was, wenn es ganz anders war?

Immer öfter lese und höre ich die Befürchtung, dass wir nicht mehr zu einer Zeit vor COVID-19 zurückkehren können.  Die gute alte Zeit sei leider leider vorbei.  Keine Konzerte mehr, keine Fußball-Matches, keine dicht gedrängten Dancefloors. Abstand und Mundschutz bleiben fortan überall verpflichtend. Zumindest bis es eine wirksame Impfung für alle gibt.

Alle Menschen sind gefährlich und das Virus bringt uns um (Foto: Prachatai)
Es verbreitet sich eine Stimmung, die ich in dieser Intensität davor nur bei der Impfpflicht-Debatte bei Masern beobachtet habe: Viele Menschen fühlten sich oder ihre Kinder durch andere – ungeimpfte – Kinder, die eventuell Masernviren verbreiten könnten, persönlich bedroht. Und sie votierten deshalb in Umfragen zu rund 80% für die Einführung einer gesetzlichen Impfpflicht.
Ich zitiere das jetzt nicht, um die Sinnhaftigkeit der Masernimpfung zu diskutieren. Dazu habe ich anderswo meine Sichtweise beschrieben. Es geht darum, dass – erstmals seit der 1976 in (West-)Deutschland abgeschafften Impfpflicht gegen Pocken – wieder eine Zwangsimpfung eingeführt wurde. Und das, obwohl mehr als 95% der Kinder ohnedies freiwillig geimpft worden sind. Es ging bei dieser Aktion also eher um das politische Ausnützen einer Stimmung in der Wählerschaft und um die symbolische Umsetzung des Schutzbedürfnisses in Gesetzestext.

Dasselbe Muster bricht jetzt bei Corona durch.
Alte Menschen, Menschen mit überstandenem Herzinfarkt oder Krebs, Menschen mit chronischen Krankheiten: viele von ihnen fürchten sich nun vor einer potenziell tödlichen Infektion mit den Coronaviren. Sie schützen sich und sie ziehen sich zurück und sie wollen, dass sie - wenn sie schon mal raus gehen - auch von allen anderen verlässlich geschützt werden. Und das dauerhaft während des kommenden Sommers - und erst recht wieder danach.

Auch die Regierenden neigen zu dieser Sichtweise, wie etwa das am 15. 4. beschlossene "Corona-Paket" der deutschen Bundesregierung zeigt. Darin heißt es, dass wir "für längere Zeit lernen müssen, mit der Pandemie zu leben."
Punkt 17 dieser Verlautbarung lautet:
Eine zeitnahe Immunität in der Bevölkerung gegen SARS-CoV-2 ohne Impfstoff zu erreichen, ist ohne eine Überforderung des Gesundheitswesens und des Risikos vieler Todesfälle nicht möglich. Deshalb kommt der Impfstoffentwicklung eine zentrale Bedeutung zu. Die Bundesregierung unterstützt deutsche Unternehmen und internationale Organisationen dabei, die Impfstoffentwicklung so rasch wie möglich voranzutreiben. Ein Impfstoff ist der Schlüssel zu einer Rückkehr des normalen Alltags. Sobald ein Impfstoff vorhanden ist, müssen auch schnellstmöglich genügend Impfdosen für die gesamte Bevölkerung zur Verfügung stehen.
Eines scheint jetzt schon sicher: Ab dem Zeitpunkt, wo eine Corona-Schutzimpfung zur Verfügung steht, wird die Impfverweigerung als gemeingefährliche Drohung gegen die Allgemeinheit verstanden - und auch entsprechend geahndet werden. Politiker unterschiedlichster Lage – etwa der bayrische Ministerpräsident Markus Söder, oder Grünen-Chef Robert Habeck – outen sich bereits jetzt als Befürworter einer Impfpflicht. Ebenso wie viele Ärzte-Funktionäre.

So sieht die Perspektive aus. Eine andere Reaktion ist bei den vorherrschenden Denkmustern nicht zu erwarten. Und diese gedankliche Abfolge läuft so:
  • Ohne Maßnahmen wäre die Infektionskurve exponentiell weiter gewachsen
  • Und die Viren hätten Abermillionen Menschen getötet
  • Wir aber haben die Viren-Krise durch den Lockdown gemeistert
  • Jetzt sind wir stolz - aber auch vorsichtig - denn die Viren können jederzeit zurück kommen

Was aber, wenn es ganz anders war?

Coronaviren machen in der kalten Jahreszeit rund 15% der grippalen Infekte aus. Das Immunsystem der Kinder und der meisten Erwachsenen wird damit problemlos fertig. Für Risikogruppen kann die aktuelle Mutation jedoch einen entscheidenden Unterschied ausmachen, weil das Immunsystem heftiger auf den Infekt reagiert als bei den "normalen" Coronaviren - und damit lebensgefährliche Lungenentzündungen und andere Symptome auslösen kann.

In Österreich liegt das durchschnittliche Alter der an der Corona-Infektion verstorbenen Personen bei rund 80 Jahren. Wie es jetzt aussieht ist die aktuelle Sterbekurve nicht auffällig, sie entspricht der normalen Mortalität in der kalten Jahreszeit. Im Winter 2017/18, aber speziell 2016/17 (siehe Grafik) schlug die Kurve in Deutschland oder Österreich deutlich höher aus und es gab eine wesentlich stärkere Sterblichkeit in der kalten Jahreszeit. Wir haben statistisch gesehen bisher also einen relativ unauffälligen Winter hinter uns. 

In den meisten Ländern hatte die Corona-Pandemie keine sichtbaren Auswirkungen
auf die Sterbekurve, in anderen Ländern (wie hier Belgien, Frankreich) sehr wohl
(Quelle: Euromomo.eu, Zeitraum Januar 2016 - April 2020)

Doch was ist mit Italien, New York und den anderen Hotspots der Krise? Da gab es doch ganz eindeutig eine Übersterblichkeit?

Das ist unbestritten. Denn es kam in unterschiedlichen Regionen zu unterschiedlich starken Verbreitungen der Viren. Mediziner berichteten, dass es in Oberitalien bereits im November zu ungewöhnlich heftigen Verläufen von Lungenentzündungen gekommen war. Dies spricht dafür, dass die Viren deutlich länger Zeit hatten, sich zu verbreiten, als bisher angenommen wurde. Und so erreichte die Infektion mit den neuartigen Viren eine große Anzahl von Menschen. Die stark betroffene Region Lombardei hat mehr als 10 Millionen Einwohner und zählt zu den am dichtesten bewohnten Gegenden Europas - mit einer überdurchschnittlich alten Bevölkerung.
Die Krankheitskurve stieg plötzlich stark an. Und das wurde - verstärkt durch die massenhaft durchgeführten Tests und die enorme mediale Aufmerksamkeit - live ins Wohnzimmer übertragen. Die Welt war geschockt und das verstärkte die Krise zusätzlich. Bestattungs-Unternehmen weigerten sich beispielsweise, die infizierten Toten abzuholen - zumal Begräbnisse sowieso nicht erlaubt waren. Die Leichen stapelten sich. Das Militär musste anrücken. Die psychologische Wirkung dieser Bilder auf eine unvorbereitete Öffentlichkeit war enorm.

Ab diesem Zeitpunkt ging es für die meisten Politiker darum, unbedingt öffentlichkeitswirksam zu handeln, um diese Krise mit den unabsehbaren Folgen für das heimische Gesundheitssystem vom eigenen Land fern zu halten. Mit gutem Management und entsprechender Message Control konnte das der eigenen Popularität sogar nutzen. 
Und so wurde ein Schritt nach dem anderen getan - der scheinbar alternativlos in die aktuelle Situation mündete.

Es gab also einen regional besonders starken Verlauf dieser neuartigen Infektion. Diese lief zunächst unbemerkt und mündete dann in einer großen Anzahl von kritisch erkrankten Personen, die gleichzeitig in die Krankenhäuser eingeliefert wurden. Das Sterberisiko nahm kurzfristig stark zu. Gleichzeitig verbreiteten sich jedoch die Viren wie ein Flächenbrand - die weitaus meisten Menschen in den Hotspots hatten nur die typischen grippalen Infekte oder gar keine Symptome. Doch sie waren fortan immun - und damit bildeten sie eine unsichtbare Wand, welche die Epidemiekurve auch relativ rasch wieder zum Absturz brachte.

Anderswo verlief der Anstieg der Kurve nicht so steil - das Gesundheitssystem wurde nicht so stark überlastet - die Sterbekurve war nicht sonderlich auffällig. Über ein ganzes Jahr gesehen unterscheidet sich die Mortalität zwischen Ländern mit starkem Ausschlag der Epidemie-Kurve und Ländern mit flachem – aber längerem – Verlauf dann aber möglicherweise gar nicht mehr so stark.
Zudem haben die schwerer betroffenen Länder bereits einen höheren Anteil an Menschen, die gegen die neuen Coronaviren immun sind. Wie hoch dieser Anteil genau ist, werden die anlaufenden Antikörper-Tests in den nächsten Wochen zeigen.

Wie sehr der radikale Lockdown des Sozial- und Wirtschaftslebens gerechtfertigt war, wird sich auch im Vergleich mit Ländern zeigen, die deutlich mildere Maßnahmen verhängt haben. Da steht uns noch eine spannende Analyse bevor. 
Einen Vorgeschmack auf wissenschaftliche Fakten, welche die derzeit bestehende Interpretation der Wirksamkeit der Maßnahmen erschüttern könnte, geben schon jetzt einzelne wissenschaftliche Arbeiten.


Der Lockdown kam erst im Nachhinein

Das Berliner Robert Koch Institut (RKI) hat kürzlich ausgerechnet, wie sich die berühmte Reproduktionszahl R im Lauf der letzten Wochen verändert hat.
R=1 würde bedeuten, dass ein Corona-Infizierter eine weitere Person ansteckt. R=2 bedeutet, dass sich die Zahl der Infizierten verdoppelt. Wenn R kleiner als 1 ist, so heißt das, dass die Epidemie zu Ende geht.
Ende Februar bis Anfang März war die Corona-Welle in Deutschland voll unterwegs. Da war R sogar kurz größer als 3.



Interessant ist der Einfluss der Maßnahmen, die gesetzt wurden:
Am 9.3. wurden alle Veranstaltungen von mehr als 1000 Teilnehmern abgesagt. Das war exakt die Zeit, als die Corona-Verbreitung ihren Höhepunkt erreichte.
Kurz danach fiel die Kurve steil ab.
Die Absage der Großveranstaltungen konnte darauf jedoch keinen Einfluss haben, weil der Zeitraum viel zu kurz war.

Nun fiel also die Kurve runter auf R=1.
Und dann erst - viel später am 23. März - wurde der Lockdown mit all den scharfen Maßnahmen verkündet.
Seither fällt die Kurve nicht mehr, sondern bleibt ziemlich stabil auf R=1 und leicht darunter.
Das RKI erklärt das u.a. mit der ständig zunehmenden Menge an Tests, die seither durchgeführt wurden und der Schwierigkeit, das mathematisch korrekt einzuordnen.

Doch eines geht klar aus der Studie des RKI hervor: Die Epidemie hat in Deutschland ihren Höhepunkt von Anfang bis Mitte März erreicht.
Der Lockdown - am 23. März - kam viel zu spät, um etwas zu bewirken. Das war eine Maßnahme, die im Nachhinein gesetzt wurde. Sie war eine gut gemeinte Reaktion auf die Krise, hatte aber kaum einen messbaren Effekt auf den Ablauf der Epidemie.

Denselben Trend haben unabhängig davon Experten der österreichischen AGES ermittelt. 
Auch wenn Österreich den Lockdown am 16. März – eine Woche früher als Deutschland – umgesetzt hat, fiel er mitten in den bereits bestehenden Abwärtstrend der Infektions-Kurve und hat diese nicht beeinflusst.

Experten rätseln über die Ursachen für den Abfall der Kurve. Lag es doch an der Absage der Großveranstaltungen, an der reduzierten Mobilität, am vielen Händewaschen? 

Oder hat der Frühling mit den höheren Temperaturen und dem geringeren Erkältungsrisiko den Abfall bewirkt?
Sehen wir uns mal an, wie die verschiedenen Viren normalerweise über den Jahreslauf verteilt sind. Hier eine Übersicht aus einem Standardwerk zum Auftreten der Erkältungsviren in der nördlichen Hälfte der Erdkugel:

Mit Ende April geht die Coronaviren-Saison normalerweise zu Ende. 
Geht sie heuer nur deshalb zu Ende, weil Maßnahmen gesetzt wurden? (Quelle)

Was wenn tatsächlich alles ganz anders war? Und nun – abgesehen von der medial verstärkten Krise in den Hot Spots – ein stinknormaler Winter mit einer ganz durchschnittlichen Winter-Übersterblichkeit zu Ende geht.
Und was, wenn die Sonne mit den höheren Temperaturen den Coronaviren den Garaus macht, so wie jedes Jahr - und besser als das alle Lockdown-Maßnahmen können.

Was nun in den kommenden Wochen folgt, wird entscheidend sein für die Aufarbeitung dieser globalen Krise. Kritische, möglichst objektive, unabhängige Wissenschaft wird – im Zusammenspiel mit einer seriösen medialen Aufarbeitung – den Ausschlag geben, ob es gelingt, die richtigen Lehren zu ziehen. Was uns jetzt nämlich droht ist der Rechtfertigungs-Schwall der Regierungen und ihrer behördlichen und wissenschaftlichen Berater. Sie haben wenig Interesse daran, dass sich heraus stellt, dass viele der Maßnahmen übertrieben waren. Sie möchten sich feiern lassen, als Retter vor den Viren, die jede einzelne Milliarde wohl überlegt in den Schutz der Bevölkerung investiert haben.

Doch ich will hier gar keine Schuldfrage anzetteln.
Wir haben als weltweite Community eine bisher noch nie da gewesene Erfahrung gemacht. Das müssen wir seriös aufarbeiten, um daraus zu lernen. Und das bedeutet sicherlich nicht, dass wir jetzt alle angstvoll auf die Einführung einer Corona-Schutzimpfung warten. Denn das durchbricht die Angstlogik nicht. Und schon bald würde darauf der nächste Lockdown folgen, weil das Viren-Tracking natürlich nicht aufhört. Und wer suchet, der findet sofort wieder etwas, vor dem man sich fürchten kann.
Und das wäre doch sehr sehr schade, wenn wir vor lauter Virenangst nicht mehr zu unserem "alten Leben" zurück kehren können: zu den Konzerten, den Fußball-Matches, den ausgelassenen Tänzen.


Donnerstag, 5. Oktober 2017

Schmutzimpfung statt Schutzimpfung

Die Angst vor Keimen im Haushalt, ein neues Einsatzgebiet für Impfungen und das wirkliche Risiko, das von Antibiotika-Kuren ausgeht: Wichtige Themen in meinem Buch "Die Hygienefalle", die auch im Interview für die deutsche Fachzeitschrift "Kinderkrankenschwester" zur Sprache kommen. 

Kinder brauchen Schmutz: ein artenreiches Mikrobiom ist
ein wichtiges Fundament unserer Gesundheit (Foto: Ehgartner)


Worum geht es in der Hygienefalle? Sterile Lebensmittel, übertriebene Körperhygiene, zu viele Putzmittel im Haushalt?

Bert Ehgartner: Ja, auch. Vor allem aber um unseren generellen Umgang mit Keimen. Die Grundprinzipien der Hygiene umzusetzen war eine der segensreichsten Leistungen unserer Zivilisation. Doch dann haben wir gewaltig übers Ziel geschossen und der Krieg gegen Viren und Bakterien wurde zu einem Leitmotiv unseres Verständnisses von Gesundheit. Damit sind wir gewaltig in die Hygienefalle getappt.

Sie meinen die Überverschreibung von Antibiotika und das damit verbundene Risiko von Resistenzen und Krankenhauskeimen?

Bert Ehgartner: Die Resistenzbildung ist eine Nebenwirkung der Überverschreibung. Viel problematischer ist allerdings die Hauptwirkung der Antibiotika: Das Massensterben, das sie bei unseren mikrobiellen Mitbewohnern auslösen. Wir beherbergen zehnmal mehr Bakterien als wir menschliche Zellen haben. Die genetische Vielfalt unserer Mitbewohner übersteigt unsere eigenen Gene um das Hundertfache. Und wir wissen heute, dass wir einen kunterbunten Austausch an Information pflegen. Unsere Gesundheit hängt davon ab, dass unser Mikrobiom möglichst vielfältig ist und ein stabiles, symbiotisches Verhältnis zu den Zellen des Immun- und Nervensystems pflegt. Deshalb ist die Tendenz der Kinderärzte „zur Sicherheit“ Antibiotika zu geben, gemeingefährlich.

Trägt diese Praxis auch Mitschuld am Anstieg der chronischen Krankheiten?

Bert Ehgartner: Jedenfalls. Die Mehrzahl dieser Krankheiten hat ja eine gemeinsame Wurzel: Ein überaggressives aus der Bahn geworfenes Immunsystem. Und speziell in der Kindermedizin wird laufend das heranwachsende Immunsystem manipuliert. Auch durch Impfungen. Sie gelten als „Heilige Kuh“ der Medizin und manche werden heute noch nach Rezepten hergestellt, die beinahe 100 Jahre alt sind. Hier braucht es dringend eine Modernisierung, eine tabulose Überprüfung von Nutzen und Risiko aller Impfungen. Stattdessen überlassen wir die Forschung komplett der Industrie, während die Behörden auf der faulen Haut liegen.

Wie können wir uns nun aus der Hygienefalle befreien?

Bert Ehgartner: Wir brauchen ein neues Verständnis für Gleichgewicht und Symbiose. Dazu gehört der Friedensschluss mit Viren und Bakterien. 99,9 Prozent sind nicht gefährlich, sondern nützlich und lebensnotwendig. Unser Problem ist heute eher die Abwesenheit vieler Keime. Und hier muss die Wissenschaft ansetzen. Denkbar wäre, dass künftige Impfungen das Immunsystem nicht mehr aggressiv machen und vorwarnen gegen bestimmte Infekte, sondern sie könnten Kontakte herstellen, die verloren gegangen sind. Schmutzimpfung statt Schutzimpfung!

Das Interview erschien in der Zeitschrift "Kinderkrankenschwester" (Ausgabe 03/17, Seite 110). Geführt hat das Interview der Berliner Medizinjournalist Hardy-Thorsten Panknin.

Dienstag, 9. Februar 2016

1. Auflage der Hygienefalle ausverkauft :)

Ausnahmsweise möchte ich hier mal einen Beitrag bringen, der nicht von mir ist, sondern von einer deutschen Heilpraktikerin. Sie begleitet schon seit vielen Jahren kritisch meine Arbeit, schreibt mir immer wieder mal Mails und weist mich auf Studien oder interessante Literatur hin.
Diesmal schickte sie eine Rezension der "Hygienefalle". Ich übernehme diese Buchkritik ohne Änderungen. Zum einen, weil ich damit einen Ansporn geben möchte, über das Buch öffentlich zu diskutieren. Zum anderen, weil die Rezension auf mein Buch neugierig macht. Und das ist nicht schlecht. Denn nachdem die 1. Auflage erfreulich schnell ausverkauft war sind beim Verlag Ennsthaler nun gerade die druckfrischen Exemplare der 2. Auflage eingelangt.  

Verleger Christoph Ennsthaler steckt hinter der Hygienefalle

Wer weiß schon, dass wir in unserem eigenen Körper in der Minderzahl sind, dass Bauernkinder nur die Hälfte des Allergierisikos der sonstigen Bevölkerung tragen, dass Darmparasiten das Immunsystem beruhigen und vor Allergien und Diabetes I schützen, dass Helikobakter Pylori, jener Magenkeim, der von der Schulmedizin gleich mit drei Sorten Antibiotika ausgerottet wird, vor Refluxerkrankungen und Speiseröhrenkrebs schützt?
In seinem neuen Buch stellt der investigative Medizinjournalist Bert Ehgartner wiederum eine Fülle an verblüffenden Fakten zu brennend aktuellen Gesundheitsthemen ebenso fundiert wie gut verständlich dar. Die Mikrobenzellen und ihre Gene, die wir auf und in uns tragen, übersteigen die Zahl unserer eigenen Körperzellen und Gene um ein Vielfaches und spielen jede Sekunde in der wundervollen Lebens-Symphonie unseres Organismus' mit. Wir sind, wie Ehgartner schreibt, "ein Superorganismus mit Myriaden Synergien".
Es ist höchste Zeit, diese Erkenntnis in unser Wissen von Biologie und Heilkunde zu integrieren und die Paradigmen einer Medizin, die vor 150 Jahren den Mikroben den Kampf angesagt hat und die Balance unseres Mikrobioms mit immer massiveren medikamentösen Eingriffen zerstört, zu hinterfragen und zu korrigieren. Ehgartners Buch liefert hierfür ein umfassendes, faktenreiches Kompendium, das die Dringlichkeit, mit der wir umdenken müssen, ebenso klar herausstellt wie die Richtung, in die eine Medizin und Gesundheitsvorsorge für das 21. Jahrhundert gehen muss.

Unsere Entwicklung beruht wie die Entwicklung aller höheren Arten auf der Integration zahlloser Mikroorganismen: unsere Zellkraftwerke, die Mitochondrien, sind "Fremdarbeiter", Mikroben, die einst in unsere Zellen einwanderten und sie seitdem zuverlässig mit Sauerstoff versorgen, das Bakteriom in unserem Darm sorgt für unsere Ernährung und sogar für gute Stimmung, andere Mikroorganismen helfen bei der Eichung und Regulierung unseres Immunsystems. Das vielfach und eindrucksvoll belegte Fazit Ehgartners lautet: "wenn es unseren Bakterien gut geht, geht es auch uns gut".
In diametralem Gegensatz dazu stand die Annahme Louis Pasteurs' und Robert Kochs, dass in einem gesunden Körper keine Bakterien nachgewiesen werden können. Ehgartners Exkurs in die jüngere Medizingeschichte ist brennend aktuell, denn es fragt sich, warum die Schulmedizin aus den Irrtümern der Mikrobenjäger aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bislang keine Konsequenzen gezogen hat: längst wissen wir, dass ein steriler menschlicher Organismus, der Koch noch als Ideal der Gesundheit galt, nicht lebensfähig wäre, dennoch sind viele medizinische Maßnahmen, die tief in den Organismus eingreifen, wie der flächendeckende Einsatz von Impfungen oder Antibiotika, weiterhin diesen obsoleten Paradigmen verpflichtet. Dass der Münchner Arzt von Pettenkofer und sein Assistent zwei Cholera-Kulturen vor Publikum austranken ohne nennenswert zu erkranken, dass Pettenkofer allein durch die Einführung einer zentralen Wasser- und Abfallversorgung die Stadt München von ihrem letzten Cholera-Ausbruch befreite, ganz ohne Quarantäne und Desinfektionsmaßnahmen - all diese Fakten sind bis heute in der Medizin kaum diskutiert, geschweige denn in eine umfassende Theorie der Krankheitsentstehung und -behandlung integriert worden.

Während der ganzheitliche Ansatz von Pettenkofers und anderer Ärzte, die Krankheit als Dysbalance des gesamten Organismus' ansahen, in der Schulmedizin verdrängt wurde (und bestenfalls bei naturheilkundlichen Ärzten oder Umweltmedizinern ein Nischendasein fristet), trat der medizinische Krieg gegen die Mikroben, flankiert von der aufstrebenden chemischen Industrie, seinen Siegeszug um die Welt an. Die unheilvolle Verquickung von Medizin und chemischer Industrie, die Ehgartner nachzeichnet, muss angeschaut und endlich auf ihre Angemessenheit hin überprüft werden. Die pharmazeutische Industrie macht weltweit Milliardenumsätze und ist seit 1998 zur mit Abstand größten Sponsorin der beiden großen politischen Parteien der USA aufgestiegen. Von dort übt sie massiven Einfluss auf die medizinische Forschung und Gesundheitspolitik nicht nur der westlichen Welt aus.

Neben den für eine freie medizinische Wissenschaft und Forschung verheerenden Verflechtungen mit der Pharmaindustrie beleuchtet Ehgartner auch die dunklen Seiten der Medizingeschichte, die nichts an Aktualität eingebüßt haben. Etwa jene des Gynäkologen Ignaz Semmelweis, dessen lebensrettende Erkenntnisse seine Standeskollegen vehement zurückwiesen - und so noch weitere 50 Jahre den Tod aus der Pathologie auf die Wöchnerinnenstationen trugen.
Bis heute wird die reflexhafte Abwehr neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse als "Semmelweis-Reflex" bezeichnet, und bis heute ist die Schulmedizin keineswegs frei von solch unwissenschaftlichem Verhalten, was Ehgartner u.a. anhand der Autismus-Kontroverse zeigt - der Diskussion um die Frage, ob Impfungen ursächlich an der Entstehung von Autismus beteiligt sein könnten -, ein Kapitel, das sich wie ein Krimi liest und das ich besonders allen Eltern von Kleinkindern ans Herz legen möchte. Zur Frage, warum es zum Thema Impfungen keine kritischen Studien gibt, zitiert Ehgartner den langjährigen Präsidenten der World Autism Organisation mit den Worten: "weil die Leute Angst haben, was sie finden könnten."

Wir dürfen der Angst vor dem, was wir finden könnten, nicht das Feld überlassen. Die Zahl der Autismus-Erkrankungen und vieler anderer Entwicklungsstörungen steigt massiv an, ebenso wie die Zahl der Autoimmunerkrankungen, für die ebenfalls der Verdacht besteht, dass sie durch die grobe diffuse Alarmierung des Immunsystems, die jede Impfung bedeutet, getriggert werden. Wir müssen uns der Angst stellen, der Angst vor der schmerzhaften Erkenntnis von falschen Entwicklungen im Medizinbetrieb, der Angst, vielleicht selbst - als Patienten, Eltern, Ärzte - Fehlentscheidungen im besten Glauben getroffen zu haben, und ebenso der Angst vor unseren mikrobiellen Symbionten, die uns viel häufiger nützen und viel seltener schaden, als uns Pharmaindustrie und Wissenschaft Glauben machen wollen. Angst ist kein guter Ratgeber. Es gibt weitaus bessere: unseren gesunden Menschenverstand, mit dem wir behauptetes von begründetem Wissen unterscheiden können, unsere Wahrnehmung, die uns Auskunft über erwünschte und unerwünschte Wirkungen von Medikamenten gibt, und nicht zuletzt eine wachsende Anzahl an wertvollen kritischen Informationen, wie sie Ehgartner hier präsentiert.
Neben Impfungen und antibiotischen Medikamenten unterzieht Ehgartner auch das HI-Virus und die Krebstherapie seinen unbestechlichen Recherchen - und zeigt das oft erschütternd brüchige Fundament von Theorien und Behandlungen auf, die im Wissenschaftsbetrieb geradezu als sakrosankt gelten - einem Wissenschaftsbetrieb, den der renommierte Wiener Philosoph Konrad Paul Liessmann an anderer Stelle als "Projekt der Gegenaufklärung" bezeichnet.

Wir müssen uns auf das Kantische "sapere aude" rückbesinnen, wir müssen unsere Vernunft befragen und scheinbar gesichertes Wissen mit dem Mut zur Wahrheit überprüfen - und die Verantwortung für unsere Gesundheit und die unserer Kinder wieder in unsere Hände nehmen - von der natürlichen Geburt, die den Säugling mit dem guten Mikrobiom der Mutter versorgt bis zu einem Umgang mit Krankheiten, der unserem mächtigen Schutzengel Immunsystem zuarbeitet, anstatt ihn mit chemischen Großangriffen außer Kraft zu setzen. Ehgartners Buch ist ein großes, mutiges Werk im besten aufklärerischen Sinn.

Die Autorin möchte gerne anonym bleiben. Ihre Buchkritik erschien bei Amazon unter dem Nick "anna logo". 

Freitag, 16. Oktober 2015

Die Hygienefalle - Schluss mit dem Krieg gegen Viren und Bakterien

Wer wissen möchte, was genau mit der "Hygienefalle" und dem "Krieg gegen Viren und Bakterien" gemeint ist: Hier ist das Vorwort zu meinem neuen Buch. 


http://www.amazon.de/Die-Hygiene-Falle-Gesundheit-verspielen/dp/3850689468/ref=as_sl_pc_ss_ssw?&linkCode=wss&tag=ehgarinfo-21
Auf die Idee zu diesem Buch kam ich im Frühling 2014 während eines Gesprächs, das ich mit Erika von Mutius führte, der deutschen Allergieforscherin und Mitbegründerin der so genannten Hygiene-Hypothese. Wir sprachen über die Entdeckung des menschlichen Mikrobioms, jener unglaublich vielfältigen Gemeinschaft an Mikroben, die auf und in uns gedeiht und mit uns lebt.
Jeder Mensch ist ein riesiger Zoo und beherbergt eine Artenvielfalt, die an jene der Regenwälder des Amazonas erinnert. Wir wissen heute, dass wir in unserem eigenen Körper in der Minderzahl sind – und zwar gewaltig. Auf jede einzelne Zelle unseres Körpers kommen zehn Zellen von Mitbewohnern. Auf jedes einzelne Gen unseres Erbgutes kommen hundertfünfzig nicht menschliche Gene. Und sie alle spielen mit im Konzert unseres Lebens.
Wir setzen gerade die ersten Schritte in diesen neuen Kosmos, machen die ersten Entdeckungen und staunen wie bedeutsam der Einfluss der Mikroben für alles ist, was uns als Menschen ausmacht.
Im Laufe der Evolution haben sich unzählige Symbiosen zum gegenseitigen Vorteil entwickelt: Manche der Bakterien erzeugen lebenswichtige Vitamine, andere schließen die Nahrung auf und machen Spurenelemente verfügbar. Sie mischen kräftig mit bei der Steuerung unseres Essverhaltens und beeinflussen sogar unserer Laune, indem sie im Darm Glückshormone erzeugen. Wenn es unseren Bakterien gut geht, geht es auch uns gut.


Die drei Säulen der Gesundheit

Die Gemeinschaft dieser Mikroben steht zudem in enger Verbindung mit unserem Schutzengel, dem Immunsystem, mit dem es sich im Verlauf der Evolution des Lebens parallel entwickelt hat. Die beiden kennen sich aus Urzeiten als es noch keine Menschen, ja noch nicht einmal Säugetiere gab. Und beide zusammen, das Immunsystem und das Mikrobiom, beeinflussen unser Gehirn, unser Nervensystem – also das, was unser Ich und unsere Persönlichkeit ausmacht.
Auf diesen drei Säulen – Nervensystem, Immunsystem und Mikrobiom – beruht die Stabilität unserer Gesundheit. Sie sind alte Freunde und kommunizieren unentwegt – während wir essen, arbeiten oder lieben.  Speziell wenn wir lieben: Vom ersten Kuss, den Verliebte einander schenken, tauschen sie auch ihre Mikroben aus, passt sich ihr Immunsystem aneinander an, tauchen sie ein in den Geruch ihrer Körper, der auch wieder von Bakterien erzeugt wird. Mikroben schaffen Beziehungen.
„Bisher“, sagte Erika von Mutius in unserem Gespräch, „haben wir in der Medizin immer nach Risikofaktoren gesucht. Doch durch die Mikrobiomforschung sehen wir jetzt, dass es bei Gesundheit nicht um Risikovermeidung, sondern viel mehr um Gleichgewichte und Symbiosen geht.“
In diesem locker ausgesprochenen Gedanken, das wurde mir in dem Moment schlagartig klar, liegt ein Potenzial, das die Medizin und unser Verständnis von Gesundheit von Grund auf verändern kann. Sollte es möglich sein, dass wir lernen unseren Selbstheilungskräften zu vertrauen statt zu intervenieren? Dass wir unser Mikrobiom hegen und pflegen, statt es wahllos umzupflügen und zurechtzustutzen? Dass wir banale Infekte zulassen, ohne das Immunsystem mit allen möglichen Interventionen in seiner Arbeit zu behindern? Dass wir Symbiosen hüten und auf Gleichgewichte achten?

Sollte diese revolutionäre Umkehr möglich sein, so wäre das wie ein Tauwetter nach einer langen Phase des Krieges. Während des letzten Jahrhunderts haben wir vor allem gekämpft: gegen Infekte, gegen Krankheiten, gegen „feindliche Bakterien und Viren“.
Doch wohin hat uns dieser Kampf geführt? Viele Menschen müssen das gerade leidvoll erfahren:  
In den USA sind in der Generation der unter 18-jährigen die gesunden Kinder und Jugendlichen bereits in der Minderzahl. Und die Welle chronischer Krankheiten schwappt immer mehr auch nach Europa über. Alle zehn Jahre verdoppelt sich die Anzahl der Kinder, die an Diabetes leiden. Asthma ist bereits zur Volkskrankheit geworden. Jede dritte Familie hat mindestens ein Mitglied mit Allergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Die Kurven bei Multipler Sklerose, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und Autismus – alles Störungen, die noch vor wenigen Jahrzehnten exotisch waren – zeigen steil nach oben. 
Und immer deutlicher zeigt sich, dass es nicht die Überalterung der Bevölkerung ist, welche die Budgets der Sozialstaaten an den Rand des Kollapses bringt, sondern die Last der chronischen, unheilbaren Krankheiten. Trotz aller Hygiene, trotz aller Arztbesuche, Früherkennungs- und Vorsorgeprogramme.


Gefangen in der Hygienefalle

Die Prinzipien der Hygiene umzusetzen, war eine der segensreichsten Leistungen unserer Zivilisation. Die Zeit der Seuchen war damit vorüber. Doch offenbar haben wir die Sache gewaltig übertrieben. Wir haben eine an sich hervorragende Idee derart auf die Spitze getrieben, dass sich der einstige positive Effekt in sein Gegenteil verkehrt hat.
 Moderne Hygienebestimmungen gefährden die Gesundheit, statt sie zu bewahren. Dank immer schärferer bürokratischer Vorschriften ist Hygiene heute in vielen Bereichen zu Sterilität pervertiert. Obst und Gemüse wird in Folien gepresst, Trinkwasser chloriert, Rohmilch gilt als gemeingefährlich, kein Stückchen Erde klebt an Radieschen oder den strahlend orangen Karotten im Supermarkt. Überall blitzt es vor Sauberkeit – man könnte vom Boden essen.
Stück für Stück hat sich bei uns ein Lebensstil durchgesetzt, der die biologischen Bedürfnisse unseres Körpers missachtet und der menschlichen Natur zuwiderläuft. Wir versuchen die Mikroben, die uns umgeben, zu beseitigen und auszurotten. Dabei übersehen wir, dass wir selbst aus Mikroben bestehen.
Das gilt auch für viele Interventionen der „modernen Medizin“. Statt Abläufe im Körper zu unterstützen, stören sie Symbiosen und gefährden das Gleichgewicht unserer drei Gesundheitssäulen.
Das beginnt bei der Geburt, die schon bei jeder dritten Schwangeren per Kaiserschnitt erfolgt – statt mit den guten Bakterien der Mutter werden diese Babys zuerst mit Keimen besiedelt, die sie wahllos im Kreißsaal auflesen
Weiter geht es beim Kinderarzt: Von Anfang an sind Babys und Kleinkinder während der sensibelsten Phase ihrer Entwicklung einer ganzen Lawine von Eingriffen ausgesetzt: Antibiotika-Kuren, die „zur Sicherheit“ verabreicht werden, die aber nicht nur krank machende Bakterien bekämpfen, sondern auch zu einem Kahlschlag im gerade entstehenden Mikrobiom führen. Fiebersenker und Entzündungshemmer, die die natürlichen Regulative des kindlichen Organismus aushebeln. Eine Unzahl von Impfungen, die das Immunsystem künstlich aggressiv machen – und all das während der sensibelsten Phase der kindlichen Entwicklung.


Strategien der Angstmacher

Prävention, wie wir sie heute verstehen, hat oft mehr mit Präventivschlag zu tun als mit achtsamer Vorsorge. Überall sind wir noch konfrontiert mit Denkmustern, die ihren Ursprung tief im finsteren 20. Jahrhundert haben: im allzu simplen, schwarz-weißen Weltbild der Mikrobenjäger, die im Endsieg gegen feindliche Keime die Voraussetzung für Gesundheit sahen.
Natürlich lässt sich ein simples Weltbild viel einfacher vermitteln als komplexe Zusammenhänge. Und es lässt sich auch viel besser vermarkten: Es müssen nur Ängste geschürt und dann einfache Lösungen angeboten werden. Für jedes Risiko gibt es einen Test, eine Therapie, eine Pille. Wir sind – inmitten der längsten Friedenszeiten, die wir jemals in Mitteleuropa erlebt haben – zu einer überängstlichen Gesellschaft geworden. Der Medizinmarkt gehört zu den mächtigsten Wirtschaftszweigen. Angefeuert von den Strategen der Pharmaindustrie, welche Gesundheitspolitik und Behörden hilflos vor sich her treiben.
Unsere Gesellschaft hat der Industrie die medizinische Wissenschaft überlassen und auf unabhängige öffentliche Kontrolle fast vollständig verzichtet. Heute sehen wir das Resultat dieser Politik: eine Bevölkerung, die auf die Bedürfnisse der Wirtschaft hin optimiert ist und von der Wiege bis zur Bahre Therapien braucht – vom Kaiserschnitt bis zur finalen Chemotherapie.

Ob es gelingt, dass wir uns aus diesem Geflecht an Interessen und fest gefahrenen Einstellungen befreien, ist eine spannende Frage.
Derzeit sieht es nicht so aus.

Aber machen Sie sich selbst ein Bild.


"Die Hygienefalle", das neue Buch von Bert Ehgartner ist ab 9. November 2015 im Buchhandel erhältlich. Besorgen Sie sich bitte das Buch in Ihrer Lieblingsbuchhandlung. Alternativ zu Amazon & Co. können Sie das Buch auch direkt beim Verlag Ennsthaler bestellen.  

Samstag, 20. Dezember 2014

Was unsere Kinder chronisch krank macht

Am 6. Januar 2015 um 21:35 Uhr läuft im Programm von ARTE mein neuer Dokumentarfilm "Alte Freunde - Neue Feinde". In dieser 90-Minuten Doku gehen wir der Frage nach, warum in unserer Zeit von Frieden und Wohlstand immer mehr Kinder an chronischen Krankheiten leiden.


Zum Vorspann des Films: aufs Foto klicken.

Im Film geht es um den Einfluss von superhygienischen Lebensmitteln - die keinerlei Bakterien, dafür aber jede Menge Zusatzstoffe enthalten. Es geht um die vorsorgliche Verschreibung von Antibiotika sowie die nie zuvor so zahlreich verabreichten Impfungen. Alle diese Medikamente manipulieren und overrulen das kindliche Immunsystem - natürlich stets mit guter Absicht.

Ein Kernthema des Films ist die Entdeckung des humanen Mikrobioms - jenen Milliarden von Bakterien und sonstigen Mikroorganismen, die auf und in uns Leben.
Wir sind in Wahrheit ein Zoo und beherbergen einen Genpool, der unser eigenes Genom um das 150-fache übertrifft.

Mit Kameramann Christian Roth am Hafen von Jakarta (Foto stammt von Tonmeister Michael Hensel)
Die holländische Wissenschaftlerin Maria Yazdanbakhsh reist in entlegenste Gebiete Indonesiens, „um einen Blick auf Lebensumstände zu werfen, wie wir sie bei uns vor 200 Jahren vorfanden“. Wir begleiteten sie in die Region von Nangapanda auf der indonesischen Insel Flores. 


Mit Maria Yazdanbakhsh (Prof. für Parasitologie an der Univ. Leiden, NL) in Nangapanda

In den Dörfern rund um Nangapanda gibt es keine Toiletten, keine Wasserleitungen. Alle Kinder sind verwurmt und bleiben im Vergleich zu den Stadtkindern etwas im Wachstum zurück. Zivilisationskrankheiten wie Asthma oder Allergien sind hier jedoch vollständig unbekannt. 
Kinder präsentieren stolz eine eben erlegte Schlange

Starköchin Sarah Wiener unternimmt im Film den Versuch, Supermarktkekse nach zu backen und erlebt dabei schon bei den Zutaten eine Überraschung. Anstelle von Butter, Mehl und Eiern muss sie ihre Kekse „aus einem regelrechten Chemielabor“ zaubern. 
Hier erzählt sie über die Probleme mit Lebensmitteln aus dem Industrielabor:
Interview mit der kritischen TV-Köchin Sarah Wiener
Wir haben - denke ich - einen interessanten Film zu einem brisanten Thema hin gekriegt. Und ich würde mich sehr über Reaktionen  und Kritik hier im Blog freuen.
Also nicht vergessen: Am 6. Januar - um 21:30 Uhr ARTE einschalten.