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Dienstag, 28. März 2017

Zecken ziehen nach Westen

Studien zum Vorkommen der FSME zeigen einen einheitlichen Trend: Die flachen Regionen des Ostens behagen den Zecken, bzw. den von ihnen verbreiteten Viren immer weniger. In Ungarn ist die FSME in den letzten Jahren beinahe ausgestorben - trotz geringer Impfrate. Und auch in Niederösterreich und dem Burgenland geht die Zecken-Gefahr stark zurück. Ganz anders ist die Lage in den westlichen Ländern. Dies zeigt, dass sich der Klimawandel auf das FSME-Risiko mindestens genauso stark auswirkt wie die Impfung.





Bohumir Kriz und eine Gruppe des "National Institute of Public Health" in Prag haben im Jahr 2012 eine Übersicht zur Entwicklung der FSME in Tschechien im Verlauf von 38 Jahren (1970 - 2008) publiziert.
Tschechien ist mit seinen 10 Millionen Einwohnern eines der von FSME am meisten betroffenen Länder. Seit 1970 sind mehr als 17.000 Krankheitsfälle registriert worden. Die Schwankungsbreite pendelte zwischen einem Minimum von 180 und einem Maximum von 1.029 Fällen pro Jahr.

Die FSME-Impfung konnte sich in Tschechien nie so recht etablieren. Sie wurde Ende der 1970er Jahre von den Gründern der österreichischen Firma Immuno erfunden und entwickelte sich im Lauf der nächsten Jahre - forciert durch penetrante TV-Werbung und Plakataktionen - zu einem enormen Bestseller. Laut virologischem Institut der Medizinischen Universität Wien erreichte die Impfrate bis zum Jahr 2000 einen Anteil von mehr als 80 Prozent der österreichischen Bevölkerung. In besonderen "Krisenregionen" wie z.B. dem Bundesland Kärnten stieg die Impfrate sogar auf 90 Prozent, was für eine selbst zu bezahlende Impfung Weltrekord bedeutet.


Rätselhafte Unterschiede von Ober- zu Niederösterreich

Weil der Schutz durch die Impfung laut Annahme der FSME-Experten bei mindestens 97 Prozent liegt, musste sich aus der enormen Impffreudigkeit auch eine enorme Reduktion der FSME-Fälle ergeben. Tatsächlich nennt Österreichs oberster FSME-Experte Franz-Xaver Heinz und sein Team der Universität Wien eine Reduktion der Krankheitsfälle durch die Impfung um 84 Prozent. Eine eindrucksvolle Zahl. - Falls man diesen Angaben trauen kann.

Denn seltsamerweise entwickelten sich die Fallzahlen in den verschiedenen Bundesländern trotz Rekord-Impfraten sehr unterschiedlich. Ober- und Niederösterreich starteten zum Beginn der Impfkampagne mit einer durchschnittlichen Anzahl von 4 FSME-Fällen pro 100.000 Einwohnern. "Doch nach 1990 begann die Inzidenz in Oberösterreich zu steigen und lag in der Periode zwischen 2009 und 2013 bei durchschnittlich 8,9 FSME-Fälle pro 100.000 Einwohnern", schreiben die Wiener Virologen. "Im Gegensatz dazu nahm die Inzidenz in Niederösterreich kontinuierlich ab und lag zuletzt bei 1,2 FSME Fällen." Diese Zahlen beziehen sich auf die ungeimpfte Bevölkerung.

In Tschechien wurde die Impfung deutlich schlechter angenommen als in Österreich. Erst in der jüngeren Vergangenheit stieg die Impfrate etwas an und lag zuletzt bei 17 Prozent.
Dennoch gab es bereits während der 1980er bis zum Beginn der 1990er Jahre einen markanten Rückgang der FSME von durchschnittlich 4 Krankheitsfällen pro 100.000 Einwohnern und Jahr auf im Schnitt nur noch 2 Fälle.
Erst ab Mitte der 1990er Jahre begann ein starker Anstieg der Inzidenz auf zuletzt rund 6 FSME-Fälle pro 100.000 Einwohnern.

Im Nachbarland Slowakei gehen die Behörden von einer noch niedrigeren Impfrate von gerade mal 1 Prozent aus. Die FSME-Inzidenz stieg bisher nicht über 2 Fälle pro 100.000 Einwohner, liegt also deutlich niedriger als in Tschechien. In der Slowakei wird die FSME Krankheit weniger mit Zeckenstichen als mit dem Konsum von Rohmilch assoziiert. Der bislang größte bekannt gewordene Ausbruch von FSME ereignete sich im Jahr 1954 rund um den slowakischen Ort Roznava. Damals erkrankten 660 Menschen nach dem Genuss von Ziegenmilch. Möglicherweise waren die Ziegen über Zecken infiziert worden.



Kaum FSME in Ungarn

Auch in Ungarn wird wenig geimpft. Die starken Schwankungen in der Krankheits-Häufigkeit müssen deshalb andere Ursachen haben. Bis zum Jahr 1997 war die FSME Rate auf 2,8 Fälle pro 100.000 Einwohner angestiegen. Seither sank die Inzidenz aber auf 0,4 bis 0,8 Fälle stark ab. Zecken-bedingte Gehirnentzündungen sind heute in Ungarn sehr seltene Vorfälle und ließen sich wohl ebenfalls als Erfolgsgeschichte der FSME-Impfung verkaufen - wenn denn geimpft worden wäre.

Was hingegen stark auffällt: Oberösterreich grenzt an Tschechien und der zeitliche FSME-Trend mit dem starken Anstieg verlief in beiden Ländern weitgehend parallel. Niederösterreich hingegen liegt weiter östlich und der Abfall der FSME ist beinahe so stark wie im noch östlicher gelegenen Ungarn. Auch im Burgenland und der östlichen Steiermark, wo die Hitze und Trockenheit des kontinentalen Klimas stärker ausgeprägt sind als in den Alpenregionen des Westens, sind die FSME Fälle stark zurück gegangen.
Wissenschaftler diskutieren seit längerem über den Einfluss des Klimawandels auf den Lebenszyklus der Zecken. Trockenheit und Hitze sind etwas, das Zecken ganz und gar nicht passt. Sie ziehen nach Westen - und kommen in immer höher gelegenen Gebieten vor.
Möglicherweise wirkt sich das Klima nicht nur auf das Vorkommen der Zecken, sondern unmittelbar auf die Viren aus. Diese Zusammenhänge sind bislang jedoch nicht erforscht.

Gar keine Fälle von FSME werden aus Serbien gemeldet, obwohl die FSME dort auf Liste der meldepflichtigen Krankheiten steht. Kann man daraus nun schließen, dass es die Viren in Serbien nicht gibt? – "Nein!", lautet die Antwort einer Wissenschaftler-Gruppe der Universität von Novi Sad, die kürzlich eine Arbeit zur FSME in Serbien veröffentlicht hat. "Es gibt vielmehr deshalb keine FSME-Fälle in Serbien, weil es keine routinemäßige Diagnostik gibt."
Es kommt also immer auch darauf an, wonach gesucht wird.


Höchste Zeit für gute Studien

Jedenfalls zeigen diese aktuellen Arbeiten zur Epidemiologie der FSME, dass es wesentlich mehr Einflussfaktoren bei den von Zecken übertragenen Krankheiten gibt als nur die Impfung. Insofern sind auch die veröffentlichten Fallzahlen nicht automatisch ein Beweis für die Wirksamkeit der Impfung, zumal die saisonalen und regionalen Schwankungen enorm sind - und sich auch in Ländern ohne Impfung ähnliche Rückgänge zeigten wie in Österreich.

Die Impfstoff-Hersteller bzw. die Gesundheitsbehörden würden deshalb gut daran tun, endlich eine konkrete Vergleichsstudie zwischen Geimpften und Ungeimpften zu organisieren, damit der Schutzeffekt der Impfung einmal konkret messbar wird - und auch gegen die möglichen Risiken der Impfung abgewogen werden kann. (Siehe auch mein Artikel: "FSME-Impfung: Unkontrollierter Menschenversuch")
Derzeit fischen wir bei der Risiko-Nutzen Bilanz der FSME Impfung absolut im Trüben. Und die von den Impfstoff-Herstellern finanzierten FSME Experten als einzige Richtschnur zu nehmen, mag zwar im Interesse der Industrie sein, einer informierten - möglichst objektiven - Entscheidungsfindung dient es nicht.



Wenn Ihnen der Artikel interessant und wichtig erscheint, würde

ich mich über einen kleinen Beitrag zu meiner Arbeit sehr freuen. 
Bert Ehgartner steht auch für Vorträge, Filmvorführungen, etc. zur Verfügung. 
Nähere Informationen finden Sie auf dieser Seite

Samstag, 11. Mai 2013

Simons Tod - und die beschämenden Vorgänge um die FSME-Impfung

Im Vorjahr starb ein Kind "nach Zeckenbiss". Der tragische Vorfall wurde von den beteiligten Medizinern zum Anlass genommen, heftig für die Schutzimpfung – speziell bei Kindern – zu werben. Nun starb ein bislang kerngesundes Kind einen Tag nach der FSME-Impfung – doch diesmal sieht niemand einen Zusammenhang. 

Kurier Bericht vom 3. Mai 2013
Am Montag vergangener Woche war der zweijährige Simon aus dem OÖ-Innviertel noch gesund und munter. Am Vormittag erhielt er eine FSME Impfung. In der Nacht auf Dienstag setzte hohes Fieber ein. Am Morgen bemerkte seine Mutter, die 27-jährige Silke S. dann auch noch blaue Flecken am Körper. Sie fuhr ihren Bub ins nächste Krankenhaus nach Passau. "Da haben ihn mir die Ärzte aus den Armen gerissen, weil er alles hängen gelassen hat", erzählte die Mutter Reportern der Tageszeitung Kurier (siehe Faksimile links). Doch alle Eile war umsonst. Simon starb noch am selben Tag.
"Trotz ausgeprägter Intensivmaßnahmen konnten wir das Kind leider nicht retten", erklärte Matthias Keller, der ärztliche Direktor der Passauer Klinik. Als Todesursache nannte er eine Blutvergiftung durch Meningokokken. Die kurz davor verabreichte FSME-Impfung, beteuerten eine ganze Reihe von Medizinern und Impfexperten, hatte mit dem Todesfall "ganz sicher nichts zu tun". Das sei eine vollkommen zufällige zeitliche Überschneidung.

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Tod nach Zeckenstich

Vergangenes Jahr ergab sich ein genau gegensätzliches Szenario. Ein 9-jähriges Mädchen aus Ledenitzen am Faaker See starb im Landeskrankenhaus Klagenfurt an einer Gehirnentzündung. Wilhelm Kaulfersch, der Leiter der Abteilung, erklärte gegenüber dem ORF Kärnten, dass FSME Viren den Todesfall verursacht hätten und betonte die Wichtigkeit der Schutzimpfung. Das Mädchen sei zwar geimpft gewesen, sagte der Primar, "allerdings nur ein Mal". Dann habe man von weiteren Impfungen Abstand genommen, "weil das Mädchen sie schlecht vertragen hat." Das sei sogar so schlimm gewesen, dass der Hausarzt der Familie von weiteren Impfungen abgeraten habe. Ein fataler Fehler, sagte Kaulfersch auf meine Nachfrage. "Wäre das Mädchen weiter geimpft worden, würde es wahrscheinlich heute noch leben."

Mit einer Impfquote von 93 Prozent hält Kärnten wohl den Weltrekord an einer von den Menschen selbst zu bezahlenden Impfung. Und sicherlich trug der Vorfall dazu bei, den Verkauf der beiden Bestseller der Firmen Baxter ("FSME-Immun") und Novartis ("Encepur") noch weiter anzukurbeln.


Falsche Angaben?

Auf meinen Bericht zu diesem Vorfall hier im Blog meldete sich ein Arzt, der berichtete, er sei in den Kärntner Ort gefahren und habe die trauernde Familie besucht. Dabei habe sich der Fall, so wie er in den Medien transportiert worden war, als "satte und waschechte Lüge" erwiesen.
Er habe sich den Impfpass des Mädchens zeigen lassen, erklärte der Arzt, und da war nicht eine FSME Impfung eingetragen, wie Kaulfersch behauptet hatte, sondern deren gleich zwei. Der Arzt habe auch Einblick in die Befunde des Mädchens erhalten. Darin las er von einem ausreichend hohen Antikörperspiegel gegen FSME. Der IgG Wert lag demnach bei mehr als 1000 VIEU (Vienna-Units) und das werde von den Impfexperten normalerweise "als Schutz über weitere fünf Jahre" interpretiert. Demnach wäre das Mädchen also gegen FSME-Viren geschützt gewesen.

Was ist nun die Wahrheit?
Woran ist das Mädchen tatsächlich gestorben, wenn es laut Blutbefund einen so hohen Antikörper-Titer hatte?
Wurden die FSME Viren beim Kind tatsächlich fest gestellt, oder wurde nur indirekt auf das Vorhandensein dieser Viren geschlossen?
Und warum hat das Kind damals die FSME-Impfungen so schlecht vertragen, so dass sogar der an sich impffreudige Hausarzt von weiteren Impfungen abgeraten hatte.

Schließlich fragte der Arzt die Mutter des toten Mädchens noch nach dem Zeitpunkt des Zeckenstiches. Das sei gar nicht sicher, dass sie einen Zeckenstich gehabt hat, lautete die Antwort. Sie selbst habe jedenfalls keine Zecke bei ihrer Tochter gesehen. Das sei nur eine Vermutung des Großvaters gewesen.


Propaganda ersetzt Information

Mich erinnert diese Informationspolitik an einen Vorfall der sich vor beinahe 30 Jahren zugetragen hat. Damals war ein junger ungeimpfter Soldat des österreichischen Bundesheers "nach Zeckenbiss", wie es hieß, "ins Koma gefallen". Tagelang waren die Titelseiten der Zeitungen besetzt mit News von diesem tragischen Geschehen. Die FSME-Impfung erlebte damals in Österreich einen enormen Höhenflug. Das Unternehmen Immuno, wie es vor der Einverleibung in den US-amerikanischen Baxter Konzern hieß, kam kaum mit dem Produzieren des Impfstoffes nach.
Damals bot das Unternehmen nicht nur eine aktive Impfung an, wie sie jetzt noch am Markt ist, sondern auch die so genannte "passive Impfung", welche nach einem Zeckenstich gegeben wurde. Dabei wurde den Betroffenen eine Menge von fertigen Antikörpern (Immunglobuline) verabreicht, die mit den seit Zeckenstich vergangenen Stunden multipliziert wurde. Das konnten, wenn der Stich bereits längere Zeit zurück lag, regelrechte Elefantenspritzen sein.

Nach einigen Wochen im Koma starb der Bundesheer Soldat. In der Folge wurde beim Heer die FSME-Impfung verpflichtend eingeführt. Auch in vielen Schulen und Kindergärten wurde vor Ausflügen ein Impfnachweis von den Kinderen verlangt, sonst könnten sie nicht teilnehmen. Der tragische Fall des armen Soldaten galt überall als ernste Mahnung, ja nicht ungeschützt in Wiese oder Wald zu gehen.
Einige Monate nach dem Tod des Soldaten hielt der damalige Vorstand des Institutes für Virologie der Universität Wien, Christian Kunz, der mit seinem Team die "Zeckenimpfung" entwickelt hatte, einen Vortrag. Beiläufig erwähnte Kunz dabei etwas, das mich damals fast umgeworfen hat. "Wir sollten etwas vorsichtiger mit der Indikation für die Passiv-Impfung sein", sagte der Professor, "sonst haben wir noch mehr Fälle wie jenen des armen Soldaten."
Der Soldat war also nicht aufgrund des Zeckenstiches, sondern nach der Passiv-Impfung ins Koma gefallen. Ein nicht unwichtiges Detail, das damals in allen Medienberichten gefehlt hatte. Ein tragischer Todesfall auf Grund der "passiven Impfung" wurde also ohne jeden Genierer für die Impfwerbung eingesetzt!
Diese FSME-Immunglobuline standen später noch viele Jahre im Verdacht, dass sie überdurchschnittlich häufig schwere Nebenwirkungen mit dauernder Behinderung oder sogar Todesfälle verursachten. In Deutschland wurde diese "passive Impfung" rasch für die Anwendung bei Kindern verboten. In Österreich - dem Heimatland des FSME-Impf-Wirtschafts-Wunders – mahlten die Mühlen wie üblich langsamer. Hier wurde die Impfung – nach Jahrzehnten des Einsatzes ohne ordentliche Sicherheitsprüfung – erst vor kurzem abgeschafft.


Nutzen-Schaden-Bilanz der FSME Impfung

Von offizieller Seite wird die FSME-Impfung stets als Erfolgsgeschichte dargestellt. In Normaljahren ereignen sich in Österreich zwischen 50 und 100 Fälle zeckenbedingter Viruserkrankungen. Wenn es die Impfung nicht gäbe, würden wir jährlich mehr als 400 FSME-Fälle zählen, heißt es in Aussendungen des Wiener Virologie-Institutes, das sich über jahrelange gute und lukrative Zusammenarbeit mit den Impfstoff-Herstellern freut.
Doch wie sicher ist die FSME-Impfung? Welche Nebenwirkungen hat sie - jetzt mal abgesehen von leichtem Fieber oder den rasch abklingenden Rötungen an der Einstichstelle?
Was ist dran an den episodischen Berichten über das Auftreten von Multipler Sklerose, rheumatoider Arthritis und anderen Autoimmunerkrankungen in zeitlicher Nähe zu einer FSME-Impfung?
Wie steht es um den Zusammenhang mit Asthma, mit Neurodermitis?
Und was ist mit Allergien und erworbenen Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten wie der immer häufiger diagnostizierten Fruktoseintoleranz?
Das sind Fragen, die man nach jahrzehntelanger Anwendung der FSME-Impfung und Milliardenumsätzen auf Seiten der Impfstoff-Hersteller jedenfalls beantworten können sollte. - Doch Fehlanzeige.
Die Fachinformation zur Baxter-Impfung "FSME-Immun" liest sich wie ein Sammelsurium unbekannter Risiken.
Als "Gegenanzeige" - also als Ausschlussgrund für die Impfung – werden Überempfindlichkeit auf die in der Impfung enthaltenen Zusätze Formaldehyd, Neomycin, Gentamicin und Protaminsulfat genannt. Bei schwerer Überempfindlichkeit gegen Ei oder Hühnereiweiß drohe ein anaphylaktischer Schock. Doch wer kennt solche Risiken im Voraus? Auch eine intravasale Injektion sei "unbedingt zu vermeiden", da dies "zu schweren Reaktionen, einschließlich Überempfindlichkeitsreaktionen mit Schock, führen kann."

Wie steht es um FSME Impfungen in Schwangerschaft und Stillzeit?
Es gebe weder aussagekräftige Studien zur Anwendung der Impfung bei schwangeren Frauen, noch Reproduktionsstudien am Tier, heißt es in der Fachinfo. "Auch ist nicht bekannt, ob FSME-Immun in die Muttermilch übertritt."
Bei "bekannter oder vermuteter Autoimmunerkrankung eines Impflings", heißt es weiters, sollte das Risiko einer FSME Infektion "gegen das Risiko einer ungünstigen Beeinflussung der Autoimmunerkrankung durch die Impfung abgewogen werden".
Wie aber sollte ein Impfarzt derartige Risiken gegeneinander abwägen? - Daten dazu gibt es nicht. Und offiziell heißt es stets, dass eine FSME-Impfung keinesfalls Autoimmunerkrankungen auslöst.

Die Fachinformation ist also nicht viel mehr als eine Pflichtübung zur juristischen Absicherung des Herstellers.


Woran starb Simon wirklich?

Offiziell starb Simon - wie erwähnt - an einer durch Meningokokken ausgelösten Sepsis, also an einer durch Bakterien ausgelösten Blutvergiftung. "Die FSME-Impfung hat damit nicht das geringste zu tun", lautete der Tenor der von den Medien befragten Impfexperten.

Eine Meningokokken-Infektion hat eine Inkubationszeit von zwei bis zehn Tagen. Etwa zehn Stunden vor dem Auftreten der ersten Symptome wurde geimpft.
Wie wirkt sich eine Impfung auf eine zufällig parallel dazu ablaufende Infektion aus?
Gar nicht, wenn man den diversen Impfexperten glaubt. "Das Kind ist ursächlich an einer Meningokokken-Infektion verstorben, das hat definitiv nichts mit der FSME-Impfung zu tun", erklärt etwa der Wiener Impfexperte Wolfgang Maurer. Derartige Spekulationen seien Schwachsinn und entbehrten jeder wissenschaftlichen Grundlage.
Also Schwamm drüber. - Die einzige Lehre, die Maurer aus dem tragischen Vorfall erkennen kann: Das Kind hätte – statt gegen FSME – lieber rechtzeitig gegen Meningokokken geimpft werden sollen!

Demnach wäre es also vollkommen zufällig gewesen, dass Simon am Vormittag geimpft wurde?

Sehen wir uns dazu zunächst die Funktionsweise einer Impfung an, welche - so wie die FSME-Impfung - Aluminiumhydroxid enthält. Dieser Bestandteil - der in der Fachinformation großzügig ignoriert wird - ist essentiell für die Funktion der Impfung.
Was also macht die Alu-Verbindung im Organismus? In den vergangenen Jahren sind einige wissenschaftliche Arbeiten erschienen, welche das "Dirty Little Secret" der Immunologie ein wenig gelüftet haben. Lange Zeit wusste man ja nicht viel mehr über den Wirkmechanismus der Alu-Verbindung als dass die Impfung ohne Aluminium leider nicht wirkt.
Mittlerweile weiß man, dass die toxische Alu-Verbindung an der Einstichstelle im Muskel Zellen abtötet und damit für einen gewaltigen Schock im Organismus sorgt. Die absterbenden Zellen setzen körperinterne Signalstoffe frei, welche das Immunsystem im gesamten Körper in unspezifische Alarmbereitschaft versetzen.
Im Idealfall sollten die Immunzellen dann die im Zentrum der Entzündung neben den Alu-Partikeln treibenden,  abgetöteten FSME-Viren finden, und diese für die Verursacher der Zellschäden halten.  Aufgabe der Alu-Verbindung ist es also, dem Immunsystem einen falschen Verdächtigen als Brandstifter im Gewebe unterzujubeln. Wenn die Immunzellen den Köder annehmen und daraufhin massenhaft Antikörper gegen die FSME-Viren erzeugen, wäre der Impfzweck erfüllt.

Dummerweise wird das Immunsystem aber unspezifisch - also ungezielt - alarmiert. Die Zellen wissen am Beginn so einer Alarm-Kaskade noch nicht, wovon die Gefahr ausgeht. Und wenn sich Abermillionen von Immunzellen in Angriffslaune befinden, so kann das auch gewaltig nach hinten los gehen.

Simon starb an einer Meningokokken-Sepsis.
"Der Sepsis liegt ein Versagen des Immunsystems zugrunde", heißt es im zugehörigen Artikel auf Wikipedia, wo aktuelle wissenschaftliche Studien zum Thema gut zusammen gefasst werden:
In der Folge kommt es, meist über den Blutkreislauf, zu einer Ausbreitung der Infektion auf den gesamten Körper. Die im Falle einer Lokalinfektion sinnvolle Entzündungsreaktion entwickelt sich nun zum eigentlichen Motor der Sepsis. In einer überschießenden Reaktion freigesetzte große Mengen an Überträgerstoffen führen zu einer Entzündung des gesamten Körpers unter anderem mit Schwellungen, Durchblutungsstörungen und Sauerstoffmangel, ohne dass sie der Erregerbekämpfung nützten. Sind einmal lebenswichtige Organe davon betroffen, kann der daraus folgende Verlust ihrer Funktionsfähigkeit schnell zum eigentlichen begrenzenden Faktor für das Überleben der Patienten werden.
Simons Immunsystem hat also versagt, weil es auf die Bakterien in "einer überschießenden Reaktion" eine "Entzündung des gesamten Körpers" ausgelöst hat.
Genau dieses "Auslösen einer starken Immunreaktion" ist aber die Aufgabe des Wirkverstärkers Aluminiumhydroxid in der FSME Impfung. Wenn bereits eine Immunreaktion (gegen Meningokokken) im Anlaufen ist - und dann noch verstärkt wird (über die FSME-Impfung), kann dies dazu führen, dass das Immunsystem Amok läuft.
Das erscheint mir als die wahrscheinlichste Interpretation des Vorfalles - zumindest sollte diese Möglichkeit diskutiert werden. Doch Fehlanzeige: mir ist keine einzige Aussage bekannt, wo einer der Experten auf diesen nahe liegenden Zusammenhang auch nur eingegangen wäre.

Was wissen Impfexperten? - Was nehmen Impfexperten?

Es wäre das mindeste, wenn sich Mediziner und besonders die selbst ernannten "Impfexperten" mit den Basis-Kenntnissen immunologischer Abläufe vertraut machen würden.

Es wäre weiters zu empfehlen, befangene Experten - also jene, die seit vielen Jahren am finanziellen Tropf der Impfstoff-Hersteller hängen - nicht mehr als erste Auskunftsquelle und als Garant für unabhängige wissenschaftliche Informationen zu betrachten. Dazu zähle ich in Bezug auf die FSME speziell auch die "Impfexperten" am Wiener Institut für Virologie.

Und schließlich sollte eine verantwortungsvolle Gesundheitspolitik (hallo - ist da wer?!) dafür sorgen, dass nach Jahrzehnten der Gelddruckerei über den hemmungslosen Verkauf der Zeckenimpfung, seriöse Studien angeordnet und finanziert werden, welche endlich auch einmal das Risiko der Impfung messen. Und zwar nicht nur die örtlichen Nebenwirkungen über einen Zeitraum von wenigen Tagen. Um seriöse Aussagen treffen zu können, bräuchte es größere Studien mit einer wirklichen Kontrollgruppe und einer zuverlässigen Verblindung – und natürlich ein ausreichend langes Beobachtungsintervall.

Ich habe keinen Zweifel an der Wirksamkeit der FSME-Impfung und das hier im Blog an Hand der wenigen dazu verfügbaren Literatur auch schon im Detail dargelegt. Mit ihrer Hilfe ist es tatsächlich gelungen, die Fälle Zeckenstich-bedingter Gehirnentzündungen dramatisch zu senken.

Doch wie ernsthaft waren diese Ereignisse im Vergleich zu den Nebenwirkungen? Bevor der oben beschriebene Todesfall des Kärntner Mädchens den Zecken in die Schuhe geschoben wurde, gab es in der gesamten Medizinliteratur keine dauerhaften Schäden bei Kindern. Speziell kleine Kinder vor dem Schulalter vertragen den Kontakt mit Viren normalerweise ausgezeichnet. Nicht von ungefähr empfiehlt die Schweiz die FSME-Impfung erst ab einem Alter von sechs Jahren. Doch auch bei älteren Kindern gleicht die FSME von ihren Symptomen eher einer Sommergrippe denn einer dieser katastrophalen Verläufe mit unerträglichen Schmerzen und bleibenden Lähmungen, wie sie über die Impfwerbung suggeriert werden.
Eine der wenigen guten Studien zu Ausmaß und Häufigkeit der Bedrohung wurde in der Steiermark durchgeführt, jenem Bundesland, das mit Abstand die meisten FSME Opfer in Österreich zählt. Seit 1981 wurden dort 116 Fälle von FSME bei Kinder im Alter unter 16 Jahren gezählt. In der Mehrzahl verlief die Krankheit mild. Insgesamt waren nur bei sechs Kindern Aufenthalte in der Intensivstation notwendig. Bei fünf dieser Kinder heilten die Symptome vollständig aus. Nur ein einziges blieb halbseitig gelähmt. Und gerade dieses Kind war vollständig geimpft.

Eine objektive Nutzen-Schadens-Bilanz zu ziehen ist bei den heute zur Verfügung stehenden Informationen vollständig unmöglich. Es wäre durchaus möglich, dass die FSME-Impfung mehr gesundheitlichen Schaden anrichtet als die von den Zecken übertragenen Viren - speziell bei den Kindern.

Dieses Nichtwissen um die selteneren, aber umso ernsthafteren Nebenwirkungen blockiert auch die qualitative Verbesserung der Impfung. Seitdem vor mehr als zehn Jahren das toxische Quecksilber als Konservierungsmittel weg gelassen wurde, gab es keine weiteren Änderungen der Rezeptur. Braucht man unbedingt das problematische Formaldehyd in der Impfung? Könnte man das Antibiotikum Neomycin weg lassen? Und wie steht es mit dem Hilfsstoff Aluminiumhydroxid, der im Tierversuch Allergien und Autoimmunreaktionen auslöst?

Welchen Schutz bietet die FSME Impfung tatsächlich? Welchen Schaden richtet sie an?
Und womit bezahlen wir unser Nichtwissen?

Mit unerklärlichen Todesfällen "aus heiterem Himmel", so wie bei Simon und einer unbekannten Anzahl chronisch kranker Menschen, welche eine auf Angstmache statt auf seriöser Information basierende Kampagne zu den Impfärzten getrieben hat.

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Samstag, 28. April 2012

Zwei Kinder starben nach Zeckenstichen

Dass binnen einem halben Jahr nun zwei Kinder an einer Gehirnentzündung nach Zeckenstich gestorben sind, ist eine schlimme Sache, die mich sehr beschäftigt. Umso mehr ärgere ich mich, wie schlecht der medizinische Wissensstand hier ist. Außer "Impfen, Impfen, Impfen!" hört man nichts Essentielles von Seiten der Experten. Keine Rede von einer halbwegs umfassenden Aufarbeitung der Krankengeschichten, keine Erhebung möglicher Risikofaktoren - dafür Stolz über eine Weltrekord-Impfquote, die auf Angst-Propaganda beruht. Doch ob die FSME-Impfung die Todesfälle verhindert hätte, ist höchst ungewiss. 


Die Mitteilungen des Wiener Instituts für Virologie beschränken sich vor allem darauf, die gemeldeten Fälle zu zählen und die Meldeorte fehlerfrei einem der neun Bundesländer zuzuordnen. Wenn man den Leiter des Instituts zu Details fragt, die darüber hinaus gehen, so versichert er glaubhaft, dass er auch nicht mehr weiß als in der Zeitung steht. Und das ist nicht grad viel.
Die meldenden Ärzte selbstständig zu kontaktieren, die genaue Krankengeschichte aufzunehmen, die Eltern der Todesopfer zu den Begleitumständen und ihren (Nicht-)Impfentscheidungen zu befragen - all das fällt niemandem ein.
Und so ist die statistische Aufbereitung der jährlichen FSME-Fälle, die regelmäßig vom Virologie-Institut zum Frühlingsbeginn präsentiert wird, nicht viel mehr als eine Werbeaktion für die FSME Impfung. Nachdem die Herstellerfirma Baxter ein langjähriger treuer Sponsor des Virologie-Instituts ist, ist das vielleicht auch so beabsichtigt. 

Totale Ignoranz

Für jemand, der an einer guten wissenschaftlichen Aufarbeitung der Zeckenstich-bedingten FSME Fälle interessiert ist, sind das alles jedoch höchst frustrierende Umstände. Kärnten, das Bundesland, in dem der aktuelle Todesfall aufgetreten ist, hat mit einer Impfquote von 93 Prozent wohl den Weltrekord bei einer Impfung, die von den Menschen selbst zu bezahlen und zu organisieren ist.
Eine Impfung, von der weder die genaue Wirksamkeit, noch die Dauer des Schutzes, noch die Nebenwirkungen, welche über Rötungen und Fieber hinausgehen, im Detail bekannt sind.
Gute Vergleichsstudien mit physiologisch neutraler "Placeboimpfung" in der Kontrollgruppe gibt es nicht. Und wenn die Hersteller mal eine Studie finanzieren, so ist damit bei weitem noch nicht gesagt, dass diese auch erscheint. Ich erinnere mich dazu an die Aussage der damaligen Forschungsleiterin bei Baxter, als ich sie bat, mir eine kürzlich durchgeführte Studie zu schicken. Die Dame lehnte ab und begründete dies mit folgendem denkwürdigen Satz: "Wir machen Studien ja nicht, um diese zu veröffentlichen, sondern damit unsere Impfungen zugelassen werden."

Nachdem das einmal gelungen ist und ein Impfstoff am Markt ist, wird die Erfassung von selteneren Nebenwirkungen dann vollständig dem Zufall überlassen. Zwar besteht seit vielen Jahren eine gesetzliche Meldepflicht von allen medizinischen Auffälligkeiten, die in zeitlichem Zusammenhang zu einer Impfung auftreten. Doch die meisten Ärzte wissen nichts davon. Weder von der Meldepflicht noch von der Tatsache, dass Allergien, chronische Entzündungen oder Autoimmun-Erkrankungen überhaupt von einer voran gegangenen Impfung stammen können. Sie wissen auch nicht, dass es vollkommen gleichgültig ist, ob sie selbst es für wahrscheinlich oder unwahrscheinlich halten, ob das Symptom durch die Impfung ausgelöst wurde, oder nicht.  Allein der zeitliche Zusammenhang genügt für die Meldepflicht an die zuständige Stelle im Gesundheitsministerium. Nichtmeldung ist sogar strafbar. Doch niemand klärt die Ärzte auf, niemand ahndet Verstöße. Und niemand denkt auch nur im Traum daran, die gemeldeten Nebenwirkungen - nach dem Vorbild Deutschlands - in einer öffentlichen  zugänglichen Datenbank im Internet zu publizieren.

Somit erfolgt Aufklärung zur FSME Impfung weiterhin vor allem über PR-Kampagnen, TV-Werbung, sowie als Information getarnte, bezahlte Werbetexte in den Boulevard-Medien.

Ich habe hier im Blog eine der wenigen guten epidemiologischen Arbeiten zum Verlauf der FSME bei Kindern besprochen, die in Österreich existieren. Peter Fritsch hat mit Kollegen von der Meduni Graz die Daten der letzten 24 Jahre seit Einführung der FSME-Impfung in Österreich aufbereitet. In der Steiermark, dem mit Abstand am meisten von der über die Zecken verbreitete Infektion betroffenen Bundesland, waren in dieser Zeit insgesamt 116 Kinder erkrankt. Davon mussten sechs Kinder intensivmedizinisch betreut werden. Bis auf einen einzigen Fall heilte die Krankheit folgenlos ab. Ein zum Zeitpunkt der Erkrankung fünf Jahre altes Mädchen trug bleibende Schäden davon.

Insgesamt waren von den 116 Patienten 112 vollkommen ungeimpft. Zwei Kinder hatten eine Impf-Dosis, ein erkranktes Kind zwei, und eines die komplette Basis-Immunisierung mit drei Impfdosen. Damit erkennt man, dass die FSME-Impfung sehr gut vor dem Auftreten dieser von Zecken übertragenen viralen Infektion schützt.
Ausgerechnet der eine schwere Fall des Mädchens, das bis heute unter Lähmungen und anderen Gesundheitsproblemen leidet, war jedoch das Kind mit der vollständigen Impf-Serie. Die Autoren der steirischen Studie nahmen an, dass der schwere Verlauf genetisch bedingt war, und das Mädchen an einer höheren Empfänglichkeit gegen diese Viren litt.

Dass es nun binnen eines halben Jahres zu zwei Todesfällen bei Kindern gekommen ist, ist höchst ungewöhnlich. Ebenso ungewöhnlich ist, dass beide Kinder geimpft, die Grundimmunisierung mit den drei Teilimpfungen aber nicht abgeschlossen wurde. Die Eltern waren keine Impfgegner. In einem Fall riet angeblich sogar der behandelnde Impfarzt wegen schwerer Nebenwirkungen von einer weiteren FSME-Impfung ab.

Ich fasse hier zusammen, was ich über die Todesfälle in Erfahrung bringen konnte:

Der Fall des Salzburger Kindes

Im September starb - kurz vor seinem 6. Geburtstag - ein Kind in Salzburg an Meningitis. Die Eltern tschechischer Herkunft wohnten im Flachgau, einem Gebiet, in dem FSME selten ist, aber doch vorkommt.
Am 21. Mai 2007, im Alter von 18 Monaten wurden das Kleinkind gegen FSME geimpft, am 4. Juni erfolgte die zweite Impfung. An sich ist der Abstand von nur zwei Wochen zwischen den Impfterminen ungewöhnlich. Wahrscheinlich wurde nach einem "Schnell-Schema" geimpft, um das Kind noch für die aktuelle Saison zu schützen.
Warum die dritte Impfung dann nicht mehr erfolgt ist, konnte mir niemand sagen. Auch nicht, ob das Kind nach den Impfungen möglicherweise unter Nebenwirkungen gelitten hat und die Eltern deshalb die Grund-Immunisierung nicht fertig machten.
Ob das Kind vor dem Ausbruch der Krankheit im Spätsommer 2011 überhaupt von einer Zecke gestochen wurde, gilt als wahrscheinlich, aber nicht als vollständig sicher. FSME Viren können theoretisch auch über andere Quellen - wie z.B. Rohmilch - übertragen werden. Die Eltern konnten sich nicht an einen konkreten Zeckenstich erinnern. Doch das ist nicht ungewöhnlich. Speziell die Stiche von Nymphen - dem zweiten Entwicklungsstadium der Zecken - werden häufig übersehen.
Warum die Infektion so ungewöhnlich schwer verlaufen ist, weiß niemand. Den Experten, die ich befragt habe, waren weder Grunderkrankungen noch sonstige Risikofaktoren bei dem Kind bekannt.

Nicht beantwortet wurde die Frage, wie hoch der Antikörper-Titer des Kindes war. Denn nach zweimaliger Impfung entwickeln laut Aussagen von Impfexperten "98 Prozent der Kinder eine Serokonversion - also Antikörper - und gelten über die Saison als geschützt."

Der aktuelle Todesfall des Kärntner Mädchens

Das 9-jährige Mädchen aus Ledenitzen am Faaker See starb am Dienstag dieser Woche im Landeskrankenhaus Klagenfurt, wohin es wegen des schweren Verlaufes aus Villach überstellt wurde.
Eine ursächliche Therapie stand nicht zur Verfügung, erklärte mir der zuständige Primar, Wilhelm Kaulfersch: "FSME Immunglobuline sind im Vorjahr vom Markt genommen worden, weil sich heraus gestellt hat, dass sie recht unsicher sind und eine Krankheit sogar noch verstärken können."

Das Kärntner Mädchen war ebenfalls geimpft worden. Allerdings nur einmal, weil es, wie Kaulfersch berichtet, "die Impfung sehr schlecht vertragen hat". Angeblich, so Kaulfersch, hat sogar der behandelnde Arzt der Familie von einer nochmaligen Impfung abgeraten.

Ich fragte Kaulfersch, ob diese Unverträglichkeit möglicherweise in Zusammenhang steht mit dem nunmehrigen tödlichen Verlauf der Infektion. "Da habe ich keine Ahnung", entgegnete er, "ich bin doch kein Wissenschaftler."

Nun heißt es, dass das Mädchen noch leben würde, wenn die zwei fehlenden FSME-Impfungen der Basis-Immunisierung - entgegen den Bedenken des Hausarztes - verabreicht worden wären.

Die mit FSME befassten Wissenschaftler raten jedenfalls eifrig zur Impfung und legen ansonsten weiter ihre Hände in den Schoß. Geforscht wird scheinbar nur dann, wenn von Baxter oder Novartis, den Herstellern der beiden Impfstoffe, ein bezahlter Auftrag kommt.

Für die laufende Impfaktion sind die aktuellen Fälle jedenfalls eine enorme Werbung. Im ganzen Land strömen die Menschen mit ihren Kindern zu den Impfärzten. Und vielleicht gelingt es ja, die Weltrekord-Quote der österreichischen "Zeckenimpf-Aktion" noch etwas weiter in die Höhe zu schrauben.

Das beschämende Wissens-Vakuum rundum kümmert niemand.