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Mittwoch, 3. Juni 2026

Lösen Sonnenbrände tatsächlich Hautkrebs aus?

Jetzt beginnt wieder die Zeit des Eincremens. Speziell Kinder gelten als Hochrisikogruppe für Sonnenbrand – und jeder dieser Brände, so warnen Experten, erhöht das spätere Hautkrebsrisiko. Wer jedoch die aktuelle Studienlage betrachtet, entdeckt ein deutlich nuancierteres Bild:  Strahlung ist nicht gleich Strahlung, Krebs nicht gleich Krebs - und das Cremen hat auch negative Seiten. Vernünftiger Umgang mit der Sonne ist jedenfalls gesünder als Sonne zu meiden.


Das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken ist breit gestreut:
In der Türkei zählt man 10 Fälle pro 100.000 Einwohner, in Norwegen sind es 200

Die Grafik stammt von 2019 und hat schon einige Jahre am Buckel, aber tendenziell stimmt sie bis heute. Die Länder Nordeuropas haben das höchste Hautkrebs-Risiko. Gefolgt von Westeuropa. Das geringste Risiko bestehen in Süd- und Osteuropa. 

Eindeutig gesichert ist der Einfluss starker Sonneneinstrahlung und häufiger Sonnenbrände (speziell bei hellen Haupttypen) für weißen Hautkrebs. Der verläuft aber meist mild. Eine dänische Studie zeigte, dass Menschen, die mit der häufigsten Variante, dem Basalzellkarzinom, diagnostiziert werden, sogar ein etwas höheres Lebensalter erreichen als der Durchschnitt der Bevölkerung. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass wir länger leben, wenn wir uns der Sonne aussetzen.

Problematisch ist vor allem das maligne Melanom (schwarzer Hautkrebs). In zwei Drittel der Fälle wird es früh erkannt und kann fast immer entfernt und damit geheilt werden. Problematisch ist das dritte Drittel, wenn der Tumor bereits dicker ist und weiter ins Gewebe reicht - oder bereits Metastasen gebildet hat. In Deutschland treten pro Jahr knapp 30.000 Neuerkrankungen auf, rund 3.000 Patienten sterben daran. 

Melanome zeigen in Europa eine ähnliche geografische Verteilung wie oben dargestellt - aber auf deutlich niedrigerem Niveau. In West- und Nordeuropa hat man ein Risiko von rund 2% im Lauf des Lebens an einem Melanom zu erkranken. In Südeuropa beträgt es 1% in Osteuropa nur 0,65%. 

Am höchsten ist das Risiko in Australien mit 4,7%.

Massiv ist der Unterschied zu ärmeren Ländern. In niedrig bis mittel entwickelten Staaten liegt das Melanomrisiko unter 0,08%. Nur in Ländern mit dem höchsten Entwicklungs-Level klettert es über 1%. 


Risikofaktoren - jenseits von Sonnenbrand

Interessant ist die Frage, ob häufiges Eincremen und die Vermeidung von Sonnenbränden - speziell auch bei Kindern - das lebenslange Risiko von Melanomen reduziert. 

Dazu ist im Vorjahr eine systematische Übersichtsarbeit der medizinischen Universität Saarland (Brunner, 2025) erschienen, in der die Resultate von 23 Studien kombiniert wurden. Bei der Auswertung der Teilnehmer, die "meist oder immer" Sonnencreme verwendet haben, ergab sich gegenüber der Gruppe, die "nie oder wenig" geschmiert hatte, kein signifikanter Unterschied im Melanom Risiko. 

Die Autoren schreiben: "Ein Melanom kann überall auf der Haut auftreten – nicht nur an sonnenexponierten Stellen – und auch in anderen Organen. Das lässt auf das Vorliegen weiterer Risikofaktoren schließen, die ermittelt werden müssen."

Eine andere aktuelle Studie aus den USA (Cahoon, 2024) untersuchte den Einfluss von UVA und UVB Strahlung. Langwellige UVA Strahlung macht den Großteil der ultravioletten Strahlung aus und ist relativ konstant hoch – auch im Winter und bei bewölktem Himmel.

Die kurzwellige UVB Strahlung ist speziell zur Mittagszeit und im Sommer präsent. Das Sonnenbrand-Risiko geht vor allem von UVB aus. 

Unter den rund 63.000 Teilnehmern der Studie traten 837 Fälle von Melanomen auf. Die Gruppe der Teilnehmer, die während der Kindheit den höchsten Anteil an UVA abbekommen hatten, zeigte ein beinahe dreifach höheres Krebsrisiko. UVB-Strahlung in der Kindheit war jedoch kein Einflussfaktor für Melanome. Auch hier ergab sich demnach kein messbarer Einfluss von Sonnenbränden. 

Manche Sonnencremes enthalten problematische toxische Substanzen 


Negative Effekte von Sonnencreme

Bleibt demnach die Frage, warum von Behörden und Medien überall verbreitet wird, dass Sonnenschutz die wichtigste Hautkrebs-Prävention ist. Kann es eventuell sogar sein, dass zu häufiges Schmieren einen negativen Effekt hat?

Darauf deuten tatsächlich einige Daten hin. Beispielsweise eine 2023 veröffentlichte britische Studie, in der die Gesundheitsdaten von 470.000 Personen ausgewertet wurden. Den Autoren ging es vor allem um den Beitrag von Gen- sowie Umwelt-Faktoren. Und sie waren dann auch ziemlich überrascht, als sich in der Auswertung die häufige Verwendung von Sonnenschutz als ein wichtiger Risikofaktor darstellte. Obwohl sie penibel auf mögliche Verfälschungen geachtet hatten. Denn es könnte ja sein, dass Menschen, die Sonnencreme verwenden deutlich hellere Haut haben. Oder dass sie sich länger in der Sonne aufhalten und deshalb auch mehr Sonnenbrände abbekommen. Doch trotz der statistischen Berücksichtigung von Sonnenbränden, heller Haut, Aufenthaltsdauer und ähnlicher Risikofaktoren blieb die Verwendung von Sonnencreme ein signifikanter Einfluss. Menschen, die fast immer Sonnencreme verwenden, hatten ein beinahe dreimal so hohes Risiko für Schwarzen Hautkrebs. 

Auch andere epidemiologische Untersuchungen weisen in diese Richtung. So cremen sich Frauen wesentlich häufiger ein als Männer. Und gerade sie haben im jüngeren Alter - bis etwa 50 Jahre -  ein deutlich höheres Risiko am Schwarzen Hautkrebs zu erkranken. Die Melanome bilden sich speziell auf Armen und Beinen. 

Bei Männern treten Melanome meist im höheren Alter und eher am Torso auf, speziell am Rücken. Weil die Stellen eher versteckt sind und Männer auch weniger zum Arzt gehen, sind die Krebs-Fälle meist weiter fortgeschritten. Auf die gesamte Lebenszeit gesehen haben damit Männer ein höheres Risiko, am Hautkrebs zu sterben. Auffällig ist der Vorsprung der Frauen im jüngeren Alter aber allemal.


Sonnenschutz-Muffel

Interessant ist auch die unterschiedliche Krebs-Prävalenz in Nachbarstaaten mit nahezu gleichen klimatischen und sozialen Verhältnissen, beispielsweise zwischen Deutschland und Polen.

Laut einer repräsentativen Umfrage (BfS/Forsa, 2024) nutzen 77% der Deutschen Sonnencreme. 

Polen sind laut einer ebenfalls 2024 veröffentlichten Umfrage (Allegro/Danae) hingegen eher Sonnencreme-Muffel: Fast die Hälfte der befragten Männer und etwa ein Drittel der Frauen gaben an, dass sie wenig oder gar keinen Sonnenschutz benutzen. 

Auf ihr Melanom Risiko hat das keinen Einfluss. Zumindest keinen negativen: Im Vergleich haben nämlich Deutsche ein mehr als doppelt so hohes Melanom-Risiko als Polen.


Problematische Inhaltsstoffe

Das sind - wie gesagt - alles nur Indizien. Ob von Sonnencreme tatsächlich ein Krebsrisiko ausgeht, ist nicht bewiesen. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe  des Produkts ist beim Einkauf aber auf jeden Fall zu empfehlen. Als problematisch gelten speziell chemische UV-Filter, Parabene, Aluminiumverbindungen und Nanopartikel in mineralischen Filtern. Mineralische, nano-freie Produkte gelten derzeit als die toxikologisch unbedenklichste Variante. (-> Produkttest)

Problematisch ist auch die Verunreinigung von Sonnencremes mit Benzol, das als krebserregend gilt. Speziell in den USA werden bei Untersuchungen immer wieder Produkte mit Belastungen über dem Grenzwert gefunden. Die Kontamination entsteht wahrscheinlich bei der Herstellung, z. B. durch bestimmte inaktive Inhaltsstoffe wie Carbomere (Verdickungsmittel) oder Treibgase in Sprays (z. B. Isobutan), die aus Kohlenwasserstoffen hergestellt werden.

Die Recherche zeigt, dass es noch beträchtliche Wissenslücken bei der Entstehung von Hautkrebs gibt. Kinder nicht in die Sonne zu lassen, oder den ganzen Tag über massiv einzucremen, scheint das Risiko nicht wirklich zu mindern. Zudem kann das die Aufnahme von Vitamin D behindern. Der Körper produziert nämlich den Großteil (ca. 80–90 %) seines Vitamin-D-Bedarfs selbst in der Haut unter Einwirkung von UVB-Strahlung.

Insofern ist Gelassenheit im Umgang mit der Sonne keine schlechte Empfehlung. Alles Leben auf unserem Planeten geht von der Sonne aus. Sie vorwiegend als Gefahr zu betrachten nützt zwar der Kosmetikindustrie, schadet aber wahrscheinlich der Gesundheit - und ganz sicher der eigenen Psyche. 


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Mittwoch, 24. Januar 2024

Wie man heraus findet, ob eine Impfung Sinn macht

Kürzlich bekam ich eine Anfrage, wie man am besten heraus findet, ob eine bestimmte Impfung Sinn macht. "Wenn ich den Empfehlungen der STIKO folge, und meine Kinder durch einen Impfschaden bleibend in ihrer Entwicklung gestört würden, könnte ich es mir nicht verzeihen", schrieb ein Familienvater aus Deutschland. "Andererseits will ich meine Kinder natürlich nicht durch Krankheiten gefährden, die durch eine Impfung mutmaßlich vermeidbar wären." – Hier meine Antwort.

Impfen oder nicht Impfen? - Ein Drama (Foto: Thomas Hackl)

Wenn man wissen möchte, ob eine bestimmte Impfung Sinn macht, führt man am besten eine Risikoanalyse durch. Man geht ähnlich vor, wie bei der Abwägung, ob eine bestimmte Versicherung sinnvoll wäre. Objektive Fakten zur Gefährlichkeit der Krankheit werden mit der Frage kombiniert, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass mein Kind, wenn es ungeimpft bliebe, die Krankheit bekommt.  Das wird nun mit der Wirksamkeit und Sicherheit der jeweiligen Impfung gegengerechnet und dann noch auf individuelle gesundheitliche Besonderheiten der zu impfenden Person abgestimmt. Und schon hat man ein Ergebnis, - oder besser gesagt: hätte man ein Ergebnis.

Man muss hier leider im Konjunktiv bleiben. Denn im Gegensatz zur Versicherungsmathematik, wo man bei Hochwasser oder Hagel genaue Fallzahlen mit konkreten Schadenssummen abrufen kann, die im Zehn-Jahres-Schnitt ein regional kalkulierbares individuelles Risiko ergeben, hat man es im Impfwesen mit einer Gleichung mit unzähligen Unbekannten zu tun. 

Wieviele Krankenstands-Tage spare ich mir durch die Grippe-Impfung?

Das schwarze Loch der Evidenz liegt in der Wirksamkeit und Sicherheit der Impfung. Nur in den wenigsten Fällen gibt es aussagekräftige Studien, die diese Fragen klar beantworten. Man weiß beispielsweise bis heute nicht, wie viele Krankenstands-Tage man einspart, wenn man sich regelmäßig die saisonale Influenza-Impfung geben lässt - oder ob man, wie viele Berichte nahelegen, nach der Impfung sogar ein höheres Krankheitsrisiko hat.

Seit Jahrzehnten fordern unabhängige Wissenschaftler, dass diese Frage endlich durch eine gut gemachte, öffentlich finanzierte Studie für alle Altersgruppen geklärt wird. Immerhin fließt eine Menge Steuergeld in geförderte Impfprogramme. Doch nichts geschieht und man gewinnt den Eindruck, dass sich die Auftraggeber vor den möglichen Resultaten fürchten.  

Impfstudien auf Knopfdruck

Mit einem digitalen Impfregister, das Impfdaten und Gesundheitsdaten Personen-bezogen verknüpft, ließe sich hervorragend wissenschaftlich arbeiten. Es wäre dann beispielsweise auf Knopfdruck möglich, die Frage zu beantworten, ob 100.000 FSME-geimpfte mehr oder weniger an FSME erkranken, als eine ungeimpfte Kontrollgruppe. Oder ob sie nach der Impfung vermehrt Allergien und Autoimmunerkrankungen entwickeln. Doch so ein Impfregister ist bislang in Deutschland nicht umgesetzt. Und wenn es doch mal von Politikern forciert wird - wie etwa dem Arzt Andrew Ullmann, der für die FDP während der Covid-Zeit im Gesundheitsausschuss des Bundestages saß - dann nicht wegen der wissenschaftlichen Verwendbarkeit, sondern als Mittel der Repression, um damit Ungeimpfte ausfindig zu machen und unter Druck zu setzen.  


Es gibt keinen politischen Auftrag zur Kontrolle

Von behördlicher Seite kommt gar kein Vorstoß zu einer möglichst objektiven Evaluation der Impfungen. Dies hat auch damit zu tun, dass die Gesundheitsbehörden von der Politik den Auftrag bekamen, Impfungen zu bewerben. Und wenn die Behörde dann diese Impfungen auch noch auf mögliche Schäden kontrollieren soll, so ergibt sich ein Dilemma. Denn die wenigsten Menschen - und schon gar keine Institutionen - sind so charakterstark, ihre eigenen Empfehlungen in Frage zu stellen oder hinwegzufegen. 

Ich habe Andreas Hensel, den langjährigen Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) mal gefragt, warum sein Institut nicht selbst Studien durchführt, um wissenschaftliche Streitfragen zu klären. Immerhin verfügt das BfR über 1.112 Mitarbeiter, darunter mehr als 500 bestens ausgebildete Wissenschaftler. "Das wäre uferlos und viel zu teuer, obendrein gibt es dazu keinen politischen Auftrag", wies Hensel meine Frage brüsk zurück. "Die Industrie muss belegen, dass ihre Produkte sicher sind."


Druck aus den USA

Was passiert, wenn eine Behörde ausschert und die Pharmaindustrie nachhaltig verärgert, sah man am Beispiel des streitbaren Mediziners Peter Sawicki, der von 2004 bis 2010 das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen - kurz IQWiG - geleitet hatte. Dessen Auftrag war es, den Nutzen von Arzneimitteln einer objektiven Bewertung zu unterziehen und Sawicki nahm diesen Auftrag ernst. Er zeigte systemische Schwächen auf und prangerte Missbrauch an. Speziell angetan hatten es ihm diverse universitäre „Mietmäuler“, die ihre Expertise an den Meistbietenden verkauften. In ihren Gutachten kam das IQWiG häufig zu Ergebnissen, welche die Industrie massiv verärgerten, weil dies auch direkte Auswirkungen auf die Verschreibe-Praxis hatte. Denn bei einem negativen IQWiG-Bescheid zahlten die Kassen nicht. 

Mit diesem Vorgehen wurde Peter Sawicki zum Hauptfeind des Verbands der US-Pharmaindustrie. Am Höhepunkt des Konflikts forderte diese von Präsident Barack Obama allen Ernstes, Deutschland neben Vertretern wie Nordkorea oder dem Iran auf eine "Priority Watch List" von "Schurkenstaaten" aufzunehmen, weil das IQWig die Interessen der US-Industrie so massiv schädige. Obama besprach die Kausa Sawicki bei seinem ersten Deutschland Besuch mit Kanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Philipp Rösler. Und binnen kurzem war die Karriere von Peter Sawicki beendet. 


Freier Zugang für Lobbyisten

Nach diesem "Betriebsunfall" kann man sich nun ziemlich sicher sein, dass die Behörden es mit der Kontrolle nicht mehr übertreiben. Dazu trägt auch die Zusammensetzung der "Ständigen Impfkommission" STIKO bei, die derzeit von Gesundheitsminister Karl Lauterbach kräftig umgebaut wird. Eine öffentliche Ausschreibung der einflussreichen Posten ist nicht vorgesehen. Und das obwohl die Impf-Empfehlungen der STIKO ein Steuervolumen von mehreren Milliarden Euro pro Jahr und die Gesundheit von Millionen Menschen beeinflussen. Offiziell wird die zeitintensive Tätigkeit in diesem Expertengremium nicht honoriert. Aber natürlich ist jedes Mitglied ein heftig umworbenes Ziel für Pharma-Lobbyismus. 

Wichtigstes Auswahl-Kriterium scheint nach wie vor ein von Zweifeln unbeflecktes "Bekenntnis zum Impfgedanken". Perfekt ausgedrückt hat das der Berliner Kinderarzt Martin Terhardt, der in der ARD-Sendung 'Plantet Wissen' gefragt wurde, wie man STIKO-Mitglied wird. Und Terhardt antwortete tatsächlich: "Ich glaube, ich bin in die STIKO berufen worden, weil ich vorher schon die Impfungen unterstützt habe."


Gigantisches Medizin-Verbrechen


Was wir mit dem weitgehenden Verzicht auf eine strenge Sicherheits-Kontrolle im Bereich der Impfungen riskieren, ist nicht wenig. Zumal schwere Verläufe von Infektionskrankheiten bei Kindern im Lauf der Jahrzehnte immer seltener geworden sind. Dank sozialer und hygienischer Fortschritte sank die Sterbekurve meist schon lange bevor die Impfungen auf den Markt kamen, stark ab. 

Ganz anders verläuft der Trend bei chronischen Krankheiten wie Allergien, Autoimmunerkrankungen oder Entwicklungsstörungen, deren gemeinsame Ursache meist in einer Störung des Immunsystems liegt. 30 bis 50 Prozent der Kinder in Industriestaaten leiden an so einer behandlungsbedürftigen Krankheit und müssen regelmäßig Medikamente nehmen oder Therapie machen. Wie hoch der Anteil ist, den Impfungen hier verursachen, ist unbekannt. Nachdem es ihre ureigenste Aufgabe ist, ins Immunsystem einzugreifen, muss man sie jedoch zweifellos zu den Haupt-Verdächtigen zählen. 

Hier eine kritische Untersuchung und jegliche Kontrolle zu verweigern, wird als gigantisches Medizin-Verbrechen unseres Zeitalters in die Geschichte eingehen. 

Mein neues Buch "Was Sie schon immer über das Impfen wissen wollten" habe ich geschrieben, um im Dschungel des Impfwesens Orientierung zu geben - und soweit das möglich war - notwendige Fakten für eine informierte Entscheidungsfindung zu liefern. 


PS: Wenn Ihnen mein Blog interessant und wichtig erscheint, freue ich mich sehr über eine Spende, die meine Arbeit unterstützt.



Informationen zu Bert Ehgartners aktuellem Film "Unter die Haut" findet Ihr auf der Webseite zum Film. Wer an einem Interview, einem Vortrag oder einer Filmvorführung mit Bert Ehgartner interessiert ist, findet alle Informationen zu den Angeboten auf seiner Homepage.

Freitag, 22. Oktober 2021

Die Minderheit der Ungeimpften

Die aktuellen Daten aus Großbritannien zeigen, dass mittlerweile weit mehr als die Hälfte der Covid-positiven Patienten im Krankenhaus mindestens zweimal geimpft sind. Rechnet man das Risiko jedoch auf die Grundgesamtheit der jeweiligen Gruppe um, so ergibt sich eine deutliche Risiko-Reduktion durch die Impfung. In den Medien wird dieses Argument laufend wiederholt. Doch stimmt es auch tatsächlich?

Gestern hat die "UK Health Security Agency" den neuen "COVID-19 vaccine surveillance report" veröffentlicht. Ich habe die Angaben zu den Hospitalisierungen nach Impfstatus und Altersgruppe in einer Graphik dargestellt. Es handelt sich hier um die konkrete Anzahl der Patienten.



Gleich daneben in der Tabelle (Siehe Table 3 des Reports) wird die Anzahl der Fälle pro 100.000 angegeben. Ich habe auch das graphisch nochmal eigens dargestellt:


Und hier sieht es wieder so aus, dass Geimpfte ein deutlich niedrigeres Risiko einer Hospitalisierung haben. 

Sehen wir uns das am Beispiel der Altersgruppe 80+ genauer an: 8,6% der hospitalisierten Patienten sind hier ungeimpft. Das entspricht laut den Autoren des Reports einer Rate von 106 pro 100.000 Ungeimpften. Bei den Geimpften liegt die Rate hingegen nur bei 53 pro 100.000 Geimpften. Und daraus schließen Behörden, Politik und Presse, dass die Impfung super wirksam ist und Hospitalisierungen bzw. schwere Krankheitsverläufe vermeidet. 

Anteil der Zweifach-Geimpften nach Altersgruppen in UK


Ab der Altersgruppe 70+ sind in Großbritannien mehr als 90% der Bevölkerung vollständig geimpft, in der Altersgruppe 80+ sind es sogar fast 95%. Ungeimpfte sind demnach eine kleine Minderheit, die nur einen Anteil von 5-10% in dieser Altersgruppe ausmachen. 

Doch handelt es sich dabei um Menschen, die sich bewusst gegen die Impfung entscheiden und von der Presse regelmäßig als "böswillige ungeimpfte Querdenker" denunziert werden? Oder geben andere Gründe den Ausschlag, nicht zur Impfung zu gehen?

Sicherlich ist ein gewisser Anteil von Menschen darunter, die sich bewusst gegen die Covid-Impfung entschieden hat. Doch genauso finden sich in dieser Gruppe überproportional viele Menschen, die aus anderen Gründen nicht geimpft sind. Manche stehen z.B. bereits am Lebensende und sind zu schwach, um die Belastung durch die Impfung zu überstehen. Sie werden oftmals - auch über behördliche Anweisung - nicht mehr geimpft. Andere sind intellektuell beeinträchtigt oder dement. Obdachlose, Drogenkranke und Alkoholiker sind in dieser Gruppe ebenso überproportional vertreten, wie Personen aus Migrantenkreisen, die für das Gesundheitssystem generell schwerer erreichbar sind. 

Sozial benachteiligte Personengruppen haben - wie wir aus vielen Covid-Untersuchungen wissen, ein deutlich höheres Infektions- und Erkrankungsrisiko: z.B. weil sie häufiger übergewichtig und chronisch krank sind, weil sie sich ungesünder ernähren, weil sie auf engerem Raum zusammen leben, etc... 

Die gesunden Geimpften

In der Medizinliteratur nennt man dieses Phänomen den "Healthy Vaccinee"-Effekt. Bekannt wurde er vor allem durch Studien, welche die Influenza-Impfung als extrem wirksam dargestellt haben. Da zeigten sich manchmal vollständig unrealistische Effekte. z.B. dass die Impfung das Sterberisiko um 70% und mehr reduziert. Dass die Impfung sogar gegen Treppensturz, Knochenbrüche und Demenz wirkt. 

Bis dann kritische Mediziner diese Studien genauer analysierten und einen gemeinsamen systematischen Fehler fanden. Viele dieser Studien sind in Altersheimen und ähnlichen Einrichtungen durchgeführt worden. Die Studienautoren nahmen jene Personen, die zur Grippe-Impfung kamen in ihre Studiengruppe auf. Jene Bewohner, die nicht zum Impftermin erschienen, fungierten als Kontrollgruppe. 

Bei einer genaueren Untersuchung stellte sich jedoch heraus, dass sich in der Kontrollgruppe überproportional oft Menschen fanden, die zu krank waren, um überhaupt zum Impfarzt zu gehen. Personen, deren Gesundheit so fragil war, dass sie auch ein höheres Sturz- und Knochenbruch-Risiko - und insgesamt ein deutlich höheres Sterberisiko hatten. 

Wenn man diesen Effekt nicht beachtet, so kann die Gesamt-Aussage der Studie vollständig verfälscht und damit ungültig werden. 

Insofern misstraue ich den in den Tabellen – ohne zusätzliche Angaben – dargestellten Fallzahlen unter geimpften vs. ungeimpften Personen. Speziell wenn es um das Risiko schwerer Krankheiten oder Todesfälle geht, so braucht es dringend nähere gesundheitsbezogene Angaben, um aus den Daten valide Schlüsse zu ziehen.

Die Realität habe ich oben in der ersten Tabelle graphisch dargestellt: Das ist es, was wir konkret sehen, wenn wir die Belegung eines Krankenhauses in Großbritannien und wahrscheinlich auch bei uns nach geimpft vs. ungeimpft sortieren. 

Das in der zweiten Tabelle dargestellte Erkrankungsrisiko nach Impfstatus mag  zwar mathematisch korrekt sein – um das jedoch zu einer Entscheidungsgrundlage für politische Maßnahmen oder Konsequenzen zu machen, müsste man erst genauere Studien unternehmen, wie sich die Gruppe der Ungeimpften tatsächlich zusammen setzt und in ihren sozio-demographischen Merkmalen von den Geimpften unterscheidet. Speziell in der höheren Altersgruppe, wo die Ungeimpften eine derart kleine Minderheit darstellen.


Höheres Infektionsrisiko 

Wie würden wir einen Masern-Impfstoff bewerten, bei dem sich die Geimpften häufiger mit Masern infizieren als die Ungeimpften?
Gerade ist der aktuelle Überwachungsbericht zu den COVID-19-Impfstoffen in Großbritannien erschienen (siehe "Table 2 auf Seite 13). Und ich weiß schon, dass es heißt, die Impfstoffe schützen nicht so gut vor Infektion - sondern eher vor schwerer Erkrankung. 
Doch dass sie so schlecht vor Infektion schützen ist schon bemerkenswert.



Der Bericht zeigt, dass ab einem Alter von 30 Jahren die vollständig geimpften Personen ein deutlich höheres Infektionsrisiko haben, als Ungeimpfte.
Wie ist so etwas möglich?

Laut Bericht liegt der Astra-Zeneca Impfstoff Vaxzevria in der Wirksamkeit um 15% hinter jener von Comirnaty von Pfizer/BioNTech. Allein kann Vaxzevria jedoch auch nicht Schuld sein, weil etwa die Hälfte der geimpften Briten andere Präparate erhalten haben - zumeist Comirnaty.

Aus D und Ö sind mir solche Erhebungen nicht bekannt. Da verstecken sich die Behörden hinter der Definition der "Impfdurchbrüche", wo nur Personen als "vollständig geimpft" gewertet werden, die nach einem PCR-Test zu einem willkürlich gewählten Zeitpunkt ungenau definierte Covid-Symptome zeigen. Und weil diese Vorgangsweise mehr mit Trickbetrug als mit Wissenschaft zu tun hat, sind auch die auf dieser Basis getroffenen Aussagen vollkommen unbrauchbar. 

Man kann also davon ausgehen, dass die Situation bei uns nicht wesentlich anders ist, wie in Großbritannien:
Von Geimpften geht ein höheres Infektionsrisiko aus als von Ungeimpften. 
Und damit ergibt sich die Frage, mit welchem Recht Geimpfte im gesellschaftlichen Leben gegenüber Ungeimpften oder Genesenen bevorzugt werden.


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Bert Ehgartner steht auch für Vorträge, Filmvorführungen, etc. zur Verfügung. 
Nähere Informationen finden Sie auf dieser Seite


Mittwoch, 6. Oktober 2021

Schmutzige Tricks und Fehlinformationen

Persönliches Risiko richtig einzuschätzen, fällt wissenschaftlichen Laien schwer genug. Zumal die Informationen, welche uns über Medien, Politik und Behörden erreichen, oft genug ein Zerrbild der Realität darstellen. Wer das Risiko übertreibt oder falsch darstellt, fördert Angst. Und daraus entsteht eine ungute Polarisierung der Gesellschaft. – Die Informationen zur Covid-Pandemie liefern dafür ein hervorragendes Beispiel. (UPDATE, 12. 10. 2021)

Fehlinformation der Behörden führt zu Hetze in den Medien

An dem Tag, als die Kronen Zeitung (siehe Ausschnitt) berichtete, dass eine Krebspatientin keine Augen-Operation bekommt, weil die Intensivstation mit ungeimpften Covid-Infizierten voll ist, meldete Wien an die AGES eine Belegung von weniger als 100 Covid-Patienten, 275 waren noch frei. Eine negativ getestete Krebs-Patientin kommt zudem überhaupt nicht auf die Covid-Station.

Wie entstehen solche absurden Artikel?

Der beschriebene Fall wurde in der Kronen Zeitung als Coverstory gedruckt. Er vermittelt das Bild, dass ungeimpfte Patienten in Massen die Intensivbetten belegen - und dadurch arme Krebspatienten nicht behandelt werden können.

Solche Artikel entstehen aus Zorn und Unverständnis: Wie können die Menschen so dumm sein, sich nicht impfen zu lassen? Wo sie doch sich selbst und andere damit massiv gefährden. 

Doch stimmt es überhaupt, dass wir uns in einer Pandemie der Ungeimpften befinden?

Aktuelle Daten aus Großbritannien vermitteln nämlich ein ganz anderes Bild.

Aber der Reihe nach.


Transparenz-Vorbild England

An sich sollte man meinen, dass es bei positiv auf Covid getesteten Patienten im Krankenhaus vier Kategorien gibt:

  • vollständig geimpft (> 14 Tage nach der letzten Dosis)
  • unvollständig geimpft (< 14 Tage nach der letzten Dosis)
  • nicht geimpft
  • Impfstatus unbekannt

Die Behörde 'Public Health England' gibt das in seinen Wochenberichten auch so an. (siehe Table 5)

Das ist transparent und für alle verständlich.

Transparenz bedeutet für die Politik jedoch ein erhebliches Risiko. Denn wenn etwas schief geht, so erfährt das die Öffentlichkeit sofort und man gerät in Erklärungsnot.

Und so ist es jetzt auch.

Die Daten der letzten Wochen zeigen für England, dass in der Altersgruppe ab 50 Jahren... 

  • 89,7% der Covid-Infizierten 
  • 77,4% der mit positivem Test Hospitalisierten 
  • 74,6% der mit positivem Test Verstorbenen 

vollständig geimpft waren. 

Hier ein Überblick zur Verteilung der Todesfälle mit Covid-Diagnose während des letzten Monats (Anfang September bis Anfang Oktober 2021). Die Daten finden sich in Table 4.


Anders sieht es aus, wenn das Sterberisiko auf die entsprechende Altersgruppe der Geimpften oder Ungeimpften hoch gerechnet wird. Dann sind die Geimpften im Vorteil. 

In der Altersgruppe von 18 bis 29 sterben 4 pro Million Ungeimpfte - aber nur 1 pro Million Geimpfte. 

In der Altersgruppe von 30 bis 39 erhöht sich das Verhältnis auf 10 zu 1 (pro Million).

Dies steigert sich in der Altersgruppe über 80 Jahren auf 481 zu 1332 Todesfälle (pro Million).

Um eine ausgewogene Nutzen/Schadens Bilanz aufzustellen, müsste hier jedoch auch das Risiko mit einbezogen werden, das die Impfung mit sich bringt. Denn Personen, die nach der Impfung sterben - und nicht Covid-infiziert sind - werden hier natürlich nicht angeführt. Dieses Phänomen ist - speziell bei den älteren Menschen - jedoch nicht selten. Einige Länder haben behördliche Aufrufe an Ärzte erlassen, unbedingt abzuwägen, ob Menschen in fragilem Gesundheitszustand die durch die Impfung ausgelöste Belastung für den Organismus überhaupt verkraften können. 

In der jüngeren Altersgruppe müsste das Impf-bedingt höhere Risiko für Myokarditis (Herzmuskelentzündungen), Thrombosen, Schlaganfälle, etc. mit einberechnet werden.

 

Geimpfte haben ein höheres Infektionsrisiko als Ungeimpfte

Besonders interessant ist die Verteilung des Infektionsrisikos quer durch alle Altersgruppen. Hierzu liefert Public Health England eine eigene Aufschlüsselung (Siehe Table 2). Dabei wird gezeigt, wie viele positiv getestete Fälle pro Altersgruppe von jeweils 100.000 vollständig geimpften oder ungeimpften Personen im letzten Monat aufgetreten sind. Zu beachten ist hierbei auch, dass Ungeimpfte – speziell in der jüngeren Altersgruppe – viel mehr getestet werden, als Personen die einen gültigen Impfpass vorzeigen können. 

Abgesehen von den Jungen (bis 29 Jahre) haben die vollständig Geimpften
ein höheres Infektionsrisiko als Ungeimpfte

Zu beachten ist hier außerdem, dass in der jüngeren Altersgruppe die Impfung im Schnitt nicht so lange zurück liegt, wie bei den Älteren - und deshalb noch besser wirkt. 

Dass ab einem Alter von 30 Jahren geimpfte Personen durchwegs ein höheres Infektionsrisiko haben als ungeimpfte, ist ein Effekt, der im aktuellen Monatsbericht erstmals sichtbar wurde. Und er zeigt abermals, wie rasch die Wirkung der Impfung verpufft.

Diese Botschaft ist jetzt natürlich image-technisch nicht so optimal.


"Impfdurchbruch": die Tücke steckt im Detail

Doch wie steht es bei uns?

Um den Werbeslogan von der "Pandemie der Ungeimpften" nicht durch solche Transparenz zu gefährden, haben sich Behörden und Gesundheitspolitik in Deutschland und Österreich einige Tricks ausgedacht. 

Der wichtigste besteht darin, in den offiziellen Berichten nur die so genannten "Impfdurchbrüche" bekannt zu geben.

Als "Impfdurchbruch" gilt, wer trotz vollständiger Impfung SYMPTOMATISCH an Covid erkrankt ist. 

Und diese Definition beinhaltet zwei relativ leicht zu beeinflussende Details:

  1. Ob jemand Covid-Symptome hat, oder nicht, obliegt der subjektiven Einschätzung der Ärzte. Wenn jemand mit Herzinfarkt, Schlaganfall oder als Unfallopfer ins Krankenhaus kommt, steht klarerweise die Hauptdiagnose im Vordergrund. Wenn diese Patienten dann positiv auf Corona getestet werden, so muss bewertet werden, ob die Patienten nebenher auch noch husten oder den Geruchssinn verloren haben. Nur dann zählen sie nämlich als "Impfdurchbruch". Hier besteht also ein relativ großer Interpretations-Spielraum.
  2. Die nächste Unbekannte ist der Zeitpunkt der Symptome. Die Patienten werden ja laufend getestet. Welcher Test wird herangezogen, um die Symptomatik festzumachen? Wenn die Covid-Symptome vergehen, die Folgen des Herzinfarktes aber noch therapiert werden müssen, handelt es sich dann um einen Impfdurchbruch, oder nicht? 

Ich habe sowohl das deutsche RKI als auch die österreichische AGES gebeten, mir diese Frage zu beantworten. Beide verwiesen mich nur auf die allgemeine Definition des Impfdurchbruchs. - Und dort steht das eben NICHT drin.

Ein Impfdurchbruch gilt nur "mit klinischer Symptomatik" als Versagen der Impfung

Mit diesen Tricks gelingt es bislang, die Öffentlichkeit zu täuschen und - so recht und schlecht - den Impf-Werbeslogan von der "Pandemie der Ungeimpften" aufrecht zu halten. 

Dazu trägt auch bei, dass viele Journalisten sofort den Umkehrschluss ziehen - und z.B. bei "6% Impfdurchbrüchen auf Intensivstationen" folgern: "94% der Intensivpatienten sind ungeimpft". 

Fake News am Beispiel ZDF

Sie vergessen dabei jedoch, dass im großen Topf der Nicht-Impfdurchbrüche auch Patienten ohne Symptome, Teilgeimpfte sowie Personen, bei denen der Impfstatus unbekannt ist, mitgezählt werden. Und damit kann sich der Anteil der angeblich ungeimpften mehr als halbieren. 

Damit verlieren dann auch die zahlreichen Hetzartikel gegen Ungeimpfte, welche Krebs- und sonstigen Patienten die Betten wegnehmen, ihre Fakten-Basis. 

Irregeleitete Medien fördern die Polarisierung in der Bevölkerung 

Da sich die Wirksamkeit der Impfung aber nicht nur in Großbritannien sondern überall (auch in D + Ö)  im Sturzflug befindet, kommt es laufend zu Dammbrüchen und die tatsächliche Faktenlage sickert durch.  

Bei uns halt etwas später als in Ländern mit seriöser Informationspolitik.


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Bert Ehgartner steht auch für Vorträge, Filmvorführungen, etc. zur Verfügung. 
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Mittwoch, 30. Juni 2021

Inakzeptabel hohe Kohlendioxidwerte unter Gesichtsmasken bei Kindern

Der Kohlendioxidgehalt in der Atemluft steigt bei Kindern unter Gesichtsmasken auf inakzeptabel hohe Werte von über 13.000 parts per million (ppm) schon nach 3 Minuten, fand eine Studie, die heute im renommierten Journal JAMA Pediatrics online publiziert wurde. 

Das könnte erklären, warum über 68% der Kinder einer großen Befragung der Universität Witten/Herdecke über Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Erschöpfung, und schlechte Stimmung klagen. Denn zu viel Kohlendioxid ist schädlich, wie das Umweltbundesamt schon 2008 feststellte: Mehr als 2.000 ppm (oder 0,2 vol%) sollten nicht in der Atemluft vorhanden sein. In der Atemluft im Freien liegt der Kohlendioxidgehalt bei etwa 400 ppm (0,04 vol%).

Jüngere Kinder können sich oft gar nicht mehr
an eine "maskenlose Zeit" erinnern (Foto: Brian Evans)

Die Forschung kam aufgrund einer Elterninitiative zustande und wurde koordiniert von Prof. Harald Walach, der an der Kinderklinik der Medizinischen Universität Poznan in Polen tätig ist, sowie als Gastprofessor an der Fakultät für Gesundheit der Universität Witten/Herdecke. „Die Eltern kamen auf uns zu, weil ihre Kinder über Probleme klagten“, sagt der Immunologe und Toxikologe Prof. Stefan Hockertz, der die Studie initiierte und vor Kurzem ein Buch zum Thema publiziert hat („Generation Maske“). Helmut Traindl, promovierter Ingenieur aus Wien führte die Messungen durch, mit denen er langjährige Erfahrung hat. „Wir haben die Methode an Pilotmessungen erprobt“, sagt Traindl. „Die Kinder erhielten einen kleinen Messschlauch in Nasennähe befestigt, so dass wir den Kohlendioxidgehalt in 15 Sekunden-Abständen sauber bestimmen konnten.“ Andreas Diemer und Ronald Weikl, zwei Ärzte, begleiteten die Studie medizinisch. Sie sorgten auch für gute Durchlüftung des Messraumes. Dafür stellte die Kinderpsychotherapeutin Anna Kappes ihre Praxis in Müllheim zur Verfügung. Sie kümmerte sich um das Wohlbefinden der Kinder und der begleitenden Eltern. 

Die Forscher maßen zunächst ohne Maske, dann in zufälliger Reihenfolge mit einer OP-Maske und einer FFP2-Maske, und schließlich nochmals ohne Maske das eingeatmete Kohlendioxid. „Uns interessierte vor allem der Kohlendioxidgehalt der eingeatmeten Luft“, erklärt Dr. Traindl. „Es erstaunte mich, dass dieser so rasch, nämlich bereits nach 1 Minute so hoch anstieg und ohne große Schwankungen auf hohem Niveau stabil verweilte.“ Wie kommt das zustande? „Der Totraum in der Maske ist für Kinder im Verhältnis zu ihrem Gesicht besonders groß. Dort sammelt sich das ausgeatmete Kohlendioxid, mischt sich mit der einströmenden Luft und wird rückgeatmet“, erklärt der Arzt und Physiker Andreas Diemer den Vorgang. „Weil bei Kindern der Atemvorgang schneller geht und auch weniger Druck erzeugt, ist gerade bei ihnen das Problem des mangelnden Gas-Austausches besonders groß“, sagt Diemer. „Auch Kindermasken lösen das Problem nicht. Solche hatten wir nämlich auch“, meint Diemer.

„Die Daten sprechen eine klare Sprache“, sagt Prof. Walach, der Leiter der Studie, der die Daten ausgewertet hat. „Die Effekte sind sehr groß, klinisch hoch bedeutsam und statistisch sehr signifikant. Einen Unterschied zwischen den Masken sehen wir kaum, obwohl die FFP2-Masken mit 13.910 ppm einen höheren Wert erzeugen als die OP-Masken. Aber dieser ist mit 13.120 ppm immer noch mehr als 6-fach über dem, was das Umweltbundesamt als Grenze der Gesundheitsgefährdung einstuft. Daher wäre es aus unserer Sicht ein politisches und juristisches Gebot der Stunde, das Maskentragen bei Kindern als gesundheitsgefährdend einzustufen und keinesfalls mehr als pauschale Maßnahme zu verordnen. Schulen, Ämter und Behörden, die dies verlangen, machen sich aus unserer Sicht der Körperverletzung schuldig“, sagt Professor Walach. Professor Hockertz, der in seinem Buch die vielfältigen Probleme aufzeigt unterstützt dies und sagt: „Es ist ein Skandal, dass unsere Behörden solche Maßnahmen verordnet haben, ohne auch nur einen Anhaltspunkt für die Unbedenklichkeit von Gesichtsmasken bei Kindern gehabt zu haben. Eigentlich hätte eine solche Studie von Oberschulämtern durchgeführt werden müssen. Aber zwei Schulen, in Blaubeuren und im Landkreis Passau, die auf uns zugekommen sind, damit wir diese Studie dort durchführen, erhielten von ihren Oberschulämtern ein Verbot, eine solche Studie durchführen zu lassen. Wir hoffen sehr, dass durch unsere Daten etwas mehr Vernunft und Sachlichkeit in die Debatte kommt. Denn das Risiko für ein Kind, an COVID-19 zu erkranken ist wesentlich geringer, als einen psychischen oder körperlichen Schaden durch das Tragen der Masken zu erleiden“, meint Hockertz. 

„Besonders die kleinen Kinder sind stark betroffen“, sagt Juliane Prentice aus Müllheim, eine der Organisatorinnen. „Das Kind mit den höchsten Kohlendioxidwerten, mit 25.000 ppm in der Einatemluft, also mehr als das 10fache dessen, was das Umweltbundesamt als Gefährdungsgrenze einstuft war nur 7 Jahre alt.“ Insgesamt wurden 45 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 17 Jahren gemessen. „Der Kohlendioxidgehalt der Einatemluft nahm mit dem Alter deutlich ab. Aber selbst das Kind mit den niedrigsten Werten, ein 15-Jähriger, hatte mit 6.000 ppm Kohlendioxidgehalt noch das Dreifache des Grenzwertes in der Einatemluft,“ kommentiert Dr. Ronald Weikl, Arzt für Geburtshilfe und Frauenheilkunde in Passau, der zu den Organisatoren und Betreuern der Studie gehört. „Es führt kein Weg daran vorbei: Das Tragen von Masken bei Kindern ist eine ungeeignete Methode des Gesundheitsschutzes. Es schadet mehr, als es nutzt“, sagt der Arzt.

Zitation:

Walach, H., Weikl, R., Prentice, J., Diemer, A., Traindl, H., Kappes, A., & Hockertz, S. (2021). Experimental assessment of carbon dioxide content in inhaled air with or without face masks in healthy children: A randomized clinical trial. JAMA Pediatrics. doi:10.1001/jamapediatrics.2021.2659, published online 30th June 2021

Bei diesem Artikel handelt es sich um den Abdruck einer Presse-Mitteilung




Freitag, 28. Dezember 2018

Was ist gefährlicher: die Krankheit oder die Impfung?


Impfungen sind im Normalfall ein Eingriff an Gesunden mit der Absicht eine mögliche spätere Krankheit zu vermeiden. Natürlich ist es sinnvoll, wenn eine Impfung auch wirkt. Um zu entscheiden, ob eine Impfung Sinn macht, geht es jedoch auch um die Relevanz der Krankheit. Und schließlich sollte man das Risiko nicht vergessen, das von der Impfung selbst aus geht. Risikoabschätzung fällt den meisten Menschen aber schwer.

Impfungen haben viel gemeinsam mit Versicherungen. So wie die Impfung vor einer schweren Krankheit schützen soll - ist die Haus- oder KFZ-Versicherung dazu da, mögliche finanzielle Folgen eines Brands oder eines Unfalls abzudecken.
Die Versicherungs-Mathematik beschäftigt sich vor allem mit der Einschätzung von Risiken. Und auch im Impfwesen wäre dies höchst sinnvoll.
Es gibt jedoch einen bedeutsamen Unterschied: Wenn sich ein Bergbauer gegen Hochwasser versichert, so wird das Risiko eines Schadensfalles normalerweise minimal sein. Der Vertreter kassiert seine Provision, der Bergbauer hat eine unnötige Ausgabe gemacht, doch abgesehen vom finanziellen Verlust, kann durch unnötige Überversicherung nicht viel passieren.
Bei Impfungen ist das anders. Impfungen sind Eingriffe in die Funktion des Immunsystems. Im Idealfall resultiert daraus eine lebenslange Immunität. Doch wie jedes wirksame Arzneimittel haben auch Impfungen Nebenwirkungen. Und somit ist es gefährlich und fahrlässig, Impfungen ohne seriöse Risiko-Nutzen-Abschätzung zu empfehlen.

Genau das passiert aber im Impfwesen ständig.
Impfexperten sehen das Risiko schwerer Nebenwirkungen von Impfungen als minimal an. Auch wenn eine Krankheit sehr selten ist, wie z.B. die Polio, Diphtherie oder Tetanus - soll dennoch geimpft und später aufgefrischt werden. "Denn das ist völlig harmlos", sagte gestern der Wiener Impfexperte Herwig Kollaritsch in der Ö1 Sendung "Was Sie schon immer über Impfungen wissen wollten".
Diese Aussage zeigt, wie schwer sich viele Menschen mit der korrekten Einschätzung von Risiken tun - speziell im Bereich des Impfens.

Sehen wir uns das am Beispiel der erwachsenen Bevölkerung genauer an. Bei Kindern kommt meist das Argument, dass sie deshalb nicht erkranken, weil ja die Mehrzahl geimpft wird. Erwachsene hingegen vergessen häufig auf Impfungen. Laut Robert Koch Institut haben 50 Prozent und mehr keine schützenden Antikörper mehr im Blut - mit einem Titer weit unter dem Grenzwert.
Etwa die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung ist demnach ungeschützt und wäre empfänglich für die erwähnen Krankheiten.

In Deutschland ist - bei einer Bevölkerung von 80 Millionen Menschen - schon viele Jahrzehnte keine Infektion mit Polio Wildviren bekannt geworden. An Tetanus starben in den 90er Jahren im Jahresschnitt rund 8 Menschen - und diese Personen waren meist multimorbid bei einem Durchschnittsalter von 80 Jahren. 2001 wurde die Meldepflicht abgeschafft, weil Tetanus kein relevantes Gesundheits-Risiko für die Bevölkerung mehr darstellte.

Die Krankheit Diphtherie hat sich stark gewandelt und keine Ähnlichkeit mehr zu ihrer Erscheinungsform in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wo Diphtherie als "Würgeengel der Kinder" galt. Heute fehlen den Bakterien im Normalfall die einst gefürchteten Diphtherie-Toxine.  Anstatt den Rachen zu besiedeln, finden sich die Bakterien bei Wund- und Hautinfektionen. Und auch das extrem selten: Die Fallzahlen liegen in Deutschland im einstelligen Bereich.
Das Risiko, als Erwachsener an Diphtherie oder Tetanus zu erkranken beträgt laut Meldezahlen demnach etwa 1 zu 10 Millionen. Dennoch wird von den Behörden - als sei es das selbstverständlichste der Welt - die regelmäßige Auffrischungs-Impfung empfohlen.
Noch wesentlich geringer ist die Wahrscheinlichkeit, sich in Mitteleuropa mit Polio-Wildviren zu infizieren. Das Risiko liegt nahe null - und ist wohl ähnlich relevant, wie die Gefahr, von Außerirdischen entführt zu werden.

Sehen wir uns nun das Risiko der Impfungen an:

Die Fachinformationen der einzelnen Impfungen geben bekannte Risiken im Detail an:
In der Rubrik "selten" (Risiko 1:1.000 bis 1:10.000) finden sich bei Tetanus-, Diphtherie- und Polio-Impfungen z.B: Nesselsucht (Urtikaria), Anämie, Veränderungen des Blutbildes, allergischer Schock (Anaphylaxie), Kollaps und Apnoe (Atemstillstand) bei Frühgeborenen.

Am Ärzte-Informationsportal "Neurologienetz" wird die Häufigkeit einer Gehirnentzündung nach Impfungen mit 1:300 bis 1:20.000 angegeben (siehe Screenshot).

Das postvakzinal (nach Impfungen auftretende) Risiko einer
akuten Gehirnentzündung (ADEM), Quelle: neurologienetz.de

Ein schwerer Impfschaden ist im Vergleich zum Risiko der erwähnten Krankheiten demnach um ein Vielfaches realitätsnäher.

Wir nehmen die Wahrscheinlichkeit realer Gefahren in kauf, um uns vor irrealen Risiken zu schützen. Im Impfwesen ist dieses Phänomen nicht die Ausnahme, sondern die Regel - weil ernsthafte Risiken des Impfens von Behörden, Impfexperten und Ärzten im Normalfall ignoriert werden.


Hinweis: In meinem aktuellen Buch "Gute Impfung - Schlechte Impfung" gebe ich für jede geläufige Impfung eine genaue Nutzen-Risiko-Abschätzung auf Basis der realen Meldezahlen der Krankheiten - sowie der Impf-Nebenwirkungen

Sonntag, 30. November 2014

"Die chronische Aufnahme von Aluminium führt zu Alzheimer"

Mittwoch und Donnerstag fand in Berlin eine Konferenz des Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zum Thema Aluminium statt, an der ich teilgenommen habe. Die weiteste Anreise hatte die Alzheimer-Expertin Judie R. Walton, Professorin an der University of New South Wales in Sydney. Sie präsentierte in ihrem Vortrag 20 Belege für die These, dass Aluminium die Alzheimer Krankheit auslöst. Basis ihres Vortrages ist ihr "Opus Magnum", ein Übersichtsartikel, der kürzlich im Journal of Alzheimer's Disease publiziert wurde. Die Arbeit ist 74 Seiten lang, bietet 488 Quellverweise in die wissenschaftliche Literatur und lässt im Titel keinen Raum für Zweifel: "Chronic Aluminium Intake Causes Alzheimer's Disease".
Walton JR BfR
Prof. JR Walton (r.) mit Moderatorin Dr. Adelheid Müller-Lissner vom Tagesspiegel, Foto: Ehgartner
Während ihres Vortrags zeigte Walton ein acht Minuten langes Video, in dem sie eine über drei Jahre geführte Fütterungsstudie mit Ratten dokumentierte. Die 30 Tiere erhielten drei verschiedene Dosierungen von Aluminium ins Trinkwasser gemischt, wie sie der unteren, der mittleren und der oberen Belastung entsprechen, welche US-Amerikaner über Nahrungsmittel aufnehmen. Einmal wöchentlich machte sie mit den Tieren einen standardisierten Gedächtnistest. Die Ratten mit der geringsten Alu-Dosis schnitten dabei im höheren Alter genauso gut ab, wie im mittleren. Das älteste Tier aus dieser Gruppe erreichte ein auf Menschenzeit umgerechnetes Alter von 105 Jahren. Im Video sieht man, wie die greise Ratte - obwohl an den Hinterbeinen bereits lahm - noch immer die richtige Stelle für das Futter findet. In der mittleren Gruppe versagten 20 Prozent beim Gedächtnistest, in der höheren Alu-Dosis waren es 70 Prozent.
Hier ein Interview mit Prof. Judie R. Walton zu ihren Thesen.
(Bert Ehgartner vom BfR Forum in Berlin)
Was ist Ihrer Ansicht nach die Ursache der Alzheimer Krankheit?
JR Walton: Die Ursache der Alzheimer Krankheit liegt in der chronischen Aufnahme von Aluminium. Das kann über Nahrungsmittel passieren, über Trinkwasser, über Kosmetikprodukte wie etwa die Antitranspirantien, über Impfungen die Aluminium-haltige Hilfsstoffe enthalten und  zahlreiche andere Produkte. Erwähnen möchte ich auch kontaminierte Luft in der Wohnumgebung oder einen Arbeitsplatz, wo man mit Aluminiumdämpfen oder Stäuben konfrontiert ist. Aluminium ist ein Nervengift und wir kennen ja bereits eine andere Form der Demenz - die so genannte Dialyse-Demenz – wo Aluminium eindeutig als Verursacher überführt worden ist.
Wie konkret kann man sich das vorstellen?
JR Walton: Sehr geringe Mengen von Aluminium reichern sich laufend im Hirngewebe an, speziell in jenen Regionen, wo auch die Gedächtnis-Verarbeitung passiert. Wenn das Gehirn diesem Neurotoxin 40 bis 50 Jahre ausgesetzt ist und dazu noch die normalen biologischen Alterungsprozesse greifen, so kann das in jene Veränderungen münden, welche wir als Alzheimer-Krankheit bezeichnen.
Kann der Anstieg nicht eine Folge dessen sein, dass die Menschen früher einfach nicht alt genug wurden, um überhaupt an Alzheimer zu erkranken?
JR Walton: Immer mehr ältere Menschen haben diese durchschnittliche Aluminium-Zeitspanne von 40 bis 50 Jahren mit erlebt. Bei genetisch empfänglichen Personen kann auch eine kürzere Periode ausreichen, um die Krankheit zu entwickeln. Doch wenn die Aluminiumdosis niedrig genug ist – auf einem Level wie in der vorindustriellen Zeit – so erreichen die Menschen ein hohes Alter ohne Anzeichen von Demenz.
Was sind die wichtigsten Resultate Ihrer Studien mit Ratten?
JR Walton: Ratten altern 35 mal schneller als Menschen. Wir sind also in der Lage, die Alzheimer entsprechende Demenz in Ratten binnen zwei bis drei Jahren zu erforschen, wofür wir beim Menschen viele Jahrzehnte brauchen würden. Wenn man es von der anderen Seite betrachtet, so leben wir alle inmitten eines Belastungs-Experiments, wo wir etwa über die Nahrungsmittel einer täglichen Dosis von 0,4 bis 1,6 Milligramm Aluminium pro Kilogramm Körpergewicht ausgesetzt sind. Die Rattenstudien zeigen uns, dass die Sicherheitszone sehr eng ist. Eine fiktive Person, die als Baby Muttermilch erhalten hat anstelle der Aluminium-belasteten Ersatzmilch, die keine Alu-haltigen Impfungen bekommen hat, keine Alu-haltigen Medikamente nimmt, deren Trinkwasser-Belastung unter 0,02 mg pro Liter liegt, die sich von frischen Nahrungsmitteln ernährt, welche selbst zubereitet oder gekocht werden, die keine Alufolie verwendet und auch keine Alu-Deos – so eine Person wird mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals an Alzheimer erkranken. Menschen, welche diese Regeln brechen – und das sind fast alle hier unter uns – entwickeln hingegen nach einigen Jahrzehnten ein konkretes Alzheimerrisiko.
Wie ist ihr Ratten-Experiment im Detail abgelaufen?
JR Walton: Das erste Jahr über haben wir alle Tiere mit einer Aluminium-armen Diät gefüttert, damit sich ihr Gehirn normal entwickeln konnte. In dieser Zeit trainierten wir sie mit einem der üblichen Standard-Gedächtnistests. Als die Tiere ein Jahr alt waren, haben wir sie verschiedenen Gruppen zugelost, die fortan mit dem Trinkwasser Aluminium in drei Dosierungen aufnahmen. Die Menge haben wir nach dem unteren, dem mittleren und dem oberen Gehalt bemessen, wie es der durchschnittlichen menschlichen Ernährung entspricht. Das haben wir bis zum Lebensende der Ratten so beibehalten.
Und was waren die Unterschiede?
JR Walton: Körperlich blieben die meisten Tiere gesund, aber die Mehrzahl der Tiere in der Gruppe mit der höchsten Aluminium-Dosis verloren ihr Kurzzeit-Gedächtnis. Ab einem Alter von 28 Monaten war kein einziges Tier aus dieser Gruppe mehr in der Lage, den Gedächtnistest zu machen. Langzeit-Experimente mit Ratten werden oft im Alter von 23 Monaten – das entspricht einem Menschenalter von 70 Jahren – abgebrochen. Unsere Laborratten starben meist an Altersschwäche. Das älteste Tier wurde 36 Monate alt, was einem Menschenalter von 105 Jahren entspricht.
Die Resultate Ihrer Studien stimmen nicht mit anderen Studien überein, wo teils viel höhere Dosen an Aluminium verwendet wurden.
JR Walton: Das liegt daran, dass sich Aluminium unterschiedlich auswirkt, je nachdem ob sie hohe oder niedrige Dosen einsetzen. Es kommt sehr auf die Dauer einer Exposition an, weil sich die Konsequenzen gegenseitig verstärken können. Wenn sie den Tieren höhere Dosen geben, so haben sie den kognitiven Schaden schon im jungen Alter. Das gleicht eher einer Vergiftung. Bei einer niedrigen Aluminiumdosis beobachten wir hingegen eine lange Vorlaufphase, die weitgehend symptomfrei ist. Unsere Arbeit gleicht eher den epidemiologischen Studien beim Menschen, die gezeigt haben, dass die Bevölkerung in einem Trinkwasser-Gebiet mit hohem Aluminiumgehalt ein höheres Alzheimerrisiko hat.
Allgemein heißt es, dass die Ansicht vor 20 Jahren widerlegt worden ist, dass Aluminium die Alzheimer Krankheit verursacht.
JR Walton: Dieses Statement wird heute noch genauso verbreitet wie vor 20 Jahren. Ich lade alle ein, meine 16 publizierten Studien zu diesem Thema zu lesen, dann können Sie ja entscheiden, ob Sie das noch immer glauben.
Erst kürzlich sind zwei Übersichtsartikel publiziert worden, welche behaupten, dass die Aluminiumhypothese zur Erklärung der Alzheimer-Erkrankung tot ist.
JR Walton: In meiner aktuellen Übersichtsstudie gehe ich derselben Frage nach und komme zu einem diametral gegensätzlichen Resultat. In meiner Arbeit zitiere ich beinahe 500 wissenschaftliche Quellen zur Neurotoxizität von Aluminium und seinen Effekten. Ich fühle mich recht sicher mit meiner Position, dass die Aluminiumhypothese mehr denn je am Leben ist und die Waagschale der Evidenz ein recht eindeutiges Ergebnis liefert.
Es heißt, dass sich Aluminium erst später im Gehirn anreichert, nachdem der Schaden schon angerichtet ist.
JR Walton: Diese Ansicht ist extrem fadenscheinig.  Aluminium gelangt auf verschiedene Arten in Nervenzellen des Gehirns, wo es sich akkumuliert und die Zellfunktion stört. Ich habe diesen Vorgang in sechs Stadien eingeteilt, die einen zeitlichen Verlauf haben und in verschiedenen Zellen ähnlich ablaufen. Irgendwann ist aber immer der Punkt erreicht, wo die zellulären Reparaturmechanismen und deren  Fähigkeit zur Kompensation den angerichteten Schaden nicht mehr ausgleichen kann und die Zelle ihre Funktion verliert.
Kupfer und Eisen werden ebenfalls als mögliche Auslöser der Alzheimer-Krankheit diskutiert. Was halten Sie davon?
JR Walton: Kupfer und Eisen sind essentielle Spurenelemente, die im Organismus die verschiedensten wichtigen Funktionen erfüllen. Diese Metalle unterliegen strengen Kontrollmechanismen. Es gibt Proteine, welche die Aufgabe haben, sie einzufangen und an sicheren Orten zu lagern, wenn sie einen bestimmten Grenzwert übersteigen. Aluminium ist nicht essentiell. Es wird für gar nichts im Körper gebraucht – und sowohl bei der Alzheimer Krankheit als auch bei Dialysedemenz oder der Knochenerweichung finden sie stets hohe Aluminiumspiegel im Serum.
JR Walton  Don Bryson-Taylor
Prof. Judie R. Walton mit Partner Don Bryson-Taylor, Foto: B. Ehgartner

Das Interview ist auf der Seite des Al-ex Institut erschienen wo auch noch eine Reihe anderer Artikel zum BfR Forum zu lesen sind.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, würden 
wir uns über einen kleinen Beitrag zu unserer Arbeit sehr freuen. 

Samstag, 1. Februar 2014

Alu-Deos: Kosmetikindustrie als Behördenflüsterer

Seit Jahrzehnten steigt die Häufigkeit von Brustkrebs rasant an. Mehr als die Hälfte der Tumore werden im Quadrant neben den Achseln diagnostiziert: Dort wo Roll-on oder Deospray aufgetragen werden. Viele dieser Kosmetikprodukte enthalten als Wirkstoff eine Aluminium-Chlor-Mischung. Diese Chemikalie dringt in die Haut ein und verklebt die Schweißporen. Das oberste deutsche Kontrollgremium, das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), stellte den Alu-Deos bisher einen Freibrief aus. Nun stellt sich heraus, dass die Behörde bei dieser Einschätzung einen wichtigen Einflüsterer hatte: die Kosmetikindustrie. 

Etwa zwei Drittel der Deos enthalten Aluminiumchlorohydrat
Es ist eines der ungelösten Rätsel bei Brustkrebs: Fast 60 Prozent der Tumoren treten im so genannten "oberen äußeren Quadranten" der Brust auf. Also in jenem Bereich, der den Achseln am nächsten ist. Da die weibliche Brust in fünf etwa gleich große Bereiche - die vier Quadranten und einen zentralen Bereich um den Nippel - gegliedert wird, sollten es rein mathematisch doch nur 20 Prozent sein.
Als Erklärung wird genannt, dass dieser Bereich bei den Achseln eben besonders dichtes Gewebe enthalte und hier besonders viele der milchproduzierenden Zellen versammelt sind, aus denen meist das Krebsgeschehen entspringt.

Die britische Onkologin Philippa Darbre von der Universität Reading im Norden Londons gab sich mit dieser Antwort nicht zufrieden und vertiefte sich in historische Aufzeichnungen aus der Zeit bevor massenhaft Deos verwendet worden sind. Und siehe da: In den 1930er und 40er Jahren waren die Tumoren deutlich gleichmäßiger über die gesamte Brust verteilt. Nur 31 Prozent fanden sich damals im "oberen äußeren Quadranten". Zum Beginn der 80er Jahre war der Anteil in England, Wales und Schottland bereits auf fast 40 Prozent angestiegen, mit der Jahrtausendwende übersprang er schließlich die 50 Prozent Marke. Und jetzt liegt er schon fast beim Doppelten der Vor-Kosmetik-Ära.
"Das", meint Darbre, "weist deutlich darauf hin, dass Kosmetikprodukte hier eine Rolle spielen." Sie tippte zunächst auf die Parabene. Schließlich aber fand sie einen anderen, noch deutlich aggressiveren Inhaltsstoff, den sie seit zwei Jahrzehnten erforscht und dazu viele Studien veröffentlicht hat. (Nähere Informationen dazu: siehe hier).


BfR gab Grünes Licht für Alu-Deos

Im krassen Gegensatz zu diesen Erkenntnissen gab das Deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung jedoch in seinen Publikationen stets grünes Licht für die Alu-Deos.

Hier eine der Entwarnungen des BfR im Wortlaut:
Die geschätzte Aufnahme über die Haut (dermale Resorption) liegt bei 0,01 % (21). (…) Ein Zusammenhang zwischen einer erhöhten Aluminiumaufnahme aus unterschiedlichen Quellen wie Lebensmitteln, Medikamenten oder kosmetischen Mitteln und einer Alzheimer Erkrankung wurde bisher wissenschaftlich nicht belegt. Nach Auffassung der Kosmetikkommission besteht kein Risiko durch eine Aluminiumaufnahme aus kosmetischen Mitteln speziell aus Deodorantien.
Vom wissenschaftlichen Gehalt machte die Risikobewertung des BfR den Eindruck eines recht beliebigen, nebenher verfassten Gutachtens. Die oben zitierte Aussage stützte sich auf wenige kleine Studien und berücksichtigte die neuere kritische Evidenz zum Thema Brustkrebs gar nicht.
Mehrfach wurde ich von Journalistenkollegen kontaktiert, welche im Zuge ihrer Recherchen beim BfR nachgefragt hatten und dort die Auskunft bekamen, Aluminium stelle keinerlei Gesundheitsgefahr dar. Ansgesprochen auf die Belege, die ich in meinem Buch "Dirty Little Secret - Die Akte Aluminium", sowie in meinen Filmen präsentiert habe, hieß es von Seiten der BfR-Sprecher: "An der Sache ist nichts dran." Hier würde bloß jemand (also ich) ohne jegliche Substanz Angst verbreiten.

Vor einigen Monaten aber stand auf der Webseite des BfR plötzlich die Mitteilung, dass die Frage der Sicherheit von Kosmetikprodukten - speziell auch wegen der vielen Anfragen zu Alu-Zusätzen - neu bewertet werde.

Nun wurden die neuen Erkenntnisse publiziert.

Zur Frage, ob Aluminiumhaltige Deos gesundheitsschädlich sind, erklären die BfR Experten  jetzt folgendes:
"Die geschätzte Aufnahme von Aluminium aus Antitranspirantien liegt möglicherweise im Bereich dessen, was von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit als duldbare wöchentliche Aufnahmemenge festgesetzt wurde. Da Aluminium auch aus anderen Quellen, wie beispielsweise Lebensmitteln, aufgenommen wird, könnte diese Menge bei einem Teil der Bevölkerung überschritten werden. Um eine zu hohe Aluminiumaufnahme zu verhindern, sollte ein übermäßiger Gebrauch von aluminiumhaltigen Antitranspirantien daher vermieden werden. Außerdem sollte nach der Rasur oder bei geschädigter Achselhaut ein Deodorant ohne Aluminiumsalze verwendet werden."
Das klingt immerhin nicht mehr ganz so sorglos, wie die letzte größere Erörterung dieser Problematik, wo es noch sinngemäß geheißen hatte, man brauche sich diesbezüglich überhaupt keine Gedanken machen.


Fiel das BfR auf Industrie-Expertise herein?

Das Protokoll zur 11. Sitzung der Kosmetik-Kommission, die im Mai 2013 (!) stattfand, wurde vor ein paar Tagen am 23. Januar 2014 veröffentlicht. Darin wird zum Tagesordnungspunkt Aluminium ein interessantes Faktum erwähnt. Dass nämlich bei einer der zurückliegenden Sitzungen des BfR (am 23. November 2011) ein Vertreter der Industrie anwesend war.
Zitat aus dem Bericht:
Damals stellte ein Vertreter der Industrie eine Expositionsberechnung vor, bei der sich unter der Annahme einer Penetrationsrate von 0,012 % eine systemische Expositionsdosis (SED) von 9 µg/Person/Tag bzw. 0,15 µg/kg KG ergab.
Damit, hatte der Industrievertreter der BfR-Kommission erklärt, liege das Risiko um das 200-fache unter dem Grenzwert. Also weit jenseits jeglicher Gefahr.
Der Vertreter bezog sich dabei auf eine Studie aus dem Jahr 2001, an der gerade einmal zwei Personen (!) teilgenommen hatten. Genau diese Studie (siehe oben:  21) wurde aber in den BfR Entscheidungen stets als wichtiger wissenschaftlicher Hinweis für die Harmlosigkeit der Alu-Deos genannt. 

Bei der aktuellen Sitzung des BfR war nun ein neuer Experte anwesend, von dem im Bericht keine Industrienähe gemeldet wird. 
Und siehe da, er kam nun zu gänzlich anderen Resultaten. Zitat aus dem Protokoll:
Ein Experte berichtet zum aktuellen Sachstand von Aluminium in kosmetischen Mitteln und stellt eine neue Expositionsberechnung nach Notes of Guidance vor. Aus einem neuen, nach OECD Richtlinie durchgeführten in vitro-Versuch ergaben sich Penetrationsraten in Abhängigkeit von der Formulierung zwischen 0,3 (für ein Roll-On) und 1,61 µg/cm2 (für ein Aerosol). Anhand dieser Penetrationsraten ergäben sich weitaus höhere systemische Einträge.
Demnach werde allein über Deos so viel Aluminium in den Körper aufgenommen, dass damit der Grenzwert der EU Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für die "tolerierbare wöchentliche Aufnahme" bereits erreicht werde. Also keine Rede mehr von einem 200-fachen Sicherheitsabstand.

Welchem Experten soll nun also vertraut werden, wenn die Resultate des einen um das 200-fache von jenen des anderen abweichen?

Daraus entspann sich im Plenum eine Diskussion, wo u.a. Kritik an den Mängeln der vorangegangenen - vom Industrie-Lobbyisten - vorgetragenen Studie aufkam. 
Der Bericht des BfR fasst den Abschluss der Debatte folgendermaßen zusammen:
Aufgrund der insgesamt schlechten Datenlage zum Thema dermale Penetration sei es schwer, eine vernünftige Expositionsbetrachtung zu machen. Es bestehe dringender Bedarf an einer OECD-konformen in vivo-Studie unter Anwendungsbedingungen.
Schließlich wird im Protokoll noch erwähnt, dass es zusätzlich zu den Deos mit dem Wirkstoff Aluminiumcholorohydrat noch eine Reihe weiterer Aluminium-haltiger Kosmetikprodukte gibt, welche die Gesamtlast erhöhen. Aufgezählt werden: 
Aluminiumfluorid in Zahnpasta, Aluminiumverbindungen in Lippenstift sowie Aluminium-beschichtetes Titandioxid in Sonnenschutzmitteln 
Jedenfalls, so endet der Bericht, "soll das Thema bei der nächsten BfR-Sitzung erneut diskutiert werden".

Wann denken Sie ist die nächste Sitzung?
Auch dies geht aus dem Protokoll hervor: Es ist der 7. November 2013.

Wir müssen also nur noch ein paar Monate warten, bis wir erfahren, welche neuen Schlüsse das BfR vor drei Monaten gezogen hat.

Das BfR beschäftigt 775 Mitarbeiter, davon mehr als 300 Wissenschaftler

PS: Auf der Homepage des BfR gibt es ein Übersichtspapier, welches Daten und Fakten zum BfR auflistet. Gegründet wurde das BfR im Jahr 2002 als Anstalt öffentlichen Rechts im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. 
Ziele des BfR sind laut Statut:
Das BfR versteht sich als Anwalt für den gesundheitlichen Verbraucherschutz. Sein Ziel ist es, gestützt auf seine Risikobewertungen den gesundheitlichen Verbraucherschutz zu stärken.
Etwas weiter oben hier im Artikel finden wir die Feststellung des BfR, dass "dringender Bedarf" bestehe an zuverlässigen Anwendungsstudien, um endlich mal die Frage zu klären, wie viel des toxischen Alu-Chlor-Gemisches über die Antitranspirantien nun tatsächlich in den Körper - und damit auch ins Brustgewebe - gelangt.

Hierzu noch ein Blick in die Aufgaben des BfR:
Das BfR hat den gesetzlichen Auftrag, Forschung zu betreiben, soweit diese in engem Bezug zu seinen Arbeitsschwerpunkten und Tätigkeiten steht und für die Wahrnehmung der gesetzlichen Aufgaben nötig ist.
Bleibt also die Frage, was die Hundertschaften des BfR (darunter mehr als 300 Wissenschaftler) aufhält, diesen dringenden Bedarf selbst zu stillen (und sich bei Bedarf fachkundige Experten zu Hilfe zu holen).

Nachdem sich damit hoffentlich zweifelsfrei klären lässt, wie viel Aluminium in die Haut geht, schließe ich mich gleich mit einer Inspiration für eine mögliche weitere Fragestellung an:

Hoch interessant wäre nämlich auch, was die reaktionsfreudigen und bekannt toxischen Aluminium-Ionen dann - nachdem sie die Haut durchdrungen haben - im Brustgewebe anrichten.
Hierzu gibt es bereits ausgiebig Literatur, welche ich den BfR-Experten (bei Bedarf) gerne zukommen lasse.