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Donnerstag, 20. Juni 2024

Das Keuchhusten Dilemma

Europa wird derzeit von einer Keuchhustenwelle mit Fallzahlen ähnlich jenen der Vor-Impf-Ära heimgesucht. Besonders extrem ist die Lage in Österreich, wo bis Mitte Juni rund 6.000 Fälle gemeldet wurden. Das sind mehr als doppelt so viele wie im gesamten Vorjahr, das auch bereits einen Rekord geliefert hatte. Anstatt endlich das Komplett-Versagen der aktuellen Impf-Politik einzugestehen, fordern Mediziner noch mehr Impfungen. 

Keuchhusten sind die einzige Alltags-relevante Krankheit der Sechsfach-Impfung
für Babys. Und ausgerechnet sie versagt vollständig (Foto: deepai.org)

In Österreich wurde die Keuchhusten-Impfung ab Einführung der Dreier-Kombination zusammen mit Diphtherie und Tetanus im Jahr 1964 zur damals häufigsten Impfung für Babys. Zur Basis-Immunisierung gehörten vier Impfdosen, die spätestens zu Beginn des 3. Lebensjahres abgeschlossen werden sollten. Die Impfquote war jedoch noch bis in die 70er Jahre bescheiden und lag deutlich unter 50%. Erwachsene wurden damals so gut wie gar nicht geimpft. 

Das änderte sich gewaltig. Zuletzt meldeten die Europäischen Länder für dieselben Impfungen Quoten von durchschnittlich 93% bei Kindern. Und auch die Erwachsenen sind zu mehr als 50% nach den offiziellen Empfehlungen geimpft. 

Und dennoch fällt der Vergleich mit der impf-freien Vergangenheit nicht wirklich günstig aus. Für das Jahr 1960 berichtete die Statistik Austria nämlich gerade mal 2.761 Keuchhusten Fälle, im Jahr 1970 waren es 1.438 Fälle, 1975 nur noch 388 Fälle. 

Dagegen wirken die 6.079 Fälle, die laut österreichischem Gesundheitsministerium bis Mitte Juni angefallen sind, wie eine ausgewachsene Epidemie. Wenn sich die Entwicklung so fort setzt, ergibt sich bis Jahresende ein Allzeit-Rekord, der die Sinnhaftigkeit der gesamten Impf-Kampagne in Frage stellt. 


Mehr Impfen - speziell auch in der Schwangerschaft

Die Expertinnen des heimischen Impfwesens sehen das jedoch anders und geben den Eltern der betroffenen Kinder die Schuld. Laut einem Bericht der europäischen Behörde ECDC hatte Österreich im Jahr 2022 mit 84% Beteiligung an der 3. Keuchhusten-Impfung die niedrigste Impfrate Europas. Die Medizinerin Maria Paulke-Korinek, Leiterin der Abteilung Impfwesen im Gesundheitsministerium, erklärte im Morgenjournal: "Wir sind immer schon impfskeptisch gewesen und am Beispiel der Keuchhustenimpfung sieht man nicht, dass das jetzt anders wäre." 

Auf den Einwand der Reporterin, dass die Eltern möglicherweise Sicherheitsbedenken haben, sagte Paulke-Korinek: "Die Keuchhusten Impfung ist eine richtig alte Impfung, die schon seit Jahrzehnten am Markt ist. Es gibt da keinerlei Bedenken, ganz im Gegenteil." 

Deshalb sollten sich alle an den Impfplan halten. Nach der Basis-Immunisierung mit 3 Impfungen folgt eine Auffrischung im Volksschulalter. Dann sollte alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Ab dem Alter von 60 Jahren ist alle fünf Jahre ein weiterer Booster fällig. Besonders wichtig, so Paulke-Korinek, sei die Impfung der Schwangeren, weil damit die Antikörper der Mutter auf das Baby übertragen würden. 

Tatsächlich zeigt z.B. eine 2020 publizierte Studie mit 700 Teilnehmerinnen, dass die schwangeren Frauen nach der Impfung hohe Antikörper-Titer entwickeln und das auch an die Babys weiter geben. Ob dies jedoch von Relevanz ist und die Kinder deshalb weniger an Keuchhusten erkranken, konnte nicht untersucht werden. Dafür wären deutlich mehr Teilnehmerinnen und eine längere Studiendauer notwendig gewesen. Ebenso für eine zuverlässige Bewertung der Sicherheit dieser Maßnahme, zumal in der Impfgruppe deutlich mehr Nebenwirkungen aufgetreten sind, als in der Kontrollgruppe, wo ein Placebo verabreicht wurde.

Auch Ursula Wiedermann-Schmidt, Mitglied des österreichischen Nationalen Impfgremiums sowie der deutschen Impfkommission STIKO, bestätigt im ORF-Interview eine "dramatische Situation".  Mit einer aktuellen Inzidenz von 30 Fällen pro 100.000 Bewohnern, so die Impfexpertin, "erreichen wir Werte, die wir hatten, bevor es überhaupt ein Impfprogramm gab." 

Als Ursachen für die Explosion der Keuchhustenfälle nennt sie die kurze Wirksamkeit der Impfung, deshalb sei es unbedingt notwendig, aufzufrischen. "Wir sehen aber, dass die 3. Impfung oftmals vergessen oder zu weit nach hinten verschoben wird. Das heißt, dass die Kinder frühzeitig ihren Schutz verlieren und die Kinder im Kindergarten oder der Volksschule eine Ansteckung bekommen." Wiedermann-Schmidt betonte abermals die Wichtigkeit der Impfung in der Schwangerschaft und kritisierte, dass sich 70% der Schwangeren trotz aller Aufrufe nicht impfen ließen. 


"Verschwörungen und Impfleugner haben Menschen verunsichert"

Einem einigermaßen kritischen Interviewer wäre zu diesem ganzen Schwall an Halb-Argumenten eventuell die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieser Impfung eingefallen, zumal sich der Anstieg der Keuchhusten ja nicht auf das angebliche "Impfmuffel-Land" Österreich beschränkt, sondern weltweit auftritt. ORF-Redakteur Rainer Hazivar fiel nichts dergleichen ein. Stattdessen betonte er abschließend, dass "Impfen das beste Mittel gegen Keuchhusten" ist. 

Einen ähnlichen Stil verfolgt auch der ORF Niederösterreich. Dort wird mit dem Vertrauens-Einbruch während der Corona-Pandemie argumentiert. Hier ein Ausschnitt:

Die Impfskepsis in der Bevölkerung hat sich seither massiv verstärkt, heißt es aus dem Büro von Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ). Demnach seien die Impflücken zuletzt größer geworden. „Die vielen Falschinformationen bis hin zu Verschwörungstheorien aus dem Eck der Impfleugner haben sich über die digitalen Kanäle wie ein Lauffeuer verbreitet und Menschen verunsichert“, so Königsberger-Ludwig. Krankheiten würden sich aber nur durch Impfungen ausrotten lassen.

Die Berichterstattung des ORF ist demnach ein hübsches Beispiel für den Echokammer-Effekt, bei dem sich Gleichgesinnte aus Politik, Wissenschaft und Medien gegenseitig ihre Vorurteile bestätigen. Deprimierend ist speziell der Wissensstand der Journalisten, bei denen man die Angst merkt, sich mit kritischen Fragen oder Kommentaren selbst angreifbar zu machen. Insofern ziehen es die meisten vor, den Sermon der Expertinnen hinzunehmen und jede geäußerte Meinung – und sei sie noch so schräg – als Fakt abzunicken. 


Keuchhusten-Impfung sorgt für Milliardenklagen

Dass die Keuchhusten Impfung seit jeher ein Problemkind des Impfwesens darstellt, erwähnte in der aktuellen Debatte niemand. Bei der ersten Keuchhusten-Impfung, die ab den 60er Jahren zur Anwendung kam, handelte es sich um ein relativ simples Impfkonzept: abgetötete Bakterien wurden mit Aluminiumverbindungen kombiniert und den Kindern verabreicht. Leider war dieser Impfstoff sehr unsicher. Es kam zu zahlreichen schweren Nebenwirkungen. In den USA wurden hunderte Strafverfahren mit einer Schadenssumme, die in die Milliarden ging, gegen die Impfstoff-Hersteller angestrengt. Einige stellten daraufhin die Produktion von Keuchhusten-Impfstoffen ein. Impfstoffe waren ein Niedrigpreis-Segment und für die Konzerne von geringer Bedeutung. Sie drohten damit, gar keine Impfstoffe mehr zu produzieren, wenn sie vor den Milliardenklagen nicht geschützt würden. Daraufhin knickte die US-Politik ein und erließ im Jahr 1986 ein Gesetz, das es seither verbietet, Impfstoff-Hersteller direkt zu klagen. Damit erlangte die Impfstoff-Industrie einen Sonderstatus und die Branche begann zu boomen. Immer mehr und immer teurere Impfungen machten den Impfbereich zu einer der wertvollsten Branchen im gesamten Pharma-Business. Unter den Top 20 umsatzstärksten Medikamenten weltweit rangieren mittlerweile auch zwei Impfstoffe. (Es handelt sich um die Pneumokokken-Impfung 'Prevenar' von Pfizer sowie die HPV Impfung 'Gardasil' von Merck.)


Deutschland macht 16 Jahre Impfpause

Einen anderen Weg ging Deutschland, wo ebenfalls beträchtliche Probleme der Keuchhusten-Impfung registriert wurden, zumindest in Westdeutschland. Während in der DDR eine Impfpflicht galt, setzte die BRD von 1975 bis 1991 die Impfempfehlung für Keuchhusten gänzlich aus. Die Ständige Impfkommission STIKO (!) lieferte dafür eine ausführliche Begründung. Zum einen gäbe es bei Keuchhusten einen starken Zusammenhang zwischen Komplikationen und sozialer Lage. Der entscheidende Rückgang der Todesfälle sei - dank besserer Hygiene und in Abwesenheit von Elend und Krieg - bereits vor der Einführung der Impfungen passiert. Die Impfung sei außerdem kein Garant für Schutz, ihre Wirkdauer zu kurz. 

Der Vergleich zwischen Ländern, in denen geimpft wurde und impfskeptischen Ländern wie der BRD, Japan, England, Schweden oder Russland ergab kaum Unterschiede. Dennoch führte Deutschland nach der Wiedervereinigung die Keuchhusten-Empfehlung wieder ein. 


Sicher, aber unwirksam

Ab 1995 lieferten die Impfstoff-Hersteller auf vielfachen Wunsch der Behörden endlich eine neue verträglichere Impfung. Sie enthielt nun keine Keuchhusten-Bakterien mehr sondern nur noch verschiedene Oberflächen-Proteine. Anfangs waren alle begeistert von dieser azellulären Impfung, da sie tatsächlich wesentlich verträglicher war. Mit den Jahren zeigte sich allerdings die Schwachstelle in der Wirksamkeit, die immer deutlicher hervor trat. Die Behörden begegneten dem Problem mit einer Ausweitung der Impfdosen. Zuerst wurde im Jahr 2000 eine Auffrischung im Teenager-Alter eingeführt. 2006 kam eine weitere Auffrischung zum Schulbeginn dazu. Genutzt hat es jedoch wenig. Seit 2010 steigen die Fallzahlen kontinuierlich an. Und zwar weltweit. Es gibt zahlreiche Studien über Keuchhusten-Ausbrüche an Schulen, bei denen 100% der betroffenen Kinder vollständig geimpft waren. 

Nun läuft die Krankheit wieder so ab wie in der Vorimpf-Ära, schreiben Benjamin M. Althouse und Samuel Scarpino vom Santa Fe Institute in New Mexico. "Damals zog etwa alle vier Jahre eine kräftige Keuchhusten-Welle durchs Land." Besorgniserregend sei, dass vor allem die Geimpften heute die Treiber der Infektion sind, erklärten die  US-Wissenschaftler. 

Warum dies so ist, zeigte ein Experiment mit Pavianen, welche einen ähnlichen Krankheitsverlauf wie Menschen haben, allerdings nur kurz und unkompliziert erkranken. Nach durchgemachter Infektion hatten die Tiere eine starke Immunität und die Bakterien wurden unschädlich gemacht. Anders war es bei geimpften Tieren. Nach der alten Ganzzell-Impfung dauerte es 20 Tage, bis die Infektion abgewehrt war. Bei der azellulären neuen Impfung wurden zwar die Symptome etwas abgeschwächt, doch die Bakterien konnten sich über 42 Tage ansiedeln und die Atemwege kolonisieren. Geimpfte blieben damit über lange Zeit aktive Überträger der Bakterien, länger als Ungeimpfte. 

Es wäre demnächst höchste Zeit, diese großteils unwirksame Tot-Impfung vom Markt zu nehmen, bis es eine sinnvolle Alternative gibt. Tatsächlich gibt es viel versprechende Versuche mit dem Konzept einer Lebendimpfung, bei der abgeschwächte Keuchhusten-Bakterien mittels Spray in die Nase gesprüht werden. Sie war gut wirksam und sicher. Im Tierversuch zeigten sich sogar positive unspezifische Effekte auf das Immunsystem, wie sie auch von anderen Lebendimpfungen bekannt sind. Doch weil die großen Konzerne wenig Ambition zeigten, die teuren Zulassungsstudien zu finanzieren, gab es hier jahrelange Verzögerungen. 

Solange Behörden und Impfexperten die Schuldigen nur bei den Impfmuffeln sehen und ständig neue Auffrischungen der problematischen Impfung in die Impfpläne drücken, werden die Hersteller wenig Anreiz verspüren, endlich aktiv zu werden und in sinnvolle Innovationen zu investieren. 


PS: Mein neues Buch "Was Sie schon immer über das Impfen wissen wollten" habe ich geschrieben, um im Dschungel des Impfwesens Orientierung zu geben und wichtige Fakten für eine informierte Entscheidungsfindung zu liefern. 

Wenn Ihnen mein Blog interessant und wichtig erscheint, freue ich mich sehr über eine Spende, die meine Arbeit unterstützt.




Informationen zu Bert Ehgartners aktuellem Film "Unter die Haut" findet Ihr auf der Webseite zum Film. 
Wer an einem Interview, einem Vortrag oder einer Filmvorführung mit Bert Ehgartner interessiert ist, findet alle Informationen zu den Angeboten auf seiner Homepage. Eine Übersicht zu den aktuellen öffentlichen Auftritten, Vorträgen oder Filmvorführungen finden sich hier. 

Freitag, 26. Juni 2015

Keuchhusten: Cocooning Strategie gescheitert

Derzeit treten international so viele Fälle von Keuchhusten auf, wie schon seit langer Zeit nicht. In den USA muss man bis in die 50er Jahre zurück gehen, um auf ähnliche Zahlen zu kommen. In Großbritannien kommt man auf Fallzahlen wie zuletzt in der impffreien Zeit der 70er und 80er Jahre. 

Kind mit Keuchhusten (Foto: CDC)
Eine jetzt im Journal BMC-Medicine veröffentlichte Studie von Benjamin M. Althouse und Samuel V. Scarpino, zwei Wissenschaftlern des Santa Fe Institute in New Mexico untersuchte mehrere mögliche Erklärungen für diesen rasanten Anstieg:
  • Die Immunität nach Impfung verschwindet noch rascher als befürchtet. 
  • Die Impfrate ist gesunken 
  • Die Bakterien haben sich verändert, sind entweder mutiert - oder haben anderen Stämmen Platz gemacht, welche durch die Impfung nicht erfasst werden 
 Gesunken ist die Impfrate nicht. Auch die Auslöser der Krankheit scheinen sich nicht wesentlich verändert zu haben. Und dass die Immunität rascher als gedacht verschwindet, ist ein Faktum. Jugendliche, die seit dem Babyalter alle empfohlenen Keuchhusten-Impfungen erhalten haben, kommen kurz nach der letzten Impfung auf einen Spitzenwert von knapp über 70 Prozent Wirksamkeit, der binnen zwei bis vier Jahren auf eine Schutzraten von 34 Prozent abfällt. Dies ergab die Analyse von aktuellen Ausbrüchen in den USA. Doch dieses Phänomen allein kann die hohen Fallzahlen in vollständig geimpften Populationen nicht erklären.  

Am wahrscheinlichsten ist nach Ansicht der Studienautoren ein vierter Erklärungsansatz: Geimpfte mit aufrechtem Schutz erkranken zwar seltener, doch sie übertragen die Keuchhusten-Bakterien in einem Ausmaß, das man bisher nicht für möglich gehalten hatte.
Als Beleg nennen die Autoren eine Reihe von Beobachtungen, welche den Schluss nahe legen, dass die Ansteckungsgefahr heute vor allem von Geimpften ausgeht. Schuld daran seien die seit mehr als zehn Jahren verwendeten "azellulären" Impfstoffe, die offenbar deutlich schlechter wirken als ihre Vorgänger.
Die aktuellen Impfstoffe enthalten als Wirkstoff nicht mehr die abgetöteten Bakterien, so wie die alten "Ganzzell-Impfstoffe", sondern nur noch Teile der Oberfläche der Keuchhusten-Bakterien.
Der Wechsel war notwendig geworden, weil die alten Impfstoffe im Verdacht schwerer Nebenwirkungen - wie etwa Gehirnentzündungen - standen. Sie wurden in mehreren Ländern Europas vom Markt genommen, bzw. die Impfempfehlungen ausgesetzt. In Deutschland war die Keuchhusten-Impfung beispielsweise 17 Jahre lang nicht empfohlen. Die modernen azellulären Impfstoffe gelten als verträglicher, doch offenbar sind sie auch weniger wirksam.

Die Wissenschaftler zeigten in ihrer Arbeit unter anderem, dass wir uns seit dem Wechsel der Impfstoffe wieder dem Muster annähern, wie Keuchhusten in der Vor-Impf-Ära aufgetreten ist. Etwa alle vier Jahre zog damals - und zieht auch heute wieder - eine Keuchhusten-Welle durch.

Auch die Cocooning-Strategie (Impfung des Umfeldes: Eltern, Geschwister,…) z.B. zum Schutz ungeimpfter Kinder, Neugeborener, etc. ist - wie die Autoren schreiben - "vielfach gescheitert".

Die Wissenschaftler setzen ihre Hoffnung nun auf neue bessere Impfstoffe. Inzwischen, schlagen sie vor, könnte man - zumindest für die erste Impfdosis - wieder zu den alten Ganzzell-Impfstoffen zurück kehren.
Für impfkritische Eltern wird - angesichts dieser Informationen – die Möglichkeit attraktiver ganz auf die Keuchhusten-Impfung zu verzichten.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, würden 
wir uns über einen kleinen Beitrag zu unserer Arbeit sehr freuen. 

Freitag, 13. April 2012

Keuchhusten: Impfschutz schwindet rasch

Die Analyse eines Keuchhusten-Ausbruchs in den USA zeigt, dass der Schutz durch die Impfung schneller schwindet, als bisher gedacht. Anstatt Ursachenforschung zu betreiben, fordern Impfexperten nun häufigere Auffrischungen. 



Einige Krankheiten vor denen die Sechsfachimpfung schützt (z.B. Diphtherie, Polio), sind so selten, dass ein Flugzeug-Absturz in den eigenen Vorgarten vergleichsweise wahrscheinlicher ist. Andere Krankheiten (z.B. Hepatitis B) mit bestimmtem Risikoverhalten oder besonders elenden Lebensbedingungen verbunden. Die Infektion mit Keuchhusten-Bakterien ist im Vergleich dazu relativ häufig, spezielle Risikofaktoren sind nicht bekannt. Es kann jeden treffen und speziell für Babys im ersten Lebensjahr ist das mitunter lebensgefährlich.

Nun ist seit langem bekannt, dass die Impfung erst recht langsam den nötigen Immunschutz aufbaut. Erst mit der letzten Teilimpfung, die rund um den ersten Geburtstag gegeben wird, erreicht sie eine Schutzrate von mehr als 90 Prozent.
Wenn die Impfung erst im zweiten Lebensjahr eine gute Wirksamkeit erreicht, so eignet sie sich wenig, Spitalseinweisungen, Komplikationen und Todesfälle während der schwierigsten Zeit - in den ersten zwölf Monaten - zu vermeiden.

Nun zeigte die genaue Analyse eines großen Keuchhusten-Ausbruchs in den USA, dass die Wirkung der Impfung auch deutlich kürzer anhält, als bisher angenommen wurde. In der Altersgruppe von 2 bis 7 Jahren liegt die Schutzrate demnach bei 41%, im Alter von 8 bis 12 Jahren (wo die meisten Fälle auftraten) bei katastrophalen 24% und erst mit den Auffrischungsimpfungen in der Schule steigt die Schutzrate in der Gruppe der 13 bis 18 jährigen wieder auf 78%.

Diese Daten stammen "aus dem Leben" und nicht aus dem relativ künstlichen Umfeld einer von den Herstellern kontrollierten Zulassungs-Studie. Und wenn Impfexperten verlautbaren, dass die Keuchhusten-Impfung generell eine Schutzwirkung von "deutlich über 90 Prozent" habe, so wissen wir nun, dass diese Angabe bestenfalls für die Zeit kurz nach der Impfung gilt.


Konsequenz: "Mehr impfen!"

Die Autoren der US-Studie empfehlen als Konsequenz aus diesen Ergebnissen, den Impfplan zu überprüfen und häufiger gegen Keuchhusten zu impfen. Auch in der EU raten Impfexperten zu zusätzlichen Auffrischungs-Impfungen.
Nun werden in den USA bis zum 18. Lebensjahr aber bereits sechs Keuchhusten-Impfungen empfohlen. In Deutschland und Österreich stehen fünf auf den Impfplänen. Zudem gilt seit kurzem für Erwachsene die Empfehlung, die Impfung alle fünf Jahre aufzufrischen.
Eine Solo-Keuhhusten-Impfung wird derzeit jedoch gar nicht angeboten. Wer die Empfehlung befolgen möchte, muss die Dreierkombi (mit Diphtherie und Tetanus) oder die Viererkombi (inkl. Polio) kaufen. Und da scheuen sogar besonders impffreudige Menschen zurück, weil bei Diphtherie und Tetanus ein zu kurzer Abstand zwischen den Auffrischungen das Risiko unangenehmer Nebenwirkungen erhöht.

Ein interessanter Aspekt ergibt sich durch die Aussage des Leiters der erwähnten US-Studie David Witt in einem Artikel der Agentur Reuters. Dort heißt es:
In early 2010, a spike in cases appeared at Kaiser Permanente in San Rafael, and it was soon determined to be an outbreak of whooping cough -- the largest seen in California in more than 50 years. Witt had expected to see the illnesses center around unvaccinated kids, knowing they are more vulnerable to the disease. "We started dissecting the data. What was very surprising was the majority of cases were in fully vaccinated children. That's what started catching our attention," said Witt.

Besonders überrascht war Witt also, dass die Mehrzahl der Fälle in voll geimpften Kindern aufgetreten sind, und nicht, so wie von ihm erwartet, bei nur unvollständig oder gar nicht geimpften Kindern.
Demnach stellt sich die Frage, ob die vielmalige Impfung der Kinder möglicherweise den Aufbau eines nachhaltigen Immunschutzes vielleicht sogar behindert.


Als die Keuchhusten-Impfung verbannt war

Die meisten Menschen, die mit den Pertussis-Bakterien in Kontakt kommen, scheinen nicht - oder nur sehr leicht zu erkranken. Dies zeigte sich, als von den 70er bis in die 90er Jahre in einigen Ländern - wie etwa Deutschland, Japan, England, Schweden und Russland über einen längeren Zeitraum nicht gegen Keuchhusten geimpft wurde. Grund für die Maßnahme waren heftige öffentliche Diskussionen über gemeldete schwere Nebenwirkungen nach Pertussis-Impfung und der Verdacht, dass die damalige Ganzzell-Impfung vermehrt Gehirnentzündungen auslösen könnte.
Die Industrie reagierte und entwickelte besser verträgliche azelluläre Impfstoffe gegen Keuchhusten. In der Zwischenzeit war die öffentliche Stimmung umgeschlagen. Die Presse schrieb nun nicht mehr über Nebenwirkungen, sondern über Keuchhusten-Ausbrüche.
Und der Reihe nach nahmen fast alle Länder die neue azelluläre Impfung wieder in ihre nationalen Impfpläne auf.

Die impffreie Zeit unterschied sich in den Ländern beträchtlich, betrug beispielsweise in Japan cirka sieben, in (West-) Deutschland sogar 17 Jahre.
In dieser Zeit kam es zwar vermehrt zu Ausbrüchen von Keuchhusten. Dennoch stieg die Inzidenz - laut Robert Koch Institut - aber im schlimmsten Jahr gerade mal auf 0,16 Prozent an (160 Fälle auf 100.000 Einwohner).
In den russischen Statistiken ist während der impffreien Zeit zwar ein größeres Auf und Ab bei den Fällen - im Schnitt aber kaum ein Anstieg zu erkennen. In Japan war der Zenit bei Keuchhusten bei einer Inzidenz von rund 0,01 Prozent erreicht, um danach wieder deutlich abzufallen.
Und obwohl sicherlich zahlreiche Keuchhusten-Fällen von den Ärzten übersehen und nicht gemeldet wurden - die Dunkelziffer also wohl beträchtlich ist - war von einer massenhaften Ausbreitung der Krankheit wenig zu merken.  Wie die Krankheits-Zahlen zeigen, erkrankte nur ein Bruchteil der Menschen an Keuchhusten. Ganz im Gegensatz beispielsweise zu den Windpocken, die ungeimpft fast jedes Kind durchmacht.

Es muss also Schutzfaktoren vor Keuchhusten geben, wenn die Infektion vom Immunsystem der meisten Menschen problemlos abgewehrt wird oder so wenig Symptome verursacht, dass niemand an Keuchhusten denkt.

Mich würde brennend eine gute wissenschaftliche Aufarbeitung jener impffreien Jahre interessieren. Die meisten Publikationen, die mir dazu bekannt sind, widmeten sich lediglich der Zunahme an Keuchhusten-Fällen und forderten mit kaum verhohlener Empörung die Wieder-Einführung der Impfung.
Was aber ist mit den Verdachtsfällen bezüglich der Gehirnentzündungen? - Hat sich das bestätigt?
Wie hat sich die Impfpause sonst ausgewirkt?
Gab es auffällige Gemeinsamkeiten bei jener Minderheit der Kinder und Erwachsenen, die an Keuchhusten erkrankten?
Was könnten hier Schutz- was könnten Risikofaktoren sein?

Und wer ist nun im Lauf des Lebens besser vor Keuchhusten geschützt:
Ungeimpfte Kinder, welche die Infektion unauffällig - mit leichtem Husten - durch gemacht haben, oder geimpfte Kinder, bei denen der Impfschutz nachgelassen hat oder gänzlich verschwunden ist?

Das wären alles interessante Fragen für neugierige Gesundheitswissenschafter.

Status Quo ist allerdings, dass niemand irgend einen Handlungsbedarf sieht, "weil es eh eine Impfung gibt."
Nur ab und zu zeigt eine wissenschaftliche Arbeit, wie trügerisch dieser Schutz ist und wie wenig wir in Wahrheit über diese Krankheit wissen.

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