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Montag, 16. Dezember 2019

Alu-Deos: "Zeit-online" gibt Entwarnung

Keine Alu-Deos benutzen, rät das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung in einer aktuellen Aussendung. Es sei nicht ausgeschlossen, dass sie krank machen. "Experten widersprechen", schreiben die beiden Zeit-online Journalisten Hinnerk Feldwisch-Drentrup und Jakob Simmank - und blasen in ihrem Artikel gleich auch zur Jagd auf kritische Forscher.


Wie problematisch sind Aluminiumverbindungen wirklich?
Ich geb's ja zu, dass ich eine gewisse Mitschuld trage, dass heute die meisten Deos im Drogeriemarkt den Aufdruck "Aluminium-frei" tragen. Bevor im Jahr 2013 meine Doku "Die Akte Aluminium" auf ARTE lief - war das Verhältnis noch genau umgekehrt: da musste man nachfragen, wo die paar Öko-Deos stehen, die auch damals schon ohne Aluminiumchlorohydrat oder ähnliche Inhaltsstoffe auskamen.
Im Film porträtiere ich einige Wissenschaftler, die gesundheitsschädigende Effekte der Aufnahme von Aluminium in den Körper befürchten und dafür eine Reihe von Indizien präsentierten.
Die britische Onkologin Philippa Darbre zeigte beispielsweise, dass der Anteil der Tumoren, die im äußeren oberen Quadranten der weiblichen Brust (neben den Achseln) diagnostiziert werden, seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts massiv zugenommen haben. Während in der Zeit vor der massenhaften Verwendung von Aluminium-Deos gerade 30 Prozent der Tumoren in dieser Region auftraten, stieg der Anteil im Lauf der Jahrzehnte nahezu linear an und lag zuletzt bei 60 Prozent.

Eine Studie der Universität Innsbruck fand, dass im Gewebe Brustkrebs-kranker Frauen im Schnitt mehr als doppelt so viel Aluminium enthalten ist als im Gewebe einer Vergleichsgruppe gesunder Frauen, die sich einer Brust-Verkleinerung unterzogen haben.

Japanische Wissenschaftler beschreiben, dass bereits rund 200 biochemische Abläufe im menschlichen Körper entdeckt wurden, die von Aluminium negativ beeinflusst werden.

Eine einzige sinnvolle Funktion von Aluminium in einem gesunden Organismus wurde hingegen bisher noch nicht entdeckt.


Warnung der Behörden

Mitte November 2019 hat das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ebenfalls eine eindringliche Warnung veröffentlicht, solche Alu-Deos und andere Kosmetikprodukte möglichst zu meiden. Denn "es sei nicht auszuschließen, dass sie krank machen".
Zwei Reporter von "Zeit online" ärgerten sich offenbar maßlos über diese amtliche Warnung und kündigen im Vorspann ihres Artikels an: "Experten widersprechen."
Als Kronzeuge für die Entwarnung wird vor allem der Umweltmediziner Hans Drexler genannt. Er hat in einer Studie 21 gesunde Personen gebeten, 14 Tage lang Alu-Deos zu verwenden. Dann wurden Alu-Werte in Harn und Plasma gemessen - und mit den Werten vor dem Versuch verglichen.
In den "Conclusions" der Studie liest man: "No measurable contribution to the overall systemically available aluminum load due to daily use of an antiperspirant for 14 days could be shown, but real-life data concerning long-term use or higher concentrations are still lacking."
Was heißt das nun?
Zum einen ist es gar nicht so beruhigend, wenn Aluminium nicht ausgeschieden wird. Denn möglicherweise ist es im Gewebe gebunden. Zum anderen - so betonen auch Drexler und seine Mitarbeiter - fehlen Studien die über einen Zeitraum von 14 Tagen hinaus gehen.


Keine Forschungsförderung  für kritische Fragestellungen

Was aber machen die Zeit-Autoren? Anstatt bessere Studien zu fordern, die diese Frage sorgfältiger prüfen, attackieren sie jene, die - dem Vorsorgeprinzip entsprechend - vor dem durchaus vermeidbaren Risiko warnen.
Dabei wird gleich auch massiv verleumdet.
Besonders wurmt die Autoren, dass das BfR in seiner Warnung Studien des Aluminium-Experten Chris Exley - zitiert, der sich an der britischen Keele-University seit bald 40 Jahren der Erforschung des Metalls widmet. Exley sei "radikal" und "isoliert" - und als wichtigstes Argument: er wird von Impfgegnern unterstützt.

Tatsächlich wird es für Exley seit etwa 20 Jahren zunehmend schwieriger öffentliche Förderungsgelder zu generieren. Während es in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts noch einige Dutzend akademische Teams gab, die sich der Erforschung der gesundheitlichen Auswirkung des Einsatzes von Aluminiumverbindungen in sensiblen Lebensbereichen widmeten, sind inzwischen kaum noch welche übrig. Dem ging eine massive Lobbying-Offensive der Industrie voraus, in der ein gesundheitlicher Schaden durch Alu-haltige Inhaltsstoffe bestritten - und Alu-kritische Forschung als vollständig unnötig und als "Geldverschwendung" attackiert wurde.

Im Lauf der Jahre gelang es damit tatsächlich, die Forschungsgelder umzulenken und den ungeliebten Fachbereich auszutrocknen. Auch in Keele wurde das Umfeld zunehmend feindlicher. "Sobald in einem Forschungsantrag Aluminium in einem kritischen Zusammenhang genannt wird, kann man nahezu sicher sein, dass die Förderung abgelehnt wird", sagte mir Exley schon vor Jahren.


Wer darf unabhängige Forschung finanzieren?

Niemand kommt normalerweise auf die Idee, einen Wissenschaftler oder dessen Studien von vornherein zu disqualifizieren, weil der Finanzier und Auftraggeber der Studie ein Pharmakonzern war. Denn dann müsste der Großteil der klinischen Studien für ungültig erklärt werden.
Dabei kontrollieren sie penibel den Fortgang der Projekte, zwingen die teilnehmenden Wissenschaftler vertraglich zum absoluten Stillschweigen und entscheiden schließlich, ob die Resultate für eine Veröffentlichung taugen. Ergeben die Studien nicht die gewünschten Resultate, wird häufig mit Hilfe von Experten so lange am Design der Arbeit geschraubt, bis die Zulassungsbehörden zufrieden sind. Kaum jemand kritisiert diese Zustände.
Sogar Konzerne, die in Betrugsverfahren verwickelt waren und Milliarden an Entschädigungszahlungen für geschädigte Patienten oder deren Angehörige zahlen mussten, finanzieren munter weiter Studien, um ihre neuen Produkte auf den Markt zu bringen.

Doch was passiert, wenn das Geld aus privaten Quellen kommt? z.B. von reichen Philanthropen, die eine Industrie-unabhängige Forschung ermöglichen wollen?
Oder von den Eltern chronisch kranker Kinder, die frustriert vom auf Symptom-Linderung beschränkten Medizinbetrieb Geld sammeln, um die Forschung nach tatsächlichen Heilmitteln zu unterstützen?

Um überhaupt noch forschen zu können, griff Exley auf die Hilfe solcher nicht-akademischer Fördermittel zurück. Speziell das Childrens Medical Safety Research Institute wurde ein wichtiger Geldgeber. Diese Organisation widmet sich besonders der Erforschung der Wirkungsweise von Impfungen auf das Immunsystem.
Chris Exley, alles andere als ein Impfgegner, widmete sich den aluminium-haltigen Adjuvantien und publizierte dazu eine Reihe von Arbeiten.

Und damit geriet Exley gleich ins Schützenfeuer der so genannten "Skeptiker", die überall Verschwörung und Esoterik vermuten, wo z.B. Impfungen einer kritischen Untersuchung unterzogen werden. Denn ja, Alu-Verbindungen werden in etwa zwei Drittel aller Impfungen als Wirkverstärker eingesetzt. Doch nach Ansicht vieler Journalisten und "Experten" genießen Impfungen im Bereich der Medizin einen Sonderstatus: Sie dürfen keinesfalls einer kritischen öffentlichen Diskussion ausgesetzt werden, weil damit die "Impffreudigkeit der Bevölkerung" gefährdet werden könnte - wie das einmal ein Direktor des Paul-Ehrlich-Institutes mir gegenüber so schön formuliert hat.

Ich hab diese bodenlose Schwarz-Weiß Malerei, deren Ziel offenbar ein rigoroses Diskussionsverbot ist, sowas von satt.
Sollte sich eines Tages heraus stellen, dass von diesen Alu-Zusätzen tatsächlich ein relevantes Gesundheitsrisiko ausgeht, so trägt dieser elende Meinungs-Journalismus, der ohne jegliche Scham zur Hexenjagd auf kritische Wissenschaftler bläst, kräftig Mitschuld daran, dass viele Jahre Forschungsarbeit verloren gehen und unzählige Menschenleben gefährdet wurden.

Zu den vielen offenen Fragen bzgl. der Sicherheit von Aluminium verweise ich auf diesen reich verlinkten aktuellen Blog-Beitrag von Chris Exley.

Dienstag, 27. Juni 2017

Drei Forderungen an die Gesundheitspolitik

Bei Diskussionen im Gesundheitsbereich geht es meist um lange Wartezeiten, Gangbetten, Zwei-Klassen Medizin oder die Interessen der Ärzteschaft. Fast alle Anliegen, die öffentlich transportiert werden, haben im Hintergrund Lobbys, die sich Vorteile erhoffen. Die Patientenanwälte kommen oft erst zum Zug, wenn es bereits zu spät ist. Wir brauchen endlich Gesundheitsbehörden, die offensiv und wirksam für den Schutz der Bevölkerung eintreten und die zahlreichen gefährlichen und unnützen "Angebote" im Medizinsystem kontrollieren.
Hier drei Forderungen, die seltsamerweise von keiner Partei bisher aufgegriffen wurden:


Bild: N-Media-Images – Fotolia.com


1.) Behörden sollten der Bevölkerung verpflichtet sein und Interessenskonflikte meiden

Gesundheitspolitik, Behörden und deren Berater müssen aus der Umklammerung und finanziellen Obsorge der pharmazeutischen Industrie befreit werden.
Es muss klar sein, dass Arzneimittelzulassung nach den Kriterien der strengst möglichen Kontrolle auf Sicherheit zu erfolgen hat und die Führungsriege der Behörde nicht Angst haben soll, dass private Interessen der Geldgeber aus der pharmazeutischen Industrie zu negativen Sanktionen führen, wenn die Behörden in ihrer Kontrollfunktion unbequem werden. Derzeit jedoch werden sowohl internationale Behörden (z.B. EMA, WHO) als auch nationale Arzneimittelbehörden zu einem beträchtlichen Teil aus Mitteln der pharmazeutischen Industrie bezahlt.

Was bedeutet dies? - Vor allem, dass die Behörde "bequem" gehalten wird. Dass der Geldgeber mitredet, wenn es um Karriereplanung geht, ist – zumindest hinter den Kulissen – selbstverständlich. Und deshalb werden jene Karriere machen, die von Haus aus konfliktscheu und Industrie-freundlich sind – oder sich durch "Wohlverhalten" schon einen lukrativen Job auf der Gegenseite reservieren.

Überall werden nach wie vor Public-Private-Partnerships eingefordert. Behörden sind oftmals gezwungen, sich Sponsoren aus der Industrie zu suchen, um Projekte umsetzen zu können. Dies führt zu absurden Interessenskonflikten. (z.B. wenn die Token Studie des Robert Koch Institut die Aufgabe hat, die Sicherheit der Kinderimpfstoffe zu untersuchen - und diese Studie ausgerechnet von den Herstellern dieser Impfstoffe finanziert wird, welche sich vertraglich ein Mitspracherecht bei der Bewertung der Studienergebnisse zusichern lassen.)

Dasselbe Problem tritt im Bereich der universitären Forschung auf, aus deren Führungskräften sich die Berater der Behörden rekrutieren. Diese Führungskräfte sind an der Universität dazu gezwungen in allen Bereichen für die Wirtschaft zu arbeiten. Und bringen demnach unzählige Interessenskonflikte in ihre Beratungstätigkeit ein.

Im Gesundheitsbereich werden derartige Kooperationen und Verflechtungen jedoch für schlau gehalten, "weil sich das Gemeinwesen Geld spart.“ Eine ebenso naive wie grundfalsche Annahme!


2.) Unabhängige Kontrollen - Orientierung am Rechnungshof

Hauptaufgabe der Behörden wäre es, für die Sicherheit der Bevölkerung einzustehen und in allen Bereichen der Medizin die aufgestellten Behauptungen der großen Player im System nachzuprüfen. Egal ob es sich um die behauptete Wirkung und Sicherheit von Medikamenten handelt, den behaupteten Nutzen von Grenzwerten und Untersuchungen oder die vielen Ideen der Ärztekammer-Vertreter. Überall, wo berechtigte Zweifel auftreten, sollte es den Behörden möglich sein, zu prüfen.

Die Rolle der Gesundheitsbehörden sollte sich mehr an jener des Rechnungshofes in Wirtschaftsbelangen orientieren als an jener des freundlichen Durchwinkens neuer Medikamente und der Promotion von Impfstoffen und Vorsorgeuntersuchungen.
Und dort, wo Zweifel an den vorgelegten Studien bestehen, braucht es ein öffentlich finanziertes Budget für unabhängige wissenschaftliche Forschung.

Etwa 50 Prozent der zugelassenen Arzneimittel sind nie ordentlich auf ihre Sicherheit und Wirksamkeit geprüft worden. Kritische Pharmazeuten schätzen den Anteil an kontraproduktiven Therapeutika auf etwa ein Drittel. Dazu kommen die extrem teuren neuen Arzneimittel, speziell in der Krebstherapie. Sie werden auf Basis von Studien zugelassen, die von den Herstellerfirmen in einem schwer überschaubaren Prozess von vorne bis hinten kontrolliert wurden. Stimmt der darin ermittelte – meist ohnehin nur geringe durchschnittliche Lebenszeitgewinn überhaupt?  Oder bringt die Therapie den sterbenden Patienten wenig und trägt stattdessen zum vollständigen Verlust der verbliebenen Lebensqualität bei?

Unabhängige "Kontroll-Studien" könnten dem Gemeinwohl helfen, ein Vielfaches der Studienkosten hereinzubringen und würden zudem die Bevölkerung schützen.

Diese Forderung sollte vorrangig auf Ebene der EU umgesetzt werden.
Falls das über die mächtigen Lobbys verhindert wird, so eben auf nationaler Basis - oder im Zusammenschluss mehrerer Länder.


3. a) Behörden die Impfungen oder Screening-Programme empfehlen, sollen nicht gleichzeitig den Erfolg ihrer Empfehlungen kontrollieren

Im Bereich der Prävention sollte es zudem eine strenge Trennung geben zwischen den Behörden, die Impfpläne oder Früherkennungs-Programme erstellen - und einer unabhängigen Kontrollinstanz, welche mögliche unerwünschte Folgen sammeln und wissenschaftlich objektiv beurteilt.
Derzeit gibt es diese Trennung nicht: Die Behörden sind alles in einer Instanz.

Im Wirtschaftsbereich ist es klar, dass Interessenskonflikte ein „No Go!“ darstellen und sich der zu Kontrollierende nicht selbst kontrollieren soll. Hier jedoch erwartet man plötzlich Wunder an Zivilcourage. Wunder, die nicht passieren.

Die Vorsorgeuntersuchungen und Früherkennungs-Screenings sind stets genannte Positivbeispiele der Gesundheitsförderung. In Wahrheit umfassen die Programme eine ganze Reihe von Maßnahmen, die wenig evidenzbasiert sind, sondern ihre Klientel im Medizinsystem mit Aufträgen füttern.

  • Wer entrümpelt die Vorsorgeuntersuchung von unnötigen Tests?
  • Wer sorgt dafür, dass die im Übermaß erhobenen Daten endlich zusammen geführt und wissenschaftlich objektiv ausgewertet werden können?
  • Warum kopieren wir nicht das erfolgreiche Screening Programm der Finnen zur Früherkennung des Zervix-Karzinoms, anstatt windige Labors für fragwürdige Expertisen zu bezahlen, welche zu tausenden unnötigen Eingriffen Anlass geben?


Chaotische Zustände bestehen im Bereich des Impfens. Ständig neu entwickelte Impfungen wurden auf Basis zweifelhafter Studien zugelassen und von extrem aggressiven Lobbys in die Impfpläne der Industriestaaten gedrückt.
Die Kinder bekommen heute dreimal so viele Impfungen wie noch in den 1980er Jahren.

In einem vernünftig organisierten Gesundheitssystem müsste es möglich sein, die Auswirkungen dieser Impfungen mit einfachen statistischen Methoden zu erfassen und zu bewerten.

  • Erfüllen die Impfungen die in sie gesetzten Erwartungen?
  • Stimmen die in den Zulassungsstudien ermittelten Risiken?
  • Wie unterscheidet sich der Gesundheitszustand Geimpfter von jenem der Ungeimpften?


Die Beantwortung derartiger Fragen ist nicht möglich, weil es kein Impfregister gibt, das mit den sonstigen Gesundheitsdaten verknüpft ist. Es wird ins Blaue hinein geimpft, ohne die positiven oder negativen Auswirkungen des Impfens überhaupt wissenschaftlich überprüfen zu können.


3. b) Einführung eines effektiven und transparenten Meldesystems für Nebenwirkungen

Zudem ist das Nebenwirkungs-Meldewesen katastrophal schlecht organisiert. Zwar gibt es am Papier die gesetzliche Meldepflicht der Ärzte bei Verdacht auf Nebenwirkungen. De facto ist die Meldepflicht aber nicht existent, weil sie von den Ärzten unterlassen oder aktiv verweigert wird.

Aus zahlreichen Vorfällen weiß ich, wie schwierig es ist, Ärzte zu einer Meldung zu bewegen. Sie erklären sich für unzuständig oder wissen nicht, wie man überhaupt melden soll. Meist jedoch behaupten sie, dass eine aufgetretene Nebenwirkung nach ihrer Meinung "sicher nicht vom Impfen kommen kann" und verweigern deshalb die Meldung.
Im Gesetz heißt es jedoch, dass Ärzte zur Meldung verpflichtet sind, wenn eine Nebenwirkung "im zeitlichen Zusammenhang zu einer Impfung" auftritt. Es ist keinesfalls ihre Aufgabe, selbst den kausalen Zusammenhang zu beurteilen. Viele Nebenwirkungen sind unbekannt und selten. Und nur wenn eine große Zahl von Meldungen vorliegt, ist es möglich, solche seltenen Fälle überhaupt zu identifizieren.

Kaum ein Arzt hätte es beispielsweise für möglich gehalten, dass eine Impfung Narkolepsie auslösen kann. Bei dieser bislang unheilbaren Krankheit schlafen die Betroffenen von einem Moment auf den nächsten ein, weil der von der Hypophyse im Großhirn gesteuerte Schlaf-Wach-Rhythmus gestört ist. Diese Menschen können nie einen Führerschein machen, oft keinem normalen Beruf nachgehen. Sie sind schwerstens in ihrer Lebensqualität geschädigt.
Mittlerweile ist es wissenschaftlich bis ins Detail geklärt, dass die anlässlich der Schweinegrippe-Pandemie eingesetzte Impfung "Pandemrix" tausende Fälle dieser Autoimmunerkrankung verursacht hat. Der Nachweis gelang, weil aufmerksame Mediziner in Finnland einer verdächtigen Häufung von Nebenwirkungsmeldungen nachgegangen sind. In Deutschland oder Österreich wäre das zum einen nie aufgefallen, zum zweiten wäre es nicht möglich gewesen, den Verdacht nachzuprüfen.

Die hiesigen Ärzte melden auch deshalb nicht gerne, weil sie Angst haben, damit in ein behördliches Verfahren verwickelt zu werden, das ihnen nichts als Scherereien bringt. ("Habe ich die vorgeschriebene Impfberatung korrekt durchgeführt? Habe ich möglicherweise falsch geimpft?")

Hier bräuchte es intensive Aufklärung der Ärzte durch die Behörden oder die Gesundheitspolitik. Doch davon ist nicht das Geringste zu merken. Und hinter dieser Passivität steckt Absicht. Denn würden die Behörden das penetrante Nichtmelden vieler Ärzte tatsächlich ahnden, so würde das zweifellos zu einem deutlichen Anstieg der amtlich registrierten Nebenwirkungen führen. Das hingegen würde das Vertrauen in Impfungen reduzieren, für Unruhe sorgen und die Behörden in ihrer Ansicht stören, dass eh alles in bester Ordnung ist.

Insofern muss man sich nicht wundern, dass die Dunkelziffer bei nicht gemeldeten Impfschäden enorm hoch ist. Seriöse Schätzungen gehen von einer Meldequote im einstelligen Prozentbereich aus.



Wenn Ihnen der Artikel interessant und wichtig erscheint, würde

ich mich über einen kleinen Beitrag zu meiner Arbeit sehr freuen. 
Bert Ehgartner steht auch für Vorträge, Filmvorführungen, etc. zur Verfügung. 
Nähere Informationen finden Sie auf dieser Seite

Montag, 4. Mai 2015

Hyperaktive Metallionen im menschlichen Körper


Werden Krankheiten wie die Alzheimerdemenz oder Brustkrebs durch Aluminium begünstigt? An einer Konferenz in Lille haben Forscher neue Erkenntnisse zu dieser Frage präsentiert.


Aluminium ist nach Eisen das weltweit meistverwendete Metall. Die Produktion liefert laufend Rekorde und hielt zuletzt bei einer Jahresförderung von 52 Millionen Tonnen. Autobleche, Verpackungen, elektrische Leitungen, Dächer oder Fassaden-Elemente: Der dekorativ glänzende Werkstoff ist allgegenwärtig. Während des nächsten Jahrzehnts soll so viel Aluminium erzeugt werden wie in den 150 Jahren zuvor – also seit es Aluminium in reiner Form überhaupt gibt. Davor lagerte es – ebenso allgegenwärtig, aber unsichtbar – im Boden. Fest verbunden mit Sauerstoff oder Silikaten ist Aluminium als Bestandteil von Schiefer, Granit oder Lehm das häufigste Metall der Erdkruste.


Kritische Aluminiumforschung

Wie könnte ein so häufiges Element toxisch sein? Der Beantwortung dieser Frage widmete sich das «11. Keele Meeting on Aluminium», eine Art Weltkongress der kritischen Aluminiumforschung, der Anfang März im nordfranzösischen Lille abgehalten wurde. «Das Leben hat sich entwickelt, während Aluminium in den Silikaten eingeschlossen war», sagte Christopher Exley, Professor für bioanorganische Chemie an der britischen Keele University und Organisator der Veranstaltung. Das Problem sei erst entstanden, als wir Aluminium aus seinen chemisch neutralen Erzen befreit und als hochaktive Metallionen in den biochemischen Kreislauf des Lebens gebracht hätten.

Christopher Exley: "Wir befinden uns in einer aktiven Phase der Evolution"
Alu-Werkstoffe sind dabei laut Exley das kleinste Problem, weil die positiv geladenen Metallionen sofort mit dem Sauerstoff aus der Luft reagieren. Auf diese Weise bildet sich eine stabile Oxidschicht, welche die darunterliegenden Metallionen isoliert und damit vor weiteren Reaktionen abhält. Im neutralen pH-Bereich ist Aluminium nahezu unlöslich und damit auch nicht toxisch. Es gibt jedoch viele Aluminiumverbindungen, die deutlich weniger stabil sind und in sensiblen Lebensbereichen eingesetzt werden, etwa in Kosmetikprodukten, Lebensmittelfarbstoffen oder Medikamenten. Hier können die Metallionen relativ leicht freigesetzt werden – etwa im leicht sauren Milieu der Haut oder bei der Passage durch den Magen, wo pH-Werte von 1 bis 2 herrschen.

Ob Aluminium gesundheitliche Probleme auslösen kann oder nicht, hängt also davon ab, in welchem Umfang sich die Metallionen aus einer Verbindung lösen. Diese Ionen gehen dann nahezu wahllos Verbindungen im Organismus ein. Bisher sind über 200 Mechanismen bekannt, wie Aluminium biologische Abläufe beeinflusst und in den Stoffwechsel eingreift. «Manche denken, dass die Evolution des Lebens abgeschlossen ist», sagte Exley in Lille. Doch mit dem Eintritt von Aluminium in die biologischen Systeme befänden wir uns in einer aktiven Phase der Evolution.
Beunruhigende Befunde

Wie sich das auswirken könnte, zeigen Studien aus den letzten Jahren. Viele Krankheiten, darunter Brustkrebs, Alzheimerdemenz, Parkinsonkrankheit, Allergien und Autoimmunerkrankungen sind mit den «hyperaktiven» Metallionen in Verbindung gebracht worden. Ein Forscherteam der Universität Sydney publizierte 2014 die Resultate eines mehrjährigen Experiments mit Ratten . Dabei zeigte sich, dass Tiere, die mit Aluminiumdosen im oberen Bereich der in westlichen Ländern üblichen Ernährung gefüttert wurden, gehäuft zu alzheimerähnlichen Gedächtnisstörungen neigten.

Eine 2013 publizierte Arbeit der katholischen Universität Rom untersuchte Ferritine, also eisenspeichernde Eiweisse, die über das Blut im ganzen Organismus zirkulieren. Die Forscher analysierten die Fracht der Ferritine bei Alzheimerpatienten und fanden, dass hier – im Gegensatz zu einer Kontrollgruppe aus gesunden Blutspendern – nicht nur Eisen, sondern mehrheitlich Aluminium geladen war . Weil Ferritine problemlos die Blut-Hirn-Schranke passieren, wäre damit auch ein möglicher Zugang ins Gehirn gefunden.

Arbeiten der Universitäten Reading in England und Genf wiesen zudem nach, dass gesunde Brustzellen bereits unter dem Einfluss niedrigster Aluminiumkonzentrationen Doppelstrangbrüche der DNA und andere Anzeichen von physiologischem Stress zeigen, die das theoretische Krebsrisiko erhöhen.

Die Berichterstattung zu Aluminium stieg in Folge dieser Entdeckungen in den letzten beiden Jahren deutlich an. Vor allem das mögliche Risiko, das von aluminiumhaltigen Deos ausgeht, war Thema zahlreicher Artikel und TV-Beiträge. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) präsentierte Ende 2014 die Resultate einer repräsentativen Umfrage. Demnach sehen mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung von Aluminium in Verbraucherprodukten ein hohes Risiko ausgehen.


Datenlage noch ungenügend

Noch erlaube die Datenlage aber keine definitive Beurteilung, sagte BfR-Präsident Andreas Hensel an einem «Aluminium-Forum» im November in Berlin. Unsicherheiten bestünden insbesondere bei der Einschätzung der Langzeitfolgen bei chronischer Aluminium-Aufnahme. Die wichtige Frage, wie viel Aluminium über Deodorants in die Haut eindringt, beruhe beispielsweise auf einer einzigen Studie mit zwei Probanden. «Wir haben deshalb die Industrie aufgefordert, bessere Untersuchungen vorzulegen», so Hensel.

Besonders gross ist das öffentliche Interesse an der Aluminium-Thematik in Frankreich. Hier kam es im Mai 2014 zu einem Hearing im Parlament in Paris, zu dem Aluminium-Experten eingeladen waren. Schon davor hatte eine von der französischen Nationalversammlung eingesetzte Kommission von Impfexperten empfohlen, besonders bei den Impfstoffen für Babys Alternativen ohne den Wirkverstärker Aluminium anzubieten. Denn bei Kindern mit genetischer Vorbelastung könnten sich die Aluminiumionen im Organismus anreichern, warnte der Jury-Sprecher. Der Vorschlag liegt derzeit bei der europäischen Arzneimittelagentur in London.


Aluminium - ein Problem für Pflanzen

In Lille haben sich mehr als hundert Wissenschafter aus den verschiedensten Fachgebieten versammelt. In den fünf «Sessions» wurde intensiv über neue Studien und deren Potenzial zur Aufklärung der Einflüsse von Aluminium diskutiert. 

Am ersten Tag ging es um die Frage, wie sich Pflanzen evolutionär an Aluminium im Boden angepasst haben. Speziell in tropischen Gebieten, aber auch im Norden Europas überwiegen Böden mit pH-Werten im sauren Bereich. Falsche oder übermässige Düngung mit Ammonium leiten auch bei neutralen Böden eine schrittweise Versauerung ein, wodurch toxische Metalle freigesetzt werden. Bei einem pH-Wert unter 3 kommt das Wachstum der Pflanzen generell zum Stillstand. Nur wenige Gräser und Sträucher haben die Fähigkeit, Aluminium zu akkumulieren. Sie binden das Element mit neutralisierenden Inhaltsstoffen wie Oxalaten oder Phenolen. Von den Pflanzen, die für die menschliche Ernährung eine Rolle spielen, sind das vor allem Tee und Buchweizen. Die meisten auf sauren Böden heimischen Pflanzen verwenden hingegen viel Energie, um Aluminium gar nicht erst aufzunehmen. Dazu verändern sie etwa den pH-Wert in der Wurzelregion oder setzen aluminiumbindende Chemikalien frei. Für die Landwirtschaft sind toxische Aluminiumionen ein grosses Problem. Denn abgesehen von Reis haben die meisten Getreidesorten keine erworbenen Resistenzmechanismen und gedeihen auf sauren Böden schlecht. Der Amerikaner Leon Kochian von der Cornell University im Gliedstaat New York hat mit seinem Team Gene identifiziert, welche die Pflanzen vor den toxischen Auswirkungen des Aluminiums schützen und diese in das Erbgut verschiedener Mais- und Weizensorten transferiert. Auf Versuchsböden in Westafrika mit niedrigem pH-Wert konnten die Forscher zeigen, dass es damit möglich ist, die Ernteerträge in tropischen Gebieten zu steigern. Auch Saatgutkonzerne wie Monsanto experimentieren mit gentechnisch veränderten Sorten und bieten unter anderem Aluminium-resistentes Soja an.


Neue Studien zu Brustkrebs

Einen ersten Einblick in eine interessante, aber noch nicht abgeschlossene Arbeit gab die Biologin Caroline Linhart von der Medizinischen Universität Innsbruck. In ihrer Arbeit will sie das Gewebe von 200 Patientinnen mit Brustkrebs auf Aluminium untersuchen und mit dem Gewebe von gesunden Frauen vergleichen. Noch gibt es keine Messergebnisse, dafür aber eine detaillierte Übersicht zu den kosmetischen Gewohnheiten der Probandinnen. Und hier zeigte sich, dass Frauen, die häufig Alu-Deos verwendet haben, signifikant früher an Brustkrebs erkrankten.

Inspiriert wurde Linharts Arbeit von Resultaten der britischen Krebsforscherin Philippa Darbre, die seit zwei Jahrzehnten die möglichen Auswirkungen kosmetischer Inhaltsstoffe auf die Entstehung von Tumoren im Brustgewebe untersucht. 2011 wies sie nach, dass in der Brustflüssigkeit von Brustkrebspatientinnen – im Vergleich zu gesunden Frauen – deutlich erhöhte Konzentrationen von Aluminium enthalten sind. Darbre hatte auch gezeigt, dass in den letzten Jahrzehnten die Krebsdiagnosen im oberen äusseren Quadranten der Brust – also neben den Achseln – von 30 Prozent in den 1940er und 1950er Jahren auf nahezu den doppelten Wert angestiegen sind. Im selben Zeitraum haben die Frauen auch vermehrt aluminiumhaltige Deos verwendet.

«Wir haben schon viele Indizien für eine toxische Auswirkung von Aluminium auf die Zellen gefunden», sagt die britische Onkologin. Es sei höchste Zeit, dass es vermehrt Wissenschafter gebe, die diese wichtigen Fragen prüften.


Aluminium im Essen


Testserien haben gezeigt, dass der Aluminiumgehalt in frisch geerntetem Getreide und Früchten sich sehr stark von den Werten in den daraus hergestellten Speisen und Getränken unterscheiden kann. Die Rohstoffe sind dabei meist viel weniger stark belastet. Daraus folgt, dass Aluminium nur zu einem geringen Teil von den Pflanzen aus dem Boden aufgenommen wird. Wesentlicher scheinen die Einflüsse von Verarbeitung und Verpackung zu sein – wenn etwa Fruchtsäuren über längere Zeit in Kontakt mit Alufolien kommen.

Kroatische Forscher haben Getränke in Aludosen untersucht und dabei gefunden, dass deren Aluminiumbelastung von zwei Faktoren abhängig war: vom pH-Wert des Getränks und der Lagerdauer im Supermarkt. Ein anderes Beispiel einer externen Aluminiumquelle: Wenn Laugengebäck auf Alublechen in den Backofen geschoben wird, kann die verwendete Lauge Metallionen aus dem Blech lösen. Inzwischen ist auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit aktiv geworden. Seit 2014 sind eine Reihe aluminiumhaltiger Lebensmittelzusätze verboten. Dazu zählen etwa Calciumaluminiumsilikat (E556) und Bentonit (E558), die unter anderem als Trennmittel – etwa bei Scheibenkäse – eingesetzt wurden. Backpulver auf Aluminiumbasis ist in Europa bereits seit einigen Jahren verboten.


Endstation Lymphknoten

Andere Forschergruppen haben in verschiedenen Tierversuchen den Einfluss von Aluminium auf die Entstehung der Alzheimerdemenz, auf entzündliche Darmerkrankungen oder Störungen des autistischen Spektrums untersucht. Eine erstmals in Lille präsentierte kanadische Arbeit zeigte, dass Mäuse, die Aluminium unter die Haut injiziert bekamen, ein verändertes soziales Verhalten zeigten. Wurden den Tieren im Experiment andere Mäuse ins Gehege gesetzt, liefen die Tiere aus der Alu-freien Kontrollgruppe sofort los, um diese ausgiebig zu beschnuppern. Nager, die mit Aluminium behandelt worden waren, ignorierten die Neuankömmlinge dagegen weitgehend.

Forscher der Universität Paris-Est wollten prüfen, wohin sich das Aluminium im Organismus verteilt, das Impfstoffen zugesetzt wird. Dafür wurde das Aluminiumsalz an fluoreszierende Diamant-Nanopartikel gekoppelt und damit sichtbar gemacht. Eine 2013 von der Gruppe publizierte Studie hatte gezeigt, dass sich Aluminiumpartikel in einem Jahr über den ganzen Organismus der Maus verteilten und in geringen Dosen auch das Gehirn erreichten.

Die neue Arbeit sollte diese Resultate an mehr Tieren überprüfen. Nun kam zur Überraschung der Forscher aber ein ganz anderes Resultat heraus: An den Lymphknoten war für das Aluminium nämlich Endstation – auch nach einem halben Jahr Beobachtungszeit hatten noch keine Alu-Partikel das Rückenmark, das Gehirn oder andere sensible Regionen erreicht und sich dort eingelagert. Wie es zu den konträren Studienresultaten kommen konnte, wurde in Lille intensiv diskutiert, aber ohne eine Antwort zu finden.

Eines der Hauptprobleme bei der Untersuchung der Wirkung von Aluminium ist der Faktor Zeit. Krankheiten wie Brustkrebs oder Alzheimer entwickeln sich über viele Jahre und werden von unzähligen Faktoren beeinflusst. Wie können solche biologischen Prozesse in Studiendesigns übertragen werden, die eine gültige Aussage über den Einfluss von Aluminium erlauben? Dieses Problem ist noch ungelöst. Bei der abschliessenden Pressekonferenz des «Lille Meetings» gab es zumindest darüber Einigkeit, dass dringend mehr Forschung finanziert werden sollte, um die drängendsten Fragen zu beantworten. Bis es soweit ist, sollten wir das Thema Aluminium nicht länger kleinreden, sagte Exley. Denn wo immer wir Aluminium im Körper fänden, habe es die Fähigkeit, Schaden anzurichten.

Dieser Artikel ist (in einer leicht gekürzten Version) am 29. April 2015 in der Neuen Zürcher Zeitung erschienen

Samstag, 3. Mai 2014

Alufreie Deos: Handel und Politik reagieren - Unilever blockt

In den letzten Wochen kommt enorme Bewegung in die Debatte um toxische Aluminium-Deos und andere aluhaltige Kosmetikprodukte. Nach einer Anfrage der Grünen im Deutschen Bundestag kündigte eine Sprecherin des Verbraucherschutz-Ministeriums nun an, mögliche Gefahren der toxischen Chemikalien - etwa auf Brustkrebs - zu prüfen. 

Denkbar sei auch, dass Kosmetika, die Aluminium enthalten künftig gekennzeichnet sein müssen. Diese Forderung entspricht genau unserer Petition bei change.org, die bereits von mehr als 23.000 Menschen unterzeichnet worden ist.
Unterdessen merkt der Handel immer mehr, wie stark die Nachfrage nach aluminiumfreien Deos ansteigt. Bei Müller hat man diesbezüglich schon reagiert und alle Deos ohne Aluminium eigens markiert. (Danke für die Zusendung des Bildes an Bea & Sabine)

Weniger einsichtig zeigen sich manche Hersteller. Allen voran der Konzern Unilever, unter dessen Dach sich Marken wie Rexona oder Dove befinden.
Solange die Sicherheit der Alu-Verbindungen nicht erwiesen ist, sollten eigentlich das Prinzip der Vorsicht gelten und die bekannt toxischen Chemikalien nicht in sensiblen Bereichen des Lebens eingesetzt werden.
Die Marketing-Verantwortlichen bei Rexona pfeifen sich jedenfalls gar nichts und werben sogar mit der Extraportion Alu. Auf seiner Webseite verspricht Rexona „Maximalen Deo Schutz“ mit „Maximum Protection“. Und das wird folgendermaßen begründet:

„Leistungsstarke Schweißhemmung durch den Einsatz eines Aluminium-Zirkoniumsalz Wirkstoffes in besonders hoher Dosierung. Aluminium-Zirkoniumsalze zeigen eine stärkere Wirkung gegen Achselnässe als herkömmlich in Deodorants verwendete Aluminiumsalze.“

Das klingt ja schon mal beruhigend.
Auf einer eigenen Informationsseite gibt es nähere Informationen zum Einsatz von Aluminiumsalzen in Rexona-Produkten. Da heißt es, dass in den Medien vermehrt über „einige Studien“ berichtet wurde, welche „einen Zusammenhang zwischen dem Aluminium in Anti-Transpirantien bzw. Deodorants und Brustkrebs herstellen wollten“. Das sei aber Unfug, denn „es versichern Krebsexperten, Wohltätigkeitsorganisationen und Gesundheitsbehörden – darunter die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA), dass keine überzeugenden wissenschaftlichen Beweise existieren.“
Sorgen über die Sicherheit der Aluminiumsalze seien vollständig unnötig, versichert Unilever: „Selbstverständlich können Anti-Transpirantien über lange Zeit und für einen täglichen Gebrauch angewendet werden.“


Die Kosmetik-Lobby wird in der EU aktiv

Etwas im Magen liegt den Unilever-Mitarbeitern hingegen der Trend, dass immer mehr Konkurrenz-Deos „alufrei“ oder „ohne Aluminium“ auf ihre Produkte schreiben.
In der Angelegenheit wurden anscheinend auch gleich die Lobbyisten der Kosmetikindustrie in der EU mobilisiert. Denn es heißt weiter:
Die EU erwägt jedoch derzeit die Einführung neuer Richtlinien, die den Gebrauch der ‚ohne …‘-Auslobungen auf Körperpflegeprodukten einschränken. Hintergrund ist, dass einige ‚ohne …‘-Auslobungen Konsumenten glauben lassen könnten, der aufgeführte Inhaltsstoff könne schädlich sein, obwohl er als sicher eingestuft und für die Verwendung in Kosmetikprodukten zugelassen ist.
Nach dem Wunsch von Unilever soll also die Bezeichnung „alufrei“ eingeschränkt oder verboten werden. Das erklärt wohl auch, warum es von Seiten des Konzerns bisher noch keine positive Reaktion auf unsere Petition gegeben hat, die bereits von mehr als 23.000 Menschen unterschrieben worden ist. In dieser Petition an den Kosmetikkonzern geht es allerdings um die genau gegenteilige Forderung: dass Unilever auf seinen Produkten nämlich die Art und die Menge des Aluminiums deklarieren soll, so wie auf Zigarettenpackungen die Menge von Nikotin und Teer deklariert wird.

In der EU dafür einzutreten, dass die Bezeichnung „alufrei“ abgeschafft wird, ist natürlich eine besonders originelle und kundenfreundliche Gegenreaktion.
Wir werden sehen, welche Art von „Verbraucherschutz“ sich am Markt als nachhaltiger erweisen wird.

Dienstag, 18. März 2014

Deklarationspflicht für Alu-Deos!

Als kürzlich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) seine Einschätzung der Gefährlichkeit von Aluminium in Deos änderte, war das Presse-Echo stark. Waren die Vertreter von BfR oder dem deutschen Krebsforschungszentrum bislang eher auf Entwarnung aus, so änderte sich das mit der neuen Veröffentlichung. "Angstschweiß wegen Deos" titelte etwa die taz.
Unter anderem meldete sich bei mir Radio Berlin Brandenburg und ich gab folgendes Interview.
Dove Werbung und Wahrheit: Wenn Alu-Deos auf frisch rasierte Haut aufgetragen werden,
dringen viel mehr toxische Alu-Ionen ins Gewebe ein und verursachen dort Zellschäden

Auch die Organisatoren von Change.org, mit denen ich schon länger in Kontakt bin, nahmen die Veröffentlichung zum Anlass, mit mir gemeinsam eine Kampagne zu starten. Es geht darum, dass die Kosmetikfirmen die Art und Menge des verwendeten Aluminiums deutlich auf der Packung kenntlich machen sollen, damit man auf den ersten Blick erkennt, ob und wie viel Aluminium sie enthalten.
Ich bin stolz, dass bereits nach fünf Tagen mehr als 19.000 Mitstreiter die Petition unterzeichnet haben. Vorhin habe ich die Kommentare herunter geladen und darin gelesen: Es sind 95 Seiten voll guter Wünsche und Anregungen für eine Fortführung der Kampagne. Das zeigt, welche Sorgen - aber auch welcher Zorn beim Umgang der Kosmetikindustrie und der Gesundheitspolitik mit dem Thema aufkommen.

Hier ist der Text der Petition:

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie viel Aluminium Ihr Körper verträgt? Wahrscheinlich nicht. Alu-Verbindungen werden zwar in den sensibelsten Lebensbereichen eingesetzt, aber wir sind uns dessen kaum bewusst. Auch weil die versteckten Alu-Fallen kaum sichtbar gemacht werden. Mein Name ist Bert Ehgartner. Ich bin Autor und Journalist und habe die letzten Jahre intensiv zu Aluminium recherchiert (Buch & Film: Die Akte Aluminium). Mein Fazit: Es ist höchste Zeit, dass wir unsere Wachsamkeit gegenüber Aluminium erhöhen.
Deswegen habe ich diese Kampagne gestartet:
Ich möchte erreichen, dass die Hersteller der wichtigsten Deodorants besser über Aluminiumsalze in ihren Produkten aufklären. Denn in fast allen Deos, die wir Tag für Tag verwenden, versteckt sich Aluminium, das wir über die Haut aufnehmen.
Es gibt einen aktuellen Anlass: Vor kurzem revidierte das Bundesamt für Risikobewertung seine Einschätzung von aluminiumhaltigen Deodorants. Während Deos dem Bundesamt bislang als unbedenklich galten, schließen die traditionell vorsichtigen Bundesprüfer nun nicht mehr aus, dass Aluminium schwere gesundheitliche Schäden anrichten kann.
Wer nur einmal pro Woche diese Deos verwendet, kann damit bereits den „tolerierbaren Grenzwert“ der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) überschreiten. Mit dramatischen gesundheitlichen Folgen.

Es gibt immer mehr wissenschaftliche Indizien, die eine übermäßig hohe Aufnahme von Aluminium mit Brustkrebs und der Alzheimer-Krankheit in Verbindung bringen. Darüber hinaus sind mittlerweile rund 200 biochemische Abläufe im menschlichen Organismus bekannt, welche durch die toxischen Alu-Verbindungen gestört werden. Es ist höchste Zeit, dass bei Aluminium das Prinzip der Vorsorge angewandt wird – dass also eine problematische Chemikalie sicherheitshalber vermieden wird, auch wenn noch nicht alle Beweise für einen ursächlichen Zusammenhang erbracht sind. Auch die Hersteller sind hier in der Pflicht, Ihren Kunden zumindest klare Orientierung auf den ersten Blick zu bieten.

In keinem Produkt kommen wir so unmittelbar und in so hohen Dosen mit Aluminium in Kontakt wie in Deos. Deswegen fordere ich von Deutschlands beliebtester Deomarke Dove: Aufklärung jetzt!

Vorschlag: Auf jedem Deo, das Aluminium enthält, sollte dies (so wie Nikotin und Teer auf Zigaretten-Packungen) gut sichtbar gekennzeichnet und für uns Verbraucher auf den ersten Blick erkennbar sein. Mit Deklarierung der Alu-Verbindung und genauer Mengenangabe. Denn nur so können wir als Verbraucher eine informierte Entscheidung treffen. Außerdem muss der Hinweis auf die Packung, dass nach der Rasur dringend von Alu-Deos abgeraten wird (weil durch die kleinen Wunden die Alu-Ionen noch viel besser ins Gewebe eindringen).

Dove ist der Vorreiter eines neuen Frauenbildes in der Werbung. Jetzt sollen sie auch zum Vorreiter von transparenter Kommunikation werden! Ich sage: Warten wir nicht ab, bis endlich der Minister für Verbraucherschutz aktiv wird oder die Rolle von Aluminium als Auslöser von Brustkrebs hundertprozentig wasserdicht erwiesen ist. Das kann noch Jahre dauern. Wir als Verbraucherinnen und Verbraucher können schon jetzt unser Verhalten ändern. Aber das geht nur wenn uns die Kosmetikfirmen transparent über ihre Inhaltsstoffe aufklären.
Deshalb fordere ich vom Unilever Konzern: Klären Sie auf den Deos Ihrer Marke Dove transparent über Aluminium auf!

Bitte unerzeichnen auch Sie die Petition an Unilever. Hier geht es zur Petitions-Seite. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, würden 
wir uns über einen kleinen Beitrag zu unserer Arbeit sehr freuen. 

Mittwoch, 24. Juli 2013

Nivea streitet Risiken durch Aluminium ab

Gestern lief die Wiederholung unseres Filmes "Die Akte Aluminium" auf ARTE. Einige Radio und TV-Stationen bringen mittlerweile Beiträge zum Thema und in zahlreichen Internet-Foren wird über die Gesundheitsgefahren durch Aluminium diskutiert. 
Der öffentliche Druck auf Firmen, die nach wie vor biochemisch aktive Alu-Verbindungen in ihren Produkten verwenden, steigt. Die Kunden fragen zunehmend nach - und so erscheinen dann auf manchen Webseiten offizielle Antworten zur Aluminium-Problematik. 
Eine besonders freche Entwarnung lieferte der deutsche Beiersdorf Konzern, welcher die Produktlinie "Nivea" vertreibt, die nach eigener Aussage "weltweit größte Hautpflegemarke".

Zahlreiche Produkte von Beiersdorf enthalten Alu-Verbindungen

Auf der Webseite des Konzerns werden "Aktuelle Fragen" aufgeworfen. Gleich die erste Frage lautet: "Sind Aluminiumverbindungen in Hautpflegeprodukten gefährlich?"

In vier Absätzen wird die Frage von der Pressestelle des Konzerns ganz eindeutig beantwortet: "Nie und nimmer!" - Hier geht es zur Webseite.

Die Textbausteine, welche die Beiersdorf Pressestelle in ihren Ausführungen zu Aluminium verwendet, findet man fast wortgleich auf zahlreichen Industrie-Webseiten - und auch in Ausführungen von diversen Aluminium-Fachleuten, welche nahen Kontakt zur Alu-Lobby pflegen.
In den Argumenten fällt auf, dass es immer die anderen Bereiche sind, welche angeblich deutlich mehr Aluminium verwenden bzw. enthalten. Bei den Unmengen, die in Lebensmitteln oder Medikamenten enthalten sind – so die Argumentation – brauche man sich über Kosmetikprodukte gar keine Sorgen mehr machen.
Wenn man den ersten Absatz liest, hat man beinahe das Bedürfnis, in den Drogeriemarkt zu gehen und sich Aluminiumpulver als Nahrungsergänzung einzukaufen, um nur ja keinen Mangel zu erleiden.
Aluminiumsalze sind Bestandteil unserer täglichen Nahrung. Sie sind zum Beispiel in Obst, Gemüse, Getreide, Fleisch sowie unserem Trinkwasser enthalten.
Doch einen derart suggerierten "natürlichen Aluminiumgehalt" findet man in den allermeisten Lebensmitteln - sofern sie nicht kontaminiert sind - in Wahrheit nicht. Und nicht einmal die eingefleischtesten Alu-Lobbyisten, mit denen ich im Zuge meiner Recherchen gesprochen habe, würden öffentlich behaupten, dass Aluminium unproblematisch für die Gesundheit ist.

Im Meer, wo das Leben seinen Ursprung nahm,  ist – abgesehen vom Mündungsbereich belasteter Flüsse – sogar heute noch die Aluminium-Konzentration meist unter der Nachweisgrenze. Für die allermeisten Pflanzen und ausnahmslos alle Tiere ist Aluminium toxisch. Bis heute kennt man - vom kleinsten Bakterium bis zum Menschen - keinen einzigen biochemischen Mechanismus, in dem Aluminium eine sinnvolle Rolle spielt. Dafür sind mittlerweile mehr als 200 Mechanismen bekannt, wo sich Aluminium-Ionen einbauen und Schaden anrichten. "Bevor wir Aluminium vor ca. 100 Jahren mit enormem Aufwand an Energie aus der Erdkruste geholt haben, waren bioaktive Aluminium-Ionen nicht verfügbar", sagt der britische Aluminium Experte Prof. Christopher Exley. "Das Leben auf der Erde entstand in Abwesenheit von Aluminium."

Einige der Argumente, die auf der Webseite von Beiersdorf genannt werden, sind eindeutig falsch - so wie z.B. diese Aussage:
Bei den in Kosmetika verwendeten Stoffen handelt es sich meist um unlösliche Aluminiumverbindungen mit entsprechender vernachlässigbarer Bioverfügbarkeit von Aluminium, das heißt eine Anreicherung im Gewebe ist ausgeschlossen. Lösliche Aluminiumverbindungen werden hauptsächlich in Antitranspiranzien eingesetzt, wobei hier auf der Haut und in den Schweißdrüsen unlösliche Aluminiumverbindungen entstehen und somit die Bioverfügbarkeit von Aluminium ebenfalls gering ist.
Dass eine Anreicherung im Gewebe ausgeschlossen werden kann, ist eine reichlich mutige Ansage, für die jegliche Evidenz fehlt. Bereits Minuten nach dem Auftragen von Alu-Verbindungen können diese im Blut gemessen werden. Aktuelle Untersuchungen zeigten, dass Aluminium sich sehr wohl z.B. in den Knochen, im Brustgewebe oder im Gehirn anreichern kann

Ebenso frech wie falsch ist auch diese Behauptung:
Der Vorwurf durch Verwendung von aluminiumhaltigen Kosmetika würde sich das Risiko erhöhen, an Brustkrebs oder Alzheimer zu erkranken, gilt als widerlegt. 
Auf welche Belege sich die Pressestelle des Unternehmens hier bezieht, wird ebenso wenig genannt wie eine Methode, mit der ein Risiko als "widerlegt" dargestellt werden kann. Das ist nämlich beinahe noch schwieriger als das Gegenteil: Ein Risiko zu beweisen.

Tatsache ist, dass eine konkrete Verursacherrolle von Aluminium als Auslöser von Krankheiten bisher erst in wenigen Fällen bewiesen werden konnte. So wurden Alu-hältige Arzneimittel, welche Nierenkranken verabreicht wurden, als Verursacher der so genannten Dialyse-Demenz überführt. Und zwar dadurch, dass diese Krankheit nicht mehr auftrat, nachdem die Medikamente verboten wurden. Mit ähnlichen Methoden wurde Aluminium als Auslöser von Anämie und Knochenerweichung überführt.
Doch bei anderen Krankheiten, welche sich in der Normalbevölkerung über einen Zeitraum vieler Jahre entwickeln - wie z.B. bei Brustkrebs oder der Alzheimer Krankheit - ist die Beweisführung ungleich schwieriger.
Zum einen, weil im Leben die wenigsten Krankheiten monokausal verursacht werden, sondern immer mehrere Einflüsse (z.B: Umweltfaktoren, genetischer Hintergrund) zusammen wirken. Zum zweiten, weil es im Bereich der Ursachenforschung bei Aluminium kaum öffentliche Förderungsmittel gibt und Kosmetik-, Pharma- oder Lebensmittelindustrie, welche Alu-Verbindungen einsetzen, verständlicherweise kein großes Interesse haben, in diesem Bereich selbstständig aktiv zu werden.

Doch es gibt unzählige Indizien, welche eine Rolle von Aluminium in der Entstehung dieser Krankheiten nahe legen. Am Beispiel der Alzheimer Krankheit bezeichnen es zunehmend auch führende Experten als wahrscheinlich, dass Aluminium eine Rolle spielt, wie ich hier im Blog - oder auch in meinem Buch zum Thema ("Dirty Little Secret - Die Akte Aluminium") an zahlreichen Beispielen ausgeführt habe. Christopher Exley nennt eine ganze Reihe von Krankheiten, welche mit dem schädlichen Einfluss von Aluminium assoziiert sind.

Es wäre eindeutig die Aufgabe der Behörden, ihre Verantwortung für die Gesundheit der Bevölkerung wahr zu nehmen und endlich für Aufklärung zu sorgen. Filme wie "Die Akte Aluminium" tragen hoffentlich dazu bei, dass öffentlicher Druck entsteht und die Behörden aus ihrem Faulbett aufstehen. Die seltsame Zurückhaltung bei der Forschungsförderung zur Aufklärung der Rolle von Aluminium muss endlich beendet wird.

Solange die Sicherheit der Alu-Verbindungen nicht erwiesen sind, sollte das Prinzip der Vorsicht gelten und die bekannt toxischen Chemikalien nicht in sensiblen Bereichen des Lebens eingesetzt werden.

Verantwortungsvolle Kosmetik-Konzerne könnten sich diesem Prinzip ja ebenfalls anschließen.

Dienstag, 16. April 2013

Aluminium - Die geheime Gefahr


Der Greenpeace Aktivist Bernd Schaudinnus war als einer der ersten ausländischen Helfer vor Ort, als im Jahr 2010 in Ungarn ein Becken mit giftigem Rotschlamm aus der Aluminium-Produktion einstürzte. Die Katastrophe war für ihn Anlass, die Spur aufzunehmen und sich intensiv mit dem Leichtmetall zu befassen. 
Am 21. April wurde in der Sendereihe "planet e" des ZDF ein neuer, 30 Minuten langer Film zur Problematik von Aluminium gezeigt. Er kann in der Mediathek des ZDF jederzeit angesehen werden. 

Greenpeace Aktionskoordinator Bernd Schaudinnus 
Es war eine der größten Umweltkatastrophen Europas. Am 4. Oktober 2010 zur Mittagszeit bricht in Ungarn der Damm eines Deponiebeckens einer Aluminiumfabrik, in dem toxischer Rotschlamm gelagert war. Die Folge: Eine meterhohe Flutwelle verwüstet angrenzende Dörfer und die Kleinstadt Devecser.

Bernd Schaudinnus, Aktionskoordinator bei Greenpeace reist mit seinem Team sofort aus Wien an, als er von dem Unglück erfährt. "Bis dahin habe ich kaum etwas über die Gefährlichkeit von Aluminium gewusst", sagt Schaudinnus. Er wird Zeuge unglaublicher Szenen: „Es war wie ein Waten in Blut, die Menschen waren vollständig uninformiert und haben mit bloßen Händen in den ätzenden Schlamm gegriffen.“

Istvan Benkö

Schaudinnus trifft den ungarischen Kameramann Istvan Benkö, dessen dramatischen Live-Bilder von der Katastrophe damals um die Welt gegangen sind. Benkö kämpfte wochenlang um sein Leben. Heute kann er keine Kamera mehr tragen, seine Gesundheit ist ruiniert. Das Viertel, in dem sein Haus stand, ist heute vollkommen abgerissen.

Giftbrühe aus dem Sperrgebiet

Während die ungarischen Behörden den Fall für beendet erklären, dringt Schaudinnus in das Sperrgebiet unmittelbar unterhalb der Bruchstelle vor: Hier liegt der Schutt von den abgerissenen Häusern – ohne irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen. Er wurde einfach auf das ehemalige Ackerland gekippt. Mitten durch fließt ein Bach. Schaudinnus nimmt daraus eine Wasserprobe.
Im Sperrgebiet unterhalb der Bruchstelle des ungarischen Rotschlamm-Beckens
Die Analyse im Umweltbundesamt Wien ergibt alarmierende Werte des toxischen Aluminiums. Jungfische sterben bei einem Wert von 0,2 Milligramm pro Liter, erwachsene Fische halten etwa 1,5 Milligramm aus. Hier ergibt die Analyse einen Wert von 39 Milligramm Aluminium pro Liter. Damit liegt das Wasser des Baches um das fast 200-fache über dem Grenzwert für Trinkwasser.
„Das geht natürlich auch ins Grundwasser. Diese Giftbrühe schädigt die Menschen und auch die Fische bis runter in die Donau“, sagt Schaudinnus.

Bauxit aus dem Regenwald

Ungarn war einst der größte Aluminium-Produzent Europas. Mittlerweile sind die Konzerne weiter gezogen – etwa in den Norden Brasiliens, wo mitten im Regenwald große Mengen von Bauxit gefunden wurden. Das einzige Erz aus dem Aluminium profitabel erzeugt werden kann liegt hier in dicken Schichten unmittelbar unter dem Erdboden. Vorher muss allerdings der bislang von Menschen unberührte Regenwald großflächig abgeräumt werden. Die Gebiete gleichen Marslandschaften.

Die Bauxitmine Trombetas im brasilianischen Regenwald

„Wasser brennt auf der Haut wie Pfeffer“

Das Bauxit wird anschließend gemahlen und mit Natronlauge behandelt, um die Aluminiumanteile aus dem Erz zu lösen. Mindestens die Hälfte des Ausgangsmaterials bleibt als unbrauchbarer Rotschlamm zurück, der als Sondermüll auf riesige Deponien geschüttet wird.


Silvania Maria dos Santos mit ihren Kindern
Für die Menschen in Brasilien, welche im Umfeld der Aluminium-Raffinerien leben, sind die Zustände verheerend. Das Wasser in ihren Bächen und Brunnen ist kontaminiert. „Wenn wir uns baden, beginnt der ganze Körper zu jucken und es brennt wie Pfeffer“, sagt Silvania Maria dos Santos, welche in einer nahe gelegenen Indio-Siedlung wohnt. „Bei den Kindern platzt die Haut auf.“


Brustkrebs Risiko durch Alu-Deos?

Bernd Schaudinnus vertieft sich in die wissenschaftliche Literatur zu Aluminium und entdeckt, dass Alu-Verbindungen heute in den sensibelsten Lebensbereichen eingesetzt werden. Immer mehr wissenschaftliche Studien stützen den Verdacht, dass sie auch beim Menschen bei der Entstehung verheerender Krankheiten wie Alzheimer oder Brustkrebs beteiligt sein könnten.


Hebamme Eva Glave während der Brustkrebs-Therapie
Die Frankfurter Hebamme Eva Glave hat jahrelang intensiv Deos verwendet. Kürzlich ist sie – im Alter von 32 Jahren – an Brustkrebs erkrankt. Erst im Nachhinein erfährt sie von dem Risiko, dem sie sich über die Deos ausgesetzt hat: Viele Produkte enthalten Alu-Chlor Verbindungen als Wirkstoff. 
Auf einer internationalen Konferenz im englischen Winchester trifft Schaudinnus Wissenschaftler, die seit Jahren zu Aluminium forschen. Etwa die Onkologin Philippa Darbre, welche zahlreiche Studien zum Risiko von Alu-haltigen Kosmetikprodukten veröffentlicht hat. „Das Aluminium scheint in der Lage zu sein, eine gesunde Brustzelle in eine Krebszelle umzuwandeln“, warnt sie.

Neue Krankheiten im Zeitalter des Aluminiums

Christopher Exley, Professor für bioanorganische Chemie an der britischen Keele University gilt in der Wissenschafts-Community als „Mr. Aluminium“. Seit 30 Jahren forscht er zu allen Eigenheiten dieses Elements. 
„Für das Leben auf der Erde ist Aluminium so etwas wie ein Alien“, sagt Exley. „Denn über Milliarden Jahre war es tief in der Erdkruste gefangen – in festen Verbindungen zu Silizium, Sauerstoff und anderen Elementen.“ Erst seit etwas mehr als hundert Jahren, erklärt Exley, beherrschen wir die Technik, das Aluminium mit ungeheurem Einsatz an Chemie und elektrischer Energie aus der Erde zu holen. Möglicherweise, so Exley, haben wir damit eine moderne ‚Büchse der Pandora’ geöffnet: „Mehr als 20 Krankheiten werden heute in der wissenschaftlichen Literatur mit Aluminium in Verbindung gebracht.“

"Mr. Aluminium" Prof. Christopher Exley
Bei einigen Krankheiten ist der Zusammenhang bereits bewiesen – etwa bei der Dialyse-Demenz, bei Anämie oder Knochenerweichung. Bei der Mehrzahl ist es derzeit noch beim Verdacht geblieben. Die Beweise reichen nicht aus, um Aluminium eindeutig als Verursacher zu identifizieren, erklärt Exley. Andererseits fehlen jedoch auch eindeutige Belege für einen Freispruch des Leichtmetalls.
„Wir leben im Zeitalter des Aluminiums und wir werden dieses Element auch nicht so schnell wieder los“, sagt Exley. „Deshalb ist es fahrlässig, das Problem klein zu reden, wie das von diversen Lobbys gemacht wird. Es ist unbedingt nötig, dass wir die Forschung intensivieren und uns dem Problem endlich stellen. Schließlich haben sich viele der mit Aluminium assoziierten Krankheiten – wie Alzheimer, Allergien oder Autoimmunerkrankungen – in den letzten Jahrzehnten sehr stark ausgebreitet.“