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Montag, 3. November 2025

Mehr Pneumokokken-Lungenentzündungen trotz gratis Pneumokokken-Impfungen

Personen ab 60 Jahren können sich in Deutschland und Österreich gratis gegen Pneumokokken impfen lassen. Die Ärztekammern kritisierten kürzlich, dass Menschen, die sich impfen lassen wollen, häufig abgewiesen werden müssen, weil die Impfstoffe nicht verfügbar sind. Andererseits verschafft das Zeit, sich die Sache zu überlegen. Denn obwohl seit vielen Jahren auf hohem Niveau geimpft wird, steigen die gemeldeten Pneumokokken-Fälle - sowohl bei Babys als auch bei älteren Menschen - massiv an.

Impfkampagnen bewerben die "Gratisimpfung"


Woran das liegen könnte, zeigt eine im Oktober 2025 erschienene Studie aus Spanien, die alle Fälle von Lungenentzündung während des Jahres 2019 in der Provinz Katalonien analysiert hat. Untersucht sollte werden, welchen Schutz die beiden angebotenen Pneumokokken-Impfstoffe geboten haben. Eingeschlossen waren die Daten von 2,2 Mio. Katalanen im Alter über 50 Jahren. Insgesamt waren hier im Jahr 2019 etwas mehr als 15.000 Fälle von Lungenentzündungen (Pneumonien) aufgetreten.
Wie im restlichen Europa standen damals zwei Pneumokokken-Impfungen zur Auswahl: Die altbekannte 23-valente Polysaccharid-Impfung (PPSV), sowie ein moderner Konjugat-Impfstoff (PCV). Dieser stammt meist von Pfizer und wird unter dem Namen 'Prevenar' vertrieben. 2019 gab es ihn noch in der 13-valenten Version, mittlerweile wirbt die Herstellerfirma Pfizer damit, dass Prevenar "Schutz" vor 20 Pneumokokken Typen bietet.
Die Anführungszeichen setze ich deshalb, weil sich der Begriff "Schutz" in dieser Studie als nicht wirklich zutreffend erwiesen hat.
Es zeigte sich nämlich, dass der alte 23er Impfstoff das Risiko einer Lungenentzündung nicht reduziert, sondern - im Gegenteil - erhöht hat. Wenn Pneumokokken die Auslöser der Pneumonie waren, so stieg das Risiko für geimpfte Personen um 21 Prozent, das Risiko für Pneumonien aller Erregertypen stieg um 24 Prozent.

Beinahe doppelt so viele Pneumokokken-Fälle bei Geimpften

Und wie schlug sich die moderne Pneumokokken-Impfung Prevenar, die der Herstellerfirma Pfizer verlässlich jedes Jahr Milliardenumsätze beschert und zu den 20 umsatzstärksten Arzneimitteln weltweit zählt?
Noch wesentlich schlechter.
Bei Pneumonien, die von Pneumokokken ausgelöst worden sind (also genau jenen Bakterien, vor denen die Impfung schützen sollte), stieg das Risiko für Geimpfte um 83 Prozent an. Bei Pneumonien aller Erregertypen stieg das Risiko um 55 Prozent.

Die Autoren der Studie waren einigermaßen erschrocken über diese Resultate. Als mögliche Ursache nannten sie die verbesserungsbedürftige Zulassungspraxis. Impfstoffe werden nur sehr selten in wirklich guten randomisierten kontrollierten Studien getestet. Üblich sind stattdessen Vergleichsstudien, wo speziell ausgesuchte – besonders gesunde – Teilnehmer die neue Impfung erhalten und diese mit einer Kontrollgruppe verglichen werden, welche zum Beispiel die Vorgänger-Impfung oder eine Impfung der Konkurrenz verabreicht bekommen.
Studien mit neutralen Salzwasser-Placeboimpfungen werden meist vermieden, um den Erfolg der neuen Impfung nicht zu gefährden. Wenn diese dann aber in der 'echten Welt' zum Einsatz kommt, können die artifiziellen Resultate aus den Zulassungsstudien oftmals nicht wiederholt werden.

Möglicherweise, so die Autoren, waren die geimpften Personen auch von Haus aus wesentlich kränker als die nicht geimpften Personen. Allerdings haben die Wissenschaftler natürlich versucht, diesen möglichen Fehler durch viele Adjustierungen in der statistischen Auswertung auszugleichen.
Es hat aber nicht wirklich etwas verändert am Ergebnis.
Die Autoren schreiben: "Zusammenfassend lässt sich sagen, dass weder PPSV23 noch PCV13 mit einem verringerten Risiko für Krankenhausaufenthalte oder Todesfälle aufgrund von Pneumokokken aller Art oder Lungenentzündung aller Ursachen in Verbindung gebracht werden konnten."


"Keine wirksame Vorbeugung"

Die alte Pneumokokken-Impfung PPSV23 gibt es schon seit den 1970er Jahren. Sie soll zwar gegen 23 von insgesamt mehr als 90 Pneumokokken Typen schützen. Ihre Wirksamkeit wurde aber schon oft bemängelt. Bereits 2009 war der Schweizer Epidemiologe Matthias Egger mit seinem Team der Universität Bern in einer Metaanalyse von 22 Einzelstudien zu einem ernüchternden Resultat gekommen: "Die Pneumokokken-Impfung scheint selbst bei Bevölkerungsgruppen, für die der Impfstoff derzeit empfohlen wird, keine wirksame Vorbeugung gegen Lungenentzündung zu sein."
Dennoch wurde munter weiter geimpft. Erst 2023 erneuerte die STIKO die allgemeine Impfempfehlung diesbezüglich nicht mehr.

Bei den Babys kam jedoch immer nur der moderne Konjugat-Impfstoff zum Einsatz. Den Beginn machte Prevenar-7, das 2001 zugelassen wurde. Als immer häufiger andere Erregertypen Krankheiten auslösten und ein "Verdrängungs-Effekt" nicht mehr zu leugnen war, wurde Prevenar 2009 auf 13 Typen, im Jahr 2024 sogar auf 20 Typen aufgerüstet. Die Konkurrenzfirma Merck brachte 2009 ihren Impfstoff Synflorix, der gegen 10 Typen wirken sollte, erhöhte später auf 15 Typen und brachte kürzlich sogar einen 21-valenten Impfstoff unter dem Namen 'Capvaxive' auf den europäischen Markt, der allerdings bislang nur für Erwachsene zugelassen ist.

Pneumokokken Impfstoffe werden bei Babys meist parallel zu den Sechsfach-Impfungen verabreicht. Die Basis-Immunisierung erfordert laut Impfplan drei Dosen.
Laut WHO ist in Europa in der Zeit von 2010 bis 2024 die Impfquote gegen Pneumokokken von 37% auf 86% gestiegen.

Melderekorde bei invasiven Erkrankungen

Ich habe die deutschen Meldezahlen für invasive Pneumokokken-Erkrankungen für diesen Zeitraum in der RKI-Datenbank SurvStat nachgesehen. Zu beachten ist, dass es sich dabei meist um schwere Krankheiten handelt. Zu rund 80% sind es Lungenentzündungen - oft noch in Verbindung mit einer Sepsis (Blutvergiftung). Ich betone das deshalb, weil diese Fälle sich massiv von den Meldungen unterscheiden, wie wir sie z.B. aus der Covid-Zeit kennen, wo vielfach gesunde Personen Antikörper- oder PCR-Tests machen mussten, die auch eine beträchtliche Fehlerquote haben. 
Bei Verdachtsfällen invasiver Pneumokokken-Erkrankungen sind die Patienten hingegen längst im Krankenhaus. Dort wird eine Blut- oder Liquor-Probe genommen und ins Labor geschickt. Und wenn der Befund positiv für Bakterien der Art 'Staphylokokkus pneumoniae' ist, besteht laut Infektionsschutzgesetz Meldepflicht. Hinter jeder Meldung steht also ein tatsächlicher schwerer Krankheitsfall.

Die Tendenz zeigte mehrere Jahre leicht nach oben. Ab 2021 begann ein massiver Anstieg mit jährlichen Melderekorden. Auch für 2025 liegen Anfang November die Fallzahlen bereits über der Gesamtzahl des Vorjahres. Wahrscheinlich wird heuer die Marke von 10.000 Meldungen deutlich überschritten.


Ab einem Alter von 55 Jahren steigen die Fallzahlen stark an und erreichen im Alter über 80 Jahren ihren Höhepunkt.

Sieht man sich die Situation bezogen auf die Babys und Kleinkinder im Alter unter fünf Jahren an, so zeigt sich eine beinahe idente Situation. Die Pneumokokken Impfung wurde von der STIKO im Jahr 2006 erstmals allgemein empfohlen. Ich wähle für die Grafik den Zeitraum von 2001 bis 2024 um auch ein Bild über die Lage vor der Impfempfehlung zu geben.


Beim RKI wird vermutet, dass die "Zunahme der Fälle unter anderem mit dem Rückgang von Impf- und Hygienemaßnahmen nach der Corona-Pandemie erklärt werden kann."
Dem widerspricht die Lage in Österreich, aus der klar ersichtlich ist, dass der Trend über die Jahre ziemlich linear nach oben zeigt. (Quelle AGES)



Schon wieder neue Bakterien-Typen

Die mit Abstand meisten Fälle wurden laut Pneumokokken Jahresbericht 2024 von Bakterien des Typs 3 verursacht. Dieser Typ ist jedoch bereits seit langem in den Impfstoffen (PCV13, PCV15) enthalten. Ebenso wie der häufig diagnostizierte Typ 19A.
Die Typen 8, 10A und 22F wurden jetzt in die neu entwickelten Impfstoffe aufgenommen. Doch das Verdrängungs-Spiel geht weiter. Denn mit 23A, 24F und 38 drängen sich – bei Babys wie bei Senioren – schon wieder neue Bakterientypen in den Vordergrund, die bisher von keiner Impfung abgedeckt werden.

So wie sich die Sache allerdings darstellt, sollte wohl erst mal die Frage beantwortet werden, ob das derzeitige Impfkonzept überhaupt in der Lage ist, das Problem zu lösen.


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Mittwoch, 24. Januar 2024

Wie man heraus findet, ob eine Impfung Sinn macht

Kürzlich bekam ich eine Anfrage, wie man am besten heraus findet, ob eine bestimmte Impfung Sinn macht. "Wenn ich den Empfehlungen der STIKO folge, und meine Kinder durch einen Impfschaden bleibend in ihrer Entwicklung gestört würden, könnte ich es mir nicht verzeihen", schrieb ein Familienvater aus Deutschland. "Andererseits will ich meine Kinder natürlich nicht durch Krankheiten gefährden, die durch eine Impfung mutmaßlich vermeidbar wären." – Hier meine Antwort.

Impfen oder nicht Impfen? - Ein Drama (Foto: Thomas Hackl)

Wenn man wissen möchte, ob eine bestimmte Impfung Sinn macht, führt man am besten eine Risikoanalyse durch. Man geht ähnlich vor, wie bei der Abwägung, ob eine bestimmte Versicherung sinnvoll wäre. Objektive Fakten zur Gefährlichkeit der Krankheit werden mit der Frage kombiniert, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass mein Kind, wenn es ungeimpft bliebe, die Krankheit bekommt.  Das wird nun mit der Wirksamkeit und Sicherheit der jeweiligen Impfung gegengerechnet und dann noch auf individuelle gesundheitliche Besonderheiten der zu impfenden Person abgestimmt. Und schon hat man ein Ergebnis, - oder besser gesagt: hätte man ein Ergebnis.

Man muss hier leider im Konjunktiv bleiben. Denn im Gegensatz zur Versicherungsmathematik, wo man bei Hochwasser oder Hagel genaue Fallzahlen mit konkreten Schadenssummen abrufen kann, die im Zehn-Jahres-Schnitt ein regional kalkulierbares individuelles Risiko ergeben, hat man es im Impfwesen mit einer Gleichung mit unzähligen Unbekannten zu tun. 

Wieviele Krankenstands-Tage spare ich mir durch die Grippe-Impfung?

Das schwarze Loch der Evidenz liegt in der Wirksamkeit und Sicherheit der Impfung. Nur in den wenigsten Fällen gibt es aussagekräftige Studien, die diese Fragen klar beantworten. Man weiß beispielsweise bis heute nicht, wie viele Krankenstands-Tage man einspart, wenn man sich regelmäßig die saisonale Influenza-Impfung geben lässt - oder ob man, wie viele Berichte nahelegen, nach der Impfung sogar ein höheres Krankheitsrisiko hat.

Seit Jahrzehnten fordern unabhängige Wissenschaftler, dass diese Frage endlich durch eine gut gemachte, öffentlich finanzierte Studie für alle Altersgruppen geklärt wird. Immerhin fließt eine Menge Steuergeld in geförderte Impfprogramme. Doch nichts geschieht und man gewinnt den Eindruck, dass sich die Auftraggeber vor den möglichen Resultaten fürchten.  

Impfstudien auf Knopfdruck

Mit einem digitalen Impfregister, das Impfdaten und Gesundheitsdaten Personen-bezogen verknüpft, ließe sich hervorragend wissenschaftlich arbeiten. Es wäre dann beispielsweise auf Knopfdruck möglich, die Frage zu beantworten, ob 100.000 FSME-geimpfte mehr oder weniger an FSME erkranken, als eine ungeimpfte Kontrollgruppe. Oder ob sie nach der Impfung vermehrt Allergien und Autoimmunerkrankungen entwickeln. Doch so ein Impfregister ist bislang in Deutschland nicht umgesetzt. Und wenn es doch mal von Politikern forciert wird - wie etwa dem Arzt Andrew Ullmann, der für die FDP während der Covid-Zeit im Gesundheitsausschuss des Bundestages saß - dann nicht wegen der wissenschaftlichen Verwendbarkeit, sondern als Mittel der Repression, um damit Ungeimpfte ausfindig zu machen und unter Druck zu setzen.  


Es gibt keinen politischen Auftrag zur Kontrolle

Von behördlicher Seite kommt gar kein Vorstoß zu einer möglichst objektiven Evaluation der Impfungen. Dies hat auch damit zu tun, dass die Gesundheitsbehörden von der Politik den Auftrag bekamen, Impfungen zu bewerben. Und wenn die Behörde dann diese Impfungen auch noch auf mögliche Schäden kontrollieren soll, so ergibt sich ein Dilemma. Denn die wenigsten Menschen - und schon gar keine Institutionen - sind so charakterstark, ihre eigenen Empfehlungen in Frage zu stellen oder hinwegzufegen. 

Ich habe Andreas Hensel, den langjährigen Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) mal gefragt, warum sein Institut nicht selbst Studien durchführt, um wissenschaftliche Streitfragen zu klären. Immerhin verfügt das BfR über 1.112 Mitarbeiter, darunter mehr als 500 bestens ausgebildete Wissenschaftler. "Das wäre uferlos und viel zu teuer, obendrein gibt es dazu keinen politischen Auftrag", wies Hensel meine Frage brüsk zurück. "Die Industrie muss belegen, dass ihre Produkte sicher sind."


Druck aus den USA

Was passiert, wenn eine Behörde ausschert und die Pharmaindustrie nachhaltig verärgert, sah man am Beispiel des streitbaren Mediziners Peter Sawicki, der von 2004 bis 2010 das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen - kurz IQWiG - geleitet hatte. Dessen Auftrag war es, den Nutzen von Arzneimitteln einer objektiven Bewertung zu unterziehen und Sawicki nahm diesen Auftrag ernst. Er zeigte systemische Schwächen auf und prangerte Missbrauch an. Speziell angetan hatten es ihm diverse universitäre „Mietmäuler“, die ihre Expertise an den Meistbietenden verkauften. In ihren Gutachten kam das IQWiG häufig zu Ergebnissen, welche die Industrie massiv verärgerten, weil dies auch direkte Auswirkungen auf die Verschreibe-Praxis hatte. Denn bei einem negativen IQWiG-Bescheid zahlten die Kassen nicht. 

Mit diesem Vorgehen wurde Peter Sawicki zum Hauptfeind des Verbands der US-Pharmaindustrie. Am Höhepunkt des Konflikts forderte diese von Präsident Barack Obama allen Ernstes, Deutschland neben Vertretern wie Nordkorea oder dem Iran auf eine "Priority Watch List" von "Schurkenstaaten" aufzunehmen, weil das IQWig die Interessen der US-Industrie so massiv schädige. Obama besprach die Kausa Sawicki bei seinem ersten Deutschland Besuch mit Kanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Philipp Rösler. Und binnen kurzem war die Karriere von Peter Sawicki beendet. 


Freier Zugang für Lobbyisten

Nach diesem "Betriebsunfall" kann man sich nun ziemlich sicher sein, dass die Behörden es mit der Kontrolle nicht mehr übertreiben. Dazu trägt auch die Zusammensetzung der "Ständigen Impfkommission" STIKO bei, die derzeit von Gesundheitsminister Karl Lauterbach kräftig umgebaut wird. Eine öffentliche Ausschreibung der einflussreichen Posten ist nicht vorgesehen. Und das obwohl die Impf-Empfehlungen der STIKO ein Steuervolumen von mehreren Milliarden Euro pro Jahr und die Gesundheit von Millionen Menschen beeinflussen. Offiziell wird die zeitintensive Tätigkeit in diesem Expertengremium nicht honoriert. Aber natürlich ist jedes Mitglied ein heftig umworbenes Ziel für Pharma-Lobbyismus. 

Wichtigstes Auswahl-Kriterium scheint nach wie vor ein von Zweifeln unbeflecktes "Bekenntnis zum Impfgedanken". Perfekt ausgedrückt hat das der Berliner Kinderarzt Martin Terhardt, der in der ARD-Sendung 'Plantet Wissen' gefragt wurde, wie man STIKO-Mitglied wird. Und Terhardt antwortete tatsächlich: "Ich glaube, ich bin in die STIKO berufen worden, weil ich vorher schon die Impfungen unterstützt habe."


Gigantisches Medizin-Verbrechen


Was wir mit dem weitgehenden Verzicht auf eine strenge Sicherheits-Kontrolle im Bereich der Impfungen riskieren, ist nicht wenig. Zumal schwere Verläufe von Infektionskrankheiten bei Kindern im Lauf der Jahrzehnte immer seltener geworden sind. Dank sozialer und hygienischer Fortschritte sank die Sterbekurve meist schon lange bevor die Impfungen auf den Markt kamen, stark ab. 

Ganz anders verläuft der Trend bei chronischen Krankheiten wie Allergien, Autoimmunerkrankungen oder Entwicklungsstörungen, deren gemeinsame Ursache meist in einer Störung des Immunsystems liegt. 30 bis 50 Prozent der Kinder in Industriestaaten leiden an so einer behandlungsbedürftigen Krankheit und müssen regelmäßig Medikamente nehmen oder Therapie machen. Wie hoch der Anteil ist, den Impfungen hier verursachen, ist unbekannt. Nachdem es ihre ureigenste Aufgabe ist, ins Immunsystem einzugreifen, muss man sie jedoch zweifellos zu den Haupt-Verdächtigen zählen. 

Hier eine kritische Untersuchung und jegliche Kontrolle zu verweigern, wird als gigantisches Medizin-Verbrechen unseres Zeitalters in die Geschichte eingehen. 

Mein neues Buch "Was Sie schon immer über das Impfen wissen wollten" habe ich geschrieben, um im Dschungel des Impfwesens Orientierung zu geben - und soweit das möglich war - notwendige Fakten für eine informierte Entscheidungsfindung zu liefern. 


PS: Wenn Ihnen mein Blog interessant und wichtig erscheint, freue ich mich sehr über eine Spende, die meine Arbeit unterstützt.



Informationen zu Bert Ehgartners aktuellem Film "Unter die Haut" findet Ihr auf der Webseite zum Film. Wer an einem Interview, einem Vortrag oder einer Filmvorführung mit Bert Ehgartner interessiert ist, findet alle Informationen zu den Angeboten auf seiner Homepage.

Montag, 7. November 2022

Die Pandemie ist zu Ende: Trotz Impfung

Prognosen sind bekanntlich schwierig - speziell wenn sie die Zukunft betreffen. Der gnadenlose Schiedsrichter von Expertenschaft und Politik ist deshalb das Archiv. Hier zeigt sich, ob die einst wortgewaltig und mit großer Zuversicht geäußerten Vorhersagen auch tatsächlich eingetroffen sind. Beim Thema Covid-19 - soviel ist gewiss - haben sich die jeweiligen Meinungsmacher nicht mit Ruhm bekleckert.  

Karl Lauterbach setzt unverdrossen auf die Impfung und fordert zum 4. Stich auf

Im heurigen März hielt Gesundheitsminister Karl Lauterbach eine besonders dramatische Rede im deutschen Bundestag. Er warb für die Impfpflicht, nicht nur für Gesundheitsberufe, sondern für alle Bürger. Und er übte sich auf Basis seines wissenschaftlichen Sachverstandes als Prophet (unterstützt auch von Vorhersagen des Virologen Christian Drosten, den er zitiert). 
Lauterbach zählte in seiner Rede einige drastische Entwicklungen für den Herbst 2022 auf: Es sei möglich, dass die Delta-Welle wieder zurück kommt, oder dass Omicron gefährlicher wird, indem die Viren tiefer in die Lunge eindringen, oder ähnliches.
Ab Minute 1:12 sagt er: 
"Die Wahrscheinlichkeit, dass wir im kommenden Herbst eine dieser Varianten sehen, liegt bei fast 100 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir keine Probleme mit der Bekämpfung der Corona-Pandemie haben, liegt bei fast null Prozent, das ist fast so wahrscheinlich, als dass wir gar keinen Herbst bekämen."

Und dann ergeht er sich in seiner Rolle als Corona-Stratege: 
"Was müssen wir schließen? Wie gehen wir mit den Geschäften um? Was können wir unseren Kindern erneut zumuten? Sind die Pflegekräfte da, die wir benötigen?"

Und damit ist er beim Kern des Problems angekommen, auf das er die ganze Zeit hingesteuert hat. Er benennt die Schuldigen:
"Wir können den vielen Ungeimpften – die dann Behandlung brauchen und sie auch bekommen werden – denen können wir ja nicht sagen, ihr hättet euch ja impfen können, wir behandeln euch nicht! Wir sind eine zivilisierte Gesellschaft. Wir werden diese Menschen, die zum größten Teil selbst schuld sind, behandeln müssen. Und dann wird erneut das ganze Land in der Geiselhaft dieser Gruppe von Menschen sein, die sich gegen die weltweite wissenschaftliche Evidenz richten und noch stolz darauf sind, dass das Land auf sie wartet, ob sie sich impfen lassen oder nicht. Das können wir uns aus meiner Sicht nicht mehr leisten."
Und er schließt mit dem Aufruf: 
"Zum ersten Mal sind wir für das Jahr 2022 in der Lage die Pandemie in Deutschland mit der Impfpflicht zu beenden. Lassen Sie uns diese Gelegenheit ergreifen."
Der Wunsch Lauterbachs ging nicht in Erfüllung, wie wir wissen, die allgemeine Impfpflicht wurde vom Bundestag abgelehnt. Einzig die Impfpflicht für Gesundheitsberufe ist nach wie vor in kraft. Dieses Gesetz wird in vielen Bundesländern aber gar nicht exekutiert, um die teils verheerende Personalsituation in vielen Kliniken und Gesundheitseinrichtungen nicht noch weiter zu verschlimmern.
 

Prognose und Realität

Und jetzt haben wir also den Herbst 2022: Was ist aus Lauterbachs vollmundigen Ankündigungen geworden?
Nichts ist daraus geworden, er hat sich - auf Basis seines Sachverstandes - zu hundert Prozent geirrt.
Die Pandemie ist zu Ende gegangen. Aber trotz Impfung - und nicht wegen der Impfung.
Beinahe die gesamte Bevölkerung hat sich - teils mehrfach - infiziert. Damit wurde eine Herdenimmunität jenseits von 95% erreicht. Und nun sind die meisten Menschen immun und vor ernsthaften Verläufen geschützt.

Wenn man den aktuellen RKI Monatsbericht vom 3. November ansieht, so zeigt sich das auch deutlich in den Zahlen. Im gesamten Monat Oktober mussten in Deutschland insgesamt 20 Personen der Altersgruppe 18-59 Jahre aufgrund von Covid-19 auf einer Intensivstation behandelt werden. Davon waren nur 2 Personen ungeimpft. 
In der Altersgruppe über 60 Jahren mussten 79 Personen wegen Covid-bedingter Beschwerden auf einer Intensivstation behandelt werden. Davon waren 21 Personen ungeimpft, 7 Personen zweifach, 29 Personen dreifach und 23 Personen vierfach geimpft.

Aus dem RKI-Monatsbericht vom 3. November 2022

Die eigentlichen Schwurbler  

Lauterbach gibt jetzt vereinzelt Fehler zu. Zum Beispiel den Irrtum, dass Kinder ein Treiber der Infektion waren. Kitas und Schulen hätten nicht geschlossen werden müssen. Auch hier hatte Drosten den wissenschaftlichen Einflüsterer gespielt - und damit Lauterbach und viele andere Politiker getäuscht.
Lauterbachs Haltung mag dadurch etwas ins Wanken geraten sein. Doch er ist noch weit davon entfernt, sein Generalproblem anzuerkennen: dass er auf Basis seines eigenen Sachverstandes und dem seiner Experten auf ganzer Ebene daneben lag. 
Bereits im März hätte Lauterbach - wenn er sich dafür interessiert hätte - wissen müssen, dass ein Großteil der Bürger - teils mehrfach - mit den SARS CoV-2 Viren infiziert war. Längst gab es eine Herdenimmunität, wodurch die Infektionswellen rasch versiegten. Bei jenen, die dennoch erkrankten waren die Verläufe über Kreuz-Protektion meist mild.  Dies lag jedoch nicht an den großteils unwirksamen Impfungen, sondern an den durchgemachten Infekten, die eine robuste bevölkerungsweite Immunität erzeugten. 
Weder Lauterbach noch seine Experten vom Robert Koch Institut hatten Wert darauf gelegt, diesen Immunstatus der Bevölkerung frühzeitig solide zu erheben - auch aus der Strategie heraus, die natürlich erworbene Immunität ja nicht hervorzuheben und aufzuwerten. 
Erst im September erschienen dann die Resultate größerer Studien (z.B. vom Helmholtz Zentrum und der Universität Münster), die zeigten, dass 95% der Deutschen längst hohe Antikörper Titer aufweisen. 
Doch sogar hier reagierte Lauterbachs laufend zitierter Lieblings- Experte, Leif Erik Sander von der Berliner Charité, noch skeptisch. "Das Ergebnis ist interessant", erklärte der Virologe gegenüber dem ZDF. "Aber der alleinige Nachweis von Antikörpern ist leider nicht gleichzusetzen mit einer Immunität im Sinne eines Infektionsschutzes." 

Lauterbach mit einem seiner Lieblings-Experten: Leif Eric Sander von der Charité

Kein Wort davon, dass dieser Infektionsschutz aber jedenfalls noch besser ist, als jener nach Impfung. Stattdessen setzt Sander nach wie vor auf unreflektierte Impfwerbung: „Die aktuellen Infektionszahlen zeigen, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist, die eigene Immunantwort mit einer Auffrischungsimpfung zu verbreitern.“

Derart beraten lief Lauterbach in die Falle seiner eigenen Vorurteile, die immer nur die Impfung als einzigen Ausweg sah.
Diese war aber nie der ersehnte Gamechanger. Sie hatte - wenn überhaupt - nur eine Wirkungsdauer von wenigen Wochen. Dafür aber so viele Nebenwirkungen, dass die Lebensqualität vieler tausend einst gesunder Menschen dauerhaft schwer geschädigt worden ist.
 
Und das hätte man wissen können, wenn man die Warnungen vor einer überhasteten Zulassung ernst genommen hätte. Wenn kritische Wissenschaftler nicht als "Außenseiter" denunziert oder gleich als "Schwurbler", "Querdenker" oder "Nazifreunde" abqualifiziert worden wären.
Denn nun stellt sich Tag für Tag deutlicher heraus, wer die eigentlichen Schwurbler waren und noch immer sind.
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Samstag, 9. April 2022

Karls Covid-Chaos: Im Blindflug durch die Pandemie

Wenn Gesundheitsminister Karl Lauterbach seine Weisheit über COVID-19 und die düstere Zukunft der Pandemie verlautbart, bezieht er seine Informationen großteils vom Robert Koch Institut (RKI). Und dessen Zahlen belegen eindeutig den Sinn und die Wirksamkeit der Impfung - sogar noch in Zeiten von Omikron. Deshalb hält Lauterbach - trotz der deutlichen Abstimmungs-Niederlage im Bundestag – auch nach wie vor an der Impfpflicht fest. Vielfach wurden die statistischen Tricks kritisiert, mit denen das RKI operiert, um die Impfungen stets in bestem Licht erscheinen zu lassen. Hier ein markantes Beispiel, wie dünn die Zahlensuppe ist, von der sich der Minister ernährt.


Laut Wochenbericht des RKI vom letzten Donnerstag wurden in Deutschland bisher 172,2 Mio. Impfdosen verabreicht. 48,9 Mio. Deutsche erhielten bisher eine dritte Impfung, 2,7 Mio. sogar eine vierte. Und diese Booster-Impfungen sind derzeit auch am meisten nachgefragt. Aber auf sehr niedrigem Niveau. Während sich am Höhepunkt der Impf-Kampagne zum Jahresende 2021 in einer Woche 7,6 Mio. Personen impfen ließen, waren es in der vergangenen Woche nur 284.000 Personen. Reihenweise sperren Impfzentren wegen der mangelnden Nachfrage sogar zu. Und am wenigsten nachgefragt sind die Erstimpfungen. Jene, die sich bisher der Impfung verweigert haben, halten an ihrem Urteil fest und sind für keine Impfwerbung mehr erreichbar. 

Der Anteil der Ungeimpften in der Bevölkerung sinkt mit dem Alter.

In der Altersgruppe über 18 Jahre haben laut RKI 85,6 Prozent der Deutschen Bevölkerung eine Grundimmunisierung. Das entspricht genau dem Wert von "85%", der vom RKI im Sommer 2021 als "Zielimpfquote" genannt wurde, "um die Covid-19 Pandemie zu kontrollieren." Insofern stellt sich die Frage, wozu es überhaupt noch eine Impfpflicht brauchte. - Offenbar hat man sich von der Impfung deutlich zu viel versprochen.


Woher kommt die deutsche Begeisterung für die Zwangsimpfung?

In den letzten Monaten wurde für alle in diesem Land deutlich sichtbar, dass die Impfung wenig oder gar keinen Schutz bietet. Viele Geimpfte erkrankten selbst, oder kennen Personen im nahen Umfeld, die sich mit der aktuellen SARS CoV-2 Variante Omikron infizierten. Umso paradoxer erschien das Beharren der Regierungs-Koalition auf einer Impfpflicht. 

Außer Österreich hatte kein europäisches Land so eine Regelung eingeführt. Wegen anhaltender Massenproteste auf den Straßen und massiv abstürzender Umfragewerte der Impfpflicht-Parteien wurde das Gesetz aber bereits zwei Wochen nachdem es beschlossen war, von der österreichischen Regierung wieder auf Eis gelegt. Grund dafür war vor allem das Abschneiden der Impfkritiker-Partei "M-F-G" (Menschen-Freiheit-Grundrechte), die von Wahl zu Wahl stärker wurde - und bei Landtags, Gemeinderats- oder kürzlich den Ärztekammer-Wahlen zwischen 6% und 28% der Stimmen erhielt.

Dass die Einführung der Impfpflicht im deutschen Bundestag scheiterte, verwundert, wenn man davor die Debatten-Beiträge gehört hat. Denn nicht nur Lauterbach und die SPD, auch viele Vertreter von Grünen und CDU-CSU waren voll des Lobes für die Impfung. Es war demnach vor allem parteipolitisches Kalkül, dass der Gesetzesentwurf keine Mehrheit erhielt - weniger die Einsicht in den mangelnden Sinn einer Zwangsimpfung.

Woher kommt also die Begeisterung für eine Impfung, die in den meisten Ländern Europas nur noch belächelt und möglichst schnell vergessen wurde? - Wahrscheinlich hat es mit den Zahlen zu tun, die von den Behörden geliefert und von den Massenmedien kritiklos verbreitet werden. 


Deutschland vs. England: Zwei Länder - zwei Covid-Welten

Vergleichen wir die von den deutschen Behörden veröffentlichten Zahlen mit der Situation in England. 

England beschloss mit 1. April die Covid-Tests in der Bevölkerung einzustellen. Dies wurde als Grund genannt, warum mit Ende März zum letzten Mal im Covid-Bericht der Behörden eine Übersicht zum Impfstatus der Covid-Fälle veröffentlicht wurde. Wir bringen im folgenden einen Vergleich der von den englischen und deutschen Gesundheitsbehörden Ende März veröffentlichten Berichte. Beide erschienen jeweils am Donnerstag, dem 31 März und berichteten die Covid Zahlen der letzten vier Wochen.

Die erste Grafik zeigt die prozentuale Verteilung nach Impfstatus bei den in diesem Zeitraum registrierten Covid-Fällen in der Altersgruppe von 18-59 Jahren. 

In beiden Ländern stellen die Geboosterten die Mehrzahl der Infizierten, wenngleich in England der Anteil mit 77% an allen Covid-Fällen noch einmal deutlich höher ist als in Deutschland.

Der Anteil der Ungeimpften ist in Deutschland mehr als doppelt so hoch. Dies erscheint eigenartig, doch sehen wir weiter. 

Nun kommt eine Überraschung. Denn hier ist die Anzahl der Covid-Fälle in absoluten Zahlen:


England hatte demnach im März 2022 fast eine Million Covid-Fälle, Deutschland berichtet im selben Zeitraum nur über 261.000 Fälle. Wie ist das möglich? Immerhin hat Deutschland 83 Millionen Einwohner, England nur 56 Millionen. Und obendrein lag die Covid-Inzidenz während des Monats März in Deutschland mehr als doppelt so hoch wie in England.

Tja, der Unterschied liegt in der Definition. Deutschlands Behörde weist "symptomatische Covid Fälle" aus. Das wären also nur solche mit Covid-typischen Symptomen. 

Was bedeutet das? Dass nur ein Bruchteil der deutschen Infizierten Symptome hatte? - Und falls ja, wie würde das festgestellt? - Untersuchen die RKI-Beamten die Patienten auf Husten, Schnupfen, Heiserkeit? - Wohl kaum.

Deutlich mehr als vier Millionen Deutsche hatten im März einen positiven Corona-Test. Gerade mal 261.000 sollen symptomatisch gewesen sein, - weniger als 7 Prozent? - Das ist extrem unglaubwürdig. Wesentlich wahrscheinlicher ist, dass das RKI nicht imstande war, die Daten der 4 Millionen Covid-Fälle zu erfassen und deshalb nur jene Daten analysiert hat, die beim RKI in Berlin angekommen sind. Wie seriös die Auswahl dieser Stichprobe der "symptomatischen Fälle" erfolgte, wird im Bericht mit keinem Wort erwähnt. Wer demnach den Bericht liest, denkt, dass hier tatsächlich alle symptomatischen Covid-Fälle Deutschlands erfasst wurden. Dies ist eine klare Irreführung.

Das hält das RKI aber nicht davon ab, einen viele Dutzend Seiten dicken Report zu veröffentlichen. 


Hospitalisierte Fälle

Als nächstes betrachten wir den Vergleich der hospitalisierten Patienten mit positivem Covid-Status in der Altersgruppe ab 60 Jahren.


Wieder sind die Unterschiede enorm. Während in Deutschland angeblich etwa gleich viele Geboosterte wie Ungeimpfte auf den Stationen liegen, ist das Verhältnis in England komplett konträr. 
Und wieder hat England deutlich höhere Zahlen. Liegt das vielleicht daran, dass wieder nur die symptomatischen Covid-Fälle gezählt wurden? So steht es zumindest im RKI-Report. Glaubwürdig ist das bei den Hospitalisierten allerdings noch weniger, denn ohne Symptome kommt man selten ins Krankenhaus.


Todesfälle

Und auch bei den Todesfällen sieht es ähnlich aus.


Besonders auffällig ist hier der gegenläufige Trend. Während in Deutschland die Ungeimpften die Mehrzahl der Covid-Todesfälle stellen, machen in England die Geboosterten den Löwen-Anteil aus. Ist ja auch logisch, wenn der Großteil der Menschen über 60 Jahren geimpft ist. - Dennoch ist der Kontrast zu den deutschen Zahlen frappierend. Und auch die wesentlich kleinere Zahl wirkt extrem unglaubwürdig. 

Das RKI produziert demnach Daten, die im internationalen Vergleich ebenso einzigartig wie unglaubwürdig sind. 


Wiener Wunder

Nicht weniger einzigartig sind die Impferfolge, die in Wien erzielt werden, jener Stadt, die international für Aufsehen sorgte, weil dort im letzten Jahr mehr PCR Tests durchgeführt wurden, als in ganz Deutschland. Der Wiener Gesundheits-Stadtrat Peter Hacker hat erst kürzlich wieder die Impfpflicht als "alternativlos" bezeichnet. Kein Wunder, wenn ihm laufend Graphiken wie diese hier vorgelegt werden, die sein Sprecher Mario Dujakovic auf Twitter verbreitet. Hier wird eine 7-Tage Inzidenz nach Immunstatus präsentiert - und die großen roten Balken sind natürlich die Ungeimpften. 



Wien: Fast nur Ungeimpfte im Krankenhaus?

Die 7-Tage Inzidenz zeigt an, wie viele Personen pro 100.000 Personen mit demselben Immunstatus, in den letzten 7 Tagen hospitalisiert waren. Und es ist hier natürlich von großer Bedeutung, wie groß die Grundgesamtheit ist. Je kleiner die absoluten Zahlen, desto massiver ist der Ausschlag nach oben, weil z.B. von einer Grundgesamtheit von 100 Menschen auf 100.000 hoch gerechnet wird. Wir erinnern uns diesbezüglich an kleinere Orte, wo die Inzidenz in den roten Bereich hüpfte, weil gerade mal eine oder zwei Personen positiv getestet wurden. 

Fragen, auf welche Daten er sich bezieht - und ob er auch die absoluten Zahlen nennen könnte, die diesen Graphiken zugrunde liegen, ließ Dujakovic unbeantwortet. - Und so stellt sich auch hier die Frage, ob diese Aussagen überhaupt praktische Relevanz haben, oder – losgelöst von der Realität – einfach nur den Zweck der Impfwerbung erfüllen. 


Impfdaten von der Märchenfee

Auch vom RKI wurden meine Anfragen zur Datenbasis der Behörde nicht beantwortet. Auf die Frage, wer feststellt, ob positiv getestete Personen Symptome haben oder nicht, schrieb Susanne Glasmacher, die Pressesprecherin des RKI: "Die Angaben zu Symptomen werden vom Gesundheitsamt übermittelt und einzelne Konstellationen können wir nicht bewerten."

Keine Erklärung, warum der Großteil der Covid-Fälle wie in einem Schwarzen Loch verschwinden. Keine Erklärung, warum sich die Resultate so markant von jenen Englands unterscheiden.

Ging es dem RKI in erster Linie darum, den Minister mit aufgehübschten Zahlen zu versorgen? - Dieser Verdacht liegt nahe. 

Und nachdem ja nicht nur ich, sondern auch Karl Lauterbach zweifellos in der Lage wäre, sich die englischen Zahlen zu besorgen, drängt sich ein weiterer Verdacht auf: Der Minister will die richtigen Zahlen gar nicht wissen. Denn sonst hätte er längst dafür gesorgt, dass seine Behörde eine seriöse Datenbasis bekommt. Und nicht mehr Schätzungen bzw. Hochrechnungen auf Basis einer zufällig gefundenen Stichprobe veröffentlichen muss. 

Denn welche Zahlen seriöser sind - die englischen, oder die deutschen - darüber gibt es unter Experten keinen Zweifel. Hat England doch – so wie auch Dänemark, Schweden oder Schottland – ein funktionierendes Impfregister, wo die Impfdaten der Bevölkerung mit Personen-bezogenen Gesundheitsdaten kombiniert und auf Knopfdruck ausgewertet werden können. 

In Deutschland - wie auch in Österreich - wurde der wissenschaftliche Wert eines solchen Impfregisters noch nicht einmal verstanden. Da halten die Gesundheitspolitiker das Register nämlich bloß für ein Werkzeug, um die Bevölkerung an Auffrisch-Impfungen zu erinnern, oder um Impfgegner zu identifizieren und zu gängeln. Unter diesen Prämissen sollte tatsächlich gar kein Impfregister eingeführt werden.

Dass man mit dem Impfregister ein wissenschaftliches Instrument hätte, um die Sicherheit und Wirksamkeit der Impfungen zu prüfen und epidemiologische Spitzenforschung zu betreiben, das haben die meisten Politiker intellektuell noch gar nicht erfasst. 

In Deutschland regiert inzwischen weiterhin der Blindflug. Politik aus dem Bauch - Argumente vom Stammtisch - Zahlen aus der Wühlkiste. So ist die traurige Realität.  

Dennoch wird der Bevölkerung über Tagesschau und Co. der Eindruck von Seriosität vermittelt. - Nichts könnte falscher sein. Und so schmückt sich Minister Karl weiterhin mit Impfdaten aus dem Wunschkonzert - an die er womöglich mittlerweile bereits selbst glaubt. 

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Bert Ehgartner steht auch für Vorträge, Filmvorführungen, etc. zur Verfügung. 
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Montag, 11. Oktober 2021

Robert Koch Institut unter Beschuss


In unserem neuen Videobeitrag "Numbers #03" erklären wir, mit welchen Tricks das Robert Koch Institut versucht hat, den Werbeslogan von der „Pandemie der Ungeimpften“ mit Daten zu stützen. Nun ist das Gerüst eingebrochen, die neuen Zahlen ergeben ein dramatisch verändertes Bild. Das RKI ist in seiner Glaubwürdigkeit erschüttert, Lothar Wieler schwer angezählt.
Es ist dringend nötig, die Behörden aus der Umklammerung der Politik zu befreien.

Wie sehr die Politik deren "Unabhängigkeit" untergräbt, sah man am Beispiel der österreichischen AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit). Franz Allerberger, der dort als Leiter der Abteilung für Öffentliche Gesundheit tätig war, wurde durch seine Maßnahmen-kritischen Interviews immer mehr zum Feindbild der Politik. Als er in der OVALmedia Sendereihe "Narrative" erklärte, dass die Covid-Pandemie "ohne PCR-Tests niemandem aufgefallen wäre", war das der Anlass für Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein, den widerspenstigen Beamten vorzeitig in Pension zu schicken. 

Auch die AGES verwendet dieselben Tricks, wie das Robert Koch Institut, indem sie in den Covid-Berichten nur die Anzahl der "Impfdurchbrüche" bekannt gibt. Damit erweckt sie den Eindruck, dass alle Covid-Patienten, die dieser engen Definition nicht entsprechen, "ungeimpft" wären. Das entspricht aber ganz und gar nicht den Tatsachen. 

Wann erhalten wir endlich Behörden, die wissenschaftlich korrekt arbeiten und sich nicht ausschließlich als Erfüllungsgehilfen der Politik verstehen?

Dienstag, 10. September 2019

Die ungelösten Probleme des Impfwesens

In der Öffentlichkeit wird von Gesundheitspolitik und Medien die Ansicht verbreitet, dass es beim Impfen nur ein einziges Problem gibt: die Impfgegner. In Wahrheit sind die Verhältnisse deutlich komplexer. Fehlplanungen und systemimmanente Missstände werden seit Jahren verschleiert. Das Impfwesen entwickelt sich immer mehr zu einer abgeschotteten Community, die sich selbst mit alternativen Fakten versorgt. 


Gutes Image und fehlende Kontrolle - eine fatale Kombination

Die eigenen Entscheidungen einer strengen Prüfung zu unterziehen, die begangenen Fehler anschließend in einem öffentlichen Verfahren zu diskutieren und notfalls um 180 Grad zu korrigieren, so etwas klingt zwar edel - gehört aber im Normalfall nicht zu den vorherrschenden menschlichen Eigenschaften. Solche Prozesse mögen einzelne Individuen im Zuge von Lebenskrisen durchmachen - bei mächtigen Institutionen ist kritische Selbstreflexion hingegen unwahrscheinlich, speziell wenn die Angelegenheit kompliziert und schwierig ist.
Deshalb gibt es Kontrollinstanzen wie Rechnungshöfe. Niemand käme z.B. auf die Idee, dem Amt für Straßenbau die Aufgabe zu übertragen, den Bau einer Autobahn – von der Ausschreibung der Arbeiten bis zur Abrechnung – vollständig unabhängig durchzuführen und sich dann selbst zu prüfen. Zum einen würde das Korruption fördern, zum anderen den Lerneffekt verhindern, den die unabhängige Sicht fremder Fachleute immer bringt. Das Fehlen derartiger Kontroll-Instanzen führt zu institutionellem Selbstbetrug. Geduldet wird schließlich nur noch, was die zuvor getroffenen Entscheidungen rechtfertigt.


Ein System, das sich selbst kontrolliert

Auf das Impfwesen treffen viele dieser Beschreibungen zu. Dieselben Behörden, welche die Impfpläne erstellen und für eine möglichst hohe Impfquote werben, kontrollieren anschließend den Erfolg ihrer Empfehlungen. Das ist bereits insofern absurd, als es derzeit kaum Möglichkeiten gibt, die Resultate einer Impfempfehlung überhaupt seriös zu messen und zu bewerten. Die Behörden haben es nämlich bisher verabsäumt, ein elektronisches Impfregister einzuführen, bei dem die durchgeführten Impfungen mit den individuellen Gesundheitsdaten verknüpft werden können. Mit so einem Impfregister wäre es möglich, auf Knopfdruck den Erfolg vieler Impfungen zu messen und der Bevölkerung eine Schaden-Nutzen Abwägung zu präsentieren, welche für eine informierte Entscheidungsfindung notwendig wäre.

Am Beispiel der Influenza-Impfung könnte man damit etwa folgende Fragen beantworten:

  • Erspart man sich mit der Influenza-Impfung Krankenstände bzw. Pflegeurlaub - und falls ja, wie viele Tage? 
  • Welche Altersgruppen profitieren am meisten von der Impfung, welche am wenigsten?
  • Gibt es auffällige Nebenwirkungen der Impfung?
  • Welche Produkte sind nach diesen Kriterien die besten Impfungen, welche sollten vom Markt genommen werden?


In einem intelligent organisierten Gesundheitssystem sollten die Behörden für jede Impfung ein Anforderungsprofil schaffen mit bestimmten Zielen. Außerdem müssten Sicherheits-Standards festgelegt werden: Was ist an Nebenwirkungen tolerierbar, was wäre eine rote Linie, die nicht überschritten werden darf.
Weil die Daten von Millionen Menschen einfließen, wäre es möglich auch seltene Risiken statistisch zu klären. Und dann könnte mit Hilfe des Impfregisters jedes Jahr geprüft werden, ob die jeweilige Impfung die an sie gestellten Anforderungen erfüllt.
Ohne ein derartiges Impfregister ist hingegen jede Impfung aus wissenschaftlicher Sicht ein "Schuss ins Dunkle".  Wirkung und Sicherheit der Impfungen können derzeit nur über statistische Umwege abgeschätzt werden. Und damit ergibt sich ein Graubereich der Interpretation, der fehleranfällig ist und zu Beschönigungen einlädt.


Impfpflicht als Eigentor

Im Mittelpunkt der Diskussion steht derzeit meist die Masern. In Deutschland plant die schwarz-rote Koalition eine Impfpflicht. Seit Monaten überziehen die Medien - speziell auch die so genannten Qualitätsmedien – die Bevölkerung mit Fake News, in denen es beispielsweise heißt, dass die Masern in Deutschland laufend häufiger werden.
zum Impfpflicht Fakten-Check

Als Folge der medialen Fehlinformation stieg der Anteil der Befürworter einer gesetzlichen Impfpflicht laut Umfragen auf mehr als 70 Prozent an. Offenbar versucht die große Koalition, sich hier anzubiedern.

Die meisten Impfexperten warnen hingegen vor derartigen populistischen Aktionen. Schon jetzt sei die Impfquote bei Masern - speziell bei den Kindern - sehr hoch. (97 Prozent der Schulanfänger haben die erste MMR Impfung, 93 Prozent die zweite.) Mit Hilfe einer gesetzlichen Impfpflicht kann diese Quote kaum weiter erhöht werden. Im Gegenzug wächst hingegen die Gefahr, dass diese Aktion nach hinten los geht. Immerhin geschieht damit – erstmals seit der alten Pocken-Impfung – wieder ein tiefer Eingriff in zentrale Grundrechte unserer Verfassung wie z.B. das Recht auf körperliche Unversehrtheit und das Recht der Eltern, die Erziehung und Pflege ihrer Kinder selbst zu bestimmen. Wenn der Amtsarzt mit Polizeibegleitung zur Zwangsimpfung schreiten muss, ergibt sich eine dramatische Polarisierung, welche einer informierten Entscheidungsfindung nicht zuträglich ist.
In Frankreich stieg - nach der Ausweitung der Impfpflicht durch die Regierung Macron - die Zahl der Impfkritiker auf Rekordwerte. Laut aktueller Daten des britischen "Wellcome Trust" stufen 33 Prozent der befragten Franzosen Impfungen als "unsicher" ein. Ein absoluter Spitzenwert in Westeuropa.
Ob es gelingen kann, die Masern auszurotten, ist derzeit – mit oder ohne Impfpflicht – höchst zweifelhaft. Und mit jedem Jahr, das verstreicht, werden die Chancen geringer, weil bei einem Teil der geimpften Erwachsenen der Schutz schwindet.


Windpocken: Das programmierte Desaster

Anstatt nun von diesen Problemen zu lernen und neue Fehler möglichst zu vermeiden, sind die Behörden derzeit dabei, bei Windpocken dieselben Fehler zu machen. Bei dieser meist vollständig unkompliziert verlaufenden Kinderkrankheit wird seit 2004 die Impfung empfohlen. Im Vergleich zu Masern ist hier der Impfschutz mit rund 80 Prozent deutlich geringer. Außerdem besteht überhaupt keine Chance, die Windpocken-Viren jemals auszurotten. Diese Varizellen bleiben nämlich sowohl nach durchgemachter Krankheit als auch nach einer Impfung im Körper zurück und "schlafen" dort am Ende von Nervensträngen. Wenn wir Glück haben ein Leben lang.
Wenn wir kein Glück haben, brechen die Varizellen wieder aus - diesmal jedoch nicht in Form der Windpocken, sondern als Gürtelrose (Herpes zoster). Die Viren verbreiten sich entlang der Nervenstränge und lösen auf der Haut unangenehme, teils extrem schmerzhafte Ausschläge aus, die schwer zu behandeln sind.
In den USA wurde die Windpocken-Impfung zehn Jahre vor Deutschland eingeführt. Und seit langem wird dort von einer starken Zunahme der Fälle von Herpes zoster berichtet. Epidemiologische Studien zeigten einen überraschenden Zusammenhang: Das Risiko, an einer Gürtelrose zu erkranken war umso höher, je weniger Kontakt die betroffene Person mit windpocken-kranken Kindern hatte. Offenbar braucht das Immunsystem der Erwachsenen ab und zu diese Erinnerung, um auf die schlafenden Windpocken Viren besser acht zu geben. Heute gibt es in den USA bereits mehr Fälle von Gürtelrose als von Windpocken.
In Deutschland sind nach Angaben des Robert Koch Instituts (RKI) die Fälle von Windpocken seit 2005 um 71 bis 88 Prozent zurückgegangen. Eine erste Erhebung der Behörde zur Häufigkeit der Gürtelrose zeigt nun, dass die US-amerikanischen Verhältnisse auch hierzulande einkehren. Mit jedem Jahr nehmen die Krankenhaus-Einweisungen mit der Diagnose Herpes zoster zu. Lag die Zahl im Jahr 2005 noch bei 14.446 Fällen, mussten 2015 bereits 23.463 Personen deshalb in einer Klinik behandelt werden.
Dass die eigene Impfempfehlung dafür verantwortlich ist, will die Behörde aber nicht zugeben: "Ob die beobachtete ständige Zunahme der Inzidenz von Herpes zoster bei Erwachsenen mit der Windpocken-Impfung der Kinder zusammen hängt, bleibt unklar", heißt es im Bericht des RKI.

Die Zunahme der Gürtelrose ist allerdings nur eines der Probleme, welche durch das Impfprogramm ausgelöst wurde. Wie bei Masern entstehen auch bei Windpocken neue Risikogruppen. In den USA hat sich das durchschnittliche Alter in dem die Kinder erkranken von rund 4 bis 5 Jahren auf 11 bis 12 Jahre mehr als verdoppelt. Ähnlich wie bei Röteln bilden die Windpocken aber ein starkes Risiko für Schwangere, weil die Viren das ungeborene Kind angreifen und schwer schädigen kann. "In spätestens zehn Jahren wird dann die Windpocken-Impfpflicht gefordert werden, weil es mehr und mehr Schwangere geben wird, die - ob geimpft oder nicht - keine verlässliche Immunität haben", erklärt der Münchner Kinderarzt Martin Hirte. "Dann müssen entweder die Schwangeren oder die Ungeimpften in Dauer-Quarantäne. Was für ein selbsteingebrocktes Szenario!"


Befangene Impfexperten

Die Empfehlung zur Windpocken-Impfung abzuschaffen wäre wohl die sinnvollste Variante. Noch besteht dazu die Möglichkeit. Doch einmal getroffene Beschlüsse wieder zurück zu nehmen, das steht für die Behörde nicht zur Diskussion.
Die Impfempfehlungen erstellt die "Ständige Impfkommission (STIKO)" am Robert Koch Institut in Berlin. Ihr kommt eine gewaltige Verantwortung zu, indem hier entschieden wird, welche Impfstoffe die Mehrzahl der deutschen Kinder bekommt. In der STIKO wird aber auch entschieden, wie viel Steuergeld für das Impfen ausgegeben wird. Und das ist eine ganze Menge: Im Jahr 2017 belief sich der Aufwand der gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland für Impfungen auf immerhin 1,23 Milliarden Euro.
Insofern wäre es eine Selbstverständlichkeit für ein zivilisiertes Land, dass die Auswahl der Mitglieder dieses Gremiums nach strengsten Kriterien der Transparenz und der wissenschaftlichen Objektivität stattfindet. Dass finanzielle Verbindungen mit Impfstoff-Herstellern nicht geduldet werden und auch von der intellektuellen Einstellung des jeweiligen Experten eine gewisse geistige Unabhängigkeit erwartet wird.
Seit langem gleicht die STIKO hingegen einem Club von Pharma-Lobbyisten, die neue Impfungen anstandslos durchwinkt. Speziell in der Ära ihres Langzeit-Vorsitzenden Heinz-Josef Schmitt wurden mit der Empfehlung der Immunisierung gegen Windpocken, Meningokokken oder Pneumokokken laufend neue Impfungen in den Impfkalender gehievt. Den Höhepunkt bildete im Jahr 2007 die Empfehlung der brandneuen, 450 Euro teuren Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV), die als erstes Land Europas - kurz nach der Eilzulassung in den USA übernommen wurde.
Kurz davor hatte sich Schmitt noch mit einem Geldpreis für die "Förderung des Impfgedankens" auszeichnen lassen, der ausgerechnet vom Herstellerkonzern der HPV Impfung finanziert worden war. "Das sind öffentliche Bestechungen", schimpfte Wolfgang Becker-Brüser, der Herausgeber des unabhängigen "arznei-telegramm". Zahlreiche Medien schlossen sich der Kritik an. Heinz-Josef Schmitt war beleidigt und wechselte endgültig zur Industrie, wo er zuletzt als Direktor im Impfbereich des weltgrößten Pharmakonzerns Pfizer tätig war.

In der Folge wurde die Pflicht zur Offenlegung der finanziellen Interessenskonflikte der STIKO-Mitglieder eingeführt. Insofern hat sich eine gewisse Besserung der Zustände ergeben. Die Mehrzahl der 18 Mitglieder hat jedoch nach wie vor enge Beziehungen zur Industrie.
Im Bereich der Prävention sollte es eine strenge Trennung geben zwischen den Behörden, die Impfpläne erstellen - und einer unabhängigen Kontrollinstanz, welche mögliche unerwünschte Folgen sammeln und wissenschaftlich objektiv beurteilt.
Derzeit gibt es diese Trennung nicht: Die Behörden sind alles in einer Instanz. Im Wirtschaftsbereich ist es klar, dass Interessenskonflikte ein „No Go!“ darstellen und sich der zu Kontrollierende nicht selbst kontrollieren soll. Hier jedoch erwartet man plötzlich Wunder an Zivilcourage. Wunder, die nicht passieren.


Von Bert Ehgartner ist kürzlich der Ratgeber "Gute Impfung - Schlechte Impfung" erschienen (Verlag Ennsthaler). Darin wird für jede der gebräuchlichen Impfungen ein eigenes Nutzen-Risiko Profil erstellt. (siehe Bestell-Hinweise in der Spalte rechts)

Mittwoch, 3. April 2019

Das Versagen der Qualitätsmedien in der Impfdebatte

Zwang anstelle informierter Entscheidungsfindung. Propaganda statt objektiver Aufbereitung von Fakten. Ein aktuelles Beispiel für Journalismus in seiner feigsten und dümmsten Variante.

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn hält mit leicht irrem Blick eine Spritze hoch. Darüber steht in Großbuchstaben: "Impfen auf Befehl". Die Coverstory des aktuellen "Spiegel" widmet sich dem "bizarren Streit um den Schutz unserer Kinder".
Wer sich hier eventuell noch einen ausgewogenen Artikel erwartet, wird fünf Seiten weiter im Inhaltsverzeichnis bereits eines besseren belehrt. Dort wird in der Rubrik "Titel" der Artikel nämlich folgendermaßen angekündigt: "Warum eine Impfpflicht die einzig vernünftige Lösung für einen ideologisch aufgeheizten Streit ist". Der Spiegel bringt demnach als Coverstory ganz offen einen Aufruf für die Einführung von Zwangsimpfungen.

Die Coverstory des Spiegel ist ein offen deklariertes Plädoyer für Zwangsimpfungen

Anspruch eines Qualitätsjournalismus wäre es normalerweise, einen ausgewogenen Artikel mit den besten fachlichen Argumenten der jeweiligen Kontrahenten zu bringen. Und sich "nicht gemein zu machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten", wie es der Doyen des deutschen Journalismus, Hanns Joachim Friedrichs, einst formulierte. Derartige Zurückhaltung ist den elf (!) Spiegel-Redakteuren, die als Autorenteam den Artikel verantworten, fremd.

Als schauriger Einstieg in die Story dient die Leidensgeschichte einer Familie aus Bayern. Tochter Angelina war fünf Jahre alt, als sie plötzlich von Krämpfen überfallen wurde.  "Angelina wirkte verwirrt und wiederholte Sätze, die sie gerade gesagt hatte." Bald habe sie alles verlernt, erzählt die Mutter Gina R. den Spiegel Leuten. "Sie konnte nicht mehr laufen, nicht mehr sprechen, nicht mehr sitzen, sie konnte nicht einmal mehr schlucken."
Die Diagnose lautete auf SSPE - eine atypische chronische Gehirnentzündung, die als seltene, aber stets tödliche Spätfolge der Masern gilt. Offenbar ist das Mädchen im Alter von 6 Monaten infiziert worden. Zu einem Zeitpunkt als es noch nicht geimpft werden konnte. Wie und wo sich Angelina angesteckt hat, wissen die Eltern nicht. Doch nachdem Wildviren im Hirnwasser gefunden wurden, gilt der Ablauf als gesichert.
Impfgegner, berichtet Gina R., hätten ihr vorgeworfen, sie habe ihr Kind falsch behandelt, denn Fieber zu senken sei bei Masern falsch. "Sie schrieben", heißt es im Artikel, "ich solle meiner Tochter grüne Smoothies geben oder Globuli, dann werde sie wieder gesund."
Doch das, so die Spiegel-Autoren, "wird sie nie wieder sein". Das heute 13-jährige Mädchen, "ist ein Opfer der Masern geworden, weil es in Deutschland nicht gelungen ist, diese Krankheit auszurotten."


Wo waren die vielen SSPE Fälle in der Vorimpf-Ära?


Damit ist auch schon die Stoßrichtung des ganzen Artikels vorgegeben: Unschuldige Kinder sterben, weil esoterisch verbohrte Impfgegner ihre eigenen Kinder als Bioterroristen herum laufen lassen, die überall ihre Viren ausstreuen. Wenn dieses gemeingefährliche Verhalten durch einen Impfzwang per Gesetz abgeschafft würde, wäre das Problem gelöst. So einfach, so klar.

Doch ganz so simpel, wie der Spiegel suggeriert, ist das Leben nicht.
Das beginnt schon bei dem hier geschilderten SSPE Fall. Die Häufigkeit für SSPE liegt laut Spiegel bei "etwa 1 von 3300 Masernkindern unter fünf Jahren". Wenn das stimmen würde, hätte es in der Zeit vor den großen Impfprogrammen in Deutschland, als noch beinahe jedes Kind an Masern erkrankte, jedes Jahr mehr als 150 SSPE-Fälle geben müssen.
Davon kann jedoch keine Rede sein. Die ersten Impfungen waren zu Beginn der 70er Jahre verfügbar und erst zur Mitte der 80er Jahre war ein Großteil der Kinder geimpft. Eine Literatur-Recherche in der internationalen Medizin-Datenbank "pubmed" zeigt, dass während der 50er und 60er Jahre kaum wissenschaftliche Studien und Berichte zur SSPE erschienen sind. Wenn die Masern tatsächlich so viele Todesfälle bei Kindern verursacht hätten, wäre das Thema wohl kaum übersehen worden. Zumal sich dieses Sterben bei SSPE ja meist über viele Jahre hin zieht und damit tausende Kinder gleichzeitig betroffen gewesen wären.

Eine 1978 veröffentlichte epidemiologische Arbeit erfasste alle SSPE Fälle der DDR. Im Zeitraum von 1968 bis 1977 sind demnach insgesamt 156 Kinder erkrankt. Eine Studie aus Italien kam für die zehn Jahre von 1972 bis 1981 auf 207 Fälle. Das entspricht für Kinder und Jugendliche einem Risiko von 1,24 Fällen pro Million Einwohnern.
In allen diesen zeitgenössischen Berichten wird auch die Frage diskutiert, ob die Impfungen das SSPE Risiko erhöhen. Das wird zwar durchgehend verneint, doch dass auch Impfviren als Auslöser in Frage kommen, steht für die meisten Autoren außer Zweifel. In einer Studie aus den USA errechnen die Wissenschafter nach Wildvirus-Infektion ein etwa zehnmal höheres Risiko für eine SSPE als nach der Impfung.
Heute wird von den Behörden die Ansicht verbreitet, dass ausschließlich Wildviren die tödliche Komplikation auslösen können. Dies scheint jedoch nicht realistisch, zumal fast alle aktuellen SSPE Opfer geimpft worden sind - und der Nachweis der Masern-Erkrankung oft nur auf Vermutungen beruht.
SSPE als Schreckgespenst einzusetzen, um damit die Leute zum Impfarzt zu treiben, scheint tatsächlich eine wirksame Taktik. Seriös ist das allerdings nicht, solang die Umstände dieser Krankheit weitgehend im Dunklen liegen. Dass nur Wildviren diese atypische Infektion auslösen können, die abgeschwächten aber ansonsten weitgehend identischen Impfviren jedoch nicht, erscheint biologisch zudem vollständig unplausibel.

In der US-Fachinformation des Masern-Mumps-Röteln (MMR) Impfstoffs der Herstellerfirma Merck steht SSPE demnach auch in der Liste der möglichen Nebenwirkungen aufgeführt. Sogar die Wahrscheinlichkeit wird konkret beziffert: "Based on estimated nationwide measles vaccine distribution, the association of SSPE cases to measles vaccination is about one case per million vaccine doses distributed." ("Basierend auf der geschätzten nationalen Verbreitung der Masern-Impfung, tritt pro 1 Million Impfungen etwa ein Fall von SSPE auf.")
In der deutschsprachigen Fachinformation desselben MMR Impfstoffes desselben Herstellers fehlt diese Passage. Stattdessen beginnt der Absatz hier mit der Behauptung: "Es gibt keinen Beleg dafür, dass Masern-Impfstoffe SSPE verursachen können."
Die Spiegel Redakteure haben wohl nur den deutschen Text gelesen.


Stimmungsmache mit Impfquoten

Um zu zeigen, welch gewaltige Impflücken sich im Land auftun, werden die Landkreise mit der geringsten Masernimpfquote in einer Graphik hervor gehoben. Verheerend steht es demnach offenbar um Sachsen. Denn die Rekordhalter bei der Verweigerung der 2. Masernimpfung sind mit Görlitz (73,5%) und dem Erzgebirgskreis (74%) im ansonsten als besonders impffreudig bekannten Osten angesiedelt. Wolfsburg in Niedersachsen bringt es vergleichsweise auf stolze 97,9%.
Es handelt sich jedoch nicht um den dunklen Einfluss von Impfgegnern, wie der Spiegel hier suggeriert, sondern um das Gegenteil: Sachsen leistet sich als einziges Bundesland Deutschlands eine eigene Impfkommission, welche die Empfehlungen der Berliner STIKO noch in einigen Punkten überflügelt. So wird beispielsweise eine Meningokokken-Impfung bereits im Alter von 3 Monaten und die jährliche Influenza Impfung mit Beginn im 7. Lebensmonat empfohlen. Damit ist der sächsische Impfkalender deutlich dichter gepackt, als der gesamtdeutsche.
Offenbar war nicht mehr genügend Platz im Impfplan. Denn während die STIKO die zweite Masernimpfung in engem zeitlichem Zusammenhang zur Erstimpfung (11 - 14 Monate) vorschreibt, spätestens jedoch bis zum 23. Lebensmonat, empfehlen die sächsischen Hardcore Impf-Experten die zweite Impfung erst ab einem Alter von 46 Monaten.
Es handelt sich also nicht um sächsische Widerstandsnester gegen die Masernimpfung - sondern im Gegenteil - um behördliche Anweisungen.  Derartige Hintergrund-Details fehlen im Spiegel Artikel, gilt es doch die Notwendigkeit von Zwangsimpfungen heraus zu streichen.

In Wahrheit ist die Bereitschaft zur Masernimpfung in Deutschland bereits jetzt enorm. Den EU Behörden wird für die erste Impfung eine Quote von 95% gemeldet. Bei der Schuleingangs-Untersuchung im Jahr 2016 waren im Schnitt 93 Prozent der deutschen Kinder zweimal gegen Masern geimpft.
Was soll nun eine Impfpflicht bezwecken? - Denken die Behörden tatsächlich, dass eine weitere minimale Anhebung der Durchimpfung von 93 Prozent auf 95 Prozent den erhofften Durchbruch zur Ausrottung bringt? Sind es diese zwei Prozent wert, die Rechte der Eltern massiv zu beschränken und einen Schritt Richtung Medizindiktatur zu gehen?
Und was, wenn sich aus der Impfpflicht eine Gegenreaktion ergibt, eine enorme Verhärtung der Fronten, welche Impfkritiker vollständig unerreichbar macht für die "Argumente der Pharmamafia"? - Wird man dann einen elektronischen Impfpass brauchen, damit sich die Türen zur U-Bahn öffnen? Werden Seuchenwächter in der Fußgängerzone Spontankontrollen durchführen? Macht der Impfarzt Hausbesuche - in Begleitung einer Spezialeinheit der Polizei?


Impfpflicht trägt wenig zur Vermeidung von Masern bei

Die Masernimpfung enthält abgeschwächte, aber lebende Viren welche im Normalfall eine natürliche Reaktion des Immunsystems auslösen. Deutlich mehr als 90 Prozent der Geimpften sind in der Folge vor Masern geschützt. Die zweite Impfdosis dient nur dazu, die restlichen 10 Prozent der "Impfversager" zu erreichen. Bei zweifacher Impfung wird die Schutzwirkung mit nahezu 99 Prozent angegeben.
Es wäre demnach nur ein Katzensprung, um die von der WHO genannte Marke von 95 Prozent zu erreichen, die es laut WHO braucht, um die Masern auszurotten.

Dennoch kommt es weltweit laufend zu Masern-Ausbrüchen. Etwa in den USA, wo bis Ende März 390 Fälle gemeldet wurden, die zweithöchste Zahl seit dem Jahr 2000, wo etwas vorschnell die "Eliminierung" der Masern verlautbart worden war.
In den USA werden Touristen und illegale Einwanderern für die Masern-Invasion verantwortlich gemacht. In Deutschland liegt die Schuld laut Spiegel bei impfkritischen Ärzten, Waldorf-Schulen und esoterisch angehauchten Eltern, die sich von dubiosen Quellen im Internet aufhetzen lassen.
Doch auch in China, wo Impfpflicht herrscht bei einer Quote von angeblich 99 Prozent, wurden im letzten Jahrzehnt im Schnitt 39.000 Fälle pro Jahr gemeldet.
Und Frankreich, wo die Regierung Macron nicht nur die Impfung gegen Masern, sondern auch gegen zehn weitere Krankheiten gesetzlich vorgeschrieben hat, meldete im Vorjahr sechsmal so viele Masernfälle wie das bislang zwangsfreie Deutschland.
Auch ein Vergleich zwischen der Schweiz und Italien spricht nicht eben für die Erfolge der Impfpflicht. In der Schweiz traten in den letzten Jahren im Schnitt 6 Masernfälle pro Million Einwohner auf. In Italien waren es 43. Ohne Zwang bringt es die Schweiz auf eine Impfrate von 92 Prozent, Italien hält bei bescheidenen 85 Prozent.
Länder ohne Impfpflicht schlagen sich also an sich ganz gut. Der Zwang trägt wenig zur Steigerung der "Impffreudigkeit" der Bevölkerung bei. Im Gegenteil.

Schlicht falsch ist deshalb auch die Behauptung von Gesundheitsminister Spahn, wonach "immer mehr deutsche Kinder an Masern erkranken". Als Spahn diese Aussage in der ARD-Tagesschau wiederholte, musste das im hauseigenen "Faktenfinder" nachträglich korrigiert werden. Dort heißt es: "Dass "immer mehr" Kinder erkranken würden, wie Gesundheitsminister Spahn behauptet, ist nicht belegt.“
Hier eine Auflistung der tatsächlich gemeldeten Masernfälle im Vergleich zu den Vorjahren:

Graphik erstellt von Steffen Rabe aus den Meldedaten des Robert Koch Institut

Das bislang stärkste Masern-Jahr der jüngeren Vergangenheit war 2015 und fiel mit dem massenhaften Ansturm der Flüchtlinge aus den Krisenregionen zusammen. Die ersten Fälle in Berlin gingen von einer Unterkunft für Asylwerber aus. Als dann ein Kind an Masern starb, flammte erstmals die Forderung nach einer Impfpflicht heftig auf.
Was damals in der Berichterstattung unter den Tisch fiel, war die schwere angeborene Herzkrankheit des Buben. Obwohl der Sprecher der Charité dies den Medien mitteilte, fand es kaum ein Journalist wert, dieses nicht unwesentliche Faktum an die Öffentlichkeit weiter zu geben. Zumal die meisten anderen Infekte für das Kind ebenfalls Lebensgefahr bedeutet hätten.
Auch im aktuellen Spiegel-Bericht wird der Todesfall wieder hervor gekehrt ohne diese Zusatz-Information zu erwähnen.

In dieser Tonart geht es weiter. Als hauptsächliches Argument für die Impfung wird das enorme Sterbe- und Komplikationsrisiko der Erkrankung angegeben. Während das Robert Koch Institut vor einigen Jahren das Risiko einer Gehirnentzündung nach Masern noch mit 1 : 10.000 bezifferte, liegt es nun laut Spiegel bereits bei 1:1000 bis 1:2000. Beinahe gleich hoch, wie das allgemeine Sterberisiko bei Masern, das mit 1:1000 angegeben wird. Das ist insofern absurd, als eine Virus-Enzephalitis nur in seltenen Fällen tödlich verläuft.


Die Schwächen der Impfkampagne

Die Attacken auf Impfgegner-Nester werden immer wütender. Der Meinungsdruck wird auf allen Ebenen erhöht. Dazu trug auch die WHO bei, welche die Impfskepsis kürzlich in die Liste der zehn  größten akutellen Gesundheits-Gefahren aufnahm. Auf gleichem Rang wie der Klimawandel oder die elenden Lebensbedingungen in den Slum-Städten mancher Entwicklungsländer.

Doch ist dieser Vergleich tatsächlich angemessen? Oder verbirgt sich dahinter die Verzweiflung, dass es trotz jahrzehntelang laufender Impfprogramme weder bei Polio noch bei Masern gelingt, endlich den globalen Triumph der Ausrottung dieser Viren zu verkünden. Es ist ohne Zweifel frustrierend, das Scheitern der eigenen Ziele zu beobachten - doch möglicherweise liegen die Gründe dafür gar nicht bei den bösen Impfgegnern. Vielleicht wird ja hier ein wütendes Scheingefecht abgezogen, das von den Schwächen der eigenen Programme ablenken soll.

Für ein wirkliches Verständnis der Zusammenhänge wäre es deshalb im Artikel eines Qualitätsmediums auch dringend nötig gewesen, die Schwachstellen der Impfkampagne zu analysieren. Doch weder im Spiegel-Artikel noch in der offiziellen Gesundheitspolitik finden sich auch nur Ansätze einer kritischen Selbstreflexion.

Unerwähnt bleibt die Tatsache, dass geimpfte Mütter weniger Nestschutz an ihre Babys weiter geben und damit das Risiko von Erkrankungen im ersten Lebensjahr deutlich angestiegen ist. Wäre es möglich, dieses Manko durch Verbesserung der Impfung zu beheben? Wie müsste so eine Impfung aussehen, dass sie eine nachhaltigere Immunreaktion auslöst?

Und was ist mit der Dauer des Impfschutzes? Es erscheint mittlerweile recht unsicher, ob die Wirkung der Impfung, so wie einst versprochen, tatsächlich ein Leben lang anhält. Bei den Ausbrüchen der Masern während der letzten Jahre lag der Anteil der Erwachsenen bereits bei rund 50 Prozent.
Bereits die Untersuchung von Soldaten bei der Musterung zeigt, dass der Impfschutz rascher schwindet als erwartet. Eine slowenische Studie ergab, dass nur noch 85 Prozent der Jungmänner ausreichende Antikörper im Blut hatten.
Wie rasch das Problem voran schreitet, belegt eine aktuelle Studie aus Südkorea, wo bei 7.411 Mitarbeitern im Gesundheitssystem die Masern-spezifischen Antikörper gemessen wurde. Die älteren Menschen hatten die Masern noch natürlich mit gemacht. Sie hatten fast alle ausreichende Titer. Personen des Geburtsjahrgangs 1986 hatten im Schnitt nur noch zu 85% einen ausreichenden Antikörper-Titer. In der Kohorte des Jahrgangs 1995 lag der Wert dann bei alarmierend niedrigen 42%.
Wie diesen Herausforderungen begegnet werden soll, ist unklar, zumal eine Auffrischungsimpfung bei Erwachsenen meist rasch verpufft.

Und was bedeuten diese Erkenntnisse für andere Impf-Kampagnen? Wird man daraus lernen und Fehler vermeiden?
Der Umgang mit Windpocken lässt nicht darauf schließen. Während die Schweiz und viele andere Länder gut damit fahren, nur jene zu impfen, die keine natürliche Krankheit durchgemacht haben, wird in Deutschland der Behördenapparat aktiv, wenn in einer Kita die überwiegend harmlose Kinderkrankheit ausbricht. Ungeimpfte Kinder werden wochenlang ausgeschlossen. Die Eltern müssen Pflegetage nehmen und ihre kerngesunden Sprösslinge hüten. Mit solchen Zwangsmaßnahmen sollen die Eltern zum Impfarzt getrieben werden.
Doch mit welchen Ziel? Eine Ausrottung ist bei Windpocken biologisch unmöglich. Zudem steigt durch die Impf-Kampagne - wie man aus den Erfahrungen der USA weiß - die Verbreitung von Gürtelrose in der Bevölkerung. Ein höheres Infektionsalter birgt - so wie bei Masern auch - ein höheres Komplikationsrisiko. Windpocken in der Schwangerschaft sind ähnlich gefährlich wie Röteln.
So wie derzeit die Weichen gestellt werden, kommt der Verdacht auf, dass in der Koordination der Impfpolitik das vollständige Chaos herrscht: mit 160 km/h in die Sackgasse.


Bessere Impfstoffe - bessere Argumente

Wer meinen Blog verfolgt, oder mein aktuelles Buch "Gute Impfung - Schlechte Impfung" gelesen hat, weiß dass ich trotz aller dieser Punkte ein grundsätzlicher Befürworter der Masernimpfung bin. Zumal in Zeiten, wo ein Masernausbruch medial das Echo einer Cholera-Epidemie auslöst, eine Umkehr zu alten Verhältnissen der Vorimpf-Ära ohnehin unmöglich wäre.

Um die Akzeptanz der impfkritischen Bevölkerung zu erhöhen, wäre es jedoch dringend nötig,  das Angebot zu verbessern. Derzeit ist meist nur die Dreier-Variante der Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln leicht zu beschaffen. Oder die Vierer-Impfung, die auch noch den Windpocken-Wirkstoff enthält. Einzelimpfungen gegen Masern wurden hingegen weltweit aus dem Sortiment genommen und ihre Produktion (mit wenigen Ausnahmen) eingestellt.
Eine Masern-Einzelimpfung, die man über eine Atemmaske inhalieren kann, wurde zwar entwickelt, dann aber von den Behörden nicht zugelassen. Dabei entspräche die Inhalation der Viren dem natürlichen Infektionsweg und würde die Akzeptanz kritischer Eltern, die wegen der Dreifach-Spritzimpfung skeptisch sind, deutlich erhöhen.
Verbesserungsbedarf gäbe es auch bei den Inhaltsstoffen. Warum müssen in einer Zeit, wo gesunde Bio-Nahrung für viele Familien selbstverständlich ist, noch immer Antibiotika und Zellen aus dubiosen tierischen und menschlichen Quellen in der Impfung enthalten sein?
Hier wäre tatsächlich dringender Innovationsbedarf. Doch anstatt auf die Hersteller-Konzerne Druck auszuüben, endlich Geld und Hirnschmalz in die Entwicklung einer wirklichen "Bio-Impfung" zu investieren, drangsalieren die Behörden anscheinend lieber die eigene Bevölkerung.

Es gibt zudem zahlreiche Fachargumente, die man hätte nennen können, um die Zweifler und Skeptiker unter den Eltern zu überzeugen. Der im Netz kursierende Zusammenhang zwischen MMR-Impfung und Autismus wurde kürzlich in einer großen dänischen Studie wieder einmal widerlegt. Negative Nebenwirkungen der Impfung sind tatsächlich extrem selten. MMR gehört zu den sichersten Babyimpfungen, die wir haben.
Im Gegensatz zu manchen negativen Auswirkungen, sind die positiven Effekte der Impfung auf das Immunsystem der Kinder tatsächlich erwiesen. Seit 20 Jahren liefern unzählige Studien Belege, dass Kinder nach der Masernimpfung seltener an Infekten erkranken als ungeimpfte Kinder.
Der Wert der Masernimpfung ist demnach enorm. Die Sterberate der Kinder in Hochrisiko-Ländern konnte nur durch diese Maßnahme um die Hälfte reduziert werden. "Und das sogar in Jahren, wo wir gar keine Masernwellen hatten", berichtet der dänische Wissenschaftler Peter Aaby, dessen Team die "unspezifischen Effekte" der Masernimpfung entdeckt hat. (Hier finden sich einige der wichtigsten Studien zu dieser Thematik.)
Die Impfung wirkt offenbar wie ein Trainingscamp. Ein in der Folge kompetenteres und besser eingespieltes Abwehrsystem schützt auch die Kinder in den Industrieländern. Studien aus Dänemark, den Niederlanden und den USA zeigen, dass Masern-geimpfte Kinder ein signifikant geringeres Risiko haben, auf Grund einer Atemwegs-Infektion ins Krankenhaus eingeliefert zu werden.


Massen-Impfzwang durch die Hintertür?

Warum liest man in der acht Seiten umfassenden Spiegel-Titelstory rein gar nichts von diesen erfreulichen Fakten? Warum ignorieren erfahrene Wissenschaftsjournalisten diese handfesten positiven Argumente für die Impfung und greifen stattdessen auf primitive Gruselpropaganda zurück?

Die Antwort liegt wahrscheinlich darin begründet, dass mit der Anerkennung der positiven Effekte der Lebendimpfungen auch die negativen Effekte der inaktivierten Impfstoffe erwähnt hätte werden müssen. Tatsächlich haben Aaby und sein internationales Wissenschaftler-Team auch zahlreiche Studien veröffentlicht, welche zeigen, dass die meist aluminium-haltigen Totimpfungen die Abwehrkräfte der Kinder schwächen und das Risiko einer tödlichen Lungenentzündung, Malaria oder Durchfall-Erkankung in den Monaten nach dem Impftermin stark ansteigt.
An solch unangenehmen Fakten wollte die Task-Force der Spiegel-Eleven offenbar nicht einmal anstreifen.

Und wer weiß schon, welche Impfungen dann in der legistischen Umsetzung tatsächlich erfasst werden. Auch in Italien und Frankreich war in der Öffentlichkeit zunächst immer lediglich von der Gefahr der Masern die Rede. Als das Gesetzes-Paket zur Zwangsimpfung im Parlament verabschiedet wurde, war dann jedoch plötzlich die Impfung gegen zehn bzw. elf Krankheiten vorgeschrieben.


PS: Die "Ärzte für individuelle Impfentscheidung" haben heute eine Petition gegen die Einführung der Impfpflicht veröffentlicht. Wer gegen Zwangsimpfungen ist, muss jetzt aktiv werden, denn wie es aussieht schreitet die Politik bald zur Tat.