Donnerstag, 24. September 2026

Wer sich bei Prädiabetes auf Medikamente verlässt, wird krank

Eine Vorsorgeuntersuchung oder ein Gesundheits-Check-Up stellen oft eine Falle dar. Denn für viele bislang gesunde Menschen sind sie der Weg in die Medikalisierung. Sie lassen sich Pillen-Abos verschreiben, die sie nie wieder loswerden. Besonders gilt das für Prädiabetes, die Vorstufe der Zuckerkrankheit. Eine aktuelle Langzeitstudie belegt, dass Medikamente hier schlecht wirken und zudem die Entstehung weiterer chronischer Krankheiten begünstigen. Lebensstil-Änderungen können hingegen den Stoffwechsel vollständig normalisieren und ein glückliches langes Leben ermöglichen.

Ab einem Alter von 65 Jahren sind fünf oder mehr Pillen die Regel - nicht die Ausnahme

Prädiabetes - die Vorstufe zum 'Diabetes Typ 2', der 'Zuckerkrankheit' - ist ein Massenphänomen, das sich unerkannt in der Bevölkerung versteckt. Wer übergewichtig ist, hat ein höheres Risiko, aber auch Normalgewicht ist kein Garant dafür, dass man nicht betroffen ist. In Deutschland fallen in der Altersgruppe von 45 bis 64 Jahren rund 25 bis 30% der Bevölkerung unter diese Diagnose. Weitere 9% der Bevölkerung haben bereits einen manifesten Diabetes. Im höheren Alter steigt das Risiko weiter an. 

Medizinisch definiert wird Prädiabetes bei einem Nüchternblutzuckerspiegel der typischerweise zwischen 100 und 125mg/dl liegt. Dieser Wert gibt den aktuellen Istzustand des Zuckerspiegels im Blut an. Er schwankt, je nachdem, was man in der jüngeren Vergangenheit gegessen oder getrunken hat. 
Verlässlicher ist der Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c. Prädiabetes wird als Wert zwischen 5,7 und 6,4% definiert. 

Warum Zucker schädlich ist

Wer in seinen Laborbefunden Werte findet, die in diese Bandbreite fallen, sollte sie ernst nehmen. Denn sie geben gutes Feedback, dass etwas am eigenen Lebensstil nicht passt. Es bedeutet, dass wir über die Ernährung zu viele Kohlenhydrate aufnehmen, die im Stoffwechsel in Blutzucker umgewandelt werden. An sich sind Kohlenhydrate lebenswichtige Energie, welche die Zellen unseres Körpers versorgen. Starke Energie-Verbraucher sind Leber, Muskeln und Gehirn. Im Ruhezustand verbrauchen sie jeweils rund 20% der Kalorien. Wenn Muskeln bewegt werden, steigt der Anteil. Beim Gehen auf 50%, beim Laufen auf bis zu 90%.
Werden über die Ernährung mehr Kohlenhydrate aufgenommen, als verbraucht werden kann, steigt der Blutzuckerspiegel. Das ist nicht akut toxisch. Über die Jahre sind die Auswirkungen von Zucker im Organismus allerdings fatal. Die Schäden treffen vor allem die Gefäße, im ganzen Körper können Mikroentzündungen auftreten. Stark betroffen sind Augen, Nieren, Füße und Nerven. Hoher Blutzucker trägt zur Atherosklerose bei und erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Weitere Folgen sind schlechtere Infektabwehr, Zahnfleischprobleme, erektile Dysfunktion, höheres Demenzrisiko, steifere Gelenke und vieles mehr. 

Wer bekommt Diabetes - und wer nicht?

Im Journal JAMA ist kürzlich eine Studie erschienen, die bereits in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre gestartet worden ist. 3.234 Erwachsene mit einem Durchschnittsalter von 51 Jahren nahmen teil. Alle waren übergewichtig und erfüllten die Kriterien für die Diabetes Vorstufe.  
Ein Drittel der Teilnehmer wurde in eine 'Lebensstil'-Gruppe zugelost. Sie erhielten Ernährungs-Vorgaben, mit deren Hilfe sie 7% ihres Gewichts abnehmen sollten. Dazu ein Sportprogramm über 150 Minuten pro Woche. 
Gruppe zwei sollte zweimal täglich das Diabetes-Medikament Metformin einnehmen. 
Die dritte Gruppe bekam keine Lebensstil-Beratung und statt des Medikaments ein Placebo. 
2002 - knapp drei Jahre nach Studienbeginn - wurde eine erste Auswertung veröffentlicht. Sie zeigte, dass in der Lebensstil-Gruppe 58% weniger Diabetes-Diagnosen gezählt wurden als in der Placebo-Gruppe. Metformin konnte das Risiko nur um 31% senken.    

Danach wurden alle Teilnehmer über die günstigen Auswirkungen der Lebensstil-Änderung informiert und gebeten, dass sie weiter an der Studie teilnehmen. Die Metformin-Gruppe sollte wie zuvor das Medikament nehmen, allen wurde geraten, den Lebensstil in Bezug auf Ernährung und Bewegung zu verbessern. Fast 1.200 Teilnehmer nahmen das Angebot an. Sie halten nun bei einem Durchschnittsalter von 74 Jahren. 
In den aktuellen Resultaten zeigte sich nun ein erstaunlicher Langzeit-Effekt. Die ursprüngliche Lebensstil-Gruppe bewahrte nämlich seinen Gesundheits-Vorteil und hatte ein um 21% geringeres Risiko, dass sie chronisch krank wurden. Bei gefährlichen Krankheits-Kombinationen, die für die Betroffenen langwierige und teure Therapien erfordern, war der Unterschied mit minus 57% sogar besonders hoch. Dazu zählte z.B. die Kombo von Schlaganfällen mit chronischer Nierenkrankheit oder die Kombo von chronischer Lungenerkrankung mit Herzversagen oder Asthma. 
Bei der Metformin-Gruppe hingegen ergab sich kein statistisch signifikanter Unterschied mehr zu den Teilnehmern der ehemaligen Placebo-Gruppe. 85% bzw. 87% litten hier mittlerweile an mindestens zwei chronischen Krankheiten. 

Arzneimittel sind dritthäufigste Todesursache

Die Resultate aus den USA sind auch auf die Verhältnisse in Mitteleuropa übertragbar. Jeder Arztbesuch birgt das Risiko, dass ein Laborwert nicht passt. Und viele gelten nach der Gesundenuntersuchung nicht mehr als gesund. Wer erstmal begonnen hat, Medikamente zu nehmen, hat ein höheres Risiko, dass weitere dazu kommen. Ab einem Alter von 65 Jahren ist es dann üblich, dass die Menschen fünf oder noch mehr Medikamente regelmäßig einnehmen. Die Interaktionen der einzelnen Medikamente sind oft gar nicht bekannt. Ihre Nebenwirkungen überlagern den Nutzen. Leber, Nieren und Magen werden belastet, man fühlt sich müde und benommen. Einnahmefehler und Überdosierungen tun ein übriges. „Unsere verschreibungspflichtigen Arzneimittel sind die dritthäufigste Todesursache nach Herzkrankheit und Krebs", erklärt der dänische Mediziner Peter Gøtzsche, der einst die Cochrane-Collaboration als Vereinigung Pharma-unabhängiger Wissenschaftler gegründet hat. 


Lebensstil-Änderungen sind ein mächtiges Hilfmittel

Deshalb ist es enorm wichtig, gar nicht erst in so einen Teufelskreis zu geraten. 
Das Beispiel des Prädiabetes soll uns hier Mut machen. Denn Lebensstil Änderungen sind ein mächtiges Hilfsmittel, möglichst lange gesund zu bleiben und ohne Medikamente auszukommen. Wir sollten sie als Chance begreifen, nicht als Last. Wer die Disziplin aufbringt, Übergewicht zu reduzieren und sich mehr zu bewegen, wird reichlich belohnt. Nichts stärkt die Lebensfreude mehr als ein gesundes aktives Leben.

In diesem Artikel würde es zu weit führen, hier spezielle Tipps zu geben, wie man den Lebensstil optimiert. Mit Ratgebern in diese Richtung sind Bibliotheken gefüllt worden. 
Auch ich habe dazu ein Sachbuch beigesteuert. Es heißt "Der Methusalem Code - Die Geheimnisse der Hundertjährigen für ein glückliches langes Leben." Und es ist - mit einem ausführlichen Kapitel zur Ernährung - und vielen praktischen Alltags-Tipps, speziell zur Vorbeugung von Diabetes geeignet. 

Ein Blutzuckerspiegel im Normalbereich ist fast allen Hundertjährigen gemeinsam - und damit verbunden niedrige Entzündungswerte im Organismus. Ein weiteres Geheimnis der Hundertjährigen sind übrigens hohe Cholesterinwerte. Und auch das führt uns in den Bereich der gesunden Ernährung - und weg von pharmakologischen Eingriffen, die uns von einem gesunden Lebensstil entfernen und chronisch krank machen. 


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