Samstag, 28. Juni 2014

Das Al-ex Institut zur Wissensvermittlung im Umgang mit Aluminium

Mittlerweile hat es sich herum gesprochen, dass Aluminium nicht bloß Werkstoff ist, aus dem sich Dosen, Folien oder Felgen herstellen lassen. Unzählige Aluminium-Verbindungen werden in den sensibelsten Lebensbereichen eingesetzt - großteils ohne Belege für deren Sicherheit. Wir wollen das Feld nicht kampflos den Lobbys aus Aluminium-, Nahrungsmittel-, Kosmetik- und Pharmaindustrie überlassen. Deshalb haben wir das Al-ex Institut gegründet. Es soll ein Gegengewicht bilden, um gemeinsam die Forderung nach unabhängiger Forschung und Transparenz durchzusetzen. 


Wenn der britische Aluminiumexperte Chris Exley recht hat (und vieles spricht dafür), dann befinden wir uns derzeit in einer aktiven Phase der Evolution. Wir haben es zustande gebracht, ein chemisches Element, das bisher vom Leben weitgehend ignoriert worden ist, über massiven Einsatz von Chemie und Energie aus seinen festen Bindungen in der Erdkruste heraus zu lösen und massenhaft auf der Erde zu verbreiten. Bis in die sensibelsten Lebensbereiche. Doch dieses Aluminium ist toxisch. Es besitzt vielfältige und aggressive chemische Eigenschaften, die erst seit kurzem überhaupt erforscht werden. Dabei zeigt sich nun immer mehr, dass Aluminium jener von der Wissenschaft lange gesuchte "Umweltfaktor" sein könnte, der den starken Anstieg vieler Zivilisationskrankheiten gefördert hat.

Wie hoch der Anteil des Aluminiums ist, ist unbekannt. Das Thema ist jedenfalls hoch brisant und wird uns weltweit noch lange Zeit beschäftigen. Zumal es einflussreiche Gruppen gibt, welche ein starkes kommerzielles Interesse haben, dass alles so bleibt wie es ist. Sie behindern und denunzieren Industrie-unabhängige Forschung und führen mit ihren Lobbys einen wütenden Abwehrkampf, um Aluminium von jeglichem Verdacht rein zu waschen.

Für einen einzelnen Publizisten ist das Thema Aluminium viel zu groß und zu umfangreich, um es ausreichend zu bedienen und an allen aktuellen Aspekten teil zu haben. Deshalb habe ich gemeinsam mit einer Gruppe von interessierten Freunden und Kollegen im vergangenen Jahr das "Al-ex Institut zur Wissensvermittlung im Umgang mit Aluminium" gegründet. Wir sind eng vernetzt mit Industrie-unabhängigen Wissenschaftlern, die im Bereich Aluminium forschen und die uns mit ihrem Expertenwissen unentgeltlich beistehen.Generelles Ziel des Al-ex Instituts ist es, Wissen zu sammeln, Wissen weiterzugeben und bei den Behörden für weitere Forschung in diesem Bereich einzutreten, damit das Lobbying nicht vollständig der Industrie überlassen bleibt.

Unabhängige Forschung wäre höchst notwendig. Denn bei wichtigen Fragen, die uns gestellt werden oder die bei den Recherchen aufgetreten sind, gibt es gar keine gut gemachten Untersuchungen, auf die man sich in den Antworten beziehen könnte. Hier braucht es dringend Fakten und eine rasche Aufklärung, damit die Öffentlichkeit nicht weiter gefährdet wird.

Wir haben parallel zum Erscheinen meines neuen Buches "Gesund ohne Aluminium" (Verlag Ennsthaler) eine Webseite erstellt, welche das Al-ex Institut vorstellt. Die Webseite wird - ergänzend zum Buch einige interessante Funktionen bieten:

  • Lebensstil-Check: Wie hoch ist Ihr persönliches Aluminium-Risiko?
  • Die wichtigsten Aluminium-Fallen 
  • Liste aller Aluminiumverbindungen in Kosmetikprodukten mit Bewertung
  • Liste aller Lebensmittel-Zusatzstoffe mit Aluminium (incl. Farbstoffe)
  • Liste aller Aluminium-haltigen Impfstoffe (incl. Mengenangabe)
  • Produkte ohne Aluminium (z.B. Deos zum Selbermachen)
  • Aktuelle News aus Wissenschaft, Medizin, Verbraucherschutz


Einige der Funktionen sind Al-ex Fördermitgliedern vorbehalten, welche die Arbeit des Al-ex Instituts mit einem Jahresbeitrag ab 20 EUR unterstützten.
Wir wollen diese Förderbeiträge dazu verwenden, Untersuchungen selbst vorzunehmen, Labormessungen zu bezahlen und auf der Seite laufend aktuelle Inhalte zu bieten.

Hier ein paar Forschungsfragen, die sich aus unseren bisherigen Messungen ergeben haben und für die es bisher keine ausreichenden Antworten gibt:


Warum ist so viel Aluminium in Kakao und Schokolade?

Auf Anfragen haben die Schokoladenhersteller bisher nur mit ausweichenden Floskeln reagiert. Die Frage zu klären wäre allerdings höchst wichtig, weil Schokolade und Kakao zu den am stärksten belasteten Lebensmitteln gehören. An der "natürlichen Aufnahme von Aluminium aus dem Boden", wie das von Industrieseite gerne verbreitet wird, kann es nicht liegen: Denn Aluminiumionen schaden den Kakaopflanzen, saure Böden sind für die Produktion nicht geeignet. Kakaofrüchte enthalten kaum Aluminium: Es gilt also jene Bereiche im Herstellungsprozess heraus zu finden, wo das Aluminium konkret in das Kakaopulver kommt. Bei einem Nahrungsmittel, das speziell von Kindern konsumiert wird, ist es umso wichtiger, diese Kontamination zu vermeiden.


Welche Hallen- und Freibäder sind Aluminiumfallen?

Über Messungen haben wir bemerkt, dass Personen nach dem Aufenthalt in manchen Schwimmbädern und Thermen eine enorme Aluminiumbelastung "mitnehmen". - Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass in manchen Einrichtungen Aluminium zur Säuberung des Badewassers eingesetzt wird - und zwar im Dauerbetrieb. Wasser, das aus den Becken überläuft, kommt in eine Aufbereitungsanlage und wird dort - meist mit Aluminiumsulfat oder mit Aluminiumchlorid - geklärt.
Dabei gelangt ein Teil der Chemikalie jedoch ins Badewasser. Die Badegäste nehmen somit über die Haut - aber auch über das Einatmen des Wasserdampfes über die Lunge - toxisches Aluminium auf.

Wir vom Al-ex Institut finden das gar nicht gut und denken nicht, dass die Menschen erfreut darüber sind, wenn sie - ohne ihr Wissen mit Aluminium belastet werden, wenn sie ins Bad oder die Sauna gehen. Wir werden deshalb hier für Aufklärung sorgen!


Was sind die schädlichsten Verpackungen?

Bei manchen Verpackungen merkt man sofort, dass es sich um Aluminiumfolie handelt. Bei anderen glänzt zwar das Material - doch ist es deshalb Aluminium? Es fühlt sich eher wie Plastik an. Manche Produkte sind stark sauer - und damit besonders gut geeignet Aluminiumionen aus Folien herauszulösen. Beispielsweise Sauerkraut, Chips und anderes Knabberzeug: Was bedeutet es, wenn die Innenseiten der Tüten so metallisch glänzen? Dabei handelt es sich um Plastikfolie, die mit Aluminium "bedampft" worden ist. Doch was heißt das? Wie wirkt sich bedampftes Aluminium auf die Erdnuss- oder Kartoffelchips aus? Nehmen die Nahrungsmittel das "Dampf-Alu" auf, oder nicht?

Aus Tests wissen wir mittlerweile, dass die Verpackung ein enormes Risiko für die Kontaminierung der Ware darstellt. Fisch, der in Alufolie gegrillt wird, enthält nach dem Grillen bis zu hundert Mal mehr Aluminium als der rohe Fisch. Fruchtsäfte in Aludosen oder Tetrapaks enthalten umso mehr Aluminium, je länger sie im Supermarkt stehen
Es höchste Zeit, das Thema Verpackungen anzugehen und hier objektive Informationen zu sammeln.

Zur Klärung dieser und ähnlicher Fragen werden wir Ihre Mitgliedsbeiträge und Spenden einsetzen.
Es wird eine spannende Arbeit, diese Rätsel zu klären. Aktive Mitarbeit und Hilfe nehmen wir gerne an.

Spannende Fragen - spannnende Zeiten.
Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Ihr Interesse - auch an einer Mitarbeit bzw. Förderung - der Arbeit im Al-ex Institut geweckt habe.


Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, würden 
wir uns über einen kleinen Beitrag zu unserer Arbeit sehr freuen. 

Samstag, 3. Mai 2014

Alufreie Deos: Handel und Politik reagieren - Unilever blockt

In den letzten Wochen kommt enorme Bewegung in die Debatte um toxische Aluminium-Deos und andere aluhaltige Kosmetikprodukte. Nach einer Anfrage der Grünen im Deutschen Bundestag kündigte eine Sprecherin des Verbraucherschutz-Ministeriums nun an, mögliche Gefahren der toxischen Chemikalien - etwa auf Brustkrebs - zu prüfen. 

Denkbar sei auch, dass Kosmetika, die Aluminium enthalten künftig gekennzeichnet sein müssen. Diese Forderung entspricht genau unserer Petition bei change.org, die bereits von mehr als 23.000 Menschen unterzeichnet worden ist.
Unterdessen merkt der Handel immer mehr, wie stark die Nachfrage nach aluminiumfreien Deos ansteigt. Bei Müller hat man diesbezüglich schon reagiert und alle Deos ohne Aluminium eigens markiert. (Danke für die Zusendung des Bildes an Bea & Sabine)

Weniger einsichtig zeigen sich manche Hersteller. Allen voran der Konzern Unilever, unter dessen Dach sich Marken wie Rexona oder Dove befinden.
Solange die Sicherheit der Alu-Verbindungen nicht erwiesen ist, sollten eigentlich das Prinzip der Vorsicht gelten und die bekannt toxischen Chemikalien nicht in sensiblen Bereichen des Lebens eingesetzt werden.
Die Marketing-Verantwortlichen bei Rexona pfeifen sich jedenfalls gar nichts und werben sogar mit der Extraportion Alu. Auf seiner Webseite verspricht Rexona „Maximalen Deo Schutz“ mit „Maximum Protection“. Und das wird folgendermaßen begründet:

„Leistungsstarke Schweißhemmung durch den Einsatz eines Aluminium-Zirkoniumsalz Wirkstoffes in besonders hoher Dosierung. Aluminium-Zirkoniumsalze zeigen eine stärkere Wirkung gegen Achselnässe als herkömmlich in Deodorants verwendete Aluminiumsalze.“

Das klingt ja schon mal beruhigend.
Auf einer eigenen Informationsseite gibt es nähere Informationen zum Einsatz von Aluminiumsalzen in Rexona-Produkten. Da heißt es, dass in den Medien vermehrt über „einige Studien“ berichtet wurde, welche „einen Zusammenhang zwischen dem Aluminium in Anti-Transpirantien bzw. Deodorants und Brustkrebs herstellen wollten“. Das sei aber Unfug, denn „es versichern Krebsexperten, Wohltätigkeitsorganisationen und Gesundheitsbehörden – darunter die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA), dass keine überzeugenden wissenschaftlichen Beweise existieren.“
Sorgen über die Sicherheit der Aluminiumsalze seien vollständig unnötig, versichert Unilever: „Selbstverständlich können Anti-Transpirantien über lange Zeit und für einen täglichen Gebrauch angewendet werden.“


Die Kosmetik-Lobby wird in der EU aktiv

Etwas im Magen liegt den Unilever-Mitarbeitern hingegen der Trend, dass immer mehr Konkurrenz-Deos „alufrei“ oder „ohne Aluminium“ auf ihre Produkte schreiben.
In der Angelegenheit wurden anscheinend auch gleich die Lobbyisten der Kosmetikindustrie in der EU mobilisiert. Denn es heißt weiter:
Die EU erwägt jedoch derzeit die Einführung neuer Richtlinien, die den Gebrauch der ‚ohne …‘-Auslobungen auf Körperpflegeprodukten einschränken. Hintergrund ist, dass einige ‚ohne …‘-Auslobungen Konsumenten glauben lassen könnten, der aufgeführte Inhaltsstoff könne schädlich sein, obwohl er als sicher eingestuft und für die Verwendung in Kosmetikprodukten zugelassen ist.
Nach dem Wunsch von Unilever soll also die Bezeichnung „alufrei“ eingeschränkt oder verboten werden. Das erklärt wohl auch, warum es von Seiten des Konzerns bisher noch keine positive Reaktion auf unsere Petition gegeben hat, die bereits von mehr als 23.000 Menschen unterschrieben worden ist. In dieser Petition an den Kosmetikkonzern geht es allerdings um die genau gegenteilige Forderung: dass Unilever auf seinen Produkten nämlich die Art und die Menge des Aluminiums deklarieren soll, so wie auf Zigarettenpackungen die Menge von Nikotin und Teer deklariert wird.

In der EU dafür einzutreten, dass die Bezeichnung „alufrei“ abgeschafft wird, ist natürlich eine besonders originelle und kundenfreundliche Gegenreaktion.
Wir werden sehen, welche Art von „Verbraucherschutz“ sich am Markt als nachhaltiger erweisen wird.

Mittwoch, 19. März 2014

Replik auf Jens Lubbadeh / Spiegel online

Heute widmete sich der Gesundheits-Aufmacher von Spiegel online dem Thema Alu-Deos. Autor ist Jens Lubbadeh, im Hauptjob Redakteur bei "Technology Review" und wie er selbst schreibt "mit Leib und Seele Wissenschaftsjournalist".

Lubbadeh unterzieht sich einem Deo-Test sprüht sich abwechselnd mit verschiedenen Deos ein und nötigt dann jeweils seine Freundin zum "Schnüffeltest", in welcher Achselhöhle er jetzt besser oder schlechter duftet. Das ganze wird abgerundet mit einem kurzen Interview mit einem Toxikologen des Bundesinstitut für Risikobewertung, dessen Neubewertung der Alu-Problematik derzeit in vielen Medienberichten Thema ist.

Der Spiegel-online Artikel ist reichlich banal und wäre keiner besonderen Erwähnung wert, wenn es Lubbadeh nicht für nötig befunden hätte, über unseren Film "Die Akte Aluminium" und über mich als Person zu urteilen. Er schreibt folgendes:
Der Film genügt nicht wissenschafts- und medizinjournalistischen Standards. Er arbeitet wenig mit harten Fakten, aber viel mit Emotionen. Da ist eine Krebspatientin, die einen Zusammenhang zwischen ihrer Krankheit und ihrem Deo-Gebrauch vermutet. Da ist eine Wissenschaftlerin, die Aluminium auf Zellen kippt und den Zusammenhang bewiesen haben will. Und in der Hauptrolle als Bösewicht: das Aluminium, das nicht nur Brustkrebs und Alzheimer verursachen soll, sondern auch die Umwelt verschmutzt und sogar Mitschuld an der Katastrophe vom 11. September trägt. Immerhin: Für die Finanzkrise und den Klimawandel ist es offenbar nicht verantwortlich.
Der erste Satz ist mit einem Link zu einem Artikel von Stephan Angene unterlegt, der als Gastbeitrag im Blog der "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP)" veröffentlicht wurde. Der Artikel des EDV-Technikers "Angst essen Verstand auf - Die Akte Aluminium" diente dem Spiegel online Wissenschaftsjournalisten Lubbadeh anscheinend als wissenschaftliche Hintergrund-Recherche.

Ich habe Jens Lubbadeh - der mir vollständig unbekannt ist - folgendes Mail geschrieben:

Hallo Herr Lubbadeh,

ich habe den Film "Die Akte Aluminium" gestaltet und zumindest zwei Jahre Arbeit in diese Doku investiert. 
Sie schreiben, dass er medizin- und wissenschaftsjournalistischen Standards nicht genügt und verlinken als Beleg zu einem Artikel eines beleidigten EDV-Technikers, dessen Hauptargument es zu sein scheint, dass ich angeblich "Impfgegner" bin und einen "Eintrag" bei "psiram" habe, wo ich von irgendwelchen "Skeptikern" aus dem anonymen Off verleumdet werde.

Ich habe zum Thema Aluminium auch ein Buch geschrieben ("Dirty Little Secret - Die Akte Aluminium", Ennsthaler 2012) wo ich rund 140 Quellverweise zu wissenschaftlichen Studien anführe. Das ist nicht nichts und wäre eine Basis für eine kritische Diskussion gewesen.
Ich nehme mal an, dass Sie das Buch nicht gelesen haben und auch nicht kennen. Müssen Sie auch nicht. Ein Artikel bei Spiegel Online ist wahrscheinlich nicht genügend honoriert, um dafür wochenlange Recherchen betreiben zu können. 

Was ich Ihnen aber mitgeben wollte: Seien Sie sich etwas mehr bewusst, wie rasch und hemmungslos Sie Kollegen und deren Arbeit verurteilen und in den Müll kippen! 
Die Aluminium-Problematik steht erst am Anfang der wissenschaftlichen Aufarbeitung und es könnte sein, dass hier ein für die Gesundheit der Menschen bedeutendes und relevantes Risiko verborgen liegt. Für mich - der ich mich im Gegensatz zu Ihnen sehr intensiv mit der Thematik befasst habe - deutet einiges darauf hin. 

Mein Film und mein Buch dienen einem hauptsächlichen Zweck: Darauf hin zu weisen, dass beim Einsatz von Aluminiumverbindungen in den sensibelsten Lebensbereichen ein öffentliches Interesse an unabhängiger wissenschaftlicher Forschung besteht und man es nicht einfach der Kosmetik-, Lebensmittel- und Pharma-Industrie überlassen kann, welche und wie viel Alu-Verbindungen sie weitgehend ohne Sicherheits-Belege in ihre Produkte rein stecken.

Artikel wie Ihrer tragen dazu bei, dass diese Arbeit noch ein paar Jahre länger unerledigt liegen bleibt.


Freundliche Grüße
Bert Ehgartner

Dienstag, 18. März 2014

Deklarationspflicht für Alu-Deos!

Als kürzlich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) seine Einschätzung der Gefährlichkeit von Aluminium in Deos änderte, war das Presse-Echo stark. Waren die Vertreter von BfR oder dem deutschen Krebsforschungszentrum bislang eher auf Entwarnung aus, so änderte sich das mit der neuen Veröffentlichung. "Angstschweiß wegen Deos" titelte etwa die taz.
Unter anderem meldete sich bei mir Radio Berlin Brandenburg und ich gab folgendes Interview.
Dove Werbung und Wahrheit: Wenn Alu-Deos auf frisch rasierte Haut aufgetragen werden,
dringen viel mehr toxische Alu-Ionen ins Gewebe ein und verursachen dort Zellschäden

Auch die Organisatoren von Change.org, mit denen ich schon länger in Kontakt bin, nahmen die Veröffentlichung zum Anlass, mit mir gemeinsam eine Kampagne zu starten. Es geht darum, dass die Kosmetikfirmen die Art und Menge des verwendeten Aluminiums deutlich auf der Packung kenntlich machen sollen, damit man auf den ersten Blick erkennt, ob und wie viel Aluminium sie enthalten.
Ich bin stolz, dass bereits nach fünf Tagen mehr als 19.000 Mitstreiter die Petition unterzeichnet haben. Vorhin habe ich die Kommentare herunter geladen und darin gelesen: Es sind 95 Seiten voll guter Wünsche und Anregungen für eine Fortführung der Kampagne. Das zeigt, welche Sorgen - aber auch welcher Zorn beim Umgang der Kosmetikindustrie und der Gesundheitspolitik mit dem Thema aufkommen.

Hier ist der Text der Petition:

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie viel Aluminium Ihr Körper verträgt? Wahrscheinlich nicht. Alu-Verbindungen werden zwar in den sensibelsten Lebensbereichen eingesetzt, aber wir sind uns dessen kaum bewusst. Auch weil die versteckten Alu-Fallen kaum sichtbar gemacht werden. Mein Name ist Bert Ehgartner. Ich bin Autor und Journalist und habe die letzten Jahre intensiv zu Aluminium recherchiert (Buch & Film: Die Akte Aluminium). Mein Fazit: Es ist höchste Zeit, dass wir unsere Wachsamkeit gegenüber Aluminium erhöhen.
Deswegen habe ich diese Kampagne gestartet:
Ich möchte erreichen, dass die Hersteller der wichtigsten Deodorants besser über Aluminiumsalze in ihren Produkten aufklären. Denn in fast allen Deos, die wir Tag für Tag verwenden, versteckt sich Aluminium, das wir über die Haut aufnehmen.
Es gibt einen aktuellen Anlass: Vor kurzem revidierte das Bundesamt für Risikobewertung seine Einschätzung von aluminiumhaltigen Deodorants. Während Deos dem Bundesamt bislang als unbedenklich galten, schließen die traditionell vorsichtigen Bundesprüfer nun nicht mehr aus, dass Aluminium schwere gesundheitliche Schäden anrichten kann.
Wer nur einmal pro Woche diese Deos verwendet, kann damit bereits den „tolerierbaren Grenzwert“ der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) überschreiten. Mit dramatischen gesundheitlichen Folgen.

Es gibt immer mehr wissenschaftliche Indizien, die eine übermäßig hohe Aufnahme von Aluminium mit Brustkrebs und der Alzheimer-Krankheit in Verbindung bringen. Darüber hinaus sind mittlerweile rund 200 biochemische Abläufe im menschlichen Organismus bekannt, welche durch die toxischen Alu-Verbindungen gestört werden. Es ist höchste Zeit, dass bei Aluminium das Prinzip der Vorsorge angewandt wird – dass also eine problematische Chemikalie sicherheitshalber vermieden wird, auch wenn noch nicht alle Beweise für einen ursächlichen Zusammenhang erbracht sind. Auch die Hersteller sind hier in der Pflicht, Ihren Kunden zumindest klare Orientierung auf den ersten Blick zu bieten.

In keinem Produkt kommen wir so unmittelbar und in so hohen Dosen mit Aluminium in Kontakt wie in Deos. Deswegen fordere ich von Deutschlands beliebtester Deomarke Dove: Aufklärung jetzt!

Vorschlag: Auf jedem Deo, das Aluminium enthält, sollte dies (so wie Nikotin und Teer auf Zigaretten-Packungen) gut sichtbar gekennzeichnet und für uns Verbraucher auf den ersten Blick erkennbar sein. Mit Deklarierung der Alu-Verbindung und genauer Mengenangabe. Denn nur so können wir als Verbraucher eine informierte Entscheidung treffen. Außerdem muss der Hinweis auf die Packung, dass nach der Rasur dringend von Alu-Deos abgeraten wird (weil durch die kleinen Wunden die Alu-Ionen noch viel besser ins Gewebe eindringen).

Dove ist der Vorreiter eines neuen Frauenbildes in der Werbung. Jetzt sollen sie auch zum Vorreiter von transparenter Kommunikation werden! Ich sage: Warten wir nicht ab, bis endlich der Minister für Verbraucherschutz aktiv wird oder die Rolle von Aluminium als Auslöser von Brustkrebs hundertprozentig wasserdicht erwiesen ist. Das kann noch Jahre dauern. Wir als Verbraucherinnen und Verbraucher können schon jetzt unser Verhalten ändern. Aber das geht nur wenn uns die Kosmetikfirmen transparent über ihre Inhaltsstoffe aufklären.
Deshalb fordere ich vom Unilever Konzern: Klären Sie auf den Deos Ihrer Marke Dove transparent über Aluminium auf!

Bitte unerzeichnen auch Sie die Petition an Unilever. Hier geht es zur Petitions-Seite. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, würden 
wir uns über einen kleinen Beitrag zu unserer Arbeit sehr freuen. 

Samstag, 1. Februar 2014

Alu-Deos: Kosmetikindustrie als Behördenflüsterer

Seit Jahrzehnten steigt die Häufigkeit von Brustkrebs rasant an. Mehr als die Hälfte der Tumore werden im Quadrant neben den Achseln diagnostiziert: Dort wo Roll-on oder Deospray aufgetragen werden. Viele dieser Kosmetikprodukte enthalten als Wirkstoff eine Aluminium-Chlor-Mischung. Diese Chemikalie dringt in die Haut ein und verklebt die Schweißporen. Das oberste deutsche Kontrollgremium, das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), stellte den Alu-Deos bisher einen Freibrief aus. Nun stellt sich heraus, dass die Behörde bei dieser Einschätzung einen wichtigen Einflüsterer hatte: die Kosmetikindustrie. 

Etwa zwei Drittel der Deos enthalten Aluminiumchlorohydrat
Es ist eines der ungelösten Rätsel bei Brustkrebs: Fast 60 Prozent der Tumoren treten im so genannten "oberen äußeren Quadranten" der Brust auf. Also in jenem Bereich, der den Achseln am nächsten ist. Da die weibliche Brust in fünf etwa gleich große Bereiche - die vier Quadranten und einen zentralen Bereich um den Nippel - gegliedert wird, sollten es rein mathematisch doch nur 20 Prozent sein.
Als Erklärung wird genannt, dass dieser Bereich bei den Achseln eben besonders dichtes Gewebe enthalte und hier besonders viele der milchproduzierenden Zellen versammelt sind, aus denen meist das Krebsgeschehen entspringt.

Die britische Onkologin Philippa Darbre von der Universität Reading im Norden Londons gab sich mit dieser Antwort nicht zufrieden und vertiefte sich in historische Aufzeichnungen aus der Zeit bevor massenhaft Deos verwendet worden sind. Und siehe da: In den 1930er und 40er Jahren waren die Tumoren deutlich gleichmäßiger über die gesamte Brust verteilt. Nur 31 Prozent fanden sich damals im "oberen äußeren Quadranten". Zum Beginn der 80er Jahre war der Anteil in England, Wales und Schottland bereits auf fast 40 Prozent angestiegen, mit der Jahrtausendwende übersprang er schließlich die 50 Prozent Marke. Und jetzt liegt er schon fast beim Doppelten der Vor-Kosmetik-Ära.
"Das", meint Darbre, "weist deutlich darauf hin, dass Kosmetikprodukte hier eine Rolle spielen." Sie tippte zunächst auf die Parabene. Schließlich aber fand sie einen anderen, noch deutlich aggressiveren Inhaltsstoff, den sie seit zwei Jahrzehnten erforscht und dazu viele Studien veröffentlicht hat. (Nähere Informationen dazu: siehe hier).


BfR gab Grünes Licht für Alu-Deos

Im krassen Gegensatz zu diesen Erkenntnissen gab das Deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung jedoch in seinen Publikationen stets grünes Licht für die Alu-Deos.

Hier eine der Entwarnungen des BfR im Wortlaut:
Die geschätzte Aufnahme über die Haut (dermale Resorption) liegt bei 0,01 % (21). (…) Ein Zusammenhang zwischen einer erhöhten Aluminiumaufnahme aus unterschiedlichen Quellen wie Lebensmitteln, Medikamenten oder kosmetischen Mitteln und einer Alzheimer Erkrankung wurde bisher wissenschaftlich nicht belegt. Nach Auffassung der Kosmetikkommission besteht kein Risiko durch eine Aluminiumaufnahme aus kosmetischen Mitteln speziell aus Deodorantien.
Vom wissenschaftlichen Gehalt machte die Risikobewertung des BfR den Eindruck eines recht beliebigen, nebenher verfassten Gutachtens. Die oben zitierte Aussage stützte sich auf wenige kleine Studien und berücksichtigte die neuere kritische Evidenz zum Thema Brustkrebs gar nicht.
Mehrfach wurde ich von Journalistenkollegen kontaktiert, welche im Zuge ihrer Recherchen beim BfR nachgefragt hatten und dort die Auskunft bekamen, Aluminium stelle keinerlei Gesundheitsgefahr dar. Ansgesprochen auf die Belege, die ich in meinem Buch "Dirty Little Secret - Die Akte Aluminium", sowie in meinen Filmen präsentiert habe, hieß es von Seiten der BfR-Sprecher: "An der Sache ist nichts dran." Hier würde bloß jemand (also ich) ohne jegliche Substanz Angst verbreiten.

Vor einigen Monaten aber stand auf der Webseite des BfR plötzlich die Mitteilung, dass die Frage der Sicherheit von Kosmetikprodukten - speziell auch wegen der vielen Anfragen zu Alu-Zusätzen - neu bewertet werde.

Nun wurden die neuen Erkenntnisse publiziert.

Zur Frage, ob Aluminiumhaltige Deos gesundheitsschädlich sind, erklären die BfR Experten  jetzt folgendes:
"Die geschätzte Aufnahme von Aluminium aus Antitranspirantien liegt möglicherweise im Bereich dessen, was von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit als duldbare wöchentliche Aufnahmemenge festgesetzt wurde. Da Aluminium auch aus anderen Quellen, wie beispielsweise Lebensmitteln, aufgenommen wird, könnte diese Menge bei einem Teil der Bevölkerung überschritten werden. Um eine zu hohe Aluminiumaufnahme zu verhindern, sollte ein übermäßiger Gebrauch von aluminiumhaltigen Antitranspirantien daher vermieden werden. Außerdem sollte nach der Rasur oder bei geschädigter Achselhaut ein Deodorant ohne Aluminiumsalze verwendet werden."
Das klingt immerhin nicht mehr ganz so sorglos, wie die letzte größere Erörterung dieser Problematik, wo es noch sinngemäß geheißen hatte, man brauche sich diesbezüglich überhaupt keine Gedanken machen.


Fiel das BfR auf Industrie-Expertise herein?

Das Protokoll zur 11. Sitzung der Kosmetik-Kommission, die im Mai 2013 (!) stattfand, wurde vor ein paar Tagen am 23. Januar 2014 veröffentlicht. Darin wird zum Tagesordnungspunkt Aluminium ein interessantes Faktum erwähnt. Dass nämlich bei einer der zurückliegenden Sitzungen des BfR (am 23. November 2011) ein Vertreter der Industrie anwesend war.
Zitat aus dem Bericht:
Damals stellte ein Vertreter der Industrie eine Expositionsberechnung vor, bei der sich unter der Annahme einer Penetrationsrate von 0,012 % eine systemische Expositionsdosis (SED) von 9 µg/Person/Tag bzw. 0,15 µg/kg KG ergab.
Damit, hatte der Industrievertreter der BfR-Kommission erklärt, liege das Risiko um das 200-fache unter dem Grenzwert. Also weit jenseits jeglicher Gefahr.
Der Vertreter bezog sich dabei auf eine Studie aus dem Jahr 2001, an der gerade einmal zwei Personen (!) teilgenommen hatten. Genau diese Studie (siehe oben:  21) wurde aber in den BfR Entscheidungen stets als wichtiger wissenschaftlicher Hinweis für die Harmlosigkeit der Alu-Deos genannt. 

Bei der aktuellen Sitzung des BfR war nun ein neuer Experte anwesend, von dem im Bericht keine Industrienähe gemeldet wird. 
Und siehe da, er kam nun zu gänzlich anderen Resultaten. Zitat aus dem Protokoll:
Ein Experte berichtet zum aktuellen Sachstand von Aluminium in kosmetischen Mitteln und stellt eine neue Expositionsberechnung nach Notes of Guidance vor. Aus einem neuen, nach OECD Richtlinie durchgeführten in vitro-Versuch ergaben sich Penetrationsraten in Abhängigkeit von der Formulierung zwischen 0,3 (für ein Roll-On) und 1,61 µg/cm2 (für ein Aerosol). Anhand dieser Penetrationsraten ergäben sich weitaus höhere systemische Einträge.
Demnach werde allein über Deos so viel Aluminium in den Körper aufgenommen, dass damit der Grenzwert der EU Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für die "tolerierbare wöchentliche Aufnahme" bereits erreicht werde. Also keine Rede mehr von einem 200-fachen Sicherheitsabstand.

Welchem Experten soll nun also vertraut werden, wenn die Resultate des einen um das 200-fache von jenen des anderen abweichen?

Daraus entspann sich im Plenum eine Diskussion, wo u.a. Kritik an den Mängeln der vorangegangenen - vom Industrie-Lobbyisten - vorgetragenen Studie aufkam. 
Der Bericht des BfR fasst den Abschluss der Debatte folgendermaßen zusammen:
Aufgrund der insgesamt schlechten Datenlage zum Thema dermale Penetration sei es schwer, eine vernünftige Expositionsbetrachtung zu machen. Es bestehe dringender Bedarf an einer OECD-konformen in vivo-Studie unter Anwendungsbedingungen.
Schließlich wird im Protokoll noch erwähnt, dass es zusätzlich zu den Deos mit dem Wirkstoff Aluminiumcholorohydrat noch eine Reihe weiterer Aluminium-haltiger Kosmetikprodukte gibt, welche die Gesamtlast erhöhen. Aufgezählt werden: 
Aluminiumfluorid in Zahnpasta, Aluminiumverbindungen in Lippenstift sowie Aluminium-beschichtetes Titandioxid in Sonnenschutzmitteln 
Jedenfalls, so endet der Bericht, "soll das Thema bei der nächsten BfR-Sitzung erneut diskutiert werden".

Wann denken Sie ist die nächste Sitzung?
Auch dies geht aus dem Protokoll hervor: Es ist der 7. November 2013.

Wir müssen also nur noch ein paar Monate warten, bis wir erfahren, welche neuen Schlüsse das BfR vor drei Monaten gezogen hat.

Das BfR beschäftigt 775 Mitarbeiter, davon mehr als 300 Wissenschaftler

PS: Auf der Homepage des BfR gibt es ein Übersichtspapier, welches Daten und Fakten zum BfR auflistet. Gegründet wurde das BfR im Jahr 2002 als Anstalt öffentlichen Rechts im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. 
Ziele des BfR sind laut Statut:
Das BfR versteht sich als Anwalt für den gesundheitlichen Verbraucherschutz. Sein Ziel ist es, gestützt auf seine Risikobewertungen den gesundheitlichen Verbraucherschutz zu stärken.
Etwas weiter oben hier im Artikel finden wir die Feststellung des BfR, dass "dringender Bedarf" bestehe an zuverlässigen Anwendungsstudien, um endlich mal die Frage zu klären, wie viel des toxischen Alu-Chlor-Gemisches über die Antitranspirantien nun tatsächlich in den Körper - und damit auch ins Brustgewebe - gelangt.

Hierzu noch ein Blick in die Aufgaben des BfR:
Das BfR hat den gesetzlichen Auftrag, Forschung zu betreiben, soweit diese in engem Bezug zu seinen Arbeitsschwerpunkten und Tätigkeiten steht und für die Wahrnehmung der gesetzlichen Aufgaben nötig ist.
Bleibt also die Frage, was die Hundertschaften des BfR (darunter mehr als 300 Wissenschaftler) aufhält, diesen dringenden Bedarf selbst zu stillen (und sich bei Bedarf fachkundige Experten zu Hilfe zu holen).

Nachdem sich damit hoffentlich zweifelsfrei klären lässt, wie viel Aluminium in die Haut geht, schließe ich mich gleich mit einer Inspiration für eine mögliche weitere Fragestellung an:

Hoch interessant wäre nämlich auch, was die reaktionsfreudigen und bekannt toxischen Aluminium-Ionen dann - nachdem sie die Haut durchdrungen haben - im Brustgewebe anrichten.
Hierzu gibt es bereits ausgiebig Literatur, welche ich den BfR-Experten (bei Bedarf) gerne zukommen lasse.




Freitag, 31. Januar 2014

Der Trend zum Leben ohne Geld

In Zeiten von Finanzkrise und unbefriedigenden Arbeits-Verhältnissen wächst die Sehnsucht nach Alternativen zu unserem kapitalistischen Gesellschaftsmodell. Selbsternte-Projekte, Couchsurfing, Tauschkreise mit eigenen Währungen sind keine reinen Nischen-Phänomene mehr. Manche wagen auch den Total-Ausstieg – in die Land-Kooperative oder ins Kloster. 

Die Kooperative Longo Maï ist eines der wenigen Gesellschafts-Experimente der 68er Generation, das die Zeiten überdauerte: In der Zentrale von Longo Maï in der französischen Provence leben rund 80 Erwachsene und Kinder. Die Arbeit wird geteilt, Geld ist weitgehend abgeschafft, Entscheidungen werden im Konsens getroffen.

Der Wiener Heinzi Schwarz war gerade 17, als er mit Freunden aus der linken Jugendbewegung Longo Mai gründete
"Le Pigeonnier" - das Gebäude mit dem Taubenturm - war 1973 das einzige, das zumindest Dach und Fenster hatte

Constanze Warta ging gleich nach der Matura zu Longo Mai. - Sie war jahrelang Wanderschäferin

Heinz Schwarz aus Wien gehörte zur Gruppe der Pioniere, welche Anfang der 1970er Jahre das Land erwarben und die desolaten Gebäude renovierten. „Wir waren alle aus der Stadt“, erzählt er, „von Landwirtschaft haben wir keine Ahnung gehabt.“ Kürzlich feierte die Kooperative, die mittlerweile zehn Niederlassungen betreibt, ihr 40-jähriges Bestehen.
Wir porträtieren in unserem Film „Tauschen & Teilen - Der Trend zum Leben ohne Geld“ eine Gruppe von Österreichern in Longo Mai, aber auch andere Initiativen, welche Alternativen zum kapitalistischen Gesellschaftsmodell erproben.


Boom der Commons-Bewegung

Unter dem Oberbegriff der „Commons-Bewegung“ entsteht eine neue Kultur des gegenseitigen Gebens und Nehmens. „Ich glaube, dass der Wandel zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft nicht von ExptertInnen oder PolitikerInnen herbeigeführt werden kann, sondern dass das Wissen, die Erfahrungen und die Fähigkeiten aller Menschen dafür unverzichtbar sind,“ sagt Brigitte Kratzwald, Sozialwissenschaftlerin und Commons-Aktivistin.

Commons-Expertin Brigitte Kratzwald
Österreich-weit florieren die „Talente-Tauschkreise“. Dabei werden eigene Talente genützt und gegen fremde Talente eingetauscht. Der Bio-Bauer Karl Kowatschek verkauft seine Produkte gegen Talente-Stunden. Das ist eine eigene Währung, vom Design den Euronoten recht ähnlich. Jeder kann den Wert seiner Waren danach bemessen, wie viel Arbeitszeit zur Herstellung aufgewendet wurde.
Für die langjährigen Teilnehmer des Tauschkreises hat sich aus den vielfältigen Interaktionen mittlerweile eine Gemeinschaft ergeben, welche ihr bisheriges „normales“ Leben vollständig verändert hat.
Ob das eigene Talente-Konto im Plus ist – oder ob wieder mal etwas Arbeit nötig ist, das ist jederzeit online abrufbar. Auch Überzug ist gestattet. „Allerdings sollte jeder Teilnehmer mindestens einmal jährlich ins Plus kommen“, sagt Karoline Karpati, die immer seltener im Supermarkt einkauft.


Gemeinsames "Garteln"

Dass „Commoning“ längst mehr als graue Theorie ist, zeigen die florierenden Gemeinschaftsgärten. „Allein in Graz haben wir bereits 14 solche Projekte, wo die Leute gemeinsam garteln“, erzählt David Steinwender während er eine der letzten Ernten der Saison einbringt. „Hier treffen wir uns das ganze Jahr zum Arbeiten, zum Lernen oder auch zum Feiern“, erzählt die Studentin Lisa Hintersteininger. „Von den Tomaten, die ich gepflanzt habe, hab ich leider nichts erwischt, weil ich da grad auf Urlaub war. Doch das habe ich bei der Ernte des Herbstgemüses im Überfluss wieder herein gebracht.“

Die Studenten Lisa und David in ihrem Grazer Gemeinschafsgarten

Leben ohne Geld im Orden

Gemeinschaftliches Leben ist bei Ordensleuten seit jeher üblich. „Eigentlich sind wir ja die Erfinder der commons-Idee“, schmunzelt Franz Helm von den Steyler Missionaren. „Wir sind sehr froh, dass dieser Gedanke nun auch in der normalen Gesellschaft modern wird und immer mehr mit Ideen und konkreten Projekten gefüllt wird.“ Früher war im Missionsgebäude St. Gabriel in Maria Enzersdorf bei Wien Platz für die Ausbildung von 600 Missionaren. „Heute leben hier noch 45 Personen und ich bin mit 50 Jahren einer der Jüngsten“, sagt Helm. Im weit läufigen Ordensgebäude ist heute ein Hilfswerk für Flüchtlinge unter gebracht, auch eine Montessori Schule findet Platz. „Das Außengelände mit den Sportplätzen ist belebt und bestens gepflegt“, sagt Helm. „Wir sind damit Teil einer jungen lebendigen Gemeinschaft.“
Auch die Ordensleute führen weitgehend ein „Leben ohne Geld“. Alle Einkünfte kommen in einen gemeinsamen Topf. Jeder Pater erhält ein monatliches Taschengeld von 50 Euro. „Ich ernte immer wieder erstaunte Blicke, wenn ich erzähle, dass ich meine Einkünfte abgebe“, erzählt Helm. „Ich selbst erlebe das aber als große Freiheit, weil ich mich um den wirtschaftlichen Bereich nicht kümmern muss.“


"Wir gründen eine Bank": Die Bank für Gemeinwohl

„Ich finde es faszinierend hier dabei zu sein, wenn eine Bank durch einen zivilgesellschaftlichen Prozess gegründet wird“, meint der Wirtschaftswissenschafter Reinhard Mammerler.
Derzeit laufen die letzten Vorbereitungsarbeiten: Die Demokratische Bank, die sich kürzlich ihren endgültigen Namen „Bank für Gemeinwohl“ verpasst hat, wird binnen einem Jahr ihre Tore öffnen. „Wir wollen wieder zu den Grundelementen eines dienenden Bankgeschäfts zurück kehren“, sagt Mammerler: Dazu zählen Girokonten für Zahlungsverkehr mit Online-Banking und Bankomatkarten. Wenig bis keine Zinsen, Finanzmittel sollen anderen als günstige Kredite zur Verfügung stehen, insbesondere sollen gemeinwohl-orientierte Projekte finanziert werden können. Missbrauch und Spekulation, so Mammerler, wird bei der „Bank für Gemeinwohl“ ausgeschlossen: „Die Finanzmittel fließen in transparente, realwirtschaftliche Projekte aus dem regionalen Umfeld.”
Initiatoren Reinhard Mammerler und Markus Stegfellner
Der Unterschied zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Gehalt der Mitarbeiter soll nicht größer als 5:1 sein. Die Kreditvergabe erfolgt nach den Kriterien der Gemeinwohlökonomie, die in den Statuten festgeschrieben sind – je höher die Bewertung, desto niedriger die Zinsen. Anstatt Gewinne auszuschütten, sind Sozialkonten für Menschen mit geringem Einkommen geplant. 
Markus Stegfellner sieht das Projekt auch als mutmachendes Beispiel für eine Umformung der Gesellschaft im Sinne einer Revolution von unten: "Wenn es uns möglich ist, etwas so kompliziertes wie eine Bank auf die Beine zu stellen, dann können wir eigentlich als Zivilgesellschaft jedes andere gesellschaftliche und soziale Problem auch selbst lösen."
Derzeit sind etwa 450 Personen aktiv am Gründungsprozess beteiligt. Mitarbeit ist nach wie vor erwünscht.

Unser Film "Tauschen & Teilen - Der Trend zum Leben ohne Geld" (Kamera: Christian Roth, Schnitt: Natalia Hanzer, Produktion Langbein & Partner) läuft am 4. Februar im Programm von ORF 2 (23,25 Uhr), sowie am 5. Februar auf ORF 3 (21,10 Uhr). Daraufhin ist er eine Woche lang in der TVthek des ORF abrufbar.

Mittwoch, 8. Januar 2014

Katastrophale neue Daten zur Impfpolitik in Afrika

Seit rund 15 Jahren werden laufend Studien veröffentlicht, die zeigen, dass die Impfprogramme von WHO oder der Bill & Melinda Gates-Foundation die Kinder in Entwicklungsländern eher gefährden als ihnen zu helfen.

Guinea-Bissau hat die weltweit fünfthöchste Kindersterblichkeit
Diese Studien stammen zum Großteil (aber nicht nur) vom Bandim Health Project - einer Forschungseinrichtung in Guinea Bissau, die seit 1978 existiert und seither in vielen hundert Arbeiten die Lebensumstände in einem der Länder mit der höchsten Kindersterblichkeit untersucht. Gegründet wurde die Institution vom dänischen Wissenschaftler Peter Aaby.
Die Arbeiten erscheinen in angesehenen Journalen wie dem British Medical Journal oder dem Fachjournal Vaccine. Vielfach wurden die Arbeiten bereits auf ihren wissenschaftlichen Gehalt geprüft. Bisher konnten noch keine gravierenden methodischen Fehler nachgewiesen werden.

Die Verantwortlichen bei WHO, UNICEF, der GAVI Alliance sowie der Gates Foundation geraten nun immer mehr unter Druck, endlich Stellung zu beziehen. Den prominentesten Vorstoß machte im letzten August eine heftige Anklage im Editorial des "New Scientist" mit dem Titel "Silence isn't golden - Only openness can secure public trust in vaccines". Sowohl die Gates Foundation als auch die WHO hatten auf mehrfache Anfragen des "New Scientist" jeden Kommentar zu Aabys Studien verweigert.

Im Kern geht es bei den Resultaten aus Entwicklungsländern mit hoher Kindersterblichkeit immer um das selbe:
Während Lebendimpfungen (z.B. Masern, Mumps, Polio-Schluckimpfung, BCG) einen positiven Einfluss auf die Gesundheit der Kinder ausüben, steigt nach den Totimpfungen (z.B. Diphtherie, Tetanus, Pertussis) ihr Sterberisiko signifikant an.

Prof. Peter Aaby mit Mitarbeiter
Peter Aaby nennt das die "unspezifischen Effekte von Impfungen" auf die Abwehrkräfte der Kinder. "Anscheinend machen Lebendimpfungen das Immunsystem fitter und die Kinder haben hinterher bessere Abwehrkräfte gegen die lebensgefährlichen Tropenkrankheiten", beschrieb mir Aaby diesen Effekt. "Bei den Totimpfungen geht der Effekt hingegen ins Gegenteil, besonders stark bei den Mädchen. Diese Impfungen scheinen die Abwehrkräfte der Kinder zu schwächen, so dass sie in der Regenzeit häufiger an Durchfall, Lungenentzündung oder Malaria sterben."
Welcher Mechanismus konkret die Abwehrkräfte der Kinder schwächt, darüber kann Aaby nur Vermutungen anstellen: "Vielleicht liegt es an einem der Inhaltsstoffe. Unter Verdacht stehen etwa die Aluminiumsalze, die als Wirkverstärker eingesetzt werden. Doch das ist nur eine Vermutung, die es zu überprüfen gilt."

Nun ist im Journal "Vaccine"wieder eine solche Studie aus Guinea-Bissau erschienen. Mit besonders dramatischen Resultaten:
Insgesamt 2331 Kinder erhielten nach Zufallsprinzip entweder nur Lebendimpfungen (Masern, Gelbfieber-Impfung) oder zusätzlich auch Totimpfungen. Nach einem Beobachtungszeitraum von sechs Monaten war das Sterberisiko in der Gruppe mit den Totimpfungen um das mehr als Dreifache höher (Faktor 3,24).
Besonders krass waren die Resultate bei der im Jahr 2008 in Guinea-Bissau neu eingeführten Fünffach-Impfung. (Sie enthält zusätzlich zu DTP noch die HiB- sowie die Hepatitis B Komponente.) Kinder, die damit geimpft wurden, hatten im Vergleich zur Masern-Gelbfieber Kombination ein beinahe achtfach höheres Sterberisiko (Faktor 7,7).

Man wird sehen, ob es diesmal Reaktionen von Seiten der internationalen Gesundheits- und Hilfsorganisationen gibt, oder ob diese wie schon einige Male zuvor versuchen, mit methodisch extrem schwachen "Gegenstudien" ihre Impfpolitik zu verteidigen. Aaby und sein Team haben diese WHO-Studien öffentlich zerpflückt, weil dabei verstorbene Kinder generell als "ungeimpft" eingestuft wurden. Ob es sich dabei um einen laienhafter Fehler handelt - oder um einen Fälschungsversuch - beide Möglichkeiten sind nicht sonderlich schmeichelhaft. Jedenfalls gelang es damit, den positiven Effekt der Impfungen künstlich aufzublasen. Und das war wohl die Hauptsache. (Wer sich dazu näher informieren möchte: In meinem aktuellen Buch "Dirty Little Secret - Die Akte Aluminium" habe ich viele Informationen sowie auch die Quellen zu Aabys Forschung detailliert angeführt.)

Es ist eine Schande, wie lange es dauert bis eine öffentliche Debatte über dieses wichtige Thema entsteht und die tatsächlichen Auswirkungen unserer Impfpolitik in den Dritte Welt Ländern ernsthaft geprüft werden.
Klar wäre der Image-Schaden für WHO, UNICEF, Gates & Co. enorm, wenn sich Aabys Resultate bestätigen. Doch was ist hier wohl mehr wert? Das Image der Organisationen oder die Sicherheit und das Leben der geimpften Kinder?
Es ist ein ungeheurer Skandal, der sich hier unter aller Augen ereignet.