Samstag, 26. November 2011

Komplikationen bei Windpocken: eine These

Immer wieder ist von heftigen Windpocken die Rede, welche den Kindern wochenlang zu schaffen machen, die Kinder mit unglaublich vielen Pusteln am ganzen Körper entstellen und schwer abheilen. Möglicherweise haben diese Reaktionen eine Ursache, die bisher unbeachtet blieb.

Auffallend ist nämlich, dass viele dieser Kinder davor eine 6-fach oder sonstige Impfung mit den üblichen Adjuvantien erhalten haben. Diese Wirkverstärker sind in etwa zwei Drittel der Impfungen enthalten (z.B. FSME, Pneumokokken, Meningokokkem). Die geläufigsten Adjuvantien sind Aluminiumhydroxid und Aluminiumphosphat.
Bei Kindern, welche davor keine derartigen Impfungen erhalten haben, verlaufen die Windpocken normalerweise mild. Ich halte es deshalb für wahrscheinlich, dass das Risiko auf Komplikationen und ernsthafte Verläufe bei Windpocken ansteigt, wenn die Kinder davor adjuvierte Impfstoffe erhalten haben.

Falsche Reaktion des Immunsystems
Es ist bekannt, dass die üblichen Wirkverstärker die Immunantwort in Richtung einer Th2-Antwort manipulieren. - Windpocken-Viren werden vom Immunsystem, so wie zahlreiche andere Infekte, normalerweise jedoch mit einer Th1-Antwort bekämpft. Nach vorangegangener 6-fach Impfung ist aber nicht mehr gewiss, dass das Immunsystem den Viren mit der - im Lauf der Evolution eingespielten - besten Methode begegnet, sondern mit einer weniger gut geeigneten. Daraus folgt, dass sich die Viren über einen längeren Zeitraum vermehren können und größere Schäden anrichten.

Bei dieser Erklärung handelt es sich um eine These, die ich für recht wahrscheinlich halte und die durch zahlreiche Indizien gestützt wird. Dass Aluminium-haltige Adjuvantien die Immunantwort in Richtung einer Th2-Antwort manipulieren, kann in den meisten Immunologie-Lehrbüchern nachgelesen werden. Dass die Th2-Polung des Immunsystems nicht sofort nach der Impfung aufhört, sondern noch Wochen und Monate andauern kann, zeigen zahlreiche Studien z.B. (Aaby P., Boelen A. etc.)

Prof. Peter Aaby, der seit drei Jahrzehnten das Bandim Health Project in Guinea Bissau leitet, hat es in seinem Umfeld seit einigen Jahren zur Regel gemacht, dass alle Kinder zu ihrem Schutz - als letzte Impfung im Babyalter - eine Impfung erhalten sollten, welche das Immunsystem wieder Richtung Th1 Antwort zurück polt.
Diese Maßnahme hat einen sehr ernsthaften Hintergrund: Aaby und seine Mitarbeiter haben in zahlreichen Studien heraus gefunden, dass Kinder nach Tetanus-Diphtherie-Keuchhusten-Impfungen ein deutlich erhöhtes Krankheits- und Sterberisiko haben. Die geimpften Kinder erkranken danach wesentlich häufiger und ernsthafter an Tropenkrankheiten wie Malaria, oder an Infekten, die zu Lungenentzündungen oder Durchfall führen. Viele Jahre intensiver Forschung waren notwendig, bis Aaby entdeckte, welcher Mechanismus diese dramatischen Folgen erklären könnte. Als wahrscheinlichste Antwort kam er eben auf die Veränderung der Immunreaktion und die daraufhin geschwächte Abwehrkraft.

"Gute" Impfungen, welche die Abwehrkräfte stärken, gibt es jedoch auch. Dazu zählt z.B. die alte Tuberkulose-Impfung (BCG), die in Europa allerdings nicht mehr verwendet wird. Vor allem aber die Masern, bzw. die MMR Impfung. Diese Impfung ist imstande, neben ihrem Schutz vor Masern, Mumps und Röteln - auch die negativen Auswirkungen der vorangegangenen Impfungen auf das Immunsystem halbwegs zu neutralisieren.
Peter Aaby hat dazu nun einige Studien initiiert und erste Ergebnisse zeigen, dass negative Effekte deutlich verringert werden können.
Natürlich würde sich Prof. Aaby wünschen, dass das Impfkonzept der WHO, aber auch die immer größer werdenden Privat-Initiativen wie jene der Bill & Melinda Gates Stiftung, einmal grundsätzlich evaluieren würden, ob ihre Kampagnen beim Nutzen für die Gesundheit der Kinder überhaupt noch positiv bilanzieren, oder ob sie nicht eigentlich inzwischen mehr Schaden anrichten.
Bei diesen Organisationen besteht jedoch bislang keinerlei Bereitschaft, ihre Tätigkeit kritisch zu prüfen und schlechte Impfungen aus dem Programm zu eliminieren.

Wer prüft die langfristigen Impffolgen?
Empirisch überprüft wurde die These, dass Windpocken in zeitlicher Abfolge nach 6-fach Impfung komplikationsreicher verlaufen, meines Wissens bisher noch nicht. Dies liegt daran, dass diese Art von Forschung keinen kommerziellen Zwecken dient und sich von den Impfstoff-Herstellern nicht zu Geld machen ließe.
Im Gegenteil: wenn sich diese These bestätigt, würde das Unruhe auslösen und Geld kosten. Sechsfach- und sonstige adjuvierte Impfungen sowie die derzeit verwendeten Wirkverstärker würden in Verruf kommen. Die Hersteller wären gezwungen, viel Geld und Energie in die Forschung nach verträglicheren Adjuvantien zu investieren. Und das erscheint der Industrie wohl nicht gerade als eine lohnende Aussicht.

Wer darauf hofft, dass unsere Gesundheitsbehörden oder sonstige unabhängige Stellen einspringen, kann ebenso gut auf Godot warten. Von unabhängiger Seite wird leider nur sehr selten Geld in Impfstoff-Forschung und Impfstoff-Sicherheit investiert, da sich die Behörden eher als Bewahrer des "Impfgedankens" sehen. Die Abwicklung der Token-Studie zur Abklärung des Sterberisikos nach Sechsfachimpfung durch das Robert Koch Institut ist dafür ein gutes Beispiel.

Meist wird tunlichst alles unterlassen, was den Glorienschein des Impfens anpatzen könnte. Das ist - im Sinne der Impfstoffsicherheit - sehr ärgerlich und auch verantwortungslos, so ist es aber leider.

Sonntag, 9. Oktober 2011

Ein ansteckendes Rätsel

Noch immer weiß niemand eine Antwort auf die alte Frage, warum wir gähnen.



Gähnen ist hoch infektiös. Keine andere Tätigkeit ist so ansteckend, regt derart zur unwillkürlichen Nachahmung an. Es kann genügen, darüber zu lesen, und schon erfolgt das berühmte „tiefe Einatmen mit weit geöffneter Stimmritze, typischerweise mit geöffnetem Mund, oft begleitet von Bewegungen der Arme“, wie das Gähnen im Lexikon beschrieben wird.
Wer andere gähnen sieht, gähnt selbst. Blinde gähnen, wenn sie Gähngeräusche hören. Wenn sie jetzt gähnen müssen und ein Hund anwesend ist, dann gähnt er wahrscheinlich mit. Das ist empirisch belegt. Biologen der Universität London ließen 29 Hunde von Versuchspersonen angähnen. 21 Hunde gähnten zurück. Das ist eine Rückgähnquote von fast 75 Prozent. Allerdings war es dafür notwendig, richtig echt zu gähnen. Wenn die Vorgähner nur den Mund öffneten, ohne typisches Gähngeräusch, ließ sich kein einziger Hund inspirieren.

Die Wissenschaft vom Gähnen (Oszitation) heißt Chasmologie. Unzählige Chasmologen haben sich im Lauf der Jahrhunderte dem Geheimnis der Oszitation gewidmet. Doch trotz aller Anstrengungen ist es ihnen bisher nicht gelungen, den Kern ihrer Forschung aufzuklären: Warum gähnen wir eigentlich. Was hat das für einen Zweck?
Sollte Gähnen eine soziale Bedeutung haben? Der deutsche Ethnologe Karl von den Steinen stellte 1890 seine These vor, dass ansteckendes Gähnen die Müdigkeit in einer Gruppe verteilt, um den Schlafrhythmus zu synchronisieren. Doch genügt dafür nicht auch die Dämmerung?

Etwa zur selben Zeit spekulierten Mediziner, dass Abfallprodukte von Bakterien im Verdauungstrakt das Gähnen hervorrufe. Andere hielten es für Gymnastik der Atemorgane oder für eine Methode dem Gehirn mehr Sauerstoff zu verschaffen. Das wurde jedoch in einem Versuch widerlegt, in dem eine Gruppe reinen Sauerstoff zum Atmen erhielt. Diese Probanden gähnten jedoch genauso oft wie die anderen.
Eine neue These des US-Biologen Andrew Gallup besagt, dass Gähnen dazu dient, das Gehirn zu kühlen. Zur Untermauerung beobachtete Gallup Wellensittiche, die bei Wärme signifikant häufiger gähnten. Doch die Fachwelt reagierte skeptisch. Für Vögel mag die Kühlungstheorie ja noch einleuchten, Menschen haben jedoch Schweißdrüsen, die wesentlich effizienter Kühlung verschaffen.

Und was ist mit den Giraffen? - Während fast alle kaltblütigen und warmblütigen Tiere nach demselben Muster gähnen, egal ob Fische, Vögel oder Säugetiere, bleibt ausgerechnet die Giraffe abstinent. So lange man auch wartet, sie gähnt nicht.
Und somit bleibt die Chasmologie ein schwieriges, oft auch frustrierendes Fach. Zumal auch die Forschungsförderung auf niedrigem Niveau dümpelt. Denn während exzessives Gähnen lästig sein mag, so ist es doch nicht gefährlich. Und im Normalfall lässt es sich damit gut leben. Auch wenn nach wie vor niemand weiß, worum es dabei gähnt.

Dieser Artikel erschien im Rahmen der Coverstory "Wach im Schlaf" des Nachrichtenmagazins profil. (Foto: Jim Champion/Wikimedia Commons)

Leistungsschlaf


Neue Erkenntnisse der Schlafforschung zeigen, dass im Organismus zur Nachtzeit alles andere als Ruhe herrscht. Während das Gehirn die Eindrücke des Tages verarbeitet, rücken die Zellen der Immunabwehr zum nächtlichen Systemservice aus. Moderner Lifestyle gefährdet jedoch die Arbeit der Nacht.
„Stefan hatte scheinbar schon einige Jahre investiert, seinen Schlaf/Wach-Rhythmus systematisch zu ruinieren“, sagt der Schlafforscher Gerhard Klösch von der Univistätisklinik für Neurologie an der Meduni Wien. Stefans Vater hatte den 17jährigen Gymnasiasten im Juli im Schlaflabor des AKH-Wien vorgestellt, weil er absolut nicht mehr weiter wusste: Nachts konnte sein Sohn nicht schlafen, erzählte der Vater. „Jeden Morgen war es ein Drama, ihn aus dem Bett zu bringen. Die Lehrer sagten, dass er im Unterricht häufig wegdöst.“

Stefans Abschlusszeugnis 2011 war so katastrophal, dass die geplante Matura im nächsten Jahr in weite Ferne rückte. Einige Nächte im Schlaflabor zeigten die hormonellen Ursachen und Konsequenzen dieser Schlafstörung: „Stefan hatte nach Mitternacht, wo das Stresshormon Cortisol normalerweise den Tiefpunkt erreicht, gleichbleibend hohe Werte“, berichtet Klösch. Das Schlafhormon Melatonin wurde hingegen nur in geringen Mengen produziert. Auf ebenso tiefem Niveau bewegt sich die Aktivität des Immunsystems, das im Hormon Cortisol einen mächtigen Gegenspieler hat. Die für die Regulierung des Appetits zuständigen Hormone Ghrelin und Leptin schwankten stark und Wachstumshormone waren überhaupt kaum nachweisbar. „Das ist speziell bei Jugendlichen alarmierend, weil ja der Schlaf die Zeit des Wachsens ist“, sagt Klösch.
 Über die Sommermonate erarbeitete Klösch mit Stefan und dessen Eltern ein strenges Programm der Verhaltensanpassung. Computerspiele waren nur noch an drei Tagen pro Woche erlaubt, um ein Uhr nachts war spätestens Schluss. Das Handy durfte nicht ins Bett mitgenommen werden, Energy-Drinks wurden gestrichen. „Derartige Probleme bei Jugendlichen werden immer häufiger“, sagt Klösch, „Schlaf wird als Feind gesehen, der sie am spannenden Leben hindert.“

Auch in der Wissenschaft war der Schlaf lange ein Phänomen voller Rätsel: Warum hat die Evolution trotz aller damit verbundenen Risiken diese Phase eingeführt, wo die Lebewesen schutzlos den Feinden ausgeliefert sind. Was gewinnen wir mit dem Schlaf? Lange Zeit wurde die nächtliche Ruhephase als simpler Standby Modus betrachtet, in dem der Stoffwechsel auf Sparflamme läuft und das Bewusstsein abgeschaltet ist: eine Zeit der Erholung von den Mühen des Tages. Doch warum werden Faulpelze genauso müde wie emsige Hackler?
„Wenn es allein nach dem Körper ginge, müssten wir gar nicht schlafen“, sagt die Schlafforscherin Birgit Högl vom Institut für Neurologie der Medizinischen Universität Innsbruck. „Da würde nämlich eine simple Rastpause den selben Zweck erfüllen.“ Das belegen Experimente: Sogar nach fünf schlaflosen Tagen zeigen Versuchspersonen auf dem Laufband oder dem Fahrrad-Ergometer noch erstaunlich gute Leistungen. Im Kopf stehen sie allerdings schon am Rande des Wahnsinns. 
Schlafentzug wurde denn auch quer durch die Zeiten als Foltermaßnahme eingesetzt. Bereits im alten China galt dauerhafter Schlafentzug als besonders strenges und gefürchtetes Todesurteil. Und in dem von den USA betriebenen Gefangenenenlager Guantanamo auf Kuba wurde routinemäßig versucht, Häftlinge durch Schlafentzug vor Verhören zur Kooperation oder zu Geständnissen zu bewegen. „Schlaf ist vor allem ein Bedürfnis des Gehirns“, erklärt der Münchener Wissenschaftsautor Tobias Hürter, der mit seinem Buch „Du bist, was du schläfst“ nun eine aktuelle Bestandsaufnahme der internationalen Schlafforschung vorgelegt hat.
Und so ist die Suche nach den Geheimnissen des Schlafs zu einem guten Teil auch die Erforschung unseres wichtigsten Organes, des Gehirns. Das Denkorgan verbraucht ein Fünftel unseres Umsatzes an Energie und Sauerstoff zeigt sich, dass es im Schlaf mindestens genau so aktiv ist wie tagsüber während der Wachphase. Die Ressourcen, die dabei zur Verfügung stehen, sind unermesslich. „Ein einziges Gehirn“, sagt Hürter, „hat so viele neuronale Verbindungen, wie die gesamte Menschheit Haare auf dem Kopf.“

 Dass wir nun jede Nacht ausreichend Schlaf benötigen, liegt in erster Linie an der Funktionsfähigkeit dieses Wunderwerks. Schon tagsüber befasst sich das Gehirn nur am Rande mit äußeren Reizen. Diese sind zwar wichtig und werden natürlich auch wahr genommen und gespeichert. „Ein großer Teil seiner Aktivität – 60 bis 80 Prozent seines Energieverbrauches – tritt aber in Schaltkreisen auf, die nichts mit äußeren Ereignissen zu tun haben“, sagt der US-Neurologe Marcus Raichle. Im Gehirn herrscht ein niemals verstummendes Stimmengewirr. Alle Areale rufen gewissermaßen durcheinander, sodass es recht aufwändig , in dieses Chaos Ordnung zu bringen. Im Schlaf wird aufgeräumt.
Abseits des Bewusstseins arbeitet das Gehirn auf Hochtouren weiter, allerdings anders als im Wachzustand. Die Aktivitätsmuster ändern sich, und manchmal klinken sich Gedächtnis-Systeme aus, was unsere Erinnerungslücken im Traum erklärt. Dann wieder macht die allzeit vernünftige Großhirnrinde Pause, weshalb im Schlaf manchmal die bizarrsten Ideen auftauchen. Das Ruhenetzwerk entkoppelt sich von der Außenwahrnehmung, die inneren Stimmen bekommen mehr Gewicht.

Schlafforscher teilen die Nachtruhe in drei Stufen ein: das Dösen beim Einschlafen. Den Leichtschlaf, in dem wir etwa die Hälfte der Nacht – besonders den zweiten Teil hin zum Morgen verbringen und sehr viel träumen. Schließlich den Tiefschlaf, den der Organismus nach dem Einschlafen auf kürzestem Weg aufsucht und in dem das Gedächtnis neu justiert wird. In dieser ganz auf sich selbst konzentrierten Phase des Schlafes kommt es zu einer Art Zwiegespräch zwischen mehreren Hirnarealen.
Die Inhalte werden nicht wie bei einem Computer schlicht gespeichert, denn dadurch würde sich zu viel Datenmüll ansammeln. Stattdessen werden Informationen aufgerufen, bewertet, durchgespielt und dann neu zusammen gesetzt. Erlebnisse, die emotional zu schwach bewertet sind, verschwinden nach und nach aus dem Gedächtnis und machen Platz für Neues.
In diesem Bereich sehen Lernforscher einen wichtigen Ansatz für den idealen Unterricht: Informationen, die nicht mit Gefühlen – am besten positiven – besetzt sind, bleiben kaum im Gedächtnis haften, sondern verlieren sich rasch.

An die meisten Träume erinnert sich der Mensch nicht. Viele gleichen Gedankenblitzen und dauern nur ein bis zwei Sekunden. Länger und ereignisreicher sind die Träume in den REM-Phasen der zweiten Nachthälfte. Dabei bewegen sich die Augen („rapid eye movement“), als ob sie einem lebhaften Geschehen folgen würden. Und das tun sie auch, wie die aktuelle Forschung zeigt. Über Gehirnsignale werden auf der Netzhaut tatsächlich Traumbilder erzeugt. Zusammen genommen träumt der Mensch pro Nacht rund 60 bis 90 Minuten.
Jahrzehntelange Diskussionen befassten sich mit dem Zweck der REM-Phase. Prominente Schlafmediziner wie etwa Jan Born, Leiter der Abteilung für klinische Neuroendokrinologie der Universität Lübeck, bekennen offen, dass sie keine Erklärung dafür haben, wozu diese Phase des so genannten „paradoxen Schlafes“ gut sein soll.
Nun scheint es, als wäre eine halbwegs anerkannte, nachvollziehbare Erklärung gefunden. Sie geht auf den US-amerikanischen Neurowissenschafter Jonathan Winson zurück, einem gelernten Flugzeugingenieur, der das Fach wechselte, weil er die Entschlüsselung der Rätsel des Gehirns für die größere technische Aufgabe hielt. Winson ging in die Traumarchive und analysierte tausende von protokollierten Träumen aus allen Kulturkreisen. Dabei fiel ihm auf, dass sich die Träume in der REM-Phase dadurch auszeichnen, dass es dabei thematisch fast immer um Leben und Tod geht. Über alle Zeiten und Kulturen hinweg ist die Verfolgungsjagd das häufigste Traumszenario. Winson war überzeugt, dass in diesen Träumen das Gehirn seine Überlebenskünste schärft. Im REM-Schlaf werden also Gefahrensituationen geübt, die evolutionär bedeutsam waren. Winsons Idee ist unter Schlafforschern mittlerweile fast mehrheitsfähig.

Die individuelle, als erholsam empfundene Länge des Schlafes variiert beträchtlich. Im Schnitt schlafen Frauen etwa eine Stunde länger als Männer. Im höheren Alter nimmt der Ruhebedarf ab. Guter Schlaf gilt in allen Kulturen als ein Merkmal für Gesundheit. „Für psychische Gesundheit stimmt das jedenfalls“, sagt der Psychologe Christoph Augner vom Forschungsinstitut für Grund- und Grenzfragen der Medizin an der Paracelsus Universität Salzburg. Augner war aufgefallen, dass psychisch gesunde Menschen zumeist über gute Schlafqualität berichten.
 Um diese Beobachtung auf ihren Wahrheitsgehalt abzuklopfen, befragte er eine Gruppe von 196 Studenten nach deren Schlafgewohnheiten. Parallel wurden Depressionen, Angststörungen, krankhafte Essgewohnheiten und sonstige psychische Besonderheiten nach üblichen Testverfahren erhoben. Die kürzlich veröffentlichten Resultate ergaben eine eindrucksvolle Bestätigung von Augners Ausgangs-Hypothese: Will man wissen, wie es einem Menschen geht, braucht man nur danach zu fragen, wie gut er schläft. Studenten mit schlechter Schlafqualität zeigten eine viermal höhere Wahrscheinlichkeit für einen hohen Depressionswert. „Das ist insofern bemerkenswert, als es sich um junge Menschen handelte, die eigentlich alle psychisch gesund waren und auch nicht wegen Schlafstörungen in Behandlung waren“, sagt Augner. „Möglicherweise ist hier aber bereits der Keim einer künftigen Krankheit zu erkennen.“

Noch überraschender ist ein erst im vergangenen Jahrzehnt aufgetauchter Zusammenhang, bei dem die Wissenschafter zunächst an einen Zufallsbefund dachten: Wer kürzer schläft, neigt eher zu Übergewicht. Im Sommer 2003 zeigte die berühmte „Nurses Health Study“ – eine 1976 gestartete Langzeitbeobachtung des Gesundheitszzustandes von 100.000 US-amerikanischen Krankenschwestern – dass Frauen, die im Schnitt weniger als fünf Stunden schliefen, ein um 50 Prozent höheres Diabetes-Risiko hatten als Frauen, die acht Stunden schliefen.Im Vorjahr kam ein Team um Francesco Cappuccio von der Universität Neapel in einer Übersichtsarbeit mit ähnlich hoher Anzahl von Teilnehmern, darunter auch Männer, zu einem fast identen Ergebnis.
Mittlerweile gilt der Zusammenhang als etabliert. „Durch zu wenig Schlaf wird die Appetitregulation gestört“, erklärt Schlafforscherin Birgit Högl (Foto links). „Man isst mehr und kann das Gegessene schlechter verstoffwechseln.“ Bei einer internationalen Konferenz der Schlafmediziner Mitte September in Quebec wurden aktuelle Zahlen aus den USA präsentiert, die speziell für die Gruppe der Jüngeren eine weitere Verschärfung der Problematik anzeigen: „Das Handy wird immer mehr zum Schlaf-Killer“, berichtet Högl, die als Vorstandsmitglied der Gesellschaft an der Konferenz teilgenommen hatte.
Kinder und Jugendliche beschäftigen sich laut diesen Berichten nicht nur tagsüber mehrere Stunden mit dem Handy, sie nehmen es auch mit ins Bett. „Die Erhebungen zeigen, dass viele in der Zeit zwischen Mitternacht und drei Uhr früh regelmäßig von SMS-Nachrichten geweckt werden und darauf antworten.“ Daraus ergebe sich eine erhebliche Beeinträchtigung der Schlafqualität. „Und natürlich befürchten wir, dass sich damit auch der Trend zu Übergewicht und Fettleibigkeit weiter verstärkt“, so Högl.

Wer gut und lange schläft, ist eher schlank und auch psychisch gesund, lauten die aktuellen Befunde.
Christoph Scherfler von der Universitätsklinik für Neurologie in Innsbruck wollte wissen, ob man diesen Schluss auch umdrehen kann: Sind Schlafstörungen ein erster Ausdruck organischer Schäden? Um diese Phänomene näher zu untersuchen, gründeten Innsbrucker Neurologen um Vorstand Werner Poewe zusammen mit Kollegen der Universität Barcelona die so genannte SINBAR-Gruppe (Sleep INnsbruck BARcelona). Zunächst nahmen sie sich einer speziellen Gruppe von Schlafstörungen an – „Menschen, die so lebhaft träumen, dass sie anfangen, unkontrolliert im Bett herumzuschlagen", erzählt Scherfler. Weil deren Partner das oft nicht aushalten, „kommen sie zu uns."
Zunächst schlossen die Schlafmediziner jene Patienten aus, deren aggressives Schlafverhalten auf Medikamente, Alkoholentzug und andere bekannte Ursachen zurückzuführen war. Übrig blieben schließlich 26 Patienten mit Schlafstörungen, deren Gehirn im Magnetresonanztomografen nach Veränderungen untersucht wurde. Als Kontrolle dienten die Befunde von 14 Personen ohne Schlafstörungen.
 „Als wir die Resultate in 3D bekamen, war das wirklich beeindruckend“, erzählt Scherfler. „Wir stießen nämlich auf zwei Regionen im Hirnstamm, von denen wir wissen, dass sie an der Regulierung der REM-Schlafphasen beteiligt sind.“ Hier zeigten sich dramatische strukturelle Veränderungen: Zellmembranen, die durch degenerative Prozesse zerstört waren und zum massenhaften Untergang von Nervenzellen führten. Die Ursache der Schlafstörung waren also konkrete Schäden im Gehirn.

Von zusätzlichem Interesse sind diese Ergebnisse im Zusammenhang mit einer immer häufiger auftretenden Krankheit: „Wir wissen, dass etwa drei Viertel unserer Patienten später an Parkinson erkranken.“ Mit Hilfe der MRT-Untersuchung und über den Umweg der Schlafstörung, ist es der SINBAR-Gruppe also gelungen, eine organische Wurzel der Parkinson-Krankheit zu orten. In der Fachwelt schlug diese Nachricht ein wie die sprichwörtliche Bombe. Publiziert wurde die Arbeit in den „Annals of Neurology“, einem der angesehensten Journale der Fachrichtung.
„Interessanterweise fanden wir im betroffenen Bereich auch eine starke Zunahme der Gewebedichte“, erzählt Scherfler. „Das zeigt, dass der Organismus versucht, den Schaden selbst zu reparieren.“ Wenn es gelänge den bislang unbekannten Verursacher des Hirnschadens ausfindig zu machen und den zerstörerischen Prozess zu beenden, wäre also eine Heilung möglich.
Eine zweite Option eröffnet sich im Bereich der Früherkennung. Nachdem nun bekannt ist, in welchen Regionen die Parkinson-Krankheit ihren Ausgang nimmt, lässt sich die Innsbrucker Methode auch gezielt dafür einsetzen, nach Störungen im Anfangsstadium zu suchen.

Eine ähnlich interessante Entdeckung gelang der Arbeitsgruppe bei einer weiteren rätselhaften Krankheit, der Narkolepsie. Die davon betroffenen Patienten werden schlagartig todmüde, verlieren die Muskelkontrolle, brechen zusammen und schlafen gegen ihren Willen ein. Täglich bis zu zwanzig Mal, an allen möglichen Orten. Ein normales Leben ist für die Betroffenen kaum möglich, Auto- oder Radfahren illusorisch Die konkreten Ergebnisse seiner Narkolepsie-Studie will Scherfler noch nicht preisgeben, weil die Publikation gerade im Druck ist.
Dem krankhaften Prozess liegen aber jedenfalls Autoimmun-Prozesse im Gehirn zugrunde, also aggressive, gegen die eigenen Nervenzellen gerichtete Aktionen des Immunsystems.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang: eine mysteriöse Häufung der sonst sehr seltenen Erkrankung, die offenbar als Folge der Schweinegrippe-Impfaktion im Herbst 2009 aufgetreten sind. Im Lauf des vergangenen Jahres hatten schwedische und finnische Ärzte einen sprunghaften Anstieg von Narkolepsie-Fälle bemerkt. Fast alle betroffenen Patienten waren zuvor mit dem Impfstoff Pandemrix, dem in Europa meistverkauften Präparat, geimpft worden. Das Narkolepsie-Risiko von Kindern, die in Schweden und Finnland damit geimpft wurden, lag um das sechs- bis 13-fache höher als bei nicht Geimpften.
Im Verdacht steht ein Bestandteil der Impfung, nämlich der neuartige Wirkverstärker AS03. In den USA waren solche Zusätze zu Schweinegrippe-Impfstoffen – unter anderem wegen des Risikos autoimmuner Nebenwirkungen – nicht zugelassen worden. Dort sind im Zuge der Pandemie nur zwei Fälle von Narkolepsie bei den Behörden gemeldet worden. In Europa gingen beim Pandemrix-Produzenten GlaxoSmithKline hingegen bisher mehr als 300 Meldungen ein. Anfang August warnte nun auch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA in einer Aussendung davor, Pandemrix weiter zu verwenden. Im Gegensatz zu Deutschland ist Österreich von dem Problem nicht betroffen, weil der vom Gesundheitsministerium angekaufte Impfstoff der Firma Baxter keine Wirkverstärker enthielt.

 Ein weiteres heftig diskutiertes Thema im Bereich der Schlafstörungen: der Einfluss der Schichtarbeit auf das Krebsrisiko. Wahrscheinlichster Auslöser für die erhöhte Erkrankungsgefahr ist die Störung der nächtlichen Service- und Reparaturarbeiten des Immunsystems. Während tagsüber das Stress-System regiert, werden nachts die Zellen der Immunabwehr aktiv. Sie beseitigen Krebswucherungen im Anfangsstadium und führen über Mikroentzündungen kleine oder größere Reparaturen durch.
Wenn nun nachts nicht geschlafen, sondern gearbeitet wird, dann ergibt sich für den Organismus ein hormoneller Widerspruch. Das Stresshormon Cortisol bleibt aktiv und unterdrückt das Anlaufen der nächtlichen Service-Arbeiten. Bereits seit 2007 gilt die Verschiebung der Arbeitszeit in die Nacht laut WHO als „wahrscheinliches Karzinogen“.
Wie dem Problem begegnet werden kann, bleibt umstritten. Am ehesten, so zeigte eine im August veröffentlichte dänische Untersuchung, gelingt dies mit einer intelligenten Anpassung der Arbeitszeiten. Zu diesem Zweck wurden die bei dänischen Krankenschwestern aufgetretenen Brustkrebsfälle mit deren Schichtplänen verglichen. Ergebnis: Nachtschwestern trugen ein fast doppelt so hohes Krebsrisiko wie Tagschwestern. Keine Risikoerhöhung zeigte sich bei Bediensteten, die ihren Dienst vor Mitternacht beendeten. Ein gleich dreifach erhöhtes Brustkrebsrisiko hatten jene Frauen, deren Schichtpläne über viele Jahre zwischen Tag und Nacht- sowie permanenter Nachtschicht hin und her pendelten.

Doch es ist nicht allein die Schichtarbeit, von der die Gefahr aus geht. Auch wer zu Hause die Nacht zum Tag macht und regelmäßig bis nach Mitternacht das Licht eingeschaltet lässt, sabotiert jene Nachtarbeit, die ganz eindeutig der Gesundheit dient: die Nachtschicht des Immunsystems.

Dieser Artikel ist Anfang Oktober 2011 als Cover-Story im Nachrichtenmagazin profil erschienen.

Dienstag, 27. September 2011

Rotschlamm Desaster

Vor einem Jahr brachen 15 Meter hohe Dämme einer Rotschlamm-Deponie der ungarischen Aluminiumfabrik MAL in Ajka. Ich habe zum Jahrestag der Katastrophe einen Beitrag für das ORF Magazin Thema verfasst. Den Film kann man in der TV-Thek zwei Wochen lang ansehen. Wir haben den ungarischen Kameramann Istvan Benkö besucht, dessen TV-Bilder damals um die Welt gegangen sind.

 Istvan Benkö hat durch das Unglück seine Gesundheit und sein Zuhause eingebüßt.


"Den Opfern an Mensch und Umwelt durch Schlampigkeit und Gier" steht auf dem Denkmal für die 10 Todesopfer der Rotschlamm-Katastrophe in Kolontar.

Dienstag, 23. August 2011

Grüne(wald) erfreut über Stögers Impfpläne

Sehr geehrter Herr Dr. Grünewald,


als Sympathisant und zeitweiliger Wähler der Grünen habe ich mich gestern geärgert, als ich Ihre APA-Aussendung zur Pneumokokken-Impfung gelesen habe, in der Sie Gesundheitsminister Stöger zur Ankündigung gratulieren, endlich die Gratis-Pneumokokken-Impfung einzuführen.
Weniger über die Tatsache, DASS Sie für diese Impfung eintreten, als vielmehr über die Art, WIE Sie diese Unterstützung argumentierten. Nämlich gar nicht.
Eine weitere Impfung scheint in Ihrem Weltbild ähnlich verankert wie ein zusätzliches Gratis-Kindergartenjahr oder eine Beschäftigungsoffensive für arbeitslose Jugendliche: Je mehr desto besser, der Nutzen steht von vornherein außer Frage.

Ihre Aussendung unterscheidet sich in ihrer Argumentationstiefe nur unwesentlich von dem, was man in den Stellungnahmen von BZÖ und FPÖ zum Thema Impfungen liest und erinnert eher an die Strategie eines Veterinärs, der für die "Gesundheit" der Tiere in einer Truthahn-Fabrik zuständig ist: Maximale Gesundheit durch maximalen Impfschutz!

Dass Sie neben der Forderung nach der allgemeinen Gratis-Pneumokokken und der Gratis-HPV Impfung ganz auf die Gratis-Meningokokken und die Gratis-Windpocken-Impfung vergessen haben, lag das an der Zeilenbeschränkung bei APA-Aussendungen?
Oder sparen Sie sich das für Ihre nächsten gesundheitspolitischen Initiativen auf?

Nach oben hin ist hier noch viel Platz, zumal Impfungen als das derzeit profitabelste Segment des Pharma-Marktes gelten und in den nächsten Jahren mit zahlreichen Neueinführungen zu rechnen ist.
Und wahrscheinlich teilen Sie ja die diesbezügliche Meinung des Vorsitzenden des Impfausschusses, Prof. Ingomar Mutz, der öffentlich verkündet hat, dass das Immunsystem der Kinder auch 10.000 Impfungen problemlos aushalten würde.

Seltsam nur, dass in allen Industrieländern gerade jene Krankheiten so steil ansteigen, die mit einem aus der Bahn geworfenen Immunsystem zu tun haben. Finden Sie nicht?
In den USA, wo bereits am ersten Lebenstag der Babys mit der Impfung gegen Hepatitis B der Impfreigen beginnt, erschien im Mai eine große Untersuchung zur Gesundheit der Kinder.
Wie hoch, denken Sie, ist dort mittlerweile der Anteil der chronisch kranken Kinder?
Er liegt bei 54 Prozent! Wenn man krankhaftes Übergewicht und Entwicklungsstörungen abzieht, bleiben noch immer 43 Prozent.

Ich behaupte jetzt nicht, dass das alles von Impfungen verursacht ist. Die Ursachen für diese ungeheure Krankheitslast, die hier auf die Gesellschaft zukommt, sind vielfältig.
Dennoch würde ich vorsichtig sein, jede neue Impfung, die aus den USA mit einem ungeheuren Marketing- und Lobbying-Aufwand in die ganze Welt verbreitet wird, sofort ungeschaut mit offenen Armen aufzunehmen.
Die Zeiten sind vorbei, als die Infektionskrankheiten an allen Ecken lauerten. Heute lauert etwas anderes. Bloß unsere Impfexperten - und Sie wohl auch - stecken mit ihrem diesbezüglichen Weltbild noch tief in der Ära von Pocken und Polio fest.

Haben Sie eigentlich schon mal Zeit gefunden, sich über seriöse Kritik am Nutzen der Pneumokokken-Impfung zu informieren?
Oder über die starken Replacement-Effekte im Zuge der Einführung dieser Impfstoffe?

Über aktuelle wissenschaftliche Fakten zur Problematik der Aluminium-haltigen Wirkverstärker?

Oder den möglichen Zusammenhang zwischen unspezifischer Alarmierung des Immunsystems und der ständigen Zunahme bei Asthma, Allergien und Autoimmunerkrankungen?

Über das kriminell-fahrlässige Studien-Design beim HPV-Impfstoff Gardasil, wo als Placebo-Impfung eine Aluminium-Adjuvantien-Lösung gespritzt wurde, um die Nebenwirkungen zu maskieren? Sagt Ihnen das etwas?

Oder haben Sie die Entscheidung der FDA verfolgt, wonach in der Patienteninformation der HPV Impfstoffe seit 2009 stehen muss, dass bei 2,3 Prozent der Studien-Teilnehmer im Studienzeitraum neue Krankheiten mit einem potenziell autoimmunen Hintergrund aufgetreten sind?

Von einem Mediziner und Gesundheitssprecher der Grünen hätte ich mir schon des öfteren kritische Stellungnahmen gewünscht. Beispielsweise zur nicht vorhandenen Forschung zur Impfstoff-Sicherheit in Österreich oder zum vollkommen unterentwickelten und intransparenten Meldewesen bei unerwünschten Arzneimittelwirkungen.
(Und wer prüft eigentlich die gesundheitlichen Auswirkungen von drei Jahrzehnten FSME-Impfkampagnen? Bei einer Weltrekord-Impfrate von über 90 Prozent entspricht dies einem nationalen medizinischen Selbstversuch, der völlig unkontrolliert abläuft. - Die Firmen werden hier sicher nicht in irgendwelche Sicherheits-Studien investieren. Die sind seit Immunos Zeiten einzig am Verkauf der Impfungen interessiert.)

Das Paul Ehrlich Institut hat zu den von Medizinern gemeldeten Nebenwirkungen immerhin vor einigen Jahren eine öffentlich zugängliche Datenbank auf seiner Website geschaffen. In Österreich wissen hingegen die meisten Ärzte noch gar nicht, dass es so etwas wie eine gesetzliche Meldepflicht bei unerwünschten Nebenwirkungen überhaupt gibt.

Bezeichnend für Ihre Haltung finde ich folgende Passage aus Ihrer Aussendung:
Die Kinderrechtskonvention wurde ratifiziert, wenn auch das Kindeswohl immer noch nicht im Verfassungsrang ist. Warum werden Kindern nach wie vor "state-of-the-art"- Behandlungen vorenthalten? Hier ist noch einiges zu tun", fordert Grünewald.

Was wäre denn der Effekt, wenn das "Kindeswohl" und das Recht auf "state-of-the-art-Behandlung" im Verfassungsrang wäre?
Erhoffen Sie sich damit eine klagsfähige "Impfpflicht durch die Hintertüre", getarnt als "Kinderrecht"?
Sie sollten wirklich die Qualität der Argumente Ihrer Einflüsterer prüfen, bevor Sie das rausposaunen. Oder ist Ihnen dieser gefährliche Schwachsinn selbst eingefallen?
Wollen Sie mit derartigen Vorstößen die Tierärzte der BZÖ rechts überholen?
Es würde mich sehr wundern, wenn der Ansatz, Eltern per Gesetz zur Impfung ihrer Kinder zwingen zu können, in Ihrer Partei mehrheitsfähig wäre. Soll ich mal nachfragen?

Ich verfolge als Journalist seit fast 20 Jahren die Impfdebatte und ich denke, dass es hoch an der Zeit wäre, dass dieser Bereich endlich zu einer "normalen" Wissenschaft mit nachvollziehbaren Grundsätzen wird. Stattdessen appelliert ein Klüngel verschworener Impfexperten noch immer ständig an den "hehren Impfgedanken" des vorigen Jahrhunderts und versucht alles abzublocken und zu vermeiden, was einer objektiven Prüfung der Sicherheit von Impfstoffen nahe kommen könnte.
Und alle sind sofort dabei, wenn auf Zuruf der Industrie die Impfpläne ständig weiter aufgestockt werden.

Dass gerade ein Gesundheitssprecher der Grünen sich hier so willfährig und argumentationslos einspannen lässt, finde ich beschämend,

einen schönen heißen Tag noch, BE

(Foto: www.gruene.at, CC)

Freitag, 19. August 2011

RKI bitte melden: offene Fragen zur Sicherheit der Babyimpfungen

Von Dr. Martin Schlaud und Kollegen vom Robert Koch Institut erreichte mich vorhin folgende Mitteilung:

Sehr geehrter Herr Ehgartner,
auf Ihre Anfragen zur TOKEN-Studie vom 14.06.2011 und vom 27.07.2011 haben wir jeweils sehr ausführlich geantwortet. Kurz nach Erhalt der zweiten Antwort haben Sie innerhalb von zwei aufeinander folgenden Tagen weitere drei E-Mails zum selben Thema an uns gerichtet. Wir bitten um Verständnis, dass wir nun keine Detailfragen mehr beantworten können.
Alle Informationen zur TOKEN-Studie und sämtliche Auswertungsergebnisse sind in dem umfangreichen Endbericht enthalten, der seit Februar veröffentlich ist und Ihnen offenbar vorliegt.
Mit freundlichen Grüßen
im Auftrag
Priv.-Doz. Dr. med. Martin Schlaud
Leiter des Fachgebiets "Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, Präventionskonzepte"
Abt. für Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung
Robert Koch-Institut
Postfach 65 02 61
13302 Berlin
Tel. 030/18-754-3437
Fax: 030/1810-754-3437
E-Mail: m.schlaud@rki.de
Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit.

Ich habe daraufhin folgendermaßen geantwortet:


Sehr geehrter Herr Dr. Schlaud,
danke für die bisherigen Antworten. Und entschuldigen Sie, dass ich noch drei Mails geschrieben habe. Aber Ihre Studie hat von der Methodik einige zusätzliche Fragen aufgeworfen, die mir durch Ihre vorangegangenen Antworten nicht schlüssig erklärt worden sind.
Ich habe zu Ihrer Arbeit auf meinem Blog einen Beitrag verfasst, in dem ich Ihre Antworten zum Teil berücksichtigt habe.

Insgesamt bleibt meine Kritik bestehen:

  1. Sie haben die Ergebnisse der Token Studie tendenziös aufbereitet, immer mit dem Bestreben, den Status Quo zu rechtfertigen und nichts an der derzeitigen Impfpraxis infrage zu stellen.
  2. Sie haben keinerlei Selbstkritik bezüglich der Finanzierung dieser Studie durch die Impfstoff-Hersteller erkennen lassen
  3. Sie haben in der Zusammenfassung der Studie auf Ihrer Webseite nicht signifikante Ergebnisse referiert, die Ihnen in den Kram passten, ohne bekannt zu geben, dass diese Ergebnisse nicht signifikant waren.
  4. Andere statistisch signifikante Ergebnisse haben Sie hingegen in der Zusammenfassung unterschlagen, weil diese Resultate die Sicherheit der Babyimpfungen in Frage gestellt hätten
  5. Sie haben im Zuge der Auswertung einige der Daten gewichtet, so dass Todesfälle in nahem zeitlichem Zusammenhang zu Impfungen weniger "zählten" als Todesfälle, die in weiterem Abstand zu Impfungen auftraten. Nur durch diese Maßnahme ist es gelungen, wichtige Ergebnisse in den nicht signifikanten Bereich zu verschieben. Diese Resultate haben Sie dann in der Zusammenfassung der Ergebnisse auf Ihrer Website berichtet, ohne zu erwähnen, dass diese Ergebnisse durch Gewichtung zustande gekommen sind.
  6. Obwohl in Ihrer Arbeit zahlreiche alarmierende Resultate zur Sicherheit der Babyimpfung aufgetreten sind, haben Sie nicht erwähnt, dass Sie diese Fragen durch nachfolgende Studien im Detail aufklären wollen.
  7. Sie haben in Ihren Antworten nicht erklären können, warum Sie die Token Studie überhaupt durchgeführt haben, wo Sie doch im Vorhinein wussten, dass es nicht möglich sein würde die Daten der verstorbenen Kinder mit deren Impfdaten zu verknüpfen, sondern dass es dafür der Einwilligung und der Mitarbeit der Eltern bedurfte.
  8. Sie haben zwar in Ihren Mails erklärt, dass zentrale Impf- und Sterberegister an sich wünschenswert wären, Sie haben aber in keiner Weise beschrieben, was Sie für die Einführung dieser Maßnahmen unternommen haben oder unternehmen wollen.


Auch wenn Sie angekündigt haben, mir nicht mehr in dieser Sache zu antworten möchte ich Ihnen noch drei offene Fragen stellen:

  • Das RKI, bzw. die an Ihrem Institut beheimatete STIKO empfiehlt Impfungen. Wenn Sie nun selbst mit der Prüfung beauftragt wurden, ob diese Empfehlungen Schaden und sogar Todesfälle bei zuvor gesunden Babys auslösen können - bestand dann nicht von vorn herein ein enormer Interessenskonflikt?
  • Wäre es nicht redlicher gewesen, die Durchführung und Aufbereitung dieser Studie an eine unabhängige und nicht befangene wissenschaftliche Institution zu vergeben?
  • Besteht die Absicht, ein zentrales Impf- und Sterberegister einzuführen und die Studie dann - ohne die "Notwendigkeit" nachträglicher Gewichtung und statistischer Nachbesserung - zu wiederholen und damit einen wirklich objektiven und Aussage-kräftigen Beitrag zur Frage der Sicherheit der Baby-Impfstoffe zu leisten?

mit freundlichen Grüßen
Bert Ehgartner