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Donnerstag, 10. April 2025

Die Influenza-Impfung als Grippe-Booster

Bei der Influenza Impfung gibt es zwei schwarze Löcher der Wirksamkeit. Sie betrifft Babys und Kleinkinder sowie ältere Menschen. Das ist bekannt. Doch wie steht es um die Wirksamkeit bei gesunden Erwachsenen? - Das wurde nun im Rahmen einer großen Studie geprüft. Und das Resultat ist verheerend. 

Beim österreichischen Gesundheitsministerium ist die Impfwelt noch in Ordnung

In der mittleren Altersgruppe geht man allgemein davon aus, dass die Impfung Vorteile bringt. Das Robert Koch Institut veröffentlicht beispielsweise jährlich Schätzungen zur Wirksamkeit der Grippe-Impfung mit Resultaten zwischen 20 und 60 Prozent. Manchmal fällt die Schätzung etwas tiefer aus, in manchen Jahren auch etwas höher. 

Aussagekräftige Studien auf hohem Evidenz-Niveau hat das Robert Koch Institut, so wie die meisten Gesundheitsbehörden jedoch noch nie zustande gebracht. Wichtiger war stets die gute Kooperation mit den Impfstoff-Herstellern, mit denen das RKI etwa im Rahmen der 'ARGE Influenza' zusammen arbeitet. 

Auch international sind gute Studien rar. Randomisierte kontrollierte Studien, bei denen die Teilnehmer in die Impfgruppe oder in die Placebogruppe gelost werden und sowohl die Geimpften als auch die Studienbetreiber verblindet sind - wären das Optimum. Diese Art von Studien hätte sogar Beweiskraft, wenn sie korrekt durchgeführt wird. Aber offensichtlich scheuen die Finanziers - und das sind fast immer die Hersteller der Impfungen - so ein Studiendesign. 

Was nun die Cleveland Kliniken - ein großer Krankenhaus-Betreiber im US-Bundesstaat Ohio - durchgeführt haben, ist keine randomisierte Studie. Aber von ihrem Evidenzgrad qualitativ immerhin wesentlich besser, als die Schätzungen des RKI. Die Studie wurde nämlich prospektiv durchgeführt. Das heißt, dass alle Mitarbeiter teilgenommen haben - und über die ganze Grippe-Saison 2024/25 - regelmäßig getestet wurden. Das ist wesentlich aussagekräftiger als ein retrospektives Design oder eine kleine Fall-Kontroll Studie. 

Negative Wirksamkeit

Von den 53.400 Mitarbeitern der Cleveland Kliniken ließen sich 82% impfen. Anfangs lagen die Geimpften und Ungeimpften weitgehend gleichauf, doch je länger die Grippe-Saison dauerte, desto deutlicher zeigte sich, dass die Geimpften ein signifikant höheres Erkrankungsrisiko hatten. Die Wirksamkeit der Influenza-Impfung in der Saison 2024/25 wurde schließlich mit MINUS 27% angegeben. Das heißt, die Geimpften hatten ein 27% höheres Risiko, dass sie an ärztlich bestätigter Influenza erkrankten. 

Die Studienautoren schreiben, dass in den Cleveland Kliniken - so wie in den USA in Gesundheitsberufen üblich - über viele Jahre für die Beschäftigten Impfpflicht herrschte. Nun sollte erstmals der Effekt dieser Maßnahme evaluiert werden. Ob das desaströse Resultat nun dazu beiträgt, die Impfpflicht ein für alle mal abzuschaffen, schreiben die Autoren nicht. Sie fordern aber immerhin, die Wirksamkeit der Impfung nunmehr jedes Jahr mit einem hochwertigen Studiendesign wie ihrem zu testen. Und zu prüfen, ob es sich bei der heurigen Grippe-Saison eventuell um einen Ausreißer gehandelt hat. 

PS: Das hier verwendete Bild stammt von der Seite des österreichischen Gesundheitsministeriums, wo massive unreflektierte Impfwerbung betrieben wird. Österreich ist eines der wenigen Länder, welche die Influenzaimpfung bereits ab 6 Monaten empfiehlt. Und dann jährlich bis ans Lebensende. 

Wenn sich die US-Resultate bestätigen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Lebensende für Geimpfte etwas früher kommt.


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Freitag, 4. Februar 2022

Covid-Impfpflicht ist nur Generalprobe für weitere Zwangsimpfungen

Eine seltsame Rolle im Wettstreit der Interessen spielt die Bioethik. In Deutschland ebenso wie in Österreich stellen sich diese Kommissionen meist vollständig hinter die Covid-Maßnahmen und fordern sogar deren Verschärfung bzw. Ausweitung, Impfpflicht inklusive.

Die Juristin Christine Druml ist seit 2007 Vorsitzende der österreichischen Bioethik-Kommission. Sie hat sich bereits im Frühjahr 2020 – lange bevor es Covid-Impfungen gab – für eine Impfpflicht stark gemacht. Nun geht sie noch ein Stück weiter und sieht die Covid Impfpflicht als Generalprobe für noch ein paar weitere Impfpflichten.


IInterview mit dem Nachrichtenmagazin Profil nennt sie Keuchhusten, Masern und Influenza als Beispiele für "überflüssige Krankheiten" und mögliche weitere Kandidaten für eine Impfpflicht. 
Zur Influenza meint sie: „Es bestehe definitiv ein gesellschaftliches Interesse daran, unnötige Grippewellen zu vermeiden.“ Druml weist darauf hin, dass die Pharmaindustrie bereits an Kombinationsimpfstoffen gegen Covid-19 und Influenza arbeitet.

Sich mit den bisherigen "Erfolgen" der Influenza-Impfung vertraut zu machen, sah Druml offenbar nicht als notwendig an. Interessant wäre beispielsweise eine im Juni 2021 publizierte Studie eines finnischen Wissenschaftlerteams zur Wirksamkeit der Influenza-Impfung in der Haupt-Risikogruppe der Menschen über 65 Jahren. Während der letzten 8 Jahre kam die Impfung dabei kein einziges Mal auf eine Wirksamkeit von zumindest 50%. 

"Influenza ist unnötig" - genügt als Argument für die Impfpflicht

In vier der acht Jahre war es zudem nicht mal gewiss, ob die Impfung vor schweren Krankheitsverläufen schützt, oder – im Gegenteil – diese sogar fördert

Druml weiß offensichtlich auch nicht, dass die Keuchhusten-Impfung in der internationalen Community der Impfexperten heftig unter Beschuss steht, weil sie - wenn überhaupt - nur sehr kurz wirkt. Seit vor rund 25 Jahren die derzeit verwendeten azellulären Impfstoffe auf den Markt kamen, hat sich zwar die Verträglichkeit gegenüber den davor verwendeten Ganz-Zell-Impfstoffen verbessert, die Wirksamkeit ist aber drastisch zurück gegangen

Je mehr Keuchhusten-Impfungen - umso mehr Keuchhusten-Fälle

In Österreich kletterten die Keuchhusten-Fälle von einem Minimum zur Jahrtausendwende bis 2019 massiv an und erreichten das Niveau der Zeit vor den Impfungen. Und das trotz ständiger Ausweitung der Impfdosen - mit Booster im Volksschulalter - und für Erwachsene (alle 10 Jahre, bzw. alle 5 Jahre ab dem Alter von 60 Jahren).
Weltweit ist die Lage ähnlich. Aus den USA werden regelmäßig Keuchhusten-Ausbrüche an Schulen gemeldet, die eine Impfquote von 100% aufweisen. "Auf Basis der aktuellen Wirksamkeit der Keuchhusten Impfung ist anzunehmen, dass jeder Mensch - ob geimpft oder ungeimpft - zumindest einmal im Leben eine Keuchhusten-Erkrankung durchmacht", erklärt der Münchner Kinderarzt Martin Hirte.

Viel versprechende Versuche, eine Keuchhusten-Lebendimpfung zu entwickeln, stocken seit vielen Jahren, obwohl die Resultate im Tierversuch  und ersten Studien am Menschen eine hohe Wirksamkeit bei guter Verträglichkeit ergeben haben. "Doch wir bekommen kaum Förderungen - speziell die Konzerne sind leider wenig daran interessiert, in Forschung zu investieren", erklärte mir Camille Locht, die Leiterin eines französischen Wissenschaftler-Teams der Universität Bordeaux, die seit Jahren an einer inhalierbaren Pertussis-Lebendimpfung forscht. 

"Vaccinology" gleicht zunehmend einer Sekte

Nennenswerte Recherche braucht es für "Bioethikerin" Druml offensichtlich nicht, um sich ein Bild zu machen. Je größer der Glaube an die segensreiche Wirkung der Impfungen ist, desto schneller wird der Ruf nach einer Impfpflicht laut. Denn schließlich sollen alle an den Segnungen teil haben. Auch jene, die zu dumm sind, das Impfmirakel zu erkennen. 
Die „Wissenschaft“ vom Impfen wird immer mehr zum Magnet für Gläubige und Populisten, denen es darum geht, das historisch erworbene gute Image für ihr eigenes Ansehen zu nutzen, oder ihm zu huldigen. 
Dass jede Impfung anders ist wird dabei ignoriert. 
Auf komplizierte Details, dass es sich z.B. bei der mRNA-Technik um ein vollständig neuartiges Verfahren handelt, das mit der bisher verwendeten Definition von Impfstoffen kaum noch etwas gemeinsam hat, will sich weder Druml noch sonst jemand aus der Clique einlassen. Wichtiger ist es, das Markenzeichen "Impfung" zu pflegen und alle Kritik vorsorglich nieder zu machen. 

So schart sich ein Rudel Gläubiger um die Vaccinology und fordert, dass ihre Religion – mittels Pervertierung des bisherigen Verständnisses von Wissenschaft – zur Staatsreligion erklärt wird.  Ungläubige müssen bestraft und notfalls zwangs-getauft werden. 


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Samstag, 3. Oktober 2020

Wie sinnvoll ist die Influenza-Impfung in der Corona-Zeit?

Politiker fordern die Gratis-Grippeimpfung. Doch viele Apotheken sind jetzt schon ausverkauft. Für alle, die sich Sorge machen, dass sie zu kurz kommen, liefere ich hier ein paar Argumente, die in den offiziellen Informationen fehlen.

Kinder sind eine Haupt-Zielgruppe der Werbung für die 
Gratis-Grippeimpfung in der Coronazeit (Foto: Ehgartner)


1.) Die Wirksamkeit der Impfung 

Sie ist - gelinde gesagt - verbesserungsbedürftig. Laut Schätzung des Robert Koch Instituts gab es in den Jahren 2012 bis 2019 gerade dreimal eine signifikante Wirksamkeit. Dies betraf jedoch nicht die "ganze" Impfung, sondern nur den Subtyp Influenza A (H1N1). Die Wirksamkeit lag hier zwischen 48% und 61%.

Bei allen anderen Komponenten sind die Resultate nicht signifikant und damit wenig aussagekräftig. 

Interessant ist auch die Spannweite, die weit in den negativen Bereich hinein reicht. Wer sich etwa 2013 impfen ließ, hatte tendenziell ein 66% höheres Risiko an Influenzaviren des Subtyps H3N2 zu erkranken. 

Einschätzung der Wirksamkeit: mäßig bis sehr schlecht (Robert Koch Institut)


2.) Impfung von Babys und Kleinkindern

Eine der raren gut gemachten Studien untersuchte, ob die Influenza-Impfung vor der speziell bei Babys gefürchteten Mittelohrentzündung schützt. Über zwei Saisonen wurden Babys geimpft - und mit einer Kontrollgruppe verglichen, die eine Placebo-Impfung mit neutraler Salzwasser-Lösung bekamen. Die Studie zeigte, dass Influenza-geimpfte Kinder ein signifikant höheres Risiko hatten, an schweren Verläufen von Mittelohrentzündungen zu erkranken. Die Eltern der geimpften Kinder mussten zudem doppelt so viele Pflegetage aufwenden, wie die Eltern der Babys in der Kontrollgruppe.


3.) Impfung älterer Menschen

Die USA sind eines der impffreudigsten Länder. Speziell für ältere Menschen wurde die Influenza-Impfung zuletzt immer massiver beworben.  Die Impfrate kletterte stetig von 15% im Jahr 1980 auf zuletzt 65%. In Altersheimen werden sogar Werte über 75% erreicht.

Eine über 20 Jahre laufende Analyse (Simonsen et al.) ergab jedoch nicht das geringste Indiz dafür, dass die Impfung auf das Sterberisiko einen positiven Effekt hatte. “Unsere Ergebnisse stellen die derzeitigen Konzepte infrage, wie ältere Menschen am besten vor dem Grippetod geschützt werden können”, erklärten die Autoren einigermaßen deprimiert im Schlusswort ihrer Studie. 

In einer 2017 veröffentlichten Arbeit aus den Niederlanden wurden mehr als 4.000 Menschen im Alter über 60 Jahren in zwei aufeinanderfolgenden Jahren auf Influenza und Grippe ähnliche Erkrankungen (ILI: influenza like illness) untersucht. Bei allen Erkrankungsfällen wurden Abstriche genommen und die Erreger identifiziert. 

  • Insgesamt erkrankten in der ersten Saison 7,2 Prozent der Teilnehmer an ILI. Unter diesen Personen wurden bei 18,9% Influenza-Viren gefunden. 
  • In der zweiten Saison erkrankten deutlich mehr Studienteilnehmer, nämlich 11,6 Prozent. Bei einem Drittel der Erkrankten war der Nachweis von Influenzaviren positiv. 
  • Bei einem Sechstel der Erkrankten wurde mehr als ein Erreger gefunden. 

Die Auswertung zeigte, dass Personen, die aktuell gegen Influenza geimpft waren, auch tatsächlich weniger an Influenza erkrankten. Die Gesamtzahl der Erkrankungen unterschied sich jedoch nicht wesentlich. Es zeigten sich auch keine signifikanten Unterschiede in der Schwere der Erkrankung, je nachdem ob Influenza-Viren involviert waren oder nicht:

  • In der ersten Saison erkrankten 7,6% der Geimpften und 4,2% der Ungeimpften
  • In der zweiten Saison erkrankten 10,8% der Geimpften und 11,2% der Ungeimpften

Dass Viren ständig anwesend sind – auch ohne krank zu machen – zeigt eine Analyse, die 8 Wochen nach der Erkrankung durchgeführt wurde. Da fanden sich nämlich immer noch bei rund 25 Prozent der Getesteten ILI-Viren im Rachen-Abstrich. Und auch in der vollständig gesunden Kontrollgruppe waren 21,5% der Proben positiv. 


4.) Schutz gegen mutierte neuartige Viren

Während der Schweinegrippe-Pandemie wurden die Behörden in Kanada auf ein seltsames Phänomen aufmerksam: Gerade jene Kinder, die jährlich immer die Grippe-Impfung erhalten haben, erkrankten besonders schwer an der neuartigen Schweinegrippe. Wie ist das möglich? - Die Behörden organisierten gleich vier Studien zu dieser Frage, die allesamt den Verdacht bestätigten.

Wissenschaftler fanden schließlich eine plausible Erklärung für diesen Effekt: durch die saisonale Impfung wird offenbar das Immunsystem der Kinder davon abgehalten, sich mit den Influenza-Viren auseinander zu setzen. Dadurch entfällt jeglicher Trainingseffekt für das Immunsystem. Ungeimpfte Kinder, die schon mal eine Grippe durchgemacht haben, gewinnen hingegen zumindest eine Kreuzprotektion gegen neuartige Mutationen. 


5.) Auswirkungen auf die allgemeine Abwehrkraft

In einer Placebo-kontrollierten Studie aus Hongkong (Cowling et al.) wurde der Effekt der Influenza Impfung auf die generelle Abwehrkraft von Kindern gemessen. Dabei zeigte sich, dass die geimpften Kinder im Lauf der nächsten 9 Monate ein vierfach höheres Risiko auf andere virale Infekte hatten als die Kinder in der Kontrollgruppe. 

Eine Studie des US Verteidigungsministeriums (Wolff et al.) zeigte zudem, dass Soldaten nach der Influenza-Impfung ein höheres Risiko einer Coronavirus-Infektion haben.


6.) Impfung der Gesundheitsberufe

Ob die Impfung von Ärzten und Krankenpflegern ihre Patienten davor schützt an Influenza zu erkranken, ist umstritten. Die unabhängige Cochrane Collaboration sieht "keine vernünftige Basis, um die Impfung der Menschen in Gesundheitsberufen allgemein zu empfehlen."

Aktuelle Arbeiten zeigen sogar einen möglichen negativen Effekt: Ein Team von Public Health Experten der University of Maryland (Yan et al.) untersuchten die Atemluft von 142 Patienten mit nachgewiesener Influenza auf ihre Virenlast. Dabei ergab sich ein erstaunlicher Unterschied. Patienten, die davor erfolglos gegen Grippe geimpft worden waren, hatten mehr als sechsmal so viele Influenza-Viren in ihrer Ausatemluft.


"Fantastische" Effekte der Influenza-Impfung 

Pro-Studien, welche für die Influenza Impfung sprechen, gibt es auch viele. Die meisten haben bei strenger wissenschaftlicher Prüfung jedoch eine derart schlechte Qualität, dass sie nicht zur Bewertung der Impfung taugen. 

In einer deutschen Meta-Analyse sollte beispielsweise geprüft werden, ob die Influenza-Impfung Diabetikern einen Vorteil liefert. Die Autoren schlossen mehr als 1000 Artikel in ihre Übersichtsarbeit ein. Das Resultat las sich dann auch großartig. Die Zusammenfassung der Studien ergab nämlich, dass die Influenza-Impfung jeden zweiten Krankenhaus-Aufenthalt verhindert.  – Das wäre ein gewaltiger Effekt. – Bei näherer Prüfung ergaben sich dann jedoch so viele Fehler in den Studien, dass damit die gesamte Aussage fragwürdig wurde. Das Resümee der Autoren liest sich dementsprechend: 

"Aufgrund der erheblichen Fehler in den meisten der identifizierten Studien sind die verfügbaren Belege unzureichend, um das Ausmaß des Nutzens zu bestimmen, den Diabetiker aus der Impfung gegen die saisonale Grippe ziehen. Ausreichend aussagekräftige randomisierte kontrollierte Studien oder quasi-experimentelle Studien mit laborbestätigten grippespezifischen Ergebnissen sind dringend erforderlich."

Ein 'berühmter' Fehler, der recht häufig ist, berücksichtigt beispielsweise den besseren Gesundheitszustand der geimpften Personen nicht ausreichend. Da werden beispielsweise die Bewohner eines Altenheimes, die zum Impftermin erscheinen, mit jenen verglichen, die das nicht tun. Dabei wird jedoch ignoriert, dass jene, die fit und geistig gesund sind, in höherer Zahl beim Impfarzt erscheinen, als Personen, die dement und bettlägerig sind. Insofern wundert es dann nicht, wenn die Impfung einen Überlebensvorteil heraus findet. Manche Studien finden eine Vervielfachung des Sterberisikos in der ungeimpften Kontrollgruppe. Andere stellen sogar fest, dass die Impfung vor Treppenstürzen und Oberschenkelfrakturen schützt. 

Diese Fehler sind so häufig, dass es dafür einen eigenen Fachbegriff gibt: den "Healthy Vaccinee Effekt". Um den Fehler zu vermeiden, ist es unbedingt notwendig, dass eine Kontrollgruppe von möglichst ähnlichem Alter und Gesundheitszustand ausgewählt wird, am besten durch Zufalls-Zuteilung (Randomisierung) in die Impf- oder Kontrollgruppe.

Viele der schlecht gemachten Studien sind von den Impfstoff-Herstellern finanziert - und es drängt sich der Verdacht auf, dass die Verfälschung hin zu einem positiven Effekt der Influenza-Impfung durchaus erwünscht ist. Zu einer unabhängig finanzierten gut gemachten prospektiven Studie, welche die Sinnhaftigkeit der Influenza Impfung zweifelsfrei ermittelt, kam es bisher - aus Mangel an Sponsoren - jedoch nie. Und hierin liegt auch ein eklatantes Versagen der Gesundheitspolitik. 


Politiker fordern Gratis Grippe-Impfung

Zahlreiche Politiker, speziell aus dem linken und grünen Lager fordern nun die kostenlose Grippe-Impfung für alle, um das Gesundheitswesen in Zeiten von Corona zu entlasten. 

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte: "Wir können es uns leisten, diesen allen Versicherten kostenfrei zur Verfügung zu stellen." Ähnlich äußerte sich die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen Kordula Schulz-Asche: "Wir müssen mit einer präventiven Strategie in die kalte Jahreszeit gehen, um steigende Grippe- und Covid-19-Infektionen zu verhindern", sagte sie der Welt am Sonntag. 

Die Ärztin und SPÖ Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner fordert von Seiten der Opposition vehement die Gratis-Grippe Impfung für alle Österreicher. Beim grünen Gesundheitsminister Rudi Anschober rennt sie damit wohl offene Türen ein. Schließlich ließ er sich im Vorjahr - als eine der ersten Amtshandlungen - öffentlich gegen Influenza impfen. 

Alle Vorstöße haben eines gemein: Sie liefern keinerlei Belege dafür, dass der Nutzen der Impfung den möglichen Schaden übersteigt. Sie glauben einfach fest daran. 


Versteckter Lobbyismus

Wissenschaftler wie Tom Jefferson, langjähriger Leiter der Cochrane-Impfgruppe, verdammen - wie viele andere kritische Impfexperten – das wissenschaftliche Niveau der meisten Influenza-Studien. "Derzeit kann niemand sagen, ob man sich auch nur einen Tag Krankenstand erspart, wenn man sich impfen lässt", erklärt Jefferson. "Es kann nämlich auch genau das Gegenteil passieren."

Eine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung von Nutzen und Schaden der Influenza Impfung würde einen Bruchteil dessen kosten, was nun für die Gratis-Grippeimpfung an Steuergeld ausgegeben werden soll. Dafür hat sich Herr Lauterbach jedoch noch nie eingesetzt. Ebensowenig wie die österreichische Ex-Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner. 

Warum das so ist? 

Eine Möglichkeit wäre, dass Lauterbach, Rendi-Wagner & Co extrem uninformiert sind und z.B. die oben angeführten Schwächen der Influenza-Impfung nicht kennen. 

Eine zweite Möglichkeit wäre, dass diese Politiker nebenher als Lobbyisten der Pharmaindustrie arbeiten und sich damit schon jetzt für Jobs in der Wirtschaft in Stellung bringen, falls die Politik-Karriere demnächst enden sollte.

Die zweite Möglichkeit erscheint mir wahrscheinlicher. 


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Dienstag, 10. September 2019

Die ungelösten Probleme des Impfwesens

In der Öffentlichkeit wird von Gesundheitspolitik und Medien die Ansicht verbreitet, dass es beim Impfen nur ein einziges Problem gibt: die Impfgegner. In Wahrheit sind die Verhältnisse deutlich komplexer. Fehlplanungen und systemimmanente Missstände werden seit Jahren verschleiert. Das Impfwesen entwickelt sich immer mehr zu einer abgeschotteten Community, die sich selbst mit alternativen Fakten versorgt. 


Gutes Image und fehlende Kontrolle - eine fatale Kombination

Die eigenen Entscheidungen einer strengen Prüfung zu unterziehen, die begangenen Fehler anschließend in einem öffentlichen Verfahren zu diskutieren und notfalls um 180 Grad zu korrigieren, so etwas klingt zwar edel - gehört aber im Normalfall nicht zu den vorherrschenden menschlichen Eigenschaften. Solche Prozesse mögen einzelne Individuen im Zuge von Lebenskrisen durchmachen - bei mächtigen Institutionen ist kritische Selbstreflexion hingegen unwahrscheinlich, speziell wenn die Angelegenheit kompliziert und schwierig ist.
Deshalb gibt es Kontrollinstanzen wie Rechnungshöfe. Niemand käme z.B. auf die Idee, dem Amt für Straßenbau die Aufgabe zu übertragen, den Bau einer Autobahn – von der Ausschreibung der Arbeiten bis zur Abrechnung – vollständig unabhängig durchzuführen und sich dann selbst zu prüfen. Zum einen würde das Korruption fördern, zum anderen den Lerneffekt verhindern, den die unabhängige Sicht fremder Fachleute immer bringt. Das Fehlen derartiger Kontroll-Instanzen führt zu institutionellem Selbstbetrug. Geduldet wird schließlich nur noch, was die zuvor getroffenen Entscheidungen rechtfertigt.


Ein System, das sich selbst kontrolliert

Auf das Impfwesen treffen viele dieser Beschreibungen zu. Dieselben Behörden, welche die Impfpläne erstellen und für eine möglichst hohe Impfquote werben, kontrollieren anschließend den Erfolg ihrer Empfehlungen. Das ist bereits insofern absurd, als es derzeit kaum Möglichkeiten gibt, die Resultate einer Impfempfehlung überhaupt seriös zu messen und zu bewerten. Die Behörden haben es nämlich bisher verabsäumt, ein elektronisches Impfregister einzuführen, bei dem die durchgeführten Impfungen mit den individuellen Gesundheitsdaten verknüpft werden können. Mit so einem Impfregister wäre es möglich, auf Knopfdruck den Erfolg vieler Impfungen zu messen und der Bevölkerung eine Schaden-Nutzen Abwägung zu präsentieren, welche für eine informierte Entscheidungsfindung notwendig wäre.

Am Beispiel der Influenza-Impfung könnte man damit etwa folgende Fragen beantworten:

  • Erspart man sich mit der Influenza-Impfung Krankenstände bzw. Pflegeurlaub - und falls ja, wie viele Tage? 
  • Welche Altersgruppen profitieren am meisten von der Impfung, welche am wenigsten?
  • Gibt es auffällige Nebenwirkungen der Impfung?
  • Welche Produkte sind nach diesen Kriterien die besten Impfungen, welche sollten vom Markt genommen werden?


In einem intelligent organisierten Gesundheitssystem sollten die Behörden für jede Impfung ein Anforderungsprofil schaffen mit bestimmten Zielen. Außerdem müssten Sicherheits-Standards festgelegt werden: Was ist an Nebenwirkungen tolerierbar, was wäre eine rote Linie, die nicht überschritten werden darf.
Weil die Daten von Millionen Menschen einfließen, wäre es möglich auch seltene Risiken statistisch zu klären. Und dann könnte mit Hilfe des Impfregisters jedes Jahr geprüft werden, ob die jeweilige Impfung die an sie gestellten Anforderungen erfüllt.
Ohne ein derartiges Impfregister ist hingegen jede Impfung aus wissenschaftlicher Sicht ein "Schuss ins Dunkle".  Wirkung und Sicherheit der Impfungen können derzeit nur über statistische Umwege abgeschätzt werden. Und damit ergibt sich ein Graubereich der Interpretation, der fehleranfällig ist und zu Beschönigungen einlädt.


Impfpflicht als Eigentor

Im Mittelpunkt der Diskussion steht derzeit meist die Masern. In Deutschland plant die schwarz-rote Koalition eine Impfpflicht. Seit Monaten überziehen die Medien - speziell auch die so genannten Qualitätsmedien – die Bevölkerung mit Fake News, in denen es beispielsweise heißt, dass die Masern in Deutschland laufend häufiger werden.
zum Impfpflicht Fakten-Check

Als Folge der medialen Fehlinformation stieg der Anteil der Befürworter einer gesetzlichen Impfpflicht laut Umfragen auf mehr als 70 Prozent an. Offenbar versucht die große Koalition, sich hier anzubiedern.

Die meisten Impfexperten warnen hingegen vor derartigen populistischen Aktionen. Schon jetzt sei die Impfquote bei Masern - speziell bei den Kindern - sehr hoch. (97 Prozent der Schulanfänger haben die erste MMR Impfung, 93 Prozent die zweite.) Mit Hilfe einer gesetzlichen Impfpflicht kann diese Quote kaum weiter erhöht werden. Im Gegenzug wächst hingegen die Gefahr, dass diese Aktion nach hinten los geht. Immerhin geschieht damit – erstmals seit der alten Pocken-Impfung – wieder ein tiefer Eingriff in zentrale Grundrechte unserer Verfassung wie z.B. das Recht auf körperliche Unversehrtheit und das Recht der Eltern, die Erziehung und Pflege ihrer Kinder selbst zu bestimmen. Wenn der Amtsarzt mit Polizeibegleitung zur Zwangsimpfung schreiten muss, ergibt sich eine dramatische Polarisierung, welche einer informierten Entscheidungsfindung nicht zuträglich ist.
In Frankreich stieg - nach der Ausweitung der Impfpflicht durch die Regierung Macron - die Zahl der Impfkritiker auf Rekordwerte. Laut aktueller Daten des britischen "Wellcome Trust" stufen 33 Prozent der befragten Franzosen Impfungen als "unsicher" ein. Ein absoluter Spitzenwert in Westeuropa.
Ob es gelingen kann, die Masern auszurotten, ist derzeit – mit oder ohne Impfpflicht – höchst zweifelhaft. Und mit jedem Jahr, das verstreicht, werden die Chancen geringer, weil bei einem Teil der geimpften Erwachsenen der Schutz schwindet.


Windpocken: Das programmierte Desaster

Anstatt nun von diesen Problemen zu lernen und neue Fehler möglichst zu vermeiden, sind die Behörden derzeit dabei, bei Windpocken dieselben Fehler zu machen. Bei dieser meist vollständig unkompliziert verlaufenden Kinderkrankheit wird seit 2004 die Impfung empfohlen. Im Vergleich zu Masern ist hier der Impfschutz mit rund 80 Prozent deutlich geringer. Außerdem besteht überhaupt keine Chance, die Windpocken-Viren jemals auszurotten. Diese Varizellen bleiben nämlich sowohl nach durchgemachter Krankheit als auch nach einer Impfung im Körper zurück und "schlafen" dort am Ende von Nervensträngen. Wenn wir Glück haben ein Leben lang.
Wenn wir kein Glück haben, brechen die Varizellen wieder aus - diesmal jedoch nicht in Form der Windpocken, sondern als Gürtelrose (Herpes zoster). Die Viren verbreiten sich entlang der Nervenstränge und lösen auf der Haut unangenehme, teils extrem schmerzhafte Ausschläge aus, die schwer zu behandeln sind.
In den USA wurde die Windpocken-Impfung zehn Jahre vor Deutschland eingeführt. Und seit langem wird dort von einer starken Zunahme der Fälle von Herpes zoster berichtet. Epidemiologische Studien zeigten einen überraschenden Zusammenhang: Das Risiko, an einer Gürtelrose zu erkranken war umso höher, je weniger Kontakt die betroffene Person mit windpocken-kranken Kindern hatte. Offenbar braucht das Immunsystem der Erwachsenen ab und zu diese Erinnerung, um auf die schlafenden Windpocken Viren besser acht zu geben. Heute gibt es in den USA bereits mehr Fälle von Gürtelrose als von Windpocken.
In Deutschland sind nach Angaben des Robert Koch Instituts (RKI) die Fälle von Windpocken seit 2005 um 71 bis 88 Prozent zurückgegangen. Eine erste Erhebung der Behörde zur Häufigkeit der Gürtelrose zeigt nun, dass die US-amerikanischen Verhältnisse auch hierzulande einkehren. Mit jedem Jahr nehmen die Krankenhaus-Einweisungen mit der Diagnose Herpes zoster zu. Lag die Zahl im Jahr 2005 noch bei 14.446 Fällen, mussten 2015 bereits 23.463 Personen deshalb in einer Klinik behandelt werden.
Dass die eigene Impfempfehlung dafür verantwortlich ist, will die Behörde aber nicht zugeben: "Ob die beobachtete ständige Zunahme der Inzidenz von Herpes zoster bei Erwachsenen mit der Windpocken-Impfung der Kinder zusammen hängt, bleibt unklar", heißt es im Bericht des RKI.

Die Zunahme der Gürtelrose ist allerdings nur eines der Probleme, welche durch das Impfprogramm ausgelöst wurde. Wie bei Masern entstehen auch bei Windpocken neue Risikogruppen. In den USA hat sich das durchschnittliche Alter in dem die Kinder erkranken von rund 4 bis 5 Jahren auf 11 bis 12 Jahre mehr als verdoppelt. Ähnlich wie bei Röteln bilden die Windpocken aber ein starkes Risiko für Schwangere, weil die Viren das ungeborene Kind angreifen und schwer schädigen kann. "In spätestens zehn Jahren wird dann die Windpocken-Impfpflicht gefordert werden, weil es mehr und mehr Schwangere geben wird, die - ob geimpft oder nicht - keine verlässliche Immunität haben", erklärt der Münchner Kinderarzt Martin Hirte. "Dann müssen entweder die Schwangeren oder die Ungeimpften in Dauer-Quarantäne. Was für ein selbsteingebrocktes Szenario!"


Befangene Impfexperten

Die Empfehlung zur Windpocken-Impfung abzuschaffen wäre wohl die sinnvollste Variante. Noch besteht dazu die Möglichkeit. Doch einmal getroffene Beschlüsse wieder zurück zu nehmen, das steht für die Behörde nicht zur Diskussion.
Die Impfempfehlungen erstellt die "Ständige Impfkommission (STIKO)" am Robert Koch Institut in Berlin. Ihr kommt eine gewaltige Verantwortung zu, indem hier entschieden wird, welche Impfstoffe die Mehrzahl der deutschen Kinder bekommt. In der STIKO wird aber auch entschieden, wie viel Steuergeld für das Impfen ausgegeben wird. Und das ist eine ganze Menge: Im Jahr 2017 belief sich der Aufwand der gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland für Impfungen auf immerhin 1,23 Milliarden Euro.
Insofern wäre es eine Selbstverständlichkeit für ein zivilisiertes Land, dass die Auswahl der Mitglieder dieses Gremiums nach strengsten Kriterien der Transparenz und der wissenschaftlichen Objektivität stattfindet. Dass finanzielle Verbindungen mit Impfstoff-Herstellern nicht geduldet werden und auch von der intellektuellen Einstellung des jeweiligen Experten eine gewisse geistige Unabhängigkeit erwartet wird.
Seit langem gleicht die STIKO hingegen einem Club von Pharma-Lobbyisten, die neue Impfungen anstandslos durchwinkt. Speziell in der Ära ihres Langzeit-Vorsitzenden Heinz-Josef Schmitt wurden mit der Empfehlung der Immunisierung gegen Windpocken, Meningokokken oder Pneumokokken laufend neue Impfungen in den Impfkalender gehievt. Den Höhepunkt bildete im Jahr 2007 die Empfehlung der brandneuen, 450 Euro teuren Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV), die als erstes Land Europas - kurz nach der Eilzulassung in den USA übernommen wurde.
Kurz davor hatte sich Schmitt noch mit einem Geldpreis für die "Förderung des Impfgedankens" auszeichnen lassen, der ausgerechnet vom Herstellerkonzern der HPV Impfung finanziert worden war. "Das sind öffentliche Bestechungen", schimpfte Wolfgang Becker-Brüser, der Herausgeber des unabhängigen "arznei-telegramm". Zahlreiche Medien schlossen sich der Kritik an. Heinz-Josef Schmitt war beleidigt und wechselte endgültig zur Industrie, wo er zuletzt als Direktor im Impfbereich des weltgrößten Pharmakonzerns Pfizer tätig war.

In der Folge wurde die Pflicht zur Offenlegung der finanziellen Interessenskonflikte der STIKO-Mitglieder eingeführt. Insofern hat sich eine gewisse Besserung der Zustände ergeben. Die Mehrzahl der 18 Mitglieder hat jedoch nach wie vor enge Beziehungen zur Industrie.
Im Bereich der Prävention sollte es eine strenge Trennung geben zwischen den Behörden, die Impfpläne erstellen - und einer unabhängigen Kontrollinstanz, welche mögliche unerwünschte Folgen sammeln und wissenschaftlich objektiv beurteilt.
Derzeit gibt es diese Trennung nicht: Die Behörden sind alles in einer Instanz. Im Wirtschaftsbereich ist es klar, dass Interessenskonflikte ein „No Go!“ darstellen und sich der zu Kontrollierende nicht selbst kontrollieren soll. Hier jedoch erwartet man plötzlich Wunder an Zivilcourage. Wunder, die nicht passieren.


Von Bert Ehgartner ist kürzlich der Ratgeber "Gute Impfung - Schlechte Impfung" erschienen (Verlag Ennsthaler). Darin wird für jede der gebräuchlichen Impfungen ein eigenes Nutzen-Risiko Profil erstellt. (siehe Bestell-Hinweise in der Spalte rechts)

Donnerstag, 15. November 2018

Macht die Grippe Impfung Sinn?

Bei all den Zeitungs- und TV-Berichten, die derzeit umgehen, bekommt man den Eindruck, dass "Winter" ein vollständig altmodischer Begriff für die bevorstehende Jahreszeit ist. Eigentlich stehen wir nämlich vor der "Influenza-Saison". Und laufend sind wir mit der Frage konfrontiert, ob wir die Kinder und uns selbst impfen lassen sollen oder nicht. 


Foto: Andre Borges/Agência Brasília

Das, was wir gemeinhin als „Grippe“ bezeichnen kann vollständig unterschiedliche Ursachen haben. Es gibt mehr als 200 Viren, die Grippe oder grippale Infekte auslösen können.  „Und auch wenn dies oft behauptet wird: Ohne Labortest können Ärzte die beiden Krankheiten nicht seriös auseinander halten“, erklärte mir Tom Jefferson, langjähriger Leiter der Impfabteilung der angesehenen Cochrane-Gruppe. 
In der Tat haben zahlreiche Studien die Ansicht widerlegt, dass nur die „echten“ Influenzaviren ernsthafte Krankheiten machen, die grippalen Infekte hingegen banal verlaufen. Bei kranken älteren Menschen zeigten sich beispielsweise die so genannten RS-Viren genauso oft als Verursacher eines Spitalsaufenthalts wie Influenzaviren. Noch extremer war das Verhältnis bei Kindern. Eine umfangreiche US-Studie zeigte, dass Influenzaviren hier im Jahresschnitt gerade einmal drei Prozent aller Klinikeinweisungen bei Atemwegsinfektionen verursachten und damit in der Rangliste der Krankheitserreger deutlich hinter RS-Viren, Noroviren oder Parainfluenza-Viren lagen. 

Besonders eindrucksvoll war dieser Unterschied während der Schweinegrippe-Pandemie von 2009/2010, wie eine Erhebung des nationalen slowenischen Gesundheitsinstituts in Ljubljana, ergab. Während die Influenza-Viren vorherrschten, kam es bei Kindern kaum zu Fällen von Bronchitits oder anderen Atemwegsinfekten, die einer Behandlung im Krankenhaus erforderten. Als die Grippesaison zu Ende ging und die RS-Viren dominierten, stiegen die stationären Aufnahmen hingegen um das Fünffache an. 
Auch ein historischer Überblick zur Sterblichkeit der vergangenen hundert Jahre in den USA belegt, dass der Einfluss der Influenza grob überschätzt wird. Studienautor Peter Doshi vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston wies nach, dass nicht einmal in den berühmten Grippejahren von 1957/58 (Hongkong-Grippe) und 1968/69 (asiatische Grippe) ein merkbarer Anstieg der Gesamtsterblichkeit erkennbar war. “Deutlich zeigte sich hingegen, dass mit den Fortschritten in der medizinischen Versorgung, der Hygiene und des allgemeinen Lebensstandards das Sterberisiko stark absinkt”, erklärt Doshi. “Die Bedrohung durch eine Influenza-Pandemie wird extrem überschätzt.”

Ebenso wie der Schutzeffekt der Influenza-Impfung. Eine Analyse der Sterblichkeit in den USA während der vergangenen beiden Jahrzehnte ergibt nicht das geringste Indiz dafür, dass die Impfung überhaupt einen Effekt hatte. Obwohl sich die älteren Menschen heute viel öfter impfen lassen und die Impfrate von 15 Prozent im Jahr 1980 auf zuletzt 65 Prozent gestiegen war, ergab sich kein Rückgang bei den Todesfällen durch Influenza. “Unsere Ergebnisse stellen die derzeitigen Konzepte infrage, wie ältere Menschen am besten vor dem Grippetod geschützt werden können”, erklärten die Autoren im Schlusswort ihrer Studie. 
Tatsächlich bestätigen die Zahlen, dass nur die spanische Grippe vom Nachkriegswinter 1918/19 sich überhaupt in einem Anstieg der Gesamtsterblichkeit bemerkbar machte. 


Was machte die Spanische Grippe so gefährlich? 

Zunächst einmal verlief die Krankheit so ungewöhnlich, dass viele Ärzte sie zunächst gar nicht für eine Influenza hielten, sondern an eine Rückkehr von Cholera oder Typhus dachten. Das begann schon mit dem Beginn des Ausbruchs, der nicht in die normale Grippesaison fiel, sondern bereits im Spätsommer 1918 startete und bis zum späten Frühjahr 1919 andauerte. 
Eines der ersten Todesopfer war der spanische König. Tuberkulosekranke – wie etwa Franz Kafka – traf die Grippe besonders hart. Aderlässe und Blutegel kamen zu neuen Ehren. Naturheiler brauten Wundermittel aus Tollkirschen. Und dennoch war kein Kraut gewachsen. Edith Schiele starb als sie im 6. Monat schwanger war. Ihr Mann Egon steckte sich bei ihr an und folgte ihr kurz darauf ins Grab. 
Während normale Grippewellen die Gefährdungskurve eines „U“ bilden – also für Kleinkinder und alte Menschen das höchste Risiko bedeuten, wurden hier speziell Menschen in der Blüte ihres Lebens, zwischen 20 und 40 Jahren dahingerafft. Im Jahr 2005 isolierten Wissenschaftler der US-Behörde CDC Originalviren von einem Influenzaopfer, das im Permafrost von Alaska konserviert worden war. Und hier zeigte sich bei Experimenten, dass die Viren bei Affen noch immer dieselben Symptome auslösen konnten, wie damals. 
Todesursache der "spanischen Grippe" war ein sogenannter Zytokinsturm – eine extrem heftige Reaktion des Immunsystems, welche befallenes Gewebe im Körper regelrecht verwüstet. Also eine Überreaktion, die zwar die Infektion stoppt, dabei aber so großen Schaden – vor allem an den Lungen – anrichtet, dass sie für die Betroffenen gefährlicher war als die Viren selbst. 
Auch der Grund, warum das Immunsystem – speziell bei jungen Erwachsenen – derart hysterisch reagierte, scheint nun geklärt. Eine Arbeitsgruppe um den Evolutionsbiologen Michael Worobey an der Universität von Arizona in Tucson rekonstruierte das Virus von 1918 und klärte auch dessen Entstehung durch Genanalysen auf. Dabei wurde klar, dass sich kurz vor dem Ausbruch eine vollständig neuartige Mischung mit Anteilen von Pferde- und Vogelviren gebildet hatte, die später als H1N1 Typus kategorisiert wurde. Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren hatten schon mit deren Vorgängern Bekanntschaft gemacht und hatten deshalb einen gewissen Schutz vor der neuen Variante. Die Altersgruppe der über 20-jährigen war in ihrer Kindheit – im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts – jedoch ausschließlich mit H3N8 Viren konfrontiert. Und hier reagierte das Immunsystem nun vollkommen überrascht und in fataler Weise falsch. 
Worobey schließt daraus, dass der frühe virale Kontakt in der Kindheit den wichtigsten Schutz vor neuartigen Virenvarianten darstellt. „Das wird in den derzeitigen Impfstoff-Strategien aber überhaupt nicht bedacht.“ 


Wenn Geimpfte ein höheres Risiko haben 

Mediziner und Schulbehörden in Kanada machten während der Schweinegrippe-Pandemie eine interessante Beobachtung, die für zukünftige Ereignisse lehrreich sein könnten: Sie bemerkten, dass die meisten Kinder mit dem neuartigen Virentyp, der damals die Welt umrundete, problemlos zurecht kamen. Es gab jedoch eine Ausnahme: Vergleichsweise schwer erkrankten nämlich jene Kinder, die zuvor jährlich eine Grippe-Impfung erhalten hatten. Auch hier waren die – zum Glück seltenen Todesfälle – meist wieder durch einen Zytokinsturm des Immunsystems ausgelöst. 
In Kanada wurden gleich vier Studien durchgeführt, um diesen Verdacht zu prüfen und ihn schließlich auch bestätigten: Anscheinend ist es für das Immunsystem der Kinder von Vorteil, die Viren - ohne pharmazeutische Schützenhilfe - kennen zu lernen. Dann erwerben sie über den immunologischen Kontakt auch das Rüstzeug, mit stark veränderten Viren klarzukommen. Jene Kinder, die keine saisonale Grippe-Impfung erhielten, profitierten über den Kontakt mit anderen Influenza-Stämmen und hatten gegenüber der neuartigen Variante zumindest einen Teilschutz erworben. Das Immunsystem war vorgewarnt und die Krankheit verlief zumeist mild. Die Impfung hingegen stört offenbar diesen Lerneffekt des Immunsystems. 

Eine Gruppe von Virologen und Kinderärzten der Erasmus Universität Rotterdam untersuchten diesen Zusammenhang mit einem recht drastischen Experiment. Dafür setzten die Wissenschaftler Mäuse verschiedenen Impfungen und nachfolgenden Infektionen aus. Der entscheidende „Elchtest“ für die Tiere war eine Konfrontation mit Vogelgrippe Viren vom Typ H5N1. Dieser besonders gefährliche Virustyp galt als Dummy für eine neuartige tödliche Mutation der Influenzaviren. 
Die Überlebenschancen der Mäuse, die in diesem Experiment eingesetzt wurden, standen nicht sonderlich gut: 

  • Wurden die Mäuse mit dem saisonalen Impfstoff geimpft und danach mit den Vogelgrippe-Viren konfrontiert, so starben sie. 
  • Wurden die Mäuse nicht geimpft und dann mit den Vogelgrippe Viren konfrontiert, so starben sie ebenfalls. 
  • Wurden die Mäuse mit saisonalem Impfstoff geimpft, danach mit saisonalen Viren infiziert, so überstanden sie im Normalfall die saisonale Grippe, starben aber ebenfalls wieder, wenn sie anschließend mit H5N1 infiziert wurden. 


Was denken Sie, war die einzige Variante, bei der die armen Versuchsmäuse dieses Experiment überlebten? 
Folgendes: Das Überlebensrezept bestand darin, dass die Mäuse ungeimpft eine normale Grippe durchmachten. Sie wurden krank und erholten sich wieder. Und siehe da: Danach waren sie plötzlich gegen die ansonsten stets tödlichen H5N1 Vogelgrippe-Viren gewappnet. 
Sie hatten weniger Viren in der Lunge, erkrankten weniger heftig und die meisten Tiere überlebten den Kontakt mit der Influenza-Mutation. 
Und dieser Lerneffekt des Immunsystems erklärt nach Ansicht der holländischen Mediziner auch die unterschiedlichen Verläufe, die während der Schweinegrippe Pandemie beobachtet wurden. Länder mit geringer Impfmoral bei der saisonalen Grippe-Impfung - wie beispielsweise Österreich, Holland oder Deutschland, kamen mit der Pandemie am besten zurecht. 
Länder wie die USA, wo die „Flu-Shots“ bereits ab einem Alter von 6 Monaten empfohlen und von der Bevölkerung auch angenommen werden, hatten hingegen während der Schweinegrippe-Pandemie eine vergleichsweise hohe Sterblichkeit. 
Wer seine Kinder gegen Grippe impft, geht demnach also das Risiko ein, dass diese nur eine "Scheinimmunität" gegen die in der Impfung enthaltenen Antigene erhalten, sich jedoch keine breitere Immunität gegen nachfolgende andersartige Grippeviren ausbilden kann. Und wenn dann doch einmal mutierte Viren kommen, verkehrt sich der vermeintliche Schutz ins Gegenteil. 


Glücksspiel Influenza Impfung 

Kaum eine Impfung hat einen so schlechten Ruf wie die Influenza-Impfung. Besonders skeptisch sind hier die Österreicher. Die Durchimpfungsrate, errechnet auf Basis der abgegebenen Impfdosen, betrug während der Saison 2017/18 magere 6,4 Prozent. „Im Vergleich zum Vorjahr war das zwar eine Steigerung von fast einem Prozent, insgesamt ist die Rate aber nach wie katastrophal", hieß es von Seiten des Verbands der Impfstoffhersteller. 
Die Grippewelle von 2017/18 war eine der stärksten der vergangenen Jahrzehnte. Sie begann rund um Weihnachten und dauerte ungewöhnlich lange bis Ende März. In Deutschland wurden bis Jahresmitte 2018 mehr als 270.000 Influenza-Fälle gemeldet. Im gesamten Jahr 2017 waren es dagegen nur 95.977 Meldungen. Nach Angaben der „Arbeitsgemeinschaft Influenza“ sind 1.287 Menschen in Deutschland an Grippe verstorben. „Diese offiziellen Zahlen zur aktuellen Grippesaison beschreiben wohl längst nicht das tatsächliche Infektionsgeschehen“, erklärte STIKO-Vorsitzender Thomas Mertens gegenüber der Ärztezeitung. Er geht von zehnmal höheren tatsächlichen Grippezahlen aus und von rund 12.000 Influenza bedingten Todesfällen. Bei derartigen Ungenauigkeiten stellt sich allerdings die Frage, warum überhaupt eine bundesweites - aus Steuergeldern finanziertes Influenza-Überwachungssystem notwendig ist, wenn dann die „tatsächlichen Zahlen“ ums Zehnfache abweichen. 

Der Großteil der Erkrankungen wurde vom Influenza Typ B - vom Stamm Yamagata - ausgelöst. Die H1N1 Variante vom Influenza Typ A, die in den Vorjahren vorgeherrscht hatte, war nur mehr für rund 25 bis 30% der Fälle verantwortlich. Blöd war allerdings, dass von den Impfstoffen nur ein einziger auch diesen Stamm abdeckte. Und der war - als sich dies herumsprach - bald nicht mehr lieferbar. Die Schutzwirkung der Impfung lag nach Angaben der Behörden insgesamt zwischen 25 und 52%. Für die nächste Saison soll nun jedenfalls auch der Stamm Yamagata in allen Impfstoffen enthalten sein. Man wird sehen, ob diese Nachjustierung den entscheidenden Erfolg beschert, oder ob sich auch diesmal wieder ein unvorhergesehener Virenstamm breit macht. 


Vorsicht vor Geimpften: Sechsmal mehr Viren in der Atemluft

Die Wirksamkeit der Impfung war nicht nur in der vergangenen Saison schlecht. Die Influenza-Impfung ist ein Dauer-Sorgenkind. Laut der unabhängigen Cochrane Collaboration bestehen bezüglich der Wirksamkeit der Influenza Impfung zwei schwarze Löcher. Für Kinder unter 2 Jahren gibt es gar keinen Nachweis der Wirksamkeit. Ebenso schlecht ist die Datenlage für Personen im Alter über 65 Jahren. Und sogar bei Menschen in Gesundheitsberufen schließen die Cochrane-Autoren:
"Unsere Übersichtsarbeit fand keine vernünftige Basis, um die Impfung der Menschen in Gesundheitsberufen allgemein zu empfehlen.
Es gibt demnach keine zuverlässigen Belege, dass die Patienten davon profitieren, wenn die Ärzte und Krankenpfleger geimpft sind. 
Im Gegenteil. Aktuelle Studien weisen sogar auf ein höheres Risiko. Die Kontaktpersonen von Geimpften haben allen Grund vorsichtshalber eine Atemmaske zu tragen. Dies zeigte eine Anfang 2018 veröffentlichte Arbeit, bei der die Atemluft von 355 Personen mit Grippe-Symptomen auf Viren untersucht wurde. Jene, die aktuell und im Jahr davor die saisonale Influenza-Impfung erhalten haben, hatten im Vergleich zu  nicht geimpften Grippe-Kranken eine sechsmal so hohe Virenlast in ihrer Atemluft. 

Unter Impfexperten wurde diese gut gemachte Studie weitgehend ignoriert. Die Werbekampagnen laufen, wie jedes Jahr. Derzeit, so der Cochrane Impfexperte, Tom Jefferson, "gleicht die Werbung für die Influenza-Impfung eher den Praktiken von Staubsauger-Verkäufern auf Jahrmärkten". 

In manchen Jahren bezieht sich das schwarze Wirksamkeitsloch der Impfung nicht nur auf Kleinkinder und Senioren, sondern dehnt sich auf die gesamte Bevölkerung aus. Als Grund für diese Abstürze nennen die Influenza-Experten die zeitverzögerten Herstellung. Der Impfstoff wird nämlich ein halbes Jahr im voraus - nach den vorherrschenden Influenza-Viren auf der Südhalbkugel - konzipiert. Und welche Typen sich dann sechs Monate später tatsächlich im Norden zeigen, ist Glückssache. 
Seit Jahren fordert die Cochrane Collaboration, dass die Auswirkungen der Influenza Impfung in einer gut gemachten Vergleichsstudie zwischen Geimpften und Ungeimpften gemessen werden. Nur so wäre eine objektive Bewertung der Impfung möglich. Tatsächlich weiß man bisher nicht einmal annähernd, wie viele Krankheitstage sich ein durchschnittlicher gesunder Erwachsener durch eine Impfung erspart. Wenn man sich überhaupt etwas erspart. 

Die Hersteller der Impfstoffe sehen keinen Anlass, so eine Studie zu finanzieren. Offenbar erscheint ihnen das Risiko zu groß, dass die Resultate einer derartigen Arbeit ihnen einen nachhaltigen finanziellen Schaden zufügen könnten. Es läge also an den Gesundheitsbehörden, hier tätig zu werden und so eine Studie öffentlich zu finanzieren. Schließlich werden auch viele Millionen an Steuergeld an Zuschüssen für die jährlichen Influenza-Impfaktionen bezahlt. Höchste Zeit, sollte man meinen, dass diese Ausgaben auf ihre Sinnhaftigkeit geprüft werden. Bislang konnten sich die Behörden jedoch nicht zu einer relevanten Aktivität aufraffen.

Dieser Artikel ist ein kurzer Ausschnitt aus dem Influenza-Kapitel in meinem aktuellen Buch "Gute Impfung - Schlechte Impfung", das im Oktober 2018 im Verlag Ennsthaler erschienen ist. (417 Seiten, 24,90€)


Montag, 3. September 2018

Neues Buch: Gute Impfung - Schlechte Impfung

Während der letzten Monate habe ich an einem Buch zum Thema Impfen gearbeitet.
Das Manuskript ist nun fertig - und in der Druckerei. Journalisten, die sich für Rezensionsexemplare interessieren, können diese beim Verlag Ennsthaler bestellen.
Und so sieht das Buch aus:

Bert Ehgartners neues Buch kommt Anfang Oktober in den Buchhandel

Die Impfthematik interessiert mich seit langem und es ist sowas wie mein berufliches Spezialgebiet geworden. Ich hatte immer mal wieder Teilaspekte in meinen Filmen und Büchern und habe über die Jahre (u.a. hier im Blog) auch zahlreiche Artikel dazu geschrieben.
Doch ein monothematisches Buch zum Impfen gab es von mir noch nie. Nun ist es soweit: Ende September erscheint auf rund 400 Seiten „Gute Impfung - Schlechte Impfung“ im Verlag Ennsthaler.

Weil Impfungen immer auch "Kinder ihrer Zeit" sind, war es für die traditionsreichen älteren Impfungen notwendig, tief in die historischen Archive zu steigen. Ich habe dazu viele Wochen recherchiert und es war extrem spannend, die Hintergründe und die ersten Erfahrungen mit solchen legendären Impfstoffen wie jener gegen Kinderlähmung oder Tetanus aus der zeitgenössischen Sicht der damaligen wissenschaftlichen Debatte neu zu beleuchten.

Ich habe versucht, alle gebräuchlichen Impfungen - sowie auch das behördliche und wissenschaftliche Rundum - einer ebenso sorgfältigen wie kritischen Analyse zu unterziehen - so als wäre „das Impfen“ ein ganz normaler Teil der Wissenschaft – was es meiner Meinung nach auch sein sollte.
Das Impfwesen ist keine „Heilige Kuh“. Ich finde es gefährlich, wenn in der öffentlichen Diskussion immer so ein großer Respektabstand gehalten wird, um nur ja die „Impffreudigkeit der Bevölkerung“ nicht zu gefährden. Das fördert Trägheit bei den Behörden und Arroganz bei den Herstellern. Wohin das Gefühl, man werde nicht mehr kontrolliert, führen kann, haben wir zuletzt am Beispiel der deutschen Autoindustrie und dem Abgas-Skandal gesehen.

Persönlich stehe ich dem Impfen neutral gegenüber. Ich bin weder Impfgegner noch unkritischer Befürworter. Doch ich finde, dass bei Impfungen besonders hohe Ansprüche an deren Sicherheit zu stellen sind: Eben weil sie einen präventiven Eingriff an zumeist gesunden Menschen darstellen. Und deshalb sollten sie mit größtmöglicher Sorgfalt geprüft werden: damit die Geimpften nach dem Arzttermin genauso gesund sind wie davor.

Sie werden im Buch sehen, dass dies bei manchen Impfungen nicht der Fall ist und weder Wirksamkeit noch Sicherheit den Ansprüchen eines modernen Verbraucherschutzes genügen.
Bei anderen Impfungen - wie beispielsweise der Masernimpfung – gibt es hingegen zusätzliche positive Aspekte, die in der Öffentlichkeit kaum bekannt sind. Anstatt die Eltern mit Angstmache zum Arzt zu treiben, wäre es wohl für viele Eltern interessant, mehr von diesen positiven Eigenschaften zu erfahren.

Freut Euch also auf ein kritisches Buch, das zahlreiche Überraschungen birgt.

Rezensionswünsche bitte an Frau Mag. Ingrid Führer (e-mail). Bei Interesse an Veranstaltungen / Vorträgen / Diskussionsrunden zum Thema ist die Ansprechpartnerin Frau Geraldine Schirl-Ennsthaler (e-mail).

Dienstag, 24. Januar 2017

Behörden verschleierten Typ 1 Diabetes Risiko

Der Titel des Briefes an die Herausgeber des "Journal of Internal Medicine" hat es in sich: "Versteckte Studiendaten der Behörden kamen nun ans Licht: Neben Narkolepsie hat der Schweinegrippe Impfstoff Pandemrix auch Typ 1 Diabetes verursacht". Absender des Briefes ist Lars Andersson, Professor am Department für Physiologie und Pharmakologie des Karolinska Instituts in Stockholm. Auf sein Betreiben mussten Mitarbeiter der schwedischen Gesundheitsbehörden nun zugeben, dass sie bei Typ 1 Diabetes die Einschluss-Kriterien einer Studie im Nachhinein verändert hatten. Ohne diesen Kunstgriff hätte die Studie ergeben, dass die Schweinegrippe-Impfaktion des Jahres 2009 rund 150 schwedische Jugendliche im Alter zwischen 10 und 19 Jahren zu Diabetikern gemacht hat. Diese müssen nun ein Leben lang Insulin spritzen.

60 Prozent der Schweden folgten der Empfehlung der Gesundheitsbehörden

Im Jahr 2009 waren - ausgehend von Mexiko - Influenzafälle mit einem neuartigen Virus vom Typ H1N1 gemeldet worden. Obwohl von den Erkrankungsfällen in Australien und Neuseeland bekannt war, dass diese neuartigen Grippeviren eine vergleichsweise sehr milde Krankheit auslösten, rief die WHO zur Jahresmitte eine Pandemie aus. Im Rekordtempo wurden Pandemie-Impfstoffe hergestellt. Der Konzern GlaxoSmithKline (GSK) brachte mit "Pandemrix" den in Europa mit Abstand meistverkauften Impfstoff auf den Markt.
Während normale saisonale Grippe-Impfstoffe meist keine Wirkverstärker (Adjuvantien) enthalten,  enthielt Pandemrix als Zusatz das von GSK entwickelte Adjuvantien-System AS03, bestehend aus Squalene, DL-α-Tocopherol und Polysorbat 80. Dieser Mix sollte gewährleisten, dass eine starke Immunreaktion auf den Impfstoff zustande kommt und ausreichend Antikörper erzeugt werden. Außerdem enthielt Pandemrix das Konservierungsmittel Thiomersal, eine Quecksilber-Verbindung, die in modernen Impfstoffen normalerweise nicht mehr verwendet wird.


Skepsis im Süden - hohe Impfmoral im Norden

Deutschland und die Schweiz kauften für die Bevölkerung große Mengen an Pandemrix ein. In Österreich wurde Celvapan ein Zusatzstoffe-freies Produkt des in Österreich ansässigen Herstellers Baxter angeschafft. Doch in allen drei deutschsprachigen Ländern war die Skepsis der Bevölkerung groß, ob die Ausrufung der Pandemie und die Empfehlung zur Durchimpfung der Weltbevölkerung tatsächlich gerechtfertigt waren. Die  Beteiligung an den Impfaktionen lag bei weniger als 10 Prozent. Die Behörden blieben auf vielen Millionen von Impfdosen sitzen und diese mussten ab 2010, als die WHO die Pandemie für beendet erklärte, entsorgt werden.
Ganz anders war die Situation im Norden Europas. Speziell in Skandinavien hatte die Werbung für die Impfaktion deutlich mehr Resonanz. In den Ländern Skandinaviens ließen sich mehr als die Hälfte der Bevölkerung impfen.
Einfluss auf die Sterblichkeit an Grippe hatte die Impfung wenig. In Deutschland, wo 8 Prozent der Bevölkerung geimpft waren, meldeten die Behörden 3,1 Todesfälle pro Million Einwohner, etwa gleich viele wie in Schweden bei 60% Impfbeteiligung. Dort waren 29 Personen infolge einer Infektion mit H1N1 Viren verstorben. Insgesamt erwies sich die Pandemie-Grippe als deutlich milder als die normalen Grippewellen, wie sie fast jedes Jahr auftreten.


Hunderte Geimpfte erkranken an Narkolepsie

Zwei Jahre nachdem die Schweinegrippe durchgezogen war und die Hersteller von Medikamenten (Tamiflu) und Impfstoffen Milliarden verdient hatten, gingen beunruhigende Nachrichten aus Finnland um die Welt. Einem Mediziner waren bei geimpften Kindern und Jugendlichen gehäufte Fälle von Narkolepsie aufgefallen. Die Betroffenen leiden dabei an Schlafanfällen, die ohne Möglichkeit der psychischen Gegenwehr von einem Moment zum anderen auftreten. Ihnen sacken dabei mitunter die Beine weg und sie können sich nicht mehr bewegen. Die Lähmungen können wenige Sekunden, aber auch mehrere Minuten auftreten. Auslöser ist eine Störung in der Schlafsteuerung des Gehirns. Oft ist den Betroffenen kein selbstständiges Leben mehr möglich. Sie können nie einen Führerschein machen, viele ohne Begleitung gar nicht außer Haus gehen. Besonders fies ist der Zusammenhang mit Emotionen. Ein betroffenes Kind schildert die Gefahr: "Man darf nicht zu viel lachen, sonst fällt man zusammen."
Die finnischen Behörden setzten eine "Narkolepsie-Task-Force" ein. Und tatsächlich bestätigte sich der Verdacht. Geimpfte Kinder hatten ein vielfach erhöhtes Narkolepsie-Risiko.
Aufgrund dieser Meldungen wurden auch die schwedischen Arzneimittel-Behörden aktiv. Ein Team von Wissenschaftlern unter der Leitung von Ingemar Persson organisierte eine riesige Studie, welche die individuellen Gesundheitsdaten von 3,3 Millionen geimpften und 2,5 Millionen ungeimpften Personen verglich. Untersucht wurden 50 verschiedene Krankheiten mit neurologischem und autoimmunem Hintergrund, die im Zeitraum von zwei Jahren nach Beginn der Impfaktionen erstmals auftraten.
Dabei bestätigte sich das Narkolepsie-Risiko. Die seltene Störung trat bei 126 geimpften Kindern und Jugendlichen auf. Damit war das Erkrankungsrisiko dreimal so hoch wie in der Vergleichsgruppe der gleichaltrigen Ungeimpften. In der Gruppe der 20- bis 30-jährigen lag das Narkolepsie-Risiko beim doppelten. Erst ab einem Alter von 50 Jahren gab es keine messbaren Unterschiede mehr.

Narkolepsie: Höchstes Risiko in der Altersgruppe von 10 bis 19 Jahren



Studienautoren schlossen Diabetesfälle von Auswertung aus 

Abgesehen von Narkolepsie fand die von Professor Persson und seinem Team veröffentlichte Studie unter den restlichen 49 Krankheiten keine massive Risikoerhöhung. Eine leichte Zunahme von 12 Prozent gab es bei Nesselsucht (Urticaria), allergische und anaphylaktische Reaktionen waren in der Impfgruppe um signifikante 5 Prozent erhöht.
Statistische Signifikanz bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei den Resultaten um Zufallsfunde handelt deutlich unter 5 Prozent liegt.
Knapp unter dieser Signifikanz-Grenze lagen die Resultate bei Typ 1 Diabetes. Bei dieser Form von Diabetes greift ein fehlgeleitetes hyperaggressives Immunsystem die Betazellen der Bauchspeicheldrüse an und zerstört sie, so dass zu wenig oder gar kein Insulin mehr erzeugt werden kann. Rund 300.000 Personen leiden in Deutschland an dieser Autoimmunerkrankung, die speziell bei Kindern immer häufiger wird. Die Betroffenen müssen ihr ganzes Leben Insulin spritzen und täglich viele Male ihren Blutzuckerspiegel messen.

Lars Andersson, Professor für analytische Chemie, Biochemie und Immunchemie am Karolinska Institut, wunderte sich über die in der Studie genannte Fallzahl von 376 Personen in der am häufigsten betroffenen Altersgruppe zwischen 10 und 19 Jahren. In "SWEDIABKIDS", dem schwedischen Diabetes-Register für Kinder wurde die Anzahl der Fälle nämlich deutlich höher, mit 463 Personen eingeschätzt. Andersson stellte eine öffentliche Anfrage an die Studienautoren und bat darum, diesen Widerspruch aufzuklären.
Ingemar Persson antwortete, dass eine gewisse Anzahl von Diabetes-Fällen nicht berücksichtigt wurde, weil diese nicht im Insulin-Register aufschienen.
Andersson ließ diesen Einwand nicht gelten. "In diesem Register werden nur Patienten geführt, welche ihr Insulin über Apotheken beziehen", erklärt er. "Zahlreiche Diabetiker beziehen Insulin aber in Kliniken oder ähnlichen Einrichtungen. Es ist wissenschaftlich nicht gerechtfertigt, diese Fälle auszuschließen." Außerdem, so Andersson, hätte dieses Vorgehen in der Studie erwähnt werden müssen. Dies sei allerdings nicht geschehen.

Mittlerweile hat Ingemar Persson die drei Jahre alte Publikation im "Journal of Internal Medicine" mit einer Korrektur in der aktuellen Januar Ausgabe des Journals ergänzt. Hier wird nun angeführt, dass die Fallzahlen des Insulin-Registers verwendet wurden.
Der Korrektur vorangestellt ist der Artikel Anderssons, mit der Kritik am Vorgehen der Behörden. Sie hatten nun auf Aufforderung 141 zusätzliche Diabetes Fälle - davon 52 aus der betroffenen Altersgruppe heraus gerückt (14 ungeimpft, 38 geimpft). Werden diese in die Auswertung eingerechnet, so wird die Signifikanz-Grenze deutlich erreicht. Geimpfte hatten demnach ein um 26 Prozent erhöhtes Risiko an Typ 1 Diabetes zu erkranken. "Das bedeutet, dass die Impfung mit Pandemrix in Schweden rund 150 Krankheitsfälle ausgelöst hat", erklärt Andersson.

Ingemar Persson entschuldigt sich in einem ebenfalls in derselben Ausgabe des Journals abgedruckten "Brief an die Herausgeber", dass die Definition für Typ 1 Diabetes im Originalartikel nicht richtig angegeben war. Das sei durch einen "administrativen Fehler" passiert. Dass die 52 aus der Studie ausgeschlossenen Fälle auch tatsächlich alle den Kriterien für eine Insulin-abhängige Typ 1 Diabetes entsprechen, bezweifelt Persson nach wie vor, weil bei der Mehrzahl dieser Personen die Diagnose nur bei einem einzigen Arztbesuch festgelegt wurde. "Aber dies ist kein Beweis, der Anderssons Spekulation vollständig widerlegt." Anderssons Anschuldigung, dass Fälle unterschlagen worden seien, weist Persson zurück. Eine Prüfung des Karolinska Instituts sprach die Autoren vom Vorwurf der Fälschung frei. Statistik sei eben kompliziert, schreibt Persson. Jeder Leser solle sich selbst ein Bild machen, wer hier im Recht ist.

Ob die schwedischen Behörden hier mit Absicht gehandelt haben, bleibt demnach ein Rätsel. Möglicherweise wollten sie die Öffentlichkeit - nach der Aufregung um die Narkolepsie-Häufung - nicht mit einer weiteren peinlichen Enthüllung zur desaströsen Schweinegrippe-Impfaktion beunruhigen.
Möglicherweise handelte es sich aber auch um einen Versuch, die Anzahl von Schadenszahlungen zu minimieren. Insgesamt 475 Narkolepsie-Betroffene haben nämlich die schwedischen Gesundheitsbehörden auf finanzielle Entschädigung geklagt. Bisher wurden 311 Patienten Zahlungen von bis zu einer Million Euro zugesprochen.


Impfskepsis als Schutzfaktor

In Deutschland, der Schweiz oder Österreich wären derartige Nebenwirkungen der Impfungen nie aufgefallen, da es hier - aufgrund fehlender Datenbasis - nicht möglich ist, die Auswirkungen von Impfaktionen auch nur halbwegs verlässlich zu messen. Weder deren positive noch deren mögliche negative Effekte.
Bei unerwünschten Reaktionen auf Impfungen gibt es zwar theoretisch eine gesetzliche Meldepflicht für Ärzte, doch diese wird in der Praxis meist großzügig ignoriert. Schätzungen gehen von einer Melderate zwischen 5 und 10 Prozent aus. Weil die Dunkelziffer zu hoch ist und es keine ungeimpfte Vergleichsgruppe gibt, können keine seriösen Schlüsse gezogen werden und die Meldepflicht könnte genauso gut gleich abgeschafft werden.
Impfungen sind demnach medizinische Masseneingriffe an der gesunden Bevölkerung, die weitgehend unkontrolliert ablaufen. Als wichtigster Schutzfaktor erwies sich im Fall der Schweinegrippe-Impfaktion offenbar die in der Bevölkerung - im Gegensatz zu Skandinavien - weit verbreitete Impfskepsis.




Wenn Ihnen dieser Artikel interessant und wichtig erscheint, würde

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Dienstag, 31. März 2015

Nachruf auf die Grippe

Nach einem fulminanten Höhepunkt vom Februar bis in den März hinein ist nun die Grippe-Saison vorbei. Wer sich impfen hat lassen, war diesmal nicht auf der sicheren Seite: Die bislang veröffentlichten Angaben zur Wirksamkeit der Influenza-Impfung liegen zwischen 0 und 50 Prozent. Bei einigen Arbeiten - und nicht den schlechtesten - zeigte der Zeiger auf unter Null, und deutete an, dass Geimpfte sogar ein höheres Krankheits-Risiko hatten: in mehrfacher Hinsicht. 


Schwächt die Grippe-Impfung die Abwehrkräfte? (Foto: CJ Sorg)

Laut der unabhängigen Cochrane Collaboration besteht bezüglich der Wirksamkeit der Influenza Impfung ein enormes Wissens-Defizit. Für Kinder unter 2 Jahren gibt es gar keinen Nachweis der Wirksamkeit. Ebenso schlecht ist die Datenlage für Personen im Alter über 65 Jahren.
Und sogar bei Menschen in Gesundheitsberufen schließen die Cochrane-Autoren: "Unsere Übersichtsarbeit fand keine vernünftige Basis, um die Impfung der Menschen in Gesundheitsberufen zu empfehlen." Es gebe keine Belege, dass die von ihnen betreuten Patienten davon profitieren. Derzeit, so der Vorsitzende der Impfgruppe der Cochrane Collaboration, Tom Jefferson, "gleicht die Werbung für die Influenza-Impfung eher den Praktiken von Staubsauger-Verkäufern auf Jahrmärkten".

Doch in manchen Jahren bezieht sich das schwarze Wirksamkeitsloch der Impfung nicht nur auf Kleinkinder und Senioren, sondern dehnt sich auf die gesamte Bevölkerung aus. Als Grund für diese Abstürze nennen die Influenza-Experten die zeitverzögerten Herstellung. Der Impfstoff wird nämlich ein halbes Jahr im voraus - nach den vorherrschenden Influenza-Viren auf der Südhalbkugel - konzipiert. Leider war der vorherrschende Virentyp auf der Nordhalbkugel dann ein ganz anderes Modell, zumindest was die Komponente für Influenza A (H3N2) betrifft.
Schon Ende Januar zeichnete sich hier ein Debakel ab. Eine vom Influenza-Überwachungssystem Kanada veröffentlichte Arbeit belegte die absolute Unwirksamkeit der Impfung: Sie lag im Schnitt bei MINUS 8 Prozent. Das heißt Geimpfte erkrankten tendenziell sogar häufiger als Ungeimpfte. 

Für Impf-Lobbyisten wie den Leiter der "Public Health Kommission des Obersten Sanitätsrates", den Wiener Professor Michael Kunze waren solche Informationen kein Grund mit der Impfwerbung nachzulassen. Kunze empfahl sogar noch Anfang März dringend die Impfung - oder wenn die Infektion schon begonnen hatte: "schnellstmöglich Tamiflu".  Jenes berühmte Mittel also, dessen Vermarktung als "größter Diebstahl aller Zeiten" (© Peter Gøtzsche) in die Medizingeschichte eingegangen ist. 
Mir ist es ein Rätsel, auf welcher wissenschaftlichen oder moralischen Basis derartige Leute funktionieren.


Schlechte Erfahrungen

Doch abgesehen von solchen schlechten Jahren, wie dem heurigen, sorgt die Influenza-Impfung schon seit langem für jede Menge Fragezeichen - welche von den Marketing-Abteilungen der Hersteller-Konzerne und ihren Lohnschreibern nur mühsam verwischt werden können.

So zeigte sich beispielsweise, dass während der Schweinegrippe-Pandemie - als ein relativ neuartiger Virentyp die Welt umrundete - die meisten Menschen nur sehr milde erkrankten. Ausgenommen waren jedoch Kinder, die zuvor jährlich eine Grippe-Impfung erhalten hatten. In Kanada wurden gleich vier Studien durchgeführt, die diesem Verdacht nach gingen und ihn schließlich auch bestätigten: Anscheinend ist es für die Kinder von Vorteil, die Viren - ohne pharmazeutische Schützenhilfe - kennen zu lernen. Dann erwerben sie auch das immunologische Rüstzeug mit stark veränderten Viren klarzukommen. Die Impfung hingegen stört demnach diesen Lerneffekt des Immunsystems.


Diesen Effekt belegte auch eine recht drastische niederländische Arbeit die im Journal The Lancet  erschienen ist. Dafür haben die Wissenschaftler Mäuse verschiedenen Impfungen und nachfolgenden Infektionen in mehreren Kombinationen ausgesetzt:
  • Wurden die Mäuse mit dem saisonalen Impfstoff (H3N2) geimpft und danach mit Vogelgrippe-Viren (H5N1) konfrontiert, so starben sie.
  • Wurden die Mäuse nicht geimpft und dann mit den Vogelgrippe Viren konfrontiert, so starben sie ebenfalls.
  • Wurden die Mäuse mit saisonalem Impfstoff (H3N2) geimpft, danach mit saisonalen Viren (H3N2) infiziert, so überstanden sie im Normalfall die saisonale Grippe, starben aber ebenfalls wieder, wenn sie mit H5N1 infiziert wurden.
Was denken Sie, war die einzige Variante, bei der die armen Versuchsmäuse dieses Experiment überlebt haben?
Folgendes:

  • Die Mäuse wurden NICHT geimpft, danach aber mit saisonalen H3N2 Viren infiziert. Sie wurden krank und machten eine Grippe durch. Danach waren sie jedoch gegen die ansonsten stets tödlichen H5N1 Viren gewappnet. Sie hatten weniger Viren in der Lunge und erkrankten weniger heftig.


Dieser Lerneffekt des Immunsystems wäre eine Erklärung dafür, warum in den USA die Sterblichkeit am Schweinegrippe-Typ H1N1 gerade bei Kindern vergleichsweise hoch war. Die holländischen Wissenschaftler nannten als mögliche Ursache die in den USA wesentlich häufigeren und bereits für Babys ab 6 Monaten empfohlenen saisonalen Grippeimpfungen.
Wer seine Kinder gegen Grippe impft geht demnach also das Risiko ein, dass diese nur eine "Scheinimmunität" gegen die in der Impfung enthaltenen Antigene erhalten, sich jedoch keine breitere Immunität gegen nachfolgende andersartige Grippeviren ausbilden kann.



Mehr Impfstoff - stärkerer Impfstoff

Anstatt solche Studien zu diskutieren und in ihren Konsequenzen auszuloten und zu verstehen, gehen die Firmen bei den Influenza-Impfstoffen einen anderen Weg: Die Wirksamkeits-Löcher - speziell in der Altersgruppe der Kleinkinder und bei den Senioren über 65 Jahren - sollen durch Wirkverstärker gestopft werden. Es gibt bereits eine Reihe derartiger Impfstoffe am Markt. 
Weil Aluminiumsalze bei der Influenza-Impfung schwere Nebenwirkungen auslösen, müssen hier andere Wirkverstärker verwendet werden. Beispielsweise Squalene - Öl-Wasser-Emulsionen. 
Ein damit verstärkter Impfstoff - Pandemrix von GSK - erwies sich im Zuge der Schweinegrippe-Pandemie dann als Auslöser der mysteriösen und unheilbaren Narkolepsie. Die davon betroffenen Menschen erleiden in allen möglichen Situationen plötzlich auftretende Schlafanfälle, sind massiv in ihrer Lebensqualität behindert und können beispielsweise nie einen Führerschein machen und ein Fahrzeug lenken. 

Also probierte man es ohne Wirkverstärker - dafür aber mit einer höheren Dosis der abgetöteten Influenza-Viren. In einer  aktuellen vom französischen Impfstoff-Hersteller Sanofi Pasteur finanzierten Arbeit bekamen ältere Menschen entweder die einfache - oder die vierfache Wirkstoff-Dosis geimpft. Die insgesamt knapp 32.000 Studienteilnehmer wurden über zwei Jahre beobachtet. In der Hochdosis-Gruppe erkrankten 1,4 Prozent, in der Normal-Gruppe 1,9 Prozent an Influenza. Die Autoren - und mit ihnen der Sponsor Sanofi Pasteur - freuten sich über eine um 25 Prozent verbesserte relative Wirksamkeit der neuen Impfvariante. 
Wie gut die Impfung insgesamt gewirkt hat, konnten die Forscher mit ihrer aufwändig gemachten Studie nicht beantworten. Sie hatten im Design nämlich dummerweise auf eine ungeimpfte Kontrollgruppe vergessen. Doch wozu etwas messen, wenn man den Effekt der Impfung auch schätzen kann? Die Autoren bezogen sich also auf nicht näher genannte Vergleichswerte aus anderen Studien und kamen damit auf eine Wirksamkeit ihrer Impfung von ungefähr 50 Prozent. Dieser Wert, könnte mit dem neuen Impfkonzept auf 62 Prozent gesteigert werden. "Und damit", jubeln die Autoren, "erreichen wir bei Senioren einen Wert, der ähnlich hoch ist wie bei jüngeren Erwachsenen."

Wir sehen also, dass die Art, wie sich Impfstoff-Konzerne gute Studien vorstellen, gewöhnungsbedürftig ist. Um es einmal milde auszudrücken.

Seit Jahrzehnten fordern unabhängige Wissenschaftler große, gut gemachte Vergleichsstudien von Geimpften mit Ungeimpften. "Nur dann können wir die banalsten Fragen zum Nutzen und zur Sicherheit der Influenza-Impfung beantworten", erklärte mir dazu Cochrane-Experte Tom Jefferson. Derzeit gleiche die Impfung einem Werbeversprechen ohne wissenschaftliche Basis - das gesamte Risiko liege beim Käufer - Garantie oder Haftung im Schadensfall gibt es keine. 


Sind Geimpfte sogar häufiger krank?

Eine löbliche Ausnahme in der Wüstenei schlechter Influenza Studien lieferte ein Team der Universität Hong Kong. Ihre Studie war zwar nicht groß - doch von ihrem Design her genügte sie höchsten Qualitätsansprüchen: doppelt verblindet, randomisiert - dazu ein langer Beobachtungszeitraum mit erstklassiger Absicherung der Diagnosen. Ein Studiendesign wie es im Impfbereich leider absolute Mangelware ist.
115 Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren wurden zwei Gruppen zugelost. Die eine bekam die Influenza Impfung - die andere eine neutrale Salzlösung als Placebo-Impfung.
Die Forscher wollten eine ganz einfache Frage beantworten: Sie wollten wissen, ob gegen Influenza geimpfte Kinder gesünder durch den Winter kommen.
Wenn der gemessene Effekt stark genug wäre, so würde er auch über eine relativ kleine Gruppe signifikante Resultate liefern.

Die Kinder bekamen also ihre Influenza- oder Placebo-Impfungen und wurden dann über einen Zeitraum von 272 Tagen beobachtet. Wenn Infekte auftraten, wurden die Erreger genauestens bestimmt.
Und das waren die Resultate:
In beiden Gruppen erkrankten 3 Kinder an der echten Influenza. Weil die Impfgruppe mit 69 Kindern etwas größer war als die Kontrollgruppe (46 Kinder) ergab sich daraus ein leicht schützender - jedoch nicht signifikanter - Effekt zu Gunsten der saisonalen Influenza-Impfung.

Ganz anders sah es jedoch bei den Nicht-Influenza Infekten aus:
In der Impfgruppe waren 20 Kinder krank, in der Placebogruppe nur 3 Kinder!
Die geimpften Kinder hatten demnach ein mehr als vierfach höheres Risiko, dass sie an Nicht-Influenza-Infekten (hsl. durch Rhino- und Coxsackie-Viren) erkrankten.

Damit ist die - von Erwachsenen - oft gehörte Aussage: "Ich war noch nie so oft krank, wie in dem Jahr, wo ich gegen Grippe geimpft wurde" - erstmals auch bei Kindern wissenschaftlich belegt.
Die Autoren erklären den erstaunlichen Effekt so: "Die Influenza-Geimpften erleiden möglicherweise eine temporäre Abwehrschwäche gegen andere virale Atemwegs-Infekte"


Todesfälle: Ganz sicher kein Zusammenhang?

Kommen wir an dieser Stelle noch einmal kurz zu unserer oben erwähnten Sanofi-Pasteur Studie mit den Senioren zurück. Wie sah es hier mit den möglichen Nebenwirkungen der Impfung aus? Gerade ältere Menschen kommen ja mit einer "temporären Abwehrschwäche" - speziell in der kalten Jahreszeit - wesentlich schlechter zurecht als Kinder.
Nochmals kurz zur Erinnerung: Der Schutzeffekt der Impfung wurde auf 50% geschätzt. Ohne Impfung wären in den beiden Studienjahren demnach rund 2,8 bis 3,8 Prozent der Personen an Influenza erkrankt.

Im Abschnitt zur Sicherheit heißt es, dass bei 8,3 bis 9,0 Prozent der Teilnehmer mindestens eine ernsthafte negative gesundheitliche Auswirkung aufgetreten ist. Mehr als 200 Studienteilnehmer brachen deswegen ihre Teilnahme ab. Vor allem wurden hier Herzprobleme und Infektionen genannt. 167 Personen starben im Studienzeitraum - die Autoren erklären jedoch, dass keine Todesfälle mit der Impfung in Zusammenhang standen.

Auch das Paul Ehrlich Institut (PEI) berichtet in seinem eben erschienenen Jahresbericht 2013 über gemeldete Nebenwirkungen nach Impfungen, dass sieben von acht gemeldeten Todesfällen bei Erwachsenen nach der Influenza-Impfung aufgetreten sind.
Ein kausaler Zusammenhang zur Impfung bestehe aber nicht, schreibt das PEI, denn: "Sieben ältere Personen starben wenige Stunden bis zwei Monate nach verschiedensten Grippeimpfstoffen an den Folgen einer anderen Erkrankung, wie z.B. einer Pneumokokkensepsis oder einem Herzinfarkt, und nicht durch die Impfung."

Dass die Influenza-Impfung einen negativen Einfluss auf das Immunsystem und die Abwehrkraft der Patienten haben könnte, das kommt den Sachverständigen des PEI gar nicht erst in den Sinn.
Und somit wird auch in diesem Herbst - zuverlässig wie jedes Jahr - wieder ein behördlich unterstütztes Werbegewitter für die Grippe-Impfung auf uns nieder gehen.
Schließlich finanzieren wir ja das ganze teure Brimborium des weltweiten Influenza-Überwachungssystems mit seinen 10 WHO Stützpunkten und den 142 Länderzentren mit.

Weniger werbewirksam aber deutlich ehrlicher wäre es, wenn mal diese Erkenntnisse öffentlich zur Diskussion gestellt würden. Nämlich dass…
  • die Influenza-Impfung schauderhaft schlecht wirkt - sogar in Jahren, wo das Viren-Roulette glückt. 
  • die Influenza-Impfung beschämend schlecht auf ihre Sicherheit untersucht ist
  • und die Impfung wahrscheinlich dazu beiträgt, dass im Winter deutlich mehr Krankenstands- und Pflegetage anfallen als dies ohne Impfung der Fall wäre

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