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Mittwoch, 4. März 2026

Masern: Wie Journalisten die Impfpflicht apportieren

Vergangenen Freitag brachte die ARD Sendung 'Panorama' einen 12 Minuten langen Beitrag mit dem Titel "Masern: Wie Impfgegner die Impfpflicht boykottieren". Der frühere 'Correctiv' Chefredakteur und nunmehrige 'Investigativ-Chefreporter' Markus Grill rückte mit seinem Team aus, um ärztliche Impfgegner an den Pranger zu stellen. - Dies eröffnet die Frage, ob sich Journalisten heute in erster Linie als Hilfssheriffs und Claqueure der Regierenden verstehen - und damit die Gesellschaft weiter spalten. Anstatt den Unsinn der Impfpflicht darzustellen.

Als erster Fall wurde die Praxis des Allgemeinmediziners Volkhard P. in der Stadt Vilsbiburg im bayrischen Landkreis Landshut besucht. Kein Schild, keine Patienten. Grill klopfte an die Tür. Die Praxis war - offenbar dauerhaft - geschlossen.

Die Reporter fuhren weiter zum Kinderarzt Matthias Hartig, der in derselben Stadt praktiziert. Hartig hatte sich gewundert, dass impfkritische Eltern, die sich vehement gegen die Masernimpfung gewehrt hatten, nun plötzlich Impfeinträge von Volkhard P. im Impfpass ihrer Kinder hatten. Genau dieser Kollege hatte sich während der Pandemie nämlich als großer Kritiker der Covid-Impfungen geoutet: Sollte der nun tatsächlich regelmäßig Masern-Impfungen durchführen? Ausgerechnet bei den Kindern impfkritischer Eltern?
Die Gesundheitsämter wurden informiert. Der Verdacht verdichtete sich. Irgendwie gelangte Hartig an Blutproben dieser Kinder. Und bald stellte sich heraus, dass deren Masern-Titer negativ waren.
Volltreffer! Die Staatsanwaltschaft stellte einen Haftbefehl gegen Volkhard P. aus. Ein Strafverfahren wurde eingeleitet.
Volkhart P., der mittlerweile wieder auf freiem Fuß ist, verweigerte den ARD-Reportern ein Interview vor der Kamera.

ARD-Chefreporter Grill auf Impfgegner-Jagd

Als nächstes fuhren die Reporter nach Salzburg, wo Andreas Sönnichsen, Facharzt für Innere Medizin, seine Praxis betreibt. Der gebürtige Hamburger war vorher Professor an verschiedenen Universitäten. Zuletzt als Leiter der Abteilung für Allgemein- und Familienmedizin am Zentrum für Public Health der Universität Wien.


Medial hochgepushte und tatsächliche Gesundheits-Risiken


Ich kenne und schätze Dr. Sönnichsen seit vielen Jahren. Besonders wichtig fand ich sein Engagement im Bereich der Polypharmazie. Darunter versteht man die gleichzeitige, routinemäßige Einnahme von 5 oder mehr Medikamenten. "Ab diesem Pensum kann man davon ausgehen, dass die Nebenwirkungen gravierender sind, als der Nutzen", erklärte mir Sönnichsen. "Wir haben hier gesellschaftlich ein Riesenproblem, aber kaum jemand, der den Menschen Hilfestellung bietet."
Spätestens ab einem Alter von 75 Jahren ist Polypharmazie nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall. Sie gilt als eine der Hauptursachen für Stürze, Knochenbrüche, akutes Nierenversagen, Verwirrtheitszustände und Magenblutungen. Laut Schätzungen sterben jährlich 20.000 bis 50.000 Deutsche an den Folgen.

Als ich Prof. Sönnichsen im Mai 2020 anlässlich einer 'Talk im Hangar' Sendung in Salzburg traf, erzählte er mir, dass sie diesbezüglich nun einen Durchbruch erzielt haben. Ein patientenfreundliches Tool sei fertig, wo man seine Medikamente eintragen kann - und anschließend automatisiertes fachliches Feedback über Unverträglichkeiten oder Mehrfach-Verschreibungen erhält. Da erfährt man zum Beispiel - bei der Analyse der Medikamente älterer Angehöriger - dass gleich mehrere Blutdruck-Senker oder Diabetes Präparate darunter sind. "Solche Fälle sind häufig", erzählte mir Sönnichsen. "Der Hausarzt verschreibt etwas, bei einem Krankenhaus- oder Facharzt-Termin kommt noch etwas dazu und niemand fühlt sich dafür zuständig, ein Medikament auch wieder abzusetzen."

Man merkte Sönnichsen damals an, dass er gerne weiter in Ruhe an diesem Thema gearbeitet hätte - statt sich mit der Pandemie und den immer gravierender werdenden Auswüchsen der Covid-Maßnahmen oder einer drohenden Impfpflicht zu befassen. Aber natürlich mischte er sich ein, debattierte öffentlich und geriet in Widerspruch zur Phalanx der Medien-Experten, die ihre Weisheit mit Kochlöffeln gefressen hatten und über alle Kanäle verbreiteten.

Es war die große Zeit der Hardliner. Die Zeit der Mitläufer. Und die Zeit der akademischen Halsabschneider.

Geriet ins Visier der Impf-Hardliner: Mediziner Andreas Sönnichsen 

Und so musste Sönnichsen 2021 als Vorsitzender des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierter Medizin zurücktreten. Und verlor 2022 seine Professoren-Stelle an der Uni Wien. Die Uni Wien verlor das Interesse am Projekt der Polypharmazie-Aufklärung. Und Sönnichsen ist wieder einfacher niedergelassener Arzt.

Saboteur der Impfpflicht

Und jetzt stand der vielfach ausgezeichnete Aufdeckerjournalist Markus Grill mit seinem investigativen TV-Team vor der Tür seiner Salzburger Praxis. Denn Sönnichsen hatte etlichen seiner kindlichen Patienten sogenannte "Impfunfähigkeits-Bescheinigungen" ausgeschrieben. Im Beitrag werden sie als "FakeAtteste" bezeichnet, denn natürlich kommen die meisten Eltern aus Deutschland und legen diese Bescheinigungen später in deutschen Kitas und Schulen vor. Und dort gilt bei Masern die Impfpflicht.

Sönnichsen wird im Beitrag als prominenter Impfgegner vorgestellt, der "von der AfD sogar in den Bundestag eingeladen wurde". Im Beitrag wird aus Sönnichsens Vortrag genau ein Satz mit Bezug auf die Corona-Pandemie zitiert, nämlich dieser: "Das ganze war inszeniert und es ist seit Jahrzehnten vorbereitet, uns zu willfährigen Patienten zu machen, die diesem System dienen."
- "Inszeniert" - "seit Jahrzehnten vorbereitet" - "willfährige Patienten, die dem System dienen" - Das klingt genug nach Verschwörungsideologie, um Sönnichsen einen Stempel aufzudrücken. Und das gut geschulte ARD Publikum in seinen Sofasesseln weiß fortan, was von dem Mann zu halten ist.

Schließlich kommt es noch tiefer: Sönnichsen lebe nicht ohne Grund in Salzburg, erfahren wir. "Denn in Deutschland wäre es strafbar, so pauschale Impfunfähigkeits-Bescheinigungen auszustellen." Man unterstellte ihm demnach, dass er nach Salzburg übersiedelt ist, um aus dem Hinterhalt die Impfpflicht auszutrixen.

Als aufrechter globaler Kämpfer gegen Masern - und offensichtlich krasser Gegensatz zu Sönnichsen, wird im Beitrag der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn anmoderiert, der die Impfpflicht gegen Masern durchgesetzt hatte. "Wir wollen dass niemand mehr an Masern erkranken muss, dass es diese Erkrankung auf der Welt nicht mehr gibt und dafür braucht es dieses Gesetz", sagte Spahn.
Damals waren 96% der Kinder gegen Masern geschützt. Die Offensive Spahns war eine reine Alibiaktion. Er lief - unterstützt von den Medien und dem Fall eines angeblich an Masern verstorbenen Berliner Kleinkinds - offene Türen ein. Schaffte es, die 'Impfgegner' als Feindbild zu benutzen uns sich selbst als Saubermann darzustellen. 

Im Jahr 2020 - kurz vor Einbruch des Covid-Chaos - wurde das Gesetz im Bundestag beschlossen. 30 Jahre nach Abschaffung der DDR hatte Deutschland wieder eine Impfpflicht. Und der ehemalige Pharmalobbyist Spahn grinste feist. 

Nebenbei bemerkt: Seit Impfpflicht herrscht ist die Impfbereitschaft der Deutschen drastisch gesunken. 

Jens Spahn: Vom Pharmalobbyisten zum Gesundheitsminister

Wo sind die Zeiten hin, wo es noch als journalistische Tugend galt, für die Schwächeren einzutreten? Wo ist der Geist der "Bittere Pillen" Ära mit ihrem Bestreben, vor Missbrauch zu warnen und über  Nebenwirkungen aufzuklären? 

Nun gilt als erste journalistische Tugend, Vorurteile zu bedienen, staatliche Propaganda zu unterstützen und auf keinen Fall die Marketing Abteilung des eigenen Medien-Unternehmens zu verärgern. 

Masern Sterberisiko vor und nach Einführung der Impfung

Man hätte dem hysterischen Geschrei über die "lebensgefährliche Masern" auch Fakten gegenüberstellen können, die nicht zum Kanon der Impfpropaganda passen, dafür aber die Realität abbilden.
Atmen wir also tief durch, lassen wir die Hysterie hinter uns und schauen wir uns einige Informationen an, die in der Diskussion über Masern selten zur Sprache kommen. 

Aus den USA gibt es von Seiten der Behörden Sterbezahlen für Masern, die bis an den Beginn des 20. Jahrhunderts reichen. Die Sterbekurve fällt bis 1920 auf etwa 10 Masern-Todesfällen pro 100.000 Einwohner ab. Mit den besser werdenden sozialen Verhältnissen, besserer Ernährung und medizinischer Versorgung brechen die Todesfälle bis zum Beginn der 1960er Jahre regelrecht ein auf  0,2 Fälle pro 100.000 Einwohner, das entsprach etwa 400 bis 500 Todesfällen. Oder anders ausgedrückt: einem Todesfall pro 10.000 Masern-Erkrankungen. 
Rückgang der Masern Mortalität in den USA: Erfolg sozialer und hygienischer Verbesserungen

1963 kam der erste Masern Impfstoff in den USA und anschließend auch in Europa auf den Markt. Es handelte sich um einen inaktivierten Impfstoff, der abgetötete Masernviren enthielt. Er erwies sich später als großteils unwirksam und wurde wieder vom Markt genommen. Trotzdem fiel die Sterbekurve weiter ab, wie man in der Nahaufnahme der Kurve (unten) sehen kann. 

1967 wurde die wesentlich wirksamere Masern Lebendimpfung eingeführt. Doch anfangs wurde sie kaum verwendet. Die Impfquote kletterte nur langsam über 50%. Doch die Masern-Sterbekurve fiel weiter rasant ab. Ab 1972 zählten die US-Behörden jährlich rund 20 Masern-Todesfälle - bei rund 3,5 Millionen Kindern pro Jahrgang. 
Schwung in die Impfkampagne kam erst mit der Präsidentschaft von Jimmy Carter. Er gab das Ziel aus, bis zum Jahr 1979 eine Impfquote von 90% zu erreichen. Was dann auch gelang. 
In der Folge reduzierten sich die Masern-Erkrankungen dramatisch. Bei den Todesfällen konnte sich nicht mehr viel reduzieren. Denn die das war schon längst die Talsohle erreicht. Seit den 1980er Jahren traten nur noch vereinzelt Todesfälle auf - und das blieb so bis heute. 
Die Reduktion der Masern-Erkrankungen ist demnach eindeutig eine Folge der wirksamen Lebendimpfung. Die Reduktion der Masern-Todesfälle ist jedoch nicht auf die Impfung, sondern in erster Linie auf die sozialen und hygienischen Verbesserungen im Lauf des 20. Jahrhunderts zurückzuführen. 
Masern ist eine soziale Krankheit: in Entwicklungsländern mit katastrophalen Lebensverhältnissen kann sie heute noch ein schweres Risiko darstellen. Doch dort wo gute Bedingungen herrschen, ist sie weitgehend harmlos. 

In Europa verlief der Rückgang der Masern-Sterbekurve sehr ähnlich wie in den USA, wie diese Graphik mit Daten der französischen Behörden zeigt.
Masern in Frankreich: als die Impfung kommt, ist das Sterberisiko bereits nahe null

Ähnlich entwickelte sich die Lage in Deutschland. Nach Daten des Robert Koch Instituts starben im Jahr 1961 0,33 von 100.000 Westdeutschen an Masern, 1962 waren es 0,25, 1963 dann 0,2 pro 100.000. 
Tod durch Masern zählte demnach bereits vor Einführung der Impfung zu den extrem seltenen Todesfällen. Das Risiko in der Badewanne zu ertrinken, war dreimal so hoch. Das Risiko eines tödlichen Verkehrsunfalls hundert mal höher. 
Die Masern-Impfung war zwar schon ab den 1960er Jahren verfügbar, setzte sich aber erst während der 1980er Jahre bei der Mehrheit der Bevölkerung durch. Als das Sterberisiko beinahe nicht mehr existent war. 
Die traurigen Fälle, die trotzdem alle paar Jahre passieren, wurden dafür medial aufgeblasen und durch alle Gazetten getrieben. Etwa wenn ein Kind an der tödlichen SSPE erkrankte, einer extrem seltenen Komplikation, die angeblich nur nach Ansteckung aber nie nach Impfung auftritt. Obwohl hier wie dort dieselben Viren vorkommen. 
Oder der tragische Fall eines 18 Monate alten Jungen, der 2015 in der Berliner Charite an Masern verstorben ist. Aus dem Umfeld der behandelnden Ärzte drang bald nach außen, dass der Bub einen schweren angeborenen Herzfehler hatte. Ein Sprecher der Klinik bestätigte das nach der erfolgten Obduktion. Der Fall lieferte dennoch die mediale Steilvorlage für die Impfpflicht. 

Teil 2 des Artikels folgt als Filmprojekt. Dazu startet in kürze ein Crowdfunding. Ziel ist es, die Impfpflichten in den Ländern der EU kritisch zu beleuchten. 
Hier ein erster Plakatentwurf für die Kampagne: 





PS: Wenn Ihnen dieser Blog interessant erscheint, würde ich mich freuen, wenn Sie meine Arbeit unterstützen. Mit Ihrer Spende finanzieren Sie unbestechlichen Journalismus und Filmprojekte, die sonst niemand macht.



Freitag, 13. September 2019

Impfpflicht per Fake-News

Nun wird auch auf EU-Ebene eine Impfpflicht gefordert. Die meisten der genannten Argumente halten einem Faktencheck nicht stand. Was reitet EU und WHO Politiker wirklich?

Im Jahr 2009 waren Masernkranke in Europa im Schnitt 10 Jahre alt.
Bis 2019 kletterte das Durchschnittsalter auf 17 Jahre
"Zeit online" berichtete gestern über einen "Weltimpfgipfel", zu dem die WHO geladen hatte und auch führende Vertreter der EU teilnahmen. Im Artikel heißt es:
Juncker verwies auf die Zunahme von Krankheiten wie Masern. Die Zahl der durch Masern verursachten Todesfälle habe sich in Europa versechsfacht. "Und diese Fälle betreffen vor allem nicht geimpfte Menschen."
"In Europa sterben Kinder an vermeidbaren Krankheiten", sagte der Generaldirektor der der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus. Nach WHO-Angaben wurden in der ersten Jahreshälfte 2019 weltweit fast dreimal so viele Masernfälle registriert wie im gesamten Jahr 2018. Ausschlaggebend dafür ist ein gewachsenes Misstrauen gegen Impfstoffe, ausgelöst durch die Verbreitung von Fehlinformationen. EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis plädierte für eine Impfpflicht in Ländern mit sinkenden Impfraten. 
Versuchen wir einen Faktencheck:

Wie sieht es tatsächlich aus mit den Masern-Todesfällen in Europa?

Auf der Webseite der EU Behörden findet sich dazu folgende aktuelle Graphik mit den gemeldeten Todesfällen im Zeitraum Juli 2018 bis Juni 2019:

In den meisten EU-Ländern gibt es keine Todesfälle bei Masern.
Es gab demnach nur drei EU-Länder, in denen im letzten Jahr Todesfälle aufgetreten sind. Spanien und Rumänien hatten jeweils einen Todesfall, Italien drei. Italien hat aber bereits die Impfpflicht.


Wie entwickeln sich die Fallzahlen in Europa?

Fallzahlen in Europa während der letzten drei Jahre (Quelle: ECDC)
Nach den Zahlen der EU-Behörden hat sich in den letzten drei Jahren keine sonderlich bedrohlicher Trend ergeben. Insgesamt sind von Jahresmitte 2018 bis Mitte 2019 im Europäischen Wirtschaftsraum (EU Länder incl. Island, Norwegen, Liechtenstein) 13.102 Fälle von Masern aufgetreten. Die meisten in den Impfplicht Ländern Frankreich (2.367) und Italien (1.831).

In den Medien werden weitaus höhere Masernzahlen für Europa genannt.


Woher stammen diese hohen Zahlen für Europa?

Tatsächlich liest man von bis zu 100.000 Masernfällen sowie dutzenden Todesfällen, die "allein im ersten Halbjahr 2019" in Europa aufgetreten sind.
Diese Zahlen beziehen sich aber nicht auf den Europäischen Wirtschaftsraum, sondern auf die "WHO Region Europa". Und hierzu zählen auch Länder wie Russland, Türkei, Ukraine, Israel, Aserbeidschan oder Tadschikistan.

Masernzahlen beziehen sich auf die "Europäische Region" der WHO
Und aus diesem Umstand werden auch die hohen Zahlen verständlich.
Allein die Ukraine meldete im ersten Halbjahr 2018 mehr als 50.000 Masernfälle mit bisher 18 Todesfällen. Das Land befindet sich inmitten einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise. Impfstoffe sind rar und von teils schlechter Qualität. Zahlreiche Berichte von abgelaufenen oder gefälschten Impfstoffen mit schweren Impfschäden lassen die Impffreudigkeit in der Bevölkerung nicht eben wachsen. Jene Ukrainer, die es sich leisten können, importieren Impfstoffe aus der EU oder lassen ihre Kinder im Ausland impfen.
Um diesen Missstand abzustellen, braucht es Hilfe. Eine Impfpflicht in Ländern wie Deutschland oder Österreich wird den Problemen der Ukrainer sicherlich nicht helfen.


Welche Altersgruppe ist von Masern betroffen?

In den Wortmeldungen der Politiker ist stets die Rede von den armen, betroffenen Kindern. Die in Deutschland angedachte Impfpflicht betrifft ebenso die Kinder.
Dabei gibt es hier das geringste Problem. In den meisten Ländern der EU haben mehr als 95% der Kinder die erste Masernimpfung und mehr als 90% die zweite.
Die aktuellen Masern-Ausbrüche zeigen jedoch, dass sich das Grundproblem bei Masern deutlich verschoben hat. In der Zeit bevor geimpft wurde, erkrankten Kinder meist im Vorschulalter an Masern und waren dann ein Leben lang immun. Das hat sich mit den großen Impfaktionen dramatisch verändert. Im Jahr 2009 lag das durchschnittliche Alter für Masern laut ECDC-Daten bereits bei zehn Jahren, im Jahr 2019 liegt es nun in Europa im Schnitt bei 17 Jahren. In Deutschland liegt der Anteil Erwachsener im heurigen Jahr bereits bei 57 Prozent.
Hier - bei den Erwachsenen - haben wir laut Analyse der Ausbrüche in der EU während der letzten drei Jahre – eine laufend wichtiger werdende Problemgruppe bei Masern. Zwei Drittel der betroffenen Personen im Alter über 20 Jahren waren nicht geimpft. Wenn schon Impfpflicht, so fielen in die Zielgruppe auch ungeimpfte Erwachsene.

Der Anteil Erwachsener nimmt laufend zu
Anlass zur Sorge gibt das dritte Drittel der Masernfälle bei Erwachsenen. Denn der Anteil der einmal oder sogar zweimal geimpften Personen steigt laufend an. Dieser unerfreuliche Trend lässt den von der WHO für 2020 fest gelegten Termin für die geplante Eliminierung der Masern, der bereits mehrfach verschoben worden ist, auch dieses Mal utopisch erscheinen.
Eine Impfpflicht für Erwachsene wurde bisher nicht einmal von den politischen Hardlinern des Zwangsimpfens eingefordert. Wohl aus Angst, dass damit der Widerstand wüchse und auch die negativen Aspekte der Impfkampagne öffentlich debattiert werden müssten. Angesichts dieser unerfreulichen Perspektive nehmen Juncker und Co. lieber Zuflucht zu Fake-News.

Dienstag, 10. September 2019

Die ungelösten Probleme des Impfwesens

In der Öffentlichkeit wird von Gesundheitspolitik und Medien die Ansicht verbreitet, dass es beim Impfen nur ein einziges Problem gibt: die Impfgegner. In Wahrheit sind die Verhältnisse deutlich komplexer. Fehlplanungen und systemimmanente Missstände werden seit Jahren verschleiert. Das Impfwesen entwickelt sich immer mehr zu einer abgeschotteten Community, die sich selbst mit alternativen Fakten versorgt. 


Gutes Image und fehlende Kontrolle - eine fatale Kombination

Die eigenen Entscheidungen einer strengen Prüfung zu unterziehen, die begangenen Fehler anschließend in einem öffentlichen Verfahren zu diskutieren und notfalls um 180 Grad zu korrigieren, so etwas klingt zwar edel - gehört aber im Normalfall nicht zu den vorherrschenden menschlichen Eigenschaften. Solche Prozesse mögen einzelne Individuen im Zuge von Lebenskrisen durchmachen - bei mächtigen Institutionen ist kritische Selbstreflexion hingegen unwahrscheinlich, speziell wenn die Angelegenheit kompliziert und schwierig ist.
Deshalb gibt es Kontrollinstanzen wie Rechnungshöfe. Niemand käme z.B. auf die Idee, dem Amt für Straßenbau die Aufgabe zu übertragen, den Bau einer Autobahn – von der Ausschreibung der Arbeiten bis zur Abrechnung – vollständig unabhängig durchzuführen und sich dann selbst zu prüfen. Zum einen würde das Korruption fördern, zum anderen den Lerneffekt verhindern, den die unabhängige Sicht fremder Fachleute immer bringt. Das Fehlen derartiger Kontroll-Instanzen führt zu institutionellem Selbstbetrug. Geduldet wird schließlich nur noch, was die zuvor getroffenen Entscheidungen rechtfertigt.


Ein System, das sich selbst kontrolliert

Auf das Impfwesen treffen viele dieser Beschreibungen zu. Dieselben Behörden, welche die Impfpläne erstellen und für eine möglichst hohe Impfquote werben, kontrollieren anschließend den Erfolg ihrer Empfehlungen. Das ist bereits insofern absurd, als es derzeit kaum Möglichkeiten gibt, die Resultate einer Impfempfehlung überhaupt seriös zu messen und zu bewerten. Die Behörden haben es nämlich bisher verabsäumt, ein elektronisches Impfregister einzuführen, bei dem die durchgeführten Impfungen mit den individuellen Gesundheitsdaten verknüpft werden können. Mit so einem Impfregister wäre es möglich, auf Knopfdruck den Erfolg vieler Impfungen zu messen und der Bevölkerung eine Schaden-Nutzen Abwägung zu präsentieren, welche für eine informierte Entscheidungsfindung notwendig wäre.

Am Beispiel der Influenza-Impfung könnte man damit etwa folgende Fragen beantworten:

  • Erspart man sich mit der Influenza-Impfung Krankenstände bzw. Pflegeurlaub - und falls ja, wie viele Tage? 
  • Welche Altersgruppen profitieren am meisten von der Impfung, welche am wenigsten?
  • Gibt es auffällige Nebenwirkungen der Impfung?
  • Welche Produkte sind nach diesen Kriterien die besten Impfungen, welche sollten vom Markt genommen werden?


In einem intelligent organisierten Gesundheitssystem sollten die Behörden für jede Impfung ein Anforderungsprofil schaffen mit bestimmten Zielen. Außerdem müssten Sicherheits-Standards festgelegt werden: Was ist an Nebenwirkungen tolerierbar, was wäre eine rote Linie, die nicht überschritten werden darf.
Weil die Daten von Millionen Menschen einfließen, wäre es möglich auch seltene Risiken statistisch zu klären. Und dann könnte mit Hilfe des Impfregisters jedes Jahr geprüft werden, ob die jeweilige Impfung die an sie gestellten Anforderungen erfüllt.
Ohne ein derartiges Impfregister ist hingegen jede Impfung aus wissenschaftlicher Sicht ein "Schuss ins Dunkle".  Wirkung und Sicherheit der Impfungen können derzeit nur über statistische Umwege abgeschätzt werden. Und damit ergibt sich ein Graubereich der Interpretation, der fehleranfällig ist und zu Beschönigungen einlädt.


Impfpflicht als Eigentor

Im Mittelpunkt der Diskussion steht derzeit meist die Masern. In Deutschland plant die schwarz-rote Koalition eine Impfpflicht. Seit Monaten überziehen die Medien - speziell auch die so genannten Qualitätsmedien – die Bevölkerung mit Fake News, in denen es beispielsweise heißt, dass die Masern in Deutschland laufend häufiger werden.
zum Impfpflicht Fakten-Check

Als Folge der medialen Fehlinformation stieg der Anteil der Befürworter einer gesetzlichen Impfpflicht laut Umfragen auf mehr als 70 Prozent an. Offenbar versucht die große Koalition, sich hier anzubiedern.

Die meisten Impfexperten warnen hingegen vor derartigen populistischen Aktionen. Schon jetzt sei die Impfquote bei Masern - speziell bei den Kindern - sehr hoch. (97 Prozent der Schulanfänger haben die erste MMR Impfung, 93 Prozent die zweite.) Mit Hilfe einer gesetzlichen Impfpflicht kann diese Quote kaum weiter erhöht werden. Im Gegenzug wächst hingegen die Gefahr, dass diese Aktion nach hinten los geht. Immerhin geschieht damit – erstmals seit der alten Pocken-Impfung – wieder ein tiefer Eingriff in zentrale Grundrechte unserer Verfassung wie z.B. das Recht auf körperliche Unversehrtheit und das Recht der Eltern, die Erziehung und Pflege ihrer Kinder selbst zu bestimmen. Wenn der Amtsarzt mit Polizeibegleitung zur Zwangsimpfung schreiten muss, ergibt sich eine dramatische Polarisierung, welche einer informierten Entscheidungsfindung nicht zuträglich ist.
In Frankreich stieg - nach der Ausweitung der Impfpflicht durch die Regierung Macron - die Zahl der Impfkritiker auf Rekordwerte. Laut aktueller Daten des britischen "Wellcome Trust" stufen 33 Prozent der befragten Franzosen Impfungen als "unsicher" ein. Ein absoluter Spitzenwert in Westeuropa.
Ob es gelingen kann, die Masern auszurotten, ist derzeit – mit oder ohne Impfpflicht – höchst zweifelhaft. Und mit jedem Jahr, das verstreicht, werden die Chancen geringer, weil bei einem Teil der geimpften Erwachsenen der Schutz schwindet.


Windpocken: Das programmierte Desaster

Anstatt nun von diesen Problemen zu lernen und neue Fehler möglichst zu vermeiden, sind die Behörden derzeit dabei, bei Windpocken dieselben Fehler zu machen. Bei dieser meist vollständig unkompliziert verlaufenden Kinderkrankheit wird seit 2004 die Impfung empfohlen. Im Vergleich zu Masern ist hier der Impfschutz mit rund 80 Prozent deutlich geringer. Außerdem besteht überhaupt keine Chance, die Windpocken-Viren jemals auszurotten. Diese Varizellen bleiben nämlich sowohl nach durchgemachter Krankheit als auch nach einer Impfung im Körper zurück und "schlafen" dort am Ende von Nervensträngen. Wenn wir Glück haben ein Leben lang.
Wenn wir kein Glück haben, brechen die Varizellen wieder aus - diesmal jedoch nicht in Form der Windpocken, sondern als Gürtelrose (Herpes zoster). Die Viren verbreiten sich entlang der Nervenstränge und lösen auf der Haut unangenehme, teils extrem schmerzhafte Ausschläge aus, die schwer zu behandeln sind.
In den USA wurde die Windpocken-Impfung zehn Jahre vor Deutschland eingeführt. Und seit langem wird dort von einer starken Zunahme der Fälle von Herpes zoster berichtet. Epidemiologische Studien zeigten einen überraschenden Zusammenhang: Das Risiko, an einer Gürtelrose zu erkranken war umso höher, je weniger Kontakt die betroffene Person mit windpocken-kranken Kindern hatte. Offenbar braucht das Immunsystem der Erwachsenen ab und zu diese Erinnerung, um auf die schlafenden Windpocken Viren besser acht zu geben. Heute gibt es in den USA bereits mehr Fälle von Gürtelrose als von Windpocken.
In Deutschland sind nach Angaben des Robert Koch Instituts (RKI) die Fälle von Windpocken seit 2005 um 71 bis 88 Prozent zurückgegangen. Eine erste Erhebung der Behörde zur Häufigkeit der Gürtelrose zeigt nun, dass die US-amerikanischen Verhältnisse auch hierzulande einkehren. Mit jedem Jahr nehmen die Krankenhaus-Einweisungen mit der Diagnose Herpes zoster zu. Lag die Zahl im Jahr 2005 noch bei 14.446 Fällen, mussten 2015 bereits 23.463 Personen deshalb in einer Klinik behandelt werden.
Dass die eigene Impfempfehlung dafür verantwortlich ist, will die Behörde aber nicht zugeben: "Ob die beobachtete ständige Zunahme der Inzidenz von Herpes zoster bei Erwachsenen mit der Windpocken-Impfung der Kinder zusammen hängt, bleibt unklar", heißt es im Bericht des RKI.

Die Zunahme der Gürtelrose ist allerdings nur eines der Probleme, welche durch das Impfprogramm ausgelöst wurde. Wie bei Masern entstehen auch bei Windpocken neue Risikogruppen. In den USA hat sich das durchschnittliche Alter in dem die Kinder erkranken von rund 4 bis 5 Jahren auf 11 bis 12 Jahre mehr als verdoppelt. Ähnlich wie bei Röteln bilden die Windpocken aber ein starkes Risiko für Schwangere, weil die Viren das ungeborene Kind angreifen und schwer schädigen kann. "In spätestens zehn Jahren wird dann die Windpocken-Impfpflicht gefordert werden, weil es mehr und mehr Schwangere geben wird, die - ob geimpft oder nicht - keine verlässliche Immunität haben", erklärt der Münchner Kinderarzt Martin Hirte. "Dann müssen entweder die Schwangeren oder die Ungeimpften in Dauer-Quarantäne. Was für ein selbsteingebrocktes Szenario!"


Befangene Impfexperten

Die Empfehlung zur Windpocken-Impfung abzuschaffen wäre wohl die sinnvollste Variante. Noch besteht dazu die Möglichkeit. Doch einmal getroffene Beschlüsse wieder zurück zu nehmen, das steht für die Behörde nicht zur Diskussion.
Die Impfempfehlungen erstellt die "Ständige Impfkommission (STIKO)" am Robert Koch Institut in Berlin. Ihr kommt eine gewaltige Verantwortung zu, indem hier entschieden wird, welche Impfstoffe die Mehrzahl der deutschen Kinder bekommt. In der STIKO wird aber auch entschieden, wie viel Steuergeld für das Impfen ausgegeben wird. Und das ist eine ganze Menge: Im Jahr 2017 belief sich der Aufwand der gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland für Impfungen auf immerhin 1,23 Milliarden Euro.
Insofern wäre es eine Selbstverständlichkeit für ein zivilisiertes Land, dass die Auswahl der Mitglieder dieses Gremiums nach strengsten Kriterien der Transparenz und der wissenschaftlichen Objektivität stattfindet. Dass finanzielle Verbindungen mit Impfstoff-Herstellern nicht geduldet werden und auch von der intellektuellen Einstellung des jeweiligen Experten eine gewisse geistige Unabhängigkeit erwartet wird.
Seit langem gleicht die STIKO hingegen einem Club von Pharma-Lobbyisten, die neue Impfungen anstandslos durchwinkt. Speziell in der Ära ihres Langzeit-Vorsitzenden Heinz-Josef Schmitt wurden mit der Empfehlung der Immunisierung gegen Windpocken, Meningokokken oder Pneumokokken laufend neue Impfungen in den Impfkalender gehievt. Den Höhepunkt bildete im Jahr 2007 die Empfehlung der brandneuen, 450 Euro teuren Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV), die als erstes Land Europas - kurz nach der Eilzulassung in den USA übernommen wurde.
Kurz davor hatte sich Schmitt noch mit einem Geldpreis für die "Förderung des Impfgedankens" auszeichnen lassen, der ausgerechnet vom Herstellerkonzern der HPV Impfung finanziert worden war. "Das sind öffentliche Bestechungen", schimpfte Wolfgang Becker-Brüser, der Herausgeber des unabhängigen "arznei-telegramm". Zahlreiche Medien schlossen sich der Kritik an. Heinz-Josef Schmitt war beleidigt und wechselte endgültig zur Industrie, wo er zuletzt als Direktor im Impfbereich des weltgrößten Pharmakonzerns Pfizer tätig war.

In der Folge wurde die Pflicht zur Offenlegung der finanziellen Interessenskonflikte der STIKO-Mitglieder eingeführt. Insofern hat sich eine gewisse Besserung der Zustände ergeben. Die Mehrzahl der 18 Mitglieder hat jedoch nach wie vor enge Beziehungen zur Industrie.
Im Bereich der Prävention sollte es eine strenge Trennung geben zwischen den Behörden, die Impfpläne erstellen - und einer unabhängigen Kontrollinstanz, welche mögliche unerwünschte Folgen sammeln und wissenschaftlich objektiv beurteilt.
Derzeit gibt es diese Trennung nicht: Die Behörden sind alles in einer Instanz. Im Wirtschaftsbereich ist es klar, dass Interessenskonflikte ein „No Go!“ darstellen und sich der zu Kontrollierende nicht selbst kontrollieren soll. Hier jedoch erwartet man plötzlich Wunder an Zivilcourage. Wunder, die nicht passieren.


Von Bert Ehgartner ist kürzlich der Ratgeber "Gute Impfung - Schlechte Impfung" erschienen (Verlag Ennsthaler). Darin wird für jede der gebräuchlichen Impfungen ein eigenes Nutzen-Risiko Profil erstellt. (siehe Bestell-Hinweise in der Spalte rechts)

Mittwoch, 17. Juli 2019

Deutschlands Regierung gibt grünes Licht für Masern-Impfpflicht

Heute hat das deutsche Bundeskabinett den Gesetzesentwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn zur Einführung einer Impfpflicht gegen Masern bestätigt. 
Zur Aufnahme in eine Kita oder die Volksschule soll ab Herbst der Nachweis der zweimaligen Masernimpfung Pflicht sein. Für bereits aufgenommene Kinder muss der Nachweis bis spätestens Sommer 2020 vorgelegt werden, sonst drohen Strafen bis zu 2.500 Euro. 
Die schwarz-rote Regierung hat damit ein Gesetz auf den Weg gebracht, vor dem zahlreiche Fachexperten – die meisten davon Impfbefürworter – eindringlich warnen. Den Ausschlag für die Initiative gaben populistische Kampagnen in zahlreichen Medien und Umfragen in der Bevölkerung, welche sich klar für die Zwangsimpfung ausgesprochen haben. 


Fehlende Einzelimpfstoffe ergeben gleich auch eine Impfpflicht gegen Mumps und Röteln

Um die Masern ausrotten zu können wird von der WHO ein Grenzwert von 95% genannt. Damit ist der Anteil der Menschen gemeint, die gegen Masern immun sein sollten.
Deutschland liegt diesbezüglich darunter, heißt es. Zwar konnten bei den Schuleingangs-Untersuchungen zuletzt 97,1% der Kinder die Bestätigung für die erste Masern-Impfung vorweisen. Allerdings haben im Bundes-Durchschnitt nur 93% der Kinder die 2. MMR. Und deshalb braucht es – laut Jens Spahn & Co. – die Impfpflicht.

93% ist weniger als 95%, das stimmt.
Aber heißt das nun, dass 7% der Kinder nicht immun sind?

Rechnen wir das kurz mal nach:

  • 97,1% der Kinder haben die erste MMR. Das heißt 2,9% der Kinder sind vollkommen ungeschützt.
  • 93% der Kinder haben die zweite MMR. Diese Gruppe hat einen offiziell angegebenen Schutz von 99% - das heißt hier sind 0,9% ungeschützt.
  • Die Differenz der nur einmal geimpften Kinder beträgt 4,1 Prozent. Diese Gruppe ist zu 95% geschützt. Hier sind also weitere 0,2% ungeschützt.
  • Zählen wir das zusammen, so ergibt sich, dass derzeit 96% der Kinder nach den offiziellen Kriterien einen ausreichenden Maserntiter haben und nur 4% ungeschützt sind. 


Deutschland erfüllt bei den Kindern also längst die Kriterien der WHO.

Wie es bei den Erwachsenen aussieht - speziell bei den Masern-geimpften Erwachsenen, die langsam ihre Titer einbüßen - wäre die wohl wesentlich wichtigere Frage, wenn man die Chancen der Ausrottung der Masern realistisch einschätzen möchte.
Doch die Beantwortung dieser Frage würde eine komplexe Analyse der Gesamt-Situation erfordern. Und das ist nicht im Sinn einer Gesundheitspolitik, die nichts mehr fürchtet als eine objektive wissenschaftliche Prüfung und eine kritische Selbstreflexion der getroffenen Entscheidungen im Impfwesen.


Die Schwächen des Masern-Impfprogramms

Bei der Einführung von Impfungen gibt es meist keine objektivierbaren Zielvorgaben, die mit der Maßnahme erreicht werden sollen. Und wenn sich im Nachhinein zeigt, dass das Programm Schwächen hat, so werden diese überall gesucht, bloß nicht bei den eigenen behördlichen Maßnahmen. Dies gilt für Impfprogramme allgemein - und auch für an sich erfolgreiche und sinnvolle Impfungen wie z.B. jene gegen Masern.

Wer trägt also die Schuld daran, dass die von der WHO mehrfach angekündigte Ausrottung der Masern heute irrealer scheint denn je?

Sind es tatsächlich die paar Impfgegner, die nicht erreicht werden können? Und liegt die einzige Chance tatsächlich in der Impfpflicht wie Ärztekammer-Funktionäre, Gesundheitspolitiker und viele Medien suggerieren?
Oder hat möglicherweise das Impfprogramm selbst Schwächen und es wird bloß ein Sündenbock gesucht, um davon abzulenken?
Für diese Variante spricht tatsächlich einiges.

So wurde bei der Einführung des Masern-Impfprogramms nicht bedacht, dass damit neue Risikogruppen entstehen können. Dass geimpfte Mütter ihren Babys einen geringeren Nestschutz mitgeben und diese deshalb ein höheres Risiko haben, im ersten Lebensjahr zu erkranken. Es wurde auch übersehen, dass es für die Aufrechterhaltung einer lebenslangen Immunität wichtig ist, dass Erwachsene immer mal wieder einem masernkranken Kind begegnen, welches rundum massenhaft Viren ausstreut und mit jedem Hustenstoß seiner ganzen Umgebung eine Auffrischungsimpfung verpasst. Der Wegfall dieser "natürlichen Durchseuchung" mündete in einem überraschenden Abfall der Wirksamkeit der Impfstoffe. Die epidemiologische Aufarbeitung der letzten Masern-Ausbrüche zeigt, dass der Anteil Erwachsener bereits bei knapp 50 Prozent liegt. Und die meisten waren einst geimpft worden.

Dieses Problem wird künftig immer deutlicher hervortreten. Insofern wird das Ziel einer erfolgreichen weltweiten Ausrottung der Viren mit jedem Jahr unwahrscheinlicher. Speziell wenn in den europäischen "Hotspots der Impfverweigerung" – in Ländern wie der Ukraine und in Teilen Rumäniens beinahe schon Zustände herrschen wie in der Vorimpf-Ära. An den Umtrieben von Impfgegnern, wie in unseren Medien dargestellt, liegt das aber sicherlich nicht. In beiden Ländern gibt es enorme Versorgungsprobleme. Die Ausbrüche in Rumänien betreffen vor allem die Volksgruppe der Roma. Diese haben in ihren ghettoartigen Siedlungen – auch abseits der Impfungen – kaum Zugang zu Gesundheitsleistungen.
In der krisengebeutelten Ukraine hat die Bevölkerung längst das Vertrauen in ihr Gesundheitssystem verloren. Korruption und Versorgungsmängel sind Alltag. Die Menschen fürchten sich vor abgelaufenen Impfstoffen zweifelhafter Qualität. Überall grassieren Gerüchte von schweren Schäden. Wohlhabendere Ukrainer lassen ihre Kinder mit importierten Impfstoffen impfen oder reisen dafür eigens in den Westen. Ohne internationale Hilfe werden diese strukturellen Probleme nicht zu lösen sein.


Verbesserte Impfungen - statt Zwang

Das in Deutschland geplante Gesetz bezieht sich exklusiv auf die Impfung gegen Masern. Am Markt ist jedoch bloß die Dreierimpfung MMR - gegen Masern, Mumps und Röteln, oder die Viererimpfung, die auch noch die Windpocken-Komponente enthält, erhältlich. Das ist ein weiterer schwerer Mangel des Impfprogramms: Es gibt kaum Alternativen - etwa Einzelimpfstoffe oder Impfstoffe, die man schlucken oder Inhalieren kann.
Und zwar nicht deswegen, weil es diese Impfstoffe nicht gibt. Prinzipiell stünden Einzelimpfstoffe ebenso zur Verfügung wie Impfstoffe, die man inhalieren kann. Sie müssten jedoch mit einigem Aufwand importiert werden, oder sind gar nicht behördlich zugelassen. Mit innovativen Impfstoffen wäre es längst möglich gewesen, die Impfquote weiter zu erhöhen. Impfkritische Personen oder Menschen mit Nadelphobie (immerhin rund 10 Prozent der Bevölkerung) wären damit sicherlich leichter erreichbar.

Eine Impfpflicht allein ist dazu jedenfalls kaum in der Lage. Sie schürt vielmehr die allgemeine Skepsis gegen Impfungen. In Frankreich, wo die Regierung Macron Pflichtimpfungen gegen elf Krankheiten gesetzlich verankert hat, bezeichnen sich in Umfragen rund 40 Prozent der Bevölkerung als impfkritisch. Kein Land der EU hat einen ähnlich hohen Anteil.
Und auch der Erfolg der Zwangsimpfungen ist zweifelhaft. Im Jahr 2018 verzeichnete Frankreich 2913 Masernfälle, fünfmal mehr als Deutschland (532 Fälle).

Weitere Informationen zur Impfpflicht findet Ihr auf der Webseite der "Ärzte für Individuelle Impfentscheidung". Der Verein hat kürzlich in Berlin eine Petition mit 143.000 Unterschriften gegen die Impfpflicht an das Gesundheitsministerium übergeben. 

Mittwoch, 3. April 2019

Das Versagen der Qualitätsmedien in der Impfdebatte

Zwang anstelle informierter Entscheidungsfindung. Propaganda statt objektiver Aufbereitung von Fakten. Ein aktuelles Beispiel für Journalismus in seiner feigsten und dümmsten Variante.

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn hält mit leicht irrem Blick eine Spritze hoch. Darüber steht in Großbuchstaben: "Impfen auf Befehl". Die Coverstory des aktuellen "Spiegel" widmet sich dem "bizarren Streit um den Schutz unserer Kinder".
Wer sich hier eventuell noch einen ausgewogenen Artikel erwartet, wird fünf Seiten weiter im Inhaltsverzeichnis bereits eines besseren belehrt. Dort wird in der Rubrik "Titel" der Artikel nämlich folgendermaßen angekündigt: "Warum eine Impfpflicht die einzig vernünftige Lösung für einen ideologisch aufgeheizten Streit ist". Der Spiegel bringt demnach als Coverstory ganz offen einen Aufruf für die Einführung von Zwangsimpfungen.

Die Coverstory des Spiegel ist ein offen deklariertes Plädoyer für Zwangsimpfungen

Anspruch eines Qualitätsjournalismus wäre es normalerweise, einen ausgewogenen Artikel mit den besten fachlichen Argumenten der jeweiligen Kontrahenten zu bringen. Und sich "nicht gemein zu machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten", wie es der Doyen des deutschen Journalismus, Hanns Joachim Friedrichs, einst formulierte. Derartige Zurückhaltung ist den elf (!) Spiegel-Redakteuren, die als Autorenteam den Artikel verantworten, fremd.

Als schauriger Einstieg in die Story dient die Leidensgeschichte einer Familie aus Bayern. Tochter Angelina war fünf Jahre alt, als sie plötzlich von Krämpfen überfallen wurde.  "Angelina wirkte verwirrt und wiederholte Sätze, die sie gerade gesagt hatte." Bald habe sie alles verlernt, erzählt die Mutter Gina R. den Spiegel Leuten. "Sie konnte nicht mehr laufen, nicht mehr sprechen, nicht mehr sitzen, sie konnte nicht einmal mehr schlucken."
Die Diagnose lautete auf SSPE - eine atypische chronische Gehirnentzündung, die als seltene, aber stets tödliche Spätfolge der Masern gilt. Offenbar ist das Mädchen im Alter von 6 Monaten infiziert worden. Zu einem Zeitpunkt als es noch nicht geimpft werden konnte. Wie und wo sich Angelina angesteckt hat, wissen die Eltern nicht. Doch nachdem Wildviren im Hirnwasser gefunden wurden, gilt der Ablauf als gesichert.
Impfgegner, berichtet Gina R., hätten ihr vorgeworfen, sie habe ihr Kind falsch behandelt, denn Fieber zu senken sei bei Masern falsch. "Sie schrieben", heißt es im Artikel, "ich solle meiner Tochter grüne Smoothies geben oder Globuli, dann werde sie wieder gesund."
Doch das, so die Spiegel-Autoren, "wird sie nie wieder sein". Das heute 13-jährige Mädchen, "ist ein Opfer der Masern geworden, weil es in Deutschland nicht gelungen ist, diese Krankheit auszurotten."


Wo waren die vielen SSPE Fälle in der Vorimpf-Ära?


Damit ist auch schon die Stoßrichtung des ganzen Artikels vorgegeben: Unschuldige Kinder sterben, weil esoterisch verbohrte Impfgegner ihre eigenen Kinder als Bioterroristen herum laufen lassen, die überall ihre Viren ausstreuen. Wenn dieses gemeingefährliche Verhalten durch einen Impfzwang per Gesetz abgeschafft würde, wäre das Problem gelöst. So einfach, so klar.

Doch ganz so simpel, wie der Spiegel suggeriert, ist das Leben nicht.
Das beginnt schon bei dem hier geschilderten SSPE Fall. Die Häufigkeit für SSPE liegt laut Spiegel bei "etwa 1 von 3300 Masernkindern unter fünf Jahren". Wenn das stimmen würde, hätte es in der Zeit vor den großen Impfprogrammen in Deutschland, als noch beinahe jedes Kind an Masern erkrankte, jedes Jahr mehr als 150 SSPE-Fälle geben müssen.
Davon kann jedoch keine Rede sein. Die ersten Impfungen waren zu Beginn der 70er Jahre verfügbar und erst zur Mitte der 80er Jahre war ein Großteil der Kinder geimpft. Eine Literatur-Recherche in der internationalen Medizin-Datenbank "pubmed" zeigt, dass während der 50er und 60er Jahre kaum wissenschaftliche Studien und Berichte zur SSPE erschienen sind. Wenn die Masern tatsächlich so viele Todesfälle bei Kindern verursacht hätten, wäre das Thema wohl kaum übersehen worden. Zumal sich dieses Sterben bei SSPE ja meist über viele Jahre hin zieht und damit tausende Kinder gleichzeitig betroffen gewesen wären.

Eine 1978 veröffentlichte epidemiologische Arbeit erfasste alle SSPE Fälle der DDR. Im Zeitraum von 1968 bis 1977 sind demnach insgesamt 156 Kinder erkrankt. Eine Studie aus Italien kam für die zehn Jahre von 1972 bis 1981 auf 207 Fälle. Das entspricht für Kinder und Jugendliche einem Risiko von 1,24 Fällen pro Million Einwohnern.
In allen diesen zeitgenössischen Berichten wird auch die Frage diskutiert, ob die Impfungen das SSPE Risiko erhöhen. Das wird zwar durchgehend verneint, doch dass auch Impfviren als Auslöser in Frage kommen, steht für die meisten Autoren außer Zweifel. In einer Studie aus den USA errechnen die Wissenschafter nach Wildvirus-Infektion ein etwa zehnmal höheres Risiko für eine SSPE als nach der Impfung.
Heute wird von den Behörden die Ansicht verbreitet, dass ausschließlich Wildviren die tödliche Komplikation auslösen können. Dies scheint jedoch nicht realistisch, zumal fast alle aktuellen SSPE Opfer geimpft worden sind - und der Nachweis der Masern-Erkrankung oft nur auf Vermutungen beruht.
SSPE als Schreckgespenst einzusetzen, um damit die Leute zum Impfarzt zu treiben, scheint tatsächlich eine wirksame Taktik. Seriös ist das allerdings nicht, solang die Umstände dieser Krankheit weitgehend im Dunklen liegen. Dass nur Wildviren diese atypische Infektion auslösen können, die abgeschwächten aber ansonsten weitgehend identischen Impfviren jedoch nicht, erscheint biologisch zudem vollständig unplausibel.

In der US-Fachinformation des Masern-Mumps-Röteln (MMR) Impfstoffs der Herstellerfirma Merck steht SSPE demnach auch in der Liste der möglichen Nebenwirkungen aufgeführt. Sogar die Wahrscheinlichkeit wird konkret beziffert: "Based on estimated nationwide measles vaccine distribution, the association of SSPE cases to measles vaccination is about one case per million vaccine doses distributed." ("Basierend auf der geschätzten nationalen Verbreitung der Masern-Impfung, tritt pro 1 Million Impfungen etwa ein Fall von SSPE auf.")
In der deutschsprachigen Fachinformation desselben MMR Impfstoffes desselben Herstellers fehlt diese Passage. Stattdessen beginnt der Absatz hier mit der Behauptung: "Es gibt keinen Beleg dafür, dass Masern-Impfstoffe SSPE verursachen können."
Die Spiegel Redakteure haben wohl nur den deutschen Text gelesen.


Stimmungsmache mit Impfquoten

Um zu zeigen, welch gewaltige Impflücken sich im Land auftun, werden die Landkreise mit der geringsten Masernimpfquote in einer Graphik hervor gehoben. Verheerend steht es demnach offenbar um Sachsen. Denn die Rekordhalter bei der Verweigerung der 2. Masernimpfung sind mit Görlitz (73,5%) und dem Erzgebirgskreis (74%) im ansonsten als besonders impffreudig bekannten Osten angesiedelt. Wolfsburg in Niedersachsen bringt es vergleichsweise auf stolze 97,9%.
Es handelt sich jedoch nicht um den dunklen Einfluss von Impfgegnern, wie der Spiegel hier suggeriert, sondern um das Gegenteil: Sachsen leistet sich als einziges Bundesland Deutschlands eine eigene Impfkommission, welche die Empfehlungen der Berliner STIKO noch in einigen Punkten überflügelt. So wird beispielsweise eine Meningokokken-Impfung bereits im Alter von 3 Monaten und die jährliche Influenza Impfung mit Beginn im 7. Lebensmonat empfohlen. Damit ist der sächsische Impfkalender deutlich dichter gepackt, als der gesamtdeutsche.
Offenbar war nicht mehr genügend Platz im Impfplan. Denn während die STIKO die zweite Masernimpfung in engem zeitlichem Zusammenhang zur Erstimpfung (11 - 14 Monate) vorschreibt, spätestens jedoch bis zum 23. Lebensmonat, empfehlen die sächsischen Hardcore Impf-Experten die zweite Impfung erst ab einem Alter von 46 Monaten.
Es handelt sich also nicht um sächsische Widerstandsnester gegen die Masernimpfung - sondern im Gegenteil - um behördliche Anweisungen.  Derartige Hintergrund-Details fehlen im Spiegel Artikel, gilt es doch die Notwendigkeit von Zwangsimpfungen heraus zu streichen.

In Wahrheit ist die Bereitschaft zur Masernimpfung in Deutschland bereits jetzt enorm. Den EU Behörden wird für die erste Impfung eine Quote von 95% gemeldet. Bei der Schuleingangs-Untersuchung im Jahr 2016 waren im Schnitt 93 Prozent der deutschen Kinder zweimal gegen Masern geimpft.
Was soll nun eine Impfpflicht bezwecken? - Denken die Behörden tatsächlich, dass eine weitere minimale Anhebung der Durchimpfung von 93 Prozent auf 95 Prozent den erhofften Durchbruch zur Ausrottung bringt? Sind es diese zwei Prozent wert, die Rechte der Eltern massiv zu beschränken und einen Schritt Richtung Medizindiktatur zu gehen?
Und was, wenn sich aus der Impfpflicht eine Gegenreaktion ergibt, eine enorme Verhärtung der Fronten, welche Impfkritiker vollständig unerreichbar macht für die "Argumente der Pharmamafia"? - Wird man dann einen elektronischen Impfpass brauchen, damit sich die Türen zur U-Bahn öffnen? Werden Seuchenwächter in der Fußgängerzone Spontankontrollen durchführen? Macht der Impfarzt Hausbesuche - in Begleitung einer Spezialeinheit der Polizei?


Impfpflicht trägt wenig zur Vermeidung von Masern bei

Die Masernimpfung enthält abgeschwächte, aber lebende Viren welche im Normalfall eine natürliche Reaktion des Immunsystems auslösen. Deutlich mehr als 90 Prozent der Geimpften sind in der Folge vor Masern geschützt. Die zweite Impfdosis dient nur dazu, die restlichen 10 Prozent der "Impfversager" zu erreichen. Bei zweifacher Impfung wird die Schutzwirkung mit nahezu 99 Prozent angegeben.
Es wäre demnach nur ein Katzensprung, um die von der WHO genannte Marke von 95 Prozent zu erreichen, die es laut WHO braucht, um die Masern auszurotten.

Dennoch kommt es weltweit laufend zu Masern-Ausbrüchen. Etwa in den USA, wo bis Ende März 390 Fälle gemeldet wurden, die zweithöchste Zahl seit dem Jahr 2000, wo etwas vorschnell die "Eliminierung" der Masern verlautbart worden war.
In den USA werden Touristen und illegale Einwanderern für die Masern-Invasion verantwortlich gemacht. In Deutschland liegt die Schuld laut Spiegel bei impfkritischen Ärzten, Waldorf-Schulen und esoterisch angehauchten Eltern, die sich von dubiosen Quellen im Internet aufhetzen lassen.
Doch auch in China, wo Impfpflicht herrscht bei einer Quote von angeblich 99 Prozent, wurden im letzten Jahrzehnt im Schnitt 39.000 Fälle pro Jahr gemeldet.
Und Frankreich, wo die Regierung Macron nicht nur die Impfung gegen Masern, sondern auch gegen zehn weitere Krankheiten gesetzlich vorgeschrieben hat, meldete im Vorjahr sechsmal so viele Masernfälle wie das bislang zwangsfreie Deutschland.
Auch ein Vergleich zwischen der Schweiz und Italien spricht nicht eben für die Erfolge der Impfpflicht. In der Schweiz traten in den letzten Jahren im Schnitt 6 Masernfälle pro Million Einwohner auf. In Italien waren es 43. Ohne Zwang bringt es die Schweiz auf eine Impfrate von 92 Prozent, Italien hält bei bescheidenen 85 Prozent.
Länder ohne Impfpflicht schlagen sich also an sich ganz gut. Der Zwang trägt wenig zur Steigerung der "Impffreudigkeit" der Bevölkerung bei. Im Gegenteil.

Schlicht falsch ist deshalb auch die Behauptung von Gesundheitsminister Spahn, wonach "immer mehr deutsche Kinder an Masern erkranken". Als Spahn diese Aussage in der ARD-Tagesschau wiederholte, musste das im hauseigenen "Faktenfinder" nachträglich korrigiert werden. Dort heißt es: "Dass "immer mehr" Kinder erkranken würden, wie Gesundheitsminister Spahn behauptet, ist nicht belegt.“
Hier eine Auflistung der tatsächlich gemeldeten Masernfälle im Vergleich zu den Vorjahren:

Graphik erstellt von Steffen Rabe aus den Meldedaten des Robert Koch Institut

Das bislang stärkste Masern-Jahr der jüngeren Vergangenheit war 2015 und fiel mit dem massenhaften Ansturm der Flüchtlinge aus den Krisenregionen zusammen. Die ersten Fälle in Berlin gingen von einer Unterkunft für Asylwerber aus. Als dann ein Kind an Masern starb, flammte erstmals die Forderung nach einer Impfpflicht heftig auf.
Was damals in der Berichterstattung unter den Tisch fiel, war die schwere angeborene Herzkrankheit des Buben. Obwohl der Sprecher der Charité dies den Medien mitteilte, fand es kaum ein Journalist wert, dieses nicht unwesentliche Faktum an die Öffentlichkeit weiter zu geben. Zumal die meisten anderen Infekte für das Kind ebenfalls Lebensgefahr bedeutet hätten.
Auch im aktuellen Spiegel-Bericht wird der Todesfall wieder hervor gekehrt ohne diese Zusatz-Information zu erwähnen.

In dieser Tonart geht es weiter. Als hauptsächliches Argument für die Impfung wird das enorme Sterbe- und Komplikationsrisiko der Erkrankung angegeben. Während das Robert Koch Institut vor einigen Jahren das Risiko einer Gehirnentzündung nach Masern noch mit 1 : 10.000 bezifferte, liegt es nun laut Spiegel bereits bei 1:1000 bis 1:2000. Beinahe gleich hoch, wie das allgemeine Sterberisiko bei Masern, das mit 1:1000 angegeben wird. Das ist insofern absurd, als eine Virus-Enzephalitis nur in seltenen Fällen tödlich verläuft.


Die Schwächen der Impfkampagne

Die Attacken auf Impfgegner-Nester werden immer wütender. Der Meinungsdruck wird auf allen Ebenen erhöht. Dazu trug auch die WHO bei, welche die Impfskepsis kürzlich in die Liste der zehn  größten akutellen Gesundheits-Gefahren aufnahm. Auf gleichem Rang wie der Klimawandel oder die elenden Lebensbedingungen in den Slum-Städten mancher Entwicklungsländer.

Doch ist dieser Vergleich tatsächlich angemessen? Oder verbirgt sich dahinter die Verzweiflung, dass es trotz jahrzehntelang laufender Impfprogramme weder bei Polio noch bei Masern gelingt, endlich den globalen Triumph der Ausrottung dieser Viren zu verkünden. Es ist ohne Zweifel frustrierend, das Scheitern der eigenen Ziele zu beobachten - doch möglicherweise liegen die Gründe dafür gar nicht bei den bösen Impfgegnern. Vielleicht wird ja hier ein wütendes Scheingefecht abgezogen, das von den Schwächen der eigenen Programme ablenken soll.

Für ein wirkliches Verständnis der Zusammenhänge wäre es deshalb im Artikel eines Qualitätsmediums auch dringend nötig gewesen, die Schwachstellen der Impfkampagne zu analysieren. Doch weder im Spiegel-Artikel noch in der offiziellen Gesundheitspolitik finden sich auch nur Ansätze einer kritischen Selbstreflexion.

Unerwähnt bleibt die Tatsache, dass geimpfte Mütter weniger Nestschutz an ihre Babys weiter geben und damit das Risiko von Erkrankungen im ersten Lebensjahr deutlich angestiegen ist. Wäre es möglich, dieses Manko durch Verbesserung der Impfung zu beheben? Wie müsste so eine Impfung aussehen, dass sie eine nachhaltigere Immunreaktion auslöst?

Und was ist mit der Dauer des Impfschutzes? Es erscheint mittlerweile recht unsicher, ob die Wirkung der Impfung, so wie einst versprochen, tatsächlich ein Leben lang anhält. Bei den Ausbrüchen der Masern während der letzten Jahre lag der Anteil der Erwachsenen bereits bei rund 50 Prozent.
Bereits die Untersuchung von Soldaten bei der Musterung zeigt, dass der Impfschutz rascher schwindet als erwartet. Eine slowenische Studie ergab, dass nur noch 85 Prozent der Jungmänner ausreichende Antikörper im Blut hatten.
Wie rasch das Problem voran schreitet, belegt eine aktuelle Studie aus Südkorea, wo bei 7.411 Mitarbeitern im Gesundheitssystem die Masern-spezifischen Antikörper gemessen wurde. Die älteren Menschen hatten die Masern noch natürlich mit gemacht. Sie hatten fast alle ausreichende Titer. Personen des Geburtsjahrgangs 1986 hatten im Schnitt nur noch zu 85% einen ausreichenden Antikörper-Titer. In der Kohorte des Jahrgangs 1995 lag der Wert dann bei alarmierend niedrigen 42%.
Wie diesen Herausforderungen begegnet werden soll, ist unklar, zumal eine Auffrischungsimpfung bei Erwachsenen meist rasch verpufft.

Und was bedeuten diese Erkenntnisse für andere Impf-Kampagnen? Wird man daraus lernen und Fehler vermeiden?
Der Umgang mit Windpocken lässt nicht darauf schließen. Während die Schweiz und viele andere Länder gut damit fahren, nur jene zu impfen, die keine natürliche Krankheit durchgemacht haben, wird in Deutschland der Behördenapparat aktiv, wenn in einer Kita die überwiegend harmlose Kinderkrankheit ausbricht. Ungeimpfte Kinder werden wochenlang ausgeschlossen. Die Eltern müssen Pflegetage nehmen und ihre kerngesunden Sprösslinge hüten. Mit solchen Zwangsmaßnahmen sollen die Eltern zum Impfarzt getrieben werden.
Doch mit welchen Ziel? Eine Ausrottung ist bei Windpocken biologisch unmöglich. Zudem steigt durch die Impf-Kampagne - wie man aus den Erfahrungen der USA weiß - die Verbreitung von Gürtelrose in der Bevölkerung. Ein höheres Infektionsalter birgt - so wie bei Masern auch - ein höheres Komplikationsrisiko. Windpocken in der Schwangerschaft sind ähnlich gefährlich wie Röteln.
So wie derzeit die Weichen gestellt werden, kommt der Verdacht auf, dass in der Koordination der Impfpolitik das vollständige Chaos herrscht: mit 160 km/h in die Sackgasse.


Bessere Impfstoffe - bessere Argumente

Wer meinen Blog verfolgt, oder mein aktuelles Buch "Gute Impfung - Schlechte Impfung" gelesen hat, weiß dass ich trotz aller dieser Punkte ein grundsätzlicher Befürworter der Masernimpfung bin. Zumal in Zeiten, wo ein Masernausbruch medial das Echo einer Cholera-Epidemie auslöst, eine Umkehr zu alten Verhältnissen der Vorimpf-Ära ohnehin unmöglich wäre.

Um die Akzeptanz der impfkritischen Bevölkerung zu erhöhen, wäre es jedoch dringend nötig,  das Angebot zu verbessern. Derzeit ist meist nur die Dreier-Variante der Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln leicht zu beschaffen. Oder die Vierer-Impfung, die auch noch den Windpocken-Wirkstoff enthält. Einzelimpfungen gegen Masern wurden hingegen weltweit aus dem Sortiment genommen und ihre Produktion (mit wenigen Ausnahmen) eingestellt.
Eine Masern-Einzelimpfung, die man über eine Atemmaske inhalieren kann, wurde zwar entwickelt, dann aber von den Behörden nicht zugelassen. Dabei entspräche die Inhalation der Viren dem natürlichen Infektionsweg und würde die Akzeptanz kritischer Eltern, die wegen der Dreifach-Spritzimpfung skeptisch sind, deutlich erhöhen.
Verbesserungsbedarf gäbe es auch bei den Inhaltsstoffen. Warum müssen in einer Zeit, wo gesunde Bio-Nahrung für viele Familien selbstverständlich ist, noch immer Antibiotika und Zellen aus dubiosen tierischen und menschlichen Quellen in der Impfung enthalten sein?
Hier wäre tatsächlich dringender Innovationsbedarf. Doch anstatt auf die Hersteller-Konzerne Druck auszuüben, endlich Geld und Hirnschmalz in die Entwicklung einer wirklichen "Bio-Impfung" zu investieren, drangsalieren die Behörden anscheinend lieber die eigene Bevölkerung.

Es gibt zudem zahlreiche Fachargumente, die man hätte nennen können, um die Zweifler und Skeptiker unter den Eltern zu überzeugen. Der im Netz kursierende Zusammenhang zwischen MMR-Impfung und Autismus wurde kürzlich in einer großen dänischen Studie wieder einmal widerlegt. Negative Nebenwirkungen der Impfung sind tatsächlich extrem selten. MMR gehört zu den sichersten Babyimpfungen, die wir haben.
Im Gegensatz zu manchen negativen Auswirkungen, sind die positiven Effekte der Impfung auf das Immunsystem der Kinder tatsächlich erwiesen. Seit 20 Jahren liefern unzählige Studien Belege, dass Kinder nach der Masernimpfung seltener an Infekten erkranken als ungeimpfte Kinder.
Der Wert der Masernimpfung ist demnach enorm. Die Sterberate der Kinder in Hochrisiko-Ländern konnte nur durch diese Maßnahme um die Hälfte reduziert werden. "Und das sogar in Jahren, wo wir gar keine Masernwellen hatten", berichtet der dänische Wissenschaftler Peter Aaby, dessen Team die "unspezifischen Effekte" der Masernimpfung entdeckt hat. (Hier finden sich einige der wichtigsten Studien zu dieser Thematik.)
Die Impfung wirkt offenbar wie ein Trainingscamp. Ein in der Folge kompetenteres und besser eingespieltes Abwehrsystem schützt auch die Kinder in den Industrieländern. Studien aus Dänemark, den Niederlanden und den USA zeigen, dass Masern-geimpfte Kinder ein signifikant geringeres Risiko haben, auf Grund einer Atemwegs-Infektion ins Krankenhaus eingeliefert zu werden.


Massen-Impfzwang durch die Hintertür?

Warum liest man in der acht Seiten umfassenden Spiegel-Titelstory rein gar nichts von diesen erfreulichen Fakten? Warum ignorieren erfahrene Wissenschaftsjournalisten diese handfesten positiven Argumente für die Impfung und greifen stattdessen auf primitive Gruselpropaganda zurück?

Die Antwort liegt wahrscheinlich darin begründet, dass mit der Anerkennung der positiven Effekte der Lebendimpfungen auch die negativen Effekte der inaktivierten Impfstoffe erwähnt hätte werden müssen. Tatsächlich haben Aaby und sein internationales Wissenschaftler-Team auch zahlreiche Studien veröffentlicht, welche zeigen, dass die meist aluminium-haltigen Totimpfungen die Abwehrkräfte der Kinder schwächen und das Risiko einer tödlichen Lungenentzündung, Malaria oder Durchfall-Erkankung in den Monaten nach dem Impftermin stark ansteigt.
An solch unangenehmen Fakten wollte die Task-Force der Spiegel-Eleven offenbar nicht einmal anstreifen.

Und wer weiß schon, welche Impfungen dann in der legistischen Umsetzung tatsächlich erfasst werden. Auch in Italien und Frankreich war in der Öffentlichkeit zunächst immer lediglich von der Gefahr der Masern die Rede. Als das Gesetzes-Paket zur Zwangsimpfung im Parlament verabschiedet wurde, war dann jedoch plötzlich die Impfung gegen zehn bzw. elf Krankheiten vorgeschrieben.


PS: Die "Ärzte für individuelle Impfentscheidung" haben heute eine Petition gegen die Einführung der Impfpflicht veröffentlicht. Wer gegen Zwangsimpfungen ist, muss jetzt aktiv werden, denn wie es aussieht schreitet die Politik bald zur Tat.

Freitag, 28. September 2018

Peter Aaby: "Wir wissen nichts über die Langzeit-Effekte von Impfungen"

Der dänische Wissenschaftler Peter Aaby bezeichnet sich selbst als "Fan der Masernimpfung", denn "keine andere medizinische Intervention hat die Kindersterblichkeit in Entwicklungsländern so günstig beeinflusst." Die Behörden sollten deshalb auf ihre Angst-Kampagnen zur Impfwerbung verzichten - und die Bevölkerung von den positiven Effekten der Lebendimpfungen auf das Immunsystem informieren. Bei inaktivierten Impfstoffen, so Aaby, sei die Situation hingegen vollständig anders. Hier hält er negative Langzeit-Effekte für sehr wahrscheinlich.  
Dieses Gespräch ist der 2. Teil meines Interviews mit Peter Aaby. Teil 1 erschien gestern hier im Blog. 

Peter Aaby - Gründer des "Bandim Health Projects" (Foto: Ehgartner)

Die Behörden werben für die Masernimpfung meist mit Angst-Argumenten, – z.B. mit der Warnung an der sehr seltenen, aber immer tödlichen Masern-Verlaufsform SSPE zu erkranken. Von den positiven Effekten der Lebendimpfungen hört man kaum etwas. Ist das ein Fehler?

Aaby: Ja, definitiv. Sie verwenden die falschen Botschaften, indem sie Angst vor Masern aufbauen. Das mag zutreffen für die Situation in Rumänien, wo in einer sozial schwachen Bevölkerungsgruppe zahlreiche Todesfälle aufgetreten sind. In Wahrheit ist das Risiko ernsthafter Verläufe von Masern heute aber sehr limitiert. Dazu kommt, dass Impfungen sehr wohl Nebenwirkungen verursachen können. Die Eltern befinden sich also in einer schwierigen Abwägung: Sie wissen, dass ernsthafte Verläufe der Krankheit sehr, sehr selten sind - und somit wiegen die möglichen Nebenwirkungen der Impfungen umso stärker. Darauf gründet die zögerliche Haltung vieler Eltern in Europa. Damit zu werben, dass die Masernimpfung positive Effekte für die Gesundheit der Kinder hat, wäre eine gute Idee. Und es gibt dafür mittlerweile ein solides wissenschaftliches Fundament.


Warum verwenden die Behörden dieses Argument nicht? 

Aaby: Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass WHO & Co. dann auch die ungünstigen Effekte mancher Impfungen öffentlich diskutieren müssten. Und das wollen sie vermeiden. Und das ist der Grund, warum sie lieber alle unspezifischen Effekte ausklammern.


Das war auch einer der häufigsten Vorwürfe in den Medienberichten über David Sievekings Film "Eingeimpft": Der Film erwähnt mögliche ungünstige Effekte von Impfungen und fördert damit Zweifel in der Bevölkerung. Und daran tragen Sie wohl Mitschuld… 

Aaby: Ja, die Situation ist recht absurd. Es gibt wohl niemanden, der bezweifelt, dass Medikamente Nebenwirkungen haben können. Sie werden laufend kontrolliert, eine ganze Menge von Arzneimitteln wurde im Lauf der Jahre vom Markt genommen. Dieses systematische Monitoring gibt es im Bereich der Impfstoffe nicht. Das beschränkt sich meist auf die Sofortreaktionen nach der Impfung: die Schmerzen an der Einstichstelle, die Rötung und die leichte Schwellung. Die Auswirkungen auf den ganzen Organismus werden jedoch kaum verfolgt. Es gibt wenig Kontrolle der negativen Folgen von Impfungen. 


Was müsste passieren? 

Aaby: Wir wissen nichts über die Langzeit-Effekte von Impfungen. Alles müsste überarbeitet werden, es braucht eine Erneuerung des ganzen Systems. Bis dahin müssen wir uns auf kleine Korrekturen beschränken. Und dazu zählt eben der Tipp, eine Impfserie möglichst mit einer Lebendimpfung abzuschließen.


Wie lange hält der positive Effekt der Lebendimpfungen an? 

Aaby: Extrem lang. Wir haben das kürzlich am Beispiel einer Kohorte von rund 50.000 dänischen Kindern untersucht, die in der Phase der Abkehr von den Pocken- und Tuberkulose-Impfungen Anfang der 70er Jahre lebten. Wir verglichen jene, die geimpft worden sind mit den nicht geimpften und fanden einen positiven Effekt, der über vier Jahrzehnte sichtbar war. Jene, die beide Impfungen erhielten, hatten ein um 46 Prozent geringeres Sterberisiko bei den natürlichen Todesfällen. Bei Unfällen, Morden oder Selbstmorden gab es hingegen keinen Zusammenhang.


Und wie steht es um die inaktivierten Impfstoffe? 

Aaby: Ich bin sicher, dass nicht nur die positiven, sondern auch einige der negativen Effekte der Impfungen Langzeit-Konsequenzen haben. Darauf können wir gerne wetten - aber schlagen Sie lieber nicht ein, denn ich werde gewinnen. Wenn die Diphtherie-Tetanus-Pertussis Impfung Kinder in den frühen Lebensjahren töten kann, weil es deren Immunsystem verdreht, wäre es nicht sehr überraschend, wenn diese Impfung auch negative Langzeit-Effekte hat. Künftige Forschung wird zeigen, dass auch einige der chronischen Krankheiten teilweise von Impfungen beeinflusst sind: Immunstörungen ebenso wie Stoffwechsel-Erkrankungen, bestimmte Krebsarten oder Herzkrankheiten. Wir wollen das wissenschaftlich untersuchen und haben dafür Förderungen beantragt.


Was denken Sie denn, ist wichtiger: Die spezifischen oder die unspezifischen Effekte der Impfungen? 

Aaby: Wir haben das in mehreren Studien verglichen. Die BCG-Impfung hat die spezifische Sterblichkeit an Tuberkulose überhaupt nicht beeinflusst - doch die Gesamtsterblichkeit der geimpften Kinder um 38% reduziert.
Die Polio-Schluckimpfung für die Neugeborenen hatte ebenfalls keinen Einfluss auf die Polio-Sterblichkeit – einfach deshalb, weil es in unserer Region keine Kinderlähmung mehr gibt – doch das Sterberisiko der geimpften Babys ging um 32% zurück. 
Die Masernimpfung hat die spezifische Masern-Sterblichkeit um 4% reduziert. Die geimpften Kinder hatten im Studienzeitraum aber eine 26% Reduktion an Malaria, Durchfall oder Lungenentzündung zu sterben.
Wie Sie sehen, sind die unspezifischen Effekte der Impfungen demnach definitiv wichtiger als der spezifische Schutz vor Krankheiten.

Aaby und Mitarbeiter bei der Erhebung der Impfdaten (Foto: Ehgartner)

Immer mehr Länder - wie zuletzt Frankreich oder Italien - setzen verstärkt auf die Impfpflicht und schreiben die Impfung gegen zehn oder mehr Krankheiten zwingend vor. Was halten Sie davon? 

Aaby: Zwangsimpfungen führen zu einer weiteren Polarisierung in diesem ohnehin schon heiklen Bereich. Ich denke, dass gesetzlich vorgeschriebene Impfungen die Impfskepsis in der Bevölkerung erhöhen.


Anfang November feiern Sie das 40-jährige Bestehen des von Ihnen gegründeten „Bandim Health Projects“. Sie haben hunderte Studien in hochrangigen Journalen veröffentlicht. Es gibt kein vergleichbares wissenschaftliches Zentrum, wo über so einen langen Zeitraum Forschung zu den Lebensbedingungen in einem Hochrisikoland betrieben wurde. Wie geht es Ihrem Projekt? 

Aaby: Wissenschaftlich geht es besser und besser. Die Konsistenz unserer Resultate ist unglaublich. Wir haben nunmehr vier Lebendimpfungen, bei denen wir die positiven unspezifischen Effekte nachgewiesen haben. Lebendimpfungen sind ein wichtiger Grund für den Rückgang der Kindersterblichkeit in Guinea-Bissau.
Doch wir haben auch sechs inaktivierte Impfstoffe, die alle mit einem höheren Sterberisiko assoziiert sind. Das sind vollkommen unterschiedliche Impfstoffe, doch sie haben eine Gemeinsamkeit indem sie – speziell bei Mädchen – das Risiko auf nachfolgende Infekte erhöhen. Das ist vollkommen unnatürlich und dem wollen wir wissenschaftlich weiter nachgehen.

Statt Jubiläum Existenzängste: Das Bandim Health Center

Und wie geht es Ihnen wirtschaftlich? 

Aaby: Finanziell ist die Lage katastrophal. Es wird immer schlechter. Obwohl eine Evaluierung durch internationale Experten unsere wissenschaftliche Arbeit kürzlich mit „exzellent“ beurteilt hat, strich man uns aus seltsamen Gründen die staatliche dänische Förderung. Wir bekommen keine laufende Förderung mehr. Vielleicht gibt es da und dort Einzelprojekte. Doch wir müssen uns beträchtlich verkleinern und einschränken.

Peter Aabys Forschungsarbeit wird ausführlich in Bert Ehgartners neuem Buch "Gute Impfung - Schlechte Impfung" porträtiert, das in diesen Tagen an den Buchhandel ausgeliefert wird. 

Donnerstag, 27. September 2018

Peter Aaby: "Mein Versuch, das Impfprogramm zu reparieren"

Der dänische Wissenschaftler Peter Aaby stellt mit seinen Studien zu den Auswirkungen von Impfungen das bisherige Denkgebäude radikal in Frage. Aaby und sein Team zeigten in zahlreichen Studien, dass Impfungen deutlich mehr machen, als nur vor spezifischen Krankheiten zu schützen. Für viel wichtiger hält er deren unspezifischen Auswirkungen auf das Immunsystem. Und die können in zwei Richtungen gehen: Lebendimpfungen – wie die Masern-, die orale Polio- oder die Tuberkulose-Impfung – trainieren das Immunsystem und stärken die Abwehrkräfte. Impfstoffe mit abgetöteten Erregern – wie die Tetanus-, Diphtherie-, oder Keuchhusten-Impfung – haben hingegen einen negativen Effekt - und können gefährlicher sein, als die Krankheiten vor denen sie schützen sollen.
Peter Aaby kritisiert vehement die Impfpolitik der WHO (Foto: Ehgartner)
Dass in den deutschen Medien über "Eingeimpft" – den aktuellen Dokumentarfilm von David Sieveking – ein Sturm der Entrüstung niederging, lag speziell auch daran, dass Aabys Thesen im Film eine zentrale Rolle spielen. Zwar lassen Sieveking und seine Partnerin Jessica de Rooij ihre Kinder am Ende impfen, aber weit weniger und später als laut deutschem Impfkalender empfohlen. Und - nach dem Rat Aabys - mit einer abschließenden Lebendimpfung, welche negative Effekte der Totimpfstoffe halbwegs reparieren soll. Solche negativen Effekte werden von der WHO und den behördlichen Impfexperten nicht anerkannt. Aaby wirft ihnen Ignoranz vor. 

Auch in meinem aktuellen Buch "Gute Impfung - Schlechte Impfung", das in den nächsten Tagen in den Buchhandel kommt, ist Aabys Forschung ein großes Kapitel gewidmet. Ich verfolge seine wissenschaftliche Arbeit seit fast 20 Jahren und habe Peter Aaby in Guinea-Bissau – in dem von ihm vor 40 Jahren gegründeten "Bandim Health Project" – besucht.

Hier der erste Teil eines Interviews, das ich vor einigen Tagen mit Peter Aaby geführt habe.


Peter Aaby mit der Medizinerin Christine Benn, die das Forschungszentrum leitet (Foto: Ehgartner)

Hat Ihnen der Film "Eingeimpft" von David Sieveking gefallen?
Aaby: Ich habe den Film in Kopenhagen gesehen mit englischen Untertiteln. Er behandelt die Frage, ob man seine Kinder impfen lassen soll, recht ausgewogen und offen in alle Richtungen. Danach gab es eine längere Diskussion mit einer Menge guter Fragen aus dem Publikum. Jemand kritisierte, dass die WHO nicht zu meiner Kritik an deren Impfpolitik gefragt wurde. Doch sie waren schon eingeladen, sie wollten aber nicht Stellung nehmen.
Waren Sie damit zufrieden, dass Davids Kinder am Ende geimpft wurden?
Aaby: Ja, an sich schon. Ich halte es für wichtig, dass die Reihenfolge der Impfungen beachtet wird. Am Ende einer Impfserie sollte stets eine Lebendimpfung gegeben werden.
Kann man Ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den „unspezifischen Effekten“ von Impfungen wirklich auf diesen einen Ratschlag an die Eltern eindampfen: "Zuletzt eine Lebendimpfung geben!"
Aaby: Die inaktivierten Impfstoffe schützen vor Krankheiten, die potenziell gefährlich oder sogar tödlich sein können. Insofern ist es gut, hier einen gewissen Schutz zu haben. Es handelt sich allerdings um schlechte Impfungen und sie können negative Konsequenzen haben, die bei vielen Kindern ernsthafter sind, als nicht geimpft zu sein. Mein Vorschlag, eine Lebendimpfung am Ende zu geben, ist eine Art Versuch, das derzeitige Impfprogramm notdürftig zu reparieren. 
Wenn wir beispielsweise dazu raten würden, die Pertussis-Impfung weg zu lassen, würden wir wahrscheinlich einen Sturm der Empörung auslösen, dass wir schuld sind, wenn unzählige Kinder an Keuchhusten sterben.
Tatsache ist, dass derzeit in einigen Ländern - wie den USA aber auch in Europa - so viele Keuchhusten-Fälle auftreten wie zu Zeiten, als noch gar nicht geimpft wurde. Die Impfung scheint also ohnehin nicht zu funktionieren?
Aaby: Die Pertussis-Impfung war schon immer eine schlechte Impfung. Meine Hoffnung liegt auf einem neuen französischen Impfstoff, der lebende abgeschwächte Keuchhusten-Bakterien enthält. Im Tierversuch hat sich gezeigt, dass er positive unspezifische Effekte hat - und es gibt auch bereits einige Studien am Menschen.
Wie steht es um die anderen Impfstoffe? - Manche sind fast 100 Jahre alt. Wäre es Zeit für eine Evaluierung, was heute noch Sinn macht?
Aaby: Das wäre zweifellos eine gute Idee. Ich kann das aus afrikanischer Perspektive aber schlecht beurteilen. Wir haben meist nicht mal die Möglichkeit, Fälle von Diphtherie eindeutig zu diagnostizieren, falls welche auftreten sollten. Wir wissen nicht, wie relevant diese Krankheit heute ist. Auch bei Tetanus wissen wir das nicht wirklich. Wenn wir aufhören zu impfen, könnten eventuell Krankheiten zurückkommen. Was wir jedoch bräuchten wäre eine breite Evaluierung der spezifischen und unspezifischen Effekte aller derzeit verabreichten Impfungen.
Unterstützt die WHO dieses Vorhaben?
Aaby: Die WHO hat ganz andere Pläne. Sie propagiert derzeit die Erfassung der Kinder im zweiten Lebensjahr um hier zusätzliche Gesundheitsinterventionen zu setzen. In Entwicklungsländern definiert sich die gesundheitliche Hilfe vor allem über die Frage, wie viele Impfungen die Kinder bekommen. Und nun sollen eben im zweiten Lebensjahr zusätzliche Impfungen gegeben werden. Geplant ist etwa eine Booster-Dosis von Diphtherie-Tetanus-Pertussis - und Studien haben gezeigt, dass danach die Sterblichkeit ansteigt, speziell bei den Mädchen. - Und nun wollen sie zusätzlich noch eine Meningitis und die Malaria-Impfung einführen. Ebenfalls inaktivierte Impfstoffe mit negativen Effekten. Das sind gefährliche Pläne. Bei der Malaria-Impfung kommt noch dazu, dass die Impfung wahrscheinlich auch einen negativen Effekt auf die Ausbildung einer natürlichen Immunität hat.
Was ist denn dann gefährlicher, die Malaria Krankheit oder die Malaria Impfung?
Aaby: Die Impfung ist eindeutig gefährlicher. Die Studien zeigten bisher  eine bescheidene Wirksamkeit von rund 50% - doch gleichzeitig eine 10 bis 20% höhere Sterblichkeit in der Impfgruppe. Das war zwar nicht signifikant, doch  – wenn die Impfung vor Malaria schützt – sollte man eigentlich annehmen, dass der Trend in die andere Richtung geht und das Sterberisiko sinkt. 
Wir wollten die Daten für beide Geschlechter haben, weil wir wissen, dass Mädchen von den unspezifischen Effekten auf das Immunsystem stärker betroffen sind. Doch wir bekamen sie nicht. Schließlich hat uns doch jemand diese Daten zugespielt. Und wir sahen, dass die Mädchen danach ein doppelt so hohes Sterberisiko hatten. Derzeit laufen neue Studien in Malawi, Kenia und Ghana.
Was denken Sie, ist die biologische Basis dieser unspezifischen Effekte: handelt es sich um immunologische Abläufe, hormonelle Einflüsse oder ist das eine Reaktion auf problematische Zusätze wie die Aluminium-haltigen Wirkverstärker?
Aaby: Ich denke, dass es sich dabei um eine immunologische Reaktion handelt. Das Immunsystem ist ein lernendes System, es speichert Informationen über die gemachten Erfahrungen - und daraus entwickeln sich immunologische Muster für künftige Infekte. 
Einen konkreten Hinweis liefert eine aktuelle holländische Studie mit Medizinstudenten, die für einen Afrika-Aufenthalt eine Gelbfieber-Impfung brauchten. Das ist eine Impfung, die lebende Viren enthält. Ein Teil der Studenten bekam davor die BCG-Impfung gegen Tuberkulose, ebenfalls eine Lebendimpfung mit Bakterien. Es zeigte sich, dass die BCG-Impfung die Art wie das Immunsystem auf den nachfolgenden Kontakt mit den Gelbfieber-Viren reagiert, verändert. Das Immunsystem wurde aktiviert, die gemessene virale Ladung war signifikant geringer.  Hier zeigt sich der grundlegenden Mechanismus der unspezifischen Effekte. 
Bei Lebendimpfungen hat es das Immunsystem mit normalen Viren oder Bakterien zu tun. Bei inaktivierten Impfstoffen wird die Reaktion erzwungen über die Provokation mit chemischen Substanzen, die eine Art Schockreaktion auslösen. Das ist ein gewaltiger Unterschied.
Aaby: Ja, in der Tat. Eine holländische Gruppe hat kürzlich am Beispiel von drei Impfungen gezeigt, dass inaktivierte Impfstoffe das Immunsystem zu einer Art falscher Toleranz verleiten und rasche Reaktionen des angeborenen Immunsystems abschwächen. Adjuvantien auf Basis von Aluminium oder anderer Verbindungen sind wahrscheinlich Teil dieses Prozesses. Dadurch dass es sich nicht um lebende Organismen handelt, induzieren sie wahrscheinlich eine gänzlich andere Vermittlung von Immungedächtnis. Diese Impfungen mögen vor den spezifischen Krankheiten schützen, aber sie schwächen die Abwehrkraft gegen andere nachfolgende Infekte.
Welchen Abstand empfehlen Sie nach der letzten inaktivierten Impfung zur abschließenden Lebendimpfung?
Aaby: Normalerweise wird ein Mindestabstand von vier Wochen empfohlen. Ich denke, dass sechs oder acht Wochen besser wären, weil dann die Masernimpfung ihr volles Potenzial entfalten kann.
Oft hört man das Argument, dass Ihre Resultate in Afrika unter gänzlich anderen Bedingungen erzielt wurden - und nicht auf Europa übertragbar sind.
Aaby: Natürlich sind die Effekte in Afrika stärker, weil dort die Kinder sterben. In Europa können die meisten dieser fatalen tropischen Krankheiten – z.B. Durchfall oder Lungenentzündung – adäquat medizinisch behandelt werden. Wir haben jedoch gezeigt, dass nahezu alle Beobachtungen, die wir in Afrika gemacht haben, in den Einkommens starken Ländern ebenso gelten. Wir zeigten in Dänemark, dass die MMR Impfung das Risiko einer Einweisung ins Krankenhaus wegen einem Atemwegsinfekt signifikant reduziert. Das ist ein klarer unspezifischer Benefit. Die US-Behörde CDC hat kürzlich unsere These ebenfalls getestet und der Effekt in den USA ist sogar noch deutlich stärker: Nach einer Lebendvirus Impfung hatten die Kinder nur ein halb so hohes Risiko auf eine Krankenhaus-Einweisung als nach einer inaktivierten Impfung. Ähnliche Resultate gibt es aus Italien und Holland.
Der dänische Anthropologe Peter Aaby, 73, gründete vor 40 Jahren das "Bandim Health Center" in Guinea Bissau in Westafrika. Er veröffentlichte mit seinem Team Hunderte von Studien zu den Lebensbedingungen in einem Hochrisikoland. Er arbeitet in Kooperation mit dem Statens Serum Institut in Kopenhagen.
Peter Aaby (l.) im Gespräch mit Bert Ehgartner (Foto: Georg Brodegger)

In Teil 2 des Interviews erklärt Peter Aaby seine Haltung zur Impfpflicht und bietet eine Wette an: 
Demnächst hier im Blog. 
Bert Ehgartners Buch "Gute Impfung - Schlechte Impfung" erscheint im Verlag Ennsthaler und wird am 1. Oktober an den Buchhandel ausgeliefert. Es hat 420 Seiten und kostet 24,90 €.