Freitag, 4. Mai 2018

Impfzentrale Schilda meldet: "Alles okidoki!"

"Viel Impfen schadet dem Immunsystem nicht", freut sich die Ärztezeitung in ihrer heutigen Ausgabe. Wer sich die im Journal der US-Ärztegesellschaft (JAMA) publizierte Studie ansieht, auf der dieser Artikel basiert, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Offenbar hat sich im Impfwesen nach und nach eine Logik der Selbstbestätigung etabliert, die jener der Schildbürger immer ähnlicher wird. Dafür haben sich die Wissenschaftler ein Design ausgedacht, das absolut wasserdicht gegen unerwünschte Resultate ist. 

Antigene sitzen an der Oberfläche von Keimen - sie lösen Immunreaktionen aus


Eine große US-Versicherung wollte im Verbund mit der US-Behörde CDC untersuchen, ob viel geimpfte Kinder anfälliger gegen Infekte sind als wenig geimpfte. Anlass für die Studie waren öffentlich geäußerte Sorgen über das intensive Impfprogramm. Während der letzten dreißig Jahre ist die Anzahl der empfohlenen Baby-Impfungen in den USA von drei auf zehn angestiegen. Mit den für die Grundimmunisierung notwendigen Dosen kommen US-amerikanische Kinder damit auf dreißig oder mehr Einzelimpfungen. Damit sollen 14 Krankheiten verhindert werden. 
Die Autoren schreiben: "Manche Eltern glauben, dass die Vielzahl der früh gegebenen Impfungen das Immunsystem der Babys überfordern könnte und diese häufiger krank sind." Immerhin 10 bis 15 Prozent der Eltern, so die Studienautoren, verschleppen deshalb den Impfbeginn oder weichen überhaupt auf individuelle Impfpläne aus. 

Die Studie war offenbar dafür gedacht, diesen bösen Verdacht zu prüfen und zu widerlegen. 

Und das ging so: 
  • Die Studienautoren nahmen rund 580.000 Datensätze aus ihrer Datenbank, Kinder mit Geburtsjahr zwischen 2003-2013. Erste Bedingung war, dass die Kinder in ein öffentliches Gesundheits-Programm eingeschlossen waren. 
  • Aus dieser Grundgesamtheit wurden 84.349 Kinder ausgeschlossen - und zwar jene, die zu wenig zum Arzt gingen und jene, die ungewöhnliche Impfungen erhalten hatten.
  • Aus der verbliebenen Studiengruppe wurden per Zufall 385 Fälle ausgewählt. Ihre Krankenakten wurden näher untersucht. Übrig blieben 193 Fälle, die wegen nicht-impfbarer Infekte in der Notfall-Ambulanz eines Krankenhauses gelandet waren. Sie bildete die Studiengruppe.
  • Ihr wurde eine Kontrollgruppe von 751 gleichaltrigen Kindern zugelost
Es wurden also zwei Gruppen mit sehr ähnlichem Hintergrund gebildet - zu viel, zu wenig oder ungewöhnlich geimpfte Kinder wurden ausgeschlossen.


Seltsamer Vergleich

Als Maß für die Menge an Impfungen, welche die Kinder erhalten hatten, wurde nicht die Anzahl der erhaltenen Impfungen genommen. Das wäre offenbar zu logisch gewesen.
Es wurde auch nicht die Menge der problematischen Zusatzstoffe genommen (z.B. die Menge der aluminiumhaltigen Wirkverstärker). Auch dies wurde nicht als nötig oder sinnvoll betrachtet.

Stattdessen wurde die Summe der verschiedenartigen Antigene berechnet, welche die Kinder im Lauf ihrer Impfungen erhalten hatten.

Als Antigene werden jene Teile von Fremdkörpern bezeichnet, die eine immunologische Reaktion auslösen. Meist handelt es sich dabei um Proteine, Kohlenhydrate oder Lipide welche an der Oberfläche von Viren oder Bakterien sitzen. Das heißt aber nun überhaupt nicht, dass diese Antigene toxisch sind oder von ihnen eine besondere Gefahr ausgeht. Es heißt nur, dass sie von Zellen des Immunsystems bzw. den Antikörpern erkannt werden. Antigene sind die Wirkstoffe der Impfung - ohne Antigene keine spezifische Immunreaktion.

Die verschiedenen Impfungen enthalten eine vollständig unterschiedliche Anzahl von Antigenen. Die Hepatitis B Impfung beispielsweise nur ein einziges: Das Hepatitis B Oberflächenantigen.
Die Hib Impfung enthält zwei Antigene, die Dreier-Kombi gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten je nach Präparat vier bis sechs Antigene. 
Lebendimpfstoffe hingegen enthalten deutlich mehr Antigene. Mit der Rotavirus Schluckimpfung nehmen die Babys 16, mit der MMR-Impfung 24 Antigene auf. Spitzenreiter ist die Windpocken-Impfung. Sie bringt es auf 69 Antigene.
Eine Windpocken-Impfung zählt in der Logik der Studienautoren demnach so viel wie 69 Hepatitis-B Impfungen. 


Keine Unterschiede

Nach ihrer Vorauswahl der nach Plan geimpften Kinder stellten die Studienautoren fest, dass die Gruppe der Kinder, die wegen Infekten im Krankenhaus gelandet war, sich kaum von der Kontrollgruppe unterschied. Beide Gruppen hatten etwa gleich viele Antigene erhalten. Und beide Gruppen hatten ein gleich großes Risiko auf Infekte.
Auch wenn man jenes Zehntel der Impflinge, die am wenigsten Antigene erhalten hatte mit dem Zehntel mit den meisten Antigenen verglich, gab es keine signifikanten Unterschiede.
Daraus schlossen die Autoren, dass die Anzahl der Antigene keinen schädlichen Einfluss auf das Immunsystem hat. Und daraus leiten wiederum die Fachjournalisten der Ärztezeitung die oben erwähnte beruhigende Aussage ab, dass "viel Impfen dem Immunsystem nicht schadet".


Was sagt die Studie wirklich aus?

Peter Leiner, der Autor des Artikels in der Ärztezeitung ergänzte seinen Artikel mit einem Kommentar, in der er die Studie als "Argument fürs Impfen" bezeichnete. "Immer noch befürchten einige Eltern, dass Mehrfachimpfstoffe oder ganz allgemein viele Impfungen dem Immunsystem ihres Kindes schaden könnten", erklärt er. "Dass dem nicht so ist, bestätigt jetzt eine große US-Studie: Darin wurde die Anzahl nicht-impfpräventabler Infektionen bei viel geimpften Kindern und bei wenig oder gar nicht geimpften Kindern miteinander verglichen."
Das Ergebnis ließe sich zweifellos auch auf Deutschland übertragen, schrieb Leiner und schloss seinen Kommentar mit der Forderung, es "sollte noch mehr getan werden, um Eltern versichern zu können, dass auch Mehrfachimpfungen sicher sind."

Spätestens mit diesem Kommentar wird deutlich, dass Leiner die Studie gar nicht verstanden hat und offenbar meint, dass eine Mehrfach-Impfung mehr Antigene enthält als eine Einzelimpfung und die Anzahl der Antigene eine Messlatte für die Anzahl der Impfungen ist. 

Die korrekte Interpretation der Studie hätte gelautet: "Wenn man stark geimpfte Kinder nach einem vollkommen absurden Mess-System mit anderen stark geimpften Kindern vergleicht, erkennt man wenig Unterschiede."



Mittwoch, 14. März 2018

Fieber macht Sinn

Wer fiebert braucht Bettruhe, fühlt sich abgeschlagen, erschöpft und „richtig krank“. Dennoch ist das Fieber selbst keine Krankheit. Ganz im Gegenteil. Fieber wird vom Organismus im Rahmen des Heilungsprozesses eingesetzt, um dem eigenen Immunsystem die besten Arbeitsbedingungen zu schaffen. Dessen ungeachtet lebt eine ganze Industrie davon, Fieber zu senken. Mit teils gravierenden Folgen für die Gesundheit.



„Mütter nehmen sich nicht frei“, heißt es in der TV-Werbung für Wick – DayMed. Und statt sich mit Schüttelfrost und Gliederschmerzen ins Bett zu legen, sieht man die spontan genesene Mama, wie sie fröhlich mit ihrer Tochter einen Schneemann baut. Aspirin Complex wirbt mit 94% zufriedenen Kunden, Grippostad C mit gleich vier Wirkstoffen. Und überall wird suggeriert, dass die Medikamente das Fieber anstandslos beseitigen – und damit die Heilung beschleunigt wird. Tatsächlich stehen zahlreiche Medikamente zu Verfügung, mit denen sich die erhöhte Körpertemperatur rasch wieder auf ein normales Niveau bringen lässt. So wirft man schnell ein Thomapyrin oder Fibrex ein oder gibt dem Kleinkind ein Nurofen-Zäpfchen. Die Frage ist bloß, ob das auch tatsächlich eine gute Idee ist.

Auch bei gesunden Menschen schwankt die Körpertemperatur teils beträchtlich – meist im Bereich zwischen 35,8 und 37,2 Grad. Allein die Stelle, wo gemessen wird, kann einen Unterschied von rund einem Grad ausmachen. Am niedrigsten sind die Werte unter der Achsel, etwas höher bei oraler und deutlich höher bei rektaler Messung. Auch der Zeitpunkt spielt eine Rolle. Am frühen Morgen kann die Temperatur um ein Grad unter den Messwerten des Abends liegen, ohne dass eine Krankheit vorliegt. Gutes Essen treibt die Körperwärme ebenso in die Höhe wie bei Frauen der Eisprung. Doch ohne Vorliegen einer Krankheit ist spätestens bei 38 Grad (rektal gemessen) Schluss – und erst darüber spricht man von Fieber.


Das Immunsystem verschafft sich bessere Arbeitbedingungen

Fieber ist nicht selbst die Krankheit, sondern ein Symptom, eine Reaktion auf interne Abläufe im Organismus: Den konkreten Anlass geben Aktivitäten des Immunsystems, die auf äußere Einflüsse – etwa eine Infektion mit Viren oder Bakterien, oder interne Signale auf Krankheitsherde reagieren.

Im Zuge der Heilungsreaktion wird unter anderem die Bildung von Prostaglandinen angekurbelt. Prostaglandine sind hormonelle Wirkstoffe und erfüllen im Organismus zahlreiche lebensnotwendige Aufgaben – unter anderem fungieren sie auch als Botenstoffe. Sie vermitteln dem im Zwischenhirn angesiedelten Hypothalamus, der als „Thermostat unseres Körpers“ fungiert, dass eine Erhöhung der Temperatur notwendig ist. Dadurch werden die Arbeitsbedingungen des Immunsystems in wesentlichen Bereichen verbessert. Fieber steigert die Tätigkeit des Abwehrsystems, indem es die Ausschüttung verschiedener Botenstoffe und Hormone forciert, die am Immungeschehen beteiligt sind. Dieser Prozess ist hochkomplex, im Detail noch nicht gänzlich erforscht. Dass Fieber auch Bakterien und Viren abtötet ist jedoch falsch.

Die Wirkung des Fiebers auf Mikroorganismen ist eine indirekte und basiert auf der Aktivierung des Immunsystems. Der Hitze selbst halten die meisten Keime dagegen problemlos stand.

Dass gerade eine Heilung im Gange ist, bemerken die Betroffenen nicht. Im Gegenteil: Fiebern ist anstrengend, denn das Aufheizen des Organismus verbraucht eine Menge Energie. Die Herzfrequenz steigt, die Durchblutung in der Haut erhöht sich und der Organismus gerät kräftig ins Schwitzen. Ein schweres Krankheitsgefühl setzt ein. Nebenher verstärken die dabei involvierten Nerven das Schwäche- und Schmerzempfinden. Das stärkt natürlich den Wunsch, dass die Krise mit medikamentöser Hilfe rasch wieder vorbei geht.

Doch diese heftige Reaktion macht schon Sinn. Dabei handelt es sich um eine im Lauf der Evolution eingeführte Rückkoppelung, welche dazu führt, dass kranke Lebewesen mit akuter Entzündung sich zurückziehen und ruhen, damit dem Heilungsverlauf nicht unnötig Energie entzogen wird.


Fiebersenker stören interne Kommunikation

Interessant ist nun die Wirkungsweise der Fiebersenker. Fiebersenker und Schmerzmittel aus der Klasse der nicht-steroidalen Entzündungshemmer wie Acetylsalicylsäure (Aspirin), Ibuprofen oder Diclofenac greifen in diesen wichtigen Reparaturmechanismus ein. Die Medikamente stören für einige Stunden die Herstellung aller Prostaglandine, nicht nur jener die für die als negativ empfundenen Symptome zuständig sind. Dadurch ergibt sich das Risiko zahlreicher Nebenwirkungen, speziell bei Überdosierung oder chronischem Missbrauch.

Interessante Resultate brachte auch eine im Oktober 2017 veröffentlichte Studie, die in der Notfall-Ambulanz der Kinderklinik Philadelphia durchgeführt wurde. Eingeschlossen waren etwas mehr als 22.000 Patienten mit nicht ernsthaftem Fieber. Etwas mehr als die Hälfte der Kinder erhielt – bei ansonsten weitgehend gleichem Krankheitsbild – fiebersenkende Mittel, entweder Paracetamol (38%), Ibuprofen (19%) oder beides. Die andere Hälfte erhielt keine Fiebersenker.

Unterschiede im Behandlungsablauf wie Röntgenaufnahmen und ähnliches wurden in der Auswertung berücksichtigt. Auch auf Alter, Antibiotika, etc. wurde kontrolliert, so dass in den Resultaten möglichst der pure Effekt der Fiebersenkung übrigblieb. Und der war enorm:

Kinder, deren Fieber gesenkt wurde, hatten einen signifikant längeren Aufenthalt in der Klinik. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie mehr als zwei Stunden bleiben mussten, lag beim Doppelten der unbehandelten Kinder. Den mit Abstand längsten Aufenthalt hatten jene Kinder, die beide Medikamente bekamen.

Fiebersenker sind jene Medikamente, die in Kinderkliniken am raschesten gegeben werden. Im Schnitt dauert es 54 Minuten von der Aufnahme bis zur Verabreichung des ersten Fiebersenkers. Wenn die Kinder unter Schmerzen leiden, aber keine erhöhte Temperatur haben, müssen sie hingegen deutlich länger – nämlich durchschnittlich 83 Minuten – warten, bis sie ein Medikament bekommen. „Dass Fieber so deutlich rascher behandelt wird als Schmerz hat mit den vorherrschenden Meinungen der Ärzte zu tun, dass es sich bei Fieber um das deutlich ernsthaftere Symptom handelt“, erklären die Studienautoren und fügen hinzu: „Medizinisch ist dieses Vorgehen unbegründet.“

Wenn schon Fiebersenker, so die aktuellen medizinischen Leitlinien zum Fieber-Management, so sollten diese oral gegeben werden. Bei der rektalen Gabe kommt es häufiger zur Überdosierung. Verschiedene Wirkstoffe sollten nicht kombiniert werden. Gänzlich verworfen wird die Praxis mancher Ärzte, den Eltern nach einem Impftermin Fiebersenker vorsorglich mitzugeben. Diese sind, wie zahlreiche Studien belegen, auch ungeeignet, um Fieberkrämpfen vorzubeugen.

Siegeszug von Paracetamol

In den 1960er Jahren berichtete der australische Mediziner Ralph D.K. Reye über Kinder, die nach der Gabe von Aspirin eine akute Schädigung von Gehirn und Leber erlitten haben.

Diese Problematik ging als „Reye Syndrom“ in die Medizinliteratur ein. Die Zusammenhänge wurden nie wirklich im Detail aufgeklärt und auch über die Häufigkeit des Auftretens dieses Syndroms herrscht Unklarheit. In Deutschland gab es während der letzten Jahrzehnte nur eine Handvoll gesicherter Fälle. Dennoch führten diese Warnungen dazu, dass bei Kindern massiv von der Gabe von Aspirin abgeraten wurde. Speziell im angloamerikanischen Raum wird bis heute vorwiegend Paracetamol verwendet.

Anders als Aspirin oder Ibuprofen wirkt Paracetamol nicht über die Hemmung der Prostaglandine, sondern über direkte Zugänge zu Gehirn und Rückenmark. Wie das jedoch im Detail abläuft, ist bis heute nicht bekannt. Länder mit dem höchsten Verbrauch von Paracetamol wie Australien, die USA oder Großbritannien führen auch die internationalen Rankings bei der Häufigkeit von Asthma, Neurodermitis und Heuschnupfen an. Daraus entstand die Frage, ob möglicherweise Paracetamol hier beteiligt sein könnte.

Allergien und Asthma

Zahlreiche Studien zeigten, dass Kinder, die im ersten Lebensjahr Fiebersenker erhalten, später ein deutlich höheres Allergie-Risiko haben. Die Frage, ob der Einsatz der Fiebersenker ein unmittelbarer Auslöser von Asthma sein könnte, wird kontrovers diskutiert. Während große epidemiologische Arbeiten einen Zusammenhang nahelegen, warnen andere Wissenschaftler vor möglichen Fehlschlüssen. Joanne E. Sordillo, Medizineren in der Harvard Medical School in Boston, präsentierte dazu kürzlich eine Arbeit, in der 1490 Mütter mit ihren Kindern sowohl während der Schwangerschaft als auch während des ersten Lebensjahres auf die Verwendung von Fiebersenkern kontrolliert wurden. Wie weit verbreitet die Anwendung ist, zeigen die Resultate: Nur 30% der Frauen gaben an, dass sie während der Schwangerschaft niemals Paracetamol eingenommen haben. Während des ersten Lebensjahres des Kindes waren es sogar nur 4,5%.

Kinder die besonders häufig Fiebersenker bekamen, hatten ein um ein Drittel höheres Asthmarisiko. „Möglicherweise kommt das Asthma aber auch von den Infekten und nicht von den Medikamenten“, erklärt Studienautorin Sordillo. Gegen diese These spricht allerdings, dass die Kinder von Frauen, die während der ersten Phase der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen haben, später ebenfalls ein um ein Drittel höheres Asthmarisiko hatten – unabhängig von jeglichen Infekten beim Kind.


Wer fiebert wird schneller gesund

Dass Fieber selbst lebensgefährlich wird – und speziell ab 41 Grad unmittelbar zum Tod führt, ist ein hartnäckig verbreitetes Märchen. Fieber ist selbst limitierend. Wenn es zu hoch steigt, setzt eine Gegenregulation ein.

Richtig ist hingegen: Wer fiebert wird schneller und nachhaltiger gesund. Die Gesamtüberlebenschance einer Infektion ist bei Fieber deutlich erhöht. Schwerkranke Menschen, die nicht fiebern, haben demnach nicht nur einen verlangsamten Heilungsprozess, sondern auch eine deutlich schlechtere Prognose.

Dieser Effekt wird von manchen Krebstherapeuten eingesetzt, indem Fieber mit Hilfe der Injektion bakterieller Toxine aktiv erzeugt wird. Hohes Fieber kann das Immunsystem zu einer besseren Krebsabwehr stimulieren. Doch obwohl diese Tatsache unstrittig ist, wird der Ansatz in der Onkologie nach wie vor zu wenig erforscht. Zu stark scheint die Abneigung Fieber therapeutisch einzusetzen. Dabei wäre das nichts anderes als ein Nachahmen erfolgreicher Heilungstaktiken der Natur.

Bei diesem Artikel handelt es sich um die leicht gekürzte Version eines Berichts der in der März -Ausgabe der Zeitschrift "Naturarzt" erschienen ist. 

Freitag, 23. Februar 2018

Orientierung für ein glückliches Alter



So jung bin ich auch nicht mehr. Und nach all den medizinkritischen Filmen und Büchern dachte ich, es wäre mal an der Zeit für ein ausschließlich konstruktives Werk, das folgenden Fragen nach geht: Wie kann man über den persönlichen Lebensstil die besten Voraussetzungen für die zweite Lebenshälfte schaffen? Welche Antworten finden sich dazu in den zahlreichen Langzeitstudien, die bisher durchgeführt wurden? Ich habe aus dieser Motivation heraus ein - wie ich hoffe - ebenso spannendes wie brauchbares Buch geschrieben: Für mich selbst - und natürlich für alle interessierten Leser. Kürzlich ist "Der Methusalem-Code" erschienen. 


Was sind die wichtigsten Zutaten für ein langes glückliches Leben? Auf der Suche nach Antworten habe ich hunderte von wissenschaftlichen Studien durchforstet. Sicherlich ist es schwierig, die Menschen zu normieren und über einen Kamm zu scheren. Medikamente, die bei der Mehrzahl der Patienten nichts nützen oder sogar schaden, können bei dem einen oder anderen durchaus helfen. Es ist nicht möglich Regeln aufzustellen, die für wirklich alle Menschen zutreffen. Und möglicherweise gilt das sogar bei so unbestritten schädlichen Dingen wie dem Rauchen. Kennt nicht jeder – zumindest vom Hörensagen – eine putzmuntere Achtzigjährige, die noch immer „ihr“ Päckchen pro Tag raucht? Oder einen schlohweißen Bergfex, der den Wanderern entgegen lächelt mit der Pfeife in der Zahnlücke, den Vollbart tabakgefärbt, und der urig erklärt: „A G’söchts hoit si länga!" ("Geräuchertes hält länger!"). Ab und zu wird auch jemand beim Joggen von einem Auto erfasst und überfahren. An der grundsätzlichen Wahrheit, dass Rauchen schädlich und Bewegung gesund ist, ändert dies jedoch nichts.

Und so ist es sehr wohl möglich, jene Voraussetzungen zu bestimmen, die 99 Prozent der Menschen nützen. Angenehmer weise sind diese breit gültigen Richtlinien gar nicht so zahlreich und es ist möglich, hier einen Überblick zu gewinnen.

Das Kernthema des "Methusalem-Code" bildet die Erforschung von Glück und Gesundheit in der zweiten Lebenshälfte. Demgemäß ist es besonders interessant, Studien zu Rate zu ziehen, die sich den wahren Experten dieser Frage widmen: nämlich den Menschen, die es geschafft haben, glücklich und gesund alt zu werden. Es gibt mittlerweile weltweit eine ganze Reihe von aussagekräftigen Langzeit-Studien, die Personengruppen seit Jahrzehnten wissenschaftlich begleiten.

Mit Hilfe dieser Fülle von Daten bin ich nun folgenden Fragen nachgegangen:
  • Was unterscheidet jene Menschen, die früh sterben oder chronisch krank werden, von jenen, die glücklich alt werden und eine hohe Lebensqualität genießen? 
  • Wie unterscheidet sich – wenn man in der Datenbank zwanzig, dreißig Jahre zurückgeht – der Lebensstil der Glücklichen von dem der Unglücklichen, die im Alter krank und gebrechlich sind? 
  • Welche Faktoren sind es, die hier bereits im mittleren Lebensalter die Weichen in diese oder jene Richtung stellen?
Forscher, die außergewöhnlich alte Menschen untersuchten, fanden heraus, dass fast alle Hundertjährigen in eine von drei Gruppen passen: Etwa jeder fünfte der Greise gehört zu den „Entwischten“. Das sind jene Glücklichen, die noch nie eine der alterstypischen Erscheinungen oder chronischen Krankheiten hatten. Bei Ihnen hat Gott oder das Schicksal bei der Zusammenstellung der genetischen Grundausstattung scheinbar eine Doppelsechs gewürfelt.

Vier von zehn gehören zu den „Verspäteten“, wo die Alters-Wehwehchen erst mit 85 Jahren langsam angefangen haben. Der Rest gehört zur Gruppe der „Überlebenden“, die bereits Krebs, Herzinfarkt oder eine andere schwere Lebenskrise mitgemacht und überstanden haben.
Aus den genaueren Befragungen ergibt sich schließlich, dass beinahe die Hälfte dieser Hundertjährigen gar kein besonders gesundes Leben geführt haben. Ihr Geheimnis ist eine robuste Natur. Die andere Hälfte jedoch hat irgendwann den Beschluss gefasst, gesund alt zu werden und auch etwas dafür zu tun.

Es wurde auf dieser Welt bereits so vieles gedacht, so vieles ausprobiert. So viele Irrwege sind begangen, so viele geniale Gedanken ersonnen worden. Wir müssen nicht alle Fehler selbst machen. Wir können die richtigen Schlüsse ziehen. Und wir können uns dabei helfen lassen.

Zum Einstieg in die Thematik eignet sich am besten der "Methusalem-Test". Er dauert ungefähr zehn Minuten und liefert Ihnen ein personalisiertes Feedback zu 15 Lebensstil-Bereichen, inklusive der Einschätzung, wie viel Prozent ihres persönlichen Potenzials Sie derzeit ausschöpfen und wie alt Sie werden. Natürlich ist nichts davon fix. Alles ist veränderbar - und im Buch gibt es zahlreiche Tipps von denen doch viele überraschend und unerwartet sind. 

Mittwoch, 21. Februar 2018

Bingo-Offensive gegen Impf-Deppen

Nach wie vor findet beim Thema Impfen keine ernsthafte wissenschaftliche Diskussion statt. Während in nahezu allen anderen Bereichen der Medizin Nutzen, Schaden und mögliche Verbesserungen von Arzneimitteln und Therapien offen besprochen werden und es einen lebhaften Austausch von Argumenten gibt, werden Kritiker von Impfungen entweder als geistige Simpel dargestellt, die Verschwörungsfreaks auf den Leim gegangen sind, oder als präsenile Dummköpfe, denen der großartige Nutzen der Impfungen wegen ihres abgestürzten IQ-Wertes verborgen bleibt.  

Kürzlich postete das Deutsche Gesundheitsministerium auf seiner facebook-Seite folgende Nachricht:
"Machen Sie mit bei unserem Bullshitbingo! Suchen Sie in den Kommentaren nach diesen Falschaussagen. Der oder die Erste, die drei Falschaussagen in einer Reihe findet, bekommt von uns ein gratis Katzenbild."
Illustriert war diese neckische Mitteilung so:


Das ging auch vielen durchaus positiv zum Impfen eingestellten Menschen zu weit. "Ist das wirklich der richtige Weg, um Impfskeptiker einzufangen?", gab eine Userin namens Betz zu bedenken. "Diese Art des Lächerlichmachens verhärtet doch eher die Fronten."
Die Facebook-Beamten des Bundesministeriums konterten diesem Einwand folgendermaßen: Es brauche auch massentaugliche Maßnahmen, um die Aufmerksamkeit auf wichtige Themen zu lenken. Und das sei zweifellos gelungen: "Mit diesem Beitrag haben wir bereits in den ersten Stunden 300.000 Menschen erreicht, 3.500 Likes und Kommentare, 900 Menschen haben das Posting geteilt. Sie können sicher sein, dass wir auch in Zukunft mit viel Seriosität über wichtige Themen informieren werden." - Soweit also das Bundesministerium.

Sehen wir uns dazu kurz einige der als "Bullshit" deklarierten Bingo-Kästchen mit den Falschaussagen an:

"IN IMPFUNGEN IST QUECKSILBER"

Quecksilber-Verbindungen als Konservierungsmittel wurden Impfstoffen seit den 1930er Jahren zugesetzt, nachdem in den USA bei einer Schulimpfung Kinder an bakteriell verseuchten Impfungen gestorben waren.
Zur Jahrtausendwende verkündeten die internationalen Gesundheitsbehörden, dass nun die Quecksilber-Zusätze aus Impfstoffen entfernt werden. Als Grund wurde angegeben, dass die Kühltechnologie heute bereits so weit verbreitet ist, dass die Impfstoffe normalerweise auch ohne toxische Zusätze nicht verderben. Zumal die früher verwendeten Massen-Gebinde - wo eine ganze Schulklasse aus einem einzigen Behälter, oftmals mit einer einzigen Injektionsnadel, geimpft wurde - längst der Vergangenheit angehören und heute Einwegspritzen verwendet werden.
Schön, dass dies nach so vielen Jahrzehnten erkannt wurde.
Doch sind nun alle Impfungen quecksilberfrei, wie das Ministerium suggeriert? - Keineswegs!
Nach wie vor werden Influenza-Impfstoffe made in USA mit Quecksilber konserviert, ebenso viele Impfstoffen, die in Entwicklungsländern eingesetzt werden. Und in Europa erlebten Quecksilber-Impfstoffe während der Schweinegrippe-Pandemie von 2009/10 ein Comeback.
Die Aussage, dass "in Impfungen Quecksilber ist", generell als "Bullshit" zu klassifizieren, ist demnach selbst "Bullshit".


"IMPFUNGEN FÖRDERN ALLERGIEN"

Ob Impfungen Allergien oder auch Autoimmun-Erkrankungen fördern - und aus welchen Gründen - wäre ein lohnendes Thema für einen breiten wissenschaftlichen Diskurs.
Tatsache ist, dass die gemeinsame Ursache dieser Krankheiten stets in einer Fehlfunktion des Immunsystems begründet ist. Und nachdem Impfungen - wie keine andere medizinische Intervention - massiv ins Immunsystem eingreifen, ist es selbstverständlich notwendig, alle Zweifel mit äußerster Sorgfalt zu prüfen.
Auf aktuellen internationalen Konferenzen zu Allergien und Autoimmun-Erkrankungen wird demnach immer häufiger das Impfen als möglicher Auslöser diskutiert. Genauer gesagt ein bestimmter Zusatzstoff, die so genannten Adjuvantien („Hilfsstoffe“). Meist handelt es sich dabei um Aluminium-Verbindungen.
Alu-Verbindungen werden Impfstoffen beigemischt, um das Immunsystem aggressiver zu machen, die Immunreaktion zu fördern und damit die Wirksamkeit der Impfung zu verstärken. „Leider gibt es verschiedene Gruppen von Menschen, die auf Grund ihrer Erbanlagen für eine überschießende Immunreaktion anfällig sind“, erklärt Yehuda Shoenfeld, Experte für Autoimmun-Krankheiten der Universität Tel Aviv. „Diese Personen müssen wir identifizieren, weil bei ihnen Aluminium-haltige Impfstoffe großen Schaden anrichten können.“
Doch zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass Impfungen auch in der Normalbevölkerung allergische Reaktionen auslösen können. In einer 2016 publizierten Arbeit aus Australien mit mehr als 4.400 Teilnehmern wurden Babys verglichen, bei denen der Start der Impfserie - z.B. wegen eines Infektes - um ein Monat nach hinten verschoben wurde. Im Vergleich zu den pünktlich geimpften Babys hatten die später geimpften ein um 43 Prozent reduziertes Risiko für allergische Hautausschläge. "Timing of routine infant immunizations may affect susceptibility to allergic disease", fassen die Autoren ihre Resultate zusammen. ("Der Zeitpunkt, wann die Babys ihre Routine-Impfungen erhalten, kann ihre Anfälligkeit für Allergien beeinflussen.")
Ähnliche Resultate brachte eine kanadische Studie mit mehr als 11.000 Teilnehmern in Bezug auf Asthma. Babys, deren erste Impfung um mindestens zwei Monate nach hinten verschoben wurde, hatten im Volksschulalter nur ein halb so hohes Asthma-Risiko. Wurden alle drei Impftermine nach hinten verschoben, reduzierte sich das Asthma-Risiko sogar um 61 Prozent. "The mechanism for this phenomenon requires further research", lautet die Schlussfolgerung der Autoren. ("Der Wirkmechanismus hinter diesem Phänomen erfordert weitere Unterschungen.")
Es gibt also genügend Forschungsbedarf. Kritik von vornherein als Bullshit abzuqualifizieren ist fahrlässig.

Die Aussage, dass mit Impfungen nur die "FARMERMAFIA" verdient, ist  ein doppelter Gag, impliziert sie doch, dass Impfskeptiker zu dumm sind, um den Bauernstand von der Pharmaindustrie zu unterscheiden. Sehr lustig!

Dass bestimmte Impfungen imstande sind, die natürlichen ABWEHRKRÄFTE ZU SCHWÄCHEN, kommt ebenso vor wie das Gegenteil: Bestimmte Impfungen (Masern- und andere Lebendimpfungen) stärken die natürlichen Abwehrkräfte, andere  Impfungen (inaktivierte Impfstoffe) scheinen sie zu schwächen. Dieses Phänomen wird unter dem Oberbegriff der "Nonspecific Effects of Vaccinations" auf zahlreichen Konferenzen debattiert. Siehe hier eine Übersicht zu diesen neuen Forschungsergebnissen und hier einen Bericht der NZZ. Offenbar haben die Mitarbeiter des Ministeriums davon noch nichts gehört.

Dass es zur Frage ob IMPFUNGEN AUTISMUS VERURSACHEN ebenfalls zahlreiche offene Fragen und einen gewaltigen Forschungsbedarf gibt, habe ich in diesem Artikel beschrieben.

Man kann den ministeriellen Bingospielern demnach getrost raten, dass sie bei ihrer Einschätzung, was genau nun "Bullshit" ist und was nicht, etwas vorsichtiger sein sollten. Denn gerade im Bereich der Medizin hat sich vieles, was in der Vergangenheit als gesichertes Wissen angesehen wurde, einige Jahrzehnte später als schrecklicher Irrtum erwiesen. Und viele der heute verabreichten Impfungen werden noch immer nach Rezepten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hergestellt.


Notwendigkeit einer unabhängigen Kontroll-Instanz

Wenden wir uns abschließen der Frage zu, was die Beamten dazu treibt, so zu argumentieren.
Ich denke nicht, dass die Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums unseriös sind, doch sie haben - ebenso wie die Kollegen des Robert Koch- oder des Paul Ehrlich Instituts - allesamt ein Problem mit intellektuellen Interessenskonflikten. Das bedeutet, sie sind mit hoher Wahrscheinlichkeit extrem positiv zum Impfen eingestellt und deshalb voreingenommen und parteiisch. Obendrein sind sie dem Druck einer Gruppe von Vorgesetzten und Kollegen ausgesetzt, die ebenso voreingenommen und parteiisch sind.

Diese intellektuelle Voreingenommenheit braucht niemand zu verwundern. Bundesministerium, RKI und PEI sind seit Jahrzehnten mit der Aufgabe betraut, die Bevölkerung vom Sinn der Impfungen im Impfplan zu überzeugen. Und über die Jahrzehnte wurde diese Aufgabe tief verinnerlicht.

Das bedeutet in der Konsequenz, dass diese Behörden haarsträubend einseitig informieren - ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein. 
Gefestigte Einstellungen kritisch zu reflektieren, zu hinterfragen und möglicherweise zu ändern ist für alle Menschen schwierig und für die meisten ein Ding der Unmöglichkeit. Und wenn dann auch noch der eigene Beruf - die Karriere, das Einkommen - dran hängen, dann ist das noch zweimal so schwierig als bei Menschen, die unvoreingenommen zum Thema Impfungen kommen, z.B. weil sie ein Baby haben, das demnächst das "Impfalter" erreicht.

Insofern plädiere ich dafür, diese Behörden von der Aufgabe, das Impfwesen zu kontrollieren - möglichst rasch zu suspendieren. Niemand kann eine Maßnahme gleichzeitig einführen, diese Maßnahme bewerben und dann auch noch deren mögliches Schadenspotential objektiv bewerten.
Für diese verantwortungsvolle Aufgabe braucht es kritische Wissenschaftler, unabhängige Instanzen außerhalb der ministeriellen Hierarchie. Verbraucherschützer und Menschenanwälte, die keinen Lobbys verpflichtet sind und ihre Urteile erst fällen, nachdem eine sorgfältige Untersuchung Resultate erbracht hat.

Im Impfwesen finden derzeit solche Kontrollen nicht statt.
Denn im Impfwesen gelten andere Gesetze. Da gilt als oberstes Gebot, die "Impffreudigkeit der Bevölkerung" nicht zu gefährden. Wenn Missstände auftreten, so darf das nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Denn das wäre Wasser auf die Mühlen der Impfgegner.

Bei den allermeisten Aktionen der Gesundheitsbehörden hat man indes gar nicht das Gefühl, dass sie überhaupt hinsehen wollen. Dass sie überhaupt an einer Kontrolle der Angaben der Impfstoff-Hersteller zu Nutzen und Risiken ihrer Produkte interessiert sind.
Zu lange schon schwimmen die Behörden mit der Industrie im selben Boot, die Interessen der Hersteller und das Interesse der Beamten sind längst weitgehend ident: Die einen wollen Impfstoffe verkaufen und die anderen wollen eine möglichst hohe Durchimpfungsrate.
Da widerspricht sich nichts mehr. Da greift ein Rädchen ins andere.

Dienstag, 16. Januar 2018

Was Persönliches über mich

Mit der Hilfe von Gert Lanser und Lazar Muschailov, zwei Freunden, die glücklicherweise auch noch Profis im Bereich Graphik und Web-Layout sind, habe ich kürzlich meine neue Homepage online gestellt. Dort gibt es einen Menüpunkt "über mich" und das brachte mich auf die Idee, hierzu textlich mal ein wenig auszuholen. 

Ich bin 1962 im niederösterreichischen Mostviertel in Waidhofen an der Ybbs geboren, der Region aus der meine Mutter stammt. Die Familie meines Vaters kommt aus dem Böhmerwald. Sie wurden als Österreicher nach dem Krieg ausgewiesen und mussten ihre Heimat mit ein paar Habseligkeiten verlassen.
Wehrgraben

Aufgewachsen bin ich in Steyr, mitten im Wehrgraben, umgeben von gleich drei Armen des namensgebenden Flusses. Ich bin ein Kind der Kreisky-Ära und hatte als erster in unserer Familie das Privileg, ein Gymnasium zu besuchen. Nach der Matura begann ich in Wien zu studieren. Zunächst Informatik, das ich jedoch bald wieder sein ließ, weil ich dort nicht das Programmieren lernte, wie ich mir erhofft hatte, sondern eine mühsame theoretische Art der Mathematik, die mir staubtrocken erschien.

Schon immer interessierte ich mich brennend für Kino, Literatur und Journalismus. Nach dem Zivildienst begann ich an der Universität Wien ein Studium der Publizistik und Politikwissenschaften. In den Sommermonaten arbeitete ich als Volontär bei der traditionsreichen „Arbeiter-Zeitung“. Nebenher verdiente ich meine ersten Honorare als Sportjournalist beim „OÖ – Tagblatt“.

Meine erste Anstellung verdanke ich dem österreichischen Zeitungszaren, Milliardär, Gründer der „Kronen-Zeitung“, langjährigen Dichand-Feind und Herausgeber der „Ganzen Woche“, Kurt Falk. Es waren wilde und interessante sieben Jahre, in denen ich das Journalistenhandwerk als Mitarbeiter in beinahe allen Ressorts (außer Politik) von der Pike auf lernte, die letzten beiden Jahre als Mitglied der Chefredaktion. Während dieser Jahre interessierte ich mich bereits immer mehr für Wissenschaft und Medizin.

Christian Skalnik, ein Freund aus Studienzeiten hatte sich – gemeinsam mit Kurt Langbein, dem Mitautor des Bestsellers „Bittere Pillen“ – selbstständig gemacht und ein auf hoch qualitativen Wissenschaftsjournalismus spezialisiertes Redaktionsbüro gegründet. Als ich 1997 dorthin wechselte, war ich gleich auch mitten drin bei der Gestaltung von Dokumentarfilmen. Speziell mit Kurt Langbein habe ich seither eng zusammengearbeitet und einige Bücher sowie zahlreiche Filme mit ihm gemacht.

Seit 1999 bin ich selbstständig und habe einen Gewerbeschein für Filmproduktion.

Nebenher absolvierte ich an der Universität Wien einen über zwei Semester laufenden Kurs für Evidenzbasierte Medizin, der für fertige Mediziner angeboten wurde. Als Chefredakteur des Medizin-Portals „Surfmed“, das Redaktionsbüros in Wien und Köln betrieb, bekam ich von der Lehrgangsleitung aber eine Sondergenehmigung, daran als Nicht-Mediziner teilzunehmen.

Ich arbeitete vermehrt auch außerhalb des Redaktionsbüros von Langbein & Partner (Christian Skalnik war mittlerweile ausgestiegen) und schrieb einige Sachbücher für deutsche Verlage (Piper, Hoffmann & Campe, Lübbe).

Ab 2011 hatte ich Pläne, ein kritisches Buch über die Herstellung und den Einsatz von Aluminium zu schreiben. Trotz heftiger Bemühungen meines deutschen Agenten erhielt ich von allen großen Verlagen Absagen. Das Thema schien ihnen, wie mir mitgeteilt wurde, als zu polarisierend. Schließlich lernte ich Gottfried Ennsthaler kennen, einen ebenso eigenwilligen wie charakterfesten Verleger, der keine Scheu vor heißen Themen hat. Sein Sohn Christoph setzt mittlerweile diese Tradition fort und ich habe seither alle meine aktuellen Bücher im Verlag Ennsthaler veröffentlicht.

Als berufliche Meilensteine möchte ich drei Themenbereiche anführen, die ich mit meiner journalistischen Arbeit beeinflusst habe:

Übergabe von 300.000
Unterschriften an Heinz Fischer



  1. Im Jahr 1992 habe ich mehrere Monate durchgängig nach Stall gerochen. Ich recherchierte eine Serie zu den „Qualen unserer Nutztiere“ und beschrieb anschließend über 57 Folgen jeweils auf Doppelseite in der von Kurt Falk neu gegründeten Tageszeitung „Täglich Alles“, welche Zustände in der landwirtschaftlichen Tierhaltung damals herrschten. Dafür sind wir nachts in Tierfabriken eingestiegen, haben elende Kälber in Isolationshaft, Muttersäue, die sich nicht bewegen konnten und fünfstöckige Käfig-Batterien mit 70.000 Hühnern pro Halle porträtiert. Wir sammelten im Lauf der Berichterstattung insgesamt mehr als 300.000 Unterschriften für ein neues strenges Tierschutzgesetz und gaben den entscheidenden Anstoß für den Einstieg der Supermärkte in die Bio-Landwirtschaft. „Wenn bereits der Boulevard sich an diese Themen herantraut“, sagte der Bio-Pionier Werner Lampert, der damals für die Supermarktkette Billa an der Entwicklung der Marke „ja! Natürlich“ arbeitete, „dann ist die Zeit reif, das auch wir in die Bio-Landwirtschaft einsteigen."
  2. Profil-Cover Transfette
  3. Im Zuge einer Recherche zur Relevanz der Cholesterin-Hysterie stieß ich auf das Thema Transfette. Die Resultate aktueller Studien wiesen darauf hin, dass diese billigen Industriefette, die künstlich aus Mais oder Sonnenblumen erzeugt wurden, ein deutlich höheres Gesundheitsrisiko darstellten, als das so verteufelte Cholesterin. Millionen von Menschen sind wegen der „herzgesunden“ transfettverseuchten Margarinen, Frittieröle und Back-Zusätze an Herzkrankheiten gestorben. Ich kontaktierte dänische Experten, die als erste in der EU hier eine kritische Haltung einnahmen und schrieb mehrere Titelgeschichten für das österreichische Nachrichtenmagazin „Profil“. Das Thema schlug richtig ein und wurde auch von anderen Medien übernommen. Schließlich kontaktierte mich eine Abordnung von McDonalds. Wir trafen uns an einer Autobahn-Raststätte und sie präsentierten mir die Pläne, exklusiv für Österreich künftig transfett-freie Frittier-Öle einzusetzen. Bald war Österreich – nach Dänemark – das zweite Land der EU, das hier gesetzliche Regelungen einführte. Mittlerweile sind Transfette in den meisten Ländern weltweit streng reglementiert. 
  4. Bevor mein Buch „Dirty Little Secret“ und der darauf aufbauende Dokumentarfilm „Die Akte Aluminium“ erschien, musste man in Drogerieläden lange suchen, um ein Deo ohne Zusatz von Aluminiumverbindungen zu bekommen. Heute ist es beinahe umgekehrt. Nur noch vereinzelt finden sich die toxischen Zusätze in Deos, weil sich herumgesprochen hat, dass Aluminium das Risiko von Brustkrebs, Alzheimer und vielen anderen Krankheiten erhöhen kann. Ich trete vehement dafür ein, die Wissenschaft nicht den Lobbys zu überlassen. Unsere Gesellschaft muss es sich leisten, für ihre Bevölkerung eine strenge Kontrolle der Produkte der Lebensmittel-, Kosmetik- und Pharmaindustrie durchzusetzen. Diese Arbeit ist noch lange nicht beendet, denn es bestehen in der Wissenschaft Tabus und blinde Flecken, die Außenstehende nicht für möglich halten würden. Speziell das Impfwesen, ein besonders sensibler Bereich der Vorsorgemedizin, ist durchsetzt von solchen Tabus. Mit meiner Arbeit möchte ich dazu beitragen, auch hier eine längst fällige öffentliche Diskussion zu entfachen und das Impfen in den Bereich einer „normalen Wissenschaft“ zurück zu holen. Nur dort, wo der Austausch kritischer Argumente gepflegt wird, ist Innovation möglich. Und dies will ich mit meiner Art von journalistischem Zugang fördern.
Liesl und Bert Ehgartner
Privat bin ich ein Familienmensch. Ich bin verheiratet mit Liesl Ehgartner, die als Pikler-Pädagogin in meiner Umgebung allseits bekannt ist. Wir sind seit 1989 ein Paar und haben sechs Kinder – die jüngsten drei davon gemeinsam. Ich betreibe gerne Sport, gehe Wandern, liebe das Tarockspiel und viele andere Spiele, bin Fußballfan und in unserem Haushalt für das Kochen zuständig. Wir leben in der Nähe von Neulengbach am Rand des Wienerwaldes – ziemlich genau zwischen Wien und St. Pölten.