Studien zum Vorkommen der FSME zeigen einen einheitlichen Trend: Die flachen Regionen des Ostens behagen den Zecken, bzw. den von ihnen verbreiteten Viren immer weniger. In Ungarn ist die FSME in den letzten Jahren beinahe ausgestorben - trotz geringer Impfrate. Und auch in Niederösterreich und dem Burgenland geht die Zecken-Gefahr stark zurück. Ganz anders ist die Lage in den westlichen Ländern. Dies zeigt, dass sich der Klimawandel auf das FSME-Risiko mindestens genauso stark auswirkt wie die Impfung.
Bohumir Kriz und eine Gruppe des "National Institute of Public Health" in Prag haben im Jahr 2012 eine Übersicht zur Entwicklung der FSME in Tschechien im Verlauf von 38 Jahren (1970 - 2008) publiziert.
Tschechien ist mit seinen 10 Millionen Einwohnern eines der von FSME am meisten betroffenen Länder. Seit 1970 sind mehr als 17.000 Krankheitsfälle registriert worden. Die Schwankungsbreite pendelte zwischen einem Minimum von 180 und einem Maximum von 1.029 Fällen pro Jahr.
Die FSME-Impfung konnte sich in Tschechien nie so recht etablieren. Sie wurde Ende der 1970er Jahre von den Gründern der österreichischen Firma Immuno erfunden und entwickelte sich im Lauf der nächsten Jahre - forciert durch penetrante TV-Werbung und Plakataktionen - zu einem enormen Bestseller. Laut virologischem Institut der Medizinischen Universität Wien erreichte die Impfrate bis zum Jahr 2000 einen Anteil von mehr als 80 Prozent der österreichischen Bevölkerung. In besonderen "Krisenregionen" wie z.B. dem Bundesland Kärnten stieg die Impfrate sogar auf 90 Prozent, was für eine selbst zu bezahlende Impfung Weltrekord bedeutet.
Rätselhafte Unterschiede von Ober- zu Niederösterreich
Weil der Schutz durch die Impfung laut Annahme der FSME-Experten bei mindestens 97 Prozent liegt, musste sich aus der enormen Impffreudigkeit auch eine enorme Reduktion der FSME-Fälle ergeben. Tatsächlich nennt Österreichs oberster FSME-Experte Franz-Xaver Heinz und sein Team der Universität Wien eine Reduktion der Krankheitsfälle durch die Impfung um 84 Prozent. Eine eindrucksvolle Zahl. - Falls man diesen Angaben trauen kann.
Denn seltsamerweise entwickelten sich die Fallzahlen in den verschiedenen Bundesländern trotz Rekord-Impfraten sehr unterschiedlich. Ober- und Niederösterreich starteten zum Beginn der Impfkampagne mit einer durchschnittlichen Anzahl von 4 FSME-Fällen pro 100.000 Einwohnern. "Doch nach 1990 begann die Inzidenz in Oberösterreich zu steigen und lag in der Periode zwischen 2009 und 2013 bei durchschnittlich 8,9 FSME-Fälle pro 100.000 Einwohnern", schreiben die Wiener Virologen. "Im Gegensatz dazu nahm die Inzidenz in Niederösterreich kontinuierlich ab und lag zuletzt bei 1,2 FSME Fällen." Diese Zahlen beziehen sich auf die ungeimpfte Bevölkerung.
In Tschechien wurde die Impfung deutlich schlechter angenommen als in Österreich. Erst in der jüngeren Vergangenheit stieg die Impfrate etwas an und lag zuletzt bei 17 Prozent.
Dennoch gab es bereits während der 1980er bis zum Beginn der 1990er Jahre einen markanten Rückgang der FSME von durchschnittlich 4 Krankheitsfällen pro 100.000 Einwohnern und Jahr auf im Schnitt nur noch 2 Fälle.
Erst ab Mitte der 1990er Jahre begann ein starker Anstieg der Inzidenz auf zuletzt rund 6 FSME-Fälle pro 100.000 Einwohnern.
Im Nachbarland Slowakei gehen die Behörden von einer noch niedrigeren Impfrate von gerade mal 1 Prozent aus. Die FSME-Inzidenz stieg bisher nicht über 2 Fälle pro 100.000 Einwohner, liegt also deutlich niedriger als in Tschechien. In der Slowakei wird die FSME Krankheit weniger mit Zeckenstichen als mit dem Konsum von Rohmilch assoziiert. Der bislang größte bekannt gewordene Ausbruch von FSME ereignete sich im Jahr 1954 rund um den slowakischen Ort Roznava. Damals erkrankten 660 Menschen nach dem Genuss von Ziegenmilch. Möglicherweise waren die Ziegen über Zecken infiziert worden.
Kaum FSME in Ungarn
Auch in Ungarn wird wenig geimpft. Die starken Schwankungen in der Krankheits-Häufigkeit müssen deshalb andere Ursachen haben. Bis zum Jahr 1997 war die FSME Rate auf 2,8 Fälle pro 100.000 Einwohner angestiegen. Seither sank die Inzidenz aber auf 0,4 bis 0,8 Fälle stark ab. Zecken-bedingte Gehirnentzündungen sind heute in Ungarn sehr seltene Vorfälle und ließen sich wohl ebenfalls als Erfolgsgeschichte der FSME-Impfung verkaufen - wenn denn geimpft worden wäre.
Was hingegen stark auffällt: Oberösterreich grenzt an Tschechien und der zeitliche FSME-Trend mit dem starken Anstieg verlief in beiden Ländern weitgehend parallel. Niederösterreich hingegen liegt weiter östlich und der Abfall der FSME ist beinahe so stark wie im noch östlicher gelegenen Ungarn. Auch im Burgenland und der östlichen Steiermark, wo die Hitze und Trockenheit des kontinentalen Klimas stärker ausgeprägt sind als in den Alpenregionen des Westens, sind die FSME Fälle stark zurück gegangen.
Wissenschaftler diskutieren seit längerem über den Einfluss des Klimawandels auf den Lebenszyklus der Zecken. Trockenheit und Hitze sind etwas, das Zecken ganz und gar nicht passt. Sie ziehen nach Westen - und kommen in immer höher gelegenen Gebieten vor.
Möglicherweise wirkt sich das Klima nicht nur auf das Vorkommen der Zecken, sondern unmittelbar auf die Viren aus. Diese Zusammenhänge sind bislang jedoch nicht erforscht.
Gar keine Fälle von FSME werden aus Serbien gemeldet, obwohl die FSME dort auf Liste der meldepflichtigen Krankheiten steht. Kann man daraus nun schließen, dass es die Viren in Serbien nicht gibt? – "Nein!", lautet die Antwort einer Wissenschaftler-Gruppe der Universität von Novi Sad, die kürzlich eine Arbeit zur FSME in Serbien veröffentlicht hat. "Es gibt vielmehr deshalb keine FSME-Fälle in Serbien, weil es keine routinemäßige Diagnostik gibt."
Es kommt also immer auch darauf an, wonach gesucht wird.
Höchste Zeit für gute Studien
Jedenfalls zeigen diese aktuellen Arbeiten zur Epidemiologie der FSME, dass es wesentlich mehr Einflussfaktoren bei den von Zecken übertragenen Krankheiten gibt als nur die Impfung. Insofern sind auch die veröffentlichten Fallzahlen nicht automatisch ein Beweis für die Wirksamkeit der Impfung, zumal die saisonalen und regionalen Schwankungen enorm sind - und sich auch in Ländern ohne Impfung ähnliche Rückgänge zeigten wie in Österreich.
Die Impfstoff-Hersteller bzw. die Gesundheitsbehörden würden deshalb gut daran tun, endlich eine konkrete Vergleichsstudie zwischen Geimpften und Ungeimpften zu organisieren, damit der Schutzeffekt der Impfung einmal konkret messbar wird - und auch gegen die möglichen Risiken der Impfung abgewogen werden kann. (Siehe auch mein Artikel: "FSME-Impfung: Unkontrollierter Menschenversuch")
Derzeit fischen wir bei der Risiko-Nutzen Bilanz der FSME Impfung absolut im Trüben. Und die von den Impfstoff-Herstellern finanzierten FSME Experten als einzige Richtschnur zu nehmen, mag zwar im Interesse der Industrie sein, einer informierten - möglichst objektiven - Entscheidungsfindung dient es nicht.
Wenn Ihnen der Artikel interessant und wichtig erscheint, würde
ich mich über einen kleinen Beitrag zu meiner Arbeit sehr freuen.
Bert Ehgartner steht auch für Vorträge, Filmvorführungen, etc. zur Verfügung.
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Dienstag, 28. März 2017
Donnerstag, 23. März 2017
FSME-Impfung: unkontrollierter Menschenversuch
Die Impfung gegen die von Zecken übertragenen FSME Viren reduziert wahrscheinlich das Risiko schwerer Gehirnentzündungen bei Erwachsenen. Doch gilt dasselbe auch für Kinder? Und wie steht es um die Nebenwirkungen? Immer häufiger gibt es Berichte, dass die Impfung Rheuma, Diabetes oder MS auslöst. Ist da etwas dran?
Frühling wird’s und die Werbung für die "Zeckenimpfung" wird intensiver. Man merkt die Auswirkungen im Bekanntenkreis: Immer häufiger treten die Fragen auf, ob man/frau/kind sich impfen lassen soll. Na gut, dann sehen wir mal, wie es um das Nutzen/Risiko Verhältnis der FSME-Impfung steht und welche Evidenz es gibt.
Zunächst wollte ich einige Fragen auflisten, die es wert wären, sie wissenschaftlich korrekt und für alle nachvollziehbar zu beantworten. Denn nur mit gesichertem Wissen ist eine informierte Entscheidungsfindung zur Sinnhaftigkeit einer FSME-Impfung möglich.
Gesundheitsbehörden als Werbepartner der Impfstoff-Hersteller
Da wäre zunächst die Frage, ob man in einem der so genannten Risikogebiete wohnt und was das überhaupt bedeutet. Die österreichische Tageszeitung "heute" hat das - nach offenbar gründlichem Studium der vom Impfstoff-Hersteller zur Verfügung gestellten Informationen - so beantwortet: "In Österreich herrscht ein landesweites FSME-Risiko."
Diese dramatische Aussage wird auch durch den nachfolgenden Zusatz nicht leichter verkraftbar: "Eine Therapie der FSME-Erkrankung ist nach heutigem Wissensstand nicht möglich." Der einzig wirksame Schutz, so die "heute"-Expertise, sei "die aktive Impfung". Und das ist ja wohl auch der Schluss, den die Lektüre der Karten vermitteln soll: Wer auch immer vorhat, seine Wohnung ab und zu zu verlassen, betritt ein Zecken-Risikogebiet!
Von besonderer Rafinesse ist die aktuelle Definition des Robert Koch Instituts:
Hat das jemand verstanden?
Ich habe es mehrfach gelesen und bin zu dem Schluss gekommen, dass es den Behörden gar nicht darum geht, verstanden zu werden. Sondern eher um den Effekt. Und diese Definition hat immerhin dazu geführt, dass mit Ausnahme des Stadtgebiets von München der Großteil von Bayern und Baden-Württemberg Risikogebiet ist. Und damit gilt auch die öffentliche Impfempfehlung des RKI - für nahezu alle Süddeutschen im Alter über 2 Jahren.
Steffen Rabe bringt auf der Webseite der "Ärzte für Individuelle Impfentscheidungen" dazu ein originelles Beispiel aus dem Vorjahr: So schreibt das RKI selbst, dass beispielsweise im Landkreis Aichach-Friedberg, der seit 2005 als Risikogebiet gilt, die Häufigkeit einer FSME-Infektion "weder im Landkreis noch in der Kreisregion" signifikant über der magischen Grenze von 1 Fall pro 100.000 Einwohnern lag. Weil jedoch heute mehr geimpft wird, als früher, so die Argumentation des RKI, könnte das ja der Grund sein, warum keine FSME Fälle aufgetreten sind. Steffen Rabe kommentiert das sarkastisch so:
Kinder haben nur ein minimales FSME-Risiko
Als nächstes wäre zu klären, wie hoch das Risiko ist, krank zu werden, wenn man gestochen wird. Doch auch hier ist Raten angesagt. Welchen Schaden die Zecken machen, darüber gehen die Schätzungen weit auseinander. Viele Jahre galt die ungefähre Angabe, dass etwa einer von 1000 Zecken infiziert ist und bei jedem hundertsten Stich einer infizierten Zecke eine FSME ausbricht. In jüngerer Vergangenheit werden allerdings oft deutlich dramatischere Zahlen genannt. Reinhard Kaiser, Neurologie-Professor an der Universität Freiburg, geht beispielsweise davon aus, dass in Risikogebieten bis zu 3% der Tiere mit FSME-Viren infiziert sind. Wird man von so einer verseuchten Zecke gestochen, entwickelt laut Kaiser jeder dritte Betroffene die Krankheit. Laut Kaiser genügten also 100 bis 300 Zeckenstiche, um einen FSME-Fall auszulösen. Das wäre ein enorm hohes Risiko. Kaiser bleibt allerdings alle Belege für seine Angaben schuldig. Weder gibt es eine verlässliche Untersuchung, wie viele Zecken tatsächlich Träger der Viren sind. Noch gibt es Ansteckungsversuche mit infizierten Zecken, wo im Tierversuch ermittelt worden wäre, wie viele davon die Viren auf ihre Wirte übertragen - und wie sich das anschließend auswirkt.
Zahlen, die auf tatsächlich erhobenen Fakten beruhen, gibt es aus der Schweiz.
Im Gegensatz zu Deutschland oder Österreich gilt in der Schweiz die Impfempfehlung der Behörden erst für Kinder ab 6 Jahren. Dennoch treten offenbar kaum FSME-Fälle bei jüngeren Kindern auf, obwohl diese meist nicht geimpft werden. Bei einer über 5 Jahre laufenden Studie, die alle FSME Fälle in der Schweiz erfasste, waren 55 Kinder betroffen. 84% davon waren älter als 5 Jahre. Generell verlaufen die Krankheiten bei Kindern normalerweise mild. Christoph Berger, Professor an der Kinderklinik Zürich fasste im Journal der Schweizer Kinderärzte die Situation wie folgt zusammen: "Das Risiko, nach einem Zeckenstich schwer an FSME zu erkranken existiert, ist aber sehr gering."
Das liegt vor allem daran, dass die FSME bei Kindern normalerweise nur als FSM auftritt. Kinder erkranken meist nicht an einer Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), sondern "nur" an Meningitis. Die Patienten zeigen in dieser Krankheitsphase Fieber über 38°C, eine starke Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens sowie Kopfschmerzen, Erbrechen und Nackensteifigkeit. Dass die FSME bei Erwachsenen eine schlechtere Prognose hat, liegt daran, dass die Entzündung von den Hirnhäuten häufiger auf das Gehirn über greift. Das Risiko, das sich die FSM zu einer FSME entwickelt, steigt von 5% bei Kindern auf bis zu 60% bei älteren Menschen an.
Eine ähnliche Einschätzung des Risikos für Kinder liefert eine Studie, die in der Steiermark durchgeführt wurde, jenem Bundesland, in dem viele Jahre das höchste FSME Risiko in Österreich herrschte (seither hat sich das Risiko weiter nach Westen verlagert). Von 1981 bis 2005 wurden in der Steiermark 116 Fälle von FSME bei Kindern im Alter unter 16 Jahren gezählt. In der Mehrzahl verlief die Krankheit mild. Insgesamt waren nur bei sechs Kindern Aufenthalte in der Intensivstation notwendig. Bei fünf dieser Kinder heilten die Symptome vollständig aus. Nur ein einziges blieb halbseitig gelähmt. Und gerade dieses Kind war vollständig geimpft.
Fahrlässiger Umgang mit Gesundheit
Kinder haben also ein sehr geringes Risiko, einen bleibenden Schaden davon zu tragen und davor bietet auch die Impfung keinen vollständigen Schutz. Bei Erwachsene kann der Verlauf schwerer sein. Insofern wäre es für eine informierte Entscheidungsfindung wichtig, das Risiko zu kennen, das von der FSME Impfung selbst aus geht. Dafür wäre es beispielsweise interessant, wenn eine Studie über einen ausreichenden Zeitraum den Gesundheitszustand FSME-geimpfter Personen mit ungeimpften Personen verglichen hätte. Doch Fehlanzeige. So eine Studie wurde bisher noch nie durchgeführt. Für die Zulassung genügte es stets, wenn die Impfstoff-Hersteller den Behörden nachwiesen, dass der Antikörper Titer gegen die FSME-Viren nach der Impfung über einen bestimmten Grenzwert anstieg und während der kurzen Beobachtungszeit nach der Impfung keine übermäßigen Nebenwirkungen auftraten. Die Behörden waren dabei stets extrem entgegenkommend. Als im Jahr 2000 die Rezeptur des österreichischen Impfstoffes geändert wurde, lagen nicht mal die banalsten Sicherheits-Studien vor. Als dann die Impfung hohes Fieber auslöste und beinahe ein Drittel der erstmals geimpften Kinder klinisch behandelt werden musste, war das Erstaunen groß. Das Paul Ehrlich Institut war damals über die "Lässigkeit" der Herstellerfirma so verärgert, dass in Deutschland ein Jahr lang gar kein FSME Impfstoff für Kinder unter 12 Jahren zugelassen wurde. In Österreich waren die Behörden deutlich cooler und verzichteten auch im nächsten Jahr auf eine Studie zur Erfassung der Nebenwirkungen im Zeitraum nach der Impfung. Stattdessen gab es ein Überwachungssystem, bei dem eine Reihe von Ärzten als Alarmposten fungierten, die Bescheid geben sollten, falls sich die Nebenwirkungen wieder häufen. Die ersten Impflinge waren demnach die Versuchskaninchen. So verliefen die "Sicherheitsprüfungen made in Austria".
Drei, fünf oder zehn Jahre?
Lange galt die Regel, dass die FSME-Impfung alle drei Jahre aufzufrischen ist - und zumindest in Österreich hielten sich drei Viertel der Bevölkerung daran. Keine andere Impfung, die selbst zu bezahlen ist, erreicht derartige Rekord-Impfquoten. Unterstützt von der jährlich zum Frühlingsbeginn startenden Impfwerbung, die meist auf ungehemmte Angstmache setzte, strömten die Menschen zu den Impfärzten. Dass auch ein Abstand von fünf Jahren ausreichen könnte, oder - wie in der Schweiz empfohlen - gar ein Jahrzehnt, das gefiel den Herstellerfirmen wenig. Und so mussten die Impfexperten einspringen, um dem entgegenzusteuern.
Beispielsweise die „internationale wissenschaftliche Arbeitsgruppe zur FSME“, in der sich einige Dutzend FSME-Experten versammelt haben. Geleitet wird die Gruppe von der Wiener Medizinerin Ursula Kunze, die zusätzlich im Vorstand der „Österreichischen Liga für Präventivmedizin“ sitzt. Diese Gruppe zählt zum Dunstkreis des „Österreichischen Grünen Kreuzes“, einer von den Impfstoff-Herstellern gegründeten Interessensvertretung. Es ist in Österreich seit vielen Jahren üblich, dass die führenden „unabhängigen“ Impfexperten gleich auch als Vorstände im Industrie-nahen Verein fungieren.
Diese "wissenschaftliche Arbeitsgruppe zur FSME", die eher einem Lobbyisten-Club ähnelt, wurde vor bald 20 Jahren gegründet und trifft sich jährlich zu Konferenzen. Eine dieser Jahrestreffen widmete sich den geeigneten Impfabständen und dem FSME-Risiko von Menschen über 50 Jahren. Sie seien gesünder, wohlhabender, pflegen einen aktiveren Lebensstil, heißt es im Arbeitspapier - und seien deshalb - wir haben es geahnt - natürlich auch öfter in den Zeckengegenden unterwegs. Wer sich nun eine Übersicht erwartet hätte zum Nutzen-Schadens-Potenzial der Impfung wird enttäuscht. Der Bericht liefert stattdessen die allgemeine Aussage, dass das Immunsystem älterer Menschen nicht mehr so leistungsfähig ist und es deshalb unbedingt nötig sei, die FSME-Impfung keinesfalls später als alle drei Jahre - "besser noch in einem kürzeren Intervall" - auffrischen zu lassen. An der Impfung selbst liege es keinesfalls, dass die Wirkung bei älteren Menschen nachlässt, denn "die Schutzwirkung liegt über 97% - ohne signifikante Unterschiede zwischen den Altersgruppen." Solche Erfolgsraten liefern sonst nur Wahlen in Militärdiktaturen.
Titertest vor der FSME-Auffrischung?
Eine Bekannte hat kürzlich überlegt, sich gegen FSME auffrischen zu lassen. Davor machte sie jedoch einen Test, ob sie noch genügend Antikörper im Blut hatte. Der Test fiel positiv aus. Zwölf Jahre nach der letzten Impfung hatte sie noch immer so viele Antikörper, dass sie deutlich über dem Grenzwert lag. Dennoch warnte sie der Hausarzt, dass dieses Resultat wenig zuverlässig sei und nichts über einen tatsächlichen Schutz aussagt. Dasselbe stand dann auch noch im schriftlichen Befund des Labors inklusive der Empfehlung, besser im Fünfjahres-Rhythmus weiter zu impfen.
Sie war deshalb einigermaßen ratlos und fragte mich, was das soll: "Wie kommt ein Labor dazu, seine eigenen Messresultate durch eine solche Empfehlung in Zweifel zu ziehen, immerhin weisen doch Antikörper per Definition den Schutz nach?"
Die Argumentation zeigt tatsächlich, auf welch dünnem Eis sich das gesicherte Wissen beim Thema Impfen befindet. Die Höhe des Titers, heißt es von Seiten der Impf-Experten, sei kein Beleg für einen konkreten Schutz. Gleichzeitig beruht genau auf diesem Antikörper-Titer aber der Nachweis, dass die Impfung wirkt. Damit ein Impfstoff zugelassen wurde, genügte stets der Nachweis, dass die Geimpften einen ausreichenden Antikörper-Titer erreichen. Es handelt sich um einen so genannten Surrogat-Parameter. Also einen indirekten Beleg. Beruht der Impfschutz demnach auf einem Irrtum?
Tatsächlich gibt es keine Studien zum FSME-Impfstoff, in denen die Krankheitsvermeidung eindeutig bewiesen wurde. Beispielsweise indem gezeigt wurde, dass Geimpfte ein geringeres FSME-Risiko haben. Zwar gibt es Hinweise - etwa den Rückgang der FSME-Fälle im Vergleich zur Vorimpf-Zeit. Doch auch dies könnte irreführend sein, weil Krankheiten immer wieder Schwankungen unterliegen. (Siehe dazu meinen Artikel "Zecken ziehen nach Westen")
Aber möglicherweise geht die Initiative gegen den Titertest ja auch bloß von den Impfstoff-Herstellern aus, die befürchten, dass immer mehr Leute die Impfungen deshalb verschieben.
Verursacht die Impfung Rheuma, Hashimoto, Diabetes oder MS?
Immer wieder erreichen mich Anfragen von Menschen, die nach der FSME-Impfung schwer erkrankt sind. Die Rede ist von Multipler Sklerose, Rheumatoider Arthritis, Hashimoto und anderen Autoimmunerkrankungen. Erst heute vormittag kam die Mail eines jungen Mannes, der beim Bundesheer im Alter von 18 Jahren eine Doppelimpfung erhalten hatte: linker Oberarm Hepatitis, rechter FSME. Nach dem zweiten Impftermin erkrankte er an einer Art Sommergrippe mit hohem Fieber. Er veranlasste einen Titertest und die Antikörper-Werte waren derart in die Höhe geschossen, dass sein Arzt meinte, es seien keine weiteren Impfungen mehr notwendig.
Schrittweise traten dann jedoch während der nächsten Monate Symptome auf, die sich schließlich als Diabetes Typ 1 entpuppten: Sein ultra-aggressives Immunsystem hatte die Insulin-produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört. Seither muss er Insulin spritzen und ständig seine Blutzucker-Werte messen. Der junge Mann stellt jetzt mir die Frage, ob die Impfungen der Auslöser seines Gesundheitsschadens sein können. Und ich kann nur antworten: Diese Frage ist nicht untersucht.
Es ist wirklich ein haarsträubendes Ärgernis. Die Impfstoff-Hersteller verdienen seit Jahrzehnten gutes Geld mit dem Verkauf ihrer Impfstoffe. Überall im Land wird mit Hilfe der Behörden für die Impfung Werbung gemacht. Doch dass unsere hoch bezahlten Beamten eine einzige zuverlässige Überprüfung der Sicherheit der Impfung beauftragt – oder selbst durchgeführt – hätten: Fehlanzeige!
Weder gibt es diese Studien noch gibt es eine nachfolgende gute Kontrolle auf mögliche Nebenwirkungen der Impfstoffe. Meist denken weder die Geimpften noch die Ärzte an einen möglichen Zusammenhang. Und wenn die Patienten doch einen Verdacht hegen und ihre Ärzte fragen, ob eine bestimmte Nebenwirkung von der Impfung stammen könnte, so lautet die Antwort im Normalfall "Nein! Sicher nicht." Ich kenne zahlreiche Fälle, wo schwer geschädigte Patienten bei jedem Arzt, der ihnen im Lauf ihrer Krankengeschichte begegnete, den zeitlichen Zusammenhang zur Impfung erwähnten - und kein einziger fühlte sich bemüßigt, der gesetzlich vorgeschriebenen Meldepflicht dieser möglichen unerwünschten Arzneimittelwirkung nachzukommen.
Das ist einer der zahlreichen Absurditäten im Impfwesen: Niemand meldet einen möglichen Impfschaden - und anschließend verkünden die Behörden, es gebe keine.
Das Paul Ehrlich Institut geht in seiner Risikoberechnung zur FSME-Impfung beispielsweise von einem einzigen gesicherten Impfschaden aus. 66 weitere gemeldete Schadensfälle werden als „wahrscheinlich“ beurteilt. Daraus errechnete die Behörde ein Gesamtrisiko von 1,5 Schadensfällen pro 1 Million Impfungen. Da es die Behörden im gesamten deutschsprachigen Raum nicht für notwendig empfunden haben, ein Impfregister einzuführen, bei dem Impfungen mit nachfolgenden Krankheitsfällen verknüpft werden können, ist es auch rechnerisch gar nicht möglich, die Folgen der Impfungen empirisch zu untersuchen. Es gibt keine Evidenz. Und eigenständige unabhängige Untersuchungen der Behörden gibt es schon gar nicht.
Am Beispiel der FSME-Impfung lässt sich kurz zusammenfassen, dass alle möglichen Risiken ausschließlich die Geimpften zu tragen haben, während die Gewinne in die Kassen der Impfstoff-Hersteller fließen. Die spendieren einen Teil ihrer Profite den Impfexperten, die daraufhin brav Auftragsstudien abliefern, die den Wert der Impfung über den grünen Klee loben. Die Behörden wiederum machen es sich einfach, indem sie die Aussagen der Experten für bare Münze nehmen, die Impfungen loben und sie weiter kräftig bewerben.
Meine Antwort an den jungen Diabetiker lautet deshalb: Ja! Es ist durchaus möglich, dass die Impfungen Ihre Autoimmunerkrankung ausgelöst haben. Es gibt keine brauchbaren Belege für die Sicherheit der FSME-Impfung. Und solange dieser skandalöse Zustand aufrecht ist, kann niemand sagen, dass der Nutzen der Impfung den möglichen Schaden übertrifft.
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| Ekliger, krank machender Vampir: Kaum ein Tier ist so gefürchtet wie die Zecke |
Frühling wird’s und die Werbung für die "Zeckenimpfung" wird intensiver. Man merkt die Auswirkungen im Bekanntenkreis: Immer häufiger treten die Fragen auf, ob man/frau/kind sich impfen lassen soll. Na gut, dann sehen wir mal, wie es um das Nutzen/Risiko Verhältnis der FSME-Impfung steht und welche Evidenz es gibt.
Zunächst wollte ich einige Fragen auflisten, die es wert wären, sie wissenschaftlich korrekt und für alle nachvollziehbar zu beantworten. Denn nur mit gesichertem Wissen ist eine informierte Entscheidungsfindung zur Sinnhaftigkeit einer FSME-Impfung möglich.
Gesundheitsbehörden als Werbepartner der Impfstoff-Hersteller
Da wäre zunächst die Frage, ob man in einem der so genannten Risikogebiete wohnt und was das überhaupt bedeutet. Die österreichische Tageszeitung "heute" hat das - nach offenbar gründlichem Studium der vom Impfstoff-Hersteller zur Verfügung gestellten Informationen - so beantwortet: "In Österreich herrscht ein landesweites FSME-Risiko."
Diese dramatische Aussage wird auch durch den nachfolgenden Zusatz nicht leichter verkraftbar: "Eine Therapie der FSME-Erkrankung ist nach heutigem Wissensstand nicht möglich." Der einzig wirksame Schutz, so die "heute"-Expertise, sei "die aktive Impfung". Und das ist ja wohl auch der Schluss, den die Lektüre der Karten vermitteln soll: Wer auch immer vorhat, seine Wohnung ab und zu zu verlassen, betritt ein Zecken-Risikogebiet!
Von besonderer Rafinesse ist die aktuelle Definition des Robert Koch Instituts:
Ein Landkreis wird als FSME-Risikogebiet definiert, wenn die Anzahl der übermittelten FSME-Erkrankungen in mindestens einem der Zeiträume 2002 bis 2006, 2003 bis 2007, 2004 bis 2008, 2005 bis 2009, 2006 bis 2010, 2007 bis 2011, 2008 bis 2012, 2009 bis 2013, 2010 bis 2014 oder 2011 bis 2015 im Kreis ODER in der Kreisregion (bestehend aus dem betreffenden Kreis plus allen angrenzenden Kreisen) signifikant (p < 0,05) höher liegt als die bei einer Inzidenz von 1 Erkrankung/100.000 Einwohner erwartete Fallzahl. Da es in den letzten 20 bis 30 Jahren keine Anzeichen für ein Erlöschen von FSME-Naturherden in den bestehenden Risikogebieten gegeben hat, und weil die Impfquoten seit 2006 deutlich angestiegen waren, wurde auf einem FSME-Expertentreffen im November 2011 am RKI entschieden, dass ein Kreis für einen Zeitraum von mindestens 20 Jahren seinen Status als Risikogebiet behalten sollte.
Hat das jemand verstanden?
Ich habe es mehrfach gelesen und bin zu dem Schluss gekommen, dass es den Behörden gar nicht darum geht, verstanden zu werden. Sondern eher um den Effekt. Und diese Definition hat immerhin dazu geführt, dass mit Ausnahme des Stadtgebiets von München der Großteil von Bayern und Baden-Württemberg Risikogebiet ist. Und damit gilt auch die öffentliche Impfempfehlung des RKI - für nahezu alle Süddeutschen im Alter über 2 Jahren.
Steffen Rabe bringt auf der Webseite der "Ärzte für Individuelle Impfentscheidungen" dazu ein originelles Beispiel aus dem Vorjahr: So schreibt das RKI selbst, dass beispielsweise im Landkreis Aichach-Friedberg, der seit 2005 als Risikogebiet gilt, die Häufigkeit einer FSME-Infektion "weder im Landkreis noch in der Kreisregion" signifikant über der magischen Grenze von 1 Fall pro 100.000 Einwohnern lag. Weil jedoch heute mehr geimpft wird, als früher, so die Argumentation des RKI, könnte das ja der Grund sein, warum keine FSME Fälle aufgetreten sind. Steffen Rabe kommentiert das sarkastisch so:
Soweit also ein Einblick in die Motivation der Gesundheitsbehörden, die sich in Impffragen offenbar schon seit langem ausschließlich als Werbepartner der Industrie begreifen. Noch origineller lief es über viele Jahre in Österreich, wo einer der Erfinder des Impfstoffes gleich auch mithalf, die Risikogebiete zu definieren. Eine Mitarbeiterin hat mir erzählt, wie das damals ungefähr ablief:
- Wir definieren ein Risikogebiet, das sich im Nachhinein als gar kein wirkliches Risikogebiet herausstellt.
- Weil aber als Folge unserer Definition das eintritt, was wir uns ohnehin wünschen (eine höhere FSME-Impfrate), korrigieren wir diesen Fehler die nächsten 20 Jahre (!) lieber nicht...
"Fräulein, haben wir nicht kürzlich einen FSME-Fall im Bezirk Korneuburg gehabt? - Nein? - Sie können sich nicht erinnern? - Na sicherheitshalber färben wir das trotzdem rot ein."Derartige Pfuscherei und eine vollständig unklare Bewertung des tatsächlichen Risikos, erlaubt den Bürgern also keinerlei eigenständige Risiko-Abschätzung. Es gibt auch keine Abstufungen von sehr hohem, mittlerem oder geringem Risiko, so dass man beispielsweise die wirklich gefährlichen FSME-Gebiete meiden könnte - oder sich eben impfen lässt, wenn man in einer solchen Region lebt oder häufig zu tun hat.
Kinder haben nur ein minimales FSME-Risiko
Als nächstes wäre zu klären, wie hoch das Risiko ist, krank zu werden, wenn man gestochen wird. Doch auch hier ist Raten angesagt. Welchen Schaden die Zecken machen, darüber gehen die Schätzungen weit auseinander. Viele Jahre galt die ungefähre Angabe, dass etwa einer von 1000 Zecken infiziert ist und bei jedem hundertsten Stich einer infizierten Zecke eine FSME ausbricht. In jüngerer Vergangenheit werden allerdings oft deutlich dramatischere Zahlen genannt. Reinhard Kaiser, Neurologie-Professor an der Universität Freiburg, geht beispielsweise davon aus, dass in Risikogebieten bis zu 3% der Tiere mit FSME-Viren infiziert sind. Wird man von so einer verseuchten Zecke gestochen, entwickelt laut Kaiser jeder dritte Betroffene die Krankheit. Laut Kaiser genügten also 100 bis 300 Zeckenstiche, um einen FSME-Fall auszulösen. Das wäre ein enorm hohes Risiko. Kaiser bleibt allerdings alle Belege für seine Angaben schuldig. Weder gibt es eine verlässliche Untersuchung, wie viele Zecken tatsächlich Träger der Viren sind. Noch gibt es Ansteckungsversuche mit infizierten Zecken, wo im Tierversuch ermittelt worden wäre, wie viele davon die Viren auf ihre Wirte übertragen - und wie sich das anschließend auswirkt.
Zahlen, die auf tatsächlich erhobenen Fakten beruhen, gibt es aus der Schweiz.
Im Gegensatz zu Deutschland oder Österreich gilt in der Schweiz die Impfempfehlung der Behörden erst für Kinder ab 6 Jahren. Dennoch treten offenbar kaum FSME-Fälle bei jüngeren Kindern auf, obwohl diese meist nicht geimpft werden. Bei einer über 5 Jahre laufenden Studie, die alle FSME Fälle in der Schweiz erfasste, waren 55 Kinder betroffen. 84% davon waren älter als 5 Jahre. Generell verlaufen die Krankheiten bei Kindern normalerweise mild. Christoph Berger, Professor an der Kinderklinik Zürich fasste im Journal der Schweizer Kinderärzte die Situation wie folgt zusammen: "Das Risiko, nach einem Zeckenstich schwer an FSME zu erkranken existiert, ist aber sehr gering."
Das liegt vor allem daran, dass die FSME bei Kindern normalerweise nur als FSM auftritt. Kinder erkranken meist nicht an einer Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), sondern "nur" an Meningitis. Die Patienten zeigen in dieser Krankheitsphase Fieber über 38°C, eine starke Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens sowie Kopfschmerzen, Erbrechen und Nackensteifigkeit. Dass die FSME bei Erwachsenen eine schlechtere Prognose hat, liegt daran, dass die Entzündung von den Hirnhäuten häufiger auf das Gehirn über greift. Das Risiko, das sich die FSM zu einer FSME entwickelt, steigt von 5% bei Kindern auf bis zu 60% bei älteren Menschen an.
Eine ähnliche Einschätzung des Risikos für Kinder liefert eine Studie, die in der Steiermark durchgeführt wurde, jenem Bundesland, in dem viele Jahre das höchste FSME Risiko in Österreich herrschte (seither hat sich das Risiko weiter nach Westen verlagert). Von 1981 bis 2005 wurden in der Steiermark 116 Fälle von FSME bei Kindern im Alter unter 16 Jahren gezählt. In der Mehrzahl verlief die Krankheit mild. Insgesamt waren nur bei sechs Kindern Aufenthalte in der Intensivstation notwendig. Bei fünf dieser Kinder heilten die Symptome vollständig aus. Nur ein einziges blieb halbseitig gelähmt. Und gerade dieses Kind war vollständig geimpft.
Fahrlässiger Umgang mit Gesundheit
Kinder haben also ein sehr geringes Risiko, einen bleibenden Schaden davon zu tragen und davor bietet auch die Impfung keinen vollständigen Schutz. Bei Erwachsene kann der Verlauf schwerer sein. Insofern wäre es für eine informierte Entscheidungsfindung wichtig, das Risiko zu kennen, das von der FSME Impfung selbst aus geht. Dafür wäre es beispielsweise interessant, wenn eine Studie über einen ausreichenden Zeitraum den Gesundheitszustand FSME-geimpfter Personen mit ungeimpften Personen verglichen hätte. Doch Fehlanzeige. So eine Studie wurde bisher noch nie durchgeführt. Für die Zulassung genügte es stets, wenn die Impfstoff-Hersteller den Behörden nachwiesen, dass der Antikörper Titer gegen die FSME-Viren nach der Impfung über einen bestimmten Grenzwert anstieg und während der kurzen Beobachtungszeit nach der Impfung keine übermäßigen Nebenwirkungen auftraten. Die Behörden waren dabei stets extrem entgegenkommend. Als im Jahr 2000 die Rezeptur des österreichischen Impfstoffes geändert wurde, lagen nicht mal die banalsten Sicherheits-Studien vor. Als dann die Impfung hohes Fieber auslöste und beinahe ein Drittel der erstmals geimpften Kinder klinisch behandelt werden musste, war das Erstaunen groß. Das Paul Ehrlich Institut war damals über die "Lässigkeit" der Herstellerfirma so verärgert, dass in Deutschland ein Jahr lang gar kein FSME Impfstoff für Kinder unter 12 Jahren zugelassen wurde. In Österreich waren die Behörden deutlich cooler und verzichteten auch im nächsten Jahr auf eine Studie zur Erfassung der Nebenwirkungen im Zeitraum nach der Impfung. Stattdessen gab es ein Überwachungssystem, bei dem eine Reihe von Ärzten als Alarmposten fungierten, die Bescheid geben sollten, falls sich die Nebenwirkungen wieder häufen. Die ersten Impflinge waren demnach die Versuchskaninchen. So verliefen die "Sicherheitsprüfungen made in Austria".
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| Wie lange reicht eine Impfung bis zur nächsten Auffrischung? |
Lange galt die Regel, dass die FSME-Impfung alle drei Jahre aufzufrischen ist - und zumindest in Österreich hielten sich drei Viertel der Bevölkerung daran. Keine andere Impfung, die selbst zu bezahlen ist, erreicht derartige Rekord-Impfquoten. Unterstützt von der jährlich zum Frühlingsbeginn startenden Impfwerbung, die meist auf ungehemmte Angstmache setzte, strömten die Menschen zu den Impfärzten. Dass auch ein Abstand von fünf Jahren ausreichen könnte, oder - wie in der Schweiz empfohlen - gar ein Jahrzehnt, das gefiel den Herstellerfirmen wenig. Und so mussten die Impfexperten einspringen, um dem entgegenzusteuern.
Beispielsweise die „internationale wissenschaftliche Arbeitsgruppe zur FSME“, in der sich einige Dutzend FSME-Experten versammelt haben. Geleitet wird die Gruppe von der Wiener Medizinerin Ursula Kunze, die zusätzlich im Vorstand der „Österreichischen Liga für Präventivmedizin“ sitzt. Diese Gruppe zählt zum Dunstkreis des „Österreichischen Grünen Kreuzes“, einer von den Impfstoff-Herstellern gegründeten Interessensvertretung. Es ist in Österreich seit vielen Jahren üblich, dass die führenden „unabhängigen“ Impfexperten gleich auch als Vorstände im Industrie-nahen Verein fungieren.
Diese "wissenschaftliche Arbeitsgruppe zur FSME", die eher einem Lobbyisten-Club ähnelt, wurde vor bald 20 Jahren gegründet und trifft sich jährlich zu Konferenzen. Eine dieser Jahrestreffen widmete sich den geeigneten Impfabständen und dem FSME-Risiko von Menschen über 50 Jahren. Sie seien gesünder, wohlhabender, pflegen einen aktiveren Lebensstil, heißt es im Arbeitspapier - und seien deshalb - wir haben es geahnt - natürlich auch öfter in den Zeckengegenden unterwegs. Wer sich nun eine Übersicht erwartet hätte zum Nutzen-Schadens-Potenzial der Impfung wird enttäuscht. Der Bericht liefert stattdessen die allgemeine Aussage, dass das Immunsystem älterer Menschen nicht mehr so leistungsfähig ist und es deshalb unbedingt nötig sei, die FSME-Impfung keinesfalls später als alle drei Jahre - "besser noch in einem kürzeren Intervall" - auffrischen zu lassen. An der Impfung selbst liege es keinesfalls, dass die Wirkung bei älteren Menschen nachlässt, denn "die Schutzwirkung liegt über 97% - ohne signifikante Unterschiede zwischen den Altersgruppen." Solche Erfolgsraten liefern sonst nur Wahlen in Militärdiktaturen.
Titertest vor der FSME-Auffrischung?
Eine Bekannte hat kürzlich überlegt, sich gegen FSME auffrischen zu lassen. Davor machte sie jedoch einen Test, ob sie noch genügend Antikörper im Blut hatte. Der Test fiel positiv aus. Zwölf Jahre nach der letzten Impfung hatte sie noch immer so viele Antikörper, dass sie deutlich über dem Grenzwert lag. Dennoch warnte sie der Hausarzt, dass dieses Resultat wenig zuverlässig sei und nichts über einen tatsächlichen Schutz aussagt. Dasselbe stand dann auch noch im schriftlichen Befund des Labors inklusive der Empfehlung, besser im Fünfjahres-Rhythmus weiter zu impfen.
Sie war deshalb einigermaßen ratlos und fragte mich, was das soll: "Wie kommt ein Labor dazu, seine eigenen Messresultate durch eine solche Empfehlung in Zweifel zu ziehen, immerhin weisen doch Antikörper per Definition den Schutz nach?"
Die Argumentation zeigt tatsächlich, auf welch dünnem Eis sich das gesicherte Wissen beim Thema Impfen befindet. Die Höhe des Titers, heißt es von Seiten der Impf-Experten, sei kein Beleg für einen konkreten Schutz. Gleichzeitig beruht genau auf diesem Antikörper-Titer aber der Nachweis, dass die Impfung wirkt. Damit ein Impfstoff zugelassen wurde, genügte stets der Nachweis, dass die Geimpften einen ausreichenden Antikörper-Titer erreichen. Es handelt sich um einen so genannten Surrogat-Parameter. Also einen indirekten Beleg. Beruht der Impfschutz demnach auf einem Irrtum?
Tatsächlich gibt es keine Studien zum FSME-Impfstoff, in denen die Krankheitsvermeidung eindeutig bewiesen wurde. Beispielsweise indem gezeigt wurde, dass Geimpfte ein geringeres FSME-Risiko haben. Zwar gibt es Hinweise - etwa den Rückgang der FSME-Fälle im Vergleich zur Vorimpf-Zeit. Doch auch dies könnte irreführend sein, weil Krankheiten immer wieder Schwankungen unterliegen. (Siehe dazu meinen Artikel "Zecken ziehen nach Westen")
Aber möglicherweise geht die Initiative gegen den Titertest ja auch bloß von den Impfstoff-Herstellern aus, die befürchten, dass immer mehr Leute die Impfungen deshalb verschieben.
Verursacht die Impfung Rheuma, Hashimoto, Diabetes oder MS?
Immer wieder erreichen mich Anfragen von Menschen, die nach der FSME-Impfung schwer erkrankt sind. Die Rede ist von Multipler Sklerose, Rheumatoider Arthritis, Hashimoto und anderen Autoimmunerkrankungen. Erst heute vormittag kam die Mail eines jungen Mannes, der beim Bundesheer im Alter von 18 Jahren eine Doppelimpfung erhalten hatte: linker Oberarm Hepatitis, rechter FSME. Nach dem zweiten Impftermin erkrankte er an einer Art Sommergrippe mit hohem Fieber. Er veranlasste einen Titertest und die Antikörper-Werte waren derart in die Höhe geschossen, dass sein Arzt meinte, es seien keine weiteren Impfungen mehr notwendig.
Schrittweise traten dann jedoch während der nächsten Monate Symptome auf, die sich schließlich als Diabetes Typ 1 entpuppten: Sein ultra-aggressives Immunsystem hatte die Insulin-produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört. Seither muss er Insulin spritzen und ständig seine Blutzucker-Werte messen. Der junge Mann stellt jetzt mir die Frage, ob die Impfungen der Auslöser seines Gesundheitsschadens sein können. Und ich kann nur antworten: Diese Frage ist nicht untersucht.
Es ist wirklich ein haarsträubendes Ärgernis. Die Impfstoff-Hersteller verdienen seit Jahrzehnten gutes Geld mit dem Verkauf ihrer Impfstoffe. Überall im Land wird mit Hilfe der Behörden für die Impfung Werbung gemacht. Doch dass unsere hoch bezahlten Beamten eine einzige zuverlässige Überprüfung der Sicherheit der Impfung beauftragt – oder selbst durchgeführt – hätten: Fehlanzeige!
Weder gibt es diese Studien noch gibt es eine nachfolgende gute Kontrolle auf mögliche Nebenwirkungen der Impfstoffe. Meist denken weder die Geimpften noch die Ärzte an einen möglichen Zusammenhang. Und wenn die Patienten doch einen Verdacht hegen und ihre Ärzte fragen, ob eine bestimmte Nebenwirkung von der Impfung stammen könnte, so lautet die Antwort im Normalfall "Nein! Sicher nicht." Ich kenne zahlreiche Fälle, wo schwer geschädigte Patienten bei jedem Arzt, der ihnen im Lauf ihrer Krankengeschichte begegnete, den zeitlichen Zusammenhang zur Impfung erwähnten - und kein einziger fühlte sich bemüßigt, der gesetzlich vorgeschriebenen Meldepflicht dieser möglichen unerwünschten Arzneimittelwirkung nachzukommen.
Das ist einer der zahlreichen Absurditäten im Impfwesen: Niemand meldet einen möglichen Impfschaden - und anschließend verkünden die Behörden, es gebe keine.
Das Paul Ehrlich Institut geht in seiner Risikoberechnung zur FSME-Impfung beispielsweise von einem einzigen gesicherten Impfschaden aus. 66 weitere gemeldete Schadensfälle werden als „wahrscheinlich“ beurteilt. Daraus errechnete die Behörde ein Gesamtrisiko von 1,5 Schadensfällen pro 1 Million Impfungen. Da es die Behörden im gesamten deutschsprachigen Raum nicht für notwendig empfunden haben, ein Impfregister einzuführen, bei dem Impfungen mit nachfolgenden Krankheitsfällen verknüpft werden können, ist es auch rechnerisch gar nicht möglich, die Folgen der Impfungen empirisch zu untersuchen. Es gibt keine Evidenz. Und eigenständige unabhängige Untersuchungen der Behörden gibt es schon gar nicht.
Am Beispiel der FSME-Impfung lässt sich kurz zusammenfassen, dass alle möglichen Risiken ausschließlich die Geimpften zu tragen haben, während die Gewinne in die Kassen der Impfstoff-Hersteller fließen. Die spendieren einen Teil ihrer Profite den Impfexperten, die daraufhin brav Auftragsstudien abliefern, die den Wert der Impfung über den grünen Klee loben. Die Behörden wiederum machen es sich einfach, indem sie die Aussagen der Experten für bare Münze nehmen, die Impfungen loben und sie weiter kräftig bewerben.
Meine Antwort an den jungen Diabetiker lautet deshalb: Ja! Es ist durchaus möglich, dass die Impfungen Ihre Autoimmunerkrankung ausgelöst haben. Es gibt keine brauchbaren Belege für die Sicherheit der FSME-Impfung. Und solange dieser skandalöse Zustand aufrecht ist, kann niemand sagen, dass der Nutzen der Impfung den möglichen Schaden übertrifft.
Wenn Ihnen der Artikel interessant und wichtig erscheint, würde
ich mich über einen kleinen Beitrag zu meiner Arbeit sehr freuen.
Bert Ehgartner steht auch für Vorträge, Filmvorführungen, etc. zur Verfügung.
Nähere Informationen finden Sie auf dieser Seite.
Samstag, 28. April 2012
Zwei Kinder starben nach Zeckenstichen
Dass binnen einem halben Jahr nun zwei Kinder an einer Gehirnentzündung nach Zeckenstich gestorben sind, ist eine schlimme Sache, die mich sehr beschäftigt.
Umso mehr ärgere ich mich, wie schlecht der medizinische Wissensstand hier ist. Außer "Impfen, Impfen, Impfen!" hört man nichts Essentielles von Seiten der Experten. Keine Rede von einer halbwegs umfassenden Aufarbeitung der Krankengeschichten, keine Erhebung möglicher Risikofaktoren - dafür Stolz über eine Weltrekord-Impfquote, die auf Angst-Propaganda beruht. Doch ob die FSME-Impfung die Todesfälle verhindert hätte, ist höchst ungewiss.
Die Mitteilungen des Wiener Instituts für Virologie beschränken sich vor allem darauf, die gemeldeten Fälle zu zählen und die Meldeorte fehlerfrei einem der neun Bundesländer zuzuordnen. Wenn man den Leiter des Instituts zu Details fragt, die darüber hinaus gehen, so versichert er glaubhaft, dass er auch nicht mehr weiß als in der Zeitung steht. Und das ist nicht grad viel.
Die meldenden Ärzte selbstständig zu kontaktieren, die genaue Krankengeschichte aufzunehmen, die Eltern der Todesopfer zu den Begleitumständen und ihren (Nicht-)Impfentscheidungen zu befragen - all das fällt niemandem ein.
Und so ist die statistische Aufbereitung der jährlichen FSME-Fälle, die regelmäßig vom Virologie-Institut zum Frühlingsbeginn präsentiert wird, nicht viel mehr als eine Werbeaktion für die FSME Impfung. Nachdem die Herstellerfirma Baxter ein langjähriger treuer Sponsor des Virologie-Instituts ist, ist das vielleicht auch so beabsichtigt.
Totale Ignoranz
Für jemand, der an einer guten wissenschaftlichen Aufarbeitung der Zeckenstich-bedingten FSME Fälle interessiert ist, sind das alles jedoch höchst frustrierende Umstände. Kärnten, das Bundesland, in dem der aktuelle Todesfall aufgetreten ist, hat mit einer Impfquote von 93 Prozent wohl den Weltrekord bei einer Impfung, die von den Menschen selbst zu bezahlen und zu organisieren ist.
Eine Impfung, von der weder die genaue Wirksamkeit, noch die Dauer des Schutzes, noch die Nebenwirkungen, welche über Rötungen und Fieber hinausgehen, im Detail bekannt sind.
Gute Vergleichsstudien mit physiologisch neutraler "Placeboimpfung" in der Kontrollgruppe gibt es nicht. Und wenn die Hersteller mal eine Studie finanzieren, so ist damit bei weitem noch nicht gesagt, dass diese auch erscheint. Ich erinnere mich dazu an die Aussage der damaligen Forschungsleiterin bei Baxter, als ich sie bat, mir eine kürzlich durchgeführte Studie zu schicken. Die Dame lehnte ab und begründete dies mit folgendem denkwürdigen Satz: "Wir machen Studien ja nicht, um diese zu veröffentlichen, sondern damit unsere Impfungen zugelassen werden."
Nachdem das einmal gelungen ist und ein Impfstoff am Markt ist, wird die Erfassung von selteneren Nebenwirkungen dann vollständig dem Zufall überlassen. Zwar besteht seit vielen Jahren eine gesetzliche Meldepflicht von allen medizinischen Auffälligkeiten, die in zeitlichem Zusammenhang zu einer Impfung auftreten. Doch die meisten Ärzte wissen nichts davon. Weder von der Meldepflicht noch von der Tatsache, dass Allergien, chronische Entzündungen oder Autoimmun-Erkrankungen überhaupt von einer voran gegangenen Impfung stammen können. Sie wissen auch nicht, dass es vollkommen gleichgültig ist, ob sie selbst es für wahrscheinlich oder unwahrscheinlich halten, ob das Symptom durch die Impfung ausgelöst wurde, oder nicht. Allein der zeitliche Zusammenhang genügt für die Meldepflicht an die zuständige Stelle im Gesundheitsministerium. Nichtmeldung ist sogar strafbar. Doch niemand klärt die Ärzte auf, niemand ahndet Verstöße. Und niemand denkt auch nur im Traum daran, die gemeldeten Nebenwirkungen - nach dem Vorbild Deutschlands - in einer öffentlichen zugänglichen Datenbank im Internet zu publizieren.
Somit erfolgt Aufklärung zur FSME Impfung weiterhin vor allem über PR-Kampagnen, TV-Werbung, sowie als Information getarnte, bezahlte Werbetexte in den Boulevard-Medien.
Ich habe hier im Blog eine der wenigen guten epidemiologischen Arbeiten zum Verlauf der FSME bei Kindern besprochen, die in Österreich existieren. Peter Fritsch hat mit Kollegen von der Meduni Graz die Daten der letzten 24 Jahre seit Einführung der FSME-Impfung in Österreich aufbereitet. In der Steiermark, dem mit Abstand am meisten von der über die Zecken verbreitete Infektion betroffenen Bundesland, waren in dieser Zeit insgesamt 116 Kinder erkrankt. Davon mussten sechs Kinder intensivmedizinisch betreut werden. Bis auf einen einzigen Fall heilte die Krankheit folgenlos ab. Ein zum Zeitpunkt der Erkrankung fünf Jahre altes Mädchen trug bleibende Schäden davon.
Insgesamt waren von den 116 Patienten 112 vollkommen ungeimpft. Zwei Kinder hatten eine Impf-Dosis, ein erkranktes Kind zwei, und eines die komplette Basis-Immunisierung mit drei Impfdosen. Damit erkennt man, dass die FSME-Impfung sehr gut vor dem Auftreten dieser von Zecken übertragenen viralen Infektion schützt.
Ausgerechnet der eine schwere Fall des Mädchens, das bis heute unter Lähmungen und anderen Gesundheitsproblemen leidet, war jedoch das Kind mit der vollständigen Impf-Serie. Die Autoren der steirischen Studie nahmen an, dass der schwere Verlauf genetisch bedingt war, und das Mädchen an einer höheren Empfänglichkeit gegen diese Viren litt.
Dass es nun binnen eines halben Jahres zu zwei Todesfällen bei Kindern gekommen ist, ist höchst ungewöhnlich. Ebenso ungewöhnlich ist, dass beide Kinder geimpft, die Grundimmunisierung mit den drei Teilimpfungen aber nicht abgeschlossen wurde. Die Eltern waren keine Impfgegner. In einem Fall riet angeblich sogar der behandelnde Impfarzt wegen schwerer Nebenwirkungen von einer weiteren FSME-Impfung ab.
Ich fasse hier zusammen, was ich über die Todesfälle in Erfahrung bringen konnte:
Der Fall des Salzburger Kindes
Im September starb - kurz vor seinem 6. Geburtstag - ein Kind in Salzburg an Meningitis. Die Eltern tschechischer Herkunft wohnten im Flachgau, einem Gebiet, in dem FSME selten ist, aber doch vorkommt.
Am 21. Mai 2007, im Alter von 18 Monaten wurden das Kleinkind gegen FSME geimpft, am 4. Juni erfolgte die zweite Impfung. An sich ist der Abstand von nur zwei Wochen zwischen den Impfterminen ungewöhnlich. Wahrscheinlich wurde nach einem "Schnell-Schema" geimpft, um das Kind noch für die aktuelle Saison zu schützen.
Warum die dritte Impfung dann nicht mehr erfolgt ist, konnte mir niemand sagen. Auch nicht, ob das Kind nach den Impfungen möglicherweise unter Nebenwirkungen gelitten hat und die Eltern deshalb die Grund-Immunisierung nicht fertig machten.
Ob das Kind vor dem Ausbruch der Krankheit im Spätsommer 2011 überhaupt von einer Zecke gestochen wurde, gilt als wahrscheinlich, aber nicht als vollständig sicher. FSME Viren können theoretisch auch über andere Quellen - wie z.B. Rohmilch - übertragen werden. Die Eltern konnten sich nicht an einen konkreten Zeckenstich erinnern. Doch das ist nicht ungewöhnlich. Speziell die Stiche von Nymphen - dem zweiten Entwicklungsstadium der Zecken - werden häufig übersehen.
Warum die Infektion so ungewöhnlich schwer verlaufen ist, weiß niemand. Den Experten, die ich befragt habe, waren weder Grunderkrankungen noch sonstige Risikofaktoren bei dem Kind bekannt.
Nicht beantwortet wurde die Frage, wie hoch der Antikörper-Titer des Kindes war. Denn nach zweimaliger Impfung entwickeln laut Aussagen von Impfexperten "98 Prozent der Kinder eine Serokonversion - also Antikörper - und gelten über die Saison als geschützt."
Der aktuelle Todesfall des Kärntner Mädchens
Das 9-jährige Mädchen aus Ledenitzen am Faaker See starb am Dienstag dieser Woche im Landeskrankenhaus Klagenfurt, wohin es wegen des schweren Verlaufes aus Villach überstellt wurde.
Eine ursächliche Therapie stand nicht zur Verfügung, erklärte mir der zuständige Primar, Wilhelm Kaulfersch: "FSME Immunglobuline sind im Vorjahr vom Markt genommen worden, weil sich heraus gestellt hat, dass sie recht unsicher sind und eine Krankheit sogar noch verstärken können."
Das Kärntner Mädchen war ebenfalls geimpft worden. Allerdings nur einmal, weil es, wie Kaulfersch berichtet, "die Impfung sehr schlecht vertragen hat". Angeblich, so Kaulfersch, hat sogar der behandelnde Arzt der Familie von einer nochmaligen Impfung abgeraten.
Ich fragte Kaulfersch, ob diese Unverträglichkeit möglicherweise in Zusammenhang steht mit dem nunmehrigen tödlichen Verlauf der Infektion. "Da habe ich keine Ahnung", entgegnete er, "ich bin doch kein Wissenschaftler."
Nun heißt es, dass das Mädchen noch leben würde, wenn die zwei fehlenden FSME-Impfungen der Basis-Immunisierung - entgegen den Bedenken des Hausarztes - verabreicht worden wären.
Die mit FSME befassten Wissenschaftler raten jedenfalls eifrig zur Impfung und legen ansonsten weiter ihre Hände in den Schoß. Geforscht wird scheinbar nur dann, wenn von Baxter oder Novartis, den Herstellern der beiden Impfstoffe, ein bezahlter Auftrag kommt.
Für die laufende Impfaktion sind die aktuellen Fälle jedenfalls eine enorme Werbung. Im ganzen Land strömen die Menschen mit ihren Kindern zu den Impfärzten. Und vielleicht gelingt es ja, die Weltrekord-Quote der österreichischen "Zeckenimpf-Aktion" noch etwas weiter in die Höhe zu schrauben.
Das beschämende Wissens-Vakuum rundum kümmert niemand.
Die Mitteilungen des Wiener Instituts für Virologie beschränken sich vor allem darauf, die gemeldeten Fälle zu zählen und die Meldeorte fehlerfrei einem der neun Bundesländer zuzuordnen. Wenn man den Leiter des Instituts zu Details fragt, die darüber hinaus gehen, so versichert er glaubhaft, dass er auch nicht mehr weiß als in der Zeitung steht. Und das ist nicht grad viel.
Die meldenden Ärzte selbstständig zu kontaktieren, die genaue Krankengeschichte aufzunehmen, die Eltern der Todesopfer zu den Begleitumständen und ihren (Nicht-)Impfentscheidungen zu befragen - all das fällt niemandem ein.
Und so ist die statistische Aufbereitung der jährlichen FSME-Fälle, die regelmäßig vom Virologie-Institut zum Frühlingsbeginn präsentiert wird, nicht viel mehr als eine Werbeaktion für die FSME Impfung. Nachdem die Herstellerfirma Baxter ein langjähriger treuer Sponsor des Virologie-Instituts ist, ist das vielleicht auch so beabsichtigt.
Totale Ignoranz
Für jemand, der an einer guten wissenschaftlichen Aufarbeitung der Zeckenstich-bedingten FSME Fälle interessiert ist, sind das alles jedoch höchst frustrierende Umstände. Kärnten, das Bundesland, in dem der aktuelle Todesfall aufgetreten ist, hat mit einer Impfquote von 93 Prozent wohl den Weltrekord bei einer Impfung, die von den Menschen selbst zu bezahlen und zu organisieren ist.
Eine Impfung, von der weder die genaue Wirksamkeit, noch die Dauer des Schutzes, noch die Nebenwirkungen, welche über Rötungen und Fieber hinausgehen, im Detail bekannt sind.
Gute Vergleichsstudien mit physiologisch neutraler "Placeboimpfung" in der Kontrollgruppe gibt es nicht. Und wenn die Hersteller mal eine Studie finanzieren, so ist damit bei weitem noch nicht gesagt, dass diese auch erscheint. Ich erinnere mich dazu an die Aussage der damaligen Forschungsleiterin bei Baxter, als ich sie bat, mir eine kürzlich durchgeführte Studie zu schicken. Die Dame lehnte ab und begründete dies mit folgendem denkwürdigen Satz: "Wir machen Studien ja nicht, um diese zu veröffentlichen, sondern damit unsere Impfungen zugelassen werden."
Nachdem das einmal gelungen ist und ein Impfstoff am Markt ist, wird die Erfassung von selteneren Nebenwirkungen dann vollständig dem Zufall überlassen. Zwar besteht seit vielen Jahren eine gesetzliche Meldepflicht von allen medizinischen Auffälligkeiten, die in zeitlichem Zusammenhang zu einer Impfung auftreten. Doch die meisten Ärzte wissen nichts davon. Weder von der Meldepflicht noch von der Tatsache, dass Allergien, chronische Entzündungen oder Autoimmun-Erkrankungen überhaupt von einer voran gegangenen Impfung stammen können. Sie wissen auch nicht, dass es vollkommen gleichgültig ist, ob sie selbst es für wahrscheinlich oder unwahrscheinlich halten, ob das Symptom durch die Impfung ausgelöst wurde, oder nicht. Allein der zeitliche Zusammenhang genügt für die Meldepflicht an die zuständige Stelle im Gesundheitsministerium. Nichtmeldung ist sogar strafbar. Doch niemand klärt die Ärzte auf, niemand ahndet Verstöße. Und niemand denkt auch nur im Traum daran, die gemeldeten Nebenwirkungen - nach dem Vorbild Deutschlands - in einer öffentlichen zugänglichen Datenbank im Internet zu publizieren.
Somit erfolgt Aufklärung zur FSME Impfung weiterhin vor allem über PR-Kampagnen, TV-Werbung, sowie als Information getarnte, bezahlte Werbetexte in den Boulevard-Medien.
Ich habe hier im Blog eine der wenigen guten epidemiologischen Arbeiten zum Verlauf der FSME bei Kindern besprochen, die in Österreich existieren. Peter Fritsch hat mit Kollegen von der Meduni Graz die Daten der letzten 24 Jahre seit Einführung der FSME-Impfung in Österreich aufbereitet. In der Steiermark, dem mit Abstand am meisten von der über die Zecken verbreitete Infektion betroffenen Bundesland, waren in dieser Zeit insgesamt 116 Kinder erkrankt. Davon mussten sechs Kinder intensivmedizinisch betreut werden. Bis auf einen einzigen Fall heilte die Krankheit folgenlos ab. Ein zum Zeitpunkt der Erkrankung fünf Jahre altes Mädchen trug bleibende Schäden davon.
Insgesamt waren von den 116 Patienten 112 vollkommen ungeimpft. Zwei Kinder hatten eine Impf-Dosis, ein erkranktes Kind zwei, und eines die komplette Basis-Immunisierung mit drei Impfdosen. Damit erkennt man, dass die FSME-Impfung sehr gut vor dem Auftreten dieser von Zecken übertragenen viralen Infektion schützt.
Ausgerechnet der eine schwere Fall des Mädchens, das bis heute unter Lähmungen und anderen Gesundheitsproblemen leidet, war jedoch das Kind mit der vollständigen Impf-Serie. Die Autoren der steirischen Studie nahmen an, dass der schwere Verlauf genetisch bedingt war, und das Mädchen an einer höheren Empfänglichkeit gegen diese Viren litt.
Dass es nun binnen eines halben Jahres zu zwei Todesfällen bei Kindern gekommen ist, ist höchst ungewöhnlich. Ebenso ungewöhnlich ist, dass beide Kinder geimpft, die Grundimmunisierung mit den drei Teilimpfungen aber nicht abgeschlossen wurde. Die Eltern waren keine Impfgegner. In einem Fall riet angeblich sogar der behandelnde Impfarzt wegen schwerer Nebenwirkungen von einer weiteren FSME-Impfung ab.
Ich fasse hier zusammen, was ich über die Todesfälle in Erfahrung bringen konnte:
Der Fall des Salzburger Kindes
Im September starb - kurz vor seinem 6. Geburtstag - ein Kind in Salzburg an Meningitis. Die Eltern tschechischer Herkunft wohnten im Flachgau, einem Gebiet, in dem FSME selten ist, aber doch vorkommt.
Am 21. Mai 2007, im Alter von 18 Monaten wurden das Kleinkind gegen FSME geimpft, am 4. Juni erfolgte die zweite Impfung. An sich ist der Abstand von nur zwei Wochen zwischen den Impfterminen ungewöhnlich. Wahrscheinlich wurde nach einem "Schnell-Schema" geimpft, um das Kind noch für die aktuelle Saison zu schützen.
Warum die dritte Impfung dann nicht mehr erfolgt ist, konnte mir niemand sagen. Auch nicht, ob das Kind nach den Impfungen möglicherweise unter Nebenwirkungen gelitten hat und die Eltern deshalb die Grund-Immunisierung nicht fertig machten.
Ob das Kind vor dem Ausbruch der Krankheit im Spätsommer 2011 überhaupt von einer Zecke gestochen wurde, gilt als wahrscheinlich, aber nicht als vollständig sicher. FSME Viren können theoretisch auch über andere Quellen - wie z.B. Rohmilch - übertragen werden. Die Eltern konnten sich nicht an einen konkreten Zeckenstich erinnern. Doch das ist nicht ungewöhnlich. Speziell die Stiche von Nymphen - dem zweiten Entwicklungsstadium der Zecken - werden häufig übersehen.
Warum die Infektion so ungewöhnlich schwer verlaufen ist, weiß niemand. Den Experten, die ich befragt habe, waren weder Grunderkrankungen noch sonstige Risikofaktoren bei dem Kind bekannt.
Nicht beantwortet wurde die Frage, wie hoch der Antikörper-Titer des Kindes war. Denn nach zweimaliger Impfung entwickeln laut Aussagen von Impfexperten "98 Prozent der Kinder eine Serokonversion - also Antikörper - und gelten über die Saison als geschützt."
Der aktuelle Todesfall des Kärntner Mädchens
Das 9-jährige Mädchen aus Ledenitzen am Faaker See starb am Dienstag dieser Woche im Landeskrankenhaus Klagenfurt, wohin es wegen des schweren Verlaufes aus Villach überstellt wurde.
Eine ursächliche Therapie stand nicht zur Verfügung, erklärte mir der zuständige Primar, Wilhelm Kaulfersch: "FSME Immunglobuline sind im Vorjahr vom Markt genommen worden, weil sich heraus gestellt hat, dass sie recht unsicher sind und eine Krankheit sogar noch verstärken können."
Das Kärntner Mädchen war ebenfalls geimpft worden. Allerdings nur einmal, weil es, wie Kaulfersch berichtet, "die Impfung sehr schlecht vertragen hat". Angeblich, so Kaulfersch, hat sogar der behandelnde Arzt der Familie von einer nochmaligen Impfung abgeraten.
Ich fragte Kaulfersch, ob diese Unverträglichkeit möglicherweise in Zusammenhang steht mit dem nunmehrigen tödlichen Verlauf der Infektion. "Da habe ich keine Ahnung", entgegnete er, "ich bin doch kein Wissenschaftler."
Nun heißt es, dass das Mädchen noch leben würde, wenn die zwei fehlenden FSME-Impfungen der Basis-Immunisierung - entgegen den Bedenken des Hausarztes - verabreicht worden wären.
Die mit FSME befassten Wissenschaftler raten jedenfalls eifrig zur Impfung und legen ansonsten weiter ihre Hände in den Schoß. Geforscht wird scheinbar nur dann, wenn von Baxter oder Novartis, den Herstellern der beiden Impfstoffe, ein bezahlter Auftrag kommt.
Für die laufende Impfaktion sind die aktuellen Fälle jedenfalls eine enorme Werbung. Im ganzen Land strömen die Menschen mit ihren Kindern zu den Impfärzten. Und vielleicht gelingt es ja, die Weltrekord-Quote der österreichischen "Zeckenimpf-Aktion" noch etwas weiter in die Höhe zu schrauben.
Das beschämende Wissens-Vakuum rundum kümmert niemand.
Mittwoch, 13. Juli 2011
Zum Verlauf der FSME bei Kindern
Es gibt recht wenig Informationen darüber, wie sich von Zecken übertragene Infektionen mit dem FSME-Virus bei Kindern auswirken, wie häufig diese Infekte sind und was im Ernstfall geschehen kann. Deshalb stelle ich hier eine gut gemachte Arbeit zu diesem Thema etwas genauer vor.
Die Steiermark hat 1,1 Mio. Einwohner und ist jenes österreichische Bundesland das traditionell am stärksten von der FSME betroffen ist.
Erstautor der Arbeit ist Peter Fritsch von der Meduni Graz. (Quelle: Acta Pædiatrica 2008; 97: 535–538)
Die Analyse schloss alle steirischen Kinder im Alter unter 16 Jahren ein, die während der Jahre 1981 bis inclusive 2005 an einer Labor-bestätigten FSME-Virus-Infektion erkrankt waren.
Da in der Anfangsphase der 80er Jahre noch keine Impfung zur Verfügung stand, bzw. noch die meisten Steirer ungeimpft waren, gab es hier die meisten FSME-Fälle: Rekord waren 21 Fälle pro Jahr, in einigen Jahren gab es aber auch gar keine FSME Fälle bei Kindern.
Insgesamt traten in der Steiermark in diesen 25 Jahren 116 Fälle von FSME bei Kindern auf, das sind knapp fünf Fälle pro Jahr.
Insgesamt mussten 6 dieser Kinder für etwa eine Woche in die Intensivstation aufgenommen werden.
Nach einer Aufenthaltsdauer von durchschnittlich 17 Tagen wurden fast alle Kinder gesund entlassen.
Nur bei zwei Kindern traten noch über einen längeren Zeitraum Probleme auf: Das eine erkrankte im Alter von 7 Jahren an FSME und hatte über einen Zeitraum von weiteren 7 Jahren immer wieder epileptische Anfälle. Die Anti-epileptische Therapie konnte dann im Alter von 19 Jahren eingestellt werden.
Das zweite Kind, ein fünfjähriges Mädchen, erkrankte am schwersten an FSME, brauchte eine lange Neuro-Rehabilitation und ist bis heute halbseitig gelähmt.
Insgesamt waren von den 116 Patienten 112 vollkommen ungeimpft. Zwei Kinder hatten eine Impf-Dosis, ein Patient zwei, und ein Patient die komplette Basis-Immunisierung mit drei Impfdosen.
Damit erkennt man, dass die FSME-Impfung sehr gut vor dem Auftreten dieser von den Zecken übertragenen viralen Infektion schützt.
Ausgerechnet der eine schwere Fall des fünfjährigen Mädchens, das bis heute Folgeprobleme hat, war jedoch das Kind mit der vollständigen Impf-Serie. Die Autoren der steirischen Studie nahmen an, dass der schwere Verlauf genetisch bedingt war, und das Mädchen an einer höheren Empfänglichkeit gegen diese Viren litt.
Zusammen fassend kann man aus der Studie also die Botschaft mitnehmen, dass:
Eine FSME ist bei Kindern meist nur eine FSM
Zur Situation bei Babys im ersten Lebensjahr
Werner Zenz, Professor an der Kinderklinik der Meduni Graz erinnert sich an einen Fall eines Babys aus dem Jahr 1990, wo ein 3,5 Monate altes Kind an FSME erkrankt ist. Das war der damals weltweit einzige Fall bei einem Kind jünger als 12 Monate.
Fieber dauerte 6 Tage, die Krankheit insgesamt 18 Tage, wurde in der letzten Phase allerdings durch eine andere Erkältungsvirus-Infektion verlängert.
Das Baby war bei den Kontrollbesuchen im Krankenhaus vollständig ausgeheilt und gesund.
Ich fragte Prof. Zenz, ab wann er die Impfung empfiehlt. Seine Antwort:
Und ich füge noch hinzu: Für jene, die ihre Kinder nicht oder erst später gegen FSME impfen wollen, ergibt sich aus der steirischen Untersuchung immerhin die Gewissheit, dass bleibende Schäden zum einen extrem selten sind und zum zweiten auch durch eine Impfung nicht vollständig ausgeschlossen werden können.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, würden
wir uns über einen kleinen Beitrag zu unserer Arbeit sehr freuen.
Die Steiermark hat 1,1 Mio. Einwohner und ist jenes österreichische Bundesland das traditionell am stärksten von der FSME betroffen ist.
Erstautor der Arbeit ist Peter Fritsch von der Meduni Graz. (Quelle: Acta Pædiatrica 2008; 97: 535–538)
Die Analyse schloss alle steirischen Kinder im Alter unter 16 Jahren ein, die während der Jahre 1981 bis inclusive 2005 an einer Labor-bestätigten FSME-Virus-Infektion erkrankt waren.
Da in der Anfangsphase der 80er Jahre noch keine Impfung zur Verfügung stand, bzw. noch die meisten Steirer ungeimpft waren, gab es hier die meisten FSME-Fälle: Rekord waren 21 Fälle pro Jahr, in einigen Jahren gab es aber auch gar keine FSME Fälle bei Kindern.
Insgesamt traten in der Steiermark in diesen 25 Jahren 116 Fälle von FSME bei Kindern auf, das sind knapp fünf Fälle pro Jahr.
Insgesamt mussten 6 dieser Kinder für etwa eine Woche in die Intensivstation aufgenommen werden.
Nach einer Aufenthaltsdauer von durchschnittlich 17 Tagen wurden fast alle Kinder gesund entlassen.
Nur bei zwei Kindern traten noch über einen längeren Zeitraum Probleme auf: Das eine erkrankte im Alter von 7 Jahren an FSME und hatte über einen Zeitraum von weiteren 7 Jahren immer wieder epileptische Anfälle. Die Anti-epileptische Therapie konnte dann im Alter von 19 Jahren eingestellt werden.
Das zweite Kind, ein fünfjähriges Mädchen, erkrankte am schwersten an FSME, brauchte eine lange Neuro-Rehabilitation und ist bis heute halbseitig gelähmt.
Insgesamt waren von den 116 Patienten 112 vollkommen ungeimpft. Zwei Kinder hatten eine Impf-Dosis, ein Patient zwei, und ein Patient die komplette Basis-Immunisierung mit drei Impfdosen.
Damit erkennt man, dass die FSME-Impfung sehr gut vor dem Auftreten dieser von den Zecken übertragenen viralen Infektion schützt.
Ausgerechnet der eine schwere Fall des fünfjährigen Mädchens, das bis heute Folgeprobleme hat, war jedoch das Kind mit der vollständigen Impf-Serie. Die Autoren der steirischen Studie nahmen an, dass der schwere Verlauf genetisch bedingt war, und das Mädchen an einer höheren Empfänglichkeit gegen diese Viren litt.
Zusammen fassend kann man aus der Studie also die Botschaft mitnehmen, dass:
- Kinder unter 16 Jahren sehr selten an FSME erkranken
- Dass die FSME-Impfung dieses geringe Risiko noch deutlich reduziert
- Dass Kinder, die auf Grund eines Zeckenstichs an FSME erkranken, normalerweise keine Folgeschäden zurück behalten
- Dass in den extrem seltenen Fällen, wo so etwas trotzdem passiert auch eine Impfung keinen sicheren Schutz bietet
Eine FSME ist bei Kindern meist nur eine FSM
Kinder erkranken meist nicht an einer Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), sondern "nur" an Meningitis. Die Patienten zeigen in dieser Krankheitsphase Fieber über 38°C, eine starke Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens sowie Kopfschmerzen, Erbrechen und Nackensteifigkeit.
Dass die FSME bei Erwachsenen eine schlechtere Prognose hat, liegt daran, dass die deutlich gefährlichere Meningoenzephalits mit zunehmendem Alter immer häufiger wird: Von 5% bei Kindern bis zu 60% bei älteren Menschen.
Klinisch zeigen diese tatsächlichen FSME-Patienten meist schon bei der stationären Aufnahme enzephalitische Symptome. Dabei werden am häufigsten Somnolenz sowie Verhaltens- und Wesensveränderungen beobachtet. Weitere Symptome sind Krampfanfälle, Lähmungen von Hirnnerven und/oder Extremitäten.
Zur Situation bei Babys im ersten Lebensjahr
Werner Zenz, Professor an der Kinderklinik der Meduni Graz erinnert sich an einen Fall eines Babys aus dem Jahr 1990, wo ein 3,5 Monate altes Kind an FSME erkrankt ist. Das war der damals weltweit einzige Fall bei einem Kind jünger als 12 Monate.
Fieber dauerte 6 Tage, die Krankheit insgesamt 18 Tage, wurde in der letzten Phase allerdings durch eine andere Erkältungsvirus-Infektion verlängert.
Das Baby war bei den Kontrollbesuchen im Krankenhaus vollständig ausgeheilt und gesund.
Ich fragte Prof. Zenz, ab wann er die Impfung empfiehlt. Seine Antwort:
"Ich empfehle ein Vorgehen nach dem Impfplan: Impfung aller Kinder ab dem 1. Lebensjahr, die in ein Risikogebiet reisen oder sich dort aufhalten"
Und ich füge noch hinzu: Für jene, die ihre Kinder nicht oder erst später gegen FSME impfen wollen, ergibt sich aus der steirischen Untersuchung immerhin die Gewissheit, dass bleibende Schäden zum einen extrem selten sind und zum zweiten auch durch eine Impfung nicht vollständig ausgeschlossen werden können.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, würden
wir uns über einen kleinen Beitrag zu unserer Arbeit sehr freuen.
Dienstag, 19. April 2011
Kleine Zeckenkunde zur Vermeidung einer Borreliose
Weil jetzt im Frühjahr die Zecken wieder Hochsaison haben und eine ganze Menge seltsamer Tipps im Umlauf sind, gibts hier die alljährliche Zeckenkunde. Der wichtigste Rat: Lesen Sie keine Artikel, in denen vom Zeckenbiss die Rede ist. Zecken haben keine Zähne, sondern einen Stechapparat. Zecken stechen!
Es gibt immer wieder Berichte, dass vereinzelt auch Gelsen Borrelien übertragen.
Falls das tatsächlich passiert, so geschieht das zufällig.
Symbiotisch angepasst sind Borrelien tatsächlich nur an Zecken. Wenn eine Zecke sticht, so bewegen sich Borrelien - alarmiert über bestimmte Signalstoffe im Speichel der Zecken - sogar aktiv auf die Stichstelle zu und lassen sich aufsaugen.
Zecken sind ihr einziges Verbreitungs-Vehikel.
Wenn Zecken binnen 24 Stunden nach dem Stich entfernt werden, so kann man eine Übertragung der Borrelien mit hoher Sicherheit vermeiden, weil sich die Borrelien im Darm der Zecke befinden und erst in den Stichkanal gespült werden, wenn die Zecke zu wachsen beginnt.
Erwachsene Zecken wachsen während des Saugvorganges auf das 200-fache Volumen an und saugen - wenn man sie lässt - rund eine Woche.
Da Blut einen hohen Wasseranteil hat, versucht die Zecke die Nährstoffe zu konzentrieren. Sie spült also das Wasser wieder in den Wirt zurück. Erst in dieser Phase werden die Borrelien übertragen.
Wenn man am Abend die Kinder vor dem Schlafengehen auf Zecken absucht, so kann normalerweise eine Ansteckung vermieden werden.
Allerdings unbedingt darauf achten, dass der Körper der Zecke beim rausziehen nicht gequetscht wird. Dabei erst werden nämlich häufig die Borrelien in den Stichkanals gedrückt.
Öl auf die Zecke zu tropfen ist kontraproduktiv. Herausschrauben eine unnötige Fleißaufgabe, weil die Zecken kein Gewinde haben.
Einfach so weit wie möglich vorne am Stichkanal anpacken (mit einer möglichst spitzen Pinzette) und gerade rausziehen.
Falls das Stichwerkzeug abreißen sollte und in der Haut stecken bleibt, so ist dies kein Drama. Das wird binnen kurzem abgestoßen.
Es gibt übrigens drei Stadien im Lebenszyklus der Zecken:
Larven, Nymphen und Erwachsene.
Vor den Larven muss man überhaupt keine Angst haben: Sie übertragen weder FSME noch Borrelien. Sie sind winzig, treten meist in Massen auf (weil sie grade aus einem Gelege von ca. 2000 Eiern geschlüpft sind) und haben - im Gegensatz zu den anderen beiden Zecken-Stadien - nicht acht sondern nur sechs Beine.
Die Nymphen haben bereits einmal gesaugt und wenn die Maus (das Hauptopfer der Zecken) infiziert war, so ist das jetzt auch die Nymphe.
Bei Nymphen muss man besonders aufpassen beim Rausziehen, weil sie so klein sind und leicht gequetscht werden. Sie gehen aber sehr leicht raus. Wer lange Fingernägel hat: damit klappt die Entfernung der Nymphen (in Ermangelung einer Pinzette) auch sehr gut. ;-)
Die erwachsenen Tiere haben bereits zweimal bei Tieren gesaugt und damit das höchste Risiko einer Infektion. Die Übertragung von Borrelien geschieht hier aber sehr langsam.
Insofern geht die größte Gefahr von den Zecken-Nymphen aus.
Bei Katzen ist Borreliose unbekannt, bei Hunden umstritten. Und die Borreliose-Impfung ist sowieso unnötig: Arm an Wirkung, reich an Nebenwirkungen. Siehe dazu diesen Artikel.
Foto: Bruno Lüönd Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, würden
wir uns über einen kleinen Beitrag zu unserer Arbeit sehr freuen.
Es gibt immer wieder Berichte, dass vereinzelt auch Gelsen Borrelien übertragen.
Falls das tatsächlich passiert, so geschieht das zufällig.
Symbiotisch angepasst sind Borrelien tatsächlich nur an Zecken. Wenn eine Zecke sticht, so bewegen sich Borrelien - alarmiert über bestimmte Signalstoffe im Speichel der Zecken - sogar aktiv auf die Stichstelle zu und lassen sich aufsaugen.
Zecken sind ihr einziges Verbreitungs-Vehikel.
Wenn Zecken binnen 24 Stunden nach dem Stich entfernt werden, so kann man eine Übertragung der Borrelien mit hoher Sicherheit vermeiden, weil sich die Borrelien im Darm der Zecke befinden und erst in den Stichkanal gespült werden, wenn die Zecke zu wachsen beginnt.
Erwachsene Zecken wachsen während des Saugvorganges auf das 200-fache Volumen an und saugen - wenn man sie lässt - rund eine Woche.
Da Blut einen hohen Wasseranteil hat, versucht die Zecke die Nährstoffe zu konzentrieren. Sie spült also das Wasser wieder in den Wirt zurück. Erst in dieser Phase werden die Borrelien übertragen.
Wenn man am Abend die Kinder vor dem Schlafengehen auf Zecken absucht, so kann normalerweise eine Ansteckung vermieden werden.
Allerdings unbedingt darauf achten, dass der Körper der Zecke beim rausziehen nicht gequetscht wird. Dabei erst werden nämlich häufig die Borrelien in den Stichkanals gedrückt.
Öl auf die Zecke zu tropfen ist kontraproduktiv. Herausschrauben eine unnötige Fleißaufgabe, weil die Zecken kein Gewinde haben.
Einfach so weit wie möglich vorne am Stichkanal anpacken (mit einer möglichst spitzen Pinzette) und gerade rausziehen.
Falls das Stichwerkzeug abreißen sollte und in der Haut stecken bleibt, so ist dies kein Drama. Das wird binnen kurzem abgestoßen.
Es gibt übrigens drei Stadien im Lebenszyklus der Zecken:
Larven, Nymphen und Erwachsene.
Vor den Larven muss man überhaupt keine Angst haben: Sie übertragen weder FSME noch Borrelien. Sie sind winzig, treten meist in Massen auf (weil sie grade aus einem Gelege von ca. 2000 Eiern geschlüpft sind) und haben - im Gegensatz zu den anderen beiden Zecken-Stadien - nicht acht sondern nur sechs Beine.
Die Nymphen haben bereits einmal gesaugt und wenn die Maus (das Hauptopfer der Zecken) infiziert war, so ist das jetzt auch die Nymphe.
Bei Nymphen muss man besonders aufpassen beim Rausziehen, weil sie so klein sind und leicht gequetscht werden. Sie gehen aber sehr leicht raus. Wer lange Fingernägel hat: damit klappt die Entfernung der Nymphen (in Ermangelung einer Pinzette) auch sehr gut. ;-)
Die erwachsenen Tiere haben bereits zweimal bei Tieren gesaugt und damit das höchste Risiko einer Infektion. Die Übertragung von Borrelien geschieht hier aber sehr langsam.
Insofern geht die größte Gefahr von den Zecken-Nymphen aus.
Bei Katzen ist Borreliose unbekannt, bei Hunden umstritten. Und die Borreliose-Impfung ist sowieso unnötig: Arm an Wirkung, reich an Nebenwirkungen. Siehe dazu diesen Artikel.
Foto: Bruno Lüönd Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, würden
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Montag, 13. September 2010
"Relevanz der Borreliose-Impfung geht gegen Null"
Ob Tiere an Borreliose erkranken können, ist höchst ungewiss. Ebenso ungewiss ist demnach auch der Nutzen der Impfung für Hunde.
Pferde scheinen mit Borrelien kaum Probleme zu haben. Experimente mit künstlicher Infektion von Ponys hatten keinerlei Krankheits-Symptome zur Folge. Auch Katzen lassen die Bakterien scheinbar kalt. Obwohl bis zu einem Drittel der Tiere im Antikörper-Test positiv sind, also nachweislichen Kontakt mit Borrelien hatten, sind Erkrankungen bei Katzen in der Medizinliteratur nahezu unbekannt. Bei Hunden wurde in einigen Tierexperimenten gezeigt, dass es möglich ist, über die künstliche Infektion mit Borrelien Gelenksentzündungen auszulösen. Ob dies jedoch von praktischer Bedeutung ist, weiß niemand so genau, zumal in anderen Studien keinerlei gesundheitliche Folgen beobachtet wurden. Hunde in belasteten Gebieten haben zudem derart oft Zecken, dass Borrelien-Infektionen eher die Regel, denn die Ausnahme sind.
Eine der sorgfältigsten Arbeiten zu dieser Frage wurde kürzlich von Veterinären der Universität Zürich veröffentlicht. Die Tierärzte wollten prüfen, ob die bekannte Anfälligkeit von Berner Sennenhunden auf Nieren- und Gelenksprobleme etwas mit Borreliose zu tun haben könnte, zumal diese Tiere scheinbar wie Magneten auf Zecken wirken. Dafür wurden 160 dieser massigen Rassetiere mit 62 Kontrollhunden verglichen. Tatsächlich zeigte sich eine enorme Durchseuchung der Berner Sennenhunde mit Borreliose. Bei ihnen reagierten 58 Prozent positiv auf den Test gegenüber nur 15 Prozent in der Kontrollgruppe. Knapp drei Jahre später wurden die Tiere noch einmal untersucht. Elf der Sennenhunde hatten mittlerweile eine Nierenschwäche entwickelt, in der Vergleichsgruppe kein einziges. Mit dem Borreliose-Status hatte das jedoch ebenso wenig zu tun wie bei den Symptomen von Lahmheit. Die positiv getesteten Tiere hatten weder bei den Sennen–, noch bei den Kontrollhunden ein höheres Risiko. Es dürfte sich also, so der Schluss der Schweizer Veterinäre, um ein spezifisches Problem dieser hoch gezüchteten Rasse handeln.
Ob eine Impfung der Hunde gegen Borreliose sinnvoll ist, wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Von der österreichischen Tierärztekammer wird die Spritze, die rund 30 Euro kostet, zur Vorsorge gegen die „meist chronisch verlaufende Infektionskrankhiet, die schwer zu diagnostizieren ist“, wärmstens empfohlen: Zweimal zur Grund-Immunisierung und dann jährlich zur Auffrischung.
„Die Relevanz der Impfung geht gegen Null“, urteilt hingegen Michael Leschnik von der Veterinärmedizinischen Universität in Wien. Dies liege zum einen daran, dass Borrelien des Types „burgdorferi“ zwar in den USA, wo die Impfung entwickelt wurde, weit verbreitet sind, in Europa komme diese Art aber gerade mal auf 10 Prozent. Den Rest der Infektionen teilen sich Borrelien der Typen „afzelii“ und „garinii“. „Dass die Impfung auch gegen diese Arten wirkt, ist eine Behauptung des Herstellers, für die bisher der Beweis nicht erbracht worden ist“, sagt Leschnik.
Wie diesen Bakterien wirksam zu begegnen ist, weiß das Immunsystem der Vögel, welches den „afzelii“-Typus sofort abtötet. Ähnlich verfahren Nagetiere mit „garinii“. Umgekehrt wird jedoch afzelii von den Nagern und garinii von den Vögeln sehr wohl toleriert. Weder erkranken sie, noch bekämpfen sie die Infektion. Und wenn sich Zecken an ihrem Blut bedienen, so bringen sie damit auch die Borrelien unters Volk. Mit welchem Ergebnis auch immer.
Tarnen und täuschen
Gerade ihre geringe Aggressivität hilft den Borrelien, der Immunabwehr – oft über Monate und Jahre – zu entkommen.
Borrelien gehören zur den Spirochäten, einer Gruppe schraubenförmiger, sich aktiv bewegender Bakterien, die für Menschen meist ungefährlich sind. Ausnahme sind eben die Borrelien, die neben der Lyme-Borreliose auch noch verschiedene Formen von Rückfallfieber auslösen können, sowie die nahe verwandte Gattung der Treponema, den Erregern der Syphilis.
Zecken übertragen die Borrelien aus ihren Reservoir-Wirten – etwa Ratten, Mäusen oder Vögeln – auf andere Lebewesen, und bilden damit ihr mit Abstand wichtigstes Verbreitungs-Vehikel. Insofern haben sich die Borrelien im Lauf der Evolution perfekt auf die Zecken eingestellt. Wenn eine Borrelien infizierte Maus von einer Zecke gestochen wird, so empfangen die Borrelien über den Speichel der Zecke ein Signal und bewegen sich in der Folge im Blutkreislauf der Maus aktiv auf die Einstichstelle zu, um sich von der Zecke aufsaugen zu lassen. Sie sind sozusagen ihr Tor zur Welt, der Zeckendarm ihr ideales Reservoir, in dem sie auch überwintern.
Wenn die Zecke einen neuen Wirt findet und sticht, so werden die Borrelien aktiviert. Sie strömen dauraufhin zu den Speicheldrüsen wo sie bestimmte Substanzen binden, die ihnen später helfen, aggressive Zellen des Immunsystem kurzzeitig abzuwehren. Derart gewappnet strömen sie über den Stichkanal der Zecke in ihren neuen Wirt.
Weil dieser Vorgang mehrere Stunden in Anspruch nimmt, ist der beste Schutz gegen eine Infektion die rechtzeitige Entfernung der Zecke. Wenn eine Zecke binnen acht Stunden entdeckt wird, ist die Gefahr einer Übertragung von Borrelien gering.
Borrelien sind normalerweise wenig aggressiv. Sie teilen sich extrem langsam und attackieren keine Organe, sondern verstecken sich lieber im Bindegewebe. Gerade in dieser unauffälligen Lebensweise liegt aber paradoxerweise auch ihre Gefahr. Denn wenn das Immunsystem nach Monaten oder Jahren doch auf sie aufmerksam wird, greift es das von den Borrelien besiedelte Areal großflächig an. Und das macht sich dann – je nachdem, wo sich die Borrelien versteckt hatten – bei den Betroffenen als akute Gelenksentzündung oder als Nervenlähmung bemerkbar.
Diese beiden Beiträge erschienen in der Ausgabe vom 23. August 2010 im Rahmen der Story "Der Borreliose Boom" im Nachrichtenmagazin profil.
Pferde scheinen mit Borrelien kaum Probleme zu haben. Experimente mit künstlicher Infektion von Ponys hatten keinerlei Krankheits-Symptome zur Folge. Auch Katzen lassen die Bakterien scheinbar kalt. Obwohl bis zu einem Drittel der Tiere im Antikörper-Test positiv sind, also nachweislichen Kontakt mit Borrelien hatten, sind Erkrankungen bei Katzen in der Medizinliteratur nahezu unbekannt. Bei Hunden wurde in einigen Tierexperimenten gezeigt, dass es möglich ist, über die künstliche Infektion mit Borrelien Gelenksentzündungen auszulösen. Ob dies jedoch von praktischer Bedeutung ist, weiß niemand so genau, zumal in anderen Studien keinerlei gesundheitliche Folgen beobachtet wurden. Hunde in belasteten Gebieten haben zudem derart oft Zecken, dass Borrelien-Infektionen eher die Regel, denn die Ausnahme sind.
Eine der sorgfältigsten Arbeiten zu dieser Frage wurde kürzlich von Veterinären der Universität Zürich veröffentlicht. Die Tierärzte wollten prüfen, ob die bekannte Anfälligkeit von Berner Sennenhunden auf Nieren- und Gelenksprobleme etwas mit Borreliose zu tun haben könnte, zumal diese Tiere scheinbar wie Magneten auf Zecken wirken. Dafür wurden 160 dieser massigen Rassetiere mit 62 Kontrollhunden verglichen. Tatsächlich zeigte sich eine enorme Durchseuchung der Berner Sennenhunde mit Borreliose. Bei ihnen reagierten 58 Prozent positiv auf den Test gegenüber nur 15 Prozent in der Kontrollgruppe. Knapp drei Jahre später wurden die Tiere noch einmal untersucht. Elf der Sennenhunde hatten mittlerweile eine Nierenschwäche entwickelt, in der Vergleichsgruppe kein einziges. Mit dem Borreliose-Status hatte das jedoch ebenso wenig zu tun wie bei den Symptomen von Lahmheit. Die positiv getesteten Tiere hatten weder bei den Sennen–, noch bei den Kontrollhunden ein höheres Risiko. Es dürfte sich also, so der Schluss der Schweizer Veterinäre, um ein spezifisches Problem dieser hoch gezüchteten Rasse handeln.
Ob eine Impfung der Hunde gegen Borreliose sinnvoll ist, wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Von der österreichischen Tierärztekammer wird die Spritze, die rund 30 Euro kostet, zur Vorsorge gegen die „meist chronisch verlaufende Infektionskrankhiet, die schwer zu diagnostizieren ist“, wärmstens empfohlen: Zweimal zur Grund-Immunisierung und dann jährlich zur Auffrischung.
„Die Relevanz der Impfung geht gegen Null“, urteilt hingegen Michael Leschnik von der Veterinärmedizinischen Universität in Wien. Dies liege zum einen daran, dass Borrelien des Types „burgdorferi“ zwar in den USA, wo die Impfung entwickelt wurde, weit verbreitet sind, in Europa komme diese Art aber gerade mal auf 10 Prozent. Den Rest der Infektionen teilen sich Borrelien der Typen „afzelii“ und „garinii“. „Dass die Impfung auch gegen diese Arten wirkt, ist eine Behauptung des Herstellers, für die bisher der Beweis nicht erbracht worden ist“, sagt Leschnik.
Wie diesen Bakterien wirksam zu begegnen ist, weiß das Immunsystem der Vögel, welches den „afzelii“-Typus sofort abtötet. Ähnlich verfahren Nagetiere mit „garinii“. Umgekehrt wird jedoch afzelii von den Nagern und garinii von den Vögeln sehr wohl toleriert. Weder erkranken sie, noch bekämpfen sie die Infektion. Und wenn sich Zecken an ihrem Blut bedienen, so bringen sie damit auch die Borrelien unters Volk. Mit welchem Ergebnis auch immer.
Tarnen und täuschen
Gerade ihre geringe Aggressivität hilft den Borrelien, der Immunabwehr – oft über Monate und Jahre – zu entkommen.
Foto: G. Stanek / Med. Univ. Wien
Borrelien gehören zur den Spirochäten, einer Gruppe schraubenförmiger, sich aktiv bewegender Bakterien, die für Menschen meist ungefährlich sind. Ausnahme sind eben die Borrelien, die neben der Lyme-Borreliose auch noch verschiedene Formen von Rückfallfieber auslösen können, sowie die nahe verwandte Gattung der Treponema, den Erregern der Syphilis.
Zecken übertragen die Borrelien aus ihren Reservoir-Wirten – etwa Ratten, Mäusen oder Vögeln – auf andere Lebewesen, und bilden damit ihr mit Abstand wichtigstes Verbreitungs-Vehikel. Insofern haben sich die Borrelien im Lauf der Evolution perfekt auf die Zecken eingestellt. Wenn eine Borrelien infizierte Maus von einer Zecke gestochen wird, so empfangen die Borrelien über den Speichel der Zecke ein Signal und bewegen sich in der Folge im Blutkreislauf der Maus aktiv auf die Einstichstelle zu, um sich von der Zecke aufsaugen zu lassen. Sie sind sozusagen ihr Tor zur Welt, der Zeckendarm ihr ideales Reservoir, in dem sie auch überwintern.
Wenn die Zecke einen neuen Wirt findet und sticht, so werden die Borrelien aktiviert. Sie strömen dauraufhin zu den Speicheldrüsen wo sie bestimmte Substanzen binden, die ihnen später helfen, aggressive Zellen des Immunsystem kurzzeitig abzuwehren. Derart gewappnet strömen sie über den Stichkanal der Zecke in ihren neuen Wirt.
Weil dieser Vorgang mehrere Stunden in Anspruch nimmt, ist der beste Schutz gegen eine Infektion die rechtzeitige Entfernung der Zecke. Wenn eine Zecke binnen acht Stunden entdeckt wird, ist die Gefahr einer Übertragung von Borrelien gering.
Borrelien sind normalerweise wenig aggressiv. Sie teilen sich extrem langsam und attackieren keine Organe, sondern verstecken sich lieber im Bindegewebe. Gerade in dieser unauffälligen Lebensweise liegt aber paradoxerweise auch ihre Gefahr. Denn wenn das Immunsystem nach Monaten oder Jahren doch auf sie aufmerksam wird, greift es das von den Borrelien besiedelte Areal großflächig an. Und das macht sich dann – je nachdem, wo sich die Borrelien versteckt hatten – bei den Betroffenen als akute Gelenksentzündung oder als Nervenlähmung bemerkbar.
Diese beiden Beiträge erschienen in der Ausgabe vom 23. August 2010 im Rahmen der Story "Der Borreliose Boom" im Nachrichtenmagazin profil.
Freitag, 10. September 2010
Der Borreliose-Boom
Bis zu 50.000 Menschen erkranken jährlich an Borreliose. Während die Therapie im Frühstadium gut etabliert ist, scheiden sich bei länger zurück liegenden Infektionen die Geister.
„Totkrank“ ist laut „Bild“ der Bankräuber und Erpresser Thomas Wolf. Im Vorjahr hatte „Deutschlands meist gesuchter Verbrecher“ als Zugabe zu seinem Sündenregister auch noch eine Bankiersgattin entführt und war daraufhin mit 1,8 Millionen Euro Lösegeld untergetaucht. Während seiner Flucht verbarg sich Wolf wochenlang in Wäldern, wo er auch Teile seiner Beute vergrub. Erst durch den Hinweis seiner Ex-Freundin konnte er schließlich verhaftet werden. In den nächsten Tagen soll nun am Landesgericht Wiesbaden der Prozess beginnen. Doch Wolfs Anwalt meldet, dass sein Mandant schwer krank und nicht verhandlungsfähig sei: Herzrhythmusstörungen, Nervenlähmungen und Hautverfärbungen machen ihm zu schaffen. Noch vor der Polizei, so das Ergebnis der ärztlichen Untersuchung, dürfte Wolf von einer Borreliose-verseuchten Zecke gefasst worden sein.
Ähnliche Erfahrungen machte im Februar der Hollywood-Star Ben Stiller, bei dem die Infektion einen Arthritis-Schub auslöste. „Mein Knie schwoll an, wurde ganz steif und tat höllisch weh“, berichtete der Schauspieler. Als es nicht besser wurde, ordnete sein Arzt Labortests an und stieß auf die mögliche Erklärung: Der Borreliose-Test war positiv und der Comedian bekam Antibiotika verordnet. An einen Zeckenstich konnte sich Stiller nicht erinnern. Aber immerhin: das Knie schwoll ab.
Weniger Glück hatte der Wiener Installateur-Meister Robert Wessely. Bei ihm war es die Augenärztin, die nach einer wieder kehrenden Bindehaut-Entzündung einen Borreliose-Test anordnete. „Das kommt nicht von außen, das kommt von innen“, erklärte sie ihrem Patienten. Wessely wurde daraufhin zwei Wochen lang stationär aufgenommen und einer Antibiotika-Intesivkur unterzogen. Doch die Therapie nützte wenig. Die Borrelien schlugen sich aufs Herz und Wessely leidet seither an chronischen Rhythmusstörungen und Herzinsuffizienz.
Wessely kann sich – so wie 40 Prozent der Borreliose-Opfer – nicht an einen Zeckenstich erinnern. Auch die charakteristische Wanderröte, die konzentrisch von der Stichstelle aus strahlt, trat bei ihm nicht auf.
Im Gegensatz zur Apothekerin Maria Theresia Aigner aus Neulengbach (NÖ). Sie ertappte im Juli eine Zecke auf frischer Tat in ihrer Kniekehle und entfernte sie mit einer Pinzette. Als sie den Zeckenstich beinahe schon vergessen hatte, zeigte sich – drei Wochen später - der ständig wachsende Kreis.
Die Borreliose boomt und breitet sich – nicht zuletzt durch die Klimaerwärmung – immer weiter aus. Überall wo es nicht zu kalt oder zu trocken ist, kommen unterhalb einer Seehöhe von etwa 1300 Metern Zecken vor. Und die nach dem französischen Mediziner Amédée Borrel benannten Bakterien sind ihre prominenteste und auch am meisten gefürchtete Fracht. Untersuchungen im Darm der zu den Spinnentieren zählenden Parasiten ergaben, dass – je nach Region – zwischen zwei und 50 Prozent der Zecken Borrelien beherbergen, in Österreich sind es im Landes-Durchschnitt 22 Prozent.
Die nahen Verwandten der Syphilis haben sich im Lauf der Evolution perfekt auf die Zecken eingestellt. Sie sind ihr wichtigster Verbreitungs-Helfer. „Etwa jede vierte Zecke überträgt beim Blutsaugen Borrelien“, erklärt der Immunologe Gerold Stanek vom Institut für Hygiene der Medizinischen Universität Wien. Pro Jahr summiert sich das auf etwa 50.000 Erkrankungsfälle. „Ganz Österreich ist betroffen, der Osten etwas stärker.“ Die FSME als wesentlich bekanntere Zeckenkrankheit brachte es im Jahr 2009 auf vergleichsweise bescheidene 79 Krankheitsfälle.
Was Borreliose so besonders macht, ist ihre Unbestimmtheit. Während die Wanderröte als definitives Zeichen einer Krankheit im Frühstadium gilt, und eine Therapie hier – ganz ohne Antikörper-Test – sinnvoll ist, bezweifelt kein Borreliose Experte. Doch bereits bei der zweiten Phase fangen die Unsicherheiten an. Dass Borreliose schwerste Krankheiten auslösen kann, ist bekannt, doch ausgehend von den USA ist diese Diagnose immer mehr auch zu einer Erklärung für eine ganze Unzahl unbestimmter Symptome geworden. Von Schwächegefühl und Chronischer Müdigkeit über Depressionen bis hin zu unbestimmten chronischen Schmerzen wird vieles der Borreliose zugeschrieben. Ein positiver Test gilt vielen Medizinern, um die Diagnose als gesichert anzusehen. Doch wenn die darauffolgende Antibiotika-Therapie keine Linderung bringt, ist der Katzenjammer groß und zeitigen kuriose Folgen. In den USA klagten Selbsthilfegruppen etwa die Krankenkassen auf die Finanzierung lebenlanger Antibiotika-Therapien.
Wie wenig Aussagekräftig ein positiver Borreliose-Test ist, zeigte eindrucksvoll eine Studie, die Gerold Stanek mit Hilfe des burgendländischen Landesjagdverbandes durchführte. Bei mehr als tausend Jägern wurden das Blut auf Antikörper gegen Borrelien untersucht. Das Ergebnis war eine nahezu lineare Abhängigkeit vom Alter: 50-jährige Jäger hatten ein etwa 50 prozentiges Risiko auf einen positiven Test, unter den 70jährigen hatten 70 Prozent Antikörper gegen Borrelien. „Wir hatten aber nur sehr wenige Jäger, die irgendwelche gesundheitlichen Beschwerden angaben“, erinnert sich Stanek.
Die Symptome fortgeschrittener Borreliose sind Medizinern seit langem bekannt. Etwa die charakteristischen Hautausschläge speziell bei älteren Frauen, knallrot angeschwollene Ohrläppchen und Brustwarzen, von einem Gelenk zum anderen „springende“ Entzündungen oder rätselhafte Gesichtslähmungen. Dass derart unterschiedliche Beschwerden eine gemeinsame Ursache haben, weiß man allerdings erst seit kurzem. Rund um das Städtchen Lyme im Bundesstaat Connecticut war es in der zweiten Hälfte der Siebziger Jahre zu einer ungewöhnlichen Häufung von Gelenksentzündungen bei Kindern gekommen. Mehrere Jahre untersuchte eine „Task-Force“ alle möglichen Ursachen, bis schließlich der Verdacht auf die Zecken fiel. Der Bakteriologe Willy Burgdorfer isolierte im Jahr 1982 schließlich aus deren Darm die Borrelien und Allen Steere, Rheumatologe der nahe gelegenen Yale University wies nach, dass diese an den dicken Knien der Kinder in Lyme schuld waren.
Relativ rasch wurde ein Impfstoff gegen Borreliose entwickelt und 1999 in den USA zugelassen. Weil die in den USA vorherrschende Spezies „Borrelia burgdorferi“ in Europa recht selten ist, liefen die Arbeiten an einem breiter wirksamen europäischen Impfstoff. Doch dann publizierte Steere eine Arbeit, in der er den Verdacht äußerte, dass die Impfung Autoimmunstörungen auslösen könnte. In der Folge brach der Markt ein und der Hersteller GlaxoSmithKline nahm sein Produkt bereits 2002 wieder vom Markt. Bloß als Hunde-Impfstoff wird ein auf demselben Wirkprinzip beruhendes Produkt weiterhin angeboten – sogar in Europa.
Mittlerweile arbeiten mehrere Firmen, darunter zwei österreichische Unternehmen intensiv an einem Comeback der Borreliose-Impfung. Analysten bescheinigen ihr ein enormes Markt-Potenzial.
Davon abgesehen ist bei der Forschung rund um die Borreliose kein besonderes Engagement festzustellen. „Es sind noch unglaublich viele Fragen offen“, sagt die Grazer Dermatologin Elisabeth Aberer. Und der deutsche Zecken-Experte Dieter Hassler konstatiert mangelndes Interesse der Pharmaindustrie: „Das liegt wohl daran, dass die meisten der Antibiotika, mit denen die Krankheit behandelt wird, längst patentfrei zur Verfügung stehen.
Hassler erregte kürzlich mit der These Aufsehen, dass das menschliche Immunsystem nie mit einer Borrelien-Infektion fertig werde. In einer persönlich über mehr als 20 Jahre durchgeführten Erhebung zapfte er jedem einzelnen der rund 4000 Bürger seiner Heimatgemeinde Kraichtal in Baden-Württemberg Blut ab und ließ die Proben auf Antikörper gegen Lyme-Borreliose untersuchen. Bei 16,7 Prozent war der Test positiv. „Und spätestens nach acht Jahren traten bei jedem positiv Getesteten auch Symptome der Borreliose auf.“ Hassler behandelte diese lang zurück liegenden Fälle in der Regel mit hoch dosierten Antibiotika-Kuren.
Für Gerold Stanek ist das nicht nachvollziehbar. „Die Lyme-Borreliose ist ganz überwiegend eine selbstlimitierende Erkrankung, die Antikörper sind Ausdruck der eigenen Abwehr“, sagt Stanek. „Wenn das stimmen würde, dass der Organismus nie mit den Bakterien fertig wird, müsste die halbe Bevölkerung an Borreliose leiden.“ Auch eine vorbeugende Behandlung nach Zeckenstich, wie sie in den USA teilweise empfohlen wird, lehnt Stanek ab. „Da würden wir drei Fälle von Wanderröte verhindern, aber gleichzeitig 97 Prozent der Leute unnötig behandeln.“ Wenn die Hautrötung auftrete, sei es noch früh genug, eine Behandlung zu beginnen.
Doch auch hier gehen die Meinungen weit auseinander. Als Maria Theresia Aigner mit ihrer frischen Borreliose bei mehreren Ärzten um Rat fragte, wuchs ihre Verwirrung mit jeder zusätzlich eingeholten Meinung: „Mir wurden von allen Ärzten verschiedene Präparate der Antibiotika genannt und die sollte ich bis zu 50 Tage lang einnehmen.“
Für Stanek ist das nicht Leitlinien-konform. „Vergleichsstudien haben eindeutig gezeigt, dass die Kurzzeit-Therapie mit einer Dauer von zehn bis vierzehn Tagen der Langzeit-Therpie absolut ebenbürtig ist.“ Wenn Antibiotika unnötig zu lange eingenommen würden, schädige man bloß die eigene Darmflora unnötig und fördere auch die Bildung von Resistenzen.
Positive Nachrichten gibt es hingegen für jene Menschen, die auf Zeckenstiche mit einem besonders intensiven und lange andauernden Juckreiz reagieren. „Je stärker der Juckreiz, desto geringer das Infektionsrisiko mit Borreliose“, fasst Elisabeth Aberer das Ergebnis einer aktuellen Studie zusammen. „Der Zeckenstich scheint bei diesen Leuten eine lokale Entzündung zu machen, welche das Immunsystem so stark aktiviert, dass es eine Übertragung der Borrelien konsequent verhindert.“
„Die Diagnose boomt“
Die Grazer Borreliose-Expertin Elisabeth Aberer warnt, dass ein positiver Test leicht auf eine falsche Fährte führen kann.
Dieser Text erschien in der Ausgabe vom 23. August 2010 im Nachrichtenmagazin profil.
Ähnliche Erfahrungen machte im Februar der Hollywood-Star Ben Stiller, bei dem die Infektion einen Arthritis-Schub auslöste. „Mein Knie schwoll an, wurde ganz steif und tat höllisch weh“, berichtete der Schauspieler. Als es nicht besser wurde, ordnete sein Arzt Labortests an und stieß auf die mögliche Erklärung: Der Borreliose-Test war positiv und der Comedian bekam Antibiotika verordnet. An einen Zeckenstich konnte sich Stiller nicht erinnern. Aber immerhin: das Knie schwoll ab.
Weniger Glück hatte der Wiener Installateur-Meister Robert Wessely. Bei ihm war es die Augenärztin, die nach einer wieder kehrenden Bindehaut-Entzündung einen Borreliose-Test anordnete. „Das kommt nicht von außen, das kommt von innen“, erklärte sie ihrem Patienten. Wessely wurde daraufhin zwei Wochen lang stationär aufgenommen und einer Antibiotika-Intesivkur unterzogen. Doch die Therapie nützte wenig. Die Borrelien schlugen sich aufs Herz und Wessely leidet seither an chronischen Rhythmusstörungen und Herzinsuffizienz. Wessely kann sich – so wie 40 Prozent der Borreliose-Opfer – nicht an einen Zeckenstich erinnern. Auch die charakteristische Wanderröte, die konzentrisch von der Stichstelle aus strahlt, trat bei ihm nicht auf.
Im Gegensatz zur Apothekerin Maria Theresia Aigner aus Neulengbach (NÖ). Sie ertappte im Juli eine Zecke auf frischer Tat in ihrer Kniekehle und entfernte sie mit einer Pinzette. Als sie den Zeckenstich beinahe schon vergessen hatte, zeigte sich – drei Wochen später - der ständig wachsende Kreis.
Die Borreliose boomt und breitet sich – nicht zuletzt durch die Klimaerwärmung – immer weiter aus. Überall wo es nicht zu kalt oder zu trocken ist, kommen unterhalb einer Seehöhe von etwa 1300 Metern Zecken vor. Und die nach dem französischen Mediziner Amédée Borrel benannten Bakterien sind ihre prominenteste und auch am meisten gefürchtete Fracht. Untersuchungen im Darm der zu den Spinnentieren zählenden Parasiten ergaben, dass – je nach Region – zwischen zwei und 50 Prozent der Zecken Borrelien beherbergen, in Österreich sind es im Landes-Durchschnitt 22 Prozent.
Die nahen Verwandten der Syphilis haben sich im Lauf der Evolution perfekt auf die Zecken eingestellt. Sie sind ihr wichtigster Verbreitungs-Helfer. „Etwa jede vierte Zecke überträgt beim Blutsaugen Borrelien“, erklärt der Immunologe Gerold Stanek vom Institut für Hygiene der Medizinischen Universität Wien. Pro Jahr summiert sich das auf etwa 50.000 Erkrankungsfälle. „Ganz Österreich ist betroffen, der Osten etwas stärker.“ Die FSME als wesentlich bekanntere Zeckenkrankheit brachte es im Jahr 2009 auf vergleichsweise bescheidene 79 Krankheitsfälle.
Was Borreliose so besonders macht, ist ihre Unbestimmtheit. Während die Wanderröte als definitives Zeichen einer Krankheit im Frühstadium gilt, und eine Therapie hier – ganz ohne Antikörper-Test – sinnvoll ist, bezweifelt kein Borreliose Experte. Doch bereits bei der zweiten Phase fangen die Unsicherheiten an. Dass Borreliose schwerste Krankheiten auslösen kann, ist bekannt, doch ausgehend von den USA ist diese Diagnose immer mehr auch zu einer Erklärung für eine ganze Unzahl unbestimmter Symptome geworden. Von Schwächegefühl und Chronischer Müdigkeit über Depressionen bis hin zu unbestimmten chronischen Schmerzen wird vieles der Borreliose zugeschrieben. Ein positiver Test gilt vielen Medizinern, um die Diagnose als gesichert anzusehen. Doch wenn die darauffolgende Antibiotika-Therapie keine Linderung bringt, ist der Katzenjammer groß und zeitigen kuriose Folgen. In den USA klagten Selbsthilfegruppen etwa die Krankenkassen auf die Finanzierung lebenlanger Antibiotika-Therapien.
Wie wenig Aussagekräftig ein positiver Borreliose-Test ist, zeigte eindrucksvoll eine Studie, die Gerold Stanek mit Hilfe des burgendländischen Landesjagdverbandes durchführte. Bei mehr als tausend Jägern wurden das Blut auf Antikörper gegen Borrelien untersucht. Das Ergebnis war eine nahezu lineare Abhängigkeit vom Alter: 50-jährige Jäger hatten ein etwa 50 prozentiges Risiko auf einen positiven Test, unter den 70jährigen hatten 70 Prozent Antikörper gegen Borrelien. „Wir hatten aber nur sehr wenige Jäger, die irgendwelche gesundheitlichen Beschwerden angaben“, erinnert sich Stanek.
Die Symptome fortgeschrittener Borreliose sind Medizinern seit langem bekannt. Etwa die charakteristischen Hautausschläge speziell bei älteren Frauen, knallrot angeschwollene Ohrläppchen und Brustwarzen, von einem Gelenk zum anderen „springende“ Entzündungen oder rätselhafte Gesichtslähmungen. Dass derart unterschiedliche Beschwerden eine gemeinsame Ursache haben, weiß man allerdings erst seit kurzem. Rund um das Städtchen Lyme im Bundesstaat Connecticut war es in der zweiten Hälfte der Siebziger Jahre zu einer ungewöhnlichen Häufung von Gelenksentzündungen bei Kindern gekommen. Mehrere Jahre untersuchte eine „Task-Force“ alle möglichen Ursachen, bis schließlich der Verdacht auf die Zecken fiel. Der Bakteriologe Willy Burgdorfer isolierte im Jahr 1982 schließlich aus deren Darm die Borrelien und Allen Steere, Rheumatologe der nahe gelegenen Yale University wies nach, dass diese an den dicken Knien der Kinder in Lyme schuld waren.
Relativ rasch wurde ein Impfstoff gegen Borreliose entwickelt und 1999 in den USA zugelassen. Weil die in den USA vorherrschende Spezies „Borrelia burgdorferi“ in Europa recht selten ist, liefen die Arbeiten an einem breiter wirksamen europäischen Impfstoff. Doch dann publizierte Steere eine Arbeit, in der er den Verdacht äußerte, dass die Impfung Autoimmunstörungen auslösen könnte. In der Folge brach der Markt ein und der Hersteller GlaxoSmithKline nahm sein Produkt bereits 2002 wieder vom Markt. Bloß als Hunde-Impfstoff wird ein auf demselben Wirkprinzip beruhendes Produkt weiterhin angeboten – sogar in Europa.
Mittlerweile arbeiten mehrere Firmen, darunter zwei österreichische Unternehmen intensiv an einem Comeback der Borreliose-Impfung. Analysten bescheinigen ihr ein enormes Markt-Potenzial.
Davon abgesehen ist bei der Forschung rund um die Borreliose kein besonderes Engagement festzustellen. „Es sind noch unglaublich viele Fragen offen“, sagt die Grazer Dermatologin Elisabeth Aberer. Und der deutsche Zecken-Experte Dieter Hassler konstatiert mangelndes Interesse der Pharmaindustrie: „Das liegt wohl daran, dass die meisten der Antibiotika, mit denen die Krankheit behandelt wird, längst patentfrei zur Verfügung stehen.
Hassler erregte kürzlich mit der These Aufsehen, dass das menschliche Immunsystem nie mit einer Borrelien-Infektion fertig werde. In einer persönlich über mehr als 20 Jahre durchgeführten Erhebung zapfte er jedem einzelnen der rund 4000 Bürger seiner Heimatgemeinde Kraichtal in Baden-Württemberg Blut ab und ließ die Proben auf Antikörper gegen Lyme-Borreliose untersuchen. Bei 16,7 Prozent war der Test positiv. „Und spätestens nach acht Jahren traten bei jedem positiv Getesteten auch Symptome der Borreliose auf.“ Hassler behandelte diese lang zurück liegenden Fälle in der Regel mit hoch dosierten Antibiotika-Kuren.
Für Gerold Stanek ist das nicht nachvollziehbar. „Die Lyme-Borreliose ist ganz überwiegend eine selbstlimitierende Erkrankung, die Antikörper sind Ausdruck der eigenen Abwehr“, sagt Stanek. „Wenn das stimmen würde, dass der Organismus nie mit den Bakterien fertig wird, müsste die halbe Bevölkerung an Borreliose leiden.“ Auch eine vorbeugende Behandlung nach Zeckenstich, wie sie in den USA teilweise empfohlen wird, lehnt Stanek ab. „Da würden wir drei Fälle von Wanderröte verhindern, aber gleichzeitig 97 Prozent der Leute unnötig behandeln.“ Wenn die Hautrötung auftrete, sei es noch früh genug, eine Behandlung zu beginnen.
Doch auch hier gehen die Meinungen weit auseinander. Als Maria Theresia Aigner mit ihrer frischen Borreliose bei mehreren Ärzten um Rat fragte, wuchs ihre Verwirrung mit jeder zusätzlich eingeholten Meinung: „Mir wurden von allen Ärzten verschiedene Präparate der Antibiotika genannt und die sollte ich bis zu 50 Tage lang einnehmen.“
Für Stanek ist das nicht Leitlinien-konform. „Vergleichsstudien haben eindeutig gezeigt, dass die Kurzzeit-Therapie mit einer Dauer von zehn bis vierzehn Tagen der Langzeit-Therpie absolut ebenbürtig ist.“ Wenn Antibiotika unnötig zu lange eingenommen würden, schädige man bloß die eigene Darmflora unnötig und fördere auch die Bildung von Resistenzen.
Positive Nachrichten gibt es hingegen für jene Menschen, die auf Zeckenstiche mit einem besonders intensiven und lange andauernden Juckreiz reagieren. „Je stärker der Juckreiz, desto geringer das Infektionsrisiko mit Borreliose“, fasst Elisabeth Aberer das Ergebnis einer aktuellen Studie zusammen. „Der Zeckenstich scheint bei diesen Leuten eine lokale Entzündung zu machen, welche das Immunsystem so stark aktiviert, dass es eine Übertragung der Borrelien konsequent verhindert.“
„Die Diagnose boomt“Die Grazer Borreliose-Expertin Elisabeth Aberer warnt, dass ein positiver Test leicht auf eine falsche Fährte führen kann.
profil: Ist die Borreliose eigentlich eine normale Krankheit?
Aberer: Nein, sie ist sehr schwierig zu diagnostizieren. Symptome wie chronische Müdigkeit, Schmerzen, Verspannungen können genauso von einer Grippe stammen oder von einem Burn-Out. Aber wenn dann der Betroffene die Antikörper bestimmen lässt und die sind positiv, dann heißt es „man hat Borreliose“. Das ist aber überhaupt kein Beweis, weil ein sehr hoher Anteil der Bevölkerung auch ohne irgendwelche Beschwerden Borreliose-Antikörper positiv ist.
profil: Wie hoch ist denn der Anteil in der Bevölkerung, die bei einem Borrelien-Test positiv reagieren würden – also schon einmal eine Infektion ausgestanden haben?
Abererer: Bei gesunden Blutspendern sind etwa 10 Prozent positiv, bei Waldarbeitern und Orientierungsläufern kommt man auf 30 Prozent. Mit dem Alter nimmt die Durchseuchung zu. Bei einer burgenländischen Studie zeigte sich, dass fünfzigjährige Jäger zu etwa 50 Prozent positiv gemessen werden und siebzigjährige Jäger zu 70 Prozent. Davon hat jedoch kaum jemand Beschwerden gehabt.
profil: Viele Ärzte verschreiben Antibiotika zur Sicherheit.
Aberer: Das halte ich für sehr riskant. Wenn keine Krankheits-Aktivität besteht, sollten keine Antibiotika gegeben werden. Denn bei diesen Medikamenten besteht immer das Risiko einer allergischen Reaktion und anderer Nebenwirkungen. Am häufigsten ist Durchfall, es können aber auch Veränderungen im Blutbild oder Probleme mit der Leber auftreten.
profil: Ist Borreliose in den letzten Jahren häufiger geworden oder ist sie derzeit bloß besonders modern?
Aberer: Dass die Diagnose boomt, kann man schon sagen. Fast jeder Arzt ist versucht, Antikörper zu bestimmen, wenn die Patienten bestimmte Beschwerden schildern. Es wird einfach viel zu oft untersucht. Der positive Test führt oft auf eine falsche Fährte. Die klaren Krankheitsbilder, wie etwa die Neuroborreliose oder die Borreliose-spezifische Arthritis sind sehr klar definiert. Beim Rest gibt es eine gewaltige Grauzone.
profil: Als verlässlichster Beweis für eine Borrelien-Infektion gilt die Wanderröte, die sich konzentrisch von der Stichstelle der Zecke ausbreitet.
Abererer: Ja, sie tritt im Zeitraum von vier bis etwa 20 Tagen nach dem Stich einer infizierten Zecke auf. Wenn hier rechtzeitig Antibiotika gegeben werden, liegt die Wahrscheinlichkeit bei mehr als 90 Prozent, dass die Infektion damit ausgeheilt wird. Bei einem kleinen Teil, etwa bei fünf Prozent können allerdings eine Weile Allgemeinbeschwerden zurück bleiben.
profil: Können Gelsen oder Bremsen auch Borrelien übertragen?
Abererer: Das ist eher unwahrscheinlich, weil Borrelien ein Mikroklima brauchen, in dem sie überleben können – und da ist der Zeckendarm ideal. Man hat zwar schon in einzelnen Fällen Borrelien in Gelsen gefunden, aber man nimmt an, dass die eher zufällig aufgenommen wurden, die Gelse also gerade eine Maus gestochen hat, die Borrelien in ihrem Blut hatte. Borrelien können aber nicht über längere Zeit in diesen Tieren leben, oder gar überwintern, so wie das bei den Zecken der Fall ist.
profil: Also theoretisch kann durchaus auch eine Gelse oder eine Bremse eine Wanderröte auslösen?
Abererer: Ja, die Patienten berichten das glaubhaft. Recht oft passieren Zeckenstiche aber auch unbemerkt. Im Prinzip spielt das aber keine Rolle, denn wenn die Wanderröte auftritt, dann soll man sie auch behandeln.
Elisabeth Aberer ist Leiterin der Ambulanz für Immundermatologie der Medizinischen Universität Graz und eine der Autorinnen der deutschen Leitlinien zur Behandlung der Lyme Borreliose
Dieser Text erschien in der Ausgabe vom 23. August 2010 im Nachrichtenmagazin profil.
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