Freitag, 3. September 2021

Covid: Bereits 40% Impfdurchbrüche in Deutschland

Laut Wochenbericht des Robert Koch Instituts vom 2. September befinden sich unter den aktuellen Covid-Erkrankungen bei Menschen im Alter über 60 Jahren erstmals mehr als 40% vollständig geimpfte. Seit Anfang August – als der Anteil noch bei 27,5% lag – sind die Impfdurchbrüche  demnach dramatisch gestiegen. Damit wiederholen sich in Deutschland die Erfahrungen anderer Länder, wo ebenfalls ein starker Abfall der Wirksamkeit der Impfungen beobachtet wurde. 

Jeden Donnerstag veröffentlicht das Robert Koch Institut einen ausführlichen Wochenbericht zur aktuellen Lage der Pandemie und der Gegenmaßnahmen. Gestern dauerte es ziemlich lange, erst spät abends war der Bericht online. Und die Nachrichten waren nicht sonderlich gut. 

Sowohl in der Altersgruppe 60+ als auch bei den 18-59jährigen ist der Anteil der Impfdurchbrüche neuerlich gestiegen. 


Der nachlassende Infektionsschutz der Covid-Impfungen wird angesichts einer Flut internationaler Daten mittlerweile nicht mehr geleugnet. Allerdings manchmal recht gut getarnt: Österreichs Behörde AGES gibt zum Beispiel keine aktuellen Vergleichsdaten an, sondern nennt die Impfdurchbrüche immer im Verhältnis zur Gesamtzahl der bisher aufgetretenen Covid-Fälle. Die 2.871 registrierten Impfdurchbrüche entsprechen laut Behörden demnach einem Anteil von lediglich 1,91%. Und das klingt deutlich besser als die aktualisierten deutschen Zahlen, die sich jeweils auf den Vormonat beziehen.


Impfpropaganda ersetzt seriöse Information

Weiterhin aufrecht bleibt die Behauptung, dass die Impfung nach wie vor großartig vor schweren Verläufen und Hospitalisierung schützt. 

Auf der Facebook-Seite der deutschen Bundesregierung wurde am 25. August folgende Graphik gepostet: 

Irreführende Impfpropaganda by Bundesregierung

Der Anteil der Impfdurchbrüche wird hier bei den stationär behandelten Fällen mit 8,1% (261 Fälle von 3.235) angegeben, auf den Intensivstationen mit 5,5% (17 Fälle von 309).

Damit ergibt sich - allein über die optische Aufmachung - der Eindruck einer überragenden Schutzwirkung der Impfung. Ungeimpfte, so die Botschaft der Bundesregierung, belegen mehr als 90% der Betten auf den Covid-Stationen der Krankenhäuser. 

Tatsächlich ist die Graphik jedoch sehr manipulativ, weil der rote Kreis nicht aufgeschlüsselt wird. Es wird suggeriert, dass dies die Ungeimpften seien. Doch hier sind auch die unvollständig geimpften inkludiert, ebenso wie Personen, zu denen keine Informationen über den Impfstatus erhältlich waren. Ein erschütterndes Beispiel öffentlicher Informationspolitik, das purer Impfpropaganda gleich kommt.

Wie unplausibel die Daten sind, erkennt man an einem Vergleich zum August des Vorjahres, als bei einer Impfquote von 0% deutlich weniger Intensivbetten (im Schnitt rund 240) belegt waren als heuer. 

Wären Ungeimpfte tatsächlich so gefährdet, wie mit obiger Graphik suggeriert wird, hätten im Vorjahr nicht weniger, sondern deutlich mehr Patienten auf den Intensivstationen liegen müssen. 


Wie auch immer:

Nur eine Woche nach dem Facebook-Posting der Bundesregierung finden sich im aktuellen RKI Bericht über den Monat August (Stand vom 1. September 2021) ganz andere Zahlen:

Bei den über 60-jährigen Patienten auf Normalstation wird der Anteil der Impfdurchbrüche bereits mit 18,8% angegeben. Auf Intensivstationen liegt er bei 15,9%. Der Anteil der Patienten, die an einem wahrscheinlichen Impfdurchbruch verstorben sind, wird mit 26% angegeben.

Und auch diese Zahlen können zu impf-optimistisch sein und täuschen, erklärt das RKI im Kleingedruckten: "Da die Angaben zu den Impfungen der COVID-19-Fälle teilweise unvollständig sind und somit eine Untererfassung der geimpften COVID-19-Fälle wahrscheinlich ist, wird die Wirksamkeit der Impfstoffe eher überschätzt", heißt es im Bericht. Auch das unterschiedliche Testverhalten bei Geimpften und Ungeimpften (die viel häufiger getestet werden) sei eine mögliche Fehlerquelle. 

Und schließlich ist auch noch die Definition von "Impfdurchbruch" relevant: Laut RKI gilt ein Impfdurchbruch nämlich nur dann als solcher, wenn eine Covid-typische Symptomatik vorliegt. Ist eine Person zwar im Test positiv, hat aber keine Symptome, wird sie demnach nicht als Impfdurchbruch gewertet. Wo solche Fälle dann allerdings mitgezählt werden, bleibt ein Geheimnis.


Ausschnitt aus dem RKI 'Wochenbericht'

Geimpfte als "Tarnkappen-Bomber"

Der Virologe Alexander S. Kekulé, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Halle (Saale) hält es unter diesen Umständen für unverantwortlich, Geimpfte zu bevorzugen und Ungeimpfte – etwa durch die 2G-Regel – von öffentlichen Aktivitäten auszuschließen. 

"Während die häufig proklamierte 'Welle der Ungeimpften' anhand der Tests und Krankenhauseinweisungen sichtbar und berechenbar ist", schreibt er in einem Kommentar im Focus, "rauscht die Welle der Geimpften wie ein Tarnkappen-Bomber durch die Bevölkerung."


Impf-Musterland Israel auf Schwedens Bannliste

Besonders pikant ist unter diesen Umständen eine Mitteilung der schwedischen Regierung. Sie erließ mit Gültigkeit ab 6. September ein Einreiseverbot für die Angehörigen einiger Länder mit aktuell hoher Inzidenz, allen voran Israel und die USA. Gerade das Impf-Musterland Israel, das sich die exklusive Vorab-Belieferung mit Impfstoffen von BioNTech/Pfizer damit sicherte, indem es rund den doppelten Kaufpreis hinlegte, wird nun von einem Land gebannt, das lange als Lockdown-Verweigerer und 'Outlaw' gebrandmarkt worden war. 

Israel verzeichnet derzeit die höchste Covid-Inzidenz seit Beginn der Pandemie

Bereits Ende Juli ist ein alarmierender Bericht der israelischen Behörden erschienen, wonach die Wirksamkeit der Impfung gegen Covid-Infektion auf 39%, jene gegen symptomatische Erkrankung auf 41% abgefallen ist. Personen, die zur ersten Impfgruppe gehörten und bis zum Januar geimpft waren, verfügen sogar nur noch über einen Impfschutz von 16%. 

Die israelischen Behörden beruhigen zwar, dass der Schutz vor schwerer Erkrankung und Hospitalisierung immer noch hoch sei, doch auch hier zeigt die Schutzrate deutlich nach unten. 

"Dritte Dosis dringend notwendig"

Während bei uns die Ungeimpften als Haupt-Risikogruppe gelten und der Druck auf sie ständig erhöht wird, ist Israel bereits einen Schritt weiter: Ministerpräsident Naftali Bennett bekam bereits seine dritte Dosis. Kürzlich wandte er sich in einer TV-Ansprache an die Bevölkerung und verkündete: "Es gibt viele junge geimpfte Patienten in den Krankenhäusern, die ernsthaft krank sind." Gerade die zweimal Geimpften erklärte Bennett seien nun die am meisten gefährdete Bevölkerungsgruppe. Und zwar deshalb, weil sie rumlaufen, am normalen Leben teilnehmen und sich geschützt wähnen. Das jedoch sei ein großer Irrtum. Denn wegen Delta sei die Wirksamkeit der Impfung so stark zurück gegangen, dass die zweimal Geimpften jetzt ein hohes Risiko auf schwere Verläufe und Hospitalisierung haben. Deshalb sei es dringend notwendig, sich sofort die 3. Dosis geben zu lassen. 

Die Altersgruppe ab 60 Jahren ist mittlerweile großteils durch, derzeit laufen in Israel die Impfungen für Personen ab 40 Jahren. Dass der Absturz der Wirksamkeit nach der 3. Dosis ausbleibt, glaubt allerdings niemand. Insofern erweist sich das Impfprogramm als Abonnement auf unbestimmte Zeit. 

Ein Ausstieg aus dem Abonnement scheint schwierig, denn Geimpfte haben nur eine eingeschränkte Immunität - verglichen mit Genesenen. Denn Genesene erwerben eine wahrscheinlich jahrzehntelang anhaltende Immunität gegen das gesamte Virus mit seinen verschiedenen Proteinen. Geimpfte hingegen nur gegen die Spike-Proteine. Wenn die Viren an dieser Stelle mutieren, stürzt die Schutzrate ab. Und es braucht wieder neue Impfstoffe mit angepasstem Schutz gegen die neuartigen Spike-Varianten. 


PS: Wenn Ihnen dieser Blog interessant und wichtig erscheint, würde ich mich über einen kleinen Beitrag zu meiner Arbeit sehr freuen.


Bert Ehgartner steht auch für Vorträge, Filmvorführungen, etc. zur Verfügung. 
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