Dienstag, 19. April 2011

Kleine Zeckenkunde zur Vermeidung einer Borreliose

Weil jetzt im Frühjahr die Zecken wieder Hochsaison haben und eine ganze Menge seltsamer Tipps im Umlauf sind, gibts hier die alljährliche Zeckenkunde. Der wichtigste Rat: Lesen Sie keine Artikel, in denen vom Zeckenbiss die Rede ist. Zecken haben keine Zähne, sondern einen Stechapparat. Zecken stechen!

Es gibt immer wieder Berichte, dass vereinzelt auch Gelsen Borrelien übertragen.
Falls das tatsächlich passiert, so geschieht das zufällig.

Symbiotisch angepasst sind Borrelien tatsächlich nur an Zecken. Wenn eine Zecke sticht, so bewegen sich Borrelien - alarmiert über bestimmte Signalstoffe im Speichel der Zecken - sogar aktiv auf die Stichstelle zu und lassen sich aufsaugen.

Zecken sind ihr einziges Verbreitungs-Vehikel.

Wenn Zecken binnen 24 Stunden nach dem Stich entfernt werden, so kann man eine Übertragung der Borrelien mit hoher Sicherheit vermeiden, weil sich die Borrelien im Darm der Zecke befinden und erst in den Stichkanal gespült werden, wenn die Zecke zu wachsen beginnt.
Erwachsene Zecken wachsen während des Saugvorganges auf das 200-fache Volumen an und saugen - wenn man sie lässt - rund eine Woche.

Da Blut einen hohen Wasseranteil hat, versucht die Zecke die Nährstoffe zu konzentrieren. Sie spült also das Wasser wieder in den Wirt zurück. Erst in dieser Phase werden die Borrelien übertragen.

Wenn man am Abend die Kinder vor dem Schlafengehen auf Zecken absucht, so kann normalerweise eine Ansteckung vermieden werden.

Allerdings unbedingt darauf achten, dass der Körper der Zecke beim rausziehen nicht gequetscht wird. Dabei erst werden nämlich häufig die Borrelien in den Stichkanals gedrückt.

Öl auf die Zecke zu tropfen ist kontraproduktiv. Herausschrauben eine unnötige Fleißaufgabe, weil die Zecken kein Gewinde haben.

Einfach so weit wie möglich vorne am Stichkanal anpacken (mit einer möglichst spitzen Pinzette) und gerade rausziehen.

Falls das Stichwerkzeug abreißen sollte und in der Haut stecken bleibt, so ist dies kein Drama. Das wird binnen kurzem abgestoßen.

Es gibt übrigens drei Stadien im Lebenszyklus der Zecken:


Larven, Nymphen und Erwachsene.

Vor den Larven muss man überhaupt keine Angst haben: Sie übertragen weder FSME noch Borrelien. Sie sind winzig, treten meist in Massen auf (weil sie grade aus einem Gelege von ca. 2000 Eiern geschlüpft sind) und haben - im Gegensatz zu den anderen beiden Zecken-Stadien - nicht acht sondern nur sechs Beine.

Die Nymphen haben bereits einmal gesaugt und wenn die Maus (das Hauptopfer der Zecken) infiziert war, so ist das jetzt auch die Nymphe.

Bei Nymphen muss man besonders aufpassen beim Rausziehen, weil sie so klein sind und leicht gequetscht werden. Sie gehen aber sehr leicht raus. Wer lange Fingernägel hat: damit klappt die Entfernung der Nymphen (in Ermangelung einer Pinzette) auch sehr gut. ;-)

Die erwachsenen Tiere haben bereits zweimal bei Tieren gesaugt und damit das höchste Risiko einer Infektion. Die Übertragung von Borrelien geschieht hier aber sehr langsam.

Insofern geht die größte Gefahr von den Zecken-Nymphen aus.

Bei Katzen ist Borreliose unbekannt, bei Hunden umstritten. Und die Borreliose-Impfung ist sowieso unnötig: Arm an Wirkung, reich an Nebenwirkungen. Siehe dazu diesen Artikel.

Foto: Bruno Lüönd Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, würden 
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Kommentare:

  1. Das Borreliose nur durch Zecken übertragen wird, dazu habe ich andere Erfahrungen gemacht.

    Wir waren mit unserem Kind in einem Dorf zu Besuch wo es wegen Tümpeln viele Mücken gibt. Diese haben uns durch die Kleidung gestochen worauf unser Kind eine typische Borreliose entwickelt hat.

    Bei Ortskundigen nachgefragt, sind mehrere der Kinder des Dorfes in naturheilkundlicher Behandlung nachdem sie infolge von Mückenstichen Borreliosen entwickelt hatten und die entsprechenden Bluttests auch positiv waren.
    In dem Dorf sind es also regelmäßig Mücken,
    und nicht Zecken.

    Im Bekanntenkreis nachgefragt, bestätigte sich für uns, dass die Symptome einer Borreliose nach Insektenstichen als typisch empfunden werden,
    Sprich niemand testet, (wenn keine Zecke im Spiel war) aber gehabt haben sie vermutlich viele. Überprüft wird es nicht, von daher würde ich es nicht auf Zecken eingrenzen, aber auch nicht als gefährliche Erkrankung einstufen, sondern als eine Erkrankung die normal in Ruhe gelassen wird, weil keine Zecke gefunden wurde.

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  2. Hallo,
    vielen Dank für diesen Artikel. Ganz richtig, sie sind die gefährlichsten. Man sollte noch erwähnen, dass Nymphen für den Löwenanteil der Borreliose-Infektionen verantwortlich sind und tagelang völlig unbemerkt saugen können. Bei 1 - 2 Millimetern "Größe" werden sie extrem selten überhaupt entdeckt.

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  3. Das die Larven, also die welche noch an keinen eventuell mit Borrelien infizierten Wirt gesaugt haben, keine Borrelien übertragen können, sollte einmal genauer überprüft werden!
    Denn dabei handelt es sich möglicherweise um ein "gutfühl"-Gerücht, ähnlich dem das Babys im Mutterleib keine Schwermetalle der Mutter übertragen bekommen, was leider falsch ist.

    Borrelien sind zwar winzig, scheinen aber zumindest ein Kollektivbewusstsein zu besitzen, sind also relativ Intelligent und handeln dementsprechend.

    Eine wichtige dazu passende Info: die Schulmedizin bekämpft Borrelien standardmässig mit Antibiotika. Der Effekt ist, die Borrelien bohren sich zum Schutz in das Körpergewebe bis die Antibiotika-Attacke vorrüber ist. Im Endeffekt werden sie dadurch gestärkt, sind sie doch danach die wenigen Überlebenden im Körper.

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  4. Anmerkung zu "vor Larven brauch man keine Angst haben" :

    Ich habe an anderer Stelle im Netz gelesen, daß das Weibchen den FSME-Virus an die Eier/Larven weitergibt.
    Ebenfalls oft wird erwähnt, daß Larven, wenn auch geringer, jedoch auch zu bis zu 5% Wahrscheinlichkeit Borrelien enthalten. Da sie noch keinen Wirt hatten, spräche dies auch hier für den "Vererbungsaspekt" ?
    Larven wären demzufolge doch nicht ganz so harmlos.
    Die 24-Stundenfrist gilt übrigens wohl nicht für FSME, der Erreger befindet sich nicht wie Borrelien im Darm, sondern bereits im Speichel; Risiko also hier bereits ab Biß.

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  5. Meines Wissens ist es biologisch nicht möglich, dass über frisch geschlüpfte Larven Borrelien übertragen werden.
    Auch FSME Viren kommen nach meinen Informationen in Larven nicht vor.

    Bei der 24-Stunden-Frist haben Sie recht: das bezieht sich auf die Borreliose-Bakterien, nicht auf die Viren.

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    1. Hatte eine Borreliose Infektion nach Stich einer Larve. Bin nicht zum Arzt, wegen Infos wie dieser hier. Behandlung wurde erst spät begonnen als sich Symptome manifestiert hatten. Also bitte diese Info "vor Larven braucht man überhaupt keine Angst haben" überdenken.

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    2. Eine Borreliose äußert sich meist durch eine von der Stich-Stelle ausgehende Wanderröte. Wenn dieses "Erythema migrans" auftritt, so gilt die Borreliose als bewiesen. Und dies wäre dann auch ein Grund, zum Arzt zu gehen. Jedesmal vorbeugend Antibiotika zu nehmen, wenn eine Zecke gestochen hat - ohne dass Symptome sichtbar sind - wird ausdrücklich nicht empfohlen.
      Larven sind gerade aus dem Ei geschlüpft. Nach Stand der Wissenschaft können sie nicht von Borreliose-Bakterien besiedelt sein, weil sie diese Bakterien erst bei ihrer ersten Blut-Mahlzeit von ihren Wirten aufsaugen.

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  6. bin in den letzten Jahren ausschliesslich von Zecken im Nymphen-Stadium gestochen worden, vor einigen Tagen hatte ich jedoch eine Larve ausgerechnet am Schienbein (normalerweise stechen mich Nymphen fast immer in der Kniekehle). Trotz langer Recherche konnte ich kein Bild im Internet finden, das eine mit Blut vollgesogene Nymphe zeigt! Überhaupt finde ich nur Bilder von adulten Zecken, wenn irgendwo in Zeitungsberichten oder Arzt-Praxen über Zecken berichtet wird. Meiner Erfahrung nach ist das fahrlässig, da die Nymphen offensichtlich vermehrt bei Menschen vorkommen, wesentlich kleiner als ausgewachsene Zecken sind und sich auch nicht mit normalen Zeckenzangen entfernen lassen.

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  7. Es könnte tatsächlich sein, dass der Großteil der Borrelien von Nymphen übertragen werden. Diese mittlere Größe übersieht man sehr leicht - und dann kratzt man sich das Tier weg, ohne es zu merken - quetscht es dabei vielleicht auch noch - und dabei kommen die Bakterien aus dem Darm der Zecke in den Stichkanal.

    Ich hab mir angewöhnt, nirgends zu kratzen, wo ich nicht vorher nachgesehen habe, ob da ein kleiner Zeck sitzt.

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  8. Es existiert in der Tat eine transovarielle Übertragung von Erregern. Somit können auch Larven ifektiös sein, wenn auch nur zu einem geringen Prozentsatz. Bitte korrigieren Sie Ihren Fehler!

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    1. Wenn Sie hier eine ungewöhnliche Behauptung aufstellen, so sollten Sie diese auch belegen ;)

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  9. Meine Katze wurde von Zecken regelrecht "überfallen". Sie hatte an den Ohrrändern viele winzige sandkörnerartige Minizecken, die sich auch sehr schwer entfernen ließen. Infolge musste ich über Tage etliche Zecken von ihr entfernen. Meine Frage : waren diese "Körner" Larven oder Nymphen ?

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    1. Das klingt nach Larven. Aber es lässt sich recht einfach feststellen: Nehmen Sie eine Lupe und zählen Sie die Beine. Eine Nymphe hat acht, eine Larve nur sechs.

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  10. Ich korrigiere meine hier gemachten angaben.
    Tatsächlich können Larven infektiös sein. Eine niederländische Forschergruppe hat dies durch eine umfangreiche Studie, die 2016 publiziert worden ist, erstmals bewiesen:
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4761128/
    Die Infektionsrate von rund 1.500 Larven, die eingesammelt und analysiert wurden, betrug 0,62% bei Borrelia burgdorferi und 2% bei B. miyamotoi.
    Auf 20 Labormäuse wurden jeweils rund 200 Larven ausgesetzt. 6 Mäuse entwickelten danach eine Borrelien-Infektion.

    Bei Erwachsenen tun sich die winzigen Larven schwer, durch die Haut zu stechen, doch bei Kindern ist das schon eher möglich. Das Risiko, durch Larven infiziert zu werden, ist demnach gering, aber durchaus real.

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    1. Die Studie besagt keinesfalls dass es sich um durch das Muttertier übertragene Borrelien handelt.
      Nichtsdestotrotz ist die pauschale Aussage das Larven keine Borrelien übertragen können falsch.
      Ich leite das folgende Behauptung ab: Auch ein kurzer Stich kann der Larve die Borrelien bescheren, jedoch ihr nicht genug Blut gegeben haben damit sie zur Nymphe heranwächst.

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  11. Kann man eine Borreliose "nur"am roten Fleck feszsellen ohne einen Tesst zu machen?
    Die ist in meinem Fall passiert.
    Mein Arzt verordnetete mir 3 wochen Antibiotika
    Zecke war noch sehr klein, klebte aber an meinem Arm

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    1. Ein sicheres Zeichen für eine Borreliose ist ein so genanntes Erythema migrans (Wanderröte). Die beginnt rund 7 Tage nach dem Zeckenstich und breitet sich kreisförmig von der Stichstelle aus. Ein roter Fleck an der Stichstelle ist hingegen meist nur ein Zeichen für die Reaktion des Immunsystems auf den Speichel der Zecke - eine harmlose kleine Entzündung. Auch die Länge der Verordnung ist nicht up to date: Kurze Antibiotika Kuren (7-10 Tage) wirken genauso gut und haben weniger Nebenwirkungen.

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  12. Hallo Herr Ehgartner, danke für Ihre informativen Berichte!
    Dass die Wanderröte erst 7 Tage nach Infektion auftritt, kann ich in meinem Fall nicht bestätigen. Bei mir trat diese 2 Tage nach Zeckenentfernung auf. Die Nymphe hatte maximal einige Stunden gesaugt. Leider bekam ich für 3 Wochen Doxyciclin verordnet. Das ist in diesem Jahr das 5! Antibiotikum dass ich nehmen muss (andere Erkrankungen). Außerdem wollte mir der behandelnde Arzt noch eine Impfung gegen FSME verabreichen, die ich abgelehnt habe. Ich habe eine Autoimmunerkrankung, die wie ich die Vermutung habe durch eine Hepatitis- Impfung (beruflich erforderlich gewesen)ausgelöst wurde.
    Nun, nach eingehender Informationseinholung bin ich entsetzt über diesen völlig sorglos handelnden Arzt! 1. Sind Impfungen gegen FSME bei Autoimmunerkrankungen kontraindiziert, 2. hätte, wenn überhaupt diese erst nach Abklingen der Wanderröte verabreicht werden dürfen.
    Schön langsam bekommt man echt Angst, denn das ist nur eine von mehreren Geschichten die mir widerfahren sind.
    Herzliche Grüße!
    Heidi W.

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    1. Möglicherweise hat die frühe Wanderröte etwas mit ihrer Autoimmunerkrankung zu tun?
      Ja, der Umgang mit Impfungen hat oft den Anschein, als denken die Ärzte, es handle sich dabei um so etwas wie Äpfel. Auf jeden Fall gesund! - Sicherlich kann es zu Nebenwirkungen kommen: Man denke nur an Schneewittchen! - Doch erstens sind diese Vorfälle extrem selten - und zweitens handelt es sich dabei um Märchen.

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  13. Dankeschön für Ihre Antwort! Tja, die lieben Nebenwirkungen. Ein eizigster Arzt hat bisher zu mir gesagt, ja, es könnte sein, dass die Hepatitis Impfung meine Psoriasis ausgelöst hat. Ist mir klar, das kann alles nicht bewiesen werden, also existiert es nicht. Als Betroffener wird man allein gelassen. Die Impfwut macht auch vor Tieren nicht halt. Auch mein Hund hat eine chronische Erkrankung. Und dann drückt ihm der Tierarzt wieder eine Impfung rein! Ohne mich vorher zu fragen! Und siehe da, seither geht es ihn noch schlechter. Wahnsinn und fahrlässig das alles.
    Bin dabei mich so nach und nach durch die vielen interessanten Beiträge, Berichte und Kommentare zu lesen.
    Liebe Grüße
    Heidi W.

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