Mittwoch, 3. April 2019

Das Versagen der Qualitätsmedien in der Impfdebatte

Zwang anstelle informierter Entscheidungsfindung. Propaganda statt objektiver Aufbereitung von Fakten. Ein aktuelles Beispiel für Journalismus in seiner feigsten und dümmsten Variante.

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn hält mit leicht irrem Blick eine Spritze hoch. Darüber steht in Großbuchstaben: "Impfen auf Befehl". Die Coverstory des aktuellen "Spiegel" widmet sich dem "bizarren Streit um den Schutz unserer Kinder".
Wer sich hier eventuell noch einen ausgewogenen Artikel erwartet, wird fünf Seiten weiter im Inhaltsverzeichnis bereits eines besseren belehrt. Dort wird in der Rubrik "Titel" der Artikel nämlich folgendermaßen angekündigt: "Warum eine Impfpflicht die einzig vernünftige Lösung für einen ideologisch aufgeheizten Streit ist". Der Spiegel bringt demnach als Coverstory ganz offen einen Aufruf für die Einführung von Zwangsimpfungen.

Die Coverstory des Spiegel ist ein offen deklariertes Plädoyer für Zwangsimpfungen

Anspruch eines Qualitätsjournalismus wäre es normalerweise, einen ausgewogenen Artikel mit den besten fachlichen Argumenten der jeweiligen Kontrahenten zu bringen. Und sich "nicht gemein zu machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten", wie es der Doyen des deutschen Journalismus, Hanns Joachim Friedrichs, einst formulierte. Derartige Zurückhaltung ist den elf (!) Spiegel-Redakteuren, die als Autorenteam den Artikel verantworten, fremd.

Als schauriger Einstieg in die Story dient die Leidensgeschichte einer Familie aus Bayern. Tochter Angelina war fünf Jahre alt, als sie plötzlich von Krämpfen überfallen wurde.  "Angelina wirkte verwirrt und wiederholte Sätze, die sie gerade gesagt hatte." Bald habe sie alles verlernt, erzählt die Mutter Gina R. den Spiegel Leuten. "Sie konnte nicht mehr laufen, nicht mehr sprechen, nicht mehr sitzen, sie konnte nicht einmal mehr schlucken."
Die Diagnose lautete auf SSPE - eine atypische chronische Gehirnentzündung, die als seltene, aber stets tödliche Spätfolge der Masern gilt. Offenbar ist das Mädchen im Alter von 6 Monaten infiziert worden. Zu einem Zeitpunkt als es noch nicht geimpft werden konnte. Wie und wo sich Angelina angesteckt hat, wissen die Eltern nicht. Doch nachdem Wildviren im Hirnwasser gefunden wurden, gilt der Ablauf als gesichert.
Impfgegner, berichtet Gina R., hätten ihr vorgeworfen, sie habe ihr Kind falsch behandelt, denn Fieber zu senken sei bei Masern falsch. "Sie schrieben", heißt es im Artikel, "ich solle meiner Tochter grüne Smoothies geben oder Globuli, dann werde sie wieder gesund."
Doch das, so die Spiegel-Autoren, "wird sie nie wieder sein". Das heute 13-jährige Mädchen, "ist ein Opfer der Masern geworden, weil es in Deutschland nicht gelungen ist, diese Krankheit auszurotten."


Wo waren die vielen SSPE Fälle in der Vorimpf-Ära?


Damit ist auch schon die Stoßrichtung des ganzen Artikels vorgegeben: Unschuldige Kinder sterben, weil esoterisch verbohrte Impfgegner ihre eigenen Kinder als Bioterroristen herum laufen lassen, die überall ihre Viren ausstreuen. Wenn dieses gemeingefährliche Verhalten durch einen Impfzwang per Gesetz abgeschafft würde, wäre das Problem gelöst. So einfach, so klar.

Doch ganz so simpel, wie der Spiegel suggeriert, ist das Leben nicht.
Das beginnt schon bei dem hier geschilderten SSPE Fall. Die Häufigkeit für SSPE liegt laut Spiegel bei "etwa 1 von 3300 Masernkindern unter fünf Jahren". Wenn das stimmen würde, hätte es in der Zeit vor den großen Impfprogrammen in Deutschland, als noch beinahe jedes Kind an Masern erkrankte, jedes Jahr mehr als 150 SSPE-Fälle geben müssen.
Davon kann jedoch keine Rede sein. Die ersten Impfungen waren zu Beginn der 70er Jahre verfügbar und erst zur Mitte der 80er Jahre war ein Großteil der Kinder geimpft. Eine Literatur-Recherche in der internationalen Medizin-Datenbank "pubmed" zeigt, dass während der 50er und 60er Jahre kaum wissenschaftliche Studien und Berichte zur SSPE erschienen sind. Wenn die Masern tatsächlich so viele Todesfälle bei Kindern verursacht hätten, wäre das Thema wohl kaum übersehen worden. Zumal sich dieses Sterben bei SSPE ja meist über viele Jahre hin zieht und damit tausende Kinder gleichzeitig betroffen gewesen wären.

Eine 1978 veröffentlichte epidemiologische Arbeit erfasste alle SSPE Fälle der DDR. Im Zeitraum von 1968 bis 1977 sind demnach insgesamt 156 Kinder erkrankt. Eine Studie aus Italien kam für die zehn Jahre von 1972 bis 1981 auf 207 Fälle. Das entspricht für Kinder und Jugendliche einem Risiko von 1,24 Fällen pro Million Einwohnern.
In allen diesen zeitgenössischen Berichten wird auch die Frage diskutiert, ob die Impfungen das SSPE Risiko erhöhen. Das wird zwar durchgehend verneint, doch dass auch Impfviren als Auslöser in Frage kommen, steht für die meisten Autoren außer Zweifel. In einer Studie aus den USA errechnen die Wissenschafter nach Wildvirus-Infektion ein etwa zehnmal höheres Risiko für eine SSPE als nach der Impfung.
Heute wird von den Behörden die Ansicht verbreitet, dass ausschließlich Wildviren die tödliche Komplikation auslösen können. Dies scheint jedoch nicht realistisch, zumal fast alle aktuellen SSPE Opfer geimpft worden sind - und der Nachweis der Masern-Erkrankung oft nur auf Vermutungen beruht.
SSPE als Schreckgespenst einzusetzen, um damit die Leute zum Impfarzt zu treiben, scheint tatsächlich eine wirksame Taktik. Seriös ist das allerdings nicht, solang die Umstände dieser Krankheit weitgehend im Dunklen liegen. Dass nur Wildviren diese atypische Infektion auslösen können, die abgeschwächten aber ansonsten weitgehend identischen Impfviren jedoch nicht, erscheint biologisch zudem vollständig unplausibel.

In der US-Fachinformation des Masern-Mumps-Röteln (MMR) Impfstoffs der Herstellerfirma Merck steht SSPE demnach auch in der Liste der möglichen Nebenwirkungen aufgeführt. Sogar die Wahrscheinlichkeit wird konkret beziffert: "Based on estimated nationwide measles vaccine distribution, the association of SSPE cases to measles vaccination is about one case per million vaccine doses distributed." ("Basierend auf der geschätzten nationalen Verbreitung der Masern-Impfung, tritt pro 1 Million Impfungen etwa ein Fall von SSPE auf.")
In der deutschsprachigen Fachinformation desselben MMR Impfstoffes desselben Herstellers fehlt diese Passage. Stattdessen beginnt der Absatz hier mit der Behauptung: "Es gibt keinen Beleg dafür, dass Masern-Impfstoffe SSPE verursachen können."
Die Spiegel Redakteure haben wohl nur den deutschen Text gelesen.


Stimmungsmache mit Impfquoten

Um zu zeigen, welch gewaltige Impflücken sich im Land auftun, werden die Landkreise mit der geringsten Masernimpfquote in einer Graphik hervor gehoben. Verheerend steht es demnach offenbar um Sachsen. Denn die Rekordhalter bei der Verweigerung der 2. Masernimpfung sind mit Görlitz (73,5%) und dem Erzgebirgskreis (74%) im ansonsten als besonders impffreudig bekannten Osten angesiedelt. Wolfsburg in Niedersachsen bringt es vergleichsweise auf stolze 97,9%.
Es handelt sich jedoch nicht um den dunklen Einfluss von Impfgegnern, wie der Spiegel hier suggeriert, sondern um das Gegenteil: Sachsen leistet sich als einziges Bundesland Deutschlands eine eigene Impfkommission, welche die Empfehlungen der Berliner STIKO noch in einigen Punkten überflügelt. So wird beispielsweise eine Meningokokken-Impfung bereits im Alter von 3 Monaten und die jährliche Influenza Impfung mit Beginn im 7. Lebensmonat empfohlen. Damit ist der sächsische Impfkalender deutlich dichter gepackt, als der gesamtdeutsche.
Offenbar war nicht mehr genügend Platz im Impfplan. Denn während die STIKO die zweite Masernimpfung in engem zeitlichem Zusammenhang zur Erstimpfung (11 - 14 Monate) vorschreibt, spätestens jedoch bis zum 23. Lebensmonat, empfehlen die sächsischen Hardcore Impf-Experten die zweite Impfung erst ab einem Alter von 46 Monaten.
Es handelt sich also nicht um sächsische Widerstandsnester gegen die Masernimpfung - sondern im Gegenteil - um behördliche Anweisungen.  Derartige Hintergrund-Details fehlen im Spiegel Artikel, gilt es doch die Notwendigkeit von Zwangsimpfungen heraus zu streichen.

In Wahrheit ist die Bereitschaft zur Masernimpfung in Deutschland bereits jetzt enorm. Den EU Behörden wird für die erste Impfung eine Quote von 95% gemeldet. Bei der Schuleingangs-Untersuchung im Jahr 2016 waren im Schnitt 93 Prozent der deutschen Kinder zweimal gegen Masern geimpft.
Was soll nun eine Impfpflicht bezwecken? - Denken die Behörden tatsächlich, dass eine weitere minimale Anhebung der Durchimpfung von 93 Prozent auf 95 Prozent den erhofften Durchbruch zur Ausrottung bringt? Sind es diese zwei Prozent wert, die Rechte der Eltern massiv zu beschränken und einen Schritt Richtung Medizindiktatur zu gehen?
Und was, wenn sich aus der Impfpflicht eine Gegenreaktion ergibt, eine enorme Verhärtung der Fronten, welche Impfkritiker vollständig unerreichbar macht für die "Argumente der Pharmamafia"? - Wird man dann einen elektronischen Impfpass brauchen, damit sich die Türen zur U-Bahn öffnen? Werden Seuchenwächter in der Fußgängerzone Spontankontrollen durchführen? Macht der Impfarzt Hausbesuche - in Begleitung einer Spezialeinheit der Polizei?


Impfpflicht trägt wenig zur Vermeidung von Masern bei

Die Masernimpfung enthält abgeschwächte, aber lebende Viren welche im Normalfall eine natürliche Reaktion des Immunsystems auslösen. Deutlich mehr als 90 Prozent der Geimpften sind in der Folge vor Masern geschützt. Die zweite Impfdosis dient nur dazu, die restlichen 10 Prozent der "Impfversager" zu erreichen. Bei zweifacher Impfung wird die Schutzwirkung mit nahezu 99 Prozent angegeben.
Es wäre demnach nur ein Katzensprung, um die von der WHO genannte Marke von 95 Prozent zu erreichen, die es laut WHO braucht, um die Masern auszurotten.

Dennoch kommt es weltweit laufend zu Masern-Ausbrüchen. Etwa in den USA, wo bis Ende März 390 Fälle gemeldet wurden, die zweithöchste Zahl seit dem Jahr 2000, wo etwas vorschnell die "Eliminierung" der Masern verlautbart worden war.
In den USA werden Touristen und illegale Einwanderern für die Masern-Invasion verantwortlich gemacht. In Deutschland liegt die Schuld laut Spiegel bei impfkritischen Ärzten, Waldorf-Schulen und esoterisch angehauchten Eltern, die sich von dubiosen Quellen im Internet aufhetzen lassen.
Doch auch in China, wo Impfpflicht herrscht bei einer Quote von angeblich 99 Prozent, wurden im letzten Jahrzehnt im Schnitt 39.000 Fälle pro Jahr gemeldet.
Und Frankreich, wo die Regierung Macron nicht nur die Impfung gegen Masern, sondern auch gegen zehn weitere Krankheiten gesetzlich vorgeschrieben hat, meldete im Vorjahr sechsmal so viele Masernfälle wie das bislang zwangsfreie Deutschland.
Auch ein Vergleich zwischen der Schweiz und Italien spricht nicht eben für die Erfolge der Impfpflicht. In der Schweiz traten in den letzten Jahren im Schnitt 6 Masernfälle pro Million Einwohner auf. In Italien waren es 43. Ohne Zwang bringt es die Schweiz auf eine Impfrate von 92 Prozent, Italien hält bei bescheidenen 85 Prozent.
Länder ohne Impfpflicht schlagen sich also an sich ganz gut. Der Zwang trägt wenig zur Steigerung der "Impffreudigkeit" der Bevölkerung bei. Im Gegenteil.

Schlicht falsch ist deshalb auch die Behauptung von Gesundheitsminister Spahn, wonach "immer mehr deutsche Kinder an Masern erkranken". Als Spahn diese Aussage in der ARD-Tagesschau wiederholte, musste das im hauseigenen "Faktenfinder" nachträglich korrigiert werden. Dort heißt es: "Dass "immer mehr" Kinder erkranken würden, wie Gesundheitsminister Spahn behauptet, ist nicht belegt.“
Hier eine Auflistung der tatsächlich gemeldeten Masernfälle im Vergleich zu den Vorjahren:

Graphik erstellt von Steffen Rabe aus den Meldedaten des Robert Koch Institut

Das bislang stärkste Masern-Jahr der jüngeren Vergangenheit war 2015 und fiel mit dem massenhaften Ansturm der Flüchtlinge aus den Krisenregionen zusammen. Die ersten Fälle in Berlin gingen von einer Unterkunft für Asylwerber aus. Als dann ein Kind an Masern starb, flammte erstmals die Forderung nach einer Impfpflicht heftig auf.
Was damals in der Berichterstattung unter den Tisch fiel, war die schwere angeborene Herzkrankheit des Buben. Obwohl der Sprecher der Charité dies den Medien mitteilte, fand es kaum ein Journalist wert, dieses nicht unwesentliche Faktum an die Öffentlichkeit weiter zu geben. Zumal die meisten anderen Infekte für das Kind ebenfalls Lebensgefahr bedeutet hätten.
Auch im aktuellen Spiegel-Bericht wird der Todesfall wieder hervor gekehrt ohne diese Zusatz-Information zu erwähnen.

In dieser Tonart geht es weiter. Als hauptsächliches Argument für die Impfung wird das enorme Sterbe- und Komplikationsrisiko der Erkrankung angegeben. Während das Robert Koch Institut vor einigen Jahren das Risiko einer Gehirnentzündung nach Masern noch mit 1 : 10.000 bezifferte, liegt es nun laut Spiegel bereits bei 1:1000 bis 1:2000. Beinahe gleich hoch, wie das allgemeine Sterberisiko bei Masern, das mit 1:1000 angegeben wird. Das ist insofern absurd, als eine Virus-Enzephalitis nur in seltenen Fällen tödlich verläuft.


Die Schwächen der Impfkampagne

Die Attacken auf Impfgegner-Nester werden immer wütender. Der Meinungsdruck wird auf allen Ebenen erhöht. Dazu trug auch die WHO bei, welche die Impfskepsis kürzlich in die Liste der zehn  größten akutellen Gesundheits-Gefahren aufnahm. Auf gleichem Rang wie der Klimawandel oder die elenden Lebensbedingungen in den Slum-Städten mancher Entwicklungsländer.

Doch ist dieser Vergleich tatsächlich angemessen? Oder verbirgt sich dahinter die Verzweiflung, dass es trotz jahrzehntelang laufender Impfprogramme weder bei Polio noch bei Masern gelingt, endlich den globalen Triumph der Ausrottung dieser Viren zu verkünden. Es ist ohne Zweifel frustrierend, das Scheitern der eigenen Ziele zu beobachten - doch möglicherweise liegen die Gründe dafür gar nicht bei den bösen Impfgegnern. Vielleicht wird ja hier ein wütendes Scheingefecht abgezogen, das von den Schwächen der eigenen Programme ablenken soll.

Für ein wirkliches Verständnis der Zusammenhänge wäre es deshalb im Artikel eines Qualitätsmediums auch dringend nötig gewesen, die Schwachstellen der Impfkampagne zu analysieren. Doch weder im Spiegel-Artikel noch in der offiziellen Gesundheitspolitik finden sich auch nur Ansätze einer kritischen Selbstreflexion.

Unerwähnt bleibt die Tatsache, dass geimpfte Mütter weniger Nestschutz an ihre Babys weiter geben und damit das Risiko von Erkrankungen im ersten Lebensjahr deutlich angestiegen ist. Wäre es möglich, dieses Manko durch Verbesserung der Impfung zu beheben? Wie müsste so eine Impfung aussehen, dass sie eine nachhaltigere Immunreaktion auslöst?

Und was ist mit der Dauer des Impfschutzes? Es erscheint mittlerweile recht unsicher, ob die Wirkung der Impfung, so wie einst versprochen, tatsächlich ein Leben lang anhält. Bei den Ausbrüchen der Masern während der letzten Jahre lag der Anteil der Erwachsenen bereits bei rund 50 Prozent.
Bereits die Untersuchung von Soldaten bei der Musterung zeigt, dass der Impfschutz rascher schwindet als erwartet. Eine slowenische Studie ergab, dass nur noch 85 Prozent der Jungmänner ausreichende Antikörper im Blut hatten.
Wie diesen Herausforderungen begegnet werden soll, ist unklar, zumal eine Auffrischungsimpfung bei Erwachsenen meist rasch verpufft.

Und was bedeuten diese Erkenntnisse für andere Impf-Kampagnen? Wird man daraus lernen und Fehler vermeiden?
Der Umgang mit Windpocken lässt nicht darauf schließen. Während die Schweiz und viele andere Länder gut damit fahren, nur jene zu impfen, die keine natürliche Krankheit durchgemacht haben, wird in Deutschland der Behördenapparat aktiv, wenn in einer Kita die überwiegend harmlose Kinderkrankheit ausbricht. Ungeimpfte Kinder werden wochenlang ausgeschlossen. Die Eltern müssen Pflegetage nehmen und ihre kerngesunden Sprösslinge hüten. Mit solchen Zwangsmaßnahmen sollen die Eltern zum Impfarzt getrieben werden.
Doch mit welchen Ziel? Eine Ausrottung ist bei Windpocken biologisch unmöglich. Zudem steigt durch die Impf-Kampagne - wie man aus den Erfahrungen der USA weiß - die Verbreitung von Gürtelrose in der Bevölkerung. Ein höheres Infektionsalter birgt - so wie bei Masern auch - ein höheres Komplikationsrisiko. Windpocken in der Schwangerschaft sind ähnlich gefährlich wie Röteln.
So wie derzeit die Weichen gestellt werden, kommt der Verdacht auf, dass in der Koordination der Impfpolitik das vollständige Chaos herrscht: mit 160 km/h in die Sackgasse.


Bessere Impfstoffe - bessere Argumente

Wer meinen Blog verfolgt, oder mein aktuelles Buch "Gute Impfung - Schlechte Impfung" gelesen hat, weiß dass ich trotz aller dieser Punkte ein grundsätzlicher Befürworter der Masernimpfung bin. Zumal in Zeiten, wo ein Masernausbruch medial das Echo einer Cholera-Epidemie auslöst, eine Umkehr zu alten Verhältnissen der Vorimpf-Ära ohnehin unmöglich wäre.

Um die Akzeptanz der impfkritischen Bevölkerung zu erhöhen, wäre es jedoch dringend nötig,  das Angebot zu verbessern. Derzeit ist meist nur die Dreier-Variante der Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln leicht zu beschaffen. Oder die Vierer-Impfung, die auch noch den Windpocken-Wirkstoff enthält. Einzelimpfungen gegen Masern wurden hingegen weltweit aus dem Sortiment genommen und ihre Produktion (mit wenigen Ausnahmen) eingestellt.
Eine Masern-Einzelimpfung, die man über eine Atemmaske inhalieren kann, wurde zwar entwickelt, dann aber von den Behörden nicht zugelassen. Dabei entspräche die Inhalation der Viren dem natürlichen Infektionsweg und würde die Akzeptanz kritischer Eltern, die wegen der Dreifach-Spritzimpfung skeptisch sind, deutlich erhöhen.
Verbesserungsbedarf gäbe es auch bei den Inhaltsstoffen. Warum müssen in einer Zeit, wo gesunde Bio-Nahrung für viele Familien selbstverständlich ist, noch immer Antibiotika und Zellen aus dubiosen tierischen und menschlichen Quellen in der Impfung enthalten sein?
Hier wäre tatsächlich dringender Innovationsbedarf. Doch anstatt auf die Hersteller-Konzerne Druck auszuüben, endlich Geld und Hirnschmalz in die Entwicklung einer wirklichen "Bio-Impfung" zu investieren, drangsalieren die Behörden anscheinend lieber die eigene Bevölkerung.

Es gibt zudem zahlreiche Fachargumente, die man hätte nennen können, um die Zweifler und Skeptiker unter den Eltern zu überzeugen. Der im Netz kursierende Zusammenhang zwischen MMR-Impfung und Autismus wurde kürzlich in einer großen dänischen Studie wieder einmal widerlegt. Negative Nebenwirkungen der Impfung sind tatsächlich extrem selten. MMR gehört zu den sichersten Babyimpfungen, die wir haben.
Im Gegensatz zu manchen negativen Auswirkungen, sind die positiven Effekte der Impfung auf das Immunsystem der Kinder tatsächlich erwiesen. Seit 20 Jahren liefern unzählige Studien Belege, dass Kinder nach der Masernimpfung seltener an Infekten erkranken als ungeimpfte Kinder.
Der Wert der Masernimpfung ist demnach enorm. Die Sterberate der Kinder in Hochrisiko-Ländern konnte nur durch diese Maßnahme um die Hälfte reduziert werden. "Und das sogar in Jahren, wo wir gar keine Masernwellen hatten", berichtet der dänische Wissenschaftler Peter Aaby, dessen Team die "unspezifischen Effekte" der Masernimpfung entdeckt hat. (Hier finden sich einige der wichtigsten Studien zu dieser Thematik.)
Die Impfung wirkt offenbar wie ein Trainingscamp. Ein in der Folge kompetenteres und besser eingespieltes Abwehrsystem schützt auch die Kinder in den Industrieländern. Studien aus Dänemark, den Niederlanden und den USA zeigen, dass Masern-geimpfte Kinder ein signifikant geringeres Risiko haben, auf Grund einer Atemwegs-Infektion ins Krankenhaus eingeliefert zu werden.


Massen-Impfzwang durch die Hintertür?

Warum liest man in der acht Seiten umfassenden Spiegel-Titelstory rein gar nichts von diesen erfreulichen Fakten? Warum ignorieren erfahrene Wissenschaftsjournalisten diese handfesten positiven Argumente für die Impfung und greifen stattdessen auf primitive Gruselpropaganda zurück?

Die Antwort liegt wahrscheinlich darin begründet, dass mit der Anerkennung der positiven Effekte der Lebendimpfungen auch die negativen Effekte der inaktivierten Impfstoffe erwähnt hätte werden müssen. Tatsächlich haben Aaby und sein internationales Wissenschaftler-Team auch zahlreiche Studien veröffentlicht, welche zeigen, dass die meist aluminium-haltigen Totimpfungen die Abwehrkräfte der Kinder schwächen und das Risiko einer tödlichen Lungenentzündung, Malaria oder Durchfall-Erkankung in den Monaten nach dem Impftermin stark ansteigt.
An solch unangenehmen Fakten wollte die Task-Force der Spiegel-Eleven offenbar nicht einmal anstreifen.

Und wer weiß schon, welche Impfungen dann in der legistischen Umsetzung tatsächlich erfasst werden. Auch in Italien und Frankreich war in der Öffentlichkeit zunächst immer lediglich von der Gefahr der Masern die Rede. Als das Gesetzes-Paket zur Zwangsimpfung im Parlament verabschiedet wurde, war dann jedoch plötzlich die Impfung gegen zehn bzw. elf Krankheiten vorgeschrieben.


PS: Die "Ärzte für individuelle Impfentscheidung" haben heute eine Petition gegen die Einführung der Impfpflicht veröffentlicht. Wer gegen Zwangsimpfungen ist, muss jetzt aktiv werden, denn wie es aussieht schreitet die Politik bald zur Tat.

Dienstag, 22. Januar 2019

"Eingeimpft" und abgewertet

In Deutschland wurde noch selten ein Film so bösartig verrissen wie "Eingeimpft" von David Sieveking. Rechtzeitig zur Premiere ist die Negativ-Kampagne nun auch in Österreich angelaufen. Dabei ist der Film durchaus interessant. Er zeigt in humorvollen und berührenden Szenen die Bemühungen der Eltern um die Auswahl der richtigen Impfungen für ihre Kinder. Ab Freitag läuft der Film in den Kinos. Er ist - trotz aller Abwertung in den Medien - einen Besuch wert.


Der Berliner Filmemacher David Sieveking recherchiert zu Impfungen
Montag dieser Woche brachte das Mittagsjournal einen erschreckend einseitigen Beitrag von Marlene Nowotny, der später auch in der Rubrik Science auf orf.at gepostet wurde. Einseitig auch deshalb, weil nur eine einzige Meinung eingeholt wurde - und zwar jene der Tropenmedizinerin und Impf-Lobbyistin Ursula Wiedermann-Schmidt.
Nowotnys Beitrag trug den Titel "Argumente gegen Impfskepsis". Welche Argumente darin präsentiert wurden, darauf möchte ich hier noch einmal näher eingehen.


Unspezifische Effekt von Impfungen

Das erste Argument bezieht sich auf die wissenschaftliche Arbeit des Bandim Health Projects, das vor 40 Jahren vom dänischen Anthropologen und Mediziner Peter Aaby in Guinea-Bissau in Westafrika gegründet wurde. Aaby und sein Team haben seither hunderte Fachartikel in erstklassigen Journalen veröffentlicht.
Die Auswirkungen von Impfungen waren schon von Beginn an ein Forschungs-Schwerpunkt des Gesundheits-Projektes. Mittlerweile sind rund eine halbe Million Menschen in Langzeit-Studien eingeschlossen worden. Jene, die gegen Ende der 70er Jahre registriert wurden, sind heute bereits Großeltern. Rund 150 Mitarbeiter besuchen regelmäßig die Haushalte, kontrollieren die Impfpässe, wiegen und messen die Kinder, registrieren Schwangerschaften und Todesfälle. Bis heute gibt es kein wissenschaftliches Zentrum, das über so lange Zeit auf so hohem Niveau die Lebensumstände in einem Hochrisikoland erforscht hat.


Sieveking auf Spurensuche im Bandim Health Project in Westafrika 
In den letzten 20 Jahren begründeten Aaby und Co. die wissenschaftliche Basis für ein Phänomen, das derzeit weltweit auf Konferenzen heiß diskutiert wird: die "unspezifischen Effekte" von Impfungen. Damit ist gemeint, dass Impfungen nicht bloß eine einzige spezifische Aufgabe im Immunsystem erfüllen – dass also z.B. die Masernimpfung gegen Masern schützt und sonst keine Spuren hinterlässt. "Tatsächlich machen Impfungen wesentlich mehr, wenn sie eine Immunreaktion auslösen", erklärt dazu Peter Aaby. "Nach Jahren der Forschung bin ich mir heute sicher, dass die unspezifischen Effekte der Impfungen wichtiger und bedeutsamer sind, als der spezifische Grund, aus dem die Impfungen eigentlich gegeben werden."
(Wer sich für dieses Thema näher interessiert sei auf einen Vortrag verwiesen, den die derzeitige Leiterin des Bandim-Health-Projektes, Christine Stabell Benn kürzlich dazu gehalten hat. Ausgewählte wichtige Studien zu den unspezifischen Effekten von Impfungen finden sich hier. )

In diesen Studien ergaben sich zwei starke und einheitliche Trends:

  • Lebendimpfungen (z.B. Masern, BCG, Polio Schluckimpfung) haben überwiegend positive Auswirkungen auf die Abwehrkräfte der Kinder und tragen dazu bei, dass die Kinder ein geringeres Risiko haben an Malaria, Lungenentzündung oder Durchfall-Erkrankungen zu sterben. 
  • Totimpfungen mit inaktivierten Wirkstoffen (z.B. Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten) haben negative Effekte auf die Abwehrkräfte. Sie erhöhen das Sterberisiko der Kinder - besonders jenes der Mädchen - um ein Vielfaches.

Während der erste Teil dieser Resultate international mehrfach bestätigt wurde und mittlerweile als etabliert gilt, ist der zweite Teil hoch umstritten. Wie sollte eine Impfung, die von WHO und internationalen Impfexperten empfohlen wurde, negative Auswirkungen haben können? Das ist - aus Sicht der internationalen Impf-Behörden - schwer möglich. Und so hat die WHO Studien finanziert, die andere, wesentlich günstigere Resultate erbrachten.
Peter Aaby und seine Mitarbeiter haben diese Studien vielfach zerpflückt und die schweren Fehler erklärt, die von der WHO gemacht worden sind. Unter anderem wurden beispielsweise verstorbene Babys, deren Impfpass nicht mehr auffindbar war, im Nachhinein als "ungeimpft" deklariert. (Nähere Information dazu in meinem aktuellen Buch "Gute Impfung - Schlechte Impfung".)


Wiedermann-Schmidt erklärt wie es wirklich ist

Im ORF-Beitrag heißt es, dass Aabys Thesen wissenschaftlich nicht haltbar seien. Zur Begründung sagt Ursula Wiedermann-Schmidt, dass die WHO ganz andere Resultate raus gebracht hat…

…wo man dann auch die richtigen Kontrollgruppen mit einbezogen hat - denn in der ersten Studie wurden keine ungeimpften Kinder angeschaut und man hat dann gesehen, dass im selben Alter wie die geimpften Kinder ebenso dieselben Sterberaten auftreten können und dass das gar nichts mit der Impfung zu tun hat

Mit diesem Argument wird also erklärt, warum Aabys Resultate "wissenschaftlich nicht haltbar" sind. Ich habe diese Passage aus dem Radio-Beitrag wortwörtlich abgeschrieben und den Text mehrfach gelesen, ob das irgend einen Sinn ergibt. Leider kam ich nicht, dahinter, was die Expertin damit konkret aussagen möchte. Verstanden habe ich nur, dass sie selbst offenbar Aabys Arbeiten nicht verstanden hat - oder diese gar nicht kennt.

Bezeichnender Weise gibt es auch keine Quellen zu dieser Aussage. Man weiß nicht, worauf sich Wiedermann-Schmidt überhaupt bezieht.


Wie viel Aluminium kriegt ein Baby ab?

Mindestens ebenso eigenartig ist das zweite Argument, das geliefert wird. Marlene Nowotny behauptet in ihrem Beitrag, dass in Sievekings Dokumentarfilm Skepsis gegen den Zusatz von Aluminium-Verbindungen in Impfstoffen geschürt werde. Das sei jedoch irreführend, erklärt Expertin Wiedermann-Schmidt, denn Aluminium sei ohnehin überall und…

…ein Baby hat allein durch die Ernährung Kontakt damit und der ist ungefähr 35 mal so hoch als durch die Gesamtanzahl an Impfungen passieren kann

Soweit die Behauptung von Österreichs oberster Impfexpertin.

Dann rechnen wir hier mal kurz nach.
Für Babys sind im österreichischen Impfkalender während der ersten sechs Lebensmonate sieben Aluminium-haltige Impfungen empfohlen. (2 mal 6-fach Impfung, 2 mal Pneumokokken, 3 mal Meningokokken B)
Nehmen wir an, das Baby wird während dieser Zeit gestillt, so bekommt es als Nahrung vorwiegend Muttermilch. Der Gehalt von Aluminium in Muttermilch liegt laut deutschem Bundesinstitut für Risikobewertung bei rund 0,01 Milligramm pro Liter. Wenn Aluminium in Nahrung enthalten ist, so werden - nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft – davon 0,1 bis höchstens 1 Prozent im Körper aufgenommen. Der Rest wird – über den auf Giftstoffe gut eingestellten Magen-Darm-Trakt –durchgeschleust und geht schnurstracks wieder in die Windel. Damit hätte das Baby demnach eine Aluminiumlast von 0,0001 Milligramm pro Liter Milch zu verkraften.

Bekommt das Baby alle sieben empfohlenen Impfungen, so werden damit - je nach den verwendeten Impfstoffen - bis zu 4,16 Milligramm Aluminium tief in die Oberschenkel-Muskel injiziert. Da bei Impfungen der Magen-Darm-Trakt umgangen wird, werden zunächst mal 100 Prozent der Gesamtmenge im Organismus behalten. Niemand kann sagen, was das Aluminium im Organismus macht - und wie es sich konkret verteilt. Und niemand kann sagen, ob es Monate oder Jahre dauert, bis dieses Aluminium ausgeschieden wird. Das ist nämlich schlicht und einfach nicht untersucht.

Doch bleiben wir bei Wiedermann-Schmidts Vergleich: Sie sagt, dass der Kontakt über die Ernährung "35 mal so hoch ist als das über Impfungen passieren kann".
Ich weiß ja nicht, womit sich die Babys in Wiedermanns Vergleich ernähren. Aber wenn es Muttermilch ist, geraten wir ins Absurde. Damit ein Baby über Muttermilch so viel Aluminium aufnimmt, wie über die Impfungen, müsste es 41.600 Liter Muttermilch trinken, das wären 227 Liter pro Tag.
Und das müsste man - laut Expertise von Wiedermann-Schmidt - dann noch mit 35 multiplizieren.

Offenbar verwendet Österreichs oberste Impfexpertin vollständig andere Basisdaten für ihre Rechnung. Doch woher sie diese hat und auf welcher wissenschaftlichen Grundlage diese erhoben wurden, erfahren wir wieder nicht. Es gibt dafür keine Quelle.

Ursula Wiedermann-Schmidt (im Zentrum) mit ihren Mitarbeitern der Universität Wien

Ebenfalls nicht erwähnt werden die finanziellen Interessenskonflikte von Ursula Wiedermann-Schmidt, die im Zuge Ihrer universitären Arbeit am Institut für Tropenmedizin und Spezifische Prophylaxe mit mehreren Herstellerkonzernen von Impfstoffen kooperiert. Nebenher ist sie Vorsitzende des Österreichischen Impfgremiums sowie Präsidentin der österreichischen Gesellschaft für Vakzinologie. Außerdem betreibt sie zusammen mit Herwig Kollaritsch, ihrem Vorgänger an der Universität, das Zentrum für Reisemedizin, wo man sich u.a. mit Impfungen für Fernreisen eindecken kann.
Dass eine Impf-Lobbyistin wie Wiedermann-Schmidt als oberste Beraterin des Gesundheitsministerium fungiert, hat sicherlich auch mit dazu beigetragen, dass Österreich mittlerweile das dichteste Impfprogramm Europas hat.
Dies dürfte ganz im Sinne der WHO sein, die gerade das Impfgegnertum zur globalen Bedrohung erklärt hat.

Was mir persönlich extrem aufstößt, ist der Rufmord an einer dänischen Wissenschaftler-Gruppe und die substanzlose Vorverurteilung eines Filmemachers, der sich sehr wohl bemüht hat, umfassend - und in jede Richtung - zu recherchieren.
Wenn es um Impfungen geht, ist gebückte Haltung und unterstes Niveau offenbar oberste Journalistenpflicht.

Filmstart von "eingeimpft" ist am 25. Januar. Die bisher fixierten Vorstellungen kann man hier nachlesen.