Dienstag, 9. Februar 2016

1. Auflage der Hygienefalle ausverkauft :)

Ausnahmsweise möchte ich hier mal einen Beitrag bringen, der nicht von mir ist, sondern von einer deutschen Heilpraktikerin. Sie begleitet schon seit vielen Jahren kritisch meine Arbeit, schreibt mir immer wieder mal Mails und weist mich auf Studien oder interessante Literatur hin.
Diesmal schickte sie eine Rezension der "Hygienefalle". Ich übernehme diese Buchkritik ohne Änderungen. Zum einen, weil ich damit einen Ansporn geben möchte, über das Buch öffentlich zu diskutieren. Zum anderen, weil die Rezension auf mein Buch neugierig macht. Und das ist nicht schlecht. Denn nachdem die 1. Auflage erfreulich schnell ausverkauft war sind beim Verlag Ennsthaler nun gerade die druckfrischen Exemplare der 2. Auflage eingelangt.  

Verleger Christoph Ennsthaler steckt hinter der Hygienefalle

Wer weiß schon, dass wir in unserem eigenen Körper in der Minderzahl sind, dass Bauernkinder nur die Hälfte des Allergierisikos der sonstigen Bevölkerung tragen, dass Darmparasiten das Immunsystem beruhigen und vor Allergien und Diabetes I schützen, dass Helikobakter Pylori, jener Magenkeim, der von der Schulmedizin gleich mit drei Sorten Antibiotika ausgerottet wird, vor Refluxerkrankungen und Speiseröhrenkrebs schützt?
In seinem neuen Buch stellt der investigative Medizinjournalist Bert Ehgartner wiederum eine Fülle an verblüffenden Fakten zu brennend aktuellen Gesundheitsthemen ebenso fundiert wie gut verständlich dar. Die Mikrobenzellen und ihre Gene, die wir auf und in uns tragen, übersteigen die Zahl unserer eigenen Körperzellen und Gene um ein Vielfaches und spielen jede Sekunde in der wundervollen Lebens-Symphonie unseres Organismus' mit. Wir sind, wie Ehgartner schreibt, "ein Superorganismus mit Myriaden Synergien".
Es ist höchste Zeit, diese Erkenntnis in unser Wissen von Biologie und Heilkunde zu integrieren und die Paradigmen einer Medizin, die vor 150 Jahren den Mikroben den Kampf angesagt hat und die Balance unseres Mikrobioms mit immer massiveren medikamentösen Eingriffen zerstört, zu hinterfragen und zu korrigieren. Ehgartners Buch liefert hierfür ein umfassendes, faktenreiches Kompendium, das die Dringlichkeit, mit der wir umdenken müssen, ebenso klar herausstellt wie die Richtung, in die eine Medizin und Gesundheitsvorsorge für das 21. Jahrhundert gehen muss.

Unsere Entwicklung beruht wie die Entwicklung aller höheren Arten auf der Integration zahlloser Mikroorganismen: unsere Zellkraftwerke, die Mitochondrien, sind "Fremdarbeiter", Mikroben, die einst in unsere Zellen einwanderten und sie seitdem zuverlässig mit Sauerstoff versorgen, das Bakteriom in unserem Darm sorgt für unsere Ernährung und sogar für gute Stimmung, andere Mikroorganismen helfen bei der Eichung und Regulierung unseres Immunsystems. Das vielfach und eindrucksvoll belegte Fazit Ehgartners lautet: "wenn es unseren Bakterien gut geht, geht es auch uns gut".
In diametralem Gegensatz dazu stand die Annahme Louis Pasteurs' und Robert Kochs, dass in einem gesunden Körper keine Bakterien nachgewiesen werden können. Ehgartners Exkurs in die jüngere Medizingeschichte ist brennend aktuell, denn es fragt sich, warum die Schulmedizin aus den Irrtümern der Mikrobenjäger aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bislang keine Konsequenzen gezogen hat: längst wissen wir, dass ein steriler menschlicher Organismus, der Koch noch als Ideal der Gesundheit galt, nicht lebensfähig wäre, dennoch sind viele medizinische Maßnahmen, die tief in den Organismus eingreifen, wie der flächendeckende Einsatz von Impfungen oder Antibiotika, weiterhin diesen obsoleten Paradigmen verpflichtet. Dass der Münchner Arzt von Pettenkofer und sein Assistent zwei Cholera-Kulturen vor Publikum austranken ohne nennenswert zu erkranken, dass Pettenkofer allein durch die Einführung einer zentralen Wasser- und Abfallversorgung die Stadt München von ihrem letzten Cholera-Ausbruch befreite, ganz ohne Quarantäne und Desinfektionsmaßnahmen - all diese Fakten sind bis heute in der Medizin kaum diskutiert, geschweige denn in eine umfassende Theorie der Krankheitsentstehung und -behandlung integriert worden.

Während der ganzheitliche Ansatz von Pettenkofers und anderer Ärzte, die Krankheit als Dysbalance des gesamten Organismus' ansahen, in der Schulmedizin verdrängt wurde (und bestenfalls bei naturheilkundlichen Ärzten oder Umweltmedizinern ein Nischendasein fristet), trat der medizinische Krieg gegen die Mikroben, flankiert von der aufstrebenden chemischen Industrie, seinen Siegeszug um die Welt an. Die unheilvolle Verquickung von Medizin und chemischer Industrie, die Ehgartner nachzeichnet, muss angeschaut und endlich auf ihre Angemessenheit hin überprüft werden. Die pharmazeutische Industrie macht weltweit Milliardenumsätze und ist seit 1998 zur mit Abstand größten Sponsorin der beiden großen politischen Parteien der USA aufgestiegen. Von dort übt sie massiven Einfluss auf die medizinische Forschung und Gesundheitspolitik nicht nur der westlichen Welt aus.

Neben den für eine freie medizinische Wissenschaft und Forschung verheerenden Verflechtungen mit der Pharmaindustrie beleuchtet Ehgartner auch die dunklen Seiten der Medizingeschichte, die nichts an Aktualität eingebüßt haben. Etwa jene des Gynäkologen Ignaz Semmelweis, dessen lebensrettende Erkenntnisse seine Standeskollegen vehement zurückwiesen - und so noch weitere 50 Jahre den Tod aus der Pathologie auf die Wöchnerinnenstationen trugen.
Bis heute wird die reflexhafte Abwehr neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse als "Semmelweis-Reflex" bezeichnet, und bis heute ist die Schulmedizin keineswegs frei von solch unwissenschaftlichem Verhalten, was Ehgartner u.a. anhand der Autismus-Kontroverse zeigt - der Diskussion um die Frage, ob Impfungen ursächlich an der Entstehung von Autismus beteiligt sein könnten -, ein Kapitel, das sich wie ein Krimi liest und das ich besonders allen Eltern von Kleinkindern ans Herz legen möchte. Zur Frage, warum es zum Thema Impfungen keine kritischen Studien gibt, zitiert Ehgartner den langjährigen Präsidenten der World Autism Organisation mit den Worten: "weil die Leute Angst haben, was sie finden könnten."

Wir dürfen der Angst vor dem, was wir finden könnten, nicht das Feld überlassen. Die Zahl der Autismus-Erkrankungen und vieler anderer Entwicklungsstörungen steigt massiv an, ebenso wie die Zahl der Autoimmunerkrankungen, für die ebenfalls der Verdacht besteht, dass sie durch die grobe diffuse Alarmierung des Immunsystems, die jede Impfung bedeutet, getriggert werden. Wir müssen uns der Angst stellen, der Angst vor der schmerzhaften Erkenntnis von falschen Entwicklungen im Medizinbetrieb, der Angst, vielleicht selbst - als Patienten, Eltern, Ärzte - Fehlentscheidungen im besten Glauben getroffen zu haben, und ebenso der Angst vor unseren mikrobiellen Symbionten, die uns viel häufiger nützen und viel seltener schaden, als uns Pharmaindustrie und Wissenschaft Glauben machen wollen. Angst ist kein guter Ratgeber. Es gibt weitaus bessere: unseren gesunden Menschenverstand, mit dem wir behauptetes von begründetem Wissen unterscheiden können, unsere Wahrnehmung, die uns Auskunft über erwünschte und unerwünschte Wirkungen von Medikamenten gibt, und nicht zuletzt eine wachsende Anzahl an wertvollen kritischen Informationen, wie sie Ehgartner hier präsentiert.
Neben Impfungen und antibiotischen Medikamenten unterzieht Ehgartner auch das HI-Virus und die Krebstherapie seinen unbestechlichen Recherchen - und zeigt das oft erschütternd brüchige Fundament von Theorien und Behandlungen auf, die im Wissenschaftsbetrieb geradezu als sakrosankt gelten - einem Wissenschaftsbetrieb, den der renommierte Wiener Philosoph Konrad Paul Liessmann an anderer Stelle als "Projekt der Gegenaufklärung" bezeichnet.

Wir müssen uns auf das Kantische "sapere aude" rückbesinnen, wir müssen unsere Vernunft befragen und scheinbar gesichertes Wissen mit dem Mut zur Wahrheit überprüfen - und die Verantwortung für unsere Gesundheit und die unserer Kinder wieder in unsere Hände nehmen - von der natürlichen Geburt, die den Säugling mit dem guten Mikrobiom der Mutter versorgt bis zu einem Umgang mit Krankheiten, der unserem mächtigen Schutzengel Immunsystem zuarbeitet, anstatt ihn mit chemischen Großangriffen außer Kraft zu setzen. Ehgartners Buch ist ein großes, mutiges Werk im besten aufklärerischen Sinn.

Die Autorin möchte gerne anonym bleiben. Ihre Buchkritik erschien bei Amazon unter dem Nick "anna logo". 

Mittwoch, 3. Februar 2016

Zika-Zaka Hoi Hoi Hoi

In Brasilien werden "tausende Fälle" von zu kleinen Gehirnen bei Babys auf die Infektion mit den Zika Viren zurückgeführt. Die WHO ruft einen globalen Notstand aus. Und Texanische Behörden "weisen nach", dass das Zika Virus per Sex übertragen wird. Damit hätten wir wieder einmal alle Zutaten für ein paar Wochen Experten- und Mediengewitter.

Aedes aegypti - Mosquitos verbreiten die Viren (Foto: sciencemag.org)
Tatsächlich ist es bisher noch pure Spekulation ob die Mikrozephalien tatsächlich vom Zika-Virus verursacht werden. Dass bei einigen Frauen mit betroffenen Kindern die Viren nachgewiesen wurden, hat weder Beweis- noch sonderliche Aussagekraft.
Allein wenn im Zuge einer großen Fahndungsaktion auf bestimmte Viren untersucht wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Verbreitung der Viren überschätzt wird (verglichen z.B. mit einer historischen Arbeit, wo diese Viren in einem anderen Kontext erfasst wurden) rasant an. Speziell für Viren gilt: Wer suchet, der findet.
Zika Viren sind weit verbreitet und galten bisher als vergleichsweise harmlos. Komplikationen, wie sie derzeit in Brasilien beobachtet wurden, sind ein neuartiges Phänomen. Warum die Viren gerade in Brasilien plötzlich solche massiven Behinderungen auslösen sollten, ist vollkommen unlogisch. 
Unklar ist auch die wirkliche Dimension des Ausbruchs. Der deutsche Mikrobiologe Alexander S. Kekulé bezeichnet die Angaben der WHO als "Märchen" und als massive Täuschung der Öffentlichkeit.
Mit der sofortigen Festlegung auf die Viren als Auslöser werden zudem andere mögliche Ursachen für die Fehlbildungen von vorn herein ausgeklammert. Beispielsweise die Auswirkungen eines großen Freisetzungsversuches mit gentechnisch veränderten Mosquitos genau jener Art (Aedes aegypti) welche auch die Zika Viren übertragen.
Und alles läuft wieder in Richtung von Millionen-Aufträgen für die Impfstoff- und Medikamentenentwicklung. Gesichert ist hier nur eines: Dass davon die beauftragten westlichen Unternehmen und Experten profitieren werden. In den Ghettos Brasiliens wird inzwischen – noch massiver als bisher – Gift gesprüht.

Alarmismus statt seriöse Information
Bei internationalen Organisationen und auch den Outbreak-Experten ist der Fokus seit langem auf Alarmismus gerichtet. Über weltweiten Alarm kommen die Fördergelder, die Aufmerksamkeit, sowie die selbst empfundene Bedeutung.
Bei der WHO hat sich dieser Wandel vor ca. 20 Jahren zugetragen. Damals gab es jedes Jahr Probleme damit, dass die WHO überhaupt ihre Mitarbeiter bezahlen konnte. Ständig blieben die Mitgliedsstaaten ihre Beiträge schuldig - oder zahlten säumig (speziell die USA, die den Großteil des WHO-Budgets berappte, aber auch immer vehementer bestimmte Forderungen damit verknüpfte - z.B. eine engere Kooperation mit der Pharmaindustrie).
Schließlich ergab sich eine vollständige Neu-Ausrichtung der WHO. Mit dem Einwerben von privaten Geldern aus der Wirtschaft - die heute bereits deutlich über 50% des Budgets ausmachen. Und natürlich mit der Umdefinition ihrer Agenda: Weg von der ständig mahnenden, bedeutungsschweren Organisation, die sich für die Bekämpfung von Hunger, Durst und Analphabetismus, sowie den Aufbau einer vernünftigen Infrastruktur einsetzte – hin zu einer Behörde, die sich als schicke Viren- und Seuchenbekämpfer verstehen. Wo konsequenter Alarmismus die faden konstruktiven Predigten ablöste.
Die WHO fährt mit dieser Taktik gut. Sie wird weltweit gehört - und gefördert. Ihre Budgets wuchsen in den letzten 20 Jahren rapide an. Sie hat auch etwas zu vergeben, versorgt einen ganzen Ferkelhaufen von Experten, die gefüttert werden wollen. - Und natürlich dann auch wissen, was sie ihren Ernährern schuldig sind.
Im Prinzip geht es gar nicht darum, durch seriöse Arbeit die wirklichen Ursachen der schlimmen Behinderungen aufzuklären. Es geht nicht darum, die tatsächliche Gefährlichkeit des Zika-Virus objektiv abzuschätzen. Sondern es geht darum, eine neue Virensau durchs Weltdorf zu treiben und damit Imagepflege zu machen, in Erinnerung zu rufen, dass die mutigen Virenjäger allezeit wachsam sind - aber die Stange Geld, die sie kosten, jederzeit wert.

Dienstag, 1. Dezember 2015

Widerstand gegen den Pharma-Filz

Hier ein Interview, das Antje Plaikner für das Journal "Der österreichische Journalist" mit mir geführt hat. Es geht darin um die Schwerpunkte meiner Arbeit – die Inhalte meines aktuellen Buchs "Die Hygienefalle" – sowie die Rolle und den Zustand des Wissenschaftsjournalismus im Land.


Warum wurden Sie Medizinjournalist?

Bert Ehgartner: Als junger Journalist bei der Ganzen Woche habe ich einen kritischen Artikel zur Zeckenimpfung geschrieben und wurde daraufhin von der Herstellerfirma Immuno wegen angeblicher Geschäftsschädigung auf eine Million Schilling privat geklagt. Das war für mich existenzgefährdend und ein ziemlicher Schock. Ich habe mich daraufhin sehr gut auf den Prozess vorbereitet und war überrascht, wie schwach die wissenschaftliche Basis für die Impfempfehlung – speziell für deren Sicherheit – war. Immuno hat den Prozessbeginn zwei Jahre lang verzögert und dann plötzlich die Klage fallen gelassen. Ich wechselte 1997 zum Redaktionsbüro Langbein & Skalnik, weil mich deren Schwerpunkt auf Wissenschaft und Medizin fasziniert hat und setzte mein angesammeltes Wissen um die Zecken gleich in einem Dokumentarfilm um.


2013 erregte ihr Film "Die Akte Aluminium" große Aufmerksamkeit und rückte das Metall in ein ungesundes Licht. Sie bereiten derzeit einen weiteren Alu-Film vor. Wie kamen Sie zu diesem Thema?

Auch das hat mit Impfungen zu tun. Als ich mich um das Jahr 2000 mit Artikeln für die Entfernung von Quecksilber aus Babyimpfstoffen engagiert habe, bemerkte ich, dass dort mit Aluminium noch ein zweites toxisches Metall eingesetzt wird. Die Recherchen zeigten dann, dass Alu-Verbindungen in vielen hoch sensiblen Lebensbereichen eingesetzt werden.


Alu hatte ja bis vor kurzer Zeit ein sauberes Image.

Ja, aber schon in den 1970er und 80er-Jahren wurde diskutiert, ob Aluminium einer der Auslöser für Alzheimer sein könnte, weil es bei verstorbenen Patienten in hohen Dosen im Zentrum der zerstörten Gehirne gefunden wurde. Aluminium wird auch zur Trinkwasser-Reinigung verwendet. Und es gab einige Studien, die zeigten, dass in Trinkwasserbezirken, wo diese Technologie einsetzt wird, ein doppelt so hohes Risiko besteht an Alzheimer zu erkranken. Das hat die Aluminium-Industrie wachgerüttelt und diese betreibt seit den 80er-Jahren massives Lobbying. Zahlreiche Wissenschaftler wurden finanziert, die Literatur mit Pro-Aluminium Studien geflutet. Mit Erfolg. Kürzlich habe ich zwei aktuelle Bücher zum Thema Alzheimer und Demenz gelesen, in denen kommt nicht einmal mehr das Wort Aluminium vor.


Sie selbst fächern das Thema auf: Alu und Impfung, Alu und Alzheimer, Alu und Brustkrebs, Alu und Allergie.

Wir erleben derzeit eine Epidemie von chronischen Krankheiten, die alle mit einem aggressiven, fehl geleiteten Immunsystem zu tun haben. Und wir wissen gleichzeitig, dass es bei Impfungen die Aufgabe der Alu-Verbindungen ist, das Immunsystem aggressiv zu machen. Heute wird im Vergleich zu den 80ern zwei- bis dreimal so viel geimpft. Babys erhalten im Alter von drei Monaten bis zu drei aluminiumhaltige Impfungen an einem einzigen Tag. Die Folgen für das Immunsystem der Kinder werden nicht wirklich untersucht. Impfungen sind offenbar die Heiligen Kühe der Wissenschaft, die auf keinen Fall kritisch hinterfragt werden dürfen. Ich bleibe aber dran und werde deshalb im Internet als „Impfgegner“ und als Anhänger von Verschwörungstheorien verleumdet.


Wie beurteilen Sie das derzeitige berufliche Umfeld von Wissenschaftsjournalisten?

Speziell problematisch ist es für die freien Kollegen. Es gibt z.B. finanzierte Wissenschaftsbeilagen. Deren Auftraggeber verlangen oft Hofberichterstattung, wer dem nicht entspricht erhält kaum Aufträge. Die Vermischung von PR und Wissenschaft ist hier unglaublich. Doch auch die Wissenschaft selbst befindet sich in einer ähnlichen Situation, denn mehr als 90 Prozent der medizinischen Studien werden von der Industrie finanziert. Führende Köpfe an den Universitäten werden vor allem danach ausgewählt, wie gut sie mit der Industrie zusammenarbeiten und Drittmittel einwerben. Der Professorenjob gleicht mitunter dem einer Puffmutter, Lobbyisten lenken die Verteilung von Fördergeldern, und die Industrie hat es sich als Vampir der Gesundheits- und Sozialsysteme bequem eingerichtet.


Wie überlebt man in diesem Machtgezerre als Journalist?

Als unabhängiger Journalist überlebt man schwer. Es gibt kaum Rückhalt in den Verlagen. Ich habe beispielsweise 30 Titelgeschichten für Profil geschrieben. Die Honorare für solche Geschichten wurden zunächst eingefroren und schließlich sogar um 30 Prozent gekürzt. Mit kritischen Geschichten wurde es zuletzt immer schwieriger und ich hatte den Eindruck, dass immer mehr Rücksicht auf die Anzeigenkunden genommen wird. Ich habe deshalb die Zusammenarbeit eingestellt. Zum Glück stehe ich auf mehreren Beinen: Ich schreibe Bücher, mache Filme und arbeite für ausländische Medien.


Wer fördert denn diese Zustände?

Wenn es kaum unabhängige Wissenschaft gibt und Wissenschaftsjournalisten jedem Auftrag hinterherhecheln müssen, kann sich keine Opposition bilden, welche die unglaublichen Zustände in der Branche aufarbeitet. Die Gesundheitspolitik wird umschwärmt von Lobbyisten und hält es für eine gute Idee, die Wissenschaft vollständig der Industrie zu überlassen. Es gibt keinerlei Kontrollfunktion; mit dem Resultat, dass wir unverschämt teure Arzneimittel in einem vollständig korrupten Medizinsystem einkaufen müssen, wo nicht einmal die Wirksamkeit und Sicherheit der Mittel unabhängig geprüft wurde.


Was müsste sich grundsätzlich ändern?

Wir müssen uns als mündige Gesellschaft wieder eine unabhängige Wissenschaft leisten. Das heißt, der Pharmaindustrie sollte die Kontrolle über die Zulassungsstudien entzogen werden. Ein neu entwickeltes Medikament müsste einer unabhängigen wissenschaftlichen Einrichtung übergeben werden, die damit Studien durchführt. Das ist eine Forderung Peter Gøtzsches, Medizinforscher und Direktor des Nordic Cochrane-Centers, der die Zusammenhänge in seinem aktuellen Buch Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität aufzeigt. Wir sind derzeit in einem mafiösen Geflecht gefangen. Die wirkliche Korruption spielt heute – viel mehr noch als in der Wirtschaft – in der Wissenschaft. Und das ist beruflich schon eine interessante Herausforderung.


Ist unsere Gesellschaft nicht recht immun gegen Veränderungen?

Rund ein Drittel der Bevölkerung ist mittlerweile chronisch krank, und der Anteil der Kinder mit Allergien, Autoimmunerkrankungen und Entwicklungsstörungen nimmt weiterhin rasant zu. In den USA sind die gesunden Kinder sogar schon in der Minderzahl und der Trend schlägt voll nach Europa durch. So weiter zu machen wie bisher, hieße in den Untergang zu steuern. Wir werden immer mehr zu einer Bevölkerung, die auf die Bedürfnisse der Industrie hin optimiert ist und ein Leben lang Therapien braucht: Vom Kaiserschnitt bis zur finalen Chemo.


Hat sich hier nicht schon etwas getan, weil die Öffentlichkeit Druck macht?

Viele Menschen informieren sich nur noch im Internet, weil offensichtlich ist, dass die Mainstream Medien befangen sind. Das Problem ist jedoch, dass dort die absolute Narrenfreiheit herrscht und wir erst lernen, diesen Wust an Infos einzuschätzen. Soziale Medien sind aber sicherlich – so wie auch in der Politik – ein Instrument der Opposition. Alufreie Deos sind ein gutes Beispiel. Hier haben die Konsumenten enormen Druck ausgeübt und etwas verändern können. Ein anderes Beispiel: In Frankreich hat eine starke Initiative 750.000 Unterschriften gesammelt, um für Babys alufreie Impfstoffe auf den Markt zu bringen. Nun sind die Behörden am Zug.


Bringen Bürgerbewegungen das zustande, wovor sich Politik fürchtet?

Der Druck muss von der Öffentlichkeit kommen. Nur dann zeigen Politiker Rückgrat und wehren sich gegen Lobbyisten, mit denen sie sonst kooperieren. Wir müssen als Gesellschaft extrem aufpassen, dass wir nicht in Richtung einer Medizindiktatur abgleiten, wo endgültig die Lobbys mit Angstparolen und Meinungsterror herrschen. Und in dieser schwierigen Situation spielen unabhängige Journalisten und Wissenschaftler eine entscheidende Rolle.  


[Dieses Interview erschien in der Ausgabe 10/11 2015 des ÖJ, Autorin: Antje Plaikner]

Freitag, 16. Oktober 2015

Die Hygienefalle - Schluss mit dem Krieg gegen Viren und Bakterien

Wer wissen möchte, was genau mit der "Hygienefalle" und dem "Krieg gegen Viren und Bakterien" gemeint ist: Hier ist das Vorwort zu meinem neuen Buch. 


http://www.amazon.de/Die-Hygiene-Falle-Gesundheit-verspielen/dp/3850689468/ref=as_sl_pc_ss_ssw?&linkCode=wss&tag=ehgarinfo-21
Auf die Idee zu diesem Buch kam ich im Frühling 2014 während eines Gesprächs, das ich mit Erika von Mutius führte, der deutschen Allergieforscherin und Mitbegründerin der so genannten Hygiene-Hypothese. Wir sprachen über die Entdeckung des menschlichen Mikrobioms, jener unglaublich vielfältigen Gemeinschaft an Mikroben, die auf und in uns gedeiht und mit uns lebt.
Jeder Mensch ist ein riesiger Zoo und beherbergt eine Artenvielfalt, die an jene der Regenwälder des Amazonas erinnert. Wir wissen heute, dass wir in unserem eigenen Körper in der Minderzahl sind – und zwar gewaltig. Auf jede einzelne Zelle unseres Körpers kommen zehn Zellen von Mitbewohnern. Auf jedes einzelne Gen unseres Erbgutes kommen hundertfünfzig nicht menschliche Gene. Und sie alle spielen mit im Konzert unseres Lebens.
Wir setzen gerade die ersten Schritte in diesen neuen Kosmos, machen die ersten Entdeckungen und staunen wie bedeutsam der Einfluss der Mikroben für alles ist, was uns als Menschen ausmacht.
Im Laufe der Evolution haben sich unzählige Symbiosen zum gegenseitigen Vorteil entwickelt: Manche der Bakterien erzeugen lebenswichtige Vitamine, andere schließen die Nahrung auf und machen Spurenelemente verfügbar. Sie mischen kräftig mit bei der Steuerung unseres Essverhaltens und beeinflussen sogar unserer Laune, indem sie im Darm Glückshormone erzeugen. Wenn es unseren Bakterien gut geht, geht es auch uns gut.


Die drei Säulen der Gesundheit

Die Gemeinschaft dieser Mikroben steht zudem in enger Verbindung mit unserem Schutzengel, dem Immunsystem, mit dem es sich im Verlauf der Evolution des Lebens parallel entwickelt hat. Die beiden kennen sich aus Urzeiten als es noch keine Menschen, ja noch nicht einmal Säugetiere gab. Und beide zusammen, das Immunsystem und das Mikrobiom, beeinflussen unser Gehirn, unser Nervensystem – also das, was unser Ich und unsere Persönlichkeit ausmacht.
Auf diesen drei Säulen – Nervensystem, Immunsystem und Mikrobiom – beruht die Stabilität unserer Gesundheit. Sie sind alte Freunde und kommunizieren unentwegt – während wir essen, arbeiten oder lieben.  Speziell wenn wir lieben: Vom ersten Kuss, den Verliebte einander schenken, tauschen sie auch ihre Mikroben aus, passt sich ihr Immunsystem aneinander an, tauchen sie ein in den Geruch ihrer Körper, der auch wieder von Bakterien erzeugt wird. Mikroben schaffen Beziehungen.
„Bisher“, sagte Erika von Mutius in unserem Gespräch, „haben wir in der Medizin immer nach Risikofaktoren gesucht. Doch durch die Mikrobiomforschung sehen wir jetzt, dass es bei Gesundheit nicht um Risikovermeidung, sondern viel mehr um Gleichgewichte und Symbiosen geht.“
In diesem locker ausgesprochenen Gedanken, das wurde mir in dem Moment schlagartig klar, liegt ein Potenzial, das die Medizin und unser Verständnis von Gesundheit von Grund auf verändern kann. Sollte es möglich sein, dass wir lernen unseren Selbstheilungskräften zu vertrauen statt zu intervenieren? Dass wir unser Mikrobiom hegen und pflegen, statt es wahllos umzupflügen und zurechtzustutzen? Dass wir banale Infekte zulassen, ohne das Immunsystem mit allen möglichen Interventionen in seiner Arbeit zu behindern? Dass wir Symbiosen hüten und auf Gleichgewichte achten?

Sollte diese revolutionäre Umkehr möglich sein, so wäre das wie ein Tauwetter nach einer langen Phase des Krieges. Während des letzten Jahrhunderts haben wir vor allem gekämpft: gegen Infekte, gegen Krankheiten, gegen „feindliche Bakterien und Viren“.
Doch wohin hat uns dieser Kampf geführt? Viele Menschen müssen das gerade leidvoll erfahren:  
In den USA sind in der Generation der unter 18-jährigen die gesunden Kinder und Jugendlichen bereits in der Minderzahl. Und die Welle chronischer Krankheiten schwappt immer mehr auch nach Europa über. Alle zehn Jahre verdoppelt sich die Anzahl der Kinder, die an Diabetes leiden. Asthma ist bereits zur Volkskrankheit geworden. Jede dritte Familie hat mindestens ein Mitglied mit Allergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Die Kurven bei Multipler Sklerose, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und Autismus – alles Störungen, die noch vor wenigen Jahrzehnten exotisch waren – zeigen steil nach oben. 
Und immer deutlicher zeigt sich, dass es nicht die Überalterung der Bevölkerung ist, welche die Budgets der Sozialstaaten an den Rand des Kollapses bringt, sondern die Last der chronischen, unheilbaren Krankheiten. Trotz aller Hygiene, trotz aller Arztbesuche, Früherkennungs- und Vorsorgeprogramme.


Gefangen in der Hygienefalle

Die Prinzipien der Hygiene umzusetzen, war eine der segensreichsten Leistungen unserer Zivilisation. Die Zeit der Seuchen war damit vorüber. Doch offenbar haben wir die Sache gewaltig übertrieben. Wir haben eine an sich hervorragende Idee derart auf die Spitze getrieben, dass sich der einstige positive Effekt in sein Gegenteil verkehrt hat.
 Moderne Hygienebestimmungen gefährden die Gesundheit, statt sie zu bewahren. Dank immer schärferer bürokratischer Vorschriften ist Hygiene heute in vielen Bereichen zu Sterilität pervertiert. Obst und Gemüse wird in Folien gepresst, Trinkwasser chloriert, Rohmilch gilt als gemeingefährlich, kein Stückchen Erde klebt an Radieschen oder den strahlend orangen Karotten im Supermarkt. Überall blitzt es vor Sauberkeit – man könnte vom Boden essen.
Stück für Stück hat sich bei uns ein Lebensstil durchgesetzt, der die biologischen Bedürfnisse unseres Körpers missachtet und der menschlichen Natur zuwiderläuft. Wir versuchen die Mikroben, die uns umgeben, zu beseitigen und auszurotten. Dabei übersehen wir, dass wir selbst aus Mikroben bestehen.
Das gilt auch für viele Interventionen der „modernen Medizin“. Statt Abläufe im Körper zu unterstützen, stören sie Symbiosen und gefährden das Gleichgewicht unserer drei Gesundheitssäulen.
Das beginnt bei der Geburt, die schon bei jeder dritten Schwangeren per Kaiserschnitt erfolgt – statt mit den guten Bakterien der Mutter werden diese Babys zuerst mit Keimen besiedelt, die sie wahllos im Kreißsaal auflesen
Weiter geht es beim Kinderarzt: Von Anfang an sind Babys und Kleinkinder während der sensibelsten Phase ihrer Entwicklung einer ganzen Lawine von Eingriffen ausgesetzt: Antibiotika-Kuren, die „zur Sicherheit“ verabreicht werden, die aber nicht nur krank machende Bakterien bekämpfen, sondern auch zu einem Kahlschlag im gerade entstehenden Mikrobiom führen. Fiebersenker und Entzündungshemmer, die die natürlichen Regulative des kindlichen Organismus aushebeln. Eine Unzahl von Impfungen, die das Immunsystem künstlich aggressiv machen – und all das während der sensibelsten Phase der kindlichen Entwicklung.


Strategien der Angstmacher

Prävention, wie wir sie heute verstehen, hat oft mehr mit Präventivschlag zu tun als mit achtsamer Vorsorge. Überall sind wir noch konfrontiert mit Denkmustern, die ihren Ursprung tief im finsteren 20. Jahrhundert haben: im allzu simplen, schwarz-weißen Weltbild der Mikrobenjäger, die im Endsieg gegen feindliche Keime die Voraussetzung für Gesundheit sahen.
Natürlich lässt sich ein simples Weltbild viel einfacher vermitteln als komplexe Zusammenhänge. Und es lässt sich auch viel besser vermarkten: Es müssen nur Ängste geschürt und dann einfache Lösungen angeboten werden. Für jedes Risiko gibt es einen Test, eine Therapie, eine Pille. Wir sind – inmitten der längsten Friedenszeiten, die wir jemals in Mitteleuropa erlebt haben – zu einer überängstlichen Gesellschaft geworden. Der Medizinmarkt gehört zu den mächtigsten Wirtschaftszweigen. Angefeuert von den Strategen der Pharmaindustrie, welche Gesundheitspolitik und Behörden hilflos vor sich her treiben.
Unsere Gesellschaft hat der Industrie die medizinische Wissenschaft überlassen und auf unabhängige öffentliche Kontrolle fast vollständig verzichtet. Heute sehen wir das Resultat dieser Politik: eine Bevölkerung, die auf die Bedürfnisse der Wirtschaft hin optimiert ist und von der Wiege bis zur Bahre Therapien braucht vom Kaiserschnitt bis zur finalen Chemotherapie.

Ob es gelingt, dass wir uns aus diesem Geflecht an Interessen und fest gefahrenen Einstellungen befreien, ist eine spannende Frage.
Derzeit sieht es nicht so aus.

Aber machen Sie sich selbst ein Bild.


"Die Hygienefalle", das neue Buch von Bert Ehgartner ist ab 9. November 2015 im Buchhandel erhältlich. Besorgen Sie sich bitte das Buch in Ihrer Lieblingsbuchhandlung. Alternativ zu Amazon & Co. können Sie das Buch auch direkt beim Verlag Ennsthaler bestellen.  

Samstag, 3. Oktober 2015

Amokläufer USA - und die Rolle der Medien

Dass derzeit Millionen Menschen auf der Flucht sind, hat eine wesentliche Ursache im "Krieg gegen den Terror", dem die USA seit 14 Jahren mit Eifer nach gehen. Irak, Syrien und Afghanistan sind die hauptsächlich betroffenen Länder. Und überall gab es zuvor massive Interventionen der USA. Doch statt aus diesem Dilemma zu lernen und die Propaganda von NATO und USA kritisch zu hinterfragen, folgt die Berichterstattung in den Medien immer noch dem alten Schwarz/Weiß Muster. Und trägt damit dazu bei, dass die nächsten Katastrophen folgen.  

Der von den USA unterstützte Aufstand gegen Assad - forderte bislang mehr als 160.000 Todesopfer 
"Das Vertrauen der Amerikaner in die Beteuerungen der Russen ist schwer erschüttert", sagte gestern die USA-Korrespondentin des ORF mit Bezug auf die aktuellen Kämpfe in Syrien. Angeblich hätten die russischen Flieger nämlich nicht nur die Truppen des IS, sondern auch die "gemäßigten Rebellen" attackiert - jene der "freien syrischen Armee".
Auch mein Vertrauen ist schwer erschüttert. Allerdings geht es bei mir um das Vertrauen in die Berichterstattung. Ich finde es absolut widerlich, wie bereitwillig und vollständig kritiklos unsere Medien nach wie vor die Position der Nato bzw. der Amerikaner einnehmen.

Das Irak Abenteuer der Amerikaner war unmittelbarer Auslöser der Entstehung des Islamischen Staates - und ohne einen Funken Anstand oder Verstand wurde gleich im nächsten Staat - in Syrien - weiter gezündelt - wird Präsident Assad doch von den bösen Russen und dem noch böseren Iran unterstützt. Die US-finanzierten Söldner, das sind hingegen die "gemäßigten Rebellen".

Ständig wird offen oder verdeckt interveniert unter der Führung der Schutzmacht des Kapitalismus, die sich als moralisch überlegener Weltpolizist begreift. Und wenn politischer Druck, Diplomatie oder Handelsembargos nichts fruchten, um die Interessen der großen Konzerne auf einen „freien Warenverkehr“ durchzusetzen, wird auch militärisch zugeschlagen.

Seit dem zweiten Weltkrieg hat die USA unzählige Diktatoren unterstützt oder selbst etabliert, demokratische Bewegungen zunichte gemacht und deren Spitzen ermordet. Ganz Südamerika galt als US-Hinterhof und es wurden von Bolivien bis Chile, von El Salvator bis Nicaragua, von Grenada bis Kuba unzählige Geheimdienst-Aktionen und Militär-Schläge durchgeführt. Als Vorwand galt stets der Kampf gegen den Kommunismus - im Hintergrund standen massive wirtschaftliche Interessen. Und fast jedes Mal stand das „Land der Freien und Mutigen“ auf der Seite rechter Regimes, einer Clique rund um Diktatoren und konservativer Wirtschaftsbonzen, die den Militärapparat zur Unterdrückung des eigenen Volkes einsetzten.

Selbst Nazi-Deutschland genoss lange Zeit die Sympathien einflussreicher Kreise der USA. Hätte Hitler sich in seinen militärischen Aggressionen auf den „Lebensraum im Osten“ und die Sowjetunion beschränkt, das Deutsche Reich wäre womöglich über viele Jahre ein freundlicher Verbündeter geblieben - zumindest solange es wirtschaftlich kooperiert hätte.


Die neuen Religionskriege

Seit dem Niedergang des „real existierenden Kommunismus“ mit dem Zusammenbruch der UdSSR ist der „islamistische Terror“ das neue Feindbild geworden. Und auch hier waren die wirtschaftlichen und politischen Interessen stets der Motor der Kriegsaktionen. Etwa bei den Kriegen gegen den Irak. Vorwände, die sich in den internationalen Medien gut verkaufen ließen, fanden sich immer. Oder wurden in einer raffinierten Werbe-Maschinerie selbst produziert. Etwa das Gerücht, dass Saddam Hussein hinter dem 9/11 Anschlag steckt - oder dass er geheime Biowaffen-Laboratorien betreibt und aus dunklen Kanälen des ehemaligen Ostblocks Pockenviren organisiert hat.

Seit dem Al-Kaida Anschlag im September 2001 hat die USA acht Länder bombardiert. Kein anderes Land kommt auch nur annähernd auf diese Zahl.

Und jedesmal schafft eine Aggression unzählige Keime für Gegen-Aggressionen. So wie der „Islamische Staat“ in Wahrheit eine Gegenreaktion der von den USA und seiner Helfer gedemütigten Kriegsverlierer darstellt, die jetzt mit Brachialgewalt unter dem gemeinsamen Schirm eines kriegerischen Islam den Aufstand wagen. Genährt von jungen Männern, die mangels Perspektiven in Scharen zum „gerechten Krieg“ strömen und weniger eine anarchische Terrorgruppe als eine Revolutionsarmee der Entwurzelten und Hoffnungslosen darstellen.

Mangels anderer Gemeinsamkeiten eint hier die von den Hasspredigern missbrauchte und nationalistisch instrumentalisierte Religion. So wie sich auch in den USA der schrankenlose Kapitalismus sehr eng an eine bigott-aggressive Deutung des Christentums anlehnt und ihre imperialistischen Bestrebungen mit der Verbreitung der „christlichen Werte“ gerechtfertigt hat. Wir befinden uns in Wahrheit heute auch inmitten eines Zeitalters der neuen Religionskriege. Das Gute kämpft gegen das Böse, das Andere, das Fremde.


Land der Amokläufer

Die Aggressivität richtet sich jedoch nicht nur gegen außen. Die USA hält einen Anteil von 5 Prozent an der Weltbevölkerung, doch einen Anteil von 31 Prozent bei den öffentlichen Amokläufen mit Waffengebrauch, errechnete Adam Lankford, Professor für Kriminalstrafrecht an der Universität von Alabama anhand einer Analyse aller öffentlichen Amokläufe der letzten beiden Jahrzehnte. Die USA sind aber nicht nur Spitzenreiter bei den Amokläufen - die betreffenden Personen sind auch deutlich besser bewaffnet als überall sonst: Mehr als die Hälfte der US-Amokläufer hatten zwei oder mehr Waffen dabei. 

Der 26-jährige Amokläufer besaß 13 Waffen - alle vollständig legal erworben
Chris Harper, der am Donnerstag dieser Woche neun Menschen in einem College in Oregon erschossen hat, nahm vier Waffen zu seinem Amoklauf mit. Mehr konnte er offenbar nicht tragen. 
Zu Hause hatte der 26-jährige noch neun weitere Waffen lagernd. Alle waren legal erworben. Die USA führt die Liste der Waffen pro Einwohner mit großem Vorsprung an. „Bei uns sind um 200 Millionen mehr private Feuerwaffen im Umlauf als in jedem anderen Land“, erklärt Gewaltforscher Lankford.

Lankfords Analyse der weltweiten Amokläufe zeigt noch einen weitere US-spezifische Eigenheit: Während die Gefahr in anderen Ländern eher von übergeschnappten Soldaten in Militäreinrichtungen ausgeht, drehen in den USA vorwiegend die "normalen" Bürger durch. Und zwar nicht in den Kasernen, sondern in Schulen, Kaufhäusern und Bürogebäuden. 

„In den Vereinigten Staaten werden die Menschen damit sozialisiert, dass sie in ihrem Leben sehr erfolgreich sind und sich den ‚amerikanischen Traum’ erfüllen werden.“ Das führe zu einer enormen Anspannung, wenn die Leute merken, dass ihre hohen Ziele unrealistisch sind. Sehr leicht können sie sich dann von ihrem Umfeld, den Kollegen im Büro oder ihrem Boss blockiert fühlen, erklärt Lankford. Und dann knallen plötzlich alle Sicherungen durch. „Das ist eine sehr gefährliche Mischung, die es in keinem anderen Land in dieser Konzentration gibt: Ein omnipräsentes Versprechen von Glück und Wohlstand, das bei psychisch labilen Personen Größenwahn und Aggressionen fördert." - Und die Waffen zur Wutabfuhr liegen gleich nebenan im Schrank.


Jeb Bush: "Sowas passiert halt mal…"

Während Präsident Barack Obama sichtlich berührt war und in einer wütenden emotionalen Rede den Wahnsinn seines Landes anprangerte, zeigte der konservative Gouverneur Jeb Bush, sein möglicher Nachfolger als Präsident, wie wohl die Mehrheit im Land tickt.
Jeb Bush reagierte, als er von einem Reporter spontan auf das Massaker angesprochen wurde mit der Floskel "stuff happens", die am treffendsten mit "sowas passiert halt mal" übersetzt wird.

Mit Jeb Bush als nächstem US-Präsidenten können wir jedenfalls sicher sein, dass sich in der Selbstwahrnehmung der USA sowie ihrem Rollenbild in der Welt wenig ändern wird.