Freitag, 25. Januar 2013

Neues vom Filmfestival aus Biarritz


Gestern abend wurde "Die Akte Aluminium" als letzte Vorstellung des Tages um 21,15 Uhr im großen Saal des Bellevue Filmpalastes gezeigt. Ich saß bereits eine Stunde davor im Cafe vis a vis und dachte, dass ich wohl der einzige Zuseher bin. Die Hallen des Bellevue, die tagsüber voll Leben waren, leerten sich in beängstigendem Tempo, die Leute saßen wohl längst beim Abendessen oder im Pub. Die Filmvorführer sahen mich mitleidig an und sagten, ja das kommt vor: das Publikum in Biarritz ist launisch und manche Themen kommen eben nicht an. Ich war deprimiert.
Doch dann setzte ein langsamer, aber stetiger Strom an Menschen ein - und die meisten hatten ein Ziel: Mein Kino. Schließlich war der große Saal doch halb voll. Ich stellte mich vor, sagte ein paar freundliche Worte und der Film startete.
Ich habe hier schon einige andere Filme gesehen und bei den meisten - wie z.B. auch bei "Make Hummus Not War", der doch ein bisschen zu viel Hummus für spannende 70 Minuten enthielt - standen Leute auf und verließen das Kino. Kein Wunder, es gibt ja in allen sechs Spielstätten interessante Konkurrenz-Angebote.
Wenn ich mich nicht irre, so hat bei "Die Akte Aluminium" kein einziger Zuseher den Saal verlassen. Und ich irre mich nicht, denn ich saß nahe der Ausgangstür ;-)

Nach dem Ende des Films war keine Diskussion vorgesehen. Die sollte erst bei der Freitag-Vorführung  - also heute - stattfinden. Doch die Leute bestürmten mich. Viele bedankten sich, andere stellten Fragen. Da ich leider das dumme Latein statt Französisch in der Schule gelernt (und gleich wieder vergessen) habe, war die Diskussions-Tiefe mangels Vokabular eher seicht.
Mit zwei Dokumentarfilmer-Kollegen, einer aus Rom, einer aus Paris, ging ich schließlich noch in ein Restaurant. Zu uns gesellte sich ein österreichischer Journalist, der liebe Luigi Heinrich, den ich seit 15 Jahren nicht mehr getroffen habe - und wir unterhielten uns angeregt bis zur Sperrstunde - über Aluminium, neue Dokuprojekte, sowie dies und das.

Heute vormittag machte ich einen ausgiebigen Spaziergang, denn das Wetter war prächtig.
Hier ein paar Motive dieser malerischen, nur 21.000 Einwohner zählenden Stadt im französischen Baskenland.



Wellenparadies Biarritz mit den schnee-bedeckten Pyrenäen

Der Taubenfelsen

Coole Lady, die im Januar baden geht



Eine bunte Stadt, die im Sommer sicherlich sehr grün ist


Malerische Wege, die ganze Bucht entlang
Heute war die zweite Vorführung von "Die Akte Aluminium". Diesmal im Cinéma Le Royal, wo im anderen Saal Tarantinos "Django Unchained" lief. Von Beginn an gab es diesmal keinen Zweifel am Interesse: Als ich 15 Minuten vor der Vorführung eintraf, war der Saal bereits voll. Ich - und der Festival-Direktor - der mit mir die Einführung in den Film und die Begrüßung machte - bekamen nur noch Plätze am äußersten Rand. Schließlich trafen auch die drei Mitglieder der Jury, die Präsidentin Manon Loizeau sowie Jean-Pierre Bekolo und Miguel Courtois ein, nahmen ihre reservierten Plätze ein und los gings. Die Leinwand war noch größer als am Vortag - und ich freute mich einmal mehr über die großartigen Bilder von Kameramann Christian Roth.
Nach der Vorstellung gab es viel Applaus. Kaum jemand verließ den Saal und es entspann sich ein intensives "Question & Answer", wo mir eine Dolmetscherin behilflich war. Die Fragen kreisten vorwiegend um das Thema, wie man sich am besten schützt, die ungeheure Macht der Lobbys, sowie die Frage, warum die Behörden bisher das Thema nicht ernst nehmen.
Nach dem Film kam ein Herr auf mich zu, Daniel Carmantrand - las ich später auf seiner Visitenkarte - der sich als President eines weiteren Biarritz Filmfestivals vorstellte, das allerdings im August stattfindet. Er sagte, er sei begeistert vom Film und würde mich gerne einladen, den Film im Sommer noch einmal zu zeigen.
Julia Szucs und Stephen A. Smith, zwei kanadische Dokumentarfilm-Kollegen sagten, ich sollte unbedingt sehen, ob ich den Film vielleicht beim "Environment Film Festival" in Washington zeigen könnte. Dieses Festival sei großartig und "Die Akte Aluminium" würde dort hervorragend hinpassen. Ich sagte ihnen, dass ich samt Film dort bereits eingeladen bin und sie freuten sich sehr darüber: "Dann treffen wir uns im März in Washington!"

Morgen abend findet die große Schlussveranstaltung mit den Preisverleihungen statt. Das wird super spannend werden. Meine Chancen sehe ich - auf Grund der enormen Qualität der Konkurrenzfilme - realistischer weise als eher gering an. Dazu trägt sicher auch bei, dass wir keine französische Version des Filmes zeigen konnten und es doch den Filmgenuss störte, 52 Minuten lang Untertitel zu lesen. Die Hälfte der anderen Beiträge in der Sektion "Reportagen" lief hingegen auf französisch. Aber wer weiß wie die Jury entscheidet. Die Chance lebt :-)


Kommentare:

  1. lieber Bert,
    danke für diesen Beitrag - es ist fast so, als sei ich live dabei gewesen!
    ICh wünsche Dir den Erfolg, der Dir für diese intensive Arbeit gebührt.
    Und auch dem Film, der mir sehr am Herzen liegt.
    Ich Nachhinein betrachtet war es gerade zu heilsam für mich, dabei ein mini kleines Stück teilhaben zu dürfen!!!
    Herzlich, Eva

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  2. Liebe Eva,
    der Film wäre nicht, was er ist, wenn Du nicht mitgemacht hättest. Ich bewundere Deinen Mut und freue mich sehr über das Vertrauen, das Du mir entgegen gebracht hast.
    Danke!

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