Dienstag, 25. September 2012

Neues Buch kommt in kürze

Die Druckfahnen für mein aktuelles Buch sind in die Druckerei gewandert.
Vorhin habe ich das Cover zur Ansicht bekommen.

So wird mein "Baby" aussehen:



Und das steht am Buchrücken:

Wir leben im Zeitalter des Aluminiums. Doch das glänzende Leichtmetall hat eine erschreckende, dunkle Seite, die in diesem Buch zum ersten Mal kritisch beleuchtet wird. 

Vor 100 Jahren wusste kaum jemand etwas mit dem häufigsten Metall der Erdkruste anzufangen. Heute ist Aluminium allgegenwärtig. 
Besonders beliebt sind bioaktive Aluminium-Verbindungen in der Kosmetik-Industrie: In Sonnencreme fördert Aluminium die gleichmäßige Verteilung. In Deos reagiert es mit den Zellen der Haut, so dass sie nicht mehr schwitzen können. Medikamente gegen Sodbrennen enthalten oft regelrechte Überdosen an Aluminium. In zwei Drittel aller Impfstoffe ist Aluminium als Wirkverstärker enthalten. Viele Wasserwerke verwenden Alu-Verbindungen zum Klären und liefern das Trinkwasser dann – mit unvermeidlichen Alu-Rückständen – in die Haushalte. 

Im totalen Widerspruch zu dieser sorglosen Anwendung in den sensibelsten Lebensbereichen stehen die aktuellen Erkenntnisse der Wissenschaft: 

  • Brustkrebs wird am häufigsten neben den Achseln diagnostiziert: dort wo aluminiumhaltige Deos aufgetragen werden 
  • Aluminium erzeugt im Tierversuch Demenz und gilt als möglicher Auslöser der Alzheimer-Krankheit beim Menschen 
  • Aluminium manipuliert das Immunsystem und kann es in eine allergische oder autoaggressive Richtung kippen 

Die „Akte Aluminium“ wird endlich geöffnet: Mit diesem Buch haben Sie Zugang zu Informationen, welche von den Alu-Lobbys allzu lange vertuscht und hintertrieben worden sind.

Wer neugierig ist, kann das Buch gleich vorbestellen. Hier nebenan ist der Link zu Amazon.

Samstag, 25. August 2012

Notbremse bei Aluminium

Was meinen Sie, wo mehr Aluminium erlaubt ist: in Lebensmitteln oder in Impfstoffen?

Abschied von E-559, dem Aluminium-haltigen Lebensmittel-Zusatz Kaolin (Foto Chris73)
In besorgten Kreisen junger Eltern wird oft darüber diskutiert, ob eine Sechsfachimpfung nicht zu viel ist für so ein kleines Baby. Und viele überlegen, ob nicht zwei Dreifach-Impfungen - mit einem ordentlichen Abstand dazwischen - besser verträglich wären.
Bei derartigen Diskussionen wird meist übersehen, dass die Wirkstoff-Mengen in den Impfungen vernachlässigbar gering sind im Vergleich zum Gehalt der so genannten Adjuvantien. Der Hauptanteil am Volumen einer Impfung kommt - abgesehen von Wasser als Lösungsmittel - nämlich von diesen Hilfsstoffen, die als Wirkverstärker dienen. Ohne Adjuvantien würde der Großteil der Impfungen deutlich schlechter oder gar nicht wirken. Doch nicht nur der Anteil am Volumen ist bei den Hilfsstoffen größer, auch die Nebenwirkungen einer Impfung kommen meist von den Adjuvantien und nicht von den tatsächlichen Wirkstoffen (Antigene).

Als Adjuvantien verwendet werden im Normalfall Aluminiumverbindungen. Und Aluminium ist bekannt neurotoxisch - also giftig für das Nervensystem.
Erst vor kurzem, im Jahr 2008, hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA: European Food Safety Authority), die tolerierbare wöchentliche Aufnahme für Aluminium in Lebensmitteln von 7 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht auf 1 Milligramm pro Kilogramm radikal abgesenkt. Das wurde damit begründet, "dass Aluminium bereits in niedrigeren Dosen als bisher angenommen, toxisch auf das sich entwickelnde Nervensystem wirkt."


Der Vergleich: Lebensmittel gegen Babyimpfung

Rechnen wir das mal auf ein 5 kg schweres Baby um: Das wären also ein Höchstwert von 5 mg Aluminium pro Woche. Pro Tag sind das 0,71 mg.
Und nun sehen wir nach, was in Impfstoffen drin ist: Der einzige Sechsfach-Impfstoff am Markt, Infanrix hexa enthält sogar zwei Aluminiumverbindungen: Al-hydroxid und Al-phosphat. Das ergibt laut Produktinformation eine Menge von 0,82 Milligramm Aluminium-Ionen (Al3+).
Wenn die Babys beim Impfarzt - so wie üblich - auch gleich noch die Pneumokokken-Impfung dazu bekommen so erhöht sich die Aluminiummenge (jetzt am Beispiel von Synflorix gerechnet) nochmal um 0,5 mg.
Den Babys werden beim Impfarzt also 1,32 mg einer Substanz injiziert, welche nach Expertise der EFSA "toxisch auf das sich entwickelnde Nervensystem wirkt".
Das ist fast die doppelte Menge, welche für Lebensmittel als tolerierbarer Höchstwert gilt.

Und dann muss man noch wissen, dass in Lebensmitteln - über den mit Giften relativ gut geübten Magen-Darm-Trakt - kaum Aluminium im Körper aufgenommen wird.
Bei der Injektion ins Muskelgewebe verbleibt hingegen rund 100 Mal mehr Aluminium im Organismus.

Eine von der französischen Nationalversammlung eingesetzte Expertenkommission empfahl kürzlich, Aluminium aus Impfstoffen so rasch wie möglich zu entfernen und speziell für die Babys, welche am meisten geimpft werden, Aluminium-freie Alternativen anzubieten. - Mit gutem Grund!


EFSA greift durch

Den Lobbyisten der Aluminiumindustrie schmecken diese Aktivitäten gar nicht. Und so wurde rasch Druck aufgebaut, die Empfehlungen der EFSA zu unterlaufen. Einer der wichtigsten Anläufe war eine von der Industrie vorgelegte und finanzierte Studie, aus der hervorgehen sollte, wie gering die Gefahr einer Aufnahme von Aluminium aus Lebensmitteln ist. Die Experten der EFSA bezeichneten die neuen Informationen als ungenügend und hielten an den niedrigeren Grenzwerten fest.

Die EU-Behörde zur Lebensmittelsicherheit blieb auch weiter am Ball: Weil es schwer ist, unter den derzeitigen Bedingungen die niedrigen Empfehlungen zur Aufnahme von Aluminium aus Lebensmitteln einzuhalten, regten sie an, die Zulassung für einige Aluminium-haltige Lebensmittelzusätze zu streichen. Außerdem sollte eine Deklarierungspflicht eingeführt werden, damit die Konsumenten und auch die weiterverarbeitende Industrie überhaupt die Chance haben, den Gehalt an Aluminium zu bemerken.
Der Chef der EU-Kommission Jose Manuel Barroso unterzeichnete am 3. Mai 2012 eine entsprechende Verordnung, die nun bis spätestens 2014 von den Mitgliedsstaaten in Landesgesetze umgemünzt werden muss. Dabei geht es unter anderem den Aluminium-haltigen Zusätzen E-556 (Kalzium-Aluminium-Silikat), E-558 (Bentonit) und E-559 (Kaolin) an den Kragen.

Vielleicht sollte ich mal anfragen, ob die Lebensmittel-Experten der EFSA ihren Kollegen von der EMA (European Medicines Agency) nicht Aufklärungsunterricht erteilen könnten. Diese hätten es nämlich dringend nötig!



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Samstag, 21. Juli 2012

Hepatitis B - Wie hoch ist das Risiko wirklich?

Zur Gefährlichkeit von Hepatitis B gibt es unterschiedliche Angaben, sowohl was den Verlauf der Infektion als auch die Gefahr der Ansteckung betrifft.
Der Wiener Impfexperte Wolfgang M., Initiator von impfinformationen.de, der damit sympathisiert, "Impfgegner mit nassen Fetzen zu jagen", erklärt, dass "von normalen sozialen Kontakten" das größte Infektionsrisiko ausgeht. Auf Türgriffen könne Hepatitis B bis zu einer Woche überleben, in einem Milliliter Speichel fänden sich bei Infizierten rund 20.000 Viren. Und auch wenn Hepatitis B bei den angesteckten Kindern "regelmäßig ohne Symptome verläuft", schreibt Wolfgang M., sei das noch kein Grund zur Entwarnung, denn:
Diese infizierten Kinder werden je nach Alter von null bis drei Jahren zwischen 95% und ca 30% so genannte "gesunde" Virusträger, die dann aber im 3. bis 4. Lebensjahrzehnt sehr häufig massive Leberprobleme bekommen (Fibrose, Zirrhose, Leberzellkarzinom) und die natürlich andere anstecken können weil infektiös.

Dass chronische Hep-B Infektion ein Risikofaktor für Leberkrebs ist, bestreite ich nicht. So wie auch eine chronische Zervix-Entzündung ein Risikofaktor für Zervix-Karzinom oder eine chronische Magenentzündung ein Risikofaktor für Magenkrebs ist. Die meisten viralen Infektionen sind jedoch nicht chronisch, sondern vorübergehend. Den Teufel an die Wand zu malen und nach 30 oder 40 Jahren schlimmes Unglück zu prophezeihen ist schon deshalb problematisch, als es über so lange Zeiträume kaum relevante Studien gibt und derartige Vorhersagen eher mit Astrologie denn mit Wissenschaft verwandt sind.
Wenn es denn so wäre, dass chronische virale Infekte so lange bestehen, so wäre es wohl vernünftiger, diese Risikogruppe zu identifizieren und Energie in die Entwicklung einer Therapie für diese Menschen zu setzen.

Aber folgen wir seiner Argumentation noch ein Stück weiter:
Wolfgang M. behauptet, dass Hep B Infektionen im Säuglings und Kleinkindalter ein relevantes Problem sind. So relevant, dass mit der Impfung der Risikogruppe (Babys von HBsAg positiver Schwangerer) das Problem nicht in den Griff zu kriegen wäre. Deshalb müssten ALLE Kinder geimpft werden. Und er behauptet weiters, dass viele der bei der Geburt infizierten Babys nur scheinbar gesund und symptomlos sind und zwischendurch stecken sie (über Speichel und sogar von Türgriffen war die Rede) noch jede Menge Kontaktpersonen in Kindergruppe, Schule (und später dann beim GV) an.

Dann sehen wir uns doch einmal an, ob dieses Horrorszenario der Wahrheit entspricht.
Wenn dem so wäre, so müsste das ja sichtbar sein, indem vermehrt junge Menschen außerhalb der Risikogruppen (z.B. Drogensüchtige) an Hepatitis B erkranken.

In Dänemark wurden über einen Zeitraum von zwei Jahren alle schwangeren Frauen auf HBsAg (Test auf Infektion mit dem Hepatitis B Virus) getestet. Dort wo der Test positiv ausfiel wurden die Babys geimpft. Die Gesundheitsbehörden erreichten damit eine Impfrate von 96 Prozent in der Risikogruppe. Die zugehörige Studie ist kürzlich im Journal "Vaccine" erschienen. 
Es stimmt also schon einmal nicht, dass die Risikogruppe nicht ausfindig zu machen wäre.
Auch in Deutschland und Österreich gehört ein Test auf HBsAg zum Standard - wird in der zweiten Schwangerschaftshälfte routinemäßig durchgeführt.
Warum also impft man nicht nur diese Risikogruppe?

Wegen des hohen Ansteckungsrisikos sagen die Befürworter der Impfung.
Dann sehen wir mal, wie es um dieses Argument steht und wie hoch das Ansteckungsrisiko tatsächlich ist:
Von 140.376 schwangeren Frauen, die im Lauf der zwei Jahre in Dänemark getestet wurden, war der HBsAg Nachweis bei 371 Frauen positiv. Zum Großteil handelte es sich dabei um Frauen aus Einwanderer-Familien, welche die Infektion wahrscheinlich in ihren Herkunftsländern erworben hatten. Schwangere, die im Ausland geboren waren, hatten eine Infektionsrate von 2,74 %. Am höchsten war der Prozentsatz Infizierter bei Frauen aus Südost-Asien (14,5 %).
Bei in Dänemark geborenen Frauen war hingegen der HBsAg Test gerade mal in 17 Fällen positiv. 
In Dänemark geborene Frauen - egal welcher Nationalität - haben also ein Infektionsrisiko von 0,01 %. Das zeigt, dass das Ansteckungsrisiko in Dänemark extrem niedrig ist.
Zudem ist nicht bekannt, wie viele der 17 HBsAg-positiven Frauen aus den bekannten Hepatitis B Risikogruppen (z.B. Drogensüchtige, Prostituierte) stammen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es einige sind - und damit zeigt sich, dass das Risiko für gesunde Personen außerhalb der Risikogruppen kaum existent ist. 


Gehen wir also nun zum Effekt der Impfung in dieser identifizierten Risikogruppe. 
Das Risiko einer Übertragung von Hepatitis B Viren von der Mutter auf das Kind wird in der Literatur mit 5 bis 12 % angegeben. Von den 17 Frauen hätten also - ohne Impfprogramm - eine bis zwei Mütter die Viren auf ihr Baby übertragen. Das ist weniger als eine Infektion pro Jahr. 
Bei in Dänemark geborenen Schwangeren vermag die Impfung der Risikogruppen also eine Infektion pro Jahr zu vermeiden. Und das bei einer Durchimpfungsrate von 96 Prozent, also einer nahezu vollständigen Erfassung der Risikogruppe!   


Wie sehr dieser Effekt durch die Impfung der Gesamtbevölkerung noch gesteigert werden sollte, ist mir ein vollständiges Rätsel. 


Fassen wir also noch einmal die dänischen Erfahrungen zusammen: 
  • Das Risiko einer Infektion für im Inland geborene Frauen ist extrem niedrig (erst recht, wenn sie keiner der bekannten Risikogruppen angehören) 
  • Die Impfung auf die Risikogruppen zu beschränken - würde im Rahmen eines guten Hep-B-Screeningprogramms den selben Effekt haben, wie die Impfung aller Babys 
  • Die Impfung auf Risikogruppen zu beschränken, würde den positiven Effekt der Impfung maximieren - bei gleichzeitiger Vermeidung von Nebenwirkungen bei Babys, die keiner Risikogruppe angehören. 
  • Anstatt 140.000 Babys zu impfen, genügt es - mit dem selben Effekt - die Impfung auf 370 Babys HBsAg-positiver Mütter zu beschränken. 
Wenn schon allgemeine Impfprogramme gegen Hepatitis B, dann sollten diese wohl eher dort durchgeführt werden, wo die Bedrohung für die Gesamtbevölkerung relevant ist, also etwa in Südostasien.
Tatsächlich gibt es auch solche Programme, beispielsweise in Taiwan (siehe hier oder hier). Die Autoren dieser Arbeiten schreiben, dass 89 Prozent der HBsAg-Träger unter den Kindern, auch HBsAg-positive Mütter haben. Dasselbe gilt für 96% der Kinder, die nach Einführung der Impfkampagne dennoch an Leberzell-Karzinom erkrankt sind. 
In der zweiten Arbeit heißt es: "Über den Zeitraum von rund 20 Jahren, in dem das nationale Hepatitis B Programm in Taiwan gelaufen ist, hat sich also die Leberkrebs-Rate bei Kindern auf ein Drittel reduziert."  Ein Teil des Effektes wird sicher auf die Impfung zurück zu führen sein, ein weiterer auf die allgemeine Verbesserung der hygienischen Situation in diesem Zeitraum. 


Aus der dänischen Studie haben wir gesehen, dass Frauen aus dem südasiatischen Raum tatsächlich das höchste Risiko einer chronischen Hepatitis B Infektion haben. Ich wäre also für eine Impfung der Risikogruppen. 
Wenn Wolfgang M. dafür plädiert, die Gesamtbevölkerung zu impfen, weil die bisherigen Erfahrungen gezeigt haben, dass die Impfung der Risikogruppen alleine nicht ausreicht, das Problem in den Griff zu bekommen, dann frage ich mich, worauf er sich dabei beruft. 
Die Erfahrungen in Taiwan können es nicht sein. Denn dort wird die Gesamtbevölkerung geimpft und das Problem lässt sich trotzdem nicht unter einen gewissen Pegel senken. 


Die gesamte einheimische Bevölkerung zu impfen und mit diesem Riesen-Aufwand - am Beispiel Dänemarks - eine einzige (!) Infektionsübertragung von der Mutter auf das Kind zu verhindern, das ließe sich mit einer Erfassung und Impfung der Risikogruppen genauso erreichen. 
Der gesundheitliche Effekt einer allgemeinen Hepatitis-B Impfung für alle Babys ist minimal und wurde in erster Linie zum Wohl der Impfstoff-Hersteller eingeführt. 


Dem gegenüber steht ein bislang kaum untersuchtes und deshalb nur schwer einschätzbares Sicherheits-Risiko der Hepatitis B Impfung. 
Gerade wenn der Vorteil einer Impfung so gering ist, müsste sicher gestellt und bewiesen werden, dass das Risiko der Impfung nahe null liegt. 
Davon kann jedoch keine Rede sein.

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Samstag, 28. April 2012

Zwei Kinder starben nach Zeckenstichen

Dass binnen einem halben Jahr nun zwei Kinder an einer Gehirnentzündung nach Zeckenstich gestorben sind, ist eine schlimme Sache, die mich sehr beschäftigt. Umso mehr ärgere ich mich, wie schlecht der medizinische Wissensstand hier ist. Außer "Impfen, Impfen, Impfen!" hört man nichts Essentielles von Seiten der Experten. Keine Rede von einer halbwegs umfassenden Aufarbeitung der Krankengeschichten, keine Erhebung möglicher Risikofaktoren - dafür Stolz über eine Weltrekord-Impfquote, die auf Angst-Propaganda beruht. Doch ob die FSME-Impfung die Todesfälle verhindert hätte, ist höchst ungewiss. 


Die Mitteilungen des Wiener Instituts für Virologie beschränken sich vor allem darauf, die gemeldeten Fälle zu zählen und die Meldeorte fehlerfrei einem der neun Bundesländer zuzuordnen. Wenn man den Leiter des Instituts zu Details fragt, die darüber hinaus gehen, so versichert er glaubhaft, dass er auch nicht mehr weiß als in der Zeitung steht. Und das ist nicht grad viel.
Die meldenden Ärzte selbstständig zu kontaktieren, die genaue Krankengeschichte aufzunehmen, die Eltern der Todesopfer zu den Begleitumständen und ihren (Nicht-)Impfentscheidungen zu befragen - all das fällt niemandem ein.
Und so ist die statistische Aufbereitung der jährlichen FSME-Fälle, die regelmäßig vom Virologie-Institut zum Frühlingsbeginn präsentiert wird, nicht viel mehr als eine Werbeaktion für die FSME Impfung. Nachdem die Herstellerfirma Baxter ein langjähriger treuer Sponsor des Virologie-Instituts ist, ist das vielleicht auch so beabsichtigt. 

Totale Ignoranz

Für jemand, der an einer guten wissenschaftlichen Aufarbeitung der Zeckenstich-bedingten FSME Fälle interessiert ist, sind das alles jedoch höchst frustrierende Umstände. Kärnten, das Bundesland, in dem der aktuelle Todesfall aufgetreten ist, hat mit einer Impfquote von 93 Prozent wohl den Weltrekord bei einer Impfung, die von den Menschen selbst zu bezahlen und zu organisieren ist.
Eine Impfung, von der weder die genaue Wirksamkeit, noch die Dauer des Schutzes, noch die Nebenwirkungen, welche über Rötungen und Fieber hinausgehen, im Detail bekannt sind.
Gute Vergleichsstudien mit physiologisch neutraler "Placeboimpfung" in der Kontrollgruppe gibt es nicht. Und wenn die Hersteller mal eine Studie finanzieren, so ist damit bei weitem noch nicht gesagt, dass diese auch erscheint. Ich erinnere mich dazu an die Aussage der damaligen Forschungsleiterin bei Baxter, als ich sie bat, mir eine kürzlich durchgeführte Studie zu schicken. Die Dame lehnte ab und begründete dies mit folgendem denkwürdigen Satz: "Wir machen Studien ja nicht, um diese zu veröffentlichen, sondern damit unsere Impfungen zugelassen werden."

Nachdem das einmal gelungen ist und ein Impfstoff am Markt ist, wird die Erfassung von selteneren Nebenwirkungen dann vollständig dem Zufall überlassen. Zwar besteht seit vielen Jahren eine gesetzliche Meldepflicht von allen medizinischen Auffälligkeiten, die in zeitlichem Zusammenhang zu einer Impfung auftreten. Doch die meisten Ärzte wissen nichts davon. Weder von der Meldepflicht noch von der Tatsache, dass Allergien, chronische Entzündungen oder Autoimmun-Erkrankungen überhaupt von einer voran gegangenen Impfung stammen können. Sie wissen auch nicht, dass es vollkommen gleichgültig ist, ob sie selbst es für wahrscheinlich oder unwahrscheinlich halten, ob das Symptom durch die Impfung ausgelöst wurde, oder nicht.  Allein der zeitliche Zusammenhang genügt für die Meldepflicht an die zuständige Stelle im Gesundheitsministerium. Nichtmeldung ist sogar strafbar. Doch niemand klärt die Ärzte auf, niemand ahndet Verstöße. Und niemand denkt auch nur im Traum daran, die gemeldeten Nebenwirkungen - nach dem Vorbild Deutschlands - in einer öffentlichen  zugänglichen Datenbank im Internet zu publizieren.

Somit erfolgt Aufklärung zur FSME Impfung weiterhin vor allem über PR-Kampagnen, TV-Werbung, sowie als Information getarnte, bezahlte Werbetexte in den Boulevard-Medien.

Ich habe hier im Blog eine der wenigen guten epidemiologischen Arbeiten zum Verlauf der FSME bei Kindern besprochen, die in Österreich existieren. Peter Fritsch hat mit Kollegen von der Meduni Graz die Daten der letzten 24 Jahre seit Einführung der FSME-Impfung in Österreich aufbereitet. In der Steiermark, dem mit Abstand am meisten von der über die Zecken verbreitete Infektion betroffenen Bundesland, waren in dieser Zeit insgesamt 116 Kinder erkrankt. Davon mussten sechs Kinder intensivmedizinisch betreut werden. Bis auf einen einzigen Fall heilte die Krankheit folgenlos ab. Ein zum Zeitpunkt der Erkrankung fünf Jahre altes Mädchen trug bleibende Schäden davon.

Insgesamt waren von den 116 Patienten 112 vollkommen ungeimpft. Zwei Kinder hatten eine Impf-Dosis, ein erkranktes Kind zwei, und eines die komplette Basis-Immunisierung mit drei Impfdosen. Damit erkennt man, dass die FSME-Impfung sehr gut vor dem Auftreten dieser von Zecken übertragenen viralen Infektion schützt.
Ausgerechnet der eine schwere Fall des Mädchens, das bis heute unter Lähmungen und anderen Gesundheitsproblemen leidet, war jedoch das Kind mit der vollständigen Impf-Serie. Die Autoren der steirischen Studie nahmen an, dass der schwere Verlauf genetisch bedingt war, und das Mädchen an einer höheren Empfänglichkeit gegen diese Viren litt.

Dass es nun binnen eines halben Jahres zu zwei Todesfällen bei Kindern gekommen ist, ist höchst ungewöhnlich. Ebenso ungewöhnlich ist, dass beide Kinder geimpft, die Grundimmunisierung mit den drei Teilimpfungen aber nicht abgeschlossen wurde. Die Eltern waren keine Impfgegner. In einem Fall riet angeblich sogar der behandelnde Impfarzt wegen schwerer Nebenwirkungen von einer weiteren FSME-Impfung ab.

Ich fasse hier zusammen, was ich über die Todesfälle in Erfahrung bringen konnte:

Der Fall des Salzburger Kindes

Im September starb - kurz vor seinem 6. Geburtstag - ein Kind in Salzburg an Meningitis. Die Eltern tschechischer Herkunft wohnten im Flachgau, einem Gebiet, in dem FSME selten ist, aber doch vorkommt.
Am 21. Mai 2007, im Alter von 18 Monaten wurden das Kleinkind gegen FSME geimpft, am 4. Juni erfolgte die zweite Impfung. An sich ist der Abstand von nur zwei Wochen zwischen den Impfterminen ungewöhnlich. Wahrscheinlich wurde nach einem "Schnell-Schema" geimpft, um das Kind noch für die aktuelle Saison zu schützen.
Warum die dritte Impfung dann nicht mehr erfolgt ist, konnte mir niemand sagen. Auch nicht, ob das Kind nach den Impfungen möglicherweise unter Nebenwirkungen gelitten hat und die Eltern deshalb die Grund-Immunisierung nicht fertig machten.
Ob das Kind vor dem Ausbruch der Krankheit im Spätsommer 2011 überhaupt von einer Zecke gestochen wurde, gilt als wahrscheinlich, aber nicht als vollständig sicher. FSME Viren können theoretisch auch über andere Quellen - wie z.B. Rohmilch - übertragen werden. Die Eltern konnten sich nicht an einen konkreten Zeckenstich erinnern. Doch das ist nicht ungewöhnlich. Speziell die Stiche von Nymphen - dem zweiten Entwicklungsstadium der Zecken - werden häufig übersehen.
Warum die Infektion so ungewöhnlich schwer verlaufen ist, weiß niemand. Den Experten, die ich befragt habe, waren weder Grunderkrankungen noch sonstige Risikofaktoren bei dem Kind bekannt.

Nicht beantwortet wurde die Frage, wie hoch der Antikörper-Titer des Kindes war. Denn nach zweimaliger Impfung entwickeln laut Aussagen von Impfexperten "98 Prozent der Kinder eine Serokonversion - also Antikörper - und gelten über die Saison als geschützt."

Der aktuelle Todesfall des Kärntner Mädchens

Das 9-jährige Mädchen aus Ledenitzen am Faaker See starb am Dienstag dieser Woche im Landeskrankenhaus Klagenfurt, wohin es wegen des schweren Verlaufes aus Villach überstellt wurde.
Eine ursächliche Therapie stand nicht zur Verfügung, erklärte mir der zuständige Primar, Wilhelm Kaulfersch: "FSME Immunglobuline sind im Vorjahr vom Markt genommen worden, weil sich heraus gestellt hat, dass sie recht unsicher sind und eine Krankheit sogar noch verstärken können."

Das Kärntner Mädchen war ebenfalls geimpft worden. Allerdings nur einmal, weil es, wie Kaulfersch berichtet, "die Impfung sehr schlecht vertragen hat". Angeblich, so Kaulfersch, hat sogar der behandelnde Arzt der Familie von einer nochmaligen Impfung abgeraten.

Ich fragte Kaulfersch, ob diese Unverträglichkeit möglicherweise in Zusammenhang steht mit dem nunmehrigen tödlichen Verlauf der Infektion. "Da habe ich keine Ahnung", entgegnete er, "ich bin doch kein Wissenschaftler."

Nun heißt es, dass das Mädchen noch leben würde, wenn die zwei fehlenden FSME-Impfungen der Basis-Immunisierung - entgegen den Bedenken des Hausarztes - verabreicht worden wären.

Die mit FSME befassten Wissenschaftler raten jedenfalls eifrig zur Impfung und legen ansonsten weiter ihre Hände in den Schoß. Geforscht wird scheinbar nur dann, wenn von Baxter oder Novartis, den Herstellern der beiden Impfstoffe, ein bezahlter Auftrag kommt.

Für die laufende Impfaktion sind die aktuellen Fälle jedenfalls eine enorme Werbung. Im ganzen Land strömen die Menschen mit ihren Kindern zu den Impfärzten. Und vielleicht gelingt es ja, die Weltrekord-Quote der österreichischen "Zeckenimpf-Aktion" noch etwas weiter in die Höhe zu schrauben.

Das beschämende Wissens-Vakuum rundum kümmert niemand.

Freitag, 13. April 2012

Keuchhusten: Impfschutz schwindet rasch

Die Analyse eines Keuchhusten-Ausbruchs in den USA zeigt, dass der Schutz durch die Impfung schneller schwindet, als bisher gedacht. Anstatt Ursachenforschung zu betreiben, fordern Impfexperten nun häufigere Auffrischungen. 



Einige Krankheiten vor denen die Sechsfachimpfung schützt (z.B. Diphtherie, Polio), sind so selten, dass ein Flugzeug-Absturz in den eigenen Vorgarten vergleichsweise wahrscheinlicher ist. Andere Krankheiten (z.B. Hepatitis B) mit bestimmtem Risikoverhalten oder besonders elenden Lebensbedingungen verbunden. Die Infektion mit Keuchhusten-Bakterien ist im Vergleich dazu relativ häufig, spezielle Risikofaktoren sind nicht bekannt. Es kann jeden treffen und speziell für Babys im ersten Lebensjahr ist das mitunter lebensgefährlich.

Nun ist seit langem bekannt, dass die Impfung erst recht langsam den nötigen Immunschutz aufbaut. Erst mit der letzten Teilimpfung, die rund um den ersten Geburtstag gegeben wird, erreicht sie eine Schutzrate von mehr als 90 Prozent.
Wenn die Impfung erst im zweiten Lebensjahr eine gute Wirksamkeit erreicht, so eignet sie sich wenig, Spitalseinweisungen, Komplikationen und Todesfälle während der schwierigsten Zeit - in den ersten zwölf Monaten - zu vermeiden.

Nun zeigte die genaue Analyse eines großen Keuchhusten-Ausbruchs in den USA, dass die Wirkung der Impfung auch deutlich kürzer anhält, als bisher angenommen wurde. In der Altersgruppe von 2 bis 7 Jahren liegt die Schutzrate demnach bei 41%, im Alter von 8 bis 12 Jahren (wo die meisten Fälle auftraten) bei katastrophalen 24% und erst mit den Auffrischungsimpfungen in der Schule steigt die Schutzrate in der Gruppe der 13 bis 18 jährigen wieder auf 78%.

Diese Daten stammen "aus dem Leben" und nicht aus dem relativ künstlichen Umfeld einer von den Herstellern kontrollierten Zulassungs-Studie. Und wenn Impfexperten verlautbaren, dass die Keuchhusten-Impfung generell eine Schutzwirkung von "deutlich über 90 Prozent" habe, so wissen wir nun, dass diese Angabe bestenfalls für die Zeit kurz nach der Impfung gilt.


Konsequenz: "Mehr impfen!"

Die Autoren der US-Studie empfehlen als Konsequenz aus diesen Ergebnissen, den Impfplan zu überprüfen und häufiger gegen Keuchhusten zu impfen. Auch in der EU raten Impfexperten zu zusätzlichen Auffrischungs-Impfungen.
Nun werden in den USA bis zum 18. Lebensjahr aber bereits sechs Keuchhusten-Impfungen empfohlen. In Deutschland und Österreich stehen fünf auf den Impfplänen. Zudem gilt seit kurzem für Erwachsene die Empfehlung, die Impfung alle fünf Jahre aufzufrischen.
Eine Solo-Keuhhusten-Impfung wird derzeit jedoch gar nicht angeboten. Wer die Empfehlung befolgen möchte, muss die Dreierkombi (mit Diphtherie und Tetanus) oder die Viererkombi (inkl. Polio) kaufen. Und da scheuen sogar besonders impffreudige Menschen zurück, weil bei Diphtherie und Tetanus ein zu kurzer Abstand zwischen den Auffrischungen das Risiko unangenehmer Nebenwirkungen erhöht.

Ein interessanter Aspekt ergibt sich durch die Aussage des Leiters der erwähnten US-Studie David Witt in einem Artikel der Agentur Reuters. Dort heißt es:
In early 2010, a spike in cases appeared at Kaiser Permanente in San Rafael, and it was soon determined to be an outbreak of whooping cough -- the largest seen in California in more than 50 years. Witt had expected to see the illnesses center around unvaccinated kids, knowing they are more vulnerable to the disease. "We started dissecting the data. What was very surprising was the majority of cases were in fully vaccinated children. That's what started catching our attention," said Witt.

Besonders überrascht war Witt also, dass die Mehrzahl der Fälle in voll geimpften Kindern aufgetreten sind, und nicht, so wie von ihm erwartet, bei nur unvollständig oder gar nicht geimpften Kindern.
Demnach stellt sich die Frage, ob die vielmalige Impfung der Kinder möglicherweise den Aufbau eines nachhaltigen Immunschutzes vielleicht sogar behindert.


Als die Keuchhusten-Impfung verbannt war

Die meisten Menschen, die mit den Pertussis-Bakterien in Kontakt kommen, scheinen nicht - oder nur sehr leicht zu erkranken. Dies zeigte sich, als von den 70er bis in die 90er Jahre in einigen Ländern - wie etwa Deutschland, Japan, England, Schweden und Russland über einen längeren Zeitraum nicht gegen Keuchhusten geimpft wurde. Grund für die Maßnahme waren heftige öffentliche Diskussionen über gemeldete schwere Nebenwirkungen nach Pertussis-Impfung und der Verdacht, dass die damalige Ganzzell-Impfung vermehrt Gehirnentzündungen auslösen könnte.
Die Industrie reagierte und entwickelte besser verträgliche azelluläre Impfstoffe gegen Keuchhusten. In der Zwischenzeit war die öffentliche Stimmung umgeschlagen. Die Presse schrieb nun nicht mehr über Nebenwirkungen, sondern über Keuchhusten-Ausbrüche.
Und der Reihe nach nahmen fast alle Länder die neue azelluläre Impfung wieder in ihre nationalen Impfpläne auf.

Die impffreie Zeit unterschied sich in den Ländern beträchtlich, betrug beispielsweise in Japan cirka sieben, in (West-) Deutschland sogar 17 Jahre.
In dieser Zeit kam es zwar vermehrt zu Ausbrüchen von Keuchhusten. Dennoch stieg die Inzidenz - laut Robert Koch Institut - aber im schlimmsten Jahr gerade mal auf 0,16 Prozent an (160 Fälle auf 100.000 Einwohner).
In den russischen Statistiken ist während der impffreien Zeit zwar ein größeres Auf und Ab bei den Fällen - im Schnitt aber kaum ein Anstieg zu erkennen. In Japan war der Zenit bei Keuchhusten bei einer Inzidenz von rund 0,01 Prozent erreicht, um danach wieder deutlich abzufallen.
Und obwohl sicherlich zahlreiche Keuchhusten-Fällen von den Ärzten übersehen und nicht gemeldet wurden - die Dunkelziffer also wohl beträchtlich ist - war von einer massenhaften Ausbreitung der Krankheit wenig zu merken.  Wie die Krankheits-Zahlen zeigen, erkrankte nur ein Bruchteil der Menschen an Keuchhusten. Ganz im Gegensatz beispielsweise zu den Windpocken, die ungeimpft fast jedes Kind durchmacht.

Es muss also Schutzfaktoren vor Keuchhusten geben, wenn die Infektion vom Immunsystem der meisten Menschen problemlos abgewehrt wird oder so wenig Symptome verursacht, dass niemand an Keuchhusten denkt.

Mich würde brennend eine gute wissenschaftliche Aufarbeitung jener impffreien Jahre interessieren. Die meisten Publikationen, die mir dazu bekannt sind, widmeten sich lediglich der Zunahme an Keuchhusten-Fällen und forderten mit kaum verhohlener Empörung die Wieder-Einführung der Impfung.
Was aber ist mit den Verdachtsfällen bezüglich der Gehirnentzündungen? - Hat sich das bestätigt?
Wie hat sich die Impfpause sonst ausgewirkt?
Gab es auffällige Gemeinsamkeiten bei jener Minderheit der Kinder und Erwachsenen, die an Keuchhusten erkrankten?
Was könnten hier Schutz- was könnten Risikofaktoren sein?

Und wer ist nun im Lauf des Lebens besser vor Keuchhusten geschützt:
Ungeimpfte Kinder, welche die Infektion unauffällig - mit leichtem Husten - durch gemacht haben, oder geimpfte Kinder, bei denen der Impfschutz nachgelassen hat oder gänzlich verschwunden ist?

Das wären alles interessante Fragen für neugierige Gesundheitswissenschafter.

Status Quo ist allerdings, dass niemand irgend einen Handlungsbedarf sieht, "weil es eh eine Impfung gibt."
Nur ab und zu zeigt eine wissenschaftliche Arbeit, wie trügerisch dieser Schutz ist und wie wenig wir in Wahrheit über diese Krankheit wissen.

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Montag, 27. Februar 2012

Feige "Kinderärzte im Netz"

Die Redakteure von Stiftung-Warentest haben sich über das Thema Impfen getraut und nun wird landauf landab in den Medien berichtet, dass die Windpocken-Impfung dabei gar nicht gut abgeschnitten hat. "Stiftung Warentest rät von Windpocken-impfung ab", stand beispielsweise in der Bild-Zeitung zu lesen.

Die Stiftung Warentest kritisiert an der Windpocken-Impfung unter anderem deren angeblich schlechte Wirksamkeit und die unsichere Dauer des Impfschutzes. Die Diskussion darüber reicht zurück bis zur Mitte der 90er Jahre, als in den USA die Massenimpfung gegen Windpocken eingeführt wurde. Damals herrschte die Meinung, dass eine Einzelimpfung für lebenslange Immunität sorgen würde. Die Strategen der US-Impfkampagne mussten ihren Irrtum spätestens dann eingestehen, als Windpocken an High-Schools ausbrachen, wo 100 Prozent der Schüler geimpft waren.
Die Wirksamkeit der Einmalimpfung wurde schließlich mit bestenfalls 70 Prozent bewertet. (Als Hauptargument für die Einführung der Impfung wurde übrigens damals kein gesundheitlicher Grund genannt sondern ein wirtschaftlicher: die Impfung könne mithelfen ein paar Pflegetage einzusparen.)

Seit einigen Jahren wird nun generell die zweimalige Impfung gegen Windpocken empfohlen. Und das gilt auch für Deutschland, das unter dem damaligen - bekannt Pharma-freudigen - STIKO Vorsitzenden HJ Schmitt als erstes Land der EU im Jahr 2004 den USA mit der Impfempfehlung hinterher gewieselt ist. Ob es, so wie bei der Einmalimpfung nun auch wieder einige Jahre braucht, bis die Wirkung nachlässt, oder ob die Zweimal-Impfung tatsächlich die lebenslange Immunität bringt, kann man derzeit noch nicht abschließend beurteilen. Die Impfexperten haben jedenfalls schon ein Argument auf Lager, falls die Wirksamkeit der Impfung wieder schwinden sollte: "Auch kein Problem, dann impfen wir halt dreimal!"

Höheres Gürtelrose-Risiko

Neben deren fraglicher Wirksamkeit gibt es aber noch andere bedeutsame Gründe, kritisch gegenüber der Windpocken-Impfung zu sein. Zum einen ist das die ungeklärte Frage, wie es nun mit den Gürtelrose-Erkrankungen weiter geht. Die Stiftung hatte gewarnt, dass die Impfkampagne zu einem Gürtelrose-Welle führen könnte.
Das ruft nun als Verteidiger der Impfpläne die Vereinigung der Kinder- und Jugendärzte im Netz auf den Plan. Sie sieht das nicht so - und wendet sich folgendermaßen gegen die Einschätzung der Konsumentenschützer:
Das Gürtelrosen-Risiko, das die Stiftung Warentest anspricht, ist hypothetisch, das heißt bisher noch nicht bewiesen. In den USA, wo bereits seit 1995 flächendeckend gegen Windpocken geimpft wird, hat sich die Zahl der Gürtelrosenerkrankungen bisher nicht erhöht.

In der Klarheit, wie das hier behauptet wird, beruht diese Darstellung entweder auf mangelnder Recherche oder es handelt sich um eine bewusste Fehlinformation. Es gibt - im Gegensatz zu dieser Meldung der "Kinderärzte im Netz" - sehr wohl eine Reihe seriöser Daten, die einen negativen Einfluss der Windpocken-Massenimpfung nahe legen. Anstatt ihre Beruhigungsfloskel abzulassen, hätten die Kinderärzte etwa in der internationalen Medizin-Datenbank "pubmed" nachschlagen können und wären dort auf folgende Studie von Wissenschaftlern der Harvard Medical School in Boston gestoßen. In dieser, Ende 2011 publizierten Arbeit kommt - anhand einer Analyse von 560.000 elektronischen Krankenakten - folgendes Ergebnis raus:
Between 1996 and 2008, the age- and sex-adjusted annual incidence of postherpetic neuralgia (PHN) rose from 0.18 to 0.47 cases per 1000 patients, and the proportion of herpes zoster patients progressing to PHN rose from 5.4% to 17.6%

Seit der breitflächigen Einführung der Windpocken-Impfung haben sich die gefürchteten chronischen Schmerzen nach Gürtelrose (postherpetische Neuralgie) also mehr als verdoppelt, der Anteil der Gürtelrose-Patienten, welche diese Spätfolgen erleiden mussten, verdreifachte sich.
Biologisch plausibel ist der Zusammenhang jedenfalls. Dass Wildviren, die von Windpocken-kranken Kindern ausgestreut werden, bei Erwachsenen einen Immunboost auslösen, der die eigenen "schlafenden" Viren in Schach hält, ist sein langem bekannt. Auf diesem Prinzip basiert auch die Gürtelrose-Impfung, die es seit einigen Jahren zu kaufen gibt. Sie enthält hochdosierte lebende Windpocken-Viren und imitiert den Kontakt mit einem Windpocken kranken Kind.
Dieser Immunboost ist in den USA auf Grund der Massenimpfung mittlerweile schon selten geworden. In Deutschland ist die Situation regional unterschiedlich. Während im Osten mehr als 50 Prozent der Kinder entsprechend der STIKO-Empfehlung geimpft sind, haben sich in Bayern bislang nur 15 Prozent der Eltern für die Windpocken-Impfung entschieden. Mit jedem Jahr steigt der Anteil jedoch ein wenig an. Und während die Haus- und Kinderärzte bei Einführung der Impfempfehlung im Jahr 2004 noch zu zwei Drittel skeptisch waren, hat heute nur noch jeder dritte Arzt Vorbehalte gegen die Windpocken-Impfung. - Und so werden wohl auch in Deutschland die Windpocken-Wellen bald seltener werden.

Wenn wir uns für eine großteils harmlose Kinderkrankheit das massenhafte Auftreten einer extrem unangenehmen, schwer und teuer zu behandelnden Erwachsenen-Krankheit eingehandelt haben, die ihre Opfer nicht selten in den Suizid treibt, so wäre das kein cleverer Deal gewesen, den uns die Impfexperten hier eingebrockt haben. 
Für die Impfstoff-Hersteller hingegen würde sich der Irrtum auszahlen. Denn wenn Gürtelrose zur Massenkrankheit des Erwachsenen-Alters werden sollte, steht über den Verkauf der hochpreisigen Gürtelrose Impfung ein weiterer ordentlicher Geldregen ins Haus.


"Deutlich erhöhtes Risiko schwererer Erkrankung" - durch Stiftung Warentest??

Was die Seriosität des "Kinderärzte im Netz" Artikels betrifft, ist allerdings noch nicht die Talsohle erreicht. Der endgültige Tiefpunkt folgt beim Versuch, der Stiftung Warentest die Verantwortung dafür unterzujubeln, dass die Windpocken weiter zirkulieren:
Zum jetzigen Zeitpunkt, wo die natürliche Infektion in Deutschland zurückgedrängt ist, Individuen zu empfehlen, nicht zu impfen, ist kein guter Rat. Das Risiko ist, dass bei zurückgedrängter Zirkulation der Windpocken-Viren die Erstinfektion in höhere Jahrgänge, die Pubertät und darüber hinaus verschoben wird mit deutlich erhöhtem Risiko schwererer Erkrankung.

Dieses Argument muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, um dessen Hinterfotzigkeit in allen Nuancen auszukosten. Als wären die Krankheitswellen mit einem Schlag abgeebbt, seit die Impfung in Deutschland empfohlen ist - und die Radaubrüder von der Stiftung sorgen nun für ein Comeback.  Selbstverständlich zirkulieren bei Impfraten zwischen 15 und 70 Prozent die Viren aber nach wie vor. Erst wenn hier Durchimpfungsraten von über 90 Prozent - so wie bei Masern, Mumps und Röteln -  erreicht sind, könnten die Windpocken über längere Zeit zurückgedrängt werden.
Aber es stimmt schon, das Alter, in dem die Kinder in Deutschland mittlerweile erkranken, hat sich bereits erhöht und - wie die Kinderärzte auch richtig schreiben - geht es tendenziell in Richtung eines deutlich höhere Risikos von Komplikationen.
Wohin hier der Weg führt, haben ebenfalls die USA vorgeführt. Während in der Vorimpfära die Kinder im Schnitt mit fünf Jahren an Windpocken erkrankten, lag das Alter bei der letzten Untersuchung zu diesem Thema bereits bei rund elf Jahren. Es handelt sich um einen klaren Effekt der Massenimpfung.
Die Verantwortung dafür, liebe Kinderärzte im Netz, müsst also schon Ihr und die anderen Befürworter der Massenimpfung übernehmen.
Das auf die Stiftung Warentest abzuschieben ist schäbig und feig.

Samstag, 7. Januar 2012

Pneumokokken-Impfstudie: Sponsor und Studienleiter verurteilt

Immer öfter weichen Pharmakonzerne für teure und aufwändige Zulassungsstudien in Länder mit niedrigen Sozialstandards aus. Dort sind die Gesundheitsbehörden mit einfachen Mitteln freundlich zu stimmen, Teilnehmer lassen sich für einen Pappenstiel anwerben - und niemand redet dem Konzern bei der Abwicklung und Aufbereitung seiner Daten drein. Man kann es aber sogar in Entwicklungsländern zu bunt treiben.



GlaxoSmithKline (GSK), einer der weltgrößten Hersteller von Impfstoffen, wird die Strafe wohl aus der Portokasse bezahlen, der Image-Schaden wiegt hingegen schwer: Zu einer Million Pesos (rund 180.000 EUR) verurteilte ein argentinisches Gericht den multinationalen Konzern, sowie zwei Studienleiter, weil bei der Zulassungsstudie des Pneumokokken-Impfstoffes Synflorix Babys geimpft wurden, ohne dass gültige Einverständniserklärungen der Eltern vorlagen. Teilweise, stellte das Gericht fest, waren Unterschriften von Analphabeten eingeholt worden, die keine Ahnung hatten, worum es in der 28 Seiten umfassenden Erklärung eigentlich ging. Minderjährige Mütter wurden mit Drohungen zur Unterschrift genötigt. Manche der Unterschriften auf den Erklärungen stammten von Personen, die mit den Babys weitschichtig oder gar nicht verwandt - jedenfalls aber nicht erziehungsberechtigt - waren.

14 ungeklärte Todesfälle

In Argentinien hat der Prozess für ein gewaltiges mediales Echo gesorgt, zumal bekannt wurde, dass im Verlauf der Studie 14 Babys gestorben waren. Vermehrt gehen nun Verwandte an die Öffentlichkeit, die von einem arroganten und ignoranten Umgang der Studienleiter mit den Betroffenen berichten und den Verdacht äußern, dass die "experimentellen Impfstoffe" die Todesfälle verursacht haben.
Dieser Verdacht wird von GSK heftig zurück gewiesen, eine Konzern-Sprecherin kündigte volle Berufung gegen das Urteil an. Synflorix sei sicher, die Todesfall-Rate unter den rund 14.000 Studienteilnehmern deutlich geringer als in der Normalbevölkerung.
In einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung heißt es, die Sicherheit des Impfstoffs werde durch das Urteil nicht in Frage gestellt. Auch die Nationale Verwaltung für Lebensmittel, Medikamente und Technologie in Argentinien (ANMAT) veröffentlichte am Dienstag eine Erklärung, dass der entwickelte Impfstoff "sicher" sei. ANMAT zufolge hatten "alle 14 verstorbenen Babys nicht den Wirkstoff, sondern ein Placebo erhalten, also ein Scheinmedikament".

Argentinische Behörden stehen GSK mit Falschmeldung bei

Ich habe zunächst an eine Falschmeldung von Spiegel online gedacht, als ich diese Mitteilung las. Tatsächlich fand ich die Aussage von ANMAT aber auch in anderen Quellen bestätigt. Die Mitteilung der argentinischen Behörden, dass alle Todesfälle nicht in der Wirkstoff-Gruppe, sondern in der Placebo-Gruppe aufgetreten sind, wo ein "Scheinmedikament" verabreicht worden sei, belegt, dass die ANMAT-Sprecher entweder keine Ahnung von der Studie hatten, oder absichtlich täuschen wollten.
Dass "alle Todesfälle in der Placebogruppe aufgetreten sind", sollte wohl suggerieren, dass Impfungen stets Todesfälle vermeiden - und jene Babys, die das Pech hatten, in die Scheinmedikamenten-Gruppe gelost zu werden, mit ihrem Leben dafür zahlen mussten.
Das ist aber insofern Schwachsinn, als bei nahezu allen Impfstoff-Studien als Placebos ebenfalls Impfungen verwendet werden.
Im Fall dieser - so genannten COMPAS-Studie (für "Clinical Otitis Media and Pneumonia Study") - sogar eine ganze Menge: Babys in der Synflorix-Gruppe bekamen im Studienzeitraum zehn Einzelimpfungen (darunter vier Mal die zu testende neue Impfung), die Kontrollgruppe erhielt keine Scheinmedikamente, sondern ebenfalls zehn Einzelimpfungen. Die "Placebos" waren eine Dosis der Hepatitis A und drei Injektionen der Hepatitis B Impfung.
Bei so einem Durcheinander an Impfungen ist es kaum noch möglich, die Verursacher einer Nebenwirkung zweifelsfrei zu identifizieren. Für die Pharmakonzerne ist das allerdings eine ideale Ausgangs-Situation für die Zulassung neuer Impfstoffe: je mehr Impfungen in der Placebogruppe, desto sicherer werden etwaige Nebenwirkungen in der Hauptgruppe maskiert und unsichtbar.
Falls die Aussage von ANMAT stimmen sollte, dass alle Todesfälle in der Kontrollgruppe aufgetreten sind, würde das allerdings ein ziemlich schlechtes Licht auf die Sicherheit der dort verwendeten Hepatitis-Impfstoffe werfen. Man kann aber getrost davon ausgehen, dass die ANMAT Aussage falsch ist und ihr einziger Zweck darin lag, GSK beizustehen und den Image-Schaden für den Pneumokokken-Impfstoff Synflorix einzugrenzen. 

In welchen Gruppen tatsächlich die Todesfälle aufgetreten sind und was die Ursachen waren, ist derzeit nicht zu eruieren. Hier werden wir wahrscheinlich auf die Publikation der GSK-Studie warten müssen, die für heuer angekündigt wurde. Dass in einer Studie, die von der Hersteller-Firma von Anfang bis zum Ende vollkommen kontrolliert wird, herauskommen würde, dass die Impfungen ursächlich an Nebenwirkungen oder am Tod der Babys beteiligt waren, käme allerdings einem Weltwunder gleich. Denn in derartigen Studien geht es um den Markteintritt eines potenziellen neuen Blockbusters. Und da sorgt schon die Marketing Abteilung des Konzerns dafür, dass nichts mehr schief geht.

Heftige Debatten um Pneumokokken-Impfung in Österreich

Viele Jahre hatte sich Österreich geweigert, den damaligen Pneumokokken-Monopol-Impfstoff Prevenar auf Staatskosten anzukaufen und gratis ins Impfprogramm aufzunehmen. Ich erinnere mich an wüste PR-Kampagnen der Impf-Lobby, in der die damalige Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat quasi als Mörderin denunziert wurde, weil sie sich in den Verhandlungen quer gelegt hatte.
Später erzählte mir ein hoher Beamter von den damaligen heftigen Debatten, in denen sich die Impfexperten gegenseitig an Drohgebärden überboten und sogar aggressiver agierten hatten, als die Angestellten des US-Konzerns. "Man dachte wohl, es genügt, kräftig mit dem Leichentuch zu wacheln und wir zahlen den unverschämt hohen Preis, den die Amerikaner verlangten", sagte mir der damalige Chef-Verhandler von Seiten des Ministeriums. "Es handelte sich um pure Erpressung - und wir spielten nicht mit."
Weil die Impfexperten gar so solidarisch mit den US-Vertretern waren, wurde zudem eine öffentliche Erklärung von den Experten verlangt, dass sie nicht finanziell mitschneiden. Das empfanden die Herren Impfexperten dann als Provokation.
Diese Vorkommnisse sind einige Jahre her, die Minister kamen und gingen - die Vorstöße für die Gratisimpfung gegen Pneumokokken blieben jedoch eine fixe Konstante in der Community der Impfexperten. So musste etwa Herwig Kollartisch vom "Zentrum für Reisemedizin", der sich schon seit Jahrzehnten als eifriger Unterstützer aller möglichen Impfungen ausgezeichnet hat, "fast in Tränen ausbrechen", wenn er an die ungerechte und hartherzige Praxis im Lande denken musste.
Bei Gesundheitsminister Alois Stöger hatten die Impf-Lobbyisten schließlich Erfolg. Unter dem eifrigen Beifall des Grünen Gesundheitssprechers Kurt Grünewald kündigte der SPÖ-Politiker im Vorjahr an, dass nun auch in Österreich die Gratis-Pneumokokken-Impfung Realität wird.
Ab 1. Februar beginnt die Gratis-Impfaktion auf Kosten der Steuerzahler. Und zwar mit eben jenem experimentellen argentinischen Impfstoff, der mittlerweile unter dem Namen Synflorix in der EU zugelassen worden ist.

 Impfung bewirkt enormen Verdrängungs-Effekt unter Pneumokokken-Typen  

Der erste Pneumokokken-Konjugat-Impfstoff Prevenar kam zur Jahrtausendwende auf den Markt und wurde zu einem Milliarden-Blockbuster für den US-Konzern Wyeth (der daraufhin vom weltgrößten Pharmakonzern Pfizer um eine Rekordsumme aufgekauft wurde). Prevenar sollte gegen die sieben gefährlichsten der mehr als 90 verschiedenen Pneumokokken-Stämme wirken, versprach die Produktwerbung.
Als Folge der breiten Impfkampagnen ergab sich jedoch eine herbe Überraschung: Es kam zu einem gewaltigen, bisher noch nie registrierten Verdrängungs-Effekt. An Stelle einer dauerhaften Reduktion der Krankheitsfälle änderte sich nämlich bloß die Art der Bakterien, die als Verursacher von Gehirn-, Lungen oder Mittelohr-Entzündungen identifiziert wurden. Jene sieben Pneumokokken Stämme, die im Impfstoff enthalten waren, verloren zunehmend an Terrain, die anderen Pneumokokken-Stämme holten hingegen stark auf.
Dies führte - nach einem anfangs recht starken Rückgang invasiver Pneumokokken-Erkrankungen - zu deren massivem Comeback, die sich teilweise sogar auf einem höheren Niveau einpendelte als zu Beginn der weltweiten Impfaktionen.
Als besonderes Problem erwies sich die Ausbreitung des Stammes 19A, der überdurchschnittlich häufig gegen Antibiotika resistent ist. Viele Patienten starben an der Infektion, andere erlebten ein jahrelanges Martyrium mit unzähligen erfolglosen Therapie-Versuchen. Eine niederländische Studie ergab, dass geimpfte Kinder ein nahezu doppelt so hohes Risiko haben, dass ihre Nasen-Schleimhäute vom Serotyp 19A besiedelt werden, als Kinder einer ungeimpften Kontrollgruppe.

Hochrüstung am Pneumokokken-Markt

Der schleichende Austausch bei den Pneumokokken-Typen war auch in Ländern spürbar, in denen nur wenige Kinder geimpft wurden. Beispielsweise in Österreich, wo die Pneumokokken-Impfung bisher nur für Risikokinder gratis war. Einen Überblick dazu bietet der kürzlich veröffentlichte Bericht der Nationalen Referenzzentrale für das Jahr 2010: Trotz schlechter Impfrate sank der Anteil der von der alten 7-valenten Prevenar-Impfung abgedeckten Serotypen von 46 Prozent im Jahr 2005 auf nur noch 29 Prozent im Jahr 2010.
Mit dem, nun vom Gesundheitsministerium angeschafften Impfstoff Synflorix von GSK wird ein wenig aufgerüstet und der Schutz von 7 auf 10 Serotypen erweitert. Damit werden - zum derzeitigen Stand - 41 Prozent der von Pneumokokken insgesamt verursachten Krankheiten abgedeckt. Das heißt aber gleichzeitig, dass der vom Ministerium demnächst angebotene Gratis-Impfstoff gegen 59 Prozent der in Österreich grassierenden Pneumokokken-Infektionen keinen Schutz bietet. Ein Anteil, der sich - nach den Erfahrungen mit Prevenar - über die Jahre zweifellos noch deutlich erhöhen wird. Und somit rüsten die Impfstoff-Konzerne immer weiter auf und versuchen Varianten auf den Markt zu bringen, die gegen immer mehr Serotypen gerichtet sind.

Impfexperten sind dennoch voll des Lobes über Alois Stögers Initiative. Endlich ist es auch hierzulande möglich, aktiv und auf Kosten der Steuerzahler - also praktisch gratis - mit seinen Kindern am Verdrängungs-Wettkampf der Pneumokokken-Serotypen teilzunehmen.
Bleibt nur zu hoffen, dass der Druck nicht zur weiteren Ausbreitung des Horror-Typs 19A beiträgt. Genau gegen diesen hoch problematischen Serotyp schützt Synflorix - im Gegensatz zur neuen 13-valenten Prevenar Impfung - nämlich nicht.
Dafür war Synflorix in der Anschaffung deutlich preisgünstiger.