Freitag, 2. September 2022

Pharma-nahes Impfgremium macht Österreich zum Impf-Europameister

Während die internationalen Behörden im Schnellverfahren neue Covid-Impfstoffe zulassen, steigt die Skepsis bei den nationalen Impfgremien, wie sie damit umgehen sollen: gab es doch in der Geschichte des Impfwesens noch nie Impfstoffe, die schlechter wirksam und gleichzeitig so unsicher waren. Nur zwei Länder hängen weiter unverdrossen am Impftropf fest: Deutschland und Österreich. 

Der eifrige Impf-Promoter Herwig Kollaritsch 


Die Argumente der Gesundheits-Politik in Deutschland und Österreich gleichen sich in ihrer Absurdität immer mehr an. Erst vor einigen Tagen hatte Minister Karl Lauterbach der Bevölkerung erklärt, dass Geimpfte rascher erkranken und früher Symptome entwickeln als Ungeimpfte. Wenn Geimpfte rascher erkranken als Ungeimpfte, so würde man das normalerweise als Beleg dafür nehmen, dass die Impfung unwirksam und unnötig ist. Nicht jedoch Lauterbach. Er sieht diesen Aspekt positiv, weil "die Geimpften bleiben dann zu Hause noch bevor sie wirklich ansteckend sind." Die bösen Ungeimpften hingegen stecken schon rundum alle an, bevor sie überhaupt Symptome zeigen. "Das", so Lauterbach "ist einer der Gründe, warum die Impfungen die Pandemie begrenzen."

Der Mediziner Herwig Kollaritsch, Sprecher des österreichischen "Nationalen Impfgremiums" (NIG) zeigte sich in seiner Art der Argumentation kongenial mit dem deutschen Minister, als er am Mittwoch dieser Woche die neuen Impfempfehlungen bekannt gab. "Bei der Omicron-Variante ist der Impfschutz schwächer, was bedeutet, dass wir letztlich durch eine verstärkte Aufmerksamkeit bezüglich der Impfabstände dem gegensteuern müssen", erklärte Kollaritsch.  

Bisher hat die Impfempfehlung nur für Risikogruppen und für Menschen ab 60 Jahren gegolten. Nun jedoch ist die 4. Covid-Impfung bereits für alle ab 12 Jahren empfohlen. Und auch die Impfabstände werden verkürzt. Vier Monate genügen.

Die aktualisierte Impfempfehlung des NIG sei laut Kollaritsch „der Versuch, ein einfaches, einprägsames und für alle gültiges Impfschema“ zu schaffen. Deshalb solle sofort damit aufgehört werden, eine natürlich durchgemachte Infektion, wie sie auch der Großteil der Geimpften bereits hinter sich hat, mitzuzählen. "Denn das verwirrt nur."

Weil die Impfung schwächer wirkt, sollen also mehr Leute in kürzeren Abständen geimpft werden. Und während 5-jährige nach Ratschlag des NIG zunächst mal ihre Grundimmunisierung mit 3 Dosen absolvieren sollen, können 12-Jährige bereits zum 4. Stich antreten. 

Lauterbach wird nicht schlecht gestaunt haben, als er von den Empfehlungen der Nachbarn hörte. So etwas hätte nicht mal er sich getraut, zumal - angesichts der Harmlosikeit der natürlich durchgemachten Omicron Infektion und des hohen Risikos von schweren Nebenwirkungen - kaum ein Land die Impfung für Kinder und Jugendliche überhaupt noch allgemein empfiehlt. Mit dieser Taktik steht Österreich ebenso allein da, wie kürzlich mit der Einführung der nationalen Impfpflicht. 


50 Spritzen bis zum 18. Geburtstag

Österreichs Impfexperten haben sich auch in der Vor-Covid-Ära bereits dadurch ausgezeichnet, dass sie normalerweise jede Impfung empfehlen, die es gibt. Während Deutschland beispielsweise eine Meningokokken-Impfung empfiehlt, stehen im österreichischen Impfkalender gleich drei. Während die Influenza-Impfung ab 60 Jahren allgemein empfohlen ist, sollen sich österreichische Babys bereits ab 6 Monaten impfen lassen. Wer sich an diese Ratschläge hält kommt bei einem Kind bis zu dessen 18. Geburtstag immerhin auf 50 Spritzen. Damit ist Österreich Impf-Europameister.

Falls sich jemand daran hält. Im Gegensatz zur Impf-Euphorie der NIG-Experten, regiert in der Bevölkerung eine gesunde Skepsis. Während Schweden beispielsweise eine Rekordquote von rund 80 Prozent bei der saisonalen Influenza-Impfung erreicht, kam Österreich in den Vor-Corona-Jahren gerade mal auf 8 Prozent. Und das hatte auch seine Vorteile: Impf-Nebenwirkungen wie Narkolepsie, die 2009/10 im Zuge der Schweinegrippe-Pandemie in Skandinavien tausende Menschen betrafen, kamen in Österreich - so wie auch in Deutschland - gar nicht vor. Und wenn es doch vorgekommen ist, wäre es nicht aufgefallen, weil das Thema Impfstoff-Sicherheit mangels Impfregister und mangels Interesse so gut wie gar nicht existiert. 


Die STIKO: einen Skandal voraus

Dass die österreichischen NIG-Experten die deutschen Kollegen von der STIKO an Impfeifer überflügeln, hat wahrscheinlich damit zu tun, dass Deutschland bereits eine heftige mediale Debatte über die mögliche Bestechlichkeit der STIKO hinter sich hat. Über viele Jahre wurde dieses Gremium nämlich vom Mainzer Professor Heinz-Josef Schmitt geleitet, der keinerlei Probleme hatte, nebenher für die Industrie zu arbeiten. Nahezu jährlich kamen auf sein Betreiben neue Impfungen in den deutschen Kalender: Pneumokokken, Meningokokken, Windpocken und schließlich im Jahr 2007 - als erstes Land der EU - auch noch die HPV-Impfung, die mit einem Preis von 450 EUR pro Grundimmunisierung alle Grenzen sprengte. Schmitt hatte keinerlei Bedenken, vom Hersteller der Impfung noch mal rasch einen "Preis zur Förderung des Impfgedankens" anzunehmen, der mit einer Summe von 10.000 EUR dotiert war. "Das sind doch öffentliche Bestechungen", empörte sich damals Wolfgang Becker-Brüser der Herausgeber des "arznei-telegramm" und auch andere Journalisten übten heftige Kritik. Daraufhin dankte Schmitt als STIKO-Vorsitzender ab, gab auch gleich seinen Professoren-Job in Mainz auf und wechselte ganz zur Industrie, wo er bei Novartis und später bei Pfizer im Vorstand saß. 

Ex-STIKO-Chef Heinz-Josef Schmitt wechselte in den Vorstand von Pfizer

Pharma-nahe Impfexperten

Derartige öffentlichkeitswirksame Vorfälle gab es in Österreich nicht. Und so hat sich im Impfwesen eine Clique von recht pharmanahen Persönlichkeiten etabliert. Dies erkennt man auch an den aktuellen Aktivitäten: 

Am Mittwoch dieser Woche gab Herwig Kollaritsch die neuen Empfehlungen des NIG bekannt, am kommenden Dienstag erklärt er seine "Gedanken zu COVID-19 Impfschemata" in einer Fortbildungsveranstaltung für Ärzte. Im Rahmen dieser "Webinare" treten auch andere Kollegen aus dem Kreis des NIG auf. Karl Zwiauer, der ehemalige Leiter der St. Pöltner Kinderklinik, referiert z.B. zur Pneumokokkenimpfung, die Wiener Virologin Monika Redlberger-Fritz über das RS-Virus, zu dem Pfizer zufällig vergangene Woche eine Impfung zur Zulassung bei den US-Behörden angemeldet hat. 

Auch NIG-Mitglied Karl Zwiauer sieht seine Haupt-Aufgabe in der Impfwerbung 

Seit langem ist es üblich, dass die Fortbildung für Ärzte von der Pharmaindustrie bezahlt wird. So auch hier. Sponsoren der Veranstaltungen sind folgerichtig Impfstoff-Konzerne wie Pfizer, Merck, Janssen - oder, wie bei der Veranstaltung zu den aktuellen Covid-Impfstoffen, die französisch-österreichische Firma Valneva, deren Totimpfstoff gerade von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zugelassen worden ist.

Wissenschaftlicher Leiter dieser Fortbildung-Reihe ist Florian Thalhammer, Vorstand der Universitätsklinik für Urologie an der Meduni Wien. Der Urologe ist nebenher auch Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (ÖGIT) und damit erklärt sich wohl auch seine Kompetenz in der Impfthematik. 

Im Rahmen der "Open Alm", dem Höhepunkt der im August abgehaltenen "PRAEVENIRE Gesundheitsgespräche" im Tiroler Alpbach erklärte Thalhammer (laut einem Artikel von apa/vienna.at): "Wer sich nicht gegen Covid-19 impfen lässt, wird auf der Intensivstation enden und über die Pathologie nach Hause gehen. Das muss man, glaube ich, klar aussprechen." 

Wie Thalhammer - speziell in Zeiten von Omicron - zu einer derart absurden Ansicht kommt, die von keinerlei Evidenz gedeckt ist, erklärte er nicht.

Auch hier braucht man sich keine Sorgen machen, dass Thalhammer auf eigene Kosten nach Tirol fahren musste, um seine Weisheiten loszuwerden. Denn das so seriös klingende "PRAEVENIRE Gesundheitsforum" gehört zur "Peri-Gruppe" von Robert Riedl, der mit seinen zahlreichen Firmen und einer Heerschar angeheuerter Lobbyisten seit Jahrzehnten das Pharma-Marketing in Österreich dominiert. 


"Dann kann ich zusperren..."

Wie viele andere hat Herwig Kollaritsch seine Karriere weitgehend auf der Bewerbung von Impfungen aufgebaut. Pharmanähe ist seit langem eine Grund-Bedingung für akademisches Arbeiten. Dies erlebte ich ganz konkret bei der Recherche zu einem Profil Artikel vor mehr als 20 Jahren. 

Damals - kurz nach der Jahrtausendwende - gab es Schwierigkeiten mit dem neuen FSME-Impfstoff "TicoVac" gegen die von Zecken übertragene Infektionskrankheit. Speziell Kinder und erstmals Geimpfte reagierten oftmals mit Fieberkrämpfen und hoher Temperatur. Deutschland sagte im Folgejahr sogar die "Zeckenimpfung" für Kinder ganz ab, "weil wir", so Johannes Löwer, der damalige Präsident des Paul Ehrlich Instituts, "damit die Impffreudigkeit der Bevölkerung gefährden würden."

Österreichs Behörden kannten hier weniger Bedenken und brachten - ohne eigene Zulassungsstudien - eine neue Version der FSME-Impfung auf den Markt, die gleich direkt an den Geimpften erprobt wurde. Herwig Kollaritsch hatte damals eine Studie zu TicoVac fertig gestellt, die vom Hersteller der FSME-Impfung, dem US-Konzern Baxter bezahlt worden war. Die Resultate zeigten, dass die Geimpften ein signifikant erhöhtes Fieber-Risiko hatten. Der Sponsor hatte kein Interesse an einer öffentlichen Diskussion dieser Problematik, und verweigerte die Publikation. Kollaritsch war darüber sehr verärgert und sagte im Gespräch mit mir unter anderem: "Baxter ist ein Monopolist, der macht was er will." 

Als ich ihm die Abschrift des aufgezeichneten Interviews schickte, verlangte Kollaritsch, dass dies gestrichen wird. Ich war nicht erfreut und fragte nach dem Grund - schließlich hatte er das wortwörtlich so gesagt. Daraufhin wurde er ganz aufgeregt und bettelte regelrecht: "Bitte - wenn Baxter seine Förderungen zurückzieht, kann ich mein Institut zusperren."

Nun, dies geschah nicht. Dafür wurde Baxter von Pfizer übernommen und Herwig Kollaritsch empfiehlt nach wie vor Impfstoffe. 


Dieser Artikel erschien in leicht veränderter Form als Kommentar auf tkp.at

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Informationen zu Bert Ehgartners aktuellem Film "Unter die Haut" findet Ihr auf der Webseite zum Film. Wer an einem Interview, einem Vortrag oder einer Filmvorführung mit Bert Ehgartner interessiert ist, findet die Kontaktdaten auf seiner Homepage.









5 Kommentare:

  1. Eigentlich machen es einem die Typen leicht Ihre Verflechtungen mit den schmarotzenden, parasitären Organisationen, auf zu zeigen!
    Das Problem ist nur, wie bekommt man diese gesellschaftsrelevanten Informationen an der völlig versagenden oder sogar deformierenden 4 Macht vorbei, zu den Bürgern.
    Für viele sind alternative Medien, zum Teil zu Recht, stigmatisiert.
    Bleiben wirklich nur mehr Filme auf Servus TV?
    Rudi Fluegl

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  2. Guten Abend Herr Ehgartner,

    vielleicht erinnern Sie sich noch an Diskussionen vor über 10 Jahren auf einem österreichischem Forum, wo das Thema Polio und Pestizide thematisiert wurde und ein gewisser ''Wolfgang'' die Oberaufsicht über das Forum vertrat. Nicht nur diesbezüglich möchte ich Ihnen ein aktuell ins Englische übersetzte Buch dringend empfehlen. Es heißt: TURTLES ALL THE WAY DOWN. Die Autoren sind anonym - und wer das Buch gelesen hat, der weiß warum. Nirgends wurde das Thema (Kinder)Impfungen dermaßen ''offiziell'' durchleuchtet - Polio inklusive. ''Offiziell'', weil sämtliche der Unmengen an Quellen aus offiziellen Quellen stammen. Im Grunde ENDLICH das dringend notwendige Buch über Impfungen. Leider ist Corona nicht thematisiert, weil das Buch zuerst 2019 in Israel erschien - aber die Parallelen zur ''Impfsicherheit'' sind unübersehbar ...

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  3. Der Preis an Schmitt für Impffreudigkeit - das war 2006 ist also mehr als 15 Jhr her. Ist nicht gerade aktuell. Und die geschichte mit Ticovac - ja das war schlimm- ist 22 Jhr her- also auch nicht aktuell.

    Wie wärs wenn Sie mal was Aktuelles bringen und nicht immer die alten Gschichtln von vor zig Jahren? Ist ja langweilig.

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  4. Herr Kollaritsch!
    Warum so anonym?
    Rudi Fluegl

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